Erste Lesung
Dan 7, 9-14
Ich sah immer noch hin; da wurden Throne aufgestellt, und ein Hochbetagter nahm Platz. Sein Gewand war weiß wie Schnee, sein Haar wie reine Wolle. Feuerflammen waren sein Thron, und dessen Räder waren loderndes Feuer. Ein Strom von Feuer ging von ihm aus. Tausendmal Tausende dienten ihm, zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht nahm Platz, und es wurden Bücher aufgeschlagen.
Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen: Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter.
oder :
2 Petr 1, 16-19
Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe.
Er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen; denn er hörte die Stimme der erhabenen Herrlichkeit, die zu ihm sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.
Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren. Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden, und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen.
Evangelium
2. Fastensonntag A
Mt 17,1-9 2. Fastensonntag B
Mk 9,2-10 2. Fastensonntag C
Lk 9,28-36
Das Evangelium von der Verklärung des Herrn wird je nach Lesejahr aus einem der drei synoptischen Evangelien genommen. Sie finden diese Texte auch jeweils am 2. Fastensonntag des entsprechenden Lesejahres, da hier das Evangelium von der Verklärung des Herrn verkündet wird.
Das Bild zur
Verklärung des Herrn
stammt von dem
italienischen Maler
Duccio di Buoninsegna
(um 1255-1319).
Die Erfahrung vollkommener Liebe gehört der Zukunft an: wenn wir auf ewig in der Schau Gottes leben. Hier auf der Erde bemühen wir uns darum, zumindest ein wenig davon zu erlangen und uns seiner Gegenwart in uns bewusst zu werden. Sich auf diese Entdeckungsreise und Suche zu machen verlangt immer wieder eine Bekehrung des Herzens. Wir können versuchen, auf Gottes Stimme zu hören, die uns ruft.
Suchen wir also Gottes Spuren: in der Schöpfung, in der Heiligen Schrift, in Jesus Christus; vielleicht bekommen wir eine Ahnung von ihm und hören den Nachhall seiner Stimme. Tief im Herzen werden wir beginnen, seine Gegenwart wahrzunehmen, wenn wir den Blick auf ihn richten und die Sehnsucht nach ihm wachhalten.
Basil Hume
Auf dem Berg
Alle drei synoptischen Evangelisten berichten uns vom Ereignis der Verklärung Jesu (Mt 17,1-9; Mk 9,2-10; Lk 9,28-36). Jesus nimmt die drei bedeutendsten seiner Jünger, Petrus, Jakobus und Johannes, die sich allesamt dadurch auszeichnen, dass Jesus ihnen einen Beinamen (Petrus und die Donnersöhne) verliehen hat, mit auf einen Berg, der Überlieferung nach ist es der Berg Tabor. Dort gewährt er ihnen einen Blick auf seine himmlische Herrlichkeit, die den Menschen sonst verborgen, für Jesus aber genau so real ist wie sein irdisches Dasein.
Bei allen drei Synoptikern steht die Verklärung Jesu in engem Zusammenhang zu einem Ereignis, das sieben Tage zuvor geschehen ist. Petrus hat stellvertretend für alle das Bekenntnis gesprochen: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Den drei Aposteln wird einen Blick darauf gewährt, was dies bedeutet.
Die Verklärung Jesu steht auch in engem Zusammenhang zum Bundesschluss am Sinai. Wie Mose so nimmt auch Jesus seine wichtigsten Anhänger mit auf den Berg. Auf dem Sinai sprach Gott nach sechs Tagen, also am siebten Tag zu Mose. Damals strahte das Antlitz des Mose den Glanz Gottes wider, so dass er sein Gesicht verhüllen musste, als er wieder unter die Menschen geht. Das Licht, in dem Jesus erscheint, ist bedeutender als das Licht, das von Mose ausging. Mose hat das Licht von Gott, Jesus aber ist Gott und er ist ganz erfüllt vom göttlichen Licht.
Göttlicher Glanz
In der Verklärung wird die Aussage Jesu "Ich bin das Licht der Welt" real. Dem Evangelisten fehlen die Worte, den Glanz dieses Lichtes zu beschreiben, denn es ist ein Licht, das nicht von dieser Welt ist, das himmlische Licht, dessen Glanz alles irdische Leuchten überstrahlt. So dürfen die drei Apostel Jesus sehen, wie er ist. Diese Schau Gottes ist das Verlangen und Ziel der Menschen, wie es auch im Ersten Johannesbrief heißt (1Joh 3,2). Seinen Getreuen wird Christus diese Schau dereinst gewähren wenn er wiederkommt in himmlischem Glanz und nicht mehr in irdischer Gestalt.
Dieser Glanz Jesu ist unwandelbar und ewig und doch hat er durch sein Erdenleben eine Veränderung erfahren. Bislang ist Jesus noch nicht durch das Leiden und den Tod hindurch gegangen. Nach seiner Auferstehung werden die Wundmale untrennbar zu diesem himmlischen Glanz gehören. Sie nimmt er von der Erde mit in seine himmlische Herrlichkeit als Zeichen unserer Erlösung.
Mose und Elija
Plötzlich sind da Mose und Elija und reden mit Jesus. Lukas wird hinzufügen, dass sie mit ihm über seinen Leidensweg gesprochen haben. Mose und Elija sind die beiden großen Repräsentanten des Jüdischen Volkes. Über Mose, den Mittler des Gesetzes, sagt Jesus selbst, dass er selbst mehr ist als Mose. Zwar wird er von dem Gesetz des Mose keinen Strich wegstreichen, aber dennoch lehrt Jesus, wie das Gesetz des Mose in Wahrheit zu erfüllen ist. Dass Mose hier vor Jesus erscheint, zeigt, dass Jesus zurecht der wahre Ausleger der Tora ist. Elija ist der große Prophet, der in den Himmel entrückt wurde und dessen Wiederkunft vor dem Auftreten des Messias erwartet wurde. Was es damit auf sich hat, darüber werden die drei mit Jesus beim Abstieg vom Berg reden.
Die Jünger sind durch die Erscheinung verwirrt und ihr Verhalten zeigt, dass sie immer noch nicht verstanden haben. Als Petrus eine Woche zuvor sein Bekenntnis zu Christus abgelegt hat, hätte er sich wohl nicht träumen lassen dass dies die wahre Bedeutung seiner Worte ist. In ihrer Verwirrung und Furcht wollen die Apostel drei Hütten bauen, eine für Jesus, eine für Mose und eine für Elija eine.
Der Einfall des Petrus, Hütten zu bauen, unterstützt die Deutung einiger Exegeten, dass die Verklärung Jesu am letzten Tag des Laubhüttenfestes nach der sechstägigen Festwoche stattgefunden hat. Die sechs Tage zwischen dem Christusbekenntnis des Petrus und der Verklärung wären demnach mit der Festwoche indentisch.
Das Laubhüttenfest ist zunächst aus einem Erntefest entstanden. Darüber hinaus soll es aber auch an die Zeit der Wüstenwanderung erinnern, als Israel nicht in festen Häusern wohnte. Es ist jüdischer Brauch, während des Laubhüttenfestes in selbstgebauten Hütten (Sukkot) zu wohnen, durch deren Dach aus Zweigen man die Sterne in der Nacht sehen kann. In einem übertragenen Sinn sind diese Laubhütten nicht nur als ein Gedächtnis an den Schutz Gottes beim Auszug aus der Wüste zu sehen, sondern sie weisen auch hin auf die göttlichen Zelte, in denen die Gerechten der kommenden Weltzeit wohnen werden.
Vater, lehre uns, deine Gegenwart zu erkennen und öffne unser Herz für deine Stimme.
Gottes Gegenwart
In der Verklärung Jesu wird diese andere Welt Gottes schon auf Erden Wirklichkeit. Die drei Apostel bekommen einen Geschmack davon, wie es sein wird, die Gegenwart Gottes ewig zu kosten. Daher verwundert es nicht, dass Petrus dieses Erlebnis festhalten möchte. Gott soll für immer unter den Menschen seine Herrlichkeit zeigen. Doch dafür ist die Zeit noch nicht da. Noch gilt es, sich auf Erden zu mühen, bevor das selige Schauen im Himmel Wirklichkeit wird. Daher verwandelt sich Jesus auch wieder in seine irdische Gestalt zurück. Doch vorher wird der Vater aus dem Himmel zu den Aposteln sprechen. Er bekräftigt das, was Petrus zuvor bekannt hat: "Dieser ist mein geliebter Sohn, hört auf ihn!"
Die Wolke kündigt eine Gotteserscheinung an. Diese Wolke erschien auch bei der Taufe Jesu, wo die Stimme des Vaters Jesus den geliebten Sohn Gottes genannt hat. Galt bei der Taufe die Stimme allein Jesus, so gilt die nun den Aposteln. Sie sollen Jesus als den geliebten Sohn Gottes erkennen und auf ihn hören.
Im Hören auf Jesu Wort ereignet sich das Bleiben Gottes auf Erden. Aus diesem Blickwinkel erscheinen die Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium wie eine große Ausdeutung der Verklärung: "Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen." (Joh 14,23) Auch wenn das Ereignis der Verklärung nun vorbei ist und die drei Apostel plötzlich nur noch Jesus sehen, haben sie doch den Schlüssel dafür erhalten, wie sie das Wohnen Gottes auf Erden, das ihnen als den einzigen Auserwählten sichtbar gezeigt wurde, in verborgener Weise zur dauerhaften Wirklichkeit werden lassen können. Das ist auch die Botschaft an alle Gläubigen. Im Hören auf Jesu Wort bleibt Gott auf Erden gegenwärtig.
Das Bild zur