Hl. Ignatius von Antiochien
Lerne die Zeiten kennen. Den erwarte, der über der Zeit ist, den Zeitlosen, den Unsichtbaren, der unseretwegen sichtbar geworden, den Unbetastbaren, den Leidenlosen, der unseretwegen gelitten hat, der auf alle Arten unseretwegen geduldet hat.
(Ignatius an Polykarp)

In Ignatius von Antiochien begegnen wir einem der ersten großen Heiligen der nachapostolischen Zeit. Zudem ist er der erste Schriftsteller der Kirche, der nicht jüdischer Herkunft war, sondern aus dem Heidentum kam. Ignatius ist ein Bindeglied zwischen den Aposteln und der nachapostolischen Zeit. Er soll ein Schüler des Apostels Johannes gewesen sein. In ihm zeigt sich, wie schnell sich die Verkündigung des Evangeliums in den Städten des Ostens verwurzelte.
Ignatius stammt aus Antiochien, damals neben Rom und Alexandrien eine der drei größten Städte des Römischen Reiches, heute ein unscheinbares Dorf an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien. Anfang des 2. Jahrhunderts war Ignatius Bischof dieser Stadt. Seiner Gemeinde galt seine ganze Hirtensorge.
Unter Kaiser Trajan wurde Ignatius festgenommen und zum Tierkampf in der Arena verurteilt. Wie alle bedeutenden Gefangenen sollte er in Rom hingerichtet werden. Auf dem Weg als Gefangener nach Rom macht er unter anderem in Philadelphia und Smyrna Station und hat dort die Möglichkeit - ähnlich wie schon Paulus - die Abgesandten der Gemeinden Kleinasiens zu empfangen. Es sind mehrere Briefe von Ignatius an diese Gemeinden erhalten, die damals entstanden sind.
Zwei Themen kehren in seinen Briefen immer wieder: Der Glaube an Jesus Christus und die Liebe zum Nächsten. Ganz besonders den Armen und Schwachen in der Gemeinde gilt seine besondere Sorge. Er ist darauf bedacht, dass die Einheit gewahrt wird und keine Spaltungen entstehen. Dazu gehört auch die Anerkennung der Hierarchie in der Kirche und der rechte Glaube. Die Trallianer ermahnt er:

"Verstopft eure Ohren, sobald euch einer Lehren bringt ohne Jesus Christus, der aus dem Geschlecht Davids stammt, der wahrhaft aus Maria geboren wurde, der aß und trank, wahrhaft verfolgt wurde unter Pontius Pilatus, wahrhaft gekreuzigt wurde und starb vor den Augen derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind, der auch wahrhaft auferweckt wurde von den Toten, da ihn sein Vater auferweckte; denn nach diesem Vorbild wird uns, die wir ihm glauben, sein Vater auch so auferwecken in Christus Jesus, ohne den wir das wahre Leben nicht haben."

An die Gemeinde von Rom schreibt Ignatius unter anderem von seiner Sehnsucht nach dem Martyrium. Die Gemeinde soll keine Schritte in die Wege leiten, um dieses zu verhindern:

"Mir werden weder die Enden der Erde noch die Königreiche dieser Welt etwas nützen. Für mich ist es besser, durch den Tod zu Christus Jesus zu kommen, als König zu sein über die Grenzen der Erde. Christus suche ich, der für uns gestorben ist; ihn will ich, der unseretwegen auferstanden ist. Mir steht die Geburt bevor.
Brüder, hindert mich nicht, das Leben zu gewinnen. ... Gönnet mir, ein Nachahmer des Leidens meines Gottes zu sein. ... Ich bin Gottes Weizen. Von den Zähnen der wilden Tiere werde ich gemahlen, um reines Brot Christi zu werden."

Im Amphitheater des Flavian in Rom, später Kolosseum genannt, wurde Ignatius von Löwen zerfleischt und starb den Märtyrertod.