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Herzlich willkommen auf praedica.de!

Auf meiner Website finden Sie Texte zu den Evangelien und Lesungen der Sonntage, sowie zu den Festen und Gedenktagen der Heiligen.
Hier auf der Startseite sind einige aktuelle Texte zusammengefasst. Weitere Texte finden Sie, wenn Sie den Links folgen. Weiter unten finden Sie eine kurze Übersicht, die Ihnen die Navigation erleichtern soll.

Kürzlich neu erstellt oder überarbeitet:

1.12. Charles de Foucauld
2.12. Luzius von Chur
3.12. Franz Xaver
4.12. Adolph Kolping
2. Advent

Endlich wieder Markus. Mit dem ersten Advent im Lesejahr B beginnt alle drei Jahre von neuem das Kirchenjahr, in dem die Texte aus dem Markusevangelium im Mittelpunkt stehen. Im Jahr 2009 habe ich damit begonnen, das Markusevangelium als erstes der vier Evangelien nahezu durchgängig zu kommentieren. In den vergangenen Jahren habe ich meine Texte zu den Büchern der Heiligen Schrift stark erweitert. Nun ist wieder Markus dran. Vieles ist seit 2009 geschehen, die Welt hat sich verändert, ebenso mein Leben und damit auch mein Denken. Die Evangelien sind keine Dokumente aus vergangener Zeit, sondern Worte, die in die Zukunft weisen. Sie sind lebendige Texte, die immer wieder neu interpretiert werden wollen. Sie geben immer wieder neu Antworten auf unsere Fragen. Mit ihnen zeigt uns Gott, wie unser Leben gelingen kann, wenn wir unseren Weg mit Jesus Christus gehen.
Markus zeigt uns, was damals vor fast 2000 Jahren geschehen ist, aber dieses Geschehen ist auch heute noch aktuell, weil dieser Jesus, von dem Markus seinen Lesern erzählt, nicht nur eine historische Persönlichkeit war. Jesus Christus ist Gottessohn, wie Markus gleich im ersten Satz klarstellt, er ist Gott und als solcher unvergänglich. Jesus, der nach seinem Tod ins Grab gelegt wurde und aus diesem Grab verschwunden ist, ist zu seinem Vater in den Himmel gegangen und ist von dort den Menschen aller Zeiten nahe. Er hat das Reich Gottes auf Erden gegründet und dieses Reich besteht bis heute. In ihm leben alle, die an Jesus Christus glauben.

Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn. (Mk 1,1)

Schon im ersten Satz des Evangeliums liegt die ganze Sprengkraft christlichen Glaubens, liegt die ganze Wucht des Aufpralls, mit der das Christentum das Römische Reich umwälzen und sich über die ganze Welt verbreiten wird. Schon in diesem Satz wird deutlich, warum die Christen von Anfang an mit der Verfolgung durch die Römischen Kaiser zu rechnen hatten. Wer damals den ersten Satz des Markusevangeliums las, der verstand sofort, worum es hier ging.
Evangelium - Gute Nachricht, damit waren damals Meldungen von höchstem Rang gemeint, Meldungen, die direkt aus dem Kaiserhaus kamen, etwa die Proklamation eines neuen Kaisers oder die Meldung über einen Sieg der kaiserlichen Truppen oder die Ankündigung der Geburt eines Sohnes des Kaisers. Das, was Markus hier schreibt, ist somit als eine Botschaft ersten Ranges zu verstehen. Das Evangelium von Jesus Christus hat Bedeutung für ALLE Menschen und zu ALLEN Zeiten. Dieser Jesus Christus, von dem hier berichtet wird, wird dem Kaiser gleichgestellt, ja, es wird sich zeigen, dass er über dem Kaiser steht. Das zeigt auch sein Titel, Gottessohn, ein Sohn eines Gottes, wie es im Griechischen heißt. So nannten sich auch die Kaiser, die ihre Väter und später auch sich selbst vergöttlicht haben. Jesus Christus aber ist der Sohn des einzigen wahren Gottes und er ist gekommen, um das Reich Gottes auf dieser Erde zu erreichten, das alle anderen Reiche überragt. Mit ihm wird die Gottesherrschaft auf dieser Welt Wirklichkeit. Dies von einem Menschen zu behaupten, der im hintersten Winkel des Römischen Reiches als einfacher Handwerkersohn geboren wurde, musste den Menschen damals als etwas Unglaubliches erscheinen.

2. Advent
Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja: Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird. Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! (Mk 1,2-3)

Das dem Propheten Jesaja zugeschriebene Zitat setzt Jesus Christus in Beziehung zu den Verheißungen Israels. Genau gesehen handelt es sich dabei um ein Mischzitat aus Mal 3,1 (Mk 1,2) und Jesaja 40,3 (Mk 1,3). Der Prophet Maleachi ist es auch, der die Wiederkunft des Elija vor dem Tag des Herrn verheißt (Mal 3,23). Ob Johannes der Täufer tatsächlich der nach seiner Entrückung in den Himmel wiedergekehrte Prophet Elija ist, ist eine Frage, die im Neuen Testament öfter gestellt, aber nicht eindeutig beantwortet wird.
In Jesus Christus erfüllt sich, was die Propheten im Auftrag Gottes geweissagt haben. Johannes der Täufer ist der Rufer in der Wüste, der dem Herrn den Weg bereitet. "Der (neue) Weg" war auch eine Bezeichnung für das Christentum. Jesus Christus ist der Weg, der zum Vater führt. Der Täufer bereitet die Welt auf sein Kommen vor und steht somit am Anfang dieses Weges. Zugleich aber wird klar, dass Johannes nicht selbst der Weg ist, sondern nur ein Wegweiser, ein Rufer, der auf den neuen Weg hinweist.

So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. (Mk 1,4-5)

Die Taufe des Johannes war eine Wassertaufe im Jordan, die mit einem Bekenntnis der Sünden im Zusammenhang stand. Mit ihr zeigten die Menschen ihre Bereitschaft, ihr Leben neu am Willen Gottes auszurichten. Im Gegensatz zu den Opfern im Tempel, von denen auch einige dazu dienten, sich von Sünden zu befreien, und die beliebig oft wiederholt werden konnten, handelte es sich bei der Johannestaufe um ein einmaliges Ereignis, das lebensentscheidend war und vor dem als nahe bevorstehend geglaubten Gericht Gottes retten sollte.
Die Johannestaufe war eine Massenbewegung. Die Menschen mussten lange warten, bis sie bei der Taufe an der Reihe waren. Sicher hat Johannes sich auch Zeit genommen für ein persönliches Wort nach dem Sündenbekenntnis. Alle Bewohner von Judäa und Jerusalem kamen zu ihm an den Jordan, schreibt Markus. Jesus aber kam aus Galiläa. Auch wenn die Bewohner Galiläas hier nicht genannt werden, haben sich auch von dort Juden auf den Weg zum Täufer gemacht.

Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig. Er verkündete: Nach mir kommt einer, der stärker ist als ist; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm den Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. (Mk 1,6-8)

Johannes der Täufer erinnert auch mit seiner Kleidung an die alten Propheten. Er trägt einen einfachen Mantel aus Kamelhaar. Er lebt asketisch, allein von Heuschrecken und wildem Honig. Als letzter Prophet Israels trifft er die Vorbereitungen für das Auftreten des Messias und darf diesen als einziger der Propheten selbst sehen. Johannes ist ein Mensch, der Kommende aber ist Gott und er wird nicht nur mit Wasser taufen, sondern mit dem Heiligen Geist Gottes.

2. Advent

Trost und Befreiung (Jes 40)

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. (Jes 40,1)

Mit diesem Ruf beginnt das Buch Deuterojesaja, das den zweiten Hauptteil des Jesajabuches bildet. Wir befinden uns in der Zeit, als das Volk Israel im Exil in Babylon (597-539 v.Chr.) gelebt hat. Etwa 150 Jahre nach dem Auftreten des Propheten Jesaja (ca. 740-701 v.Chr.) wurde sein Buch von einem oder mehreren namentlich unbekannten Propheten weitergeschrieben. Jesaja gilt als der größte unter den Propheten. Im Neuen Testament ist oft nur von "dem Propheten" die Rede, wenn Jesaja gemeint ist. Darum ist es nicht verwunderlich, dass Propheten in seinem Namen auch nach seinem Tod gesprochen haben.
Jesaja hat das Volk Israel vor dem Untergang gewarnt, falls es sich in trügerischer Hoffnung wiegt und nicht bereit ist, umzukehren. Nun ist die Katastrophe eingetreten, Jerusalem und der Tempel des Herrn wurden zerstört, das Volk lebt im Exil im fremden Babylon. Doch auch dort ist Gott seinem Volk nahe. Nun ist es die Aufgabe des Propheten, nicht mehr zu warnen und zu drohen, sondern zu trösten und dem Volk Mut zu machen, dem Volk zu zeigen, dass Gott auch in der Fremde bei ihm ist und es bald wieder heimführen wird.
Gott wird einen Neubeginn mit seinem Volk machen. Doch bis es soweit ist, muss das Volk warten, muss die Härte des Exils ertragen. Die Texte des Deuterojesaja hören wir besonders in der Adventszeit, die uns auch immer wieder neu bewusst macht, dass wir als Christen Wartende sind. Wir leben in der Fremde und warten auf die Wiederkunft des Herrn, auf den Tag, an dem wir als Kinder Gottes offenbar werden, wenn Jesus Christus uns zum Vater führen wird.

Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht, dass ihre Schuld beglichen ist; denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn für all ihre Sünden. (Jes 40,2)

Der Trost für das Volk Israel besteht zum einen darin, dass die Zeit der Strafe vorbei ist. Es war eine harte Strafe, die über Israel gekommen ist, die Heimat ist zerstört, das Volk lebt in der Fremde. Der Psalm 137 bringt diese Situation treffend zum Ausdruck:

An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten. ... Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn, fern auf fremder Erde? Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren ... wenn ich an dich nicht mehr denke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.

In der Fremde richtet sich die Sehnsucht der Herzen nach Jerusalem. Und an diese Herzen ergeht die Zusage: Es wird nicht mehr schlimmer werden, von nun an geht es aufwärts, der Tiefpunkt ist durchschritten, die Zeit für einen Neuanfang ist gekommen. Gott wird sein Volk wieder in die Heimat führen. Es ist ein großer Trost, auf einem schweren Weg zu wissen, dass es keine Gefahr mehr gibt, dass alles gut werden wird, ja es wird nicht nur gut, sondern besser, als es zuvor gewesen ist.

2. Advent
Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben. (Jes 40,3-4)

Gott selbst wird sein Volk aus dem Exil führen, er wird ihm vorangehen, so wie er einst vorangezogen ist, als Israel aus Ägypten ausgezogen ist. Kein Hindernis wird es auf dem Weg geben, den Gott mit seinem Volk gehen wird. Eindrucksvoll ist hier die Übersetzung von Martin Buber:

In der Wüste bahnt SEINEN Weg, ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
Alles Tal soll sich heben, aller Berg und Hügel sich nieden,
das Höckrige werde zur Ebne und die Grate zum Gesenk! (Jes 40,3-4)

Für uns ist es heute nichts Außergewöhnliches mehr, dass Straßen und Eisenbahnlinien unser Land durchziehen und einen schnellen Verkehr zwischen den einzelnen Städten ermöglichen. Sie verlaufen oft in tiefen Einschnitten durch hügeliges Land, überspannen mit gewaltigen Brücken große Täler und durchbrechen mit Tunneln hohe Bergketten. Doch es ist noch nicht allzu lange her, seit der Mensch zu solchen Leistungen fähig ist.
Zu früheren Zeiten waren Brücken eine einmalige Sensation und Wege über das Gebirge waren mühsam und abenteuerlich, auch wenn schon die Römer über ein weit ausgebautes Straßennetz verfügten. Legendär ist auch die Persische Königsstraße, die von Susa in Mesopotamien bis nach Ephesus an der Küste Kleinasiens führte. Vielleicht denkt der Prophet bei seinen Worten an diese königliche Straße.
Es ist ein gewaltiger Weg, der für Gott gebahnt werden soll, Berge sollen abgetragen und Täler zugeschüttet werden, so dass ein ebener Weg ohne Hindernis entsteht. Ein Weg, der würdig ist, dass Gott auf ihm reist, ein Weg, auf dem Gott Einzug halten kann bei seinem Volk, ein Weg für das Kommen Gottes in diese Welt. Jetzt ist die Zeit gekommen für die Heimkehr Israels, und wenn Gott etwas beschlossen hat, dann macht er es richtig. Nichts kann sich ihm in den Weg stellen, kein Hindernis kann ihn aufhalten.
Gottes Weg mit seinem Volk. - Für Israel war das zuerst der Exodus, der lange Weg, auf dem der Herr sein Volk aus Ägypten befreit hat. Nun hofft Israel auf eine weitere Befreiung: den Weg aus dem babylonischen Exil. Jahrhunderte später bekommen diese Worte noch einmal eine ganz neue Bedeutung. In Jesus Christus kommt Gott selbst zu uns Menschen und Johannes der Täufer bereitet ihm den Weg. Gott findet immer einen Weg zu den Menschen, auch da, wo Menschen gesündigt haben und fern von Gott sind, Gott findet einen Weg durch die weglose Wüste, wo der Mensch keinen Ausweg mehr kennt.
Gottes Weg mit seinem Volk. - Auch Jahrhunderte nach Christi Geburt sucht Gott seinen Weg zu den Menschen. Gott will ankommen bei jedem einzelnen. Einen Weg bahnen für Gott, das ist auch unsere Aufgabe heute. Einen Weg, dass Gott ankommen kann bei mir und durch mich auch bei anderen Menschen.

Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! Sag den Städten in Juda: Seht, da ist euer Gott. Seht, Gott der Herr, kommt mit Macht, er herrscht mit starkem Arm. Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her. (Jes 40,9-10)

Der Zug der Heimkehrer wird freudig angekündigt. Gott kehrt mit seinem Volk zurück, wie ein reicher Hirte mit seiner großen Herde. Diejenigen, die einst schmachvoll in die Verbannung geführt wurden, kehren heim wie Sieger. Gott schenkt Glück und Freude, er führt aus jeder Not. Gott kommt jedem Menschen entgegen, um ihm das Glück als Geschenk anzubieten.
Ist das nicht alles nur ein schöner Traum, zu schön, um wahr zu sein? Fühlen wir uns nicht allzu oft wie in der Verbannung, in einer Welt, in der Gott keinen Platz mehr zu haben scheint und unser Leben ein Frondienst ist für den schnöden Mammon?
Aber es steht unumstößlich fest: Gott beschützt die Seinen, er führt sie durch die Tiefpunkte der Geschichte und des eigenen Lebens hindurch. Wer Gott vertraut, für den gibt es immer einen Ausweg, auch wenn es vielleicht etwas länger dauert, bis er sichtbar wird. Wir brauchen Geduld. Wer zu früh aufgibt, wird nie das Schöne erfahren, das das Leben noch bereit hält.

Herr, gib uns Geduld
gib uns die Kraft zu Warten,
lass uns niemals verzweifeln
und lass uns nie die Hoffnung verlieren
dass nach jedem Leid eine Freude
und nach jeder Niederlage ein Sieg
auf uns wartet.
Schenke uns deinen Trost,
wenn wir am Boden sind
und lass uns die Freude
zusammen mit dir erfahren.
Amen.
2. Advent

Neuer Himmel, neue Erde (2Petr 3)

Das eine aber, liebe Brüder, dürft ihr nicht übersehen: dass beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind. Der Herr zögert nicht mit der Erfüllung der Verheißung, wie einige meinen, die von Verzögerung reden; er ist nur geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle sich bekehren. (2Petr 3,8-9)

Der zweite Petrusbrief beschäftigt sich mit der Erwartung des Kommens des Herrn. Diese Erwartung, dass Jesus Christus nach seiner Himmelfahrt zum Vater wiederkommen wird, um alle zu sich zu holen, die an ihn glauben, ist ein zentrales Thema christlicher Verkündigung. Jesus selbst hat den Jüngern von diesem Kommen erzählt, in den Paulusbriefen begegnen wir immer wieder dieser Erwartung. Aber die Zeit vergeht und es scheint sich nichts zu ändern, die Welt scheint zu bleiben, wie sie ist. Wenn es da nicht die Christen gäbe, könnte man sagen, dass sich mit dem Leben Jesu auf Erden praktisch nichts auf der Welt verändert hat.
Aber ist es nicht gerade die Existenz der Christen selbst, die die Welt verändert? Christen müssen das Salz der Erde sein, wie es Jesus einmal gesagt hat, sonst taugen sie zu nichts. Ein Christentum, das die Welt nicht verändert, taugt zu nichts. Wo den Christen der Glaube fehlt, der die Kraft gibt zu solcher Veränderung, da sind sie überflüssig und wertlos und da fällt die Welt in den bemitleidenswerten und verlorenen Zustand zurück, in dem sie vor dem Leben Jesu auf Erden war.
Der Brief bringt einige Argumente dafür, dass die bislang ausgebliebene Wiederkunft des Herrn eben nicht die Falschheit der Erwartung dieses Kommens bedeutet, sondern andere Gründe hat. Gott ist nicht an unsere Zeitvorstellung gebunden. Für uns sind tausend Jahre eine lange Zeitspanne, ja sogar fünfzig Jahre dauern vom Menschen her gesehen sehr lange. Gott aber steht über der Zeit. Auch wenn die Wiederkunft des Herrn erst nach mehreren hundert Jahren geschieht, ist das für Gott keine lange Zeit, auch wenn es für die Menschen eine sehr große Verzögerung bedeutet. Gott kann warten, er will warten, bis alle die Möglichkeit haben, sich zu bekehren. Das lange Warten auf das Kommen des Herrn ist also nicht ein Argument gegen die Erlösung, sondern vielmehr dafür, dass Gott Heil und Erlösung für alle Menschen will und nicht nur für die wenigen, die in den Jahren des Anfangs bereits zum Glauben gekommen sind.

Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel prasselnd vergehen, die Elemente werden verbrannt und aufgelöst, die Erde und alles, was auf ihr ist, werden (nicht mehr) gefunden. (2Petr 3,10)

Trotzdem wird der Tag der Wiederkunft des Herrn überraschend kommen. Auch wenn er lange ausbleibt, kann er doch jederzeit eintreffen. Auch wenn die Christen seit Jahrzehnten und Jahrhunderten darauf warten, bedeutet das nicht, dass es noch weitere Jahrzehnte und Jahrhunderte dauern wird. Daher müssen die Christen jederzeit bereit sein für diesen Tag.

Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst: wie heilig und fromm müsst ihr dann leben, den Tag Gottes erwarten und seine Ankunft beschleunigen! (1Petr 3,11-12a)

Die Verzögerung der Wiederkunft des Herrn soll nicht dazu führen, dass die Christen in ihrem Eifer nachlassen, weil ja noch genügend Zeit bleibt und man noch etwas warten kann, um seine Fehler zu ändern. Sie soll vielmehr zu noch größerem Eifer anspornen, um der Welt durch ein Leben aus der Kraft des Glaubens zu zeigen, dass Jesus lebt und dass er schon jetzt unter den Gläubigen gegenwärtig ist. Durch das heilige Leben der Gläubigen sollen immer mehr zum Glauben finden, so dass viele sich bekehren und so der Tag des Gerichts schneller eintrifft.
Wie aber dieser Tag aussehen wird, darüber gab es damals bereits konkrete Vorstellungen.

An jenem Tag wird sich der Himmel im Feuer auflösen und die Elemente werden im Brand zerschmelzen. Dann erwarten wir, seiner Verheißung gemäß, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt. (2Petr 3,12-13)

Wenn der Herr kommt, wird sich alles in Feuer auflösen, alle Elemente werden schmelzen, so stellt es sich der zweite Petrusbrief vor. Ein unwahrscheinlich heißes Feuer, das sie Kraft hat, alles aufzulösen. Vielleicht stellte sich der Verfasser hier vor, wie Gold im Feuer geschmolzen wird. Das harte Gold wird durch die Kraft des Feuers flüssig und so kann man ihm eine neue Form geben. Dem ähnlich wird die ganze Welt eingeschmolzen und von Gott zu einem neuen Himmel und einer neuen Erde geformt. Alles Böse wird ausgebrannt, so wie das Feuer Gold und Silber läutert und von Fremdstoffen reinigt. Die neue Welt aber, die aus dem Feuer hervor geht, wird glänzen wie reinstes Gold und Silber. In ihr findet sich kein Schmutz mehr, sondern es wird eine Welt sein, in der es allein das Gute gibt und in der die Gerechtigkeit wohnt.

2. Advent
Weil ihr das erwartet, liebe Brüder, bemüht euch darum, von ihm ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden. Seid überzeugt, dass die Geduld unseres Herrn eure Rettung ist. (2Petr 3,14-15a)

Als Christen leben wir in der Erwartung dieser neuen Welt Gottes. Natürlich wäre es schön, wenn sie schnell käme, und wir so von allen Mühsalen des Lebens befreit wären. Aber das Warten gibt auch die Möglichkeit, uns immer wieder neu darauf zu besinnen, ob wir wirklich so leben, wie es unserer Berufung als Christen entspricht. Es bietet uns die Möglichkeit, immer mehr das gute zu tun und immer mehr Menschen von Jesus Christus zu erzählen und von dem Heil, das er für alle Menschen bereithält.

Herr, wir warten auf deine Gerechtigkeit
und wollen schon jetzt für sie Zeugnis geben.
Wir warten darauf, dass du die Welt reinigst,
wir warten auf eine Welt ohne das Böse
eine Welt, in der das Gute triumphiert
und wir wollen schon jetzt mit dir
an dieser neuen Welt bauen.
Hilf uns, so zu leben, wie du es willst.
Hilf uns, stets das Gute zu tun.
Hilf uns, dem Bösen zu wiederstehen.
Lass uns deine Zeugen sein,
Zeugen für das Gute,
für Liebe und Gerechtigkeit in dieser Welt.
Amen.