Leben
"Durch die Auslegung der heiligen Schrift erfahren wir, wie die Tugend erworben und bewahrt wird, aus der Erzählung der Wunder aber erkennen wir, wie solche Tugend sich auswirkt. In vielen wird die Liebe zum himmlischen Vaterland eher durch Beispiele als durch Belehrung bewirkt." So schreibt Papst Gregor der Große in seinem Vorwort zur Vita des Heiligen Benedikt im II. Buch der Dialoge. Wir brauchen Vorbilder, an denen wir uns orientieren können. Papst Gregor selbst lebte im 6. Jahrhundert, in einer Zeit größter Orientierungslosigkeit. In einer Zeit, in der alles im Verfall begriffen schien, wollte Gregor zeigen, dass die großen Wunder, die im Alten und Neuen Testament berichtet werden, nicht der Vergangenheit angehören. Vor kurzem noch geschahen sie ganz in der Nähe - und können auch heute noch geschehen. Nach der Zerstörung des Klosters Montecassino waren Mönche nach Rom geflohen, die bei Papst Gregor, der selbst das monastische Leben hoch schätzte, Aufnahme fanden. Diese Mönche haben Gregor vom Leben ihres Klostergründers erzählt. Die Aufzeichnungen Gregors sind die einzige Quelle, die wir heute vom Leben des Heiligen Benedikt haben. Er hat somit den Grundstein gelegt für die große Wirkung dieses heiligen Mannes, der als "Patron Europas" verehrt wird.
"Es lebte ein verehrungswürdiger Mann. Er hieß Benedictus. Der Gnade und dem Namen nach war er ein Gesegneter. ... Gott allein wollte er gefallen, deshalb begehrte er das Gewand gottgeweihten Lebens." So beginnt Gregor der Große seinen Bericht über das Leben des Heiligen Benedikt. Ein Gesegneter war er, der durch sein Leben den Menschen seiner Zeit und auch späteren Generationen den Segen Gottes erfahrbar machte. Aus vornehmen Hause stammend, zog sich Benedikt schon in jungen Jahren aus der Welt zurück. "In der Einsamkeit wuchs der heilige Mann in der Tugend und tat immer größere Zeichen. Es sammelten sich bei ihm viele Menschen, um dem allmächtigen Gott zu dienen." In mehreren Etappen führt der Weg Benedikts zunächst über die Errichtung kleinerer Klöster für seine Schüler hin zur Gründung eines großen Klosters auf dem Montecassino. Dort hat Benedikt wohl auch seine bekannte Klosterregel verfasst, die zur Grundlage des abendländischen Mönchtums wurde. Noch heute leben Männer und Frauen nach dieser Regel. In vielen kurzen Geschichten schildert Gregor uns, wie Benedikt Wunder wirkt und die Gabe der Prophetie besitzt. Er stellt ihn so auf eine Ebene mit den Propheten des Alten Bundes. Seine Fähigkeiten hat der Heilige nicht aus sich selbst, sondern sie kommen aus der engen Beziehung, die er zu Gott hat. Immer sehen wir ihn im Gebet. Noch vor den anderen Mönchen steht er zu nächtlicher Stunde auf, um vertraute Zwiesprache zu halten mit seinem Gott. Wir sehen die Leidenschaft, die den Heiligen dazu treibt, möglichst viel Zeit mit Gott zu verbringen. Wer auf Erden schon so eng mit Gott verbunden ist, den kann der Tod nicht schrecken. Benedikt wusste die Stunde seines Todes voraus. Im Kreis seiner Mönche stand er da, die Hände zum Himmel erhoben, und hauchte unter den Worten des Gebetes seinen Geist aus. Der Tod bedeutete für ihn nicht Schmerz, sondern Freude, er ist für Benedikt der Hinübergang in die himmlische Wohnung, zu Gott, den er auf Erden mit inniger Sehnsucht geliebt hat, und den er nun schauen darf ohne Ende.
Wirkung
Unter der Führung des Evangeliums - so könnte man das "Programm" des Heiligen Benedikt zusammenfassen. Er möchte mit seiner Regel keine neue Lehre oder dergleichen aufstellen, sondern er möchte einen Weg zeigen, wie Menschen unter der Führung des Evangeliums die Nachfolge Christi leben können. Dieses "Programm" des Heiligen Benedikt hat seine Wirkung nicht verfehlt. In kürzester Zeit entstanden unzählige Klöster im gesamten christlichen Abendland, die sich an seiner Regel orientierten. Bis auf den heutigen Tag ist seine Regel die Grundlage für das Zusammenleben in vielen Klöstern auf der ganzen Erde. Aber auch "Weltmenschen" können aus der Regel des Heiligen Benedikt Impulse für ihr Leben schöpfen. Immer haben die Klöster auch prägend auf ihre Umgebung gewirkt. Anfangs hatten sie einen wichtigen Anteil an der christlichen Durchdringung der neu missionierten Gebiete. Später wurden sie zu christlichen Zentren, von denen immer wieder entscheidende Impulse für das Glaubensleben ausgingen. Auch heute zieht die Atmosphäre eines Klosters viele Menschen an, die ihren Glauben vertiefen oder einfach nur ihre Seele neuen Atem holen lassen möchten. Der hl. Benedikt gilt als einer der Väter des abendländischen, christlichen Mönchtums und stellt eine herausragende Persönlichkeit innerhalb der Geschichte dar. Er trägt den Beinamen "Vater vieler Völker" und ist Schutzpatron Europas. Diese Würde trägt er zu Recht, denn der von ihm gegründete Orden hat das Antlitz Europas wesentlich mitgestaltet. Die Benediktiner haben maßgeblich zur Rekultivierung Europas nach dem Ende des römischen Weltreiches beigetragen. Nicht "nur" auf religiösem Gebiet, sondern in allen Lebensbereichen.