TeresavonAvila "Ich bin ein Weib und obendrein kein gutes." So lautet ein bekannter Ausspruch der heiligen Teresa von Avila. Sie, die eine der größten Mystikerinnen der katholischen Kirche ist und als erste Frau zur Kirchenlehrerin erhoben wurde, ist zugleich eine Heilige, die durch ihre Menschlichkeit dem christlichen Nachfolgeweg eine befreiende Ausrichtung gibt. Ihre Mitschwestern sagten von ihr: "Gepriesen sei Gott, der uns eine Heilige sehen ließ, die wir alle nachahmen können. Sie spricht, schläft und isst wie wir, und ihre Art ist nicht umständlich; sie braucht nicht ständig fromm zu sein."
"Bedenkt, dass der Herr auch in der Küche inmitten der Töpfe euch nahe ist," sagt sie ihren Mitschwestern. Doch dies kann durchaus zu Komplikationen führen nämlich dann, wenn Teresa gerade - wie eine kleine Anekdote erzählt - bei der Küchenarbeit eine Vision hat. Voller Schreck rief da eine ihrer Mitschwestern: "O Gott, musst Du denn die Madre gerade jetzt besuchen; sie wird noch das wenige Öl, das uns bleibt, ins Feuer schütten."
Teresas Schriften sind voll Charme und feinem Humor sowie sprühender Freude. Dies entsprang ihrer großen inneren Freiheit, die ihr durch ihre völlige Hingabe an Gott eigen war. Jesus Christus war das Zentrum ihres Lebens, die Quelle all dessen, was Teresa war und tat.
Teresa, am 28. März 1515 zu Avila in Spanien geboren, verbrachte Kindheit und Jugend im Kreis einer großen Geschwisterschar. Schon mit sechs Jahren war sie fasziniert vom Begriff "Ewigkeit". Im Alter von 21 Jahren verließ sie heimlich das Elternhaus und trat in das Karmelitinnenkloster ihrer Vaterstadt ein. Nach mehr als 18 Jahren im Kloster entdeckte sie beim Anblick eines Bildes, das Jesus von Wunden bedeckt darstellte, ihre wahre Berufung: Braut und Gefährtin des armen und demütigen Christus zu sein. Nun verstand sie den Eifer für die Kirche Christi als Folge wahrer Verbundenheit mit Gott im Gebet, in einem Gebet, das sich Gott rückhaltlos als Sein Eigentum und Werkzeug zur Verfügung stellt.
TeresavonAvila Immer wieder kommt bei ihr diese Hingabe an Gott, die allein den Menschen befreit und die mit dieser Hingabe verbundene Liebe zu Gott und allen Menschen zum Ausdruck. Ihren Mitschwestern gibt sie den Rat: "Es kommt nicht darauf an, viel zu denken, sondern viel zu lieben. Darum tut das, was in euch am meisten die Liebe weckt." Denn: "Liebe erweckt wieder Liebe."
Durch ihre Klostergründungen wurde sie zur geistigen Mutter vieler Ordensschwestern - bis heute. Als sie auf der Rückreise von ihrer letzten Klostergründung am 4. Oktober 1582 in Alba de Tormes stirbt, ist sie die "madre" einer neuen Ordensfamilie, deren Wurzeln weit in die Geschichte zurückreichen.
Ihr Gedenktag ist der 15. Oktober. Da ihr Todestag, der 4. Oktober, schon für den heiligen Franziskus reserviert war, wählte man den darauf folgenden Tag. Da aber genau in ihrem Todesjahr die Zeitrechnung vom ungenauen julianischen auf den gregorianischen Kalender umgestellt wurde, wobei zehn Tage übersprungen wurden, folgte auf dem 4. der 15. Oktober.