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Zefanja

Advent - Zeit der Freude

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! (Zef 3,14)

Mit diesem Aufruf zur Freude beginnt der letzte Abschnitt des Buches des Propheten Zefanja. Es nimmt damit eine entscheidende Wendung, denn am Anfang des Buches hören wir, dass Gott die Welt vernichten will wegen des Unrechts, das ihre Bewohner verüben. Der Prophet kündigt den Tag des Herrn an als einen "Tag des Krachens und Berstens, des Dunkels und der Finsternis, der Wolken und der schwarzen Nacht" (Zef 1,15). Erst nach dem Gericht über Jerusalem und die Nachtbarvölker folgt eine freudige Verheißung an die Übriggebliebenen, den "Rest, der kein Unrecht mehr tun wird und nicht mehr lügen wird" (Zef 3,13). Ihnen wird die Freude des Herrn zuteil. Der Prophet nennt auch den Grund, der diese Freude möglich macht:

Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten. An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken! (Zef 3,15-16)

Der frühere Drohspruch Gottes über das Land Israel und die Stadt Jerusalem wird von Gott selbst aufgehoben. Die Feinde, die er herbeigerufen hat, um Land und Stadt zu vernichten, ziehen wieder ab. Man spürt hier formlich, wie die Menschen noch zittern vor Angst, sie können noch nicht glauben, dass die Zeit des Unheils vorüber ist, daher wird ihnen laut zugerufen: "Fürchte dich nicht!" Wo Gott nahe ist, da gibt es keine Furcht mehr:

Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er schweigt in seiner Liebe, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag. (Zef 3,17)

Gott ist nahe, er ist in unserer Mitte. Dieses Wort ist in ganz besonderer Weise ein adventliches Wort, erwarten wir doch gerade in dieser Zeit das Kommen des Herrn. Und wie können wir das Kommen des Herrn deutlicher erfahren, als dadurch, dass uns seine Nähe in ganz neuer Weise bewusst wird.
Die Menschen zur Zeit Jesu durften die Nähe Gottes hautnah erfahren. Wie Jesus selbst sagte, war sein Leben auf Erden ein einziger Festtag. Dieses Fest hat er gefeiert bei zahlreichen Gelegenheiten, bei denen er mit den Menschen zusammen gegessen und getrunken hat, von der Hochzeit zu Kana bis zum Letzten Abendmahl, bei seiner Tischgemeinschaft mit Zöllnern und Sündern und seinen Speisewundern.
Jesus hat den Menschen Rettung gebracht durch die Heilung von Leib und Seele. Er hat Menschen berührt und geheilt, die von allen ausgegrenzt und gemieden wurden, er hat Menschen von Dämonen befreit, die sie gequält haben. Jesus hat eine neue Gemeinschaft der Menschen untereinander und der Menschen mit Gott gestiftet, eine Gemeinschaft der Liebe.br /> Über die Liebe Gottes hören wir hier das schöne Wort, dass Gott in seiner Liebe schweigt. Hier richtet sich die neue Einheitsübersetzung nach dem hebräischen und lateinischen Text. Die alte Einheitsübersetzung richtete sich hier nach dem griechischen Text der Septuaginta, in der es heißt, dass Gott seine Liebe erneuert. Mir gefällt die neue Übersetzung hier besser. Ich glaube, dass Gottes Liebe zu den Menschen nie endet, auch wenn er den Menschen zürnt, wie es das Alte Testament oft beschreibt. Gottes Liebe ist grenzenlos und bedarf daher keiner Erneuerung.
Gott schweigt in seiner Liebe. Gottes Liebe ist weit wie das Meer, hoch wie der Himmel. Sie ist überall, auch wenn wir sie oft nicht spüren. Sie umgibt uns wie die Luft zum Atmen und wie wir ohne diese Luft nicht leben können, so können wir auch ohne die Liebe Gottes nicht leben. Gottes Liebe ist der Grund, auf dem wir sicher stehen, sie ist die Kraft unseres Lebens. Gottes Liebe ist der Garant dafür, dass es größer ist zu geben als zu nehmen und dass unsere Zuwendung zu anderen nicht vergebens ist. Gottes Liebe ist das Bollwerk gegen Profitdenken und Ausbeutung. Gottes Liebe ist unser Schutz vor dem Bösen.
Freuen wir uns an Gottes Liebe. Treten wir ein in das Schweigen seiner Liebe. Seien wir uns ihrer sicher, auch wenn niemand von ihr redet und wir sie nicht spüren. Werden wir zu Kündern dieser Liebe. Bauen wir ein neues Netzwerk der Liebe Gottes in unserer Gesellschaft, die sich immer weiter abwendet von Gott.

Herr, mein Gott
schweigend stehe ich vor dir
du bist da,
auch wenn ich dich nicht sehe.
Ich befinde mich im Raum deiner Liebe.
Durchdringe mich ganz mit deiner Liebe.
dass ich immer mehr Liebe werde,
so wie du die vollkommene Liebe bist.
Mach mich zum Boten deiner Liebe
dass die Menschen um mich herum
deine Liebe spüren.
Lass uns Menschen eins sein in der Liebe
dass das Fest des Lebens niemals endet.
Amen.
Freude

Gaudete!

Gaudete - der 3. Sonntag im Advent hat seinen Namen von dem Eröffnungsvers der Messe, der aus dem Text des Philipperbriefes (4,4f.) stammt. Dort heißt es:

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe!

Diese Worte lenken unsere Gedanken schon hin auf die Freude des Weihnachtsfestes. In der Liturgie kommt diese Freude im rosafarbenen Messgewand zum Ausdruck, das heute (ebenso wie am 4. Fastensonntag "Laetare") die violette Farbe der Bußzeit ersetzt. Mancherorts ist es auch üblich, statt roter Kerzen auf dem Adventskranz drei violette und eine rosa Kerze zu verwenden.

Über die Freude denkt P. Alfred Delp SJ in seiner während der Inhaftierung durch die Nazis heimlich entstandenen Schrift "Im Angesicht des Todes" nach. Er zeigt dabei deutlich, dass der Grund der Freude nicht allein ein irdischer sein kann.

Was ist die Freude, die wahre Freude? Die Philosophen sagen, es wäre die Zufriedenheit und Gehobenheit des Gemütes über ihm zur Verfügung stehende Güter. Das mag für irgendwelche Phänomene der Freude stimmen, aber die Freude ist das nicht. Wie sollte ich sonst in dieser Zeit und in dieser Lage zu einer wahren Freude kommen? Hat es überhaupt Sinn, sich über die Freude viel Gedanken zu machen? Gehört es nicht zu den Luxusartikeln des Lebens, die in dem schmalen Privatraum, den das Kriegsgespräch zulässt, keinen Platz hat? Und erst recht nicht in einer Kerkerzelle, in der man hin und her pendelt, die Hände in Eisen, das Herz in alle Winde der Sehnsucht gespannt, den Kopf voller Sorgen und Fragen?
Und dann muss es einem in solcher Lage immer wieder geschehen, dass plötzlich das Herz die Fülle des zuströmenden Lebens und Glückes nicht mehr zu fassen vermag. Es gab und gibt die Stunden, in denen man getröstet ist und innerlich gehoben, in denen man die Sachlage genauso real und aussichtslos sieht wie sonst und doch nicht gram wird darüber, sondern es wirklich fertig bringt, das Ganze dem Herrn zu überlassen. Und das ist nun das entscheidende Wort. Die Freude im Menschenleben hat mit Gott zu tun.
Die Kreatur kann dem Menschen in vielerlei Gestalt Freude bringen oder Anlass zu Freude und Freuden sein; aber ob dies echt gelingt, das hängt davon ab, ob der Mensch der Freude noch fähig und kundig ist. ... Wie müssen wir leben, um der wahren Freude fähig zu sein oder zu werden? Die Frage muss uns heute mehr als sonst beschäftigen. Der Mensch soll seine Freude so ernst nehmen, wie er sich selbst nimmt. Und er soll es sich und seinem Herzen und seinem Herrgott glauben, auch in der Nacht und in der Not, dass er für die Freude geschaffen ist. Das heißt aber: für ein erfülltes Leben, das um seinen Sinn weiß, das seiner Fähigkeiten sicher ist, das sich auf dem rechten Weg weiß zu seiner Vollendung und im Bündnis mit allen guten Geistern und Kräften Gottes.
Freude
Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe. (Phil 4,4-5)

Dieses Wort aus dem Philipperbrief bildet den Eröffnungsvers der Messe des heutigen Sonntags und gab diesem auch den Namen "Gaudete - Freut euch". Das Thema Freude durchzieht den gesamten Philipperbrief. Zu Beginn des Briefes macht Paulus deutlich, wie sehr er sich über die Gemeinde freut. In der Gemeinde herrscht Einigkeit, und diese gibt die Kraft, den Glauben in der Welt zu bezeugen. In Philippi gibt es nicht wie in manch anderen Gemeinden innere Streitigkeiten um Macht und Rechtgläubigkeit. Solche Kämpfe zerstören den Frieden der Gemeinde, bringen das Evangelium in Verruf und lassen keine Freude aufkommen.
Wir kennen das ja auch im Alltag. Wenn am Arbeitsplatz eine gute Stimmung herrscht, gehen wir viel lieber dorthin. Ein nörgelnder Chef oder griesgrämige Kollegen können uns den Alltag zur Qual werden lassen. Oder in der Verwandtschaft, wie viele Geschichten gibt es da zum Thema böse Schwiegermutter oder anstrengende Familienfeiern. Ich denke jeder von uns weiß, was es bedeutet, wenn er immer wieder Menschen begegnen muss, mit denen scheinbar kein Frieden möglich ist.
Aber warum ist das so? Schwierig ist es, wenn wirklich eine böse Absicht, krankhafte Machtsucht oder tiefgehende Antipathie die Ursache des Unfriedens ist. Da kann man sich wohl nur aus dem Weg gehen oder kämpfen oder muss versuchen, einander irgendwie zu ertragen. Es ist jedoch sehr wichtig, nicht gleich jedem, mit dem wir nicht so gut können, eine böse Absicht zu unterstellen. Ein offenes Gespräch, der Versuch, einander besser zu verstehen, der gute Wille auf beiden Seiten können hier helfen. Und auch wenn die Fronten schon verhärtet sind, kann es immer wieder passieren, dass meinst durch ein besonderes Ereignis zwei verfeindete Menschen wieder zusammen finden.
Vielleicht merken viele Menschen nicht, wie sie nach außen hin wirken und es ist auch niemand da, der sie ehrlich aber behutsam darauf hinweist, womit sie andere verärgern. Ich denke, viel Unfriede entsteht nicht aus einer bösen Absicht heraus, sondern aus Unverständnis. Dann schaukelt sich die gegenseitige Abneigung hoch und dann ist es schwer, etwas zu ändern. Hier können wir ansetzen, indem wir nicht von anderen erwarten, dass sie genau so sind und denken wie wir. Es gibt unterschiedliche Menschentypen, die einfach von ihrer Art her ganz verschieden sind. Wenn wir verstehen, warum jemand so reagiert und nicht anders oder sich in gewissen Situationen einfach so verhält, macht das den Umgang miteinander leichter.
Die Freude, zu der Paulus uns aufruft, geht aber noch tiefer als "nur" ein friedliches Miteinander unter Menschen, auch wenn das natürlich schon sehr viel wert ist. Freude soll zu einer Grundhaltung werden, die aus unserem Ruhen in Gottes Herz heraus entspringt. Jesus Christus ist die Mitte unseres Glaubens. Er hat uns durch seinen Tod und seine Auferstehung gerecht gemacht vor Gott. Durch ihn sind wir hinein genommen in Gottes liebendes Herz. Aus dieser Liebe heraus sollen wir leben in der Freiheit der Kinder Gottes, die sich stets von Gottes Fülle beschenkt wissen.

Freude

Im Eröffnungsvers der Messe am dritten Adventssonntag findet dieser Text eine herrliche Vertonung. Dies zeigt, dass die Worte der Heiligen Schrift nicht nur trockene Buchstaben sind, die wir lesen. Es sind Worte der Freude, die wir singen und zu denen wir auch tanzen können. Und wenn gregorianischer Choral für die meisten nicht Ausdruck eines freudigen Gesanges ist, warum es dann nicht mit einem neuen Lied für unsere Zeit versuchen?
Ein Freudentanz über die Worte des Glaubens - warum nicht? Dann verschwindet auch der Befehlston, den wir vielleicht aus den Worten des Paulus heraus hören. Der Aufruf „Freut euch!“ wird zu einer Ermunterung, aus uns heraus zu gehen und die Freude in die Welt zu tragen, durch Singen und Tanzen und das absichtslose Schenken von Liebe. Denn was sonst meint Güte, als das wir schenken ohne Absicht, selbst etwas dafür zurück zu bekommen.
Die nach oben geöffneten Hände können vieles zeigen. Sie sind lebendiger Ausdruck unserer Hingabe an den Herrn im Freudentanz. Zugleich zeigen sie unsere Offenheit, von Gott das Geschenk seiner übergroßen Liebe zu empfangen. Diese Liebe aber lässt unsere geöffneten Hände zu einer Schale werden, in der Köstlichkeiten bereit liegen, die wir anderen schenken möchten.
Christliche Freude kann nicht verordnet werden. Mit seinem Aufruf zur Freude will Paulus nicht an die organisierten Massenveranstaltungen anknüpfen, in denen das Volk seine Freude am Herrscher zum Ausdruck bringt, wie wir es von Jubelaufmärschen zu Ehren von Diktatoren kennen, die es auch zu Ehren der Kaiser im alten Rom gab. Die Freude, die Paulus meint, ist auch keine aufgesetzte Freundlichkeit, wie wir sie von manchen Verkäufern kennen und die oft nur so lange anhält, wie eine gewisse Kaufbereitschaft des Kunden zu erwarten ist.
Paulus will, dass die Philipper sich freuen, weil sie allen Grund zur Freude haben. Nun gibt es viele Gründe, sich zu freuen, die meisten sind vergänglich und nach einer gewissen Zeit ist dann auch die Freude wieder verflogen. Aber den Grund, den Paulus zur Freude sieht, ist ein unvergänglicher. Es ist die Freude im Herrn, der immer da ist, der den Menschen nahe ist.
Jesus Christus ist den Menschen nahe gekommen, indem er als Mensch auf Erden gelebt hat zu unserem Heil. Das feiern wir an Weihnachten. Der Advent ist die Vorbereitungszeit auf dieses Fest. Aber wir bereiten uns nicht nur darauf vor, die Ankunft des Herrn, die sich einmal in der Geschichte ereignet hat, als etwas Vergangenes zu feiern. Wir schauen auch nicht allein auf die Wiederkunft des Herrn am Ende der Zeiten, die man in der Anfangszeit des Christentums als nahe bevorstehend gesehen hat, heute aber meist nicht mehr so konkret vor Augen hat. Advent ist vor allem eine Zeit der Einübung darin, dass der Herr uns nahe IST. Er ist nicht nur einmal gekommen und wird einmal wieder kommen, sondern der Herr ist immer bei uns. Durch die Taufe sind wir zu einem Glied am Leib Christi geworden. Wir gehören zu ihm. Wir stehen ihm nicht gegenüber, sondern sind lebendig mit ihm verbunden.

Die Nähe Jesu Christi ist der tiefste Grund unserer Freude. Und dieser Grund ist unvergänglich. Das bedeutet zwar nicht, dass diese Freude in jedem Augenblick spürbar wäre, aber sie kann immer wieder aufflammen als dieselbe Freude und sie wechselt sich nicht einfach ab mit unerfreulichen Erlebnissen. Sie hat vielmehr die Kraft, sich gegen Widerwärtigkeiten aller Art durchzusetzen und sie zu verwandeln, indem sie Glück ermöglicht, auch wenn wir, was einzelne Glückserlebnisse betrifft, zu kurz kommen. Sie kann unserem ganzen Leben und Lebensgefühl eine positive Grundstimmung geben, weil sie unsere Freude nicht von vergänglichen Glückserfahrungen abhängig macht, sondern sie auf einen unvergänglichen Grund stellt. Nicht mehr die Sorgen des Alltags sollen im Mittelpunkt stehen, sondern die rettende Gegenwart des Herrn. Deshalb schreibt Paulus weiter:

Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! (Phil 4,6)

Paulus will nicht die alltägliche Not der Menschen einfach weg wischen. Sie ist weiterhin da und wird auch bleiben. Aber die Menschen sollen darüber hinaussehen. Neben jeder Bitte soll auch ein Dank stehen. Das Leben ist nicht nur Not und Armseligkeit. In jedem Leben - wirklich in jedem! - gibt es etwas, das auch des Dankes und der Freude würdig ist. Das gilt es zu entdecken, dafür gilt es offen zu sein.

Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren. (Phil 4,7)

Paulus ruft uns alle dazu auf, uns aus den scheinbar logischen Zwängen des Negativen zu befreien. Ja, rein menschlich gesehen mag eine Situation ausweglos sein, scheint das Leben manchmal in eine Sackgasse zu verlaufen, aber Gott ist nicht an Raum und Zeit gebunden. Klar, in unserem irdischen Verständnis, in der Dimension von Raum und Zeit, läuft eine Sackgasse gewöhnlich auf einen Punkt zu, an dem es nicht mehr weiter geht. Aber mit Gott kommt hier eine neue Dimension in das Leben hinein, die sich nicht mit irdischen Methoden berechnen lässt. Lassen wir einmal unsere Phantasie spielen, in was sich dann - um im Bild zu bleiben - eine Sackgasse verwandeln könnte.
Das ist der letzte Grund unserer Freude, dass Gott letztlich unsere Begrenztheit so weit übertrifft, dass er gerade da etwas Neues schenken kann, wo wir es uns am wenigsten vorstellen können. Lassen wir diese Irrationalität Gottes hinein in unser rational so beschränktes Leben - und lassen wir uns von Gott mit seiner Freude beschenken. Sicher wird Gott auch auf seine Weise lachen, wenn er unsere verdutzen Gesichter sieht, wenn das Unerwartete in unserem Leben geschieht - und dann freuen wir uns einfach mit Gott und an Gott.

Friede

Advent - Zeit des Teilens

Das Evangelium des 3. Adventssonntages setzt den Bericht über Johannes den Täufer fort. Ausführlich schildert Lukas, welche Zeichen der Umkehr Johannes den Menschen auferlegte. Wer so wohlhabend ist, dass er zwei Gewänder hat, soll eines davon jemandem geben, der keines hat und wer zu essen hat soll ebenso mit anderen teilen. So sollen die Güter der Erde gerecht verteilt werden, damit nicht einige wenige aus purem Luxus überflüssige Dinge horten, während andere nicht einmal das Nötigste zum Leben haben.
Zöllner waren bekannt dafür, dass sie maßlos in die eigene Tasche wirtschafteten - und das ganz legal, denn solange sie die festgesetzte Summe an die Obrigkeit ablieferten, interessierte sich niemand dafür, welchen Zoll sie tatsächlich von den Leuten erhoben. Die Forderung des Johannes, auf diese Bereicherung zu verzichten, macht den Beruf des Zöllners sicher uninteressant, denn die Aussicht auf hohen Gewinn war ja wohl der Anreiz für diesen in der Gesellschaft verachteten Beruf. Auch Soldaten hatten ihre "legalen" Methoden, um ihren niedrigen Sold aufzubessern.
Johannes fordert nichts Außergewöhnliches, nichts was dem Menschen schaden könnte. Wer gibt oder auf etwas verzichtet, der braucht nur auf das zu verzichten, was er zu viel hat und eigentlich nicht wirklich braucht. Doch selbst das kostet große Überwindung - wir kennen das sicher von uns selbst. Ein paar Euro spenden, das tut uns nicht weh. Aber die Hälfte von dem abzugeben, was am Ende des Monats noch übrig ist, dazu sind sicher nur wenige bereit.
Von Klara von Assisi wird berichtet, dass sie das, was sie den Armen schenkte, sich vom eigenen Mund absparte, nicht etwas vom großen Vermögen der Familie, über das sie letztlich ja nicht verfügen durfte, sondern von der Portion, die ihr zugemessen war. Solches Teilen macht reicht, aber das vergessen wir allzu oft. Der Advent bietet uns eine Gelegenheit, mit anderen zu teilen und anderen mit dem, was wir geben, eine Freude machen. Nutzen wir sie!

Advent - Zeit des Heiles

Eindrucksvoll ist das Auftreten Johannes des Täufers am Jordan

und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.

Doch Johannes will sich nicht mit fremdem Ruhm schmücken und gibt den Menschen deutlich zu verstehen, dass er nur Bote und Wegbereiter für einen anderen ist, der stärker ist als er.
Findet Johannes schon sehr deutliche Worte, um den Menschen ins Gewissen zu reden, so verkündet er einen Messias, der mit den Menschen noch schärfer ins Gericht geht:

Er hält die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen;
die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

Doch Jesus kam ganz anders, als Johannes ihn angekündigt hat. Er kam nicht als strenger Bote von Gottes Gericht, sondern als Bote der Liebe Gottes. Jesus wird seinen Worten nicht mit Drohungen des Gerichts Nachdruck verleihen, sondern indem er den Menschen Heilung schenkt.
Als Johannes später aus dem Gefängnis Boten zu Jesus schickt, um sich Gewissheit darüber zu verschaffen, ob Jesus wirklich "der ist, der kommen soll", antwortet Jesus nicht etwa so, dass er sagt: Ja, schau doch, das Gericht ist in vollem Gang, Donner und Blitz fallen auf die sündige Menschheit herab und vernichten die Frevler, wie einst Sodom und Gomorra zugrunde gegangen ist. Nein, die Antwort Jesu ist eine andere.

Erwartung
Blinde sehen wieder, Lahme gehen und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. (Lk 7,22)

So lautet die Antwort Jesu auf die Frage Johannes' des Täufers, ob er wirklich "der ist, der kommen soll". Mit Jesus bricht die Zeit des Heiles an, die der Prophet Zefanja angekündigt hat:

Juble, Tochter Zion! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben, ... der Herr ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten. ... Lass die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir.

Im heutigen Evangelium hören wir auch den Satz:

Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.

Das Volk war voll Erwartung - Dieser auf den ersten Blick unscheinbare Satz ist es wert, etwas bei ihm zu verweilen. Die Menschen damals haben den Messias erwartet. Dieser Messias sollte einer sein, der das Volk aus der Hand seiner Unterdrücker, der römischen Besatzungsmacht, befreit, aber auch einer, der alle hinführt zum Zion, zum Tempel des Herrn, damit die Welt die Größe des Gottes Israel erkennt.
Schön kommt diese Erwartung Israels in der heutigen Lesung aus dem Propheten Zefanja (Zef 3,14-17) zum Ausdruck: "Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten." Gott befreit das Volk von Unheil und Feindesjoch und das lässt die Menschen jubeln, jauchzen und frohlocken.
Wer etwas erwartet, ist auch bereit, etwas dafür zu geben. Diese menschliche Eigenschaft wird sehr oft ausgenutzt. Viele versprechen den Menschen Gesundheit und Glück, die Menschen sind bereit dafür zu zahlen, aber oft ist dann das Geld weg, Gesundheit und Glück aber weiter entfernt als je zuvor.
Auch Johannes der Täufer stellt an die Menschen, die voller Erwartung zu ihm kommen, hohe Anforderungen. Teilen, und das nicht etwa wie wir heute oft Spenden im Verhältnis 99:1, sondern 50:50. Wer zwei Gewänder hat - und das war damals schon ein gewisser Reichtum - der soll das zweite einem Armen geben, der keines hat. Ebenso soll es mit dem Essen sein und wir könnten im Sinne des Johannes die Liste noch weiter fortsetzen mit unseren vielen Dingen, die wir besitzen.
Ist das nicht gegen alle Logik, dass wir dann glücklich werden, wenn wir teilen? Wir wollen das Glück für uns und meinen, es dadurch erhalten zu können, dass wir möglichst viel für uns haben. Doch macht das Haben allein glücklich? Diese menschliche Logik, die unsere Gesellschaft weitgehend beherrscht, hat uns vielmehr in eine tiefe Krise gestürzt.
Das Glück, das Gott uns schenken möchte, übersteigt menschliche Logik. So sagt es uns Paulus heute im Brief an die Philipper (Phil 4,4-7). Auch er spricht von der Freude im Herrn. Freut euch! Gaudete! So heisst auch der 3. Adventssonntag nach alter Tradition. Was bin ich bereit, für Gott zu geben, um die Freude im Herrn zu erlangen?