Die Geburt Mariens - Ein Hoffnungszeichen

In der Liturgie der Kirche singen wir heute:

Deine Geburt, Jungfrau und Gottesgebärerin, hat der ganzen Welt Freude gebracht. Denn aus dir ging hervor die Sonne der Gerechtigkeit, Christus unser Gott.
Wenn ein Kind geboren wird, so ist das in der Regel ein freudiges Ereignis. Wir staunen immer wieder neu über das Wunder des Lebens, wie ein neuer Mensch im Schoß einer Frau heranwächst und dann hineintritt in diese Welt. Die Geburt ist immer ein Zeichen der Hoffnung, dass das Leben weitergeht auf dieser Erde.
Jeder Mensch hat seinen Platz auf dieser Erde, für jeden Menschen gibt es eine Aufgabe, jeder kann dort, wo er steht, im Großen oder im Kleinen, etwas in dieser Welt verändern. Kein Mensch ist unnütz. Gott setzt in jeden Menschen die Hoffnung, dass er fähig ist, der Welt etwas Gutes zu geben.
In der Bibel lesen wir von Menschen, die Gott schon bei ihrer Geburt zu etwas Besonderem erwählt hat. So ist es bei den Stammvätern des Hauses Israel, bei Mose, beim Propheten Samuel und vielen anderen. Sie nehmen in ihrem Leben einen Platz ein, der die Geschichte der Menschheit entscheidend verändert hat und erfüllen eine Aufgabe, die ihnen allein zukommt.
So war es auch bei Maria. Wir glauben, dass Gott sie schon vor ihrer Geburt dazu erwählt hat, die Mutter seines Sohnes zu sein. Die Legende erzählt daher, was es Wunderbares mit der Geburt Mariens auf sich hatte, als ihre Eltern Joachim und Anna nach vielen Jahren vergeblichen Wartens endlich das ersehnte Kind geschenkt bekamen.
Gott setzt immer wieder seine Hoffnung auf Menschen und wartet darauf, dass sie bereit sind, seinem Willen zu folgen. Er weiß, wie leicht Menschen verführbar sind und sich andere Ziele suchen und so Gottes Plan, der das Gute des Menschen will, am Eigensinn des Menschen scheitert, an der Freiheit, die Gott selbst dem Menschen gegeben hat, damit er aus freien Stücken Ja sagt zu Gott, die aber auch die Möglichkeit des Nein in sich enthält.
Maria hat Ja gesagt zu Gottes Plan. Ihr ganzes Leben hat sie Gott geweiht. Wir wissen nicht, ob sie schon als Kind um ihre besondere Erwählung wußte. Als dann aber der Engel zu ihr kam, da war sie bereit, die Mutter von Gottes Sohn zu werden. Es ist für die Menschheit bis zum heutigen Tag eine große Freude, dass Maria die Hoffnung, die Gott in sie gesetzt hat, nicht enttäuscht hat. So konnte Gottes Plan des Heils für uns Menschen gelingen.
Wir brauchen nicht zu denken, dass Gott sich nur wenige Menschen aussucht, deren Leben dann besonders bedeutsam ist und dass das Verhalten der anderen Menschen unwichtig wäre. Freilich, es gibt immer wieder Menschen, durch die Gott auf ganz besondere Weise wirkt. Aber letztendlich glaube ich, dass Gott mit jedem von uns einen Plan hat. Jeder hat einen Platz auf dieser Welt, den nur er allein besetzen kann und den Gott braucht, um den Menschen etwas von dem Licht zu bringen, das die Finsternis dieser Welt hell macht.
Maria ist für uns ein solches Hoffnungszeichen dafür, dass bei Gott jeder Mensch etwas zählt, dass jedes Kind, dass geboren wird, kostbar und wertvoll ist. Bitten wir Maria, dass die Kinder in eine Umgebung hinein geboren werden, die ihren Wert zu schätzen weiß und dass jeder Mensch die Erfahrung macht, wie kostbar er ist, für sich selbst, für Gott und für die Welt.

Die Unbefleckte Empfängnis

Das Fest Mariä Geburt steht im Zusammenhang mit dem Bau der Kirche für die heilige Anna, der Mutter Mariens, am See Bethesda. Dieser Ort galt als Wohnort von Anna und Joachim und somit als Heimat Mariens. Das Fest wurde seit dem 6. Jahrhundert in der Ostkirche gefeiert, um 700 durch Papst Sergius I. in Rom eingeführt und breitete sich im 10./11. Jahrhundert in der ganzen katholischen Kirche aus.
Im liturgischen Festkreis werden nur von ganz wenigen Heiligen die Geburtstage gefeiert, wie z.B. vom Hl. Johannes dem Täufer (24. Juni) und eben von der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria. Wenn die Kirche entgegen ihrer Gewohnheit - nämlich den Todestag eines Heiligen zu feiern - bei Maria auch deren Geburtstag begeht, dann tut sie es, weil sie zutiefst davon überzeugt ist, dass Maria schon von ihrer Geburt an die Heiligkeit in sich trug. Wir ehren Maria als die Unbefleckte Empfängnis. Sie ist der einzige Mensch, den Gott von der Empfängnis an von der Erbsünde bewahrt hat.
Das heißt nicht, dass Maria nicht hätte sündigen können, somit hätte sie die Gnade, die Gott ihr erwiesen hat, verspielt, wie Eva im Paradies. Maria ist aber der Gnade treu geblieben, die Gott ihr geschenkt hat. Sie hat der Versuchung zur Sünde nicht nachgegeben und ist so als die neue Eva für uns alle ein Beispiel geworden für ein erlöstes Menschsein, wie es von Gott gewollt ist.
Maria wurde durch das Wirken der Gnade Gottes zum einzigartigen Tempel des Heiligen Geistes, zur liebenden Mutter des Sohnes und zur bevorzugten Tochter Gottes, des Vaters. Kein Geschöpf steht Gott näher als Maria. Und doch ist sie Mensch wie wir. Sie ist uns in den Nöten der Welt und des Lebens nahe, sie selbst wurde vom Schwert des Schmerzes und des Leidens nicht verschont und weiß um jede irdische Not.
In Liebe zu Gott ist Maria ihren Weg gegangen. Wer unter allen Menschen hätte Gott mehr geliebt als Maria? Sie ist nicht nur die "von Gott Geliebte", sondern auch die große Gottliebende. Möge sie uns darin Vorbild sein.