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Fastenzeit

Zeit der Gnade - Zeit des Lichts

Am Aschermittwoch hören wir in der Lesung die Worte des Paulus:

Es heißt: Zur Zeit der Gnade habe ich dich erhört, am Tag der Rettung habe ich dir geholfen. Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung. (2Kor 6,2)

Der Apostel zitiert hier Jesaja 49,8. In diesem Zusammenhang sind die Worte eine hoffnungsvolle Vision von der Rettung des Volkes aus dem Exil in Babel und stehen im zweiten Lied vom Gottesknecht. Gott wird einen Retter schicken, der das Volk herausführt aus der Gefangenschaft und ihm die Freiheit wiederschenkt, die Freiheit der Kinder Gottes.
Die neue Einheitsübersetzung verwendet hier das bekräftigende Perfekt und nicht wie bisher das Futur. Der Tag der Rettung wird nicht irgendwann in der Zukunft sein, sondern er ist schon da. Gott schenkt die Rettung zu jeder Zeit. Die Zeit der Gnade ist immer dann, wenn Menschen neu auf Gottes Wort hören und sich öffnen für die Erfahrung seiner grenzenlosen Liebe.
Die Fastenzeit soll uns helfen, dass wir der Liebe und Barmherzigkeit Gottes neu bewusst werden. Durch Veränderungen in unserem gewöhnlichen Tagesablauf und den Verzicht auf uns lieb gewordene Annehmlichkeiten schaffen wir Raum dafür, dass Gott neu in unser Leben kommen kann.
Fastenzeit ist keine Trauerzeit. Sie ist vielmehr eine Zeit, in der wir in unserem Leben aufräumen und beiseite stellen, was sich im Laufe der Zeit an unnützen Dingen angesammelt hat, die uns die freie Sicht versperren und Gottes Licht den Weg zu uns versperren. So wird die Fastenzeit zu einer Zeit, in der wir uns neu in Gottes Licht stellen, vom Licht seiner Liebe bescheinen und verwandeln lassen.
Die Lichtsymbolik kennen wir eher von anderen Festen. Adventskranz, Christbaum, oder Osterfeuer sind einige bekannte Beispiele dafür. Wenn uns aber jemand fragt, ob auch die Fastenzeit eine Lichtsymbolik kennt, würden wir das eher verneinen. Umso erstaunter war ich, bei einem bekannten Hymnus zur Fastenzeit eine reichhaltige Lichtsymbolik vorzufinden, die uns vielleicht erst auf den zweiten Blick wirklich deutlich wird.

Nunc tempus acceptabile
fulget datum divinitus,
ut sanet orbem languidum
medela parsimoniae.

Nun ist sie da, die rechte Zeit,
die Gottes Huld uns wieder schenkt,
nun ist er da, der Tag des Heils,
erfüllt von Christi hellem Licht.

So lautet die bekannte Übersetzung der ersten Strophe dieses Hymnus. In den ersten beiden Zeilen wird da jedoch ein markantes Wort des lateinischen Originals unterschlagen. Denn hinter dem, was im deutschen mit einem einfachen "ist" wiedergegeben wird, versteckt sich das lateinische Wort "fulget". Die rechte Zeit ist nicht nur einfach da, sondern sie leuchtet auf wie ein Blitz am Himmel.
Diese Zeit ist ein Geschenk der göttlichen Huld und daher ist sie auch rechte Zeit, tempus acceptabile, wie es im lateinischen heißt, annehmbare oder vielleicht sogar angenehme Zeit. Aber warum ist sie das? Erscheint sie uns nicht eher als eine unangenehme Zeit, deren Kommen uns schreckt und deren Ende wir stets neu ersehnen?
Fastenzeit ist Zeit der Heilung. Der kranke Erdkreis wir geheilt durch die Enthaltsamkeit, wie es im lateinischen Text heißt. Es tut gut, enthaltsam zu leben. Wenn wir richtig hinsehen, sagt uns das der gesunde Menschenverstand. Luxus und Völlerei können krank machen. Wir kennen die Wohlstandskrankheiten sehr gut. Doch nicht nur der Körper, auch der Geist wird träge, wenn wir ihn nicht richtig pflegen.
Sicher, es kostet anfangs Überwindung. Da tut es gut, einen festen Zeitpunkt im Jahr zu haben, der uns immer wieder wach rüttelt. Es ist also gar nicht verkehrt, wenn uns der Stachel der Fastenzeit immer etwas piekt. Wenn auch sicher nur wenige die Möglichkeit dazu haben, ihr Leben in der Fastenzeit groß umzustellen, so kann doch jeder einzelne für sich etwas finden, das ihm hilft, seine Heilung zu fördern.
Heilung ist stets ein ganzheitliches Phänomen. Heute entdeckt man wieder neu, welch tiefer Zusammenhang zwischen Geist und Leib besteht. Was anderen Zeiten und anderen Kulturen selbstverständlich ist, müssen wir erst wieder lernen. Wer vielleicht aus rein körperlichen Gründen eine Fastenkur macht, wird merken, wie sich auch das Fühlen und Denken wandelt.
Unser Leben ist etwas Einzigartiges und Kostbares. Daher ist es wichtig, bewusst zu leben. Es ist nicht egal, was wir denken und reden, es ist nicht egal, wie wir uns ernähren. Die Ernährung beeinflusst in hohem Maße, wie wir uns fühlen. Unsere Gedanken beeinflussen unser Geschick. Wer immer nur negativ denkt, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm nichts wirklich gelingt. Zwar ist nicht alles vom Denken abhängig, aber wenn wir mit einer positiven Einstellung durchs Leben gehen, werden wir mit Sicherheit glücklicher sein - und auch eine positive Stimmung unter unseren Mitmenschen verbreiten.

Fastenzeit

Fasten ist mehr

Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie wir mit kleinen Dingen unser Leben verändern können. Mit etwas Interesse kann da jede und jeder für sich etwas entdecken. Sicher ist nicht alles für jeden Menschen gleich gut. Dem einen hilft das weiter, der anderen jenes. Aber es ist wichtig, sich überhaupt Gedanken darüber zu machen, was einem gut tun könnte.
Schauen wir, wo sich Schmutz angesetzt hat auf unserem Fenster zum Leben. Fangen wir an mit dem Frühjahrsputz, dass Gottes helles Licht uns wieder neu erleuchten kann. Wir kennen es ja, was es oft für Überwindung kostet, mit dem Putzen anzufangen. Wenn wir nichts tun, ärgern wir uns jeden Tag über Staub und Unordnung. Aber wenn wir uns dazu aufgerafft haben, zu Putzen und für Ordnung zu sorgen, dann freuen wir uns nach getaner Arbeit noch lange daran, dass endlich wieder alles glänzt.
Sehen wir die Fastenzeit aus so eine Zeit der Reinigung für uns selbst. Wenn wir jeden Tag nur ein wenig mehr für Ordnung und Sauberkeit sorgen, kann schon bald neuer Glanz entstehen und der Strahl der göttlichen Gnade strahlt dann noch um einiges heller als der Sauberglanz in der Werbung für Putzmittel. Probieren wir es aus und dann können wir uns bald noch lange daran erfreuen.

Fasten ist mehr.

Wenn wir vom Fasten reden, müssen wir auch vom Essen reden. Hunger ist ein erzwungener Verzicht auf Nahrung. Fasten hingegen ist ein bewusster Verzicht, der einem höheren Zweck dient. Dieser ist meist entweder gesundheitlicher oder spiritueller Natur. In einer ganzheitlichen Sicht des Menschen sind diese beiden Pole nicht getrennt zu betrachten. Zwar gab es immer wieder Asketen, auch Heilige, die durch das Fasten ihre Gesundheit ruiniert haben, aber das muss nicht Vorbild unseres Fastens sein.
Wir leben in einer Gesellschaft der Verschwendung. Alles gibt es praktisch immer und überall. Aber zu welchem Preis? Unsere Lebensmittel werden immer synthetischer. Eine Vielfalt an unterschiedlichen Obst- und Gemüsesorten wird billigen Einheitsprodukten geopfert. Der größte Teil unseres Fleisches kommt vom Einheitsvieh der Tierfabriken.
Auch wenn die globale Entwicklung durch den Einzelnen nicht zu stoppen ist, gibt es doch viele Möglichkeiten der Einflussnahme. Wenn ich bewusst einkaufe und bereit bin, etwas mehr zu zahlen, bekomme ich Produkte aus nachhaltiger Landwirtschaft. Es ist nicht viel aufwändiger, gesund zu kochen, anstatt auf Industrieprodukte zurückzugreifen.
Fasten ist ein bewusster Umgang mit Nahrung, aber auch anderen Konsumgütern oder Medien. In einer Welt, in der uns alles in Fülle zur Verfügung steht, müssen wir lernen, dies alles in rechter Weise zu gebrauchen. Vor allem kommt es darauf an, der Verschwendung entgegen zu steuern, dort nicht mitzumachen, wo billiger Konsum offensichtlich auf Kosten anderer geht.
In unserer Gesellschaft greift immer mehr die Haltung um sich, sich einfach zu bedienen. Warum soll ich verzichten, wenn sich dann ein anderer das nimmt, worauf ich verzichtet habe? Dann lange ich doch besser gleich mit beiden Händen zu, bevor ich als einziger mit leeren Händen dastehe. Unsere Gesellschaft ist auf den Konsum aufgebaut. Unsere Wirtschaft funktioniert nur, wenn wir das mühsam erworbene Geld wieder ausgeben. Versuchen wir, gegen diesen Strom des Konsumismus zu schwimmen.
Ich will mich in dieser Fastenzeit bewusst ernähren. Weniger ist mehr. Ich esse bewusst weniger Fleisch und mehr Gemüse und achte bei meinen Einkäufen darauf, welche Produkte in den Einkaufskorb kommen.

Fasten ist mehr.

Fasten ist immer auch geben. Ich gebe etwas von meinem Überfluss, vielleicht sogar einen empfindlichen Teil davon, für andere. Doch zugegeben, es ist nicht leicht, heute großherzig den Mitmenschen gegenüber zu leben. Uns geht es gut, aber die globale Not ist groß. Was kann ich tun? An jeder Ecke steht ein Bettler - gehört er zu einer kriminellen Bande oder ist er wirklich bedürftig? Zigtausende Flüchtlinge strömen in unser Land. Eine Bedrohung für unsere Gesellschaft oder eine Herausforderung, unsere Großherzigkeit zu zeigen?
Jeder Reichtum geht auf Kosten anderer. Unser Wohlstand ist nur durch die Armut in anderen Ländern möglich. Oft sind es Großkonzerne und korrupte Politiker, die Geld in die eigene Tasche stecken und eine gerechte Verteilung verhindern. Was kann ich da tun?
Ich kann versuchen, differenziert zu denken, mir umfassende Informationen holen. Ich kann versuchen, Hintergründe zu verstehen, anstatt mich mit billigen Parolen zufrieden zu geben. Unser freies Denken ist heute wieder mehr und mehr bedroht. Das liegt aber auch daran, dass sich immer weniger Menschen die Mühe machen, wirklich nachzudenken. Seien wir kritisch, mit dem, was uns von allen Seiten entgegenschallt. Hören wir auf die leisen Töne, die leicht überhört werden. Haben wir den Mut, uns einzusetzen und unsere Stimme zu erheben, dort wo es nötig ist.
Die folgenden Worte von Mutter Teresa können uns dabei eine Hilfe sein:

Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und selbstbezogen - liebe sie trotzdem.
Wenn du Gutes tust, werden sie dir egoistische Motive und Hintergedanken vorwerfen - tue trotzdem Gutes.
Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und echte Feinde - sei trotzdem erfolgreich.
Das Gute, das du tust, wird morgen vergessen sein - tue trotzdem Gutes.
Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar - sei trotzdem ehrlich und offen.
Was du in jahrelanger Arbeit aufgebaut hast, kann über Nacht zerstört werden - baue trotzdem.
Deine Hilfe wird wirklich gebraucht, aber die Leute greifen dich vielleicht an, wenn du ihnen hilfst - hilf ihnen trotzdem.
Gib der Welt dein Bestes, und sie schlagen dir die Zähne aus - gib der Welt trotzdem dein Bestes.
Mutter Teresa
Jesaja
Jesaja sagt: Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen in dein Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.

Das ist eine lange Liste. Was kann ich davon tun? Damals waren doch ganz andere Verhältnisse. Da hatte man selbst vielleicht einen Sklaven, den man freilassen konnte, da kam ab und zu mal ein Vagabund vorbei, dem man etwas geben konnte. Aber heute... Wir haben die Fürsorge an verschiedene Institutionen delegiert. Der Staat hat für das Wohlergehen seiner Bürger zu sorgen. Ich spende ab und zu etwas und zahle meine Steuern. Es ist doch alles geregelt. Also, was soll ich heute mit dieser Liste.
Sicher ist die Hilfe durch Spenden sehr wichtig und gehört zum Fasten. Aber doch können wir uns mit Spenden nicht loskaufen von der eigentlichen Verantwortung, in der wir stehen.

Fasten ist mehr.

Das Teilen mit den anderen kann auch vor meiner Haustüre geschehen, indem ich einem Menschen, den ich in Not sehe, etwas abgebe. Dann kommt es beim Teilen auch zu einer persönlichen Begegnung und darin kann ich schon etwas erfahren von dem, was Fasten wirklich ist. Fasten bedeutet, dass ich mein Herz öffne für die Menschen um mich herum. Was kann ich mit ihnen teilen? Nicht nur Materielles, auch Zeit und vor allem Freundlichkeit. Es gibt sicher in meinem Umfeld Menschen, denen gegenüber ich eine gewisse Abneigung habe, seien es mir nahestehende Menschen, mit denen ich im Streit bin, seien es mir fernstehende, die sich über ein gutes Wort von mir freuen würden, das ich ihnen aber nie sage.

Fasten ist mehr.

Äußeren Verzicht können wir aufrechnen, Spenden können wir zählen, was aber geschieht, wenn wir auf einen anderen Menschen zugehen, das ist nicht vorhersehbar. Wir könnten Ablehnung erfahren. Was denkt der andere? Will er das überhaupt? Ich bin doch nicht schuld, dass er sonst niemand hat. Es gibt so vieles, was eine wirkliche Begegnung schwer erscheinen lässt. Aber doch sollten wir es einmal versuchen. Vielleicht gelingt die Begegnung und wir machen die Erfahrung, dass die Verheißung des Jesaja sich wirklich erfüllt, dass dann unser Licht hervorbricht wie die Morgenröte. Das Licht, das wir anderen bringen, strahlt auch auf uns zurück.

Fasten ist mehr.

Wenn wir mit einer solchen Haltung unseren Mitmenschen begegnen, dann werden wir auch offen für eine ganz neue Begegnung mit Gott. Die Begegnung mit Gott spielt sich nicht nur im stillen Kämmerlein ab, sondern auch auf der Straße. Unser Gebet soll nach außen hin Früchte tragen und diese Früchte werden dann auch wieder Nahrung sein für unser Gebet. Fasten ist ohne Gebet nicht möglich, Fasten hat in Gott seinen Ursprung und sein Ziel. Die Begegnung mit Gott ist das Ziel unseres Lebens.
Der Prophet Jesaja verheißt, dass Gott den Menschen nahe ist, die so fasten, wie er es liebt. Er sagt: Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, er wird sagen: Hier bin ich. Ich wünsche Ihnen allen, dass sie diese Nähe Gottes in Ihrem Leben erfahren dürfen.

Das Fasten ist die Speise der Seele.
Wie die körperliche Speise stärkt,
so macht das Fasten die Seele kräftiger
und verschafft ihr bewegliche Flügel,
hebt sie empor und lässt sie
über himmlische Dinge nachdenken.
Johannes Chrysostomus