Gelebter Glaube
"Gutes wirkt man nicht im Maße dessen, was man sagt und tut, sondern in dem, was man ist, entsprechend der Gnade, die unsere Taten begleitet, im Maße, als Jesus in uns lebt und unsere Handlungen Handlungen des in uns und durch uns wirkenden Herrn sind. Um unserem Nächsten von Nutzen zu sein, müssen wir zuerst aus allen Kräften und ohne Unterlass an unserer eigenen Bekehrung arbeiten." (Charles des Foucauld)Im Glauben zählt also das gelebte Leben. Doch wo kann ich lernen, wie ein authentisches und überzeugendes Leben aus dem Glauben gelebt werden kann? Dafür sind uns die Heiligen Vorbilder und Helfer. Jeder Heilige hat gemäß seiner Berufung auf seine ganz spezielle Weise die Nachfolge Gottes gelebt. Kein Mensch kann sagen, wie viele Heilige es gibt. Die Heiligen, die wir in der Kirche an ihren Gedenktagen ehren, ragen in besonderer Weise aus dem Kreis der Menschen hervor. Bei ihnen hat die Kirche nach sorgfältiger Prüfung ihres Lebens festgestellt, dass sie uns als Vorbilder dienen können, ja mehr noch, sie treten bei Gott für uns als Fürsprecher ein. Doch nicht nur sie sind heilig. Von Gott ist jeder Mensch zur Heiligkeit berufen und jeder Mensch, der im Glauben danach strebt, nach Gottes Willen zu leben, ist ein Heiliger. Paulus bezeichnet die Adressaten seiner Briefe oft als Heilige. Damit meint er alle Menschen der christlichen Gemeinde, an die sein Brief gerichtet ist.
"Gott hat es so eingerichtet, dass wir alle zu unserem Heile aufeinander angewiesen sind und alle miteinander nach dem gemeinsamen Heil streben müssen."Diese Worte von Thomas Merton geben einen Wesenskern des Christentums wieder, wie ihn auch der Apostel Paulus im 12. Kapitel des Ersten Korintherbriefes beschreibt: "Ihr aber seid der Leib Christi und jeder einzelne ist ein Glied an ihm." Die Kirche ist der mystische Leib Christi. Christus ist das Haupt. Durch die Taufe werden wir aufgenommen als Glieder dieses Leibes. Wie im menschlichen Leib, so hat auch im mystischen Leib Christi jedes Glied seine besondere Aufgabe. Es können nicht alle alles machen, sondern jeder soll das seine tun. So gibt es welche, die scheinbar höhere Aufgaben erfüllen und andere, die scheinbar Geringeres tun, aber doch ist der Einsatz eines jeden gleich wichtig, weil er für das Ganze unerläßlich ist. Wir merken es an unserem eigenen Leib: wenn auch nur ein kleiner Teil davon krank ist oder Schmerz empfindet, so wirkt sich das auf unseren ganzen Leib aus. Obwohl nur ein Zahn weh tut, beeinträchtigt dies unser gesamtes Wohlbefinden. So sind wir auch als Kirche alle aufeinander angewiesen. Wenn einer sündigt, so trifft diese Sünde in gewisser Weise alle, auch wenn sie ganz verborgen geschieht und scheinbar kein anderer Mensch dadurch zu Schaden kommt. Wenn dies für unsere schlechten Taten zutrifft, dann noch viel mehr für die guten. Jede noch so kleine gute Tat kann eine weltweite Wirkung haben. Ein Lächeln, von uns geschenkt, kann vielleicht um die ganze Welt von Mensch zu Mensch weiter gegeben werden, bis es dann irgendwann auch wieder bei uns selbst ankommt. Als Christen müssen wir uns stets dieser Verantwortung bewusst sein, die wir für die Kirche, aber auch für die ganze Welt haben. "Die Menschen haben keine Ahnung von der Macht eines einzigen Heiligen," schreibt Thomas Merton. "Denn die Heiligkeit ist stärker als die ganze Hölle." Jeder Mensch kennt seine eigene Stärken, aber auch seine Schwächen. Doch braucht uns unsere Schwachheit nicht mutlos werden lassen. Gott gibt uns immer wieder die Möglichkeit zu einem Neuanfang, die Chance, es von neuem zu versuchen. Wir brauchen es auch nicht allein aus unserer Kraft zu schaffen, sondern Gott schenkt uns immer neu seine Gnade. Er ist bei uns und hilft uns zu jeder guten Tat. Jeder Mensch ist von Gott gut geschaffen, er gleicht einem vollkommenen Kristall, der unheimlich wertvoll ist. Doch in der Dunkelheit kann selbst der vollkommenste Kristall seine Schönheit nicht entfalten. Er braucht das Licht, das ihn zum leuchten bringt. Dieses Licht hat der Mensch nicht aus sich selbst, sondern es kommt von Gott. Wenn der Mensch sich von Gottes Licht, von seiner Gnade, seiner Liebe und Güte bestrahlen läßt, dann wird er gewissermaßen in Licht verwandelt, das Licht Gottes strahlt durch ihn in die Welt. Das ist das Geheimnis der Heiligkeit, zu der jeder Mensch berufen ist.
"Was geschieht nun, wenn ein Mensch völlig im göttlichen Leben, das in ihm ist, aufgeht? - Diese Vollkommenheit erreichen nur jene Menschen, die wir Heilige nennen - oder vielmehr jene, die wahrhaft heilig sind und im Lichte Gottes leben. Denn jene, die nach menschlichen Begriffen auf Erden Heilige genannt werden, können ebensogut Teufel sein, und ihr Licht könnte der Finsternis angehören. Denn vor dem Lichte Gottes sind wir Eulen. Es blendet uns, und sobald es uns trifft, sind wir im Dunkel. Oft sehen wir Menschen für Heilige an, die es nicht sind, und andere, die es keineswegs zu sein scheinen, sind es. Die größten Heiligen sind zuweilen die verborgensten - denken wir nur an die Muttergottes, den heiligen Josef. Christus hat seine Kirche unter anderem zu dem Zwecke eingesetzt, damit die Menschen einander zu ihm hinführen und dadurch sich selbst sowie die Mitmenschen heiligen. Auf diese Weise zieht uns Christus selbst durch die Tat unserer Mitmenschen an sich." (Thomas Merton)
Gebete
Herr Jesus, lass uns unsere Verantwortung, die wir als Christen für unsere Mitmenschen und die ganze Welt haben, erkennen und schenke uns in deiner Gnade, dass wir Dein Licht in der Welt erstrahlen lassen. Gott unser Vater, die Heiligen haben ihr Ziel erreicht. Sie sind bei dir. Wir sind noch unterwegs. Wir bitten dich: Lass alle Menschen dich als ihr Ziel erkennen. Lass alle Menschen den Weg zu dir finden. Lass alle Menschen, die Irrwege gehen, umkehren. Lass uns deinen Willen erkennen und befolgen. Lass uns Menschen sein, die es anderen leichter machen, an dich zu glauben. Lass uns Menschen begegnen, die für uns Wegweiser sind. Lass uns erkennen, worin die Heiligen und besonders mein Namenspatron uns Vorbild sein können.
Von Mutter Teresa stammt dieses Gebet:
Mach uns würdig, Herr, unseren Mitmenschen überall zu dienen, die in Armut und Hunger leben und sterben. Gib ihnen durch unsere Hände heute ihr täglich Brot, schenke ihnen durch unsere Liebe Frieden und Freude. Amen.