Wer sind die Engel ?
Wenn wir das Wort Engel hören, denken wir meist sofort an Wesen mit Flügeln; so werden sie auf fast allen Bildern dargestellt. Das Wort Engel kommt vom griechischen "Angelos" und bedeutet Bote. In der menschlichen Vorstellung brauchen die Engel die Flügel, um ihren Botendienst zwischen Gott und den Menschen, zwischen Himmel und Erde, ausführen zu können. Doch Engel sind weder körperlich noch haben sie Flügel. Sie sind reine Geistwesen. Nur, wenn sie den Menschen erscheinen, nehmen sie Gestalt an. Es ist dem Menschen ja nicht möglich, ein reines Geistwesen mit den Augen zu sehen noch es in Bildern darzustellen. Bildliche Vorstellungen können uns eine Hilfe sein, sie können aber auch das Eigentliche verschleiern. Vielleicht ist das bei den Engeln geschehen. In der Verkündigung der Kirche haben die Engel eine wechselvolle Geschichte. Im Barock wurden sie zu kleinen Putten verkitscht, ebenso kitschig war oft das Bild, das man sich in der Zeit bis zum 2. Vatikanum von den Engeln machte. Da ist es nicht verwunderlich, dass irgendwann viele Menschen nichts mehr mit Engel anfangen konnten. Der Glaube an sie ist nach dem Konzil in der Kirche eher an den Rand gedrängt worden. Statt dessen greifen nun andere Gruppen die Verkündigung der Engel begierig auf. Beispielsweise in esoterischen Kreisen sind Engel von großer Bedeutung. Ist der Glaube an die Engel in unserer säkularisierten Welt noch zeitgemäß? Ich sage ja. Zunächst einmal müssen wir unser Denken von der Verengung befreien, in die uns die einseitige Betonung der Naturwissenschaften geführt hat. Die Naturwissenschaften können uns helfen, die Vorgänge auf dieser Welt besser zu verstehen, aber sie können uns nur einen Teil dieser Welt erklären. Über Gott und sein Reich geben sie uns keinerlei Auskunft, denn dort herrschen andere Gesetzmäßigkeiten als auf der Erde. Der Mensch ist dazu geschaffen, Gott, seinen Schöpfer zu erkennen und zu lieben und in Gott den Nächsten wie sich selbst zu lieben. Damit der Mensch fähig ist, Gott zu erkennen, hat ihm Gott den Verstand verliehen. Der Verstand hilft dem Menschen sicherlich auch dabei, seine Umwelt zu verstehen, die höchste Tätigkeit des Verstandes ist es jedoch, wenn er sich erhebt zu Gott seinem Schöpfer. Alle Erkenntnis dieser Welt kann dem Menschen niemals die wahre Erfüllung schenken, nach der er strebt. Nur in Gott findet das Streben des Menschen seine Ruhe, nur in Gott findet der Mensch das Glück, nach dem er sich in seinem Leben sehnt. Die Welt, die wir mit den Naturwissenschaften erforschen können, ist nur ein Teil der Wirklichkeit, die existiert. Der Teil der Welt, der den Naturwissenschaften nicht zugänglich ist, lässt sich folglich nicht mit deren Hilfe erforschen. Doch der Verstand des Menschen ist zu größerer Erkenntnis fähig, als ihm die Naturwissenschaften zu bieten haben. Zu dieser Erkenntnis kann er sich aber nicht der körperlichen Sinne bedienen, denn diese können ja nur Innerweltliches erkennen. Er kann diese Wirklichkeit aber auch nicht auf körperliche Weise beschreiben. Da der Mensch aber an die körperliche Welt gebunden ist, kann er die überweltlichen Dinge nicht vollends erkennen und noch weniger deutlich beschreiben. Wir können die überweltlichen Dinge immer nur in Analogie zu unserer irdischen Erkenntnis beschreiben und müssen wissen, dass bei jeder Ähnlichkeit zur irdischen Welt die noch größere Unähnlichkeit der himmlischen Welt gesehen werden muss. So ist es auch mit den Engeln, die wir als Menschen mit Flügeln darstellen müssen, obwohl sie in Wahrheit körperlos sind. Doch körperlose Wesen lassen sich eben nun mal nicht darstellen. Wenn wir dies bedenken, dann dürfen wir über die himmlische Welt reden und Himmlisches darstellen. Himmlisches ist uns ja auch nicht ganz fremd. Gott selbst will sich uns offenbaren und will mit uns in Kontakt treten, ja Gott selbst wurde in dieser Welt in Jesus Christus Mensch. Zeigt uns dies nicht die ungeheuere Nähe, die zwischen der irdischen und der überirdischen Welt besteht? Die jenseitige Welt ist uns sozusagen zum Greifen nahe, nur dass wir sie eben nicht greifen können, weil sie nicht körperlich ist. Somit ist auch klar, dass es ständig eine Interaktion zwischen beiden Welten gibt. Die Engel gehören der jenseitigen Welt an. Im Glaubensbekenntnis bekennen wir, dass Gott alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. Noch vor der Erschaffung der sichtbaren Welt hat Gott die Engel erschaffen. Die Engel sind Geschöpfe Gottes, lebendig und vernunftbegabt wie der Mensch, aber unkörperlich und unsterblich. Wie die Menschen haben die Engel von Gott den freien Willen erhalten, damit sie sich in Freiheit und Liebe ihrem Schöpfer zuwenden. Es gab aber einen Engel, Luzifer genannt, und mit ihm weitere Engel, die diese Freiheit dazu missbrauchten, sich gegen Gott zu entscheiden. Sie wollten selbst sein wie Gott. Die anderen Engel haben sich aber ganz auf die Seite Gottes gestellt. Es heißt, dass es im Himmel zu einem Kampf gekommen ist, bei dem der heilige Erzengel Michael ("Wer ist wie Gott?") die Schar der guten Engel anführte im Kampf gegen Luzifer und die bösen Engel. Luzifer und die bösen Engel wurden daraufhin für ewig von Gottes Angesicht in die absolute Gottferne verstoßen. Den Willen der guten Engel aber hat Gott für immer im Guten gefestigt, so dass sie auf ewig die Glückseligkeit in der Anschauung Gottes besitzen. Der Kampf, der im Himmel auf ewig entschieden ist, tobt gleichsam ständig auf der Erde weiter. Gott schafft keine neuen Engel mehr, während auf Erden immer wieder Menschen geboren werden. Da jeder Mensch einen freien Willen hat, besteht sein ganzes Leben darin, sich zu entscheiden. Von Anfang an, wie wir im Schöpfungsbericht lesen, ist aber der Teufel darauf aus, den Menschen zu versuchen und mit List auf seine Seite zu ziehen. Er versucht, die gute Schöpfung Gottes zu zerstören, er will Gott ins Handwerk pfuschen. Weil es immer wieder Menschen gibt, die sich von seiner List verführen lassen, geschieht immer wieder viel Leid auf dieser Erde. Doch wir dürfen uns dadurch nicht entmutigen lassen. Wenn es auch oft scheint, dass das Böse überhand nimmt, so ist Gott doch stärker. Wenn der Teufel auch meint zu siegen, so stürzt er doch immer wieder besiegt zu Boden. Jeder scheinbare Triumph des Teufels führt nur zu einer noch größeren Niederlage und Gott lässt ihn nur gewähren, um ihn im Nachhinein noch mehr verlachen zu können. Doch seinen wir auf der Hut. Die List des Teufels ist groß und versteckt sich oft hinter der Maske von etwas scheinbar Gutem. Doch wir sind nicht allein in diesem Kampf. Gott schenkt jedem, der dies möchte, die Kraft, über die Versuchungen des Teufels zu siegen. Die guten Engel stehen uns bei in unserem Kampf, allen voran Sankt Michael, der schon im Himmel den Teufel besiegt hat. Vertrauen wir uns selbst, unsere Lieben, unser Vaterland und die ganze Welt immer wieder neu seiner Hilfe an!
HEILIGER ERZENGEL MICHAEL, verteidige uns im Kampfe gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels! Sei unsere Schutzwehr; ihm befehle Gott, so bitten wir flehentlich. Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, schleudere den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen in der Welt umherschleichen, mit göttlicher Kraft hinab in den Abgrund. Amen. (Gebet von Papst Leo XIII.)
Erzengel
Drei Engel werden in der Heiligen Schrift mit Namen genannt und haben jeweils eine ganz besondere Aufgabe von Gott für die Menschen zu erfüllen. Wir nennen sie die drei Erzengel. Michael (sein Name bedeutet: "Wer ist wie Gott?") ist der große Kämpfer unter den Engeln. Mit seinem Schwert bezwingt er den Satan und alle, die sich gegen Gott stellen. Seinem Schutz haben sich viele Völker geweiht. Gabriel ("Gott ist meine Stärke") ist uns bekannt als der Engel, der Maria die Geburt Jesu verkündet hat. Der Erzengel Raphael ("Gott heilt") begegnet und im Buch Tobit als Beschützer und Helfer des jungen Tobias und seiner Familie. Der Glaube weiß aber auch, dass jeder einzelne Mensch einen Engel hat, der ihn beschützt und leitet. Wir bekommen ihn nie zu Gesicht, aber wie oft schon durften wir seine Anwesenheit erfahren! Danken wir Gott für die Engel, die er uns gegeben hat und bitten wir die Engel um Schutz und Hilfe für uns und alle Menschen.
Alle Engel und Erzengel - Seid uns Boten der göttlichen Liebe. Alle Chöre der seligen Geister - Lasst uns einstimmen in euern Lobgesang. Du mein heiliger Engel - Lass dir danken für deine Liebe. Ihr Engel meiner Verwandten und Freunde - Beschirmt sie. Ihr Engel der uns Anvertrauten - Helft uns, ihnen sichtbare Schutzengel zu sein. Ihr Engel der Gläubigen - Befestigt ihre Treue im Glauben. Ihr Engel der Irrgläubigen - Ruft sie auf den rechten Weg. Ihr Engel der Ungläubigen - Lasst ihnen das Glaubenslicht aufstrahlen. Ihr Engel der Suchenden - Helft ihnen heimfinden. Ihr Engel der Sünder - Rettet sie. Ihr Engel der Kranken und Betrübten - Tröstet sie. Ihr Engel der Sterbenden - Geleitet sie heim zum Vater. Ihr Engel der Mutlosen und Verzagten - Richtet sie auf. Ihr Engel der Verbitterten und Einsamen - Führt sie zum Quell der Freude. Ihr Engel der Armen und Notleidenden - Bringt ihnen Hilfe und Kraft. Ihr Engel der Reichen - Bewegt sie zur Güte und Freigebigkeit. Ihr Engel unserer Wohltäter - Lohnt ihre Liebe. All ihr heiligen Schutzengel - Behütet uns und führt uns immer näher zu Gott.