Texte zum Johannes-Evangelium II, Joh 13,1-21,25
Wir haben der Liebe geglaubt – Kleiner Kommentar zum Johannesevangelium II
13,1-21,25 2. Hauptteil: Das Buch der Herrlichkeit
13,1–17,26 Die Abschiedsreden Jesu
14,1-21 Bleibende Gemeinschaft mit Jesus Christus
Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.
Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin die gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?
Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!
Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.
Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.
Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet.
An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
Jesus nimmt Abschied von seinen Jüngern. Er weiß darum, dass seine Stunde unmittelbar bevorsteht. Von dieser Stunde ist im Evangelium immer wieder die Rede. Nach Johannes wusste Jesus, worauf hin sein Leben verlaufen wird. Alles, was Jesus tut, geschieht, um den Auftrag des Vaters zu erfüllen.
Jesus bereitet seine Jünger auf das vor, was nun kommt. Wenn er von ihnen geht, so bedeutet das nicht, dass er weg ist, sondern er wird auf eine ganz neue Weise bei den Jüngern sein. Er kehrt zum Vater zurück, geht wieder ein in das Sein Gottes selbst und hat somit Teil an der Gegenwartsmacht Gottes in der Welt.
Auch die Jünger haben Teil am Sein Gottes. Durch Tod und Auferstehung Jesu sind die Glaubenden hineingenommen in Jesu Leib. Sie haben Teil an einem Sein, das Himmel und Erde umschließt. So wird für sie das Leben auf dieser Erde schon ein Leben in Gottes Reich.
Die Teilhabe am Leib Jesu erfolgt durch die Taufe und findet ihren sichtbaren Ausdruck in der Eucharistie, in der wir mit Jesus Christus eins werden, indem wir seinen Leib und sein Blut empfangen. Doch nicht allein die äußeren Zeichen von Taufe und Eucharistie heiligen den Menschen, sondern der Mensch muss auch ein Leben nach Gottes Willen führen.
Wer an Jesus Anteil hat, hat ihn allein durch die Liebe. Niemand kann mit Gewalt die Teilhabe an Jesus Christus erzwingen. Allein die Liebe vermag die Vereinigung von Gott und Mensch. Liebe ist nie etwas Abstraktes, sondern sie zeigt sich in äußeren Zeichen. Wie wir Menschen unsere Liebe zeigen, indem wir für sie da sind und uns ihnen schenken, so zeigt sich unsere Liebe zu Jesus darin, dass wir an seinem Wort festhalten und seine Gebote erfüllen.
Damit ist nicht gemeint, dass wir uns akribisch an tausende von Vorschriften halten. Gemeint ist eine Grundeinstellung, die danach fragt, was Gottes Wille für mein Leben ist und die bereit ist, diesen Willen zu erfüllen, auch wenn dies einem Leben nach den Wünschen dieser Welt widerspricht.
Den Weg zu Gott können wir nur in der Teilhabe an Jesus Christus gehen, indem wir leben, wie er lebt, indem wir tun, was er tut. Jesus hat in seinem Leben das umgesetzt, was der Wille seines Vaters ist. Alles was Jesus getan hat, war das, was der Vater tun wollte für uns Menschen. Jesu Jünger sind dazu aufgefordert, es ihm gleich zu tun und auf Erden das zu tun, was Jesus tun will.
Jesus ist der Weg zum Vater. Indem wir Teil haben an Jesus, haben wir auch Teil am Vater. Wir sind niemals allein. Immer ist Jesus bei uns und mit ihm auch der Vater und der Heilige Geist, den er uns als bleibenden Beistand sendet. So haben wir hier auf Erden schon eine Heimat, in der wir uns sicher und geborgen fühlen dürfen. Hier auf Erden aber ist diese Gemeinschaft mit Gott noch nicht offenbar, sondern nur verborgen und im Glauben erfahrbar. Im Himmel aber werden wir sichtbar in Gottes Gegenwart leben.
Der „Himmel“, wo Jesus mit dem Vater wohnt, ist dann für uns kein fremder Ort mehr, sondern Heimat in ihrer ganzen Fülle. Dieser Ort ist uns sicher, weil Jesus uns dort einen Platz bereitet hat. Dann sind wir für immer mit ihm zusammen.
Doch wie finden wir den Weg, den Jesus uns weist, den Weg, der er selbst ist, den wir mit ihm und in ihm gehen? In einem Gebet des Hl. Philipp Neri heißt es:
Mein Jesus, ich möchte dir dienen, und finde den Weg nicht. Ich möchte das Gute tun, und finde den Weg nicht. Ich möchte dich finden, und finde den Weg nicht. Ich möchte dich lieben, und finde den Weg nicht. Ich kenne dich doch nicht, mein Jesus, weil ich dich nicht suche. Ich suche dich, und ich finde dich nicht. Komm zu mir, mein Jesus. Ich werde dich niemals lieben, wenn du mir nicht hilfst, mein Jesus. Zerschneide meine Fesseln, wenn du mich haben willst. Jesus, sei mir Jesus.
Ähnlich wie es Philipp Neri in diesem Gebet zum Ausdruck bringt, mag es auch den Jüngern ergangen sein, als Jesus zu ihnen davon sprach, dass er nun bald zum Vater gehen wird und dass auch sie ihm dahin folgen werden. Jesus bereitet für uns beim Vater eine Wohnung und wir kennen den Weg dorthin – so behauptet es zumindest Jesus. Doch wem liegt da nicht die Frage des Apostels Thomas auf der Zunge: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ Hilft die Antwort Jesu wirklich weiter? Er sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“
Gott kennt jeden einzelnen von uns, keinem ist er fern, doch wir sehen Gott oft nicht, erkennen seinen Willen nicht, irren ziellos umher. Ja, Herr, ich will dir dienen, aber wie? So vieles strömt auf uns ein, so viele Stimmen, so viele Wege. Auf welche Stimme soll ich hören? Welchen Weg soll ich gehen? Es ist schwer, unsere eigenen Wünsche vom Willen Gottes zu unterscheiden, es ist schwer, unter all den vielen Stimmen die Stimme Gottes zu hören, es ist schwer, dann auch wirklich das zu tun, was Gott von uns will. Diese Erfahrung hat jeder schon gemacht, der sich ernsthaft darum bemüht hat, den Willen Gottes zu tun.
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ Wenn wir den Weg mit Jesus gehen wollen, müssen wir unser Herz und unsere Sinne einüben, wir müssen lernen, seine Stimme von den anderen Stimmen zu unterscheiden. Jesus sagt: „Ihr kennt den Weg!“ Er traut uns zu, dass wir seine Stimme erkennen. Wie können wir das lernen?
Ich meine, dass wir den Weg, der Jesus ist und der zum Vater führt, dann finden, wenn wir immer auf Jesus schauen, wenn wir seine Worte in der Heiligen Schrift betrachten, wenn wir bei allen Entscheidungen fragen, was uns näher zu Jesus führt. Jesus wird uns selten ein ganz konkretes Wegzeichen schicken und doch wird es nie so sein, dass wir nicht erkennen können, wohin wir gehen sollen. Wir müssen immer wieder nach der richtigen Richtung suchen und wenn wir suchen, wird Jesus uns den Weg auch zeigen. Sicher werden wir manchmal verwirrt in die falsche Richtung laufen. Doch wir werden dann bald erkennen, dass uns dieser Weg nicht näher zu Jesus führt. Dann heißt es umkehren. Wir müssen auf jeden Fall immer den Mut haben, von einem falschen Weg umzukehren, wenn wir deutlich merken, dass er uns nicht näher zu Jesus führt, auch wenn noch so viel für diesen Weg zu sprechen scheint, auch wenn das Ziel noch so erstrebenswert erscheint. Das höchste Ziel kann ein falsches Ziel sein, wenn es nicht das ist, das Jesus von uns möchte.
Jesus will, dass wir zu ihm kommen in die Wohnungen, die er für uns beim Vater bereitet hat. Jesus will, dass wir das Leben in Fülle bei ihm haben. Nur wir sind oft so blind und taub, lassen uns verwirren und kommen so vom Weg ab. Herr, öffne du unsere Augen, unsere Ohren und unser Herz, dass wir deinen Weg sehen, dass wir deine Stimme hören, dass wir uns öffnen für die Liebe, die du uns schenken möchtest.
Ich lebe und auch ihr werdet leben
Oft geschieht es, dass Menschen, die einen lieben Mensch verloren haben, selbst nicht mehr leben wollen, dass Menschen meinen, ihr Leben sei sinnlos geworden, wenn der Mensch nicht mehr da ist, den sie innig geliebt haben. Jesus kennt diese Angst der Menschen vor dem Verlust eines lieben Menschen. Wenn dieser Verlust auch schmerzhaft ist und schmerzhaft sein darf, so dürfen wir doch nie vergessen, dass wir schon jetzt Anteil haben am Leben und an der Auferstehung Jesu.
Jesus weiß, dass seine Jünger unsicher sein werden, wenn er sie verläßt. In den langen Abschiedsreden des Johannesevangeliums bereitet Jesus sie auf die Situation vor, dass er bald nicht mehr unter ihnen sein wird. Drei Jahre waren sie nun eine Glaubens- und Lebensgemeinschaft. Die Jünger haben so viele Stunden in der Nähe Jesu verbracht, konnten sich gleichsam wärmen am Glanz des göttlichen Lichtes. Nun kommt etwas Neues. Jesus geht zum Vater zurück. Die Jünger müssen allein zurecht kommen. Doch sie werden nicht allein sein, Jesus läßt sie nicht als Waisen zurück. Zwar wird die Welt Jesus nicht mehr sehen. Jesus ist nicht mehr in der Welt, wie er in ihr als Mensch gelebt hat. Doch er lebt weiterhin beim Vater sein göttliches Leben und so ist Jesus allen Menschen immer und überall nahe, allen, die ihn lieben und seine Gebote halten. Und er sendet den Heiligen Geist, der immer bei den Jüngern sein wird, der sie antreibt und bestärkt. Der Heilige Geist vermittelt den Jüngern weiterhin die Nähe und Wärme des göttlichen Lichtes, wie es Jesus bisher getan hat. Er gibt den Jüngern die Weisheit, die Wahrheit zu erkennen, er gibt ihnen die Kraft und den Mut, für den Glauben einzutreten, er zeigt ihnen, wie sie beten sollen und was sie tun sollen.
Ich lebe und auch ihr werdet leben. Der Glaube ist nicht das subjektive Fürwahrhalten bestimmter Inhalte durch einen einzelnen, sondern Glaube ist die Teilhabe an einer objektiven, das Irdische übersteigenden Wirklichkeit, die als solche real existiert und daher auch intersubjektiv vermittelbar ist. Wenn wir glauben, dass Jesus lebt, so ist das nicht nur ein persönlicher Trost für uns, etwas, das uns persönlich Halt gibt, sondern wir haben die Wahrheit erkannt, wir haben Teil an einer Wirklichkeit, die es eben wirklich gibt. Der Glaube vermittelt uns genau so Wirklichkeit wie die irdischen Sinne. Die Menschen, die nur das für wirklich ansehen, was in der Welt existiert und mit den irdischen Sinnen wahrnehmbar ist, können Jesus nicht mehr sehen. Aber sie nehmen eben nur die halbe Wirklichkeit wahr. Dass Jesus lebt ist genau so wirklich, wie beispielsweise meine Hand, die ich vor Augen sehe. Wenn wir an Jesus glauben, haben wir die ganze Wirklichkeit. Wir haben die Zuversicht, dass das Leben mehr ist, als wir mit unseren irdischen Sinnen wahrnehmen können. Daher macht auch der Verlust eines lieben Menschen hier auf Erden, so schmerzhaft er für uns auch ist und sein darf, doch unser Leben im Ganzen nicht sinnlos.
Ich lebe und auch ihr werdet leben. Wenn Jesus lebt und wir mit ihm leben, so ist unser Leben mehr als das, was sich auf Erden ereignet. Wir haben jetzt schon Anteil am ewigen Leben. Schon hier auf dieser Erde ist Jesus uns nahe und wenn wir einst in jene Welt gelangen, deren reale Existenz unseren irdischen Sinnen verborgen, dem Glauben aber offenbar ist, dann werden wir in seiner ganzen Fülle erkennen, was wir jetzt noch verborgen sehen.
Joh 15,1-8 Ich bin der Weinstock - ihr seid die Reben
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben,“ so spricht Jesus im heutigen Evangelium (Joh 15,1-8) zu uns. Stellen wir uns zunächst einmal dieses Bild vor Augen. Jesus gebraucht immer Beispiele, die den Menschen seiner Zeit vertraut waren. Auch uns sind Weinstöcke nicht fremd. Ein Weinstock hat viele Zweige, an denen der Winzer zur Zeit der Ernte viele reife Trauben erwartet. Wie bei allen Pflanzen kann die Frucht nur gedeihen, wenn sie über Zweige und Stamm mit der Wurzel verbunden ist. Jesus vergleicht uns mit Reben am Weinstock. Er ist die Wurzel und der Stamm, der die einzelnen Reben zusammenhält und mit Nahrung versorgt, sie am Leben erhält.
Wovon leben ich? Woraus ziehe ich die Kraft für mein Leben? Was läßt mich überleben und wovon kann ich wirklich leben? Um überleben zu können brauche ich Nahrung. Ich brauche so etwas wie Heimat, ein Dach über dem Kopf, Arbeit, mit der ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Das alles ermöglicht mein Überleben. Doch was gibt mir wahres Leben? Was erwarte ich vom Leben? Jeder Mensch strebt danach, glücklich zu sein. Doch viele suchen das Glück an der falschen Stelle, sie wollen angesehen, reich, mächtig sein. Es ist sicher gut, wenn man es im Leben zu etwas bringt und Erfolg hat, doch das genügt nicht, um wirklich glücklich zu sein. In meinem Leben brauche ich Freunde, die mit mir gehen und bei denen ich sein kann, wie ich bin. Aber selbst das ist noch nicht genug. Das wirkliche Glück ist nur in Gott zu finden. Er ist es, der allein die Grundlage für mein Leben bilden kann. In ihm können meine Freundschaften wachsen, er gibt meinem Arbeiten Sinn und Richtung, nur mit ihm ist mein Leben mehr als überleben, ist es Leben in Fülle.
Daher sollte es täglich unser erster Gedanke sein: wie kann ich heute diesen Tag, wie kann ich mein Leben mit Christus leben? Eine Freundschaft oder Partnerschaft zwischen Menschen kann nur gelingen, wenn jeder der beiden immer wieder dem anderen zeigt, daß er ihm etwas bedeutet, in Worten und Gesten, indem man sich Zeit füreinander nimmt.
Meine Beziehung mit Christus ist im Grunde genommen nichts anderes als eine Freundschaft, eine Liebesbeziehung. Um diese Beziehung mit ihm aufrecht zu erhalten, muß ich mir Zeit nehmen für ihn. Jeder muß selbst entscheiden, wieviel Zeit das im einzelnen ist, wichtig ist, daß es täglich wenigstens einige Minuten sind in denen ich versuche, im Gebet bei Jesus zu sein. Suchen wir diese Verbundenheit mit ihm. Am tiefsten werden wir sie finden, wenn wir sein Wort, die Hl. Schrift, betrachten und die Eucharistie feiern. Bleiben wir in ihm. Wir werden sehen, daß die Zeit, die ich mir für Christus nehme, keine verlorene Zeit ist. Wir werden sehen, daß wir dadurch Kraft finden werden für unseren Alltag, daß unsere Freundschaften und Begegnungen tiefer werden, daß unsere Arbeit besser gelingt. „Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.“ Versuchen wir es. Setzen wir täglich Zeichen der Freundschaft mit Jesus. Wir können darauf vertrauen, auch er wird uns dann zeigen, daß wir seine Freunde sind.
Joh 15,9-15 Ich habe euch Freunde genannt
Jesus spricht: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Die Ikone zeigt Jesus Christus mit seinem Freund, dem Abt Menas (+ 295), einen bedeutenden Heiligen aus Ägypten.
Wenn Sie jemand nach dem spezifisch Christlichen fragt, was antworten sie? Nun, die Frage mag auf den ersten Blick schwierig erscheinen, aber sie ist in Wirklichkeit ganz einfach. Das Besondere am Christentum ist Jesus Christus. Er ist das Zentrum unseres Glaubens und von ihm her müssen wir alles denken.
Im Christentum gilt der Primat des Logos vor dem Ethos. Es geht nicht vorrangig um Gebote und ethische Normen, um eine Sache Jesu, die getan werden muß, sondern es geht zuerst um Jesus Christus selbst. Alles andere ergibt sich von ihm her. Wenn Jesus Christus nicht das Zentrum unseres Glaubens ist, können wir nicht als Christen leben und können auch nicht die Probleme in der Kirche heute lösen. Es ist wie bei einer Mathematikaufgabe. Wenn man nicht die richtige Formel findet, kommt man nicht zum richtigen Ergebnis. Die Formel für unseren Glauben lautet Jesus Christus. Wenn unser Denken und Tun nicht von ihm ausgeht, werden wir als Christen versagen. An erster Stelle steht die Begegnung mit Jesus Christus und aus dieser Begegnung erwächst christliches Leben. Daher ist es von größter Bedeutung, dass unsere Gottesdienste so gefeiert werden, dass sie für die Menschen einen Ort bilden, an dem diese Begegnung mit Jesus Christus möglich wird.
Seit der Frühzeit des Christentums wird der befreiende Sinn des Evangeliums nicht darin gesehen, dass Jesus eine neue Lehre über das menschliche Zueinander bringt, vielmehr ist eine ganz neue Beziehung zwischen Mensch und Menschensohn aufgerichtet, die alle Vorstellungen und Wünsche der Sehnsucht nach Liebe und Nähe übersteigt. Es ist ein neuer Sinn von Freundschaft, den Jesus eröffnet, einer Freundschaft zwischen ihm und jedem einzelnen von uns.
Im Evangelium nennt Jesus seine Jünger und damit auch uns seine Freunde. Wir sind seine Freunde, wenn wir tun, was Jesus uns aufträgt. Es ist die Aufgabe unseres Lebens, Jesus immer mehr kennenzulernen und aus dieser Beziehung heraus seinen Willen zu tun. Die Kunst, Jesus zu lieben, ist die höchste Fertigkeit, die sich ein Mensch im Leben des Glaubens aneignen kann und in die er sich immer neu einüben muß.
Ein Spezifikum der Christusfreundschaft besteht darin: Wenn wir uns aufmachen, Jesus zu lieben, sind wir längst schon die Geliebten; wir antworten, da er uns zuerst geliebt hat. Seine Liebe macht unsere Liebe möglich. Die Kunst, Jesus zu lieben, gründet im Wissen und in der Anerkennung dessen, dass wir Töchter und Söhne Gottes sind.
Diese Freundschaft mit Jesus kommt sehr schön in der Ikone zum Ausdruck, die ich Ihnen kopiert habe. Sie sehen darauf Jesus und den Abt Menas als seinen Freund. Menas, der im 3.Jahrhundert gelebt hat, ist der Lieblingsheilige der Christen in Ägypten. Doch das ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass jeder von uns die Stelle des Menas einnehmen kann. Jesus und Menas schauen in die gleiche Richtung. Der Jünger möchte den Willen Jesu tun. Jesus hilft ihm dabei. Beide haben das gleiche Ziel. Jesus legt schützend und bestärkend seine Hand auf seinen Freund und will ihm sagen: Ich bin bei dir und begleite dich auf deinem Weg.
Bitten wir den Herrn darum, dass er auch uns immer tiefer in die Freundschaft mit sich einführe.
Christus, göttlicher Herr,
dich liebt, wer nur Kraft hat zu lieben:
unbewußt, wer dich nicht kennt,
sehnsuchtsvoll, wer um dich weiß.
Christus, du bist meine Hoffnung,
mein Friede, mein Glück, all mein Leben:
Christus, dir neigt sich mein Geist;
Christus, dich bete ich an.
Christus, an dir halt’ ich fest
mit der ganzen Kraft meiner Seele:
dich, Herr, lieb’ ich allein –
suche dich, folge dir nach.
Alphanus von Salerno (gest. 1085)
18,1–20,31 Das letzte Zeichen
Der Tod und die Auferstehung Jesu Christi
20,1-18 Maria von Magdala
Eine der Frauen, die das leere Grab Jesu und die Engel dort gesehen haben, ist Maria von Magdala. Nach Maria, der Mutter Jesu, ist sie sicher die bekannteste Frau aus dem Neuen Testament, ja vielleicht aus der gesamten Heiligen Schrift. Jesus hat sieben Dämonen aus ihr ausgetrieben, zusammen mit anderen Frauen war sie im Gefolge Jesu, sie stand unter dem Kreuz und war die erste Zeugin der Auferstehung Jesu, sie hat den Aposteln die Botschaft von der Auferstehung Jesu gebracht und wird deshalb sogar Apostolin der Apostel genannt. Maria von Magdala war Jesus sehr nahe, hat viele seiner Wunder miterlebt, viele seiner Reden gehört. Sehr innig ist ihre Begegnung mit Jesus am Ostermorgen.
Wegen dieser Nähe zu Jesus kamen einige Irrgeister dazu, Maria von Magdala ein partnerschaftliches, auch die sexuelle Begegnung einschließendes Verhältnis zu Jesus zuzuschreiben. Dieser Gedanke kommt vielen, auch mitunter frommen Zeitgenossen leider oft spontan bei der Nennung des Namens Maria von Magdala. Ein solches Bild jedoch zerstört den Glauben an Jesus. Jesus ist der Sohn Gottes. In allem was er sagt und tut erkennen wir seine Andersheit. Er ist zwar ganz Mensch, aber doch erkennen die Menschen in seinem Reden und Tun das andere, das, was sein Gottsein ausmacht, was nicht von dieser Welt ist. Jesus ist nicht der Superstar, der die Massen begeistert und der dann zur Abwechslung im Stillen seine Triebe auslebt. Diese menschlichen Gewohnheiten auf Jesus zu übertragen bedeutet, das Jesusbild zu zerstören, aber dies zerstört zugleich auch das Frauenbild. Leider gibt es Menschen, die in der Frau allein das Ziel der sexuellen Begierde des Mannes sehen und es sich daher nicht vorstellen können, dass es zwischen Mann und Frau eine andere Beziehung geben kann als die sexuelle. Es muß uns aber klar sein, dass das nicht alles ist. Mann und Frau ergänzen sich nicht nur im sexuellen Bereich. Auch eine Freundschaft zwischen Mann und Frau, die bewußt auf Intimitäten verzichtet, kann für beide bereichernd sein und ist kein Zeichen irgendeiner Unnormalität. Auch durch geistige, durch geistliche Freundschaft können sich Mann und Frau ergänzen. Das wird man aber nur verstehen können, wenn man sich von einem körperlich-materiell fixierten Denken löst.
Jesus hat gewiß eine besondere Anziehung auf Frauen ausgeübt - ich meine dies im geistig - geistlichen Sinn - und tut dies bis heute. Wir erleben es immer wieder, wie ganz besonders Frauen von Jesus begeistert sind und ihr Leben ganz in seinen Dienst stellen. Wir hören von Frauen im Gefolge Jesu. Die Rolle der Frau in der damaligen Gesellschaft brachte es mit sich, dass diese eher im Hintergrund waren. Aber ich glaube, sie waren doch immer ganz dabei. Oft lesen wir, dass die Apostel Jesus nicht verstanden haben. Von den Frauen lesen wir das nie. Wie es Frauen eigen ist, oft mehr mit dem Herzen zu sehen als die Männer, so waren sie vielleicht mehr dabei als die Apostel. Sie waren bei Jesus unter dem Kreuz, als die Männer sich versteckt hielten. Sie waren die ersten am Grab, als die Männer noch ganz verstört sich hinter verschlossenen Türen verbarrikadiert hatten.
Eine solche Frau war Maria von Magdala. Sie hat erkannt, dass es allein Jesus ist, der ihrem Leben einen Sinn geben kann. Bei der ersten Begegnung wird Jesus sie angesehen haben und sie gefragt haben: Frau, was willst Du von mir? Und sie wird ihm den tiefsten Wunsch ihres Herzens gesagt haben, dass sie leben möchte. Ein Leben in der wahren Freiheit der Kinder Gottes. Jesus hat ihr geschenkt, was sie in ihrem tiefsten Inneren ersehnte.
Nun ist Jesus gestorben. Maria von Magdala war mit Jesu Mutter und anderen Frauen unter dem Kreuz. Sie haben zugesehen, wie der Leichnam Jesu in ein Grab gelegt wurde. Am Sabbat müssen sie die vorgeschriebene Ruhe einhalten. Doch am Morgen des nächsten Tages hält sie nichts mehr. In aller Frühe, als die Männer noch schlafen, eilen die Frauen zum Grab. Sie entdecken den weggewälzten Stein, das leere Grab, den Engel, der ihnen von der Auferstehung Jesu verkündet. Voll Freude und Furcht eilen sie zu den Aposteln.
Maria von Magdala bleibt am Grab. Sie kann noch nicht verstehen, was geschehen ist. Mit Jesus hat sie den liebsten Menschen verloren, ja sie hat jemand verloren, der mehr ist als ein Mensch. Wie soll ihr Leben nun weitergehen? Ihren ganzen Schmerz läßt sie in ihren Tränen freien Lauf. Da kommt Jesus, doch sie erkennt ihn nicht an seinem Aussehen. Doch dann sagt er zu ihr: „Maria“ und plötzlich erkennt sie ihn.
Ist das nicht ein Bild für uns? Auch wir können Jesus nicht äußerlich erkennen. Wir sehen ihn verborgen, in der Eucharistie, im unseren Brüdern und Schwestern, aber wir erkennen ihn oft nicht. Wie können wir Jesus erkennen? Wenn wir seine Stimme in unserem Herzen hören. Die Stimme Jesu ist unverwechselbar. Maria von Magdala hat sie erkannt. Sie will Jesus fassen. Endlich ist er wieder da. Doch er lässt sich nicht fassen. Der Auferstandene ist nicht so da wie der irdische Jesus. Das muß Maria lernen. Das lehrt sie uns. Wir können Jesus sehen, wir können seine Stimme hören, aber wir können ihn nicht fassen. Aber gerade dadurch ist Jesus uns immer nahe, auch wenn wir ihn nicht sehen, nicht greifen können. Der Auferstandene ist allen Menschen nahe. Maria wird einige Zeit gebraucht haben, um das zu begreifen. Aber sie weiß jetzt: Jesus lebt. Ihre Trauer ist verschwunden. Sie hat mit dem Herzen gesehen: Jesus lebt! Die Sonne ist aufgegangen über Golgota. Das Leben hat den Tod besiegt. Das Leben, das Maria in Jesus gesucht hat, ist ihr nicht genommen. Es bleibt ihr. Jesus lebt, Maria weiß: sie lebt mit ihm. Wir alle Leben mit Christus, weil er uns durch seinen Tod und seine Auferstehung das Leben gebracht hat.
20,24-29 Thomas
Das leere Grab allein reicht nicht aus, um an die Auferstehung Jesu zu glauben. Das haben wir gesehen bei Maria von Magdala, den Emmaus-Jüngern und den Aposteln. Heute sehen wir es wieder beim Apostel Thomas. Alle haben sie die Frauen von der Botschaft der Engel am leeren Grab berichten hören. Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Jesus ist auferstanden, er ist nicht hier! Sie alle haben wohl das leere Grab gesehen. Aber die Ratlosigkeit blieb. Maria weinte, zwei gingen nach Emmaus, die Apostel schlossen sich ein. Jesus selbst muß kommen und sich als der Auferstandene zeigen, damit sie verstehen und glauben. Was erstaunlich ist: allen erscheint Jesus auf eine ganz eigene Weise. Alle erkennen Jesus zunächst nicht, doch dann offenbart er sich, oft in einer ganz persönlichen Form. Maria erkennt den Auferstandenen daran, dass er ihren Namen ausspricht. Die Emmaus-Jünger erkennen ihn am Brechen des Brotes. Auch Thomas bekommt seine ganz eigene Erscheinung des Auferstandenen. Er war nicht da, als Jesus den anderen erschienen ist. Obwohl sie alle von der Erscheinung des Auferstandenen berichten, glaubt er ihnen nicht. So unvorstellbar ist es für ihn, dass es so etwas wie eine Auferstehung gibt. Er glaubt nicht den Worten allein, er braucht Fakten, er braucht handgreifliche Beweise. „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“
Eine Woche nach dem Auferstehungstag sind die Apostel wieder beisammen und nun ist auch Thomas dabei. Sofort geht Jesus auf die Worte des Thomas ein. Komm ruhig her. „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Es steht nicht geschrieben, dass Thomas nun wirklich noch Jesus berühren mußte. Allein sein Bekenntnis ist aufgeschrieben: „Mein Herr und mein Gott!“ Ich denke, dass sich darin erneut zeigt, dass Jesus immer anders ist, als wir ihn uns vorstellen. Maria von Magdala konnte den Auferstandenen nicht festhalten, aber in ihrem Herzen hat sie verstanden, dass Jesus als der Auferstandene unsichtbar immer und überall bei ihr ist. Die Emmaus-Jünger haben Jesus in der Eucharistie erkannt. Obwohl er plötzlich weg war, haben sie verstanden: Er lebt, er ist immer mitten unter uns. Und nun Thomas. Er wollte die Wundmale des irdischen Jesus berühren. Nun zeigt der Auferstandene ihm die verklärten Wundmale seines Auferstehungsleibes. Um wie viel mehr muss das auf ihn gewirkt haben, als wenn er nur rein menschliche Wunden gesehen hätte.
Jesus erscheint diesen Menschen auf eine je eigene Weise. Was bedeutet das anderes, als dass er zu jedem Menschen eine ganz persönliche Beziehung haben möchte. Jesus will, dass alle Menschen in diese persönliche Beziehung zu ihm eintreten. Er weiß, wie er jedem einzelnen begegnen muß, um ihn in seinem Herzen anzusprechen. Der Auferstandene will nichts anderes, als sich allen Menschen zeigen, damit sie verstehen, dass er auferstanden ist und nun als der Auferstandene immer bei den Menschen bleibt, dass er als der Auferstandene immer und überall für jeden Menschen gegenwärtig ist. Diese Gegenwart Jesu erfahren wir, wenn wir in eine lebendige Beziehung mit Jesus eintreten. Jesus spricht jeden bei seinen Namen an, wie er Maria von Magdala angesprochen hat, Jesus zeigt sich jedem Menschen wie den Emmaus-Jüngern in der Eucharistie und gibt sich uns zur Speise. Er ist auch allen Menschen nahe im Leid, in Zweifeln und Fragen, so wie er sich Thomas in seinen Zweifeln mit seinen verklärten Wundmalen gezeigt hat.
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Wir können heute Jesu verklärten Leib nicht mehr sehen wie die Menschen in den Tagen nach seiner Auferstehung. Doch die Menschen dieser Tage haben uns nichts voraus. Nicht die Erscheinung des Auferstandenen hat ihnen geholfen, sondern dass sie in eine lebendige Beziehung mit dem Auferstandenen getreten sind. Dazu war die Erscheinung des Auferstandenen eine Hilfe. Auch wir bedürfen einer Hilfe im Glauben. Auch uns genügt nicht allein die Botschaft vom leeren Grab. Wir brauchen handgreifliche Beweise. Wir können erfahren, dass Jesus lebt, weil er auch uns in eine lebendige Beziehung zu ihm ruft. Wir müssen uns nur immer wieder bewusst sein, dass Jesus uns nicht auf eine rein menschliche Weise erscheint, aber doch auf eine Weise, die wir als Menschen erfahren können. Bitten wir Jesus, dass er uns Zeichen seiner Gegenwart schenkt. Haben wir das Verlangen danach, ihn zu sehen. Glauben wir seinem Wort. Vertrauen wir uns ihm an. Treten wir ein in die gläubige Beziehung zu ihm, dann werden wir seine Gegenwart und Nähe erfahren. Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben.
21,1–25 Ausblick
21,1-14 Am See von Tiberias - Es ist der Herr!
Die Auferstehung ist schon einige Tage her, zweimal ist Jesus den Jüngern bereits erschienen, aber doch wissen die Apostel immer noch nicht, wie es weitergehen soll, sie kennen Jesus noch nicht wirklich als den Auferstandenen. Da hat Petrus die glanzvolle Idee: „Ich gehe fischen.“ Die anderen kommen mit, doch sie fangen nichts. Ihre Bestimmung ist es nicht, wieder Fischer zu sein.
Da steht Jesus am Ufer, aber nur einer erkennt ihn, es ist der Jünger, den Jesus liebte. "Es ist der Herr!" Jetzt geht alles ganz schnell. Er sagt es Petrus, der sofort in den See springt, um zu Jesus zu schwimmen. Auch die anderen sind voll Freude: Jesus ist da! Plötzlich sind die Netze voller Fische. Jesus bringt ihnen Freude und Hoffnung, er gibt ihrem Leben einen Sinn.
Die Jünger müssen noch einiges lernen, aber sie verstehen immer mehr, worauf es ankommt: Immer mit Jesus zu sein. Als er noch lebte, war das nicht schwer. Nun aber müssen sie lernen, dass er auch als der Auferstandene immer bei ihnen ist und dass sie immer bei ihm sein können, auch wenn sie ihn nicht sehen. Das ist schwieriger, denn nun ist es allein ihr Herz, in dem Jesus seinen Platz finden muss.
Es ist auch unsere Lebensaufgabe, Jesus in unserem Herzen einen Platz zu bereiten. Erst wenn wir gelernt haben, bei Jesus zu sein, können auch wir hinausgehen und den Auftrag Jesu erfüllen: „Gehet hin und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,19f) Von Jesus können wir Menschen nicht nur durch Worte überzeugen. Wir müssen sie in die Begegnung mit ihm einführen. Wir müssen den Menschen Jesus bringen, wir müssen den Menschen Wege zeigen, wie sie Jesus begegnen können. Das ist unser Auftrag und die Sendung, die Jesus uns gegeben hat. Das können wir nur, wenn wir selbst gläubig darauf vertrauen, dass Jesus immer bei uns ist, dass er es ist, der durch uns wirkt und der die Herzen der Menschen anrührt. Er hat ja gesagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“
Herr Jesus, öffne Du unsere Herzen, für Deine Gegenwart. Du bist die Wahrheit. Durch dich ist uns die Wahrheit zum Weg geworden, den wir gehen können und der uns zum Leben führt. Ohne dich sind wir im Dunkel über die wesentlichen Fragen unseres Lebens. Ohne dich sind wir wie Schafe ohne Hirten. Du aber hast uns bei deiner Auffahrt in den Himmel nicht als Waisen zurückgelassen. Deinen Jüngern hast du nicht nur den Auftrag erteilt, die Menschen den rechten Weg zu lehren. Du hast ihnen für alle Zeiten den Heiligen Geist verheißen, der Generation um Generation in die ganze Wahrheit führt. Vom Heiligen Geist geleitet trägt die Gemeinschaft der Jünger – die Kirche – dein Wort durch die Zeiten. In ihr lebt dein Wort; in ihr bleibt es immer Gegenwart und öffnet Zukunft. Hilf uns, dass wir durch das Verkündigungswort der Kirche lernen, alles zu halten, was du geboten hast. Hilf uns, im Wort des Glaubens dich selber zu finden, dich kennen und lieben zu lernen. Hilf uns, Freunde der Wahrheit - deine Freunde, Freunde Gottes zu werden.
21,15-19 Es ist der Herr! - Petrus, liebst Du mich?
Im heutigen Evangelium (Joh 21,1-19) hören wir von der Erscheinung des Auferstandenen am See von Tiberias. Sieben Jünger, Petrus, Thomas, Natanael, Jakobus, Johannes und zwei ungenannte dürfen den Herrn sehen. Viele von uns waren sicher auch schon einmal in einer ähnlichen Situation, wie die Jünger zu Beginn des heutigen Evangeliums: ihnen fehlt die Perspektive für ihr Leben. Jesus ist gestorben und obwohl er sich ihnen schon als der Auferstandene gezeigt hat, wissen sie immer noch nicht so recht, was sie tun sollen. Warum daher nicht bei dem bleiben, was man gut kann: Fischen. Zumindest von Petrus, Jakobus und Johannes wissen wir sicher, dass sie vor ihrer Berufung Fischer gewesen sind. Da Fischer ja ein durchaus ehrenwerter Beruf ist, macht es auch keinerlei Komplikationen, ihn wieder auszuüben. Ihre Familien werden sich ja auch weiterhin dieser Arbeit gewidmet haben, so dass es am nötigen Arbeitszeug nicht mangelt. Ein Matthäus, der als Zöllner berufen wurde, hatte es da schon schwerer. Er konnte, wollte er weiterhin ein Jünger bleiben, nicht mehr seinen unehrenwerten Beruf ausüben. Doch von ihm soll heute auch nicht die Rede sein.
Plötzlich steht ein Mann am Ufer und ruft den Jüngern im Boot zu, ob sie nicht etwas zu essen hätten. Sie haben nichts. Vielleicht war es eben auch der Hunger, der sie wieder zu Fischern werden ließ. Sie haben noch nicht erkannt, dass der, der Jesus ganz nachfolgt, von anderer Speise lebt, wie Jesus einmal sagt: „Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt. – Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.“ (Joh 4,32-34) So wird sich auch hier im weiteren Verlauf zeigen, dass Jesus, obwohl er die Jünger nach etwas Essbarem fragt, doch ihrer Speise nicht bedarf, ja dass er selbst schon am Ufer eine Speise für die Jünger bereitet hat. Als sie an Land kommen, finden sie neben Jesus ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Es kommen einem auch die Worte Jesu aus der Berg-predigt in den Sinn: „Sorgt euch nicht darum, dass ihr etwas zu essen oder anzuziehen habt. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen.“ (Mt 6,31-33) Jesus will den Jüngern zeigen, dass sie sich nicht zu sorgen brauchen. Er kümmert sich um sie. Ihre Aufgabe ist es, sich von Jesus senden zu lassen und das Reich Gottes zu verkünden.
Doch eilen wir nicht zu schnell voran. Blicken wir nochmals auf die Jünger im Boot, wie sie plötzlich Jesus am Ufer sehen, ihn aber nicht erkennen. Sie haben nichts gefangen. Wie auch? Wir kennen eine ähnliche Begebenheit, vor ihrer Berufung, als die Jünger schon einmal nichts gefangen hatten, dann Jesus ihr Boot quasi als Predigtkanzel zur Verfügung gestellt hatten und Jesus sie dann nach seiner Rede noch einmal zum Fischen ausgesandt hat. (Lk 5,1-11) Damals waren ihre Netze so voll, dass sie zerrissen. Doch es sollte nach dem Willen des Herrn ihr letzter Fischfang auf dem Wasser gewesen sein. Von nun an sollten sie Menschenfischer sein. Und was machen sie nun? Sie fahren am Ende doch wieder aufs Wasser. Kein Wunder, dass sie erfolglos sind. Jesus muß ihnen erst wieder zeigen, was ihre eigentliche Aufgabe ist.
Doch Jesus weist sie auch diesmal an, ihr Netz nochmals auszuwerfen, und zwar auf der rechten Seite. 153 Fische fangen sie nun und diesmal zerreißt das Netz nicht. Dieser erfolgreiche Fang soll aber nicht zeigen, dass sie doch noch als Fischer taugen, sondern er steht symbolisch für den bevorstehender erfolgreichen Fang als Menschenfischer. 153 soll die Zahl der zur damaligen Zeit bekannten Völker sein, was dann soviel bedeutet, dass durch die Apostel allen Völkern das Evangelium verkündet wird. Man kann diese Zahl aber auch noch anders deuten. Nimmt man die Zahl Zehn als Symbol der Zehn Gebote des Alten Bundes und die Zahl Sieben als Symbol der Sieben Gaben des Heiligen Geistes im Neuen Bund, so kann man sagen, dass die Zahl 17 all unsere Kraft und unser Handeln vollständig umfasst, weil sie ausdrückt, dass wir als Christen die Gebote des Alten Bundes in der Kraft der Gaben des Heiligen Geistes leben. Die höchsten Tugenden, die alles umfassen, sind aber diese drei: Glaube, Hoffnung und Liebe. Dies zeigt sich in der Zahl 51 (17x3). Dies alles aber geschieht im Glauben an den dreifaltigen Gott, womit wir die Zahl 153 (51x3) erhalten.
Doch wenden wir uns nun wieder den Jüngern zu. Nach dem erfolgreichen Fischfang ist Johannes er erste, der Jesus erkennt. Er sagt es Petrus und dieser zögert nicht, ins Wasser zu springen und zu Jesus zu eilen. Es ist die Liebe, die ihn treibt. Die Liebe treibt uns hin zu dem Geliebten. Liebende Menschen möchten immer beisammen sein. Unsere größte Liebe aber soll dem Herrn gelten. Bei ihm zu sein soll das Höchste für uns sein. Was be-deutet dies für uns heute anderes, als dass wir Freude haben am Gebet, an der Feier der Heiligen Messe, am Lesen der Heiligen Schrift. Doch auch in unserem Alltag können wir immer bei Jesus sein, indem wir in allem, was wir tun, immer an ihn denken.
Diese Liebe des Petrus, die sich in seinem Sprung ins Wasser und seinem Hineilen zu Jesus zeigt, hinterfragt nun der Herr. „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Dreimal fragt Jesus ihn. Scheint im deutschen Text die Frage dreimal unverändert zu sein, so ist im griechischen Originaltext eine deutliche Veränderung erkennbar. Wir kennen im Deutschen nur ein Wort für Liebe, wir unterscheiden höchstens zwischen einem tiefen Lieben und einem schwächeren lieb haben. Vielleicht kann uns das hier weiterhelfen. Während Jesus Petrus die ersten beiden Male nach dieser tiefen Liebe fragt, kann Petrus immer nur antworten, dass er Jesus lieb hat. Beim dritten Mal geht Jesus auf diese Abschwächung des Petrus ein. Er fragt ihn einfach, ob er ihn lieb hat. Nun kommen Jesus und Petrus in ihren Worten überein. Jesus verlangt von uns nicht eine Liebe, die das menschliche Maß übersteigt. Jesus möchte, dass wir ihn gerade so lieben, wie es für uns möglich ist, aber er möchte, daß wir unser Bestes geben. Unsere größte Liebe soll dem Herrn gelten und wenn wir uns an ihm ausrichten, so kann unsere Liebe immer mehr wachsen. Dadurch finden wir immer näher zu Gott, der seinem Wesen nach die vollkommene Liebe ist. Unsere Liebe wird einst ihre Vollendung finden, wenn Gott uns aufnimmt in sein Reich, wo wir immer bei ihm sind und ihn schauen, wie er ist, wo wir seine vollkommene Liebe erkennen. Hier auf Erden gilt es für uns trotz unserer Unvollkommenheit ihm mit all unserer Kraft nachzufolgen und seine Zeugen zu sein – aus Liebe.