Wir feiern heute den Gedenktag eines der größten Heiligen des Mittelalters, des heiligen Bernhard von Clairvaux. Als junger Mann ist er im Jahr 1112 in das Kloster Cîteaux eingetreten. Vom Namen Cîteaux leiten sich die Zisterzienser als ein Reformorden der Benediktiner ab. Bernhard war zwar nicht der Begründer dieses Klosters, aber durch ihn erlangte Cîteaux erst die große Bedeutung als Zentrum einer ganzen Bewegung.
Bernhard wollte die Regel des Heiligen Benedikt wieder in ihrer ganzen Tiefe ernst nehmen. Dazu gehörte vor allem ein schlichtes Leben der Mönche. Die Klöster sollten keine repräsentativen Prunkbauten sein, sondern einfach und zweckmäßig. Auch sollten die Mönche wieder mehr Handarbeit leisten. In den Anfangsjahren seiner Klosterzeit schreibt er an einen Freund, der die Laufbahn eines Gelehrten einschlagen möchte:

In den Wäldern lernt man mehr als aus den Büchern; Bäume und Felsengestein werden euch mehr beibringen als das, was man anderswo zu hören bekommt. Ihr werdet selbst sehen, dass man aus den Steinen Honig und aus den härtesten Felsen Öl gewinnen kan. Kennt ihr nicht die Freude, die von unseren Bergen kommt, die Milch und den Honig, die von unseren Hügeln fließen?

Bernhard verstand es, Menschen für das Klosterleben zu begeistern. Von seinen zahlreichen Reisen kehrte er meist mit vielen jungen Männern zurück, die Mönch werden wollten. So begann man bald, von Cîteaux aus neue Klöster zu gründen, 1115 unter anderen das Kloster Clairvaux, dessen Abt Bernhard wurde. Von Clairvaux aus werden bis zum Tod Bernhards etwa 160 Kloster neu gegründet.
Damit wuchs auch die Bekanntheit und der Einfluss Bernhards, zunächst in Frankreich, dann bis nach Rom und schließlich war sein Wort für die Kirche als ganze von großer Wichtigkeit. Viele wandten sich an ihn mit Fragen, die etwa den Glauben oder die Kirchendisziplin betreffen. Die Briefe seiner umfangreichen Korrespondenz mit Päpsten, Bischöfen, Königen und anderen Persönlichkeiten sind bis heute erhalten.
Bernhard war der größte Prediger seiner Zeit. Alle Menschen vermochte er in seinen Bann zu ziehen und so zum Glauben an Jesus Christus zu führen. Ob Ordensleute oder Volksmassen, alle hörten seinen Worten gebannt zu. Er vermochte es, sowohl durch das gesprochene als auch das geschriebene Wort Menschen zu begeistern. Wohl kein anderer Autor des Mittelalters hat eine so große Bekanntheit und Verbreitung seiner Schriften erfahren wie Bernhard.
Bernhards Rat war gefragt und so wurde er in viele Konflikte seiner Zeit mit hineingezogen. Dazu gehörte der Kampf gegen die Katharer ebenso wie der theologische Konflikt um Abaelard. Gegen seine Gegner konnte er seinen weitreichenden Einfluß geltend machen und war auch mit Worten nicht zurückhaltend. Aus heutiger Sicht mag das befremdlich wirken, doch in einer Welt, die sich ganz von ihrem christlichen Glauben her definierte, war alles, was diesem Glauben schaden konnte, ein Angriff auf die ganze Gesellschaft und das Heil der Menschen. Umstritten ist auch seine Rolle als Kreuzzugsprediger. Wohl auf Bitten des Papstes kam ihm bei der Ausrufung des zweiten Kreuzzuges eine entscheidende Bedeutung zu.
Trotz alles politischen Einflusses wollte er ein einfacher Mönch bleiben. Bernhard war tief ergriffen von der Begegnung mit Jesus Christus. "Nichts ist mir angenehm, was nicht erklingt von Jesu Namen." Jesus Christus ähnlich zu werden war sein höchstes Ziel. Gemäß seinem monastischem Ideal geschieht dies durch Gebet, Arbeit und Askese.

Menschen, die um Christi willen alles verlassen, wie auch er um ihretwillen alles verlassen hat, diese folgen ihm auf allen seinen Wegen. Eine solche Nachfolge ist für mich die sicherste Gewähr, dass das Leiden des Erlösers und seine Gleichförmigkeit mit den Menschen mir zum Nutzen gereichen.

Zur Gleichförmigkeit mit Jesus Christus gehört für ihn auch der Weg durch das Leid, aber damit auch die Gewissheit, dass der leidende und gekreuzigte Herr in seiner Menschlichkeit jedem Menschen nahe ist. Bernhard selbst litt Zeit seines Lebens unter verschiedenen Krankheiten, die ihm viel Kraft kosteten, denen zum Trotz er aber dennoch ein enormes Arbeitspensum bewältigen konnte.
Eine besondere Bedeutung hat für Bernhard von Clairvaux die Verehrung der Gottesmutter Maria. Sie hat er in vielen Liedern und Hymnen gepriesen. Maria ist unsere Begleiterin auf dem Weg zu Jesus.

Unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, versöhne uns mit deinem Sohn, empfiehl uns deinem Sohn, stell uns vor deinen Sohn. Er wollte voll Huld durch dich an unserer Schwachheit und Armseligkeit teilhaben, er möge auch uns durch dich teilhaben lassen an seiner Herrlichkeit uns Seligkeit: Jesus Christus, dein Sohn, unser Herr. Amen.