Heilige Woche

Dienstag

In der Karwoche gedenken wir dem Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn. Dabei erinnern wir uns jedoch nicht einfach an geschichtliche Ereignisse, wir spielen nicht ein sinnloses Theaterstück nach, vielmehr erinnern wir uns an die Geschehnisse und denken über sie nach, damit wir selbst zum Werk Christi gehören können. Unser Herr gab sich seinem Vater hin. Er gab ihm seine Liebe, die er durch Gehorsam bezeugte und dieser Gehorsam ging bis zur Annahme des eigenen Todes. Gleichzeitig schritt er durch den Tod hindurch zum Leben, damit wir alle an seiner Auferstehung teilhaben können.

Basil Hume
In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern bei Tisch war, wurde er im Innersten erschüttert und bekräftigte: Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten. Die Jünger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte. Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte. Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche. Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es? Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tu bald! Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte. Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen!, oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht.
Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.
Simon Petrus sagte zu ihm: Herr, wohin willst du gehen? Jesus antwortete: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen. Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben. Jesus entgegnete: Du willst für mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. (Joh 13,21-33.36-38)
Expedit

Am Dienstag der Karwoche kommt Jesus noch einmal in den Tempel und diskutiert ein letztes Mal mit den religiösen Führern. Sie erkennen Jesus nicht an. Jesus ist nicht der Messias, den sie erwarten. Sie wollen, dass alles so bleibt, wie es ist und wie es ihrem eigenen Vorteil nützlich ist. Daher verkündet Jesus in einer langen Rede den Untergang des Tempels, der dann ja auch durch die Römer herbeigeführt wurde. Die religiösen Führer der Juden aber wollen nur noch eines: Jesus möglichst schnell aus dem Weg räumen. Der Beschluss ist schnell gefasst, nun warten sie nur noch auf eine günstige Gelegenheit, diesen auszuführen.
Der Verrat durch Judas, der nach alter Tradition am Mittwoch der Karwoche stattgefunden hat, eröffnet dem Hohen Rat der Juden eine Möglichkeit, Jesus unauffällig in ihre Gewalt zu bringen. Unterdessen bereiten sich Jesus und seine Jünger auf das letzte Abendmahl vor.

Expedit vobis

Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen. Gehe ich aber, werde ich ihn zu euch senden. (Joh 16,7)

Es ist schwer für Jesu Jünger, das alles zusammen zu bringen, was in diesen Tagen geschieht. Da war die Hochstimmung beim Einzug nach Jerusalem. Sie haben feierlich Jesus als König ausgerufen und den Anbruch des Reiches Gottes erwartet - und manch einer wird sich ausgemalt haben, wie das sein wird, mit Jesus zu herrschen. Doch dann sagt Jesus ihnen immer deutlicher, dass sein Ende naht, dass Jerusalem nicht seine Königsstadt sein wird, sondern ihrem Untergang entgegensieht. Die Hartherzigkeit der religiösen Oberhäupter bedrückt Jesus und seine Jünger.
Im Kreis der Zwölf macht sich Unsicherheit breit. Jesus weiß, wie schwer diese Woche für seine Jünger ist. Er weiß, dass Judas ihn verraten und Petrus ihn verleugnen wird.

Euer Herz lasse sich nicht verwirren! (Joh 14,1)

Doch was hat das alles jetzt noch für einen Sinn, werden viele gedacht haben. Wenn das Reich Gottes jetzt nicht kommt, wann dann? Und wie soll es weitergehen, wenn die Obrigkeit Jesus ergreift und aus dem Weg räumt?
Wenn wir aus der Distanz von Jahrhunderten auf die Ereignisse der Heiligen Woche blicken, so schmerzt es uns auch zutiefst, was da geschehen ist, betend gehen wir Jesu Kreuzweg mit, aber wir wissen, dass alles gut ausgegangen ist, dass nach jedem Karfreitag ein Ostersonntag kommt. Die Jünger Jesu taten sich hier schwerer. Jesus hat ihnen das zwar vorhergesagt, aber erfahren haben sie es noch nicht.

Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. (Joh 16,7)

Erst im Nachhinein werden die Jünger den Trost gespürt haben, der in diesen Worten liegt. Erst nach dem Pfingsttag wussten sie, was das für ein Beistand sein wird, den Jesus verheißt. Erst jetzt erfahren sie die Kraft, die ihnen gegeben ist und die sie zu Verkündern des Reiches Gottes macht. Nun erfährt Petrus, dass er der Fels ist, auf dem die Kirche Gottes entsteht und die anderen Apostel sind die Ecksteine, die den Bau zusammenhalten. Jesus ist fortgegangen, aber er bleibt lebendig in seiner Kirche gegenwärtig, damals ebenso wie heute.