Gedenktage der Heiligen im November und Dezember
1.11. Allerheiligen
Glieder eines Leibes (2009)
„Gott hat es so eingerichtet, dass wir alle zu unserem Heile aufeinander angewiesen sind und alle miteinander nach dem gemeinsamen Heil streben müssen.“ Diese Worte von Thomas Merton geben einen Wesenskern des Christentums wieder, wie ihn auch der Apostel Paulus im 12. Kapitel des Ersten Korintherbriefes beschreibt: „Ihr aber seid der Leib Christi und jeder einzelne ist ein Glied an ihm.“
Die Kirche ist der mystische Leib Christi. Christus ist das Haupt. Durch die Taufe werden wir aufgenommen als Glieder dieses Leibes. Wie im menschlichen Leib, so hat auch im mystischen Leib Christi jedes Glied seine besondere Aufgabe. Es können nicht alle alles machen, sondern jeder soll das seine tun. So gibt es welche, die scheinbar höhere Aufgaben erfüllen und andere, die scheinbar Geringeres tun, aber doch ist der Einsatz eines jeden gleich wichtig, weil er für das Ganze unerläßlich ist.
Wir merken es an unserem eigenen Leib: wenn auch nur ein kleiner Teil davon krank ist oder Schmerz empfindet, so wirkt sich das auf unseren ganzen Leib aus. Obwohl nur ein Zahn weh tut, beeinträchtigt dies unser gesamtes Wohlbefinden.
So sind wir auch als Kirche alle aufeinander angewiesen. Wenn einer sündigt, so trifft diese Sünde in gewisser Weise alle, auch wenn sie ganz verborgen geschieht und scheinbar kein anderer Mensch dadurch zu Schaden kommt. Wenn dies für unsere schlechten Taten zutrifft, dann noch viel mehr für die guten. Jede noch so kleine gute Tat kann eine weltweite Wirkung haben. Ein Lächeln, von uns geschenkt, kann vielleicht um die ganze Welt von Mensch zu Mensch weiter gegeben werden, bis es dann irgendwann auch wieder bei uns selbst ankommt.
Als Christen müssen wir uns stets dieser Verantwortung bewusst sein, die wir für die Kirche, aber auch für die ganze Welt haben. „Die Menschen haben keine Ahnung von der Macht eines einzigen Heiligen,“ schreibt Thomas Merton. „Denn die Heiligkeit ist stärker als die ganze Hölle.“
Jeder Mensch kann seine eigene Stärken und Schwächen entdecken. Doch braucht uns unsere Schwachheit nicht mutlos werden lassen. Gott gibt uns immer wieder die Möglichkeit zu einem Neuanfang, die Chance, es von neuem zu versuchen. Wir brauchen es auch nicht allein aus unserer Kraft zu schaffen, sondern Gott schenkt uns immer neu seine Gnade. Er ist bei uns und hilft uns zu jeder guten Tat.
Jeder Mensch ist von Gott gut geschaffen, er gleicht einem vollkommenen Kristall, der unheimlich wertvoll ist. Doch in der Dunkelheit kann selbst der vollkommenste Kristall seine Schönheit nicht entfalten. Er braucht das Licht, das ihn zum leuchten bringt. Dieses Licht hat der Mensch nicht aus sich selbst, sondern es kommt von Gott. Wenn der Mensch sich von Gottes Licht, von seiner Gnade, seiner Liebe und Güte bestrahlen läßt, dann wird er gewissermaßen in Licht verwandelt, das Licht Gottes strahlt durch ihn in die Welt. Das ist das Geheimnis der Heiligkeit, zu der jeder Mensch berufen ist.
„Was geschieht nun, wenn ein Mensch völlig im göttlichen Leben, das in ihm ist, aufgeht? – Diese Vollkommenheit erreichen nur jene Menschen, die wir Heilige nennen – oder vielmehr jene, die wahrhaft heilig sind und im Lichte Gottes leben. Denn jene, die nach menschlichen Begriffen auf Erden Heilige genannt werden, können ebensogut Teufel sein, und ihr Licht könnte der Finsternis angehören. Denn vor dem Lichte Gottes sind wir Eulen. Es blendet uns, und sobald es uns trifft, sind wir im Dunkel. Oft sehen wir Menschen für Heilige an, die es nicht sind, und andere, die es keineswegs zu sein scheinen, sind es. Die größten Heiligen sind zuweilen die verborgensten – denken wir nur an die Muttergottes, den heiligen Josef.
Christus hat seine Kirche unter anderem zu dem Zwecke eingesetzt, damit die Menschen einander zu ihm hinführen und dadurch sich selbst sowie die Mitmenschen heiligen. Auf diese Weise zieht uns Christus selbst durch die Tat unserer Mitmenschen an sich.“ (Thomas Merton)
Herr Jesus, lass uns unsere Verantwortung, die wir als Christen für unsere Mitmenschen und die ganze Welt haben, erkennen und schenke uns in deiner Gnade, dass wir Dein Licht in der Welt erstrahlen lassen.
Wie viele Heilige es gibt, weiß kein Mensch zu sagen. Jeder Mensch ist von Gott zur Heiligkeit berufen. Heiligkeit, das bedeutet auch, dass der Mensch in dieser dreifachen Liebe, zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst, lebt. Heiligkeit bedeutet, so zu leben, wie es dem Willen Gottes entspricht.
Die Heiligen, die wir in der Kirche an ihren Gedenktagen ehren, ragen in besonderer Weise aus dem Kreis der Menschen hervor. Bei ihnen hat die Kirche nach sorgfältiger Prüfung ihres Lebens festgestellt, dass sie uns als Vorbild dienen können, ja mehr noch, sie treten bei Gott für uns als Fürsprecher ein. Nehmen wir ihr Leben als Ermutigung, auch selbst auf dem Weg der Liebe voranzuschreiten.
Gott unser Vater, die Heiligen haben ihr Ziel erreicht. Sie sind bei dir. Wir sind noch unterwegs. Wir bitten dich:
Lass alle Menschen dich als ihr Ziel erkennen.
Lass alle Menschen den Weg zu dir gehen.
Lass alle Menschen, die Irrwege gehen, umkehren.
Lass uns deinen Willen erkennen und befolgen.
Lass uns Menschen sein, die es anderen leichter machen, an dich zu glauben.
Lass uns Menschen begegnen, die für uns Wegweiser sind.
Lass uns erkennen, worin die Heiligen und besonders mein Namenspatron uns Vorbild sein können.
Von Mutter Teresa stammt dieses Gebet:
Mach uns würdig, Herr, unseren Mitmenschen überall zu dienen, die in Armut und Hunger leben und sterben. Gib ihnen durch unsere Hände heute ihr täglich Brot, schenke ihnen durch unsere Liebe Frieden und Freude. Amen.
2.11. Allerseelen
Paulus schreibt in seinem Brief an die Thessalonicher (4,13f):
Wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderern, die keine Hoffnung haben. Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus Christus auch die Verstorbenen mit ihm zur Herrlichkeit führen.
Immer wieder stellen sich Menschen die Frage: Was kommt nach dem Tod? Oder anders gefragt: Kommt überhaupt etwas nach dem Tod? Hat der Mensch nur dieses Leben, in das er aus dem Nichts kommt und dorthin wieder verschwindet? Oder stehen wir in einem Kreislauf des ewigen Geboren-Werdens und Vergehens und leben wir immer neue Leben zu verschiedenen Zeiten? Oder gibt es wirklich so etwas wie das ewige Leben bei Gott, an das die Christen glauben?
Was nach dem Tod sein wird, das werden wir erst erfahren, wenn wir selber dort angelangt sind. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, wie Paulus an einer anderen Stelle schreibt (1Kor 13,13). Der Glaube daran, dass es einen Gott gibt, der uns liebt, der uns in seinem Sohn erlöst hat, der uns einmal immer bei sich haben möchte und mit ewigem Glück und unvergänglicher Freude beschenken möchte. Die Hoffnung, dass wir diesem Gott vertrauen dürfen und dass das, woran wir glauben, auch wirklich existiert. Die Liebe, die uns mit diesem Gott und untereinander verbindet.
Der Tod ist ähnlich wie das Geboren-Werden ein Durchgang in etwas Neues, vorher Unvorstellbares und ist genauso wie die Geburt mit Schmerz verbunden. Das Kind im Mutterleib muß seine wohlige Umgebung verlassen, um leben zu können und es freuen sich schließlich alle über das neue Leben, auch wenn es bekanntlich nicht einfach sein wird. Haben wir es uns dann auf dieser Welt so einigermaßen wohnlich eingerichtet, dann dürfen wir nicht vergessen, dass auch dies vergehen wird. Quälend ist vielleicht der Gedanke daran, nie genau zu wissen, wann und wie dieses Leben zu Ende gehen wird.
Für Menschen früherer Zeiten war schlimmer als der Tod das unvorbereitete Sterben. Deshalb war den Menschen daran gelegen, sich die Existenz des Todes immer wieder vor Augen zu führen. Dem Heiligen Christophorus kam die Funktion des Mahners an die Sterbestunde zu und deshalb fand sich sein Bild an Türmen und Häusern. Wer ihn anblickte, dachte an den Tod und starb so nicht mehr unvorbereitet.
Jede Kultur geht anders mit dem Tod um. Alle Menschen gehen anders mit der Trauer um. Trauer ist der Schmerz um den Verlust eines lieben Menschen. Wenn ein Mensch, der uns im Leben nahe stand, der uns sehr wichtig war, plötzlich nicht mehr da ist, müssen wir lernen, ohne diesen Menschen zu leben. Selbst wenn wir daran glauben, dass dieser Mensch es nach dem Tod viel schöner hat als er es auf Erden jemals hatte, so fehlt uns doch seine Nähe und Gegenwart. Deshalb ist es wichtig, zu trauern und ich denke, dass Paulus nicht diese Art von Trauer meinte, als er sagte, dass wir sie als Christen nicht zu haben brauchen.
Ebenso wichtig wie die Trauer um einen Menschen, ist die Erinnerung an ihn. Die Toten brauchen diese Erinnerung. Christen glauben daran, dass die Toten eine Art Reinigungsprozess durchlaufen müssen, um würdig zu sein, vor Gott treten zu dürfen. Unser Gedenken und unsere Gebet sind ihnen dort eine Hilfe. 
Die Verstorbenen prägen ja, auch wenn sie nicht mehr da sind, immer noch unser Leben. Mit dem Tod nehmen wir Abschied von lieben Menschen, wir lassen sie allmählich los, aber wir behalten sie doch in unserer Erinnerung. Unsere Dankbarkeit und Liebe für sie endet ja nicht mit ihrem Tod und wir dürfen hoffen, sie einmal wiederzusehen bei Gott.
Still sind die Gräber,
aber die Seelen sind in deiner Hand.
Ihre Blicke sind Blicke der Liebe aus einer anderen Welt.
Herr, leuchtende Sonne,
erwärme und erhelle die Wohnung der Verstorbenen!
Möge schwinden die bittere Zeit der Trennung.
Gib uns ein frohes Wiedersehen im Himmel!
Schenke den Entschlafenen die kindliche Reinheit, jugendfrische Seligkeit,
und möge ihr ewiges Leben bei dir ein Osterfest sein!
11.11. Heiliger Martin
Zur Zeit des heiligen Martin galt ein kaiserliches Edikt, wonach die Söhne von Berufssoldaten zum Kriegsdienst gezogen wurden. Dadurch wurde auch Martin, dessen Vater im Heer einen hohen Rang innehatte, gegen seinen Willen mit 15 Jahren zum Militärdienst eingezogen. Noch war Martin nicht getauft; aber in allem verhielt er sich anders, als sich sonst Soldaten verhielten: Er war gütig zu seinen Kameraden, wunderbar war seine Nächstenliebe. Seine Geduld und Bescheidenheit überstiegen die der anderen bei weitem. Seine Kameraden verehrten ihn und hielten ihn schon damals mehr für einen Mönch als einen Soldaten. Denn, obwohl noch nicht getauft, zeigte er ein Verhalten wie ein Christ: Er stand den Kranken bei, unterstützte die Armen, nährte Hungernde, kleidete Nackte. Von seinem Sold behielt er nur das für sich, was er für das tägliche Leben benötigte.
Eines Tages, als Martin nichts außer Waffen und dem einfachen Soldatenmantel bei sich trug, begegnete er mitten im Winter, der von so außergewöhnlicher Härte war, daß viele erfroren, am Stadttor von Amiens einem nackten Armen. Dieser flehte die Vorbeigehenden um Erbarmen an. Doch alle liefen an dem Elenden vorüber.
Da erkannte Martin, von Gott erfüllt, daß der Arme, dem die anderen keine Barmherzigkeit schenkten, für ihn da sei.
Aber was sollte er tun? Außer seinem Soldatenmantel hatte er ja nichts. Also nahm er sein Schwert und teilte den Mantel mitten entzwei. Den einen Teil gab er dem Armen, in den anderen Teil hüllte er sich wieder selbst. Etliche der Umstehenden begannen zu lachen, denn Martin sah mit dem halben Mantel kümmerlich aus. Viele jedoch, die mehr Einsicht hatten, bedauerten sehr, daß sie nicht selbst geholfen hatten, zumal sie viel wohlhabender als Martin waren und den Armen hätten bekleiden können, ohne sich selbst eine Blöße zu geben.
In der folgenden Nacht, als Martin in tiefem Schlafe lag, sah er Christus mit seinem halben Soldatenmantel bekleidet, den er dem Armen gegeben hatte. Ihm wurde befohlen, er solle sehr aufmerksam den Herrn und das Kleidungsstück, das er verschenkt habe, ansehen. Dann hörte Martin Jesus mit lauter Stimme zu der umstehenden Engelschar sprechen: „Martin, der noch Katechumene ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet". Jesus Christus dachte dabei tatsächlich an seine eigenen Worte, die er einst gesprochen hatte: „Was immer ihr einem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan." (Mt 25, 40) So bekannte Jesus Christus, daß er in dem Armen von Martin bekleidet worden ist. Dieses Traumgesicht verführte Martin aber keineswegs zu menschlicher Ruhmsucht. Er erkannte in seiner Tat vielmehr die Güte Gottes. Und als er 18 Jahre alt war, ließ er sich taufen.
Der entscheidende Satz für mich ist der, daß Martin erkannt hat, daß der Arme für ihn da ist. Wie oft gehe ich durch die Straßen und sehe hilfsbedürftige Menschen. Freilich, man kann nicht allen helfen. Aber manchmal kommt das Bewußtsein, hier werde ich gebraucht, das muß ich machen. Und wie oft bin ich schon an einer solchen Situation vorübergegangen und habe gedacht, was, ich? Das kann doch nicht sein. Da ist sicher noch jemand anders da um zu helfen. Aber hinterher zeigt es sich, denn das Gewissen fragt nach: warum hast du deine Sache nicht gemacht? Und es bleibt ein Gefühl der Unzufriedenheit. Gerade in Situationen in denen wir uns besonders gut und toll zu fühlen scheinen, liebt es Gott, uns solche Prüfungen zu schicken.
Was Christus von uns will sind keine großen Dinge, keine großen Programme, die wir entwerfen, bis ins kleinste ausgefeilte Pläne. Freilich gibt es auch Sachen, die geplant werden müssen. Aber das wichtige sind die kleinen Dinge im Leben. Das kann jeder, dazu braucht man keine besonderen Begabungen, da kann keiner sagen, das ist zu schwer für mich.
Aber vielleicht gerade weil die kleinen Hilfen im Alltag so unscheinbar und einfach sind, erscheinen sie uns schwer. Sie erscheinen uns schwer, weil sie uns auf die Probe stellen. Wir müssen etwas von uns geben und wenn es nur etwas Zeit ist. Und gerade das paßt oft nicht in unsere Pläne. Ja, wenn ich am Morgen wüßte, daß so gegen 15 Uhr einer eine kleine Hilfe von mir braucht, dann könnte ich das ja einplanen, dann ging es besser. Gerade aber die spontane Entscheidung zu helfen, das Erkennen des „Für mich“ in der Situation, das kennzeichnet Nachfolge.
Was wir irgendeinem und sei es dem geringsten Menschen getan haben, das haben wir Christus getan. Martin sieht dann auch Christus mit dem Mantel, den der dem Armen geschenkt hat, bekleidet. Warum sind wir so träge darin, Christus diese Freude zu machen? Wieviel könnten wir so Jesus schenken und ganz nebenbei noch so viele Menschen glücklich machen.
Martin 2008 - Entscheidende Augenblicke
In dieser Woche feiern wir einen Mann, der genau im entscheidenden Augenblick das richtige getan hat, in einem Augenblick, der sein Leben verändert hat und der bis heute auf zahlreichen Kunstwerken dargestellt wird und jedes Jahr von den Kindern nachgespielt wird. Es ist der heilige Martin. Er war Soldat im römischen Heer, doch es heißt, dass er immer schon anders war, als die meisten seiner Kameraden. Er war wohltätig und er interessierte sich für das Christentum.
Eines Tages geschah es: Martin sieht am Stadttor einen Bettler. Er geht an ihm nicht vorüber, wie all die anderen Menschen. Er erkennt: Dieser Bettler ist speziell für ihn da. Martin ist dazu bestimmt, ihm zu helfen. Und Martin handelt: Er gibt dem Bettler die Hälfte seines Mantels. In der Nacht hat er einen Traum, in dem ihm Christus erscheint. Christus ist mit der Mantelhälfte bekleidet, die Martin dem Bettler gegeben hat. Martin hat nicht nur dem Bettler geholfen, er hat vielmehr im Bettler Christus geehrt.
Von nun an ändert sich Martins Leben ganz entscheidend. Martin läßt sich taufen, er wird Mönch, betet viel und wirkt viele Wunder. Schließlich kommen die Menschen, um Martin zu ihrem Bischof zu machen.
Bitten wir Gott darum, dass er uns helfe, die entscheidenden Augenblicke in unserem Leben zu erkennen und in ihnen richtig zu handeln.
17.11. Heilige Gertrud von Helfta
Vor Dir steht die leere Schale meiner Sehnsucht
Dieser Satz stammt von der heiligen Gertrud von Helfta (1256-1302), deren Gedenktag wir heute feiern. Sie wird auch die Große genannt, denn sie ist eine der größten Mystikerinnen Deutschlands. Schon mit fünf Jahren wird sie dem Kloster Helfta zur Erziehung übergeben. Mit 26 Jahren hat sie ihre erste Christus-Vision. Zu Christus fühlt sie sich ganz hingezogen, ihm will sie ähnlich sein. Zugleich dient sie ihren Mitmenschen als Zuhörerin, Beraterin und Trösterin. Viele Gebete und Schriften sind von ihr überliefert. Hier eines ihrer Gebete:
O Gott-Liebe, mich hast du erschaffen, in deiner Liebe schaffe mich neu.
O Gott-Liebe, mich hast du losgekauft, was immer in der Liebe zu dir verkümmert ist in mir, das mache wieder gut und kaufe es zurück in mir.
O Gott-Liebe, mich hast du ohne mein Verdienst geschätzt und geliebt: gib mir, dass ich mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft dich liebe und schätze.
O Gott-Liebe, in deiner Liebe bestärke mich, gib mir, in Weisheit zu lieben dich.
O Gott-Liebe, in all meiner Drangsal tröste und unterstütze mich.
O Gott-Liebe, du hast niemals verlassen mich: dir vertraue ich an meinen Lebensgeist und Atem.
19.11. Heilige Elisabeth von Thüringen
Elisabeth war die Tochter von König Andreas II. von Ungarn und Gertrud von Kärnten-Andechs-Meran. Als Vierjährige wurde sie mit dem damals elf Jahre alten Thüringer Landgrafensohn Hermann verlobt und zur Erziehung nach Thüringen geschickt. Doch Hermann starb 1216, ein Jahr darauf auch sein Vater, als Herrscher stand nun der jüngere Ludwig an, der, nachdem er volljährig geworden war, 1218 als Ludwig IV. Landgraf wurde. Elisabeth, die am Hofe durch Frömmigkeit, Schönheit und Sittsamkeit aufgefallen war, aber nun ohne Gemahl dastand, sollte nach Ungarn zurückgeschickt werden; aber inzwischen hatte sich Ludwig in sie verliebt, 1221 - Elisabeth war 14 Jahre alt - wurde die Hochzeit gefeiert.
Es kam zu einer glücklichen Ehe, aus der schnell drei Kinder hervorgingen. Als 1225 die ersten Franziskaner nach Eisenach kamen, übte deren Ideal befreiender Besitzlosigkeit großen Einfluss auf Elisabeth aus. Sie kümmerte sich um Bedürftige, besuchte Armenviertel; dies wurde trotz der Unterstützung, die Elisabeth von ihrem Mann erhielt, von der Familie mehr als skeptisch betrachtet. Ausführlich berichten die Legenden, wie sie unerschüttert den Verleumdungen und Vorwürfen ihrer Umgebung standhielt. Immer wieder erscheint Wunderbares: Der Aussätzige, den sie zur Pflege in ihr Bett hat legen lassen, wurde aufgedeckt, aber statt Elisabeth zu ertappen wurde das Bild des Gekreuzigten gesehen. Als sie im Hungerjahr 1226 alles verfügbare Korn austeilen ließ und auch Geld aus der Staatskasse zur Hilfe verwandte, wurden heftige Vorwürfe erhoben - da bedeckte sich plötzlich der Boden des Saales mit Korn, und Korn füllte alle Kammern. Als sie bei der festlichen Ankunft des Kaisers Friedrich II. kein Gewand mehr in der Truhe fand, überkleidete sie ein Engel mit Glanz und Schmuck, worauf sie fürstlicher als je im Saal erschien.
Bekannt ist auch das "Rosenwunder": Ludwig, von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, trat seiner Frau, die mit einem mit Brot gefüllten Deckelkorb die Burg herab stieg, mit der Frage entgegen: "Was trägst du da?", deckte den Korb auf, sah aber nichts als Rosen.
Ihr Mann Ludwig trat dem Deutschen Orden bei und empfing von Konrad von Hildesheim das Kreuz, um am 5. Kreuzzug teilzunehmen. Er erkrankte dabei und starb 1227 an einer Seuche. Elisabeth war tief traurig: "Mit ihm ist mir die Welt gestorben".
Nach dem Tod ihres Mannes wurde Elisabeth mit ihren drei Kindern von ihrem Schwager Heinrich Raspe von der Wartburg vertrieben mit der Begründung, sie verschwende öffentliche Gelder für Almosen. In Eisenach fand sie keine Unterkunft, habe zunächst in einem Schweinestall gehaust. Bei ihrem Onkel mütterlicherseits, dem Bischof von Bamberg, fand Elisabeth dann mit ihren drei Kindern Aufnahme: er wollte sie wieder vermählen, aber Elisabeth lehnte selbst die Werbung von Kaiser Friedrich ab. Rückkehrende Kreuzfahrer brachten ihr Ring und Gebeine Ludwigs; nach seiner feierlicher Bestattung musste man ihr auf Betreiben von Papst Gregor IX. ihr Witwengut herausgegeben. 1229 zog Elisabeth an den Wohnort ihres Seelenführers und Beichtvaters, des Prämonstratensers Konrad von Marburg. Elisabeth lebte aus der Überzeugung, ganz arm sein zu wollen, ging von Tür zu Tür betteln und wollte öffentlich auf allen ihr juristisch zustehenden Reichtum verzichten; Konrad hinderte sie am Verzicht, um das Vermögen zu retten. Mit diesem Witwenvermögen errichtete sie daraufhin 1229 in Marburg ein Spital, benannte es nach Franziskus und arbeitete dort selbst als Pflegerin bis zu ihrem Tod. Sie ließ nun auch ihre Kinder zurück und trat in die von Konrad geleitete Hospitalitergemeinschaft ein.
Im November 1231 wurde Elisabeth krank; es heißt, dass ihre letzten Tage von kindlicher Heiterkeit überstrahlt waren. Wenige Tage vor ihrem Tod hatte sie eine Vision von einem Vogel, der zwischen ihr und der Wand fröhlich sang und sie dazu bewegte, mitzusingen. Sie verschenkte ihre letzten Sachen und soll sogar noch ihre Gefährtinnen getröstet haben. Elisabeth starb im Alter von 24 Jahren, aufgezehrt in der Fürsorge für andere, und wurde in ihrem Franziskushospital bestattet.
Bereits vier Jahre nach Elisabeths Tod erfolgte ihre Heiligsprechung durch Papst Gregor IX. Der Deutsche Orden mit einem Verwaltungssitz in Marburg erweiterte ihr Spital und ließ 1235 - 1283 die ihr geweihte Kirche als ersten gotischen Bau in Deutschland errichten. 1236 erfogte die Erhebung ihrer Gebeine im Beisein Kaiser Friedrichs II. von Hohenstaufen. Wallfahrten zu ihrem Grab gehörten, durch Wunderheilungen sich ausbreitend, zu den berühmtesten des Mittelalters. Friedrich Heer nannte Elisabeth "eine der zartesten, innigsten und liebenswertesten" Heiligen des Mittelalters.
20.11. Heiliger Korbinian von Freising
Lange Zeit lebte Korbinian als Einsiedler. Zusammen mit einigen Gefährten suchte er die Stille und die Nähe Gottes im Gebet. In seinem Leben ereigneten sich viele Wunder, weshalb die Leute in ihm einen besonderen Freund Gottes sahen. Als sich sein Ruf immer mehr verbreitete, war es natürlich mit der Stille vorbei. Deshalb beschloß Korbinian, nach Rom zu reisen, um dort in der Stadt sich in einem Haus als Einsiedler niederzulassen. Der Papst hörte von dem gottesfürchtigen Mann, ernannte ihn kurzerhand zum Bischof und schickte ihn in die Mission nördlich der Alpen. Damals war nicht Afrika oder Asien, die man garnicht so genau kannte, das Ziel der Missionare, sondern unsere Gegend, das damals noch heidnische Germanien. Auf der Reise über die Alpen greift plötzlich ein Bär die Gruppe an und verspeist Korbinians Lasttier. Korbinian wird wütend und droht dem Bären mit erhobener Hand. Er befiehlt ihm, das herumliegende Gepäck, das der Esel getragen hatte, wieder einzusammeln und nun selbst zu tragen. Der Bär gehorcht aufs Wort und begleitet nun als lammfrommer Lastträger die Gruppe. Korbinian hat als Missionar erfolgreich in Bayern gewirkt und noch heute kann man sein Grab im Dom zu Freising besuchen.
Wollte man mit der Geschichte vom Bären den frommen Leuten „einen Bären aufbinden“? Wundergeschichten waren früher selbstverständlich. Was haltet Ihr heute davon? Kann es heute auch noch Wunder geben? Hast Du schon ein Wunder in Deinem Leben erlebt?
22.11. Heilige Cäcilia
Cäcilia lebte am Anfang des 3. Jahrhunderts in Rom, als es noch gefährlich war, Christ zu sein. Sie entstammte einer vor
nehmen römischen Adelsfamilie und ihre Eltern verheirateten sie standsgemäß mit einem heidnischen Jüngling. Doch Cäcilia wollte allein Christus angetraut sein. Im Brautgemach offenbarte sie ihrem Bräutigam: „Ein Engel steht mir als Beschützer meiner Reinheit zur Seite.“ Der Bräutigam ließ sie unberührt unter der Bedingung, dass er den Engel sehen dürfe, was denn auch geschah. Er bekehrte sich und ließ sich taufen und starb bald darauf für seinen Glauben.
Auch Cäcilia wurde als Christin verfolgt. Man setzte sie in ein kochendes Bad, doch sie fühlte nur Kühle. Daraufhin versuchte der Henker dreimal, sie durch Schwerthiebe zu enthaupten, doch die schwer Verwundete lebte noch drei Tage, vermachte ihr Gut den Armen, bekehrte weitere Umstehende und wurde dann - gekrümmt, wie sie zuletzt lag - in golddurchwirktem Gewand in einen Zypressensarg gelegt.
Bekannt ist Cäcilia als Nothelferin und als Patronin der Kirchenmusik. Dieses Patronat verdankt sie einem Übersetzungsfehler, nach dem sie auf ihrer Hochzeit selbst die Orgel gespielt haben soll. Eine andere Legende erzählt, dass sie bei ihrer Hochzeitsfeier - in ihrem Herzen und nur zu Gott gewandt - sang: „Lass, Herr, mein Herz und meinen Körper unbefleckt bleiben, damit ich nicht zuschanden werde.“
23.11. Heiliger Clemens von Rom
Die Zeit der ersten Christen wieder lebendig werden zu lassen, dies wünschen sich Menschen zu allen Zeiten. Clemens hat sie noch selbst kennengelernt, die Apostel Jesu Christi, die bald nach Jesu Tod auch nach Rom gekommen sind. Er war fasziniert von dem, was Petrus über diesen Jesus berichtete. Wie so viele schloß sich Clemens der Christengemeinde an, die unter Petrus entstanden war, und ließ sich taufen.
Er erlebte, wie Petrus, Paulus und viele andere Christen unter Kaiser Nero hingerichtet wurden. Dass es in Rom gefährlich war, ein Christ zu sein, schreckte ihn nicht ab. Es ermutigte ihn vielmehr, entschlossen von diesem Jesus, den er durch die Predigt des Petrus kennengelernt hatte, Zeugnis zu geben. Alle Menschen sollten erfahren, dass dieser Jesus gekommen ist, um den Menschen Heil und Erlösung zu bringen.
Unter den beiden Nachfolgern des Heiligen Petrus, den Heiligen Linus und Kletus, hatte er eine wichtige Stellung in der römischen Gemeinde inne. Als Kletus starb, wurde Clemens die Ehre zuteil, der vierte Bischof von Rom zu sein. In den Jahren 90 bis 101 leitete er die Kirche. Er hat einen Brief an die Gemeinde von Korinth geschrieben, der uns bis heute erhalten geblieben ist.
Wegen seines Bekenntnisses zu Christus wurde Clemens vom Kaiser in die Steinbrüche der Krim verbannt, wo er mit vielen anderen unter brutalsten Bedingungen zu arbeiten hatte. Als es ihm gelang, viele seiner Mitgefangenen zu Christus zu bekehren, beschloß man, ihn zu töten. Er wurde mit einem Anker um den Hals ins Meer geworfen, damit sein Leichnam für die Christen unauffindbar bliebe. Doch durch ein Wunder konnte der Leichnam des heiligen Märtyrers einige Zeit später aus dem Meer geborgen werden.
25.11. Heilige Katharina von Alexandria
Katharina, eine junge, hübsche und auch gelehte Königstochter, lebte um 300 in Alexandria in Ägypten, zur Römerzeit eine der größten Städte des Reiches. Wie so viele andere damals hat sie sich zum Christentum bekehrt, doch Kaiser Maxentius ließ die Christen auf brutalste Weise verfolgen und töten. Als der Kaiser wieder einmal Christen in der Arena den Löwen vorwerfen ließ, trat Katharina vor ihn hin und bezeugt: „Der Gott der Christen ist der wahre Gott!“ Sie legt ein so tiefes Bekenntnis von Christus ab, daß sich sogar die Berater des Kaisers bekehren und taufen lassen möchten. Der Kaiser befieht voller Wut, Katharina auf ein Rad mit Eisennägeln zu binden, um sie damit durch die Stadt zu rollen und zu Tode zu foltern. Doch das Rad zerbricht, ohne Katharina zu schaden. Sie spricht zum Kaiser: „Siehst du nun, wer der wahre Gott ist?“ In vielen Kirchen findest Du daher die Heilige Katharina mit einem Rad dargestellt. Der Kaiser ließ sich jedoch durch dieses Wunder nicht belehren und befiehlt, Katharina zu enthaupten. Aus der Wunde soll statt Blut Milch geflossen sein. Nun glaubt auch der Kaiser.
Herr Jesus, hilf auch uns immer treu den Glauben an Dich zu bekennen!
01.12.: Charles de Foucauld
Zeige mir, was du willst, mein Gott, und gib, daß ich es auch tue!
1858 geboren erfährt Charles de Foucauld 1886 nach Jahren ausschweifenden Lebens seine Bekehrung: „Sobald ich glaubte, daß es einen Gott gibt, begriff ich, daß ich nur noch für ihn leben könne.“ Er sucht nach der genauesten Nachahmung Jesu und möchte das Leben des armen Jesus führen, zunächst in einem Trappistenkloster, dann in einer Einsiedelei in Nazareth. Schließlich wird er Priester und möchte dorthin gehen, wo die Seelen in der größten Bedrängnis sind. Er läßt sich in einer Einsiedelei in der Sahara nieder und ist da für alle Menschen, die zu ihm kommen. Am 1. Dezember 1916 wird er dort ermordet.
Nicht durch immer neue Vorsätze werde ich besser, vielmehr dadurch, daß ich die einmal gefaßten Vorsätze, von denen ich weiß, daß sie Gott angenehm sind, treu halte.
04.12. Heiliger Johannes von Damaskus
Die Heilige Schrift ist ein wunderschöner, duftender Garten. Sie klingt in unseren Ohren wie ein Liebeslied von lieblicher, göttlicher und geistlicher Melodie. Sie berührt unser Herz, gibt uns Kraft in Trauer, beruhigt uns im Ärger und erfüllt uns mit ewiger Freude.
Dies sind Worte des Johannes von Damaskus, der in der Zeit von 650 bis 750 gelebt hat. Er ist Kirchenlehrer und dementsprechend sind auch sehr viele theologische Werke von ihm überliefert. Eine besondere Bedeutung kommt ihm auch in der Beziehung zwischen Christen und Muslimen zu. Vieles, was man im Mittelalter über den Islam wußte, verdankte man seinen Schriften. Wie sein Vater war er am Hof des Kalifen in Damaskus tätig und war ihm freundschaftlich verbunden. Mit dem christlichen Kaiser von Konstantinopel jedoch stand Johannes in heftigem Streit, weil dieser die im Osten weit verbreitete Verehrung der Ikonen verbieten ließ. Johannes jedoch trat mit all seiner Kraft für die Ikonenverehrung ein. Der Kaiser ließ dem Kalifen falsche Anschuldigen über Johannes überbringen, woraufhin ihm dieser die rechte Hand abschlagen ließ. Die Legende berichtet, daß diese Hand, als Johannes vor einer Muttergottes Ikone betete, wieder angewachsen ist. Auf dieses Wunder geht die Ikone der Gottesmutter mit den drei Händen, die Tricherusa zurück. Die letzten Jahre seines Lebens hat Johannes in einem Kloster in der Nähe von Jerusalem verbracht.
6.12. Heiliger Nikolaus
Am 6. Dezember feiern wir den Gedektag des Heiligen Nikolaus. Er ist der Schutzpatron der Kinder und Seefahrer.
Nikolaus lebte vor vielen hunderten Jahren in Kleinasien. Er wurde dort von der Christengemeinde zum Bischof ernannt. Deshalb hat der Nikolaus auch heute immer einen Bischofsstab bei sich.
Bei uns gibt es den Brauch, am Abend vor dem Nikolaustag geputzte Stiefel ins Fenster zu stellen. Die Kinder hoffen, dass der fromme Mann die Stiefel mit Äpfeln, Nüssen und Naschereien füllt. Eine Legende von Nikolaus berichtet, er habe drei Töchter einer armen Familie vor dem Bordell bewahrt, indem er durch das Fenster ihres Hauses drei Beutel mit Gold warf. Diese Legende dürfte ein Ursprung unseres Brauchtums am Nikolaustag sein. Eine andere ostkirchliche Legende berichtet von drei Hauptleuten, die der Kaiser aufgrund falscher Anklagen verurteilt und in einen Turm gesperrt hatte. Die drei riefen Nikolaus um Hilfe an und wurden wunderbar befreit. Noch viel mehr gute Taten hat der Hl. Nikolaus mit Gottes Hilfe vollbracht. Daher ist er auch einer der beliebtesten Heiligen, besonders für die Kinder.
13.12. Heilige Luzia
Wir sehen auf dem Bild ein Kind mit einem Kranz von Kerzen auf dem Kopf, das hat etwas mit der Heiligen Luzia zu tun. Die hl. Luzia gehörte zu den treuen Anhängern von Jesus um 300 n. Chr. Damals wurden die Christen verfolgt. Deshalb kamen sie in den dunklen Gängen, die unterhalb der Stadt lagen, zusammen und beteten da zu Gott. Die hl. Luzia brachte dort ihren Freunden heimlich Lebensmittel. Sie setzte sich dabei einen Lichterkranz auf ihren Kopf, damit sie in der Dunkelheit den Weg fand und die Hände frei hatte um das Essen tragen und verteilen zu können. Durch ihr Leben und ihren Tod als Märtyrerin, (sie starb für ihren Glauben) ist sie Vorbild der Gottes- und Nächstenliebe geworden.
In den langen Nächten des Winters sehnt man sich besonders nach dem Licht. Luzia heißt übersetzt „die Leuchtende“. Sie will den Sieg des Lichtes über die Finsternis verkünden. Gott will, dass es bei uns hell werden soll. Wir selber müssen sein Licht, so wie die hl. Luzia es getan hat, das Licht Gottes zu uns lassen und es weiter tragen zu den anderen. Gott hat es immer noch nicht aufgegeben, es hell bei uns zu machen. Gott will, dass wir Menschen uns vertrauen sollen, dass wir Frieden halten, dass bei uns Freude und Gerechtigkeit sind. Gott hat noch Hoffnung mit uns. Wir wollen dieses Licht der Hoffnung in unsere Herzen einlassen und es so nach Hause in unsere Familien, Schulklassen und an den Arbeitsplatz weitertragen, damit sich an diesem Licht Neues entzünden kann und unsere Welt ein Stück weit heller wird.
14.12.: Heiliger Johannes vom Kreuz
In einer dunklen Nacht,
entflammt von Liebessehnen,
o seliges Geschick!
entfloh ich unbemerkt,
da nun mein Haus in Ruhe lag.
So beginnen die Gesänge einer Seele des Hl. Johannes vom Kreuz. Johannes vom Kreuz (1542-1591) lebte in Spanien. Zusammen mit Theresa von Avila reformierte er den Karmeliterorden, dem er angehörte. Er hat bedeutende Schriften vor allem im Bereich der Mystik hinterlassen.
Was ist nun jene dunkle Nacht die Johannes vom Kreuz besingt? Sie ist ein Zustand, in die Gott die Seele führt, die er liebt. Ein Mensch, der nur Gutes erfährt, der gleichsam immer auf der Sonnenseite des Lebens steht, vergißt zu leicht, daß alles, was er hat, nur Geschenk ist, ihm nur vorübergehend anvertraut, vergänglich. Allzu schnell können weltlicher Besitz und weltliches Glück vergehen. „Da die Festtracht, die ihr tragt, euch veranlaßt, nicht so gering wie billig von euch zu denken, so legt sie ab, damit ihr, wenn ihr euch fortan im Werktagskleid vorfindet, einseht, daß ihr nicht mehr verdient und wer ihr überhaupt seid. Dies Beispiel führt der Seele ihre Erbärmlichkeit vor Augen, die ihr vorher verborgen war; denn als sie noch festlich einherging und viel Trost, Süßigkeit und Unterstützung bei Gott fand, war sie selbstsicherer und mit sich selbst zufriedener, und es kam ihr vor, Gott einigermaßen zu Diensten zu sein.“ (Johannes vom Kreuz) Die dunkle Nacht ist die Selbsterkenntnis unserer Schwachheit und Armseligkeit, die Erkenntnis, daß wir alles, was wir sind und haben, allein und ganz Gott verdanken. Diese Einsicht kann sehr schmerzhaft sein und doch ist sie der entscheidende Schritt hin zu einer tieferen Vereinigung mit Gott. Denn wenn wir erkennen, daß wir aus uns nichts haben, sondern alles als Geschenk von Gott empfangen, so werden wir auch offen und dankbar für seine Geschenke und nun kann er uns in noch viel größerem Maße als zuvor seine Liebe schenken.
Nach dieser Liebe Gottes sehnt sich unsere Seele. Nur Gott kann ja unsere Sehnsucht stillen. Wenn wir das Verlangen nach irdischen Gütern abgelegt haben, wenn wir nicht mehr den falschen Trost suchen, kann Gott unser Verlangen stillen und uns bleibenden Trost schenken.
Loslassen von allem Irdischen, frei sein, zur Ruhe kommen. Nun kann die Seele dem irdischen Gefängnis entfliehen. Sie kann nun zu ihrer wahren Heimat bei Gott gelangen.
Ich möchte hier keiner Weltverachtung das Wort reden. Die Welt an sich ist sehr gut von Gott geschaffen. Aber es ist unsere Versuchung, uns an diese Welt zu binden, und dabei den Schöpfer, an den allein wir uns binden sollen, zu vergessen.
Bitten wir Gott, daß er uns Momente der Selbsterkenntnis schenken möge, wenn sie auch noch so schmerzhaft sein mögen. Bitten wir ihn, daß er uns Kraft gebe, alles Irdische loszulassen. Bitten wir ihn, daß er uns frei mache, damit wir in Freiheit zu ihm gelangen. Haben wir Verlangen nach der Liebe Gottes, die allein unsere Sehsucht stillt und uns allein glücklich machen kann.
So blieb ich und vergaß mich selbst,
neigte das Antlitz über den Geliebten.
Alles erlosch, ich gab mich auf,
ließ meine Sorge fahren,
vergessen unter Lilien.
21.12. Prophet Micha
Kennen Sie den Propheten Micha? Ganz spontan wird vielleicht nur ganz besonderen Kennern der Hl. Schrift dazu etwas einfallen. Wenn ich Ihnen aber nur zwei Zitate aus diesem Buch nenne, werden Sie merken, dass sie Micha doch schon etwas kennen. Da ist zunächst die berühmte Verheißung des Messias in Mi 5,1: „Du aber, Betlehem Efrata, klein zwar unter den Sippen Judas, aus dir geht mir hervor, der Herrscher sein soll in Israel.“ Oder das bekannte Wort in Mi 4,3: „Und sie werden ihre Schwerter umschmieden zu Pflugscharen und ihre Lanzen zu Winzermessern.“ Dieser Text will nun versuchen, Ihnen den gesamten Propheten Micha nahezubringen. Ich möchte hier keine detailgetreue Exegese bieten, sondern versuchen, den Gedankengang der Michaschrift ein wenig sichtbar machen. Einige Abschnitte werden ausführlicher erläutert werden, während andere nur kurz vorgestellt werden. Immer ist aber der Leser, der möglichst parallel zum Kommentar dazu den entsprechenden Text in der Heiligen Schrift lesen sollte, dazu aufgefordert die Worte des Propheten auf sich wirken zu lassen und meditierend für sich selbst zu erschließen und sich dann im Gebet Gott anzuvertrauen.
Micha versteht sich als von Gott berufener Prophet. Dies wird schon in der Überschrift (1,1) deutlich. Die Völker um Israel herum kannten verschiedene prophetische Praktiken, Wahrsager an den Königshöfen, Tierbeschauer, Astrologen, Geistesbeschwörer. In Israel wurden solche heidnischen Praktiken massiv abgelehnt und bekämpft, was aber nicht verhindern konnte, daß sie immer wieder zutage traten. Auch kannte man in Israel Propheten am Königshof, die natürlich möglichst für den Herrscher günstige Visionen erzählen sollten. Wir werden uns im folgenden öfter als Gegner Michas sehen. Denn die wahren Propheten Israels sind die, die allein auf Gott hören und sich auf ihn verlassen und wirklich die Worte Gottes verkünden. Und diese sind eben oft gegen den König und die führenden Leute des Volkes gerichtet. Sie kritisieren deren ungerechtes Tun, das die Ordnung Gottes mit seinem Volk stört. Daher haben die wahren Propheten meist Verfolgungen zu erdulden, man denke nur beispielsweise an Elija und Jeremia. Als solcher, von Gott berufener Prophet versteht sich auch Micha. Er kommt aus Moreschet, einem Ort in der Umgebung von Jerusalem. Er tritt als Mahner auf, aber er verheißt auch das Heil, denn die Drohungen Gottes bleiben nicht beim Untergang stehen, sondern eröffen immer auch eine neue Zukunft, die Chance eines Neuanfangs auf dem Weg des Volkes mit seinem Gott.
Die Überschrift datiert das Wirken Michas auf die Zeit der Könige Jotam, Ahas und Hiskija, liegt also in einer Zeit zwischen ca. 750 und ca. 700 v.Chr. Man wird sicher sein können, daß das Buch in seiner heutigen Gestalt so nicht vom Propheten Micha geschrieben wurde. Vielmehr kann man davon ausgehen, daß das Buch bis zu seiner Endkonzeption mehrmals überarbeitet wurde, wobei die ursprünglichen Worte des Propheten durch neue Deutungen und Erweiterungen ergänzt wurden. Der Prophet hatte wohl die Zerstörung Samarias im Jahre 722 v.Chr. und die anschließende Bedrohung auch des Reiches Juda vor Augen. Jedoch ist Jerusalem damals noch mit dem Schrecken davongekommen. Erst im Jahre 586 v.Chr. wurde Jerusalem und der Tempel zerstört und das Volk ins babylonische Exil geführt. Man kann davon ausgehen, daß aus dieser Erfahrung heraus die Worte Michas neu gedeutet wurden und diese neuen Gedanken mit in den jetzigen Michatext eingeflossen sind. Wie dem auch sei, entscheidend ist für uns heute das Wort Gottes, die Heilige Schrift, wie sie in ihrer jetzigen Fassung vorliegt und so wollte Gott es, daß seine Worte uns überliefert werden, und wenn wir versuchen sie zu verstehen, zu meditieren, ins Gebet zu bringen, so müssen wir sie in ihrer heutigen Gestalt nehmen, denn so sind sie für uns gut.
17.-23.12.: Die O-Antiphonen - siehe unter Advent
26.12. Heiliger Stephanus, erster Martyrer der Kirche
Wenn man fragt, was wir am 26.12. feiern, so werden wohl die allermeisten sagen, den 2. Weihnachtsfeiertag. Die Kirche aber feiert an diesem Tag den heiligen Stephanus, den ersten Martyrer der Kirche. Über ihn berichtet die Apostelgeschichte ausführlich im 6. und 7. Kapitel. Er ist einer der sieben Diakone, die die Gemeinde von Jerusalem zur Unterstützung der Apostel für ihren Dienst gewählt hat und die dann durch Handauflegung der Apostel eingesetzt wurden. Stephanus ragt besonders hervor durch die Weisheit seiner Rede und die Wunder, die er wirkt. Daher ist er dem Hohen Rat der Juden ein Dorn im Auge und sie lassen ihn verhaften. Vor dem Hohen Rat hält er eine bedeutende Rede, in der er Jesus Christus als den Messias bezeugt, den das Volk Israel seit alters her erwartet.
Der Hohe Rat verurteilt ihn daraufhin zum Tod durch Steinigung. Für sein Zeugnis für Christus darf er sterben. Er sieht den Himmel offen und Christus zur Rechten des Vaters stehen. Christus ist es, der ihn erwartet. Durch sein Martyrium wird er Christus gleich in seinem Tod. Wie Christus am Kreuz betet er: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Herr rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ Wie Jesus am Kreuz zum Vater, so betet nun Stephanus in seiner Todesstunde zu Christus. Der Martyrer leidet nicht nur wie Christus oder mit Christus, Christus selbst leidet in ihm und sein Leiden wird im Martyrer neu gegenwärtig.
Nach dem Tod des Stephanus entsteht eine große Verfolgung der Gemeinde von Jerusalem, was für die Christen dort großes Leid bedeutete, was aber auch dazu geführt hat, daß die Jünger durch ihre Flucht aus Jerusalem nun in der ganzen Welt das Evangelium verkünden. Stephanus steht am Angelpunkt dieser neuen Entwicklung. In Zukunft wird es sich immer wieder bewahrheiten: Das Blut der Martyrer ist der Same neuen Lebens der Kirche.
28.12. Fest der Unschuldigen Kinder
Nach dem Fest des heiligen Stephanus, der als erster für Christus das Martyrium erlitten hat, nun so kurz nach Weihnachten noch ein grausames Gedenken: Nachdem die Sterndeuter auf ihrem Weg zu Jesus bei König Herodes vorbeigekommen waren und ihm von der Geburt eines Königs der Juden berichtet hatten, ihn dann aber nicht zu Jesus geführt hatten, ließ Herodes in Bethlehem, dem Geburtsort Jesu, alle Kleinkinder töten. Jesus aber war längst schon mit Maria und Joseph in Ägypten in Sicherheit.
Viele Kinder, die wegen der Grausamkeit eines Königs unschuldig sterben mußten. Ihrer gedenkt heute die Kirche. Zugleich soll uns dieser Tag aber auch an die unzähligen Kinder in unserer Welt heute erinnern, die missbraucht und um ihre Kindheit betrogen werden. All die Kinder, die nicht die liebevolle Nähe und Zärtlichkeit ihrer Eltern erfahren dürfen.
Vertrauen wir all dieses Leid heute ganz besonders Gott an. Herr, halte all diese Kinder fest in Deiner Hand und lass auch uns erkennen, wo wir helfen und ihr Leben mit Liebe und Zuwendung erhellen können.