Texte zum Advent

Reiß doch den Himmel auf und komm herab!

Dieser Ruf des Propheten Jesaja (Jes 63,19) steht als Überschrift über dem ganzen Advent. Es ist die Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, in dem wir in besonderer Weise die Geburt des Sohnes Gottes auf Erden feiern. Doch wir denken nicht nur an ein Ereignis, das vor über 2000 Jahren stattgefunden hat. Die Geburt Jesu Christi wird unter uns immer neu Gegenwart. Christus ist auch heute mitten unter uns, zwar nicht mehr als das Kind von Betlehem oder als der Prediger von Galiläa, aber doch als der auferstandene und lebendige Herr.

Immer neu ereignet sich die Christusgeburt auch in meinem Leben. Ich bin dazu berufen, Christus immer ähnlicher zu werden, immer mehr zu einem Bild Jesu Christi zu werden, Christus durch mich für andere erfahrbar werden zu lassen. Dazu braucht es immer wieder die Besinnung auf das Wesentliche, ich muss mir immer wieder die Frage stellen, ob ich so leben möchte, wie Jesus Christus es von mir möchte und wie ich den Willen Gottes in meinem Leben konkret werden lassen kann.

Die Texte des Advent wollen uns bei dieser Besinnung helfen. Sie sprechen von der Sehnsucht nach diesem Jesus, der Licht und Heil in die Welt gebracht hat, der das Licht und das Heil meines Lebens sein möchte.

Die Texte zum Advent

Adventbetrachtung - Hier finden Sie verschiedene Gedanken zum Thema Advent.

Adventheilige - Gedanken zu verschiedenen Heiligen des Advent. Weitere Texte zu den Heiligen des Advent finden Sie auch unter der Rubrik Heilige-Kalender.

Die Sonntage im Advent:

Über den jeweiligen Link der folgenden Tabelle gelangen Sie zu den Adventssonntagen der Lesejahre A und B. Die Texte zum Lesejahr C finden Sie weiter unten auf dieser Seite. Das Lesejahr C beginnt mit dem 1. Advent 2012.

 1. Adventssonntag - Lesejahr                  - A -  - B -  - C -
 2. Adventssonntag - Lesejahr - A -  - B -  - C -
 3. Adventssonntag - Lesejahr - A -  - B -  - C -
 4. Adventssonntag - Lesejahr - A -  - B - - C -

17.-23.12. Die O-Antiphonen - Die Tage der letzten Woche des Advent, dem sogenannten Hohen Advent, sind geprägt durch die O-Antiphonen der Vesper. Hier finden Sie den Text dieser Gebete und eine kurze Auslegung zum Inhalt der O-Antiphonen.

24.12. Heiliger Abend  

Advent 2009 - Lesejahr C

Erster Advent - Lk 21,25-28.34-36

Am Anfang steht das Ende. So scheint es, wenn man das heutige Evangelium betrachtet. Heute am Ersten Advent, am ersten Tag des neuen Kirchenjahres, präsentiert die Kirche uns als Evangelium einen Abschnitt aus der Endzeitrede Jesu. Sollten wir ein neues Jahr nicht mit einem schöneren Text beginnen?

Dieser Text führt uns aber auch an die Frage heran, was uns Advent bedeutet. Zuerst ist Advent freilich die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Vorbereitung aber nicht in dem Sinn, dass wir alles erledigen, was für die Gestaltung des Weihnachtsfestes nötig ist und uns in den Städten von bunten Lichtern und lieblichen Melodien überschütten lassen.

Für das Weihnachtsfest müssen wir vor allem unser Herz bereiten. Der Advent will uns wieder neu die Frage vor Augen führen, wie es um unser Leben steht. Welche Bedeutung hat in meinem Leben das Kind, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern?

„Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren.“ Diese Mahnung des heutigen Evangeliums sollten wir nicht einfach überhören. Wir sollten sie ehrlich an unser Herz heran lassen.

Wenn wir diese Adventszeit nutzen, um unser Leben neu auf Jesus Christus hin auszurichten, dann kann uns das Kind in der Krippe am kommenden Weihnachtsfest mit einer größeren Freude beschenken, als teure Geschenke und kitschiger Zierat es vermögen.

Wenn wir diese Adventszeit nutzen, um unser Leben neu auf Jesus Christus hin auszurichten, dann wird uns der Gedanke an sein Wiederkommen am Ende der Tage nicht in Angst und Schrecken versetzen. Wenn wir unser Herz bereiten, dann können wir uns aufrichten und erhobenen Hauptes das Kommen unseres Erlösers erwarten, der unser Leben zur Vollendung führen wird.

Wenn wir uns fragen, wie das geschehen kann, sich neu auf Jesus Christus hin auszurichten, so gibt uns das heutige Evangelium eine Antwort. Das Wichtigste ist das Gebet. Nehmen wir uns an den langen Abenden des Advent etwas Zeit dafür. Wir können dazu eine Kerze anzünden und dann in Ruhe einen Abschnitt aus der Bibel lesen, ein Gebet aus einem Gebetbuch beten, oder einfach mit eigenen Worten oder in Stille Jesus Christus begegnen. Solche kleinen Schritte können unser Leben verändern, jetzt im Advent und zu jeder anderen Zeit.

Zweiter Advent - Adventsheilige

Drei große Heilige kommen in diesen Tagen in den Blick. Am zweiten Adventssonntag hören wir im Evangelium (Lk 3,1-6) von Johannes dem Täufer, dem Wegbereiter des Herrn. Zugleich fällt das Fest des Heiligen Nikolaus auf diesen Tag. Am 8. Dezember ist das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.

Johannes der Täufer

Wenn wir es recht betrachten, scheint Johannes der Täufer damals auf einem ganz aussichtslosen Posten gestanden zu haben. In der Einöde in der Nähe des Flusses Jordan kündigt er einen Heilbringer an, von dem die ganze Welt erfahren soll und gibt sich als dessen Wegbereiter aus. Ein Irrer, wie es viele auf der Welt gibt?

Maria

Eine junge Frau meint, von einem Engel erfahren zu haben, dass sie die Mutter dieses Heilbringers ist, den Johannes verkündet. Sie weiß sich schon vor ihrer Geburt auserwählt und ohne Sünde und das Kind in ihrem Schoß soll nicht von einem Mann gezeugt sein, sondern vom Heiligen Geist gewirkt. Ist das nicht un-glaub-lich?

Der Advent führt uns wieder vor Augen, wie verrückt und unscheinbar die Anfänge des Kommens Gottes in diese Welt sind. Wenn wir nicht schon meinen, alles über Gott zu wissen, können uns diese Ereignisse von neuem anrühren und zu denken geben. Sie können uns zeigen, dass Gott Wunder wirkt und durch einfache Menschen und kleine Anfänge ganz Großes erreichen kann – auch heute noch.

Nikolaus

300 Jahre später haben schon viele Menschen von diesem Jesus aus Nazaret gehört und haben das Heil gesehen und erfahren, das in ihm ist. Auch Nikolaus hat sich ganz auf diesen Jesus verlassen. Er wollte in seinem Leben so sein, wie Jesus war. Er hat den Menschen den Heiland der Welt verkündet und durch sein Tun den Menschen nicht nur theoretisch sondern auch anschaulich gezeigt, wie das Heil aussieht, das von diesem Jesus kommt.

Hören auch wir auf die Stimme, die uns ruft, folgen wir Jesus nach und werden wir so selbst zu Menschen, die Kunde geben von dem, der allein der ganzen Welt Heil bringt. Vertrauen wir uns der Mutter an, dass sie uns hinführt zu ihrem Sohn. 

Dritter Advent - Das Volk war voll Erwartung (Lk 3,10-18)

Dieser auf den ersten Blick unscheinbare Satz im heutigen Evangelium ist es wert, etwas bei ihm zu verweilen. Die Menschen damals haben den Messias erwartet. Dieser Messias sollte einer sein, der das Volk aus der Hand seiner Unterdrücker, der römischen Besatzungsmacht, befreit, aber auch einer, der alle hinführt zum Zion, zum Tempel des Herrn, damit die Welt die Größe des Gottes Israel erkennt.

Schön kommt diese Erwartung Israels in der heutigen Lesung aus dem Propheten Zefanja (Zef 3,14-17) zum Ausdruck: „Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten.“ Gott befreit das Volk von Unheil und Feindesjoch und das lässt die Menschen jubeln, jauchzen und frohlocken.

Wer etwas erwartet, ist auch bereit, etwas dafür zu geben. Diese menschliche Eigenschaft wird sehr oft ausgenutzt. Viele versprechen den Menschen Gesundheit und Glück, die Menschen sind bereit dafür zu zahlen, aber oft ist dann das Geld weg, Gesundheit und Glück aber weiter entfernt als je zuvor.

Auch Johannes der Täufer stellt an die Menschen, die voller Erwartung zu ihm kommen, hohe Anforderungen. Teilen, und das nicht etwa wie wir heute oft Spenden im Verhältnis 99:1, sondern 50:50. Wer zwei Gewänder hat – und das war damals schon ein gewisser Reichtum – der soll das zweite einem Armen geben, der keines hat. Ebenso soll es mit dem Essen sein und wir könnten im Sinne des Johannes die Liste noch weiter fortsetzen mit unseren vielen Dingen, die wir besitzen.

Ist das nicht gegen alle Logik, dass wir dann glücklich werden, wenn wir teilen? Wir wollen das Glück für uns und meinen, es dadurch erhalten zu können, dass wir möglichst viel für uns haben. Doch macht das Haben allein glücklich? Diese menschliche Logik, die unsere Gesellschaft weitgehend beherrscht, hat uns vielmehr in eine tiefe Krise gestürzt.

Das Glück, das Gott uns schenken möchte, übersteigt menschliche Logik. So sagt es uns Paulus heute im Brief an die Philipper (Phil 4,4-7). Auch er spricht von der Freude im Herrn. Freut euch! Gaudete! So heisst auch der 3. Adventssonntag nach alter Tradition. Was bin ich bereit, für Gott zu geben, um die Freude im Herrn zu erlangen?

Komm, Herr!
Reiß die Wolken auseinander und komm!
Hier, jetzt, sei unser Gott – wer sonst?
Niemand sonst hat uns gesucht,
niemand hat unser forteilendes Herz umgewendet,
niemand unsere widerspenstige Seele angeredet als du.
Niemand hat uns gerufen wie ein Verliebter:
hier bin ich, hier bin ich, das ist mein Leib, das ist mein Blut – für euch.
Wie er Verlorener hast du gerufen, und unser Herz kehrte um und hörte.
Wo bist du jetzt? Wo bleibt deine Leidenschaft? Wo ertönt dein Ruf?
Herr, wecke meine Sehnsucht und komm!

Gottes Wunder

Zacharias und Elisabet

In den Tagen vor Weihnachten lohnt es sich, das erste Kapitel des Lukas-Evangeliums zu lesen. Hier schildert der Evangelist, wie geschickt Gott es damals „eingefädelt“ hat, dass das Heil, das er den Menschen verheissen hat, Wirklichkeit werden konnte. Zugleich wird hier die Macht Gottes deutlich, der allezeit Wunder zu wirken vermag. Für Gott ist nichts unmöglich. Aber doch ist Gott darauf angewiesen, dass es Menschen gibt, die bereit sind, Ja zu sagen zu seinem Plan. Nur so können die Wunder geschehen, die Gott für uns Menschen tut.

Wo Gottes Wunder geschehen, da ist Freude. Die Ankündigung solcher Freude durchzieht das ganze erste Kapitel des Lukas-Evangeliums. Zacharias wird vom Engel die Geburt eines Sohnes prophezeit, den er Johannes nennen soll. „Grosse Freude wird dich erfüllen, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen.“ (Lk 1,14)

Elisabet, die Frau des Zacharias, die viele Jahre kinderlos war, dankt Gott für ihren Sohn. „Der Herr hat mir geholfen; er hat in diesen Tagen gnädig auf mich geschaut und mich von der Schande befreit, mit der ich in den Augen der Menschen beladen war.“ (Lk 1,25)

Johannes, der Sohn von Zacharias und Elisabet, wird zum Wegbereiter des Messias. Er ist der letzte Prophet des Alten Bundes, der mit eigenen Augen den sehen darf, den er verkündet: Jesus Christus, den Herrn.

Marias Ja

Viele von uns betrachten täglich im Angelus-Gebet, was damals geschah, als der Engel Gabriel zu Maria kam, ihr die Geburt Jesu verkündete, und Maria ihr Ja sprach zum Willen Gottes.

Ave – Sei Gegrüßt – Grüß Gott – Guten Tag – mit einem ganz gewöhnlichen Gruß steht der Engel plötzlich vor Maria – doch in seiner Anrede hebt er Maria über alle Menschen empor: Du Begnadete, der Herr ist mit dir. Es gibt keine größere Ehre für einen Menschen, als diese Auszeichnung, dass ihn Gott mit seiner Gnade, seiner Güte, seinem Wohlwollen begleitet.

Darüber erschrickt Maria. Was ist das Besondere an ihr, dass sie diese Anrede verdient hätte? Da verkündet der Engel ihr Gottes Plan: „Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.“ (Lk 1,31f)

Nichts Geringeres soll sich durch Maria erfüllen, als die Verheissung, die Gott schon vor Jahrhunderten seinem Volk gegeben hat, dass von Gott der Retter kommt, der Messias, der Herr, dem der Thron Davids gebührt und der über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen wird und dessen Herrschaft ohne Ende ist.

Und Maria sagt ihr Ja zu der Botschaft des Engels, in der sich ihr der Wille Gottes kund tut: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk 1,38)

Manchmal möchten wir fliehen vor unserem Auftrag, Wir wollen unsere Ruhe haben ...
Und doch, auch für uns steht der Weg Mariens offen ...
Ganz leise kommt der Engel auch in den Raum unseres Lebens.
Auch mein gebrochenes und gefährdetes Menschsein ist gerufen in Gottes Gande, steht unter dem Vorzeichen jenes liebenden Ja, das Gott spricht ...
Komm, hab Mut, Mut Mensch zu sein, Mut zum Maß Gottes – du bist nicht allein!
Jesus geht dir voran, Maria geht mit dir.

Klaus Hemmerle

Vierter Advent - Begegnung (Lk 1,39-45) 

Maria und Elisabet, zwei Frauen, an denen Gott Großes gewirkt hat, begegnen einander. Elisabet galt als unfruchtbar und wurde schwanger – wie der Engel es Zacharias, ihrem Mann, verkündet hat. Sie wird zur Mutter Johannes des Täufers.

Ein noch größeres Wunder hat Gott an Maria gewirkt. Nicht auf natürliche Weise wurde sie schwanger. Sie ist erwählt, die Mutter Gottes zu sein. Fremd und unglaublich erscheint dies den Menschen. Maria hatte wohl auch niemanden, mit dem sie über dieses Geheimnis reden konnte. Daher besucht sie ihre Verwandte Elisabet. Sie kann Maria verstehen.

Freude liegt in der Begegnung dieser beiden schwangeren Frauen. Es ist eine vollkommene Freude, die nur die Menschen erfahren, die ihre Freude in Gott suchen. Meine Freude ist es, deinen Willen, Gott zu tun, sagt der Psalmist. Das Kind in Mariens Schoß ist die Frucht dieser Freude am Ja zu Gottes Willen. Diese Freude spürt auch das Kind im Schoße Elisabets. Diese Freude wird auch uns heute geschenkt, wenn wir bereit sind, ja zu sagen zu Gottes Willen.

Advent 2006 - Lesejahr C

1. Adventssonntag 

Der Apostel Paulus sagt uns in der heutigen Lesung aus dem Ersten Brief an die Thessalonicher ein grundlegendes Wort christlichen Glaubens. Er wünscht seiner Gemeinde und auch uns, dass der Herr uns überfließen lasse in der Liebe untereinander und zu allen. Diese überfließende Liebe soll ein Erkennungszeichen der Christen sein. Doch wir erleben immer wieder, wie gerade die Christen sich gegen diese Liebe verfehlen. Wenn auch viele Vorwürfe, die heute wie zu allen Zeiten gegen das Christentum erhoben werden, oft nur einer unwissenden antichristlichen Haltung entspringen, so trifft doch der Vorwurf, dass Christen die Liebe zu wenig leben, mitten ins Herz. Man blicke nur auf die Spaltungen und gegenseitigen Beschuldigungen, die es im Christentum gab und gibt und die zeigen, wie wenig wir doch zur Einheit in der Liebe fähig sind.

Doch es genügt auch der Blick auf mich selbst. Wenn ich genau hinsehe, erkenne ich, wie auch ich mich immer gegen die Liebe verfehle. Zu oft blicke ich nur auf mich selbst, will das festhalten, was ich zu haben meine und lasse nicht den Reichtum der Liebe, den Gott zum verschenken geben möchte, überfließen.

Wie viele Menschen warten heute vergebens auf etwas Liebe. In unserer Gesellschaft, in der oft Leistung und Funktionieren mehr zählt als das Zeit haben für andere, wachsen viele Kinder ohne Liebe auf, weil die Eltern sich keine Zeit für sie nehmen, sterben viele alte Menschen ohne Liebe, weil ihre Kinder keine Zeit mehr für sie haben. Es gilt, diesen Kreislauf der Lieblosigkeit zu durchbrechen, gerade für uns Christen. Der Mensch kann nicht überleben, wenn es nicht jemanden gibt, der ihm immer wieder sagt: „Ja, es ist gut, dass Du lebst.“

Gott selbst hat der Welt zugesagt, dass sie gut ist. Er sagt jedem einzelnen zu: „Ja, es ist gut, dass Du lebst.“ Er braucht Menschen, die diese Zusage Gottes weitergeben, die sie erfahrbar machen in dieser Welt. Paulus mahnt uns, dass wir uns nicht in Beschlag nehmen lassen von Rausch und Trunksucht und von den Sorgen des Alltags. Wir dürfen uns nicht vom allgemeinen Strudel der Nichtigkeiten verschlingen lassen, sondern müssen darauf blicken, was wirklich wichtig ist. Bei all unserem Tun soll auch Zeit bleiben, anderen Menschen zu sagen: „Ja, es ist gut, dass Du lebst.“

Dazu brauchen wir zunächst einmal Zeit für Gott. Ohne ihn können wir dieses Gutsein im letzen nicht erfahren. Gott ist es, der uns immer seine Liebe schenken möchte. Seien wir bereit, sie anzunehmen und machen wir sie fruchtbar, indem wir sie überfließen lassen zu den anderen. Gott hat uns sein Ja zugesagt im Kommen Christi, auf dessen Geburtsfest wir uns jetzt wieder in besonderer Weise vorbereiten und dessen Kommen in Herrlichkeit wir gläubig erwarten. Seien wir bereit für sein Kommen, indem wir uns in dieser Welt auszeichnen durch die Liebe.

2. Adventssontag

Am 2. und 3. Adventssonntag kommt in den Evangelien die Gestalt Johannes des Täufers in den Blick. Er ist der Vorläufer Jesu, der Rufer in der Wüste. Er ist mit Jesus verwandt, nur wenige Monate älter als er. Vom Geist getrieben geht er in die Wüste, lebt dort als Asket, ißt wenig, trägt nur notdürftige Kleidung. Doch seine Sendung durch Gott und sein authentischer Lebenswandel geben ihm eine Autorität und weisen ihn als Prophet aus. Die Menschen kommen zu ihm und hören auf ihn, auch wenn das, was er ihnen sagt, alles andere als schmeichelhafte Worte sind.

Johannes ist der letzte der Propheten des alten Bundes. Anders als diese darf er Christus, den er verkündet, selbst schauen. Alle anderen haben sich nach dem gesehnt, was für Johannes Wirklichkeit wird. Seine Worte fassen die Botschaft der alten Propheten zusammen. Jetzt ist der Messias da, auf den die Menschen so lange gewartet haben. Die ganze Schöpfung soll sich auf sein Kommen vorbereiten. Berg und Tal werden eben, Krummeswird gerade, die Schöpfung macht den Weg frei für den, durch den sie geschaffen wurde.

Nun gilt es, dass sich auch die Menschen auf sein Kommen vorbereiten. Wenn sie die Augen des Herzens nicht bereit machen, werden sie nicht das Heil sehen, das sich vor ihren Augen ereignet. Das ist die Situation der Menschen zu allen Zeiten. Es gibt so viele wichtige Dinge im Leben, aber das, was eigentlich wichtig ist, Gott und die Menschen auf unserem Weg, übersehen wir leicht. 

So braucht es auch in unserer Zeit Menschen, die den Ruf Gottes hören und Gott ihre Stimme geben für das, was er den Menschen sagen möchte. Falsche Propheten gibt es wohl genug, auch in unserer Zeit. Wir brauchen Menschen, die nicht ihre Botschaft verkünden, sondern das Wort Gottes. Die Welt braucht Menschen, die selbstlos leben und nicht die anderen an sich binden möchten, sondern sie zu Gott führen möchten, auch wenn sie dann selbst am Ende vielleicht alleine dastehen. Menschen, die sich bewußt sind, dass sie anderen nur in soweit helfen können, dass sie ihnen Wasser geben um überleben zu können und deshalb auf den hinweisen, der den Geist gibt, durch den die Menschen wahrhaft leben können, auf Jesus Christus. Beten wir darum, dass Gott auch unserer Zeit solche Menschen schenkt und ihnen Kraft gibt für ihren Dienst. 

3. Adventssonntag

Jesus, Maria und Johannes den Täufer sind die wichtigsten Gestalten dieses Sonntags. Heute am dritten Advent hören wir im Evangelium (Lk 3,10-18) von der Predigt des Johannes. In der Lesung aus dem Brief an die Philipper werden wir zur Freude aufgerufen (Phil 4,4-7): „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!“ Gaudete, freut Euch, so heißt dieser Sonntag und in der Liturgie kommt dies durch die Farbe rosa an Stelle von violett zum Ausdruck.

Im Buch Zefania wird die Tochter Zion zur Freude aufgerufen (Zef 3,14-17): „Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!“ Tochter Zion und Tochter Jerusalem sind Bezeichnungen, die das ganze Volk Israel meinen. Das Volk soll sich freuen, weil aus ihm Christus, der Retter der Welt, geboren wird. Maria steht für das Volk Israel, sie ist die Tochter Zion, die Auserwählte, die von Gott dazu berufen wurde, den Heiland zu gebären. Durch sie ist diese Freude, die Gott Israel verheißen hat, der ganzen Welt offenbar geworden. Durch ihren Sohn, Jesus Christus, wurde der ganzen Welt Freude geschenkt. So wollen auch wir uns freuen, weil Gott uns berufen hat zu seinem Volk. Wir wollen auf seinen Wegen gehen, die uns führen werden zur ewigen Freude in seinem Reich.