Das Markusevangelium
14,1-15,41 Jesu Leiden und Tod
14,1-11 Dreierlei Vorbereitungen auf Jesu Tod
Markus berichtet an diesem Tag von drei Ereignissen, die als letzte Vorbereitungen des Todes Jesu angesehen werden können. In der ersten und die dritten Szene treten die Gegner Jesu auf und die Ereignisse sind wohl im Tempel zu lokalisieren. Die zweite Szene ereignet sich in Betanien, wo sich Jesus im Kreis seiner Freunde befindet.
14,1f. Der Plan der Hohenpriester und Schriftgelehrten
Es war aber nach zwei Tagen das Pascha und das Fest der ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten. Sie sagten nämlich: Nur nicht am Fest, damit kein Volksaufstand entsteht.
Der ganze erste Satz ist der genauen Zeitangabe gewidmet. Das große Wallfahrtsfest beginnt mit der Paschafeier zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten in der Vollmondnacht vom 14. zum 15. Tag des Frühlingsmonats Nisan und wird nach sieben Tagen, am 21. Nisan, mit dem Fest der ungesäuerten Brote, das ein neues Erntejahr eröffnet, abgeschlossen. Während dieser Zeit ißt man kein mit Sauerteig gebackenes Brot.
Intensiv überlegen die Hohenpriester und Schriftgelehrten, wie sie Jesus in die Hand bekommen können. Dabei stellt sich ihnen das bevorstehende Fest, an dem eine ungeheuere Menschenmenge in Jerusalem sein wird, als Problem dar. Die Menge ist unberechenbar. Es ist nicht abzusehen, wie viele Anhänger Jesus im Volk hat. Die Römer sind in Alarmbereitschaft und jederzeit zum Eingreifen bereit, wenn sie einen Volksaufstand vermuten. Daher sollen die Festbesucher möglichst nichts mitbekommen von dem, was mit Jesus geschieht. Ein ungeschicktes Vorgehen könnte unberechenbare Folgen haben.
14,3-9 Jesu Salbung in Betanien 
Und als er in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen war, kam, als er zu Tisch lag, eine Frau mit einem Alabastergefäß mit reinem, kostbaren Nardenöl. Sie zerbrach das Alabastergefäß und goß es über seinem Haupt aus. Da waren einige ungehalten unter sich: Wozu geschah diese Verschwendung des Salböls? Man hätte nämlich dieses Öl für über dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Bettelarmen geben lassen können. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sagte: Lasst sie! Was bereitet ihr ihr Mühen? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Alle Zeit nämlich werdet ihr Bettelarme unter euch haben. Und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen wohltun. Mich aber habt ihr nicht alle Zeit. Was sie vermochte, hat sie getan. Vorweggenommen hat sie die Salbung meines Leibes für das Begräbnis. Amen, ich sage euch: Wo auch immer das Evangelium in der ganzen Welt verkündigt wird, da wird auch erzählt, was sie getan hat – zur Erinnerung an sie.
Betanien ist der bereits bekannte Ort des Nachtquartiers Jesu und seiner Jünger während ihres Aufenthalts in Jerusalem. An diesem Tag scheint Jesus mit seinen Jüngern nicht nach Jerusalem gezogen zu sein. Sie statten statt dessen einem „alten Bekannten“ einen Besuch ab. Es könnte sich bei Simon um den Aussätzigen handeln, von dessen Heilung Markus in 1,40-45 berichtet.
Während die Männer zu Tisch liegen, kommt plötzlich eine von Markus nicht näher benannte Frau in ihre Gesellschaft, die ein ohnehin schon teures Alabastergefäß zerbricht und dessen außerordentlich kostbaren Inhalt über das Haupt Jesu gießt. Nardenöl wird aus Pistazien gewonnen. Der Wert des Öls entspricht in etwa dem Jahreseinkommen eines Tagelöhners. Das Tun der Frau ist ein Zeichen überschwenglicher Verehrung für Jesus. Wir sehen hier, wie sich auch gerade Frauen aus der begüterten Oberschicht mit Jesus verbunden wissen.
Das Verhalten der Frau erregt den Unwillen einiger Jünger. Sie hätten lieber das Öl verkauft und das Geld den Armen gegeben. Jesus kritisiert ihren Unwillen. Grundsätzlich steht Jesus zu der von ihnen hervorgehobenen „Option für die Armen“. Arme wird es immer und überall wo das Evangelium verkündet wird geben und es ist die Pflicht der Jünger Jesu zu allen Zeiten und überall, diesen Armen zu helfen. Dennoch gilt es zu unterscheiden, wie diese „Option für die Armen“ in rechter Weise gelebt wird. Jetzt, in diesem Moment, hat die Salbung Jesu Priorität. Das, was jetzt geschieht, ist ein Ereignis von so enormer Wichtigkeit, dass es vor aller Sorge für die Armen steht und zugleich wert ist, durch alle Zeiten hindurch überliefert zu werden.
Johannes wird in seinem Evangelium diese falsche Sorge für die Armen als reinen Eigennutz entlarven, denn für ihn ist der Unwillige kein anderer als Judas Iskariot, der das Geld in die eigene Tasche wirtschaften möchte. Die Kritik Jesu gilt zu allen Zeiten und zu allen Zeiten ist die rechte Einstellung zu Reichtum und Prunk in der Kirche zu prüfen. Prunkvolle liturgische Geräte können der Verherrlichung Christi dienen, dessen Ehre man dadurch bezeugt, sie können aber auch zu einer falschen Zurschaustellung von Macht pervertiert werden. Genauso kann aber auch ein angeblicher Verzicht auf jeden Reichtum und Prunk zur Farce werden, wenn man beispielsweise in der Liturgie auf Schlichtheit größten Wert legt, aber im privaten Bereich sich dann doch so manchen Luxus gönnt. Eine allgemeingültige Handlungsanweisung kann es hier nicht geben. Jeder muß sich und sein Handeln hier nach bestem Wissen und Gewissen prüfen. Beides wird uns Jesus immer vor Augen stellen – die Armen vor unserer Tür, die auf unsere helfende Hand warten, und das Tun dieser Frau, die den größten Prunk walten lässt zur Ehre des Herrn.
Jesus selbst deutet die Salbung der Frau auf die Salbung seines Leibes zum Begräbnis. Die Salbung der Toten war ein wichtiger Brauch unter den Juden und auch sonst im Orient weit verbreitet. Am Ende des Evangeliums werden wir sehen, dass ob des überraschenden Endes Jesu – selbst nach den soeben gesprochenen Worten Jesu wird es wohl niemand der Zuhörer für möglich gehalten haben, dass Jesus schon zwei Tage später tot sein wird – dieser Dienst dem Leichnam nicht erwiesen werden kann. Erst etwa 40 Stunden nach Jesu Tod machen sich die Frauen auf den Weg, um Salböl zu kaufen. Doch Jesus werden sie dann im Grab nicht mehr finden.
Die Salbung des Hauptes weist aber auch hin auf die Königssalbung. Mit der Salbung nimmt die Inthronisation des neuen Königs ihren Anfang, die Geißelung wird der Akt der Huldigung vor diesem König sein und seinen Thron besteigt er am Kreuz. Christus ist der König auf dem Kreuzesthron, wie ihn auch die Kirche besingt. Auf diesem Weg zum Kreuz ist Jesus nun fast ans Ende gekommen. Einer seiner engsten Vertrauten wird seinen Gegnern dabei helfen, ihm diesen Weg zu bereiten.
14,10f. Der Verrat durch Judas
Und Judas Iskariot, dieser eine von den Zwölfen, ging hin zu den Hohenpriestern, um ihn an sie auszuliefern. Sie aber freuten sich, als sie es hörten, und versprachen, ihm Geld zu geben. Und er suchte, wie er ihn bei günstiger Gelegenheit ausliefern könnte.
Für die Hohenpriester und Schriftgelehrten scheint sich nun eine Lösung zu bieten für ihr Bestreben Jesus aus dem Weg zu räumen, mit der sie bisher nicht gerechnet haben. Einer von den engsten Anhängern Jesu will mit ihnen gemeinsame Sache machen. Warum Judas Iskariot diesen Schritt tut, davon berichtet Markus nichts. Im Johannesevangelium lesen wir, dass es eben dieser Judas Iskariot war, der bei der Salbung Jesu in Betanien unwillig wurde ob der scheinbaren Verschwendung. Der Evangelist unterstellt ihm, dass er das Geld für das Öl, das man nach seinen Worten besser den Armen gegeben hätte, lieber in die eigene Tasche gesteckt hätte. Somit ist es in Betanien zu einem Streit zwischen Judas und Jesus gekommen und Judas wäre dann im Zorn über Jesus zu den Hohenpriestern gegangen. Nachher, als der Zorn gewissermaßen verraucht war und er merkte, was er angerichtet hatte, fand er keinen Weg zur Umkehr, sondern hat sich, wie Matthäus berichtet, erhängt. Vielleicht fühlte sich Judas auch in seinen Messiaserwartungen enttäuscht und konnte nicht verstehen, dass Jesus nun nach seinem glorreichen Einzug in Jerusalem von Tod und Begräbnis und nicht von Königsherrschaft sprach.
Es bleiben nur Vermutungen. Tatsache ist, dass die Hohenpriester nun jemanden haben, der genau über das Verhalten Jesu Bescheid wußte. Sie brauchen ihn so nicht mehr bei Tag inmitten der Volksmenge gefangenzunehmen, sondern können sich darüber informieren, wohin sich Jesus mit seinen Jüngern zurückzieht. Dort können sie dann zu gegebener Zeit unbemerkt von der Menge im Stillen zuschlagen und Jesus ergreifen.
14,12-25 Das letzte Abendmahl
14,26-52 Am Ölberg
14,53-72 Im hohepriesterlichen Palast
15,1-15 Jesus vor Pilatus
15,16-41 Jesu Leiden und Tod
15,16-20a Die Geißelung und Verspottung durch die Soldaten
15,20b-27 Kreuzweg und Kreuzigung
15,29-32 Die Verspottung Jesu am Kreuz
Und die vorbeigingen lästerten ihn, schüttelten den Kopf und sagten: Ha, der du den Tempel abreißt und in drei Tagen aufbaust, rette dich selbst, steig vom Kreuz herab! In gleicher Weise spotteten auch die Hohenpriester untereinander zusammen mit den Schriftgelehrten und sagten: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Der Christus, der König von Israel, er soll jetzt von seinem Kreuz herabsteigen, damit wir sehen und glauben! Auch die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden, schmähten ihn.
Die Führer der Juden haben auch dieses Ziel erreicht: Jesus wird am Kreuz von den Leuten verspottet. Im Spott auf ihn sind sich alle einig. Sein schmachvolles Hängen am Kreuz macht den Menschen deutlich, dass der angebliche Messias versagt hat. Jesus wird offenbar als falscher Prophet und Lügner entlarvt.
Erneut taucht hier der Satz auf, der schon bei der Verhandlung vor dem Hohen Rat eine Rolle gespielt hat, den Markus aber anders als Johannes 2,19 nicht Jesus selbst in den Mund legt, dass nämlich Jesus gesagt haben soll, er werde den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen. Mit Sicherheit waren die deutlichen Worte Jesu gegen den Tempelkult, die Ankündigung der Zerstörung des Tempels und die Tempelreinigung das, was die religiösen Führer der Juden, besonders die Sadduzäer, am meisten gegen ihn aufgebracht hat. Das war ein Angriff an die Grundlage ihrer Macht. Hier zeigt sich, wie recht Jesus mit dem Gleichnis von den Bösen Winzern hatte. Sie haben den Weinberg zur Pflege bekommen und sollten den Ertrag abliefern, sollten das Heiligtum zur Ehre Gottes und zum Heil der ganzen Erde verwalten. Doch sie haben den Tempel Gottes zu ihren eigenen Zwecken mißbraucht und anstatt Gott die Ehre zu geben, sehen sie ihn als Grundlage ihrer eigenen Macht an. Als nun Gottes Sohn den Anteil einfordert, der Gott gebührt, bringen sie den Sohn um, in der Hoffnung, nun selbst ungestört ihre Macht ausüben zu können. Doch so läßt Gott nicht mit sich umgehen. Die jetzt noch in scheinbarem Triumph über Gott spotten, werden erkennen müssen, dass sie die eigentlichen Verlierer sind.
Wieder fordern sie ein Zeichen von Jesus. Er, der so vielen geholfen hat, soll sich doch nun selbst helfen, soll herabsteigen vom Kreuz, damit die Menschen durch dieses Wunder zum Glauben an ihn kommen. Gott könnte in seiner Macht natürlich seinen Sohn vom Kreuz herab holen. Doch damit würde er sein eigenes Werk zunichte machen. Der Sohn Gottes kam ja nicht in die Welt, um gemäß den Wünschen der Menschen zu leben und um dem Denken dieser Welt zu entsprechen, sondern um zu zeigen, was wirklich der Wille Gottes ist und wie gegensätzlich die Gedanken Gottes zum Denken dieser Welt sind.
Wer nicht bereit ist, sein Denken zu ändern und sich auf Gott einzulassen, der wird in Jesus nur den erfolglosen Betrüger sehen, dessen Ohnmacht sich am Kreuz offenbart. Wer aber bereit ist, sich auf Gott einzulassen, der wird die Macht Gottes erkennen, der im Tod den Tod besiegt und aus dem Grab neues Leben erstehen lässt und dessen scheinbare Ohnmacht sich als unendliche Mächtigkeit erweisen wird.
15,33-41 Der Tod Jesu
15,42-16,20 Fünfter Hauptteil
Der fünfte Teil (15,42-16,8) zeigt Jesus im Grab und berichtet von der Botschaft des Engels zu den Frauen am Ostermorgen im leeren Grab. Der ursprüngliche Markusschluß wurde bald durch eine Zusammenfassung der Berichte von den Erscheinungen des Auferstandenen aus den anderen Evangelien erweitert.
15,42-47 Das Begräbnis
16,1-8 Die Entdeckung des leeren Grabes
Und als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, und Maria, die des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und in aller Frühe am ersten Tag der Woche kommen sie bei Sonnenaufgang zum Grab. Und sie sagten zueinander: Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Und als sie aufblickten, sahen sie, dass der Stein weggewälzt war; er war ja gewaltig groß. Und als sie
in das Grab hineingingen, sahen sie einen weiß gewandeten jungen Mann auf der rechten Seite sitzen, und sie erschauderten. Er aber sagt zu ihnen: Erschaudert nicht! Ihr sucht Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Siehe, die Stelle, wohin sie ihn gelegt hatten! Aber: Los, sagt seinen Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und nachdem sie hinausgegangen waren, flohen sie vom Grab. Zittern nämlich und Entsetzen hatte sie gepackt. Und niemandem sagten sie irgendetwas. Sie fürchteten sich nämlich.
Am Ostermorgen, als endlich die Sabbatruhe vorüber ist, brechen drei Frauen in aller Frühe auf, um sich auf den Weg zu machen zum Grab Jesu. Sie haben in aller Eile Salböl gekauft und wollen damit dem Leichnam Jesu die letzte Ehre erweisen. Es ist ungewöhnlich, dass dies erst so viele Stunden nach Jesu Tod geschieht, aber sein Tod kam so überraschend und war wohl so schockierend, dass sie dafür keine Gelegenheit fanden. Außerdem war ja zunächst unklar, wo und wie Jesus überhaupt begraben würde. Erst als Joseph von Arimathäa zu Pilatus ging, zeichnete sich eine Lösung ab, da war es aber schon spät abends, kurz vor Beginn der Sabbatruhe.
So kommen sie jetzt, zum frühest möglichen Zeitpunkt, um den Leichnam Jesu zu salben. Doch am Grab ist alles so sonderbar. Sie müssen erkennen, das alles anders läuft, als sie es erwartet hatten, dreimal.
Sie fragen sich: Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Er war so schwer, dass sie es selbst zu dritt nicht geschafft hätten. Doch als sie ans Grab kommen, sehen sie, dass der Stein bereits weggewälzt ist.
Oft meinen wir, in unserem Leben aus einer Situation keinen Ausweg zu finden. Vertrauen wir darauf, dass Gott uns eine Tür öffnen kann, eine Ausweg, den wir nicht erwartet hätten?
Die Frauen meinten, den Leichnam Jesu im Grab zu finden. Statt dessen sitzt da ein Engel, der bereits auf sie zu warten scheint. Das läßt sie erschaudern. Der Gekreuzigte ist auferweckt worden! Sie verstehen nicht, was das zu bedeuten hat.
Oft fallen wir in unserem Leben in Hoffnungslosigkeit, treten immer wieder in die selben schwarzen Löcher. Vertrauen wir darauf, dass Gott unsere Hoffnungslosigkeit in Hoffnung, unsere Finsternis in Licht, den Tod in Leben verwandeln kann?
Die Frauen wollten Jesus salben, wollten dem Toten die letzte Ehre erweisen, und haben scheinbar vergessen, dass diese Salbung bereits in Betanien vollzogen wurde (14,3-9) Sie wollten den Weg mit Jesus zu einem würdigen Abschluß bringen, doch dieser Weg fängt nun ganz neu an: Los, sagt seinen Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.
Oft ist es so einfach, auf den gewohnten Wegen zu bleiben. Lassen wir alles, so wie es ist. Etwas zu ändern ist doch so mühsam. Vertraue ich darauf, dass ich immer einen neuen Aufbruch wagen kann mit Gott, der mich hinführt zu einem Mehr an Leben, Freue und Glück? Bin ich bereit für das Neue in meinem Leben?
Die Frauen flohen, weg vom Grab. Zittern und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie erzählten niemandem etwas davon. Sie fürchteten sich nämlich. Mit diesen Worten endete ursprünglich das Markusevangelium. Das erschien den Menschen schon bald als ziemlich unbefriedigend, und daher wurde eine Zusammenfassung der Berichte über die Erscheinungen des Auferstandenen aus den anderen Evangelien hier angefügt.
Doch warum läßt Markus sein Evangelium so offen enden? Die Frauen, die aus Furcht vom Grab flohen, können ja nicht das letzte Zeichen christlicher Hoffnung sein. Doch allein die Tatsache, dass Markus sein Evangelium geschrieben hat und dass es Leser gefunden hat zeigt, dass Flucht und Furcht nicht das letzte waren. Die Botschaft des Auferstandenen wurde weiter erzählt und viele, die sie gehört haben, haben sie im Glauben angenommen. Die Jünger sind dem Auferstandenen in Galiläa begegnet. In Galiläa hat der Weg begonnen, den Jesus mit den Seinen gegangen ist. In Galiläa beginnt nun ein neuer Weg mit Jesus, ein Weg, den alle Menschen zu allen Zeiten mit Jesus gehen können.
Auf ihrem Weg mit Jesus haben die Jünger immer mehr gelernt, wer dieser Jesus ist und sie haben gelernt, zu leben wie er. Nun ist der Leser aufgefordert, seinen eigenen Weg mit Jesus zu gehen. Die Fortsetzung des Evangeliums ist die Glaubensgeschichte jedes einzelnen Menschen, die Geschichte der Begegnung und Freundschaft mit Jesus. Jeder Mensch ist dazu berufen, von Jesus Zeugnis zu geben. Der Auftrag des Engels an die Frauen ist an jeden Menschen gerichtet: Los geh und verkünde den Menschen von Jesus Christus. Der Glaubende ist dabei nicht allein, sondern er steht in der Gemeinschaft aller Glaubenden. Und Jesus, der Auferstandene, ist mit ihm.