Jahreskreis B

21. Sonntag

Erste Lesung

Jos 24,1f.15-18

In jenen Tagen versammelte Josua alle Stämme Israels in Sichem; er rief die Ältesten Israels, seine Oberhäupter, Richter und Listenführer zusammen, und sie traten vor Gott hin. Josua sagte zum ganzen Volk:
Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.
Das Volk antwortete: Das sei uns fern, dass wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen. Denn der Herr, unser Gott, war es, der uns und unsere Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat und der vor unseren Augen alle die großen Wunder getan hat. Er hat uns beschützt auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind, und unter allen Völkern, durch deren Gebiet wir gezogen sind. Auch wir wollen dem Herrn dienen; denn er ist unser Gott.

Zweite Lesung

Eph 5,21-32

Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.
Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie Christus, dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib.
Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen.
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos.
Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche.
Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.

Evangelium

Joh 6,60-59

In jener Zeit sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?
Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.
Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.
Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.
Josua

In der Ersten Lesung hören wir vom sogenannten Landtag in Sichem unter der Leitung Josuas. Ich möchte hier den Hintergrund dieses Ereignisses ein wenig beleuchten:

Josua, der Sohn Nuns, war während des Auszugs aus Ägypten der engste Vertraute von Mose und wurde nach dessen Tod sein Nachfolger. Gemäß dem nach ihm benannten Buch Josua spielte er eine entscheidende Rolle als Anführer Israels bei der Eroberung des Heiligen Landes.

„Josua, der Sohn Nuns, war von Jugend an der Diener des Mose gewesen.“

So heißt es in Num 11,28. Mehr erfahren wir nicht über die Jugend des großen Anführers des Volkes Israel. Im Buch Exodus taucht Josua ganz unvermittelt auf. Als sich die Amalekiter in der Wüste den Israeliten in den Weg stellen, wird Josua von Mose zum Heerführer bestimmt. Er soll Krieger auswählen und zieht mit ihnen in den siegreichen Kampf gegen die Amalekiter, während Mose auf einem Hügel über dem Schlachtfeld mit erhobenen Armen den göttlichen Beistand herbei ruft (Ex 17,8-16).
Wenig später (Ex 24,13) wird berichtet, wie Josua beim Bundesschluss am Sinai zusammen mit Mose auf den Heiligen Berg hinauf steigt. Während er mit Mose auf dem Berg ist, macht sich das Volk das Goldene Kalb als Kultobjekt, worüber Mose, als er mit Josua vom Sinai herab kommt, so entsetzt ist, dass er die beiden Tafeln mit den Geboten Gottes zerschmettert (Ex 32,17-20).
Nach der Errichtung des Bundeszeltes, dem Heiligtum Israels während seiner Wanderschaft, in dem unter anderem die Bundeslade mit den Zehn Geboten stand, obliegt Josua der Wächterdienst vor diesem Zelt (Ex 33,11). Als Gott später während einer Versammlung einen Teil des Geistes, der bisher allein auf Mose ruhte, auch über die siebzig Ältesten Israels kommen lässt, ereifert sich Josua über zwei Älteste, die nicht zur Versammlung gekommen waren, aber dennoch den Geist empfangen haben (Num 11,24-30).
Josua war einer der zwölf Kundschafter, die Mose vorausschickte, um das Land Kanaan zu erkunden. Zehn von ihnen erzählten nach ihrer Rückkehr schauderhafte Geschichten über dieses Land. Es sei zwar reich an Früchten, ein Land, in dem Milch und Honig fließen, jedoch seien dessen Bewohner so groß und stark, dass es Israel unmöglich sein würde, das Land zu erobern. Sogar Riesen gäbe es dort. Daraufhin verlor das Volk den Mut und erhob sich gegen Mose. Nur Kaleb und Josua zweifelten nicht daran, dass Israel mit Gottes Hilfe das Land erobern könne. Aus Strafe für den Aufruhr wurde die Wüstenwanderung um vierzig Jahre verlängert, so dass keiner von den Israeliten, die gemurrt hatten, das Heilige Land betreten sollte. Josua und Kaleb sollten die einzigen aus dieser Generation sein, die später den Jordan überschreiten durften (Num 13,1-14,45).
Da auch Mose wegen seiner Zweifel bei Meriba das Gelobte Land nicht betreten durfte (Num 20,12), wurde Josua zunächst als Anführer des Volkes an der Seite des Mose` und schließlich zum Nachfolger von Mose eingesetzt.

„Der Herr sagte zu Mose: Nimm Josua, den Sohn Nuns, einen Mann, der mit dem Geist begabt ist, und leg ihm deine Hand auf! Gib ihm einen Teil deiner Würde ab, damit die ganze Gemeinde der Israeliten auf ihn hört.“ (Num 27,18.20)

Durch Mose wird Josua von Gott beauftragt, das Land Israel zu erobern und unter die Stämme Israels zu verteilen:

„Josua, der Sohn Nuns, dein Gehilfe, wird hineinkommen. Verleih ihm Macht: Er soll das Land Israel als Erbbesitz verteilen.“ (Dtn 1,38)

Im Pentateuch wird Josua somit Schritt für Schritt in seine Rolle als Anführer Israels eingeführt und von Mose und Gott selbst zu diesem Amt legitimiert. Im Buch Josua erfahren wir dann, wie Josua dieses Amt ausgeübt hat. Unerschrocken vertraut er der Zusage Gottes:

„Sei mutig und stark! Fürchte dich nicht! Hab keine Angst! Denn der Herr, dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst.“ (Jos 1,9)

Nachdem Mose in Sichtweite des Gelobten Landes verstorben war, überschreiten die Israeliten unter der der Führung Josuas den Jordan, der ähnlich wie einst das Rote Meer sein Wasser zurück hält, damit Israel trockenen Fußes hindurch ziehen kann. In Gilgal wird der Bund der Beschneidung erneuert und das erste Paschafest im Heiligen Land gefeiert. Zwölf Gedenksteine sollen Israel an dieses Ereignis erinnern.
Kurz darauf wird Jericho erobert, dessen Mauern unter dem Schall der Posaunen und dem Kriegsgeschrei Israels einstürzen. Allein die Dirne Rahab, die zuvor die Kundschafter Israels bei sich aufgenommen hat, wird gerettet. Sie wird zur Stammmutter des Hauses David und ist eine von vier Frauen, die Matthäus im Stammbaum Jesu erwähnt.
Unaufhaltsam breitet sich Israel im Gelobten Land aus. Zunächst zieht man nach Süden, wo sich fünf Könige der Kanaaniter gegen Israel verbündet haben, aber von Josua vernichtend geschlagen werden. Sonne und Mond standen still, damit der Tag andauerte und Israel die fliehenden Feinde vernichten konnte. Dann zieht Josua gen Norden, wo Israel über eine Allianz feindlicher Könige triumphiert. So wird das ganze Land erobert, so dass Josua schließlich jedem der Stämme Israels seinen Erbbesitzt zuteilen konnte.

Lange Zeit später, als Friede eingekehrt war und Israel sich im Land eingelebt hat, versammelt Josua kurz vor seinem Tod die Oberhäupter der Zwölf Stämme in Sichem.
Sichem lag in exponierter Lage zwischen den Bergen Garizim und Ebal, ziemlich genau in der Mitte Israels, das von Dan bis Beerscheba reichte, am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Straßen von Norden nach Süden und von Osten nach Westen. Hier hatten bereits Abraham und Jakob einen Altar errichtet und Jakob hatte dort ein Grundstück erworben, auf dem später die Gebeine Josefs bestattet wurden, die die Israeliten aus Ägypten mitgeführt hatten. Dort befindet sich auch seit Urzeiten der Jakobsbrunnen, an dem Jesus später der Samariterin begegnen wird (Joh 4).
Beim sogenannten Landtag in Sichem legte Josua dem Volk noch einmal die ganze Geschichte vom Auszug aus Ägypten bis zur Ansiedlung im Gelobten Land dar. Nicht aus eigener Kraft hat Israel das alles geschafft, sondern Gott war es, der Israel geführt und die Feinde geschlagen hat. Wenn Israel nun in Frieden und Wohlstand im neu gewonnenen Land leben will, muss es sich entscheiden, ob es seinem Gott treu bleiben, oder den Göttern der anderen Völker dienen möchte.

„Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.
Das Volk antwortete: Das sei uns fern, dass wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen. Denn der Herr, unser Gott, war es, der uns und unsere Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat und der vor unseren Augen alle die großen Wunder getan hat. Er hat uns beschützt auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind, und unter allen Völkern, durch deren Gebiet wir gezogen sind. Auch wir wollen dem Herrn dienen; denn er ist unser Gott.“ (Jos 24,15-18)

Diesem ausdrücklichen Bekenntnis des Volkes zum alleinigen Dienst am Gott Israels folgt der Erlass von Gesetz und Recht in Sichem und die Errichtung eines Gedenksteins als Zeichen des Bundes. Kurz darauf stirbt Josua im Alter von 110 Jahren und wird auf seinem Erbbesitz im Gebirge Efraim begraben.

Das Volk hat eine Entscheidung getroffen, die seine weitere Geschichte prägen wird. Israel wird dieser Entscheidung zwar immer wieder untreu werden - zu anspruchsvoll scheint oft der Dienst an diesem Gott, zu groß die Verführung der anderen Götter - doch der Bund, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat, der mit Abraham seinen Anfang nahm, am Sinai besiegelt und hier in Sichem erneuert wurde, er bleibt zu allen Zeiten bestehen. Gott bleibt seinem Volk nah und führt es durch die Zeiten.
Die Geschichte Josuas soll dem Volk Mut machen, seinem Gott treu zu bleiben. So sind die Ereignisse, die im Buch Josua erzählt werden, aus der Sicht späterer Zeiten stilisiert worden. Bereits das folgende Richterbuch gibt eine andere Sichtweise der Landnahme und zeigt, dass beim Tod Josuas längst nicht alle Feinde geschlagen waren.
Auch aus moderner historischer Sicht ergibt sich ein ganz anderes Bild der Landnahme. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Jericho, das auf so spektakuläre Weise erobert wurde, zur Zeit Josuas bereits ein Trümmerhaufen war. Die Landnahme war kein kurzer Eroberungszug, sondern ein länger andauernder, komplizierter Prozess. Die Gruppe, die unter Mose und Josua nach Israel eingewandert ist, war wohl nur eine von verschiedenen Gruppen, die sich dann später als Volk Israel gesehen hat. Dennoch hatte Josua wohl eine bedeutende Rolle inne und daher vereinigten sich in seiner Person später verschiedene Erzähltraditionen.
Und doch ist die Entscheidung, die das Volk unter Josua trifft, entscheidend für seine weitere Geschichte. Nur durch die entschiedene Absage an die fremden Götter und die Vermischung mit fremden Völkern und dem entschiedenen Festhalten am Gesetz Gottes wurde Israel zu dem Volk Gottes, das es bis heute ist, das durch alle Zeiten eine Sonderstellung in der Welt einnimmt und das selbst die grausamsten Verfolgungen nicht auslöschen konnten. Auch heute ist dieses Volk, das erst seit wenigen Jahrzehnten wieder das Gelobte Land sein Eigen nennen darf, von mächtigen Gegnern auf allen Seiten bedroht. Auch wenn dieses Volk zahlenmäßig relativ klein ist, so hat sein Schicksal doch zu allen Zeiten einen entscheidenden Einfluss auf die Geschichte der ganzen Welt.

Jesus
"Ihr Frauen ordnet euch euren Männern unter."

Anstößig erscheinen diese Worte des Epheserbriefes. Vielleicht mag einer den ganzen Brief verschmähen ob dieser Aussage. Wird so nicht eine verhängnisvolle Herrschaft des Mannes über die Frau kirchlich untermauert? Die Anstößigkeit dieses Satzes kann dann auch die Aufforderung an die Männer, ihre Frauen zu lieben, nicht wirklich mindern.
Doch überlesen wir bei aller Konzentration auf den zweiten Satz der heutigen Lesung nicht den ersten Satz, denn dieser liefert uns als Überschrift das Verständnis für die heutige Lesung. Es geht nicht um eine Aufteilung - die Frauen haben sich den Männern unterzuordnen, die Männer haben ihre Frauen zu lieben - sondern es geht um eine Gemeinsamkeit.
Mann und Frau haben sich gemeinsam Christus unterzuordnen. Wir wissen, dass die Unterordnung unter Christus nicht die eines Dieners ist. Vielmehr hat Christus uns zu seinen Freunden gemacht. In liebevoller Verbundenheit folgen wir dem Herrn und indem wir seinen Willen zu unserem machen, gelangen wir zu der Erfüllung unseres Lebens.
So ist auch die Partnerschaft von Mann und Frau auf gegenseitige Erfüllung hin ausgerichtet. Durch die liebevolle gegenseitige Hingabe der Partner beschenken sich beide und gelangen zu einem Mehr an Leben, das dem Einzelnen verschlossen bleibt.
Sicher ist es oft nicht leicht, diese erfüllte Partnerschaft zu leben. Jeder hat seine Unvollkommenheiten und Fehler. Aber das soll uns nicht mutlos machen, sondern dazu ermuntern, hinter all dem immer wieder neue schöne Seiten am anderen zu entdecken und so die Liebe immer wieder neu zu wecken.
Dostojewskij schreibt:

"War die Liebe einmal da, haben beide aus Liebe geheiratet, warum soll sie vergehen? Warum sollte sie nicht zu erhalten sein? Sicher, die erste eheliche Liebe schwindet, doch an ihre Stelle tritt eine noch schönere. Die Seelen finden sich, man erledigt alles gemeinsam, hat keine Geheimnisse mehr voreinander."

Tabgha

Die Texte vom 17. bis 21. Sonntag im Jahreskreis B weisen einige Gemeinsamkeiten auf. Als Evangelium finden wir fortlaufend einen Abschnitt aus dem 6. Kapitel des Johannesevangeliums, das uns die wunderbare Brotvermehrung und die daran anschließende Rede Jesu, sowie die Reaktionen des Volkes und der Jünger schildert. Die Texte zu den einzelnen Evangelienabschnitten können wie das Evangelium selbst als fortlaufender Text gelesen werden, auch wenn sie hier wie gewohnt auf die einzelnen Sonntage aufgeteilt sind.
Die erste Lesung aus dem Alten Testament zeigt uns jeweils eine Situation, die als Vorausbild des Geschehens im Evangelium gedeutet werden kann und uns zu einem tieferen Verständnis des Evangeliums hilfreich ist.
Die zweite Lesung aus dem Neuen Testament ist jeweils dem Epheserbrief entnommen und hat in der Regel keinen direkten Bezug zum Evangelium. Ihre Kommentierung hat daher einen von den anderen Texten unabhängigen Schwerpunkt.

Entscheidung

Heute hören wir den letzten Abschnitt der langen Rede Jesu über das Himmelsbrot, die schon an den letzten vier Sonntagen Thema des Evangeliums gewesen ist. Ganz deutlich hat Jesus den Menschen darin gesagt: "Ich bin das Brot des Lebens. Wer von diesem Brot ißt, wird in Ewigkeit leben." Er hat die Menschen dazu aufgefordert, an ihn, den Sohn Gottes, zu glauben. Die Menschen sollen sich nicht mühen um die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt.
Die Worte Jesu sind nach menschlichen Maßstäben unbegreiflich. Viele Jünger zogen nun nicht mehr mit Jesus umher und sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Auch heute kennen wir diese Ablehnung der Worte Jesu. Der Mensch kann doch auch ohne Gott gut sein. Ist es nicht wichtiger, sich um das irdische Wohl der Menschen zu kümmern, darum, dass alle satt werden, als die Menschen mit frommen Worten vom ewigen Leben abzuspeisen? Ist Jesus nicht genau ein Mensch wie wir? Wenn er von sich sagt, er sei der Sohn Gottes, so ist das doch die reinste Anmaßung.
Jesus erkennt ihr Murren und sagt zu ihnen: "Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt nichts."
Freilich dürfen wir die Sorge um das Irdische nicht aufgeben - das hat auch Jesus nicht getan. Er hat Menschen körperlich geheilt und ihnen zu essen gegeben. Wir dürfen darüber aber das Entscheidende nicht vergessen. Damit ein Mensch Leben kann, braucht er mehr als nur irdische Güter. Wir können den Menschen ein noch so umfangreiches Angebot an Nahrung und Gesundheitsvorsorge bieten, irgendwann wird es ihm nicht genug sein zum Leben. Der Mensch braucht auch Nahrung für seinen Geist, braucht eine Wegweisung, die ihn hinführt zum wahren Sinn des Lebens.
Es ist die Frage, die heute aktueller ist denn je: Braucht der Mensch Gott? Es ist nicht leicht, darauf eine Antwort zu geben und allzu einfache Antworten taugen heute nicht mehr. Als viele Jünger Jesus verlassen haben, fragt er die Zwölf: "Wollt auch ihr weggehen?" Da antwortet Petrus stellvertretend für alle: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens."
Das ist die Antwort auf die Frage, ob der Mensch Gott braucht. Wo sonst soll das tiefste Sehnen des Menschen seine Erfüllung finden? Wo sonst findet der Mensch das wahre Leben, das nicht vergänglich ist wie dieses irdische - in dem es sich der Mensch noch so schön einrichten kann und sich noch so absichern kann, das er aber auf jeden Fall irgendwann aufgeben muß, ohne dass er gefragt wird, ob er das möchte.
Das irdische Leben vergeht mit absoluter Sicherheit, ob wir aber in das ewige Leben eingehen möchten, danach werden wir gefragt. Gott wartet auf unser Ja um uns hinein zu führen.

Jesus

Zu wem sollen wir gehen?

Die Menge ist entsetzt über die Worte Jesu: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben." Auch viele unter den Jüngern Jesu nehmen Anstoß an diesen Worten. Nur wenige bleiben bei Jesus. Warum bleiben sie? Petrus gibt Jesus stellvertretend für sie die Antwort: "Zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens - du bist der Heilige Gottes."
Die Jünger, die bei Jesus bleiben, haben erkannt, dass Jesus nicht gekommen ist, um sich selbst feiern zu lassen und den Menschen nach dem Mund zu reden, sondern dass er den Menschen die Worte Gottes bringt, ja mehr noch, dass er selbst das Wort Gottes ist, das unter den Menschen Wohnung genommen hat.
Sie suchen nicht die Erfüllung ihrer eigenen Wünsche, sie suchen nicht einen Führer, der ihren Vorstellungen gerecht wird, sondern sie sind bereit, sich führen zu lassen. Sie sind bereit zur Umkehr, die Abkehr von den eigenen Plänen und Hinkehr zu dem, was Gott will, bedeutet.
Bin auch ich bereit, mich von Jesus führen zu lassen? Brauche ich Gott nur dazu, dass er mir bei meinen eigenen Wünschen hilft, oder bin ich bereit, mich auf seinen Willen einzulassen - nicht mein, sondern dein Wille geschehe? Wir können das nicht von jetzt auf gleich, aber doch wird uns Gott immer tiefer in die Gemeinschaft mit sich führen, wenn wir uns ihm anvertrauen.