Herzlich willkommen auf praedica.de!  

15. August:

Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel

Bei der Geburt bist Du Jungfrau geblieben;

bei Deinem Entschlafen

hast Du die Welt nicht verlassen, Gottesmutter.

Du wurdest ins Leben gebracht, Mutter des Lebens,

und durch Deine Fürbitten

befreist Du vom Tod unsere Seelen.

So heißt es in einem Gebet der Ostkirche zum heutigen Festtag. Wir glauben, dass Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist. Da sie nun ewig bei ihrem Sohn ist, dürfen wir darauf vertrauen, dass sie uns von ihm durch ihre Fürbitte die Gaben des ewigen Heils erwirkt. So lehrt uns das Zweite Vatikanische Konzil (LG 62):

Maria trägt in ihrer mütterlichen Liebe Sorge für die Schwestern und Brüder ihres Sohnes, die noch auf der Pilgerschaft sind und in Gefahr und Bedrängnissen weilen, bis sie zur seligen Heimat gelangen. Deshalb wird die selige Jungfrau in der Kirche unter dem Titel der Fürsprecherin, der Helferin, des Beistandes und der Mittlerin angerufen.

Von der Himmelfahrt Mariens erfahren wir nicht aus der Heiligen Schrift, doch wurde dieses Fest schon bald in der Kirche gefeiert und war zu Beginn des 6. Jahrhunderts in der ganzen Christenheit verbreitet. Der Legende nach soll Maria nach Jesu Tod noch 24 (nach einer anderen Legende 12) Jahre gelebt haben. Der Tradition nach gilt zum einen das Haus neben dem Abendmahlssaal auf dem Sionsberg in Jerusalem als Ort der Entschlafung Mariens, nach anderen Quellen soll Maria in der Stadt Ephesus gestorben sein.

Die Legende berichtet weiter, dass ein Engel Maria ihren Tod angekündigt hat. Auf wundersame Weise wurden die Apostel am Sterbebett Mariens versammelt. Drei Tage nach dem Tod Mariens wird der Sarkophag für den verspätet eintreffenden Apostel Thomas nochmals geöffnet, doch zum Erstaunen aller ist dieser leer. Christus hat Maria mit Leib und Seele zu sich in den Himmel aufgenommen.

Wenn auch die Legenden nicht als historische Tatsachenberichte gelesen werden dürfen, so bergen sie doch einen tieferen Gehalt, den es zu verstehen gilt. Gott hat Maria in besonderer Weise als Mutter seines Sohnes erwählt. Dies zeigt sich zum einen darin, dass Maria von ihrer Empfängnis an von jeder Sünde bewahrt blieb, dass sie durch ihr Fiat – Ja zur Gottesmutter wurde und nicht zuletzt auch darin, dass sie nach ihrem Tod mit Leib und Seele in den Himmel erhoben wurde.

Das Dogma von der Aufnahme Mariens in den Himmel, das Papst Pius XII. im Jahr 1950 verkündet hat, bestätigt nur das, was schon immer Glaube der Kirche ist. Weil Christus Maria vollkommen zu sich in den Himmel aufgenommen hat, dürfen wir Maria um ihre Fürsprache anrufen. Die innige Verehrung Mariens in den Kirchen von Ost und West und die vielfältige Hilfe, die Maria uns, ihren Kindern, allezeit gewährt, bezeugen, dass wir zu Recht an ihre Aufnahme in den Himmel glauben.

Unbefleckte Jungfrau, Mutter Gottes und Mutter der Menschen! Wir glauben, dass Du mit Seele und Leib glorreich in den Himmel aufgenommen worden bist, wo Du von allen Chören der Engel und allen Scharen der Heiligen feierlich zur Königin ausgerufen wurdest. Mit ihnen vereinen wir uns, um den Herrn zu loben und zu preisen.

Dein Blick, der in mütterlicher Zartheit Deinen Sohn auf Erden umsorgte, der im Himmel die Herrlichkeit Deines Sohnes auf ewig unverhüllt schauen darf, ist auch auf uns Menschen hier auf Erden gerichtet.

Wir kommen mit unseren Sehnsüchten und Bitten zu Dir, unserer Mutter. Läutere unsere Sinne, damit auch wir nach diesem Leben Gott schauen dürfen. Wir vertrauen darauf, dass Deine barmherzigen Augen auf unser Elend und unsere Ängste, auf unsere Kämpfe und unsere Schwächen niederschauen, dass Deine Lippen unserer Freude und unseren Siegen zulächeln werden.

Wir rufen Dich als unsere Mutter an, erwählen Dich als unsere Führerin, als Kraft und Trost unseres Lebens. Wir vertrauen darauf, dass Deine Augen, die geweint haben über die mit Jesu Blut getränkte Erde, sich auch den Leidenden dieser Welt zuwenden, die Krieg, Verfolgung und Unterdrückung ausgeliefert sind. Wir erwarten von Deinem himmlischen Licht und von Deinem milden Erbarmen Trost für alle Herzensängste und Hilfe für die leidgeprüfte Kirche.

Wir glauben, dass Du in der Herrlichkeit, wo Du mit der Sonne bekleidet und mit Sternen gekrönt herrschst, nach Jesus die Freude und Seligkeit aller Engel und aller Heiligen bist. Wir schauen in der Kraft des Glaubens an die künftige Auferstehung zu Dir auf, unserem Leben, unserer Süßigkeit, unserer Hoffnung. Ziehe uns an mit Deiner milden Stimme, um uns einst Jesus zu zeigen, die gebenedeite Frucht Deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

Amen.

Lukas 14 - 22. und 23. Sonntag im Jahreskreis C - Brot Essen 

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam ...

So übersetzt die Einheitsübersetzung Lk 14,1, im Original aber heißt es genauer: zum Brot-Essen. Wenn wir weiterlesen, stoßen wir in 14,15 auf den Ausruf von einem der Gäste: „Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf!“, oder genauer übersetzt: „Selig, wer das Brot essen darf im Reich Gottes.“

Der Sabbat beginnt am Freitag-Abend mit einem Gottesdienst in der Synagoge und einem gemeinsamen Mahl zuhause. Das Mahl wird begleitet von verschiedenen Gebetssprüchen. Zu Beginn des Mahles werden die Sabbatbrote, die festlich verhüllt auf dem Tisch stehen, enthüllt und verzehrt. Wahrscheinlich spielt Lukas mit seiner für uns ungewöhnlichen Formulierung des Brot-Essens auf diese Zeremonie an. Jesus hat den Sabbat traditionell im Kreis der Juden in der Synagoge und bei einem vornehmen Gastgeber gefeiert.

Jesus nimmt die Einladung bei dem führenden Pharisäer als Gelegenheit, diesem und den anderen – sicher auch sehr vornehmen – Gästen eine Lehre zu erteilen. Als Gast soll man sich nicht den Ehrenplatz aussuchen und als Gastgeber nicht nur Gleichgesinnte einladen, sondern auch Arme und Kranke. Jesus stellt sich damit offensichtlich gegen das vornehme Gebaren der Reichen. Doch ist das Wort Jesu nur an vornehme Pharisäer gerichtet?

Wenn wir das Wort Brot hören, denken wir als Christen sofort an ein anderes Brot, die Eucharistie. Brotessen oder Brotbrechen kann so auch eine Umschreibung des christlichen Gottesdienstes sein. Dann erhält das Evangelium einen für die Zeitgenossen des Lukas und auch für uns aktuellen Sinn. Die Worte Jesu sind dann nicht an vornehme Juden gerichtet, sondern meinen indirekt die Mitglieder der christlichen Gemeinde.

Im 11. Kapitel des 1. Korintherbriefs und im 2. Kapitel des Jakobusbriefes hören wir von gravierendem Fehlverhalten während des Gottesdienstes. Da setzen sich die Reichen auf die besten Plätze und den Armen wird ein untergeordneter Platz zugewiesen. Bei der anschließenden Agapefeier lassen die einen es sich gut gehen und sind nicht bereit, mit denen zu teilen, die nichts haben.

Genau solche Missstände werden im heutigen Evangelium kritisiert. Lukas ist ja bekannt als Evangelist, der immer wieder auf die Armen hinweist. Bei ihm heißt es nicht wie bei Matthäus „Selig die Armen im Geiste“, sondern „Selig die Armen“, ganz konkret. Sicher haben Lukas Erfahrungen in den ihm bekannten Gemeinden zu dieser Haltung veranlasst. Lukas will den Menschen deutlich machen: wenn ihr in der Gemeinde solche Unterschiede zwischen Arm und Reich macht, wenn sich die Reichen die Ehrenplätze suchen und die Armen auf die letzten Plätze verwiesen werden, dann handelt ihr nicht im Sinne Jesu. Welchen Platz haben Arme, Krüppel, Lahme und Blinde in der Gemeinde? Was gibt dir, Reicher, die Gewissheit, dass du mehr wert bist als dieser Arme?

Es ist eine ernste Mahnung, die das Evangelium ausspricht, auch für uns heute. Dabei müssen mit den Reichen nicht nur die ganz Reichen gemeint sein. Auch weniger Bemittelte Menschen können herabschauen auf die, die noch weniger haben. Es geht hier auch nicht um die Frage der sozialen Hilfe. Diese ist notwendig, aber oft steht der, der gibt, über dem, der empfängt. Es geht hier vielmehr um die Frage, ob wir bereit sind, andere Menschen, die vielleicht nicht unserem sozialen Status entsprechen, als gleichwertige Mitglieder in der Gemeinde zu betrachten.

Die christliche Gemeinde auf Erden soll ein Abbild dieser himmlischen Gemeinde sein. Das macht die Aussage 14,15 deutlich: Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf.

Wenn wir uns das ewige Leben als eine freudige Mahlfeier vorstellen, wie es keine schönere geben kann. dann müsste doch jeder alles daran setzen, dorthin zu kommen. Doch der folgende Abschnitt zeigt, dass die Verheissung einer hier auf Erden noch fernen Freude oft nicht gegen die Verlockungen des hier und heute ankommt. Ein neues Haus, ein neuer Arbeitsplatz, eine tolle Frau, sind sicher wertvolle Dinge, nur darf der Mensch sie nicht über das Streben nach dem Reich Gottes stellen. Wenn es sein muss, dann muss der Mensch um etwas Höherem Willen darauf verzichten können.

Die Gemeinschaft einer Familie ist wichtig, ja lebensnotwendig für einen Menschen. Auf Erden ist wohl kein Gut so wertvoll, wie dieses. Und doch muss der Mensch, der Jesus folgen möchte, unter Umständen auch bereit sein, darauf zu verzichten, weil es nach etwas Höherem zu streben gilt.

Christentum ist keine Kuschelecke, dies sagen Jesu Worte deutlich. Wer sich darauf einlassen möchte, sollte erst prüfen, ob er dazu bereit ist. Sonst ist er dem Spott ausgesetzt, wie einer, der einen Turm bauen will, dem aber nach dem Setzen des Fundamentes schon die nötigen Mittel zum Weiterbau fehlen. Oder er unterliegt, wie ein König, der unüberlegt mit einer kleinen Armee einen viel Stärkeren angreift.

So kann keiner von euch, der nicht bereit ist, auf alles zu verzichten, was er besitzt, mein Jünger sein. Wer dennoch meint, es sich einfach und bequem machen zu können, der ist wie schales Salz, das zu nichts mehr taugt und weggeworfen wird.

Einen Impuls für jeden Tag und weitere interessante Texte finden Sie außerdem unter:

www.bet4mi.de