Texte zum Matthäus-Evangelium

Zu den Texten zum Matthäus-Evangelium möchte ich auch auf meine andere Homepage verweisen:

www.hofmannroland.de/Matthaeus.html

Mt 4,12-23 - Aus der Finsternis zum Licht

In der Adventszeit haben wir es ersehnt, an Weihnachten und Epiphanie haben wir sein Aufleuchten gefeiert. Christus ist das Licht, das in die Welt gekommen ist, um allen Menschen zu leuchten. Nun hören wir im Evangelium (Mt 4,12-23), wie sich mit dem ersten öffentlichen Auftreten Jesu dieses Licht in der Welt zeigt. Wieder hören wir, wie sich eine Verheißung des Propheten Jesaja erfüllt.

Zunächst aber lesen wir von etwas ganz trivialem, Jesus zieht um, und zwar von Nazaret nach Kafarnaum. Heutzutage können wir ja in den Unterhaltungsmagazinen immer wieder lesen, wenn irgendwelche Prominente sich ein neues Haus gebaut haben oder ein neues Luxusapartment beziehen. Jesus hatte wohl nur ein einfaches Haus und doch ist sein Umzug von Bedeutung. Dadurch sieht Matthäus die Weissagung des Propheten Jesaja (8,23-9,3) erfüllt, die wir in der ersten Lesung hören. „Das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen.“

Das erste öffentliche Auftreten Jesu spielt sich ab im halb heidnischen Galiläa. Das war für damalige Verhältnisse weit weg vom Zentrum Jerusalem. Zudem liegt es von dort aus im Norden und der Norden wurde von jeher mit der Finsternis in Zusammenhang gebracht. Nicht im Zentrum, sondern im nördlichsten Teil Israels tritt der Messias zuerst auf. Den Menschen im Norden, im Land der Finsternis, erstrahlt zuerst das Licht des Messias. So hat es schon Jesaja verheißen und das erfüllt sich nun. Doch wie zeigt sich dieses Licht?

Am Anfang seines Wirkens steht der Ruf Jesu zur Umkehr. „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Die Menschen müssen das Licht auch wollen. Allzu viele möchten lieber in der Finsternis bleiben, die Umkehr erscheint ihnen als zu beschwerlich. Nicht umsonst haben wir vor Weihnachten die Adventszeit, um uns die Notwendigkeit vor Augen zu führen, daß wir uns immer wieder neu an Christus ausrichten müssen, wenn wir im Licht sein wollen.

Dort bei Kafarnaum, am See von Galiläa, dem See Gennesaret, beruft Jesus auch seine ersten Jünger. In der Jüngerberufung zeigt sich Jesus als der Sohn Gottes, denn er beruft seine Jünger, wie Gott selbst im Alten Testament die Propheten berufen hat. „Kommt her, folgt mir nach!“ Sagt er zu ihnen. Sie lassen alles zurück und folgen Jesus. Sie haben erkannt, daß alles, was sie bisher hatten, nichts war im Vergleich zu dem, was Jesus ihnen schenken wird. Im Verzicht auf das, was ihnen bisher wichtig war, geben sie dem Licht in ihrem Leben Raum. Wie groß ist es doch, Jesus nachzufolgen und wie sehr hängen wir an irdischen Dingen und geben dem Licht zu wenig Raum in unserem Leben. Jeder hat seinen ganz persönlichen Weg der Nachfolge. Der Ruf Jesu ergeht an jeden einzelnen ganz persönlich. Herr Jesus, hilf mir, Deinen Ruf zu hören und mit dir dorthin zu gehen, wo Du mich haben möchtest.

„Er verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.“ So faßt Matthäus das Auftreten Jesu zusammen. Wenn die Menschen umkehren zu Jesus und von der Finsternis zum Licht kommen, dann wird es hell in der Welt. Dann werden Krankheiten und Leiden geheilt. Die Menschen spüren etwas von dem Licht, das von Jesus ausgeht, das durch die Jünger Jesu in der Welt leuchtet. Wie sehr braucht unsere Zeit dieses Licht. Wieviel Finsternis gibt es bei uns, wenn wir sehen, wie viele Familien zerbrechen, wenn wir auf die Gewalt unter Jugendlichen blicken, wenn wir sehen, wie alte Menschen abgeschoben werden und viele Menschen auch in unserem Land in ärmlichen Verhältnissen leben müssen. Politische Programme, so wichtig sie auch sein mögen, helfen da allein nicht. Es braucht Menschen, die sich zu Jesus hin kehren und so sein Licht in der Welt leuchten lassen. Menschen, die für andere da sind und so für andere zum Licht werden. Herr, schenke auch unserer Zeit Menschen, die sich ganz in deine Nachfolge stellen und die dein Licht in unserer finsteren Welt leuchten lassen. Mache auch mich zu einem solchen Menschen.

Zum Bild von Sieger Köder: In der Mitte des Bildes sehen wir Christus, von dem das Licht ausstrahlt und der Kranke heilt. Von rechts kommen die ersten Jünger und wir sehen im Vordergrund die zwei Fischerboote, die sie zurückgelassen haben. Von links kommen die Menschen mit ihren Krankheiten und Leiden zu Jesus.

Mt 6,24-34, Maria – die auf Gott vertraut hat.

Maria – Die auf Gott vertraut hat, unter dieses Thema habe ich diesen 8. Sonntag im Jahreskreis gestellt. Auf Gott vertrauen, sich ganz auf ihn verlassen, das ist es, was Glaube bedeutet. Ein solcher Glaube gab Abraham den Mut, seine Heimat zu verlassen und in das verheißene Land zu ziehen, ein solcher Glaube gab den Heiligen zu allen Zeiten den Mut, in allen Verfolgungen stand zu halten und selbst ihr Leben für Gott hinzugeben. Einen solchen Glauben hatte auch Maria in ganz besonderer Weise. Durch ihr Ja zu den Worten des Engels gab sie ihr ganzes Leben Gott hin, wollte in allem seinen Willen tun. Weil sie ihren Weg mit Gott gegangen ist, kann sie auch uns Wegführerin sein auf dem Weg mit Gott. Gottesmutter Hodegetria – Wegführerin, so heißt auch diese Ikone. Am Ende des Marienmonats Mai wollen wir so Maria noch einmal um ihre ganz besondere Fürsprache bitten, damit auch wir unser Leben, im Vertrauen auf Gottes Führung, ganz nach dem Willen Gottes leben.

Wie ein solches Leben aussieht, davon hören wir im heutigen Evangelium (Mt 6,24-34). An erster Stelle steht die Entschiedenheit für Gott. „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“ Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch im Überfluss lebt und Schätze anhäuft. Leicht geschieht es, dass ein Mensch sein Herz ganz an den Reichtum hängt, dass er sich nur noch darum sorgt, wie er sein Geld beisammen halten und weiter vermehren kann. Ein solcher Mensch macht sich selbst kaputt, denn was nützt ihm letztlich all sein Reichtum, wenn er darüber Gott vergißt?

„Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, daß ihr etwas anzuziehen habt,“ so spricht Jesus im heutigen Evangelium. Wenn Jesus uns zur Sorglosigkeit gegenüber den irdischen Dingen aufruft, so meint er damit nicht, dass wir in bitterer Armut leben sollen. Christliches Leben bedeutet nicht, dass wir uns überhaupt nicht mehr mit den Angelegenheiten dieser Welt beschäftigen sollten. Das Leben ist wichtig und auch der Leib ist wichtig. Der Mensch braucht zum Leben eine funktionierende Gesellschaft, in der auch für die täglichen Bedürfnisse der Menschen gesorgt ist. Es ist Aufgabe der Christen, sich in diese Gesellschaft einzubringen. Christen sind keine weltfremden Menschen, die sich aus dem Leben zurückziehen. Jesus sagt ja nicht: „Lebt wie die Vögel, die weder säen, noch ernten, noch Vorräte in Scheunen sammeln.“ Jesus ruft bestimmt nicht dazu auf, dass wir alle Landwirtschaft aufgeben sollen und nur noch von dem leben sollen, was wild wächst. Würden wir Jesus so missverstehen, wären wir selbst Schuld am Niedergang der Menschheit. Jesus will uns damit vielmehr sagen: Schaut auf die Vögel, schaut auf die prächtigen Blumen. Die Vögel überleben, die Blumen wachsen immer wieder neu, obwohl sie selbst nichts dazu tun, das ist der Kreislauf der Natur, die von Gott so wunderbar geschaffen ist. Ihr Menschen aber habt Verstand und wisst euch die Natur nutzbar zu machen, durch Landwirtschaft und Handwerk. Vergesst aber dabei nicht, dass ihr von dem lebt, was Gott geschaffen hat. Ihr könnt nur ernten, wenn Gott der Saat immer wieder das Wachstum gibt. Ihn, den Schöpfer von allem, sollt ihr vor allem ehren. Seht alles als Geschenk Gottes an und gebraucht es mit euren Fähigkeiten in Dankbarkeit. Dann wird Gott euch immer alles Nötige zukommen lassen.

Vor allem dürfen wir nicht vergessen, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als Leben und Leib, als alles, was wir auf Erden haben können. Es kommt darauf an, dass der Mensch zu Gott findet, denn sonst ist sein ganzes Leben sinnlos. Der Glaube an Gott aber gibt dem Menschen die Gewissheit, dass er nicht vergebens hier auf Erden ist und dass sein Leben zu einem guten Ziel führen wird. Wichtiger als alle Sorge um den Lebensunterhalt ist unser Vertrauen auf Gott, unsere dankbare Antwort auf seine Liebe. Jesus will, dass wir ganz auf Gott vertrauen, dass wir ihm unser Leben schenken, wie auch immer das aussehen mag. „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen.“ Wir sind dazu aufgerufen, das Reich Gottes auf Erden sichtbar zu machen, indem wir den Willen Gottes tun und so leben, dass in unserem Leben und Tun Gott erkennbar wird.

Wenn auf Erden der Wille Gottes geschieht, hat der Mensch einen Teil des verlorenen Paradieses zurück gewonnen. Adam und Eva konnten sorglos leben im Einklang mit Gott und der Natur. Dieses sorglose Leben hat der Mensch durch die Sünde zerstört. Fortan muss er sich mühsam seinen Lebensunterhalt verdienen. Der in Christus erlöste Mensch kann aber mit einer neuen Sorglosigkeit an diese Mühen des Alltags gehen. Er weiß sich ganz in Gottes Hand. Er weiß, dass Gott seinem Tun Gelingen schenkt über seine eigenen Fähigkeiten hinaus.

Vertrauen wir auf Gott, von dem alles kommt, was wir sind und haben, geben wir ihm die Ehre und übergeben wir ihm unser Leben. Schauen wir dabei vor allem auf das Beispiel Marias. Sie hat sich ganz Gott anvertraut. Oft wusste sie nicht, wie ihr Weg, wie der Weg ihres Sohnes weitergeht. Doch sie ist nicht irre geworden an Gott, sie hat die Kreuzigung ihres Sohnes erlebt, aber auch seine Auferstehung. Vertrauen wir wie sie darauf, dass Gott uns in unserem Leben immer führt und uns das schenken wird, was wir brauchen.

Mt 7,21-27 – Wehe den Schmeichlern

„Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.“ (Mt 7,21)

Wehe den Schmeichlern! Wir kennen es ja aus dem alltäglichen Leben. Da gibt es so manche Menschen, die anderen schmeicheln, weil sie sich selbst davon einen materiellen Gewinn versprechen. Der Reiche hat scheinbar viele Freunde, den wahren Freund aber erkennst du in der Not. Wenn man nichts Materielles mehr zu bieten hat, werden sich die Schmeichler schnell abwenden, denn sie waren ja nur an ihrem eigenen Gewinn interessiert und nicht am anderen Menschen.

So gibt es auch Menschen, die Gott schmeicheln wollen. Sie geben sich nach Außen hin besonders fromm, doch in ihrem Herzen lassen sie sich nicht auf Gott ein. Sie erwarten, dass sie für ihre scheinbare Frömmigkeit von Gott irdischen Lohn erhalten, Reichtum, Gesundheit, langes Leben. Was es aber bedeutet, nach Gottes Willen zu leben, darauf wollen sie sich nicht einlassen. Ihnen geht es nicht um Gott, sondern nur um ihren persönlichen Vorteil. Jesus aber blickt in das Herz eines jeden Menschen, bei ihm ihn kann man sich nicht einschmeicheln. Wer Jesus nur mit den Lippen bekennt, sein Herz aber ihm verschließt, ist vielleicht noch schlimmer dran als ein ungläubiger Mensch.

Hören und Tun müssen zusammen gehen. Wie wichtig es ist, das Wort Gottes immer vor Augen zu haben, hören wir in der ersten Lesung aus dem Buch Deuteronomium (Dtn 11,18): „Diese meine Worte sollt ihr auf euer Herz und eure Seele schreiben. Ihr sollt sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf eurer Stirn werden.“ So binden sich in wörtlicher Befolgung dieser Stelle fromme Juden die Worte der Tora an Handgelenk und Stirn. Das soll sie allezeit an die Worte Gottes erinnern: „Höre Israel! Der Herr, unser Gott, der Herr ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (Dtn 6,4f) Doch das Festmachen dieser Worte an Handgelenk und Stirn macht noch nicht zu einem gläubigen Menschen. Wichtiger ist, dass der Mensch die Worte Gottes in sein Herz und seine Seele schreibt, dass sie sein ganzes Leben bestimmen, er sie nicht nur vor sich hat, sondern auch danach lebt. Der Schmuck mit den Worten Gottes ist eine ständige Erinnerung an die Forderung Gottes, diese Worte auch zu leben.

„Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. – Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute.“ Wenn wir uns die folgenden Verse (Mt 11,24-27) genau ansehen, werden wir eine Parallelität erkennen. Die Häuser der beiden Männer sind gleichermaßen dem Wolkenbruch, Wassermassen und Stürmen ausgeliefert. Jesus sagt nicht, dass der, der seine Worte hört und danach handelt, davor bewahrt bliebe. Kein Mensch, ob Gläubiger und Ungläubiger, wird hier auf Erden von Leid, Krankheit und anderer Mühsal verschont bleiben. Krankheit ist keine Strafe für Unglauben, genauso wie Gesundheit keine Belohnung für ein gutes Leben ist. Wir können den Unterschied zwischen Glauben und Unglauben nicht am irdischen Wohlergehen fest machen.

Den Unterschied, worauf das Haus gebaut ist, erkennt man daran, wie es aus all den Widrigkeiten hervorgeht. Der kluge Mann wird anders mit den Mühsalen des Lebens umgehen als der unvernünftige. Wer die Worte Jesu hört und danach handelt, wer also im wahren Glauben ganz auf Gott vertraut und ihn als Herrn seines Lebens anerkennt, den kann irdische Mühsal nicht wirklich erschüttern. Er weiß sich ganz in Gottes Hand. Er weiß, dass er sein Leben auf einem unerschütterlichen Felsen gegründet hat. Er weiß, dass ihn keine Mühsal und Not von dem Gott trennen kann, der selbst auf dieser Erde Leid und Tod erfahren hat.

 Ein bloßes Lippenbekenntnis zu Gott, das nicht ins Herz geht, kann dies nicht verstehen. Der Schmeichler hatte sich ja von Gott seinen eigenen materiellen Vorteil erhofft. Er kann nicht verstehen, wie Gott und Leid zusammen gehen. Daher wendet er sich von Gott ab, sein Haus stürzt ein und was bleibt ist die Verzweiflung.

Sicher, auch dem, der wirklich glaubt, fällt es nicht leicht, Leid zu ertragen. Er ist sicher auch oft nahe daran, an Gott zu verzweifeln. Doch er vertraut darauf, dass Gott ihn stets vor der letzten Verzweiflung bewahrt. Gott wird in jedem Leid Trost spenden, wenn Wassermassen und Stürme noch so toben, sie bringen das Haus des Gerechten nicht zum Einsturz. Es ist freilich nicht ausgeschlossen, dass es dem Menschen auch materiell gut geht, wenn er sich auf ein Leben mit Gott einlässt. Ganz im Gegenteil. Ein gläubiger Familienvater beispielsweise darf auf Gott vertrauen, dass er für das Wohlergehen seiner Familie sorgt. Wir dürfen uns von Gott aber nicht allein irdischen Lohn erhoffen. Wer sich ganz dem Willen Gottes überlässt, wird auf Erden mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Doch im festen Vertrauen auf Gott kann er sie alle bestehen. Auch wenn es nach irdischen Kriterien unlogisch erscheint, sein Haus wird letztlich mehr Bestand haben, als das Haus dessen, der allein nach irdischen Maßstäben gerechnet hat. Das Leben mit Gott ist spannend und hält immer wieder neue Überraschungen bereit. Es lohnt sich, sich darauf einzulassen.

Mt 9,9-13 – Lernen

In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.  Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Jesus hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.  (Mt 9,1-13)

„Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.“ Jesus zitiert hier den Propheten Hosea, von dem wir in der ersten Lesung hören (Hos 6,3-6). Beim Propheten Hosea ist das Volk Israel die Braut Gottes. Gott ist der Bräutigam, dem sein Volk angetraut ist. Doch anstatt die Liebe, die Gott seinem Volk erweist, zu erwidern, wendet es sich von seinem Gott ab und nutzlosen Götzen zu. So wird die geliebte Braut zur Dirne. Dies muss der Prophet im Auftrag Gottes ganz konkret zeigen, indem er sich eine Dirne zur Frau nimmt. Doch Gott zeigt sein Erbarmen darin, dass er bereit ist, die treulose Frau, das Volk, das durch seinen Götzendienst zur Dirne geworden ist, wieder als geliebte Ehefrau anzunehmen, wenn das Volk nur umkehrt und von seinem Götzendienst ablässt, wenn es lernt, dass Gott es ist, der sein Volk wirklich liebt. Gott wirbt um das Volk wie ein Liebhaber um die Geliebte.

Zöllner waren zur Zeit Jesu wohl der verachtetste Menschentyp, noch schlimmer als Dirnen. Sie ließen sich mit der verhassten römischen Besatzungsmacht ein und profitierten von deren ungerechtem Zollsystem. Sie zogen den Juden das Geld aus der Tasche, nicht nur um es an die Römer abzuliefern, sondern auch um es ungestraft in ihre eigene Tasche zu stecken. Zöllner standen auch außerhalb der jüdischen Religionsgemeinschaft, denn ihr Beruf wurde nicht nur als Verrat gegenüber dem Volk, sondern auch als Verrat gegenüber Gott angesehen, weil sie mit den Heiden gemeinsame Sache machten.

Einen solchen Zöllner beruft Jesus in seine Nachfolge. Scheinbar ganz unverhofft spricht Jesus ihn an: „Folge mir nach!“ Vielleicht hat Matthäus schon länger darüber nachgedacht, dass ihn ein Leben als Zöllner nicht glücklich macht und war so schon innerlich auf die Begegnung mit Jesus vorbereitet. Vielleicht hat er erkannt, dass all das viele Geld nichts nützt, wenn man von seinen eigenen Landsleuten gemieden wird und dass ein prunkvolles Haus zum Gefängnis werden kann, wenn man keine wirklichen Freunde hat, die man dorthin einladen kann. Wir wissen es nicht. Jedenfalls überlegt er nicht lange. Sofort verlässt er seinen Zollstand und folgt Jesus nach. Soll doch ein anderer diese Arbeit machen und Geld einkassieren. Er hat erkannt, worauf es im Leben wirklich ankommt und dass Jesus mehr wert ist als aller Reichtum, den er an seiner Zollstelle hätte anhäufen können. Diesen Jesus kann ihn nun niemand mehr nehmen. Vor allem hat er gelernt, was Gottes Barmherzigkeit bedeutet. Gott umwirbt mit seiner Liebe jeden Menschen und wartet auf die Antwort. Matthäus hat die einzig mögliche Antwort auf den Ruf Gottes gegeben: Nachfolge.

Ist doch nichts besonderes, werden wir vielleicht denken, wenn wir diese Geschichte nach zweitausend Jahren lesen. Er hat ja auch Jesus gesehen. Doch Jesus ist uns heute genau so gegenwärtig wie den Menschen damals. Doch wie schwer fällt es heute den Menschen, auf die Liebe Gottes zu antworten, indem sie Jesus folgen. So vieles scheint attraktiver zu sein, spannender, erfolgversprechender, als sich von einem unsichtbaren Gott lieben zu lassen. Das Irdische scheint so konkret den Menschen glücklich zu machen, auch wenn er immer wieder erfahren muss, dass irdisches Glück meist nicht von langer Dauer ist. Doch viele Menschen werden dadurch nicht klüger. Sie bleiben lieber an ihrer mehr oder weniger einträglichen Stelle sitzen und geben sich mit dem kleinen Glück zufrieden, anstatt nach dem wahren Glück Ausschau zu halten.

Warum lernt der Mensch so schwer? Warum erkennt er nicht, dass es allein Gott ist, der ihn wirklich glücklich machen kann? Warum sucht der Mensch nach jedem Misserfolg doch da wieder sein Glück, wo er es schon vorher nicht finden konnte? Das Leben wird zur Sucht, wenn die Sehnsucht nicht gestillt wird. Es ist wie bei einem Spieler, der immer hofft, doch noch den großen Gewinn zu machen, obwohl er nur immer mehr verliert – aber beim nächsten Mal habe ich Glück ... Warum fällt es den Menschen so schwer zu lernen? Warum ist es so schwer, den Weg zu erkennen, der aus allen Süchten befreit und die Sehnsucht wirklich stillen kann?

Doch nicht nur die Sünder müssen lernen, was die Barmherzigkeit Gottes bedeutet, auch die Gerechten kennen sie oft nicht. Sie müssen lernen, dass Gottes Liebe größer ist, als ihre Gerechtigkeit. Die Liebe Gottes ist ein Geschenk, das Gott allen Menschen geben möchte. Gott glaubt an das Gute im Menschen. Jeder – auch der schlimmste Sünder – kann sich bekehren. Daran zweifeln sie. Einmal Sünder, immer Sünder. Ein Verräter kommt uns nicht mit an den Tisch – die ewige Strafe ist ihm sicher. So will es das Gesetz, das haben wir schließlich von früher Jugend an auswendig gelernt und befolgen es bis auf den letzten Buchstaben – uns kann keiner mehr etwas vormachen, wir wissen Bescheid – wir brauchen nichts mehr lernen.

Lernt! sagt Jesus. Lernt euer ganzes Leben! Auch wenn ihr seit eurer Jugend das Gesetz Gottes kennt – was ja sehr gut ist – seid ihr nicht davon befreit, weiter zu lernen. Gottes Barmherzigkeit ist unbegrenzt. Jeder Mensch ist einmalig und so ist auch der Weg, den Gott mit jedem Menschen geht, einmalig. Es gibt immer Neues, neue Menschen, neue Herausforderungen. Das Alte ist hilfreich, wenn man bereit ist, Neues dazuzulernen. Und: Es besteht eine reale Möglichkeit, dass Menschen sich ändern – umkehren – können.

„Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht.“ So spricht Gott durch den Propheten Hosea. Ein kleiner Anflug von Liebe zu Gott, der bei der ersten Verlockung durch die Welt wieder verfliegt, das nützt nichts. Wer nicht an die Macht der Liebe Gottes glaubt und ihr ungeteilt folgt, ist ein Ungläubiger, egal ob er ein Sünder oder ein Gerechter ist. Die Liebe Gottes hat die Kraft, auch einen Sünder, einen, der seinen Gott und sein Volk verraten hat, wieder als vollgültigen Mitbürger des Reiches Gottes einzusetzen, ja mehr als das. Jesus beruft Matthäus unter die zwölf Apostel und der Heilige Geist schenkt ihm später die Gnade, eines der vier Evangelien zu schreiben.

Die Wege Gottes sind unergründlich. Wir können ihnen nur folgen, wenn wir immer wieder bereit sind, Neues zu lernen, vor allem in Bezug auf Gottes Liebe und Barmherzigkeit, die wir nie ganz begreifen können. Wer dieser Liebe folgen will, muss bereit sein, das aufzugeben, was dieser Liebe entgegensteht. Das kann ein sündiges Leben sein, aber auch das Vertrauen in die eigene Gerechtigkeit. Alle müssen sich von Gott mit seiner Liebe und Barmherzigkeit beschenken lassen, egal ob Sünder oder Gerechter. Das zu lernen, ist für beide schwer. Herr, hilf uns immer wieder dabei, zu lernen, wie groß die Macht Deiner Liebe ist, und hilf uns, Deiner Liebe zu folgen.

Mt 9,36-10,8 – Herzenseigentum

Herzenseigentum – so nennt Gott sein auserwähltes Volk: „Wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein Herzenseigentum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.“ (Ex 19,2-6a)

Herzenseigentum – ein Volk, das Gott in ganz besonderer Weise gehört und für das Gott auch in ganz besonderer Weise sorgt. Das ist Geschenk und Aufgabe zugleich. Gott erwählt sich sein Volk. Es kann selbst nichts zu dieser Erwählung tun. Doch Erwähltsein bedeutet auch, dass das Volk dieser Erwählung gerecht werden muss. Die anderen Völker sollen am Leben des auserwählten Volkes erkennen, dass es einen Gott gibt, der die Welt erschaffen hat und der die Menschen liebt. Wird das Volk in seinem Leben dieser Erwählung nicht gerecht und bricht es den Bund, den Gott mit ihm geschlossen hat, dann trifft es die Strafe Gottes, bis es wieder zu Gott umkehrt. Doch die Erwählung bleibt weiterhin bestehen.

Tatsächlich ist das auserwählte Volk oft seiner Verantwortung nicht gerecht geworden, doch immer hat Gott es durch alle Schwierigkeiten getragen und so seine Barmherzigkeit erwiesen. Schließlich wurde aus diesem erwählten Volk der Retter der Welt, Jesus Christus, geboren.

Durch Jesus Christus wird der Bund Gottes auf alle Menschen ausgeweitet. Alle Menschen sollen zum Herzenseigentum Gottes werden. Nicht mehr nur die gehören zum erwählten Volk, die dem Fleische nach Juden sind, sondern die Erwählten sind nun alle, die in der Taufe auf den Namen des dreifaltigen Gottes zu neuem Leben wiedergeboren sind.

Wie das Volk des alten Bundes auf die zwölf Stammväter, die Söhne Jakobs, zurückgeht, so beruft Jesus Christus die zwölf Apostel als Stammväter des neuen Volkes. Die Kirche ist auf die Apostel gegründet und durch die Bischöfe bleibt die Verbindung zu den Aposteln dauerhaft bestehen.

Um sein auserwähltes Volk, sein Herzenseigentum, aus allen Bewohnern der Erde zu sammeln, braucht Gott Menschen, die sich in seinen Dienst stellen. „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“ Die Arbeiter sind nicht Menschen, die sich aus eigenem Entschluss in den Dienst Gottes stellen, oder von anderen Menschen dazu bestellt werden, Gott selbst ist es, der die Arbeiter für seine Ernte beruft und sendet. Menschen können sich nicht selbst berufen, sondern nur mit ihrem Ja auf den Ruf Gottes antworten. Menschen können nicht selbst Arbeiter in den Weinberg Gottes schicken, sondern sie müssen Gott darum bitten, er allein kann es tun.

Es muss unser größtes Anliegen sein, dass alle Menschen auf der Welt Herzenseigentum Gottes werden. Allein dadurch erfahren die Menschen Trost und Hilfe in ihren Nöten. Es geht darum, allen Menschen auf der Erde die Botschaft zu bringen, dass es einen Gott gibt, der Liebe ist, einen Gott, der das Heil aller Menschen will.

An erster Stelle steht der Auftrag Jesu zur Verkündigung. „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.“ Gott und sein Reich müssen im Mittelpunkt der Verkündigung stehen. Die Kirche ist dazu bestimmt, von Gott Zeugnis zu geben und nicht nur eine Botschaft vom guten Menschen zu verkünden. Wenn aber Gott im Mittelpunkt der Verkündigung steht, dann steht auch der Mensch im Mittelpunkt. Das erkennt man an den Taten, die der Verkündigung folgen: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ Nur, wem es zuerst um Gott geht, der kann auch den Menschen helfen, denn die Menschen können all dies nicht aus eigener Kraft wirken. Gott allein ist es, der die Krankheiten der Menschen heilt, Tote auferweckt, Aussätzige rein macht, Dämonen austreibt. Er tut es aber durch Menschen, die in seinem Namen handeln.

Herzenseigentum – Gott kümmert sich um sein Volk, Gott ist nahe in allen Nöten und Leiden. Gott nimmt sich seines Volkes an. Das ist der Trost, der in diesen Worten liegt. Wie wichtig ist es da, dass Gott Menschen beruft, die in seinem Namen den Menschen diesen Trost bringen, Menschen, denen Gott selbst Vollmacht und Kraft gibt für ihren Dienst.
Bitten wird Gott, dass er uns solche Menschen schenkt.

Mt 10,26-33 – In Gottes Hand

Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Cent? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

Diese Worte Jesu stehen im Zusammenhang der großen Aussendungsrede an die Jünger. Furchtlos sollen sie Jesus Christus in der Welt verkünden. Laut sollen sie es tun, so dass alle Menschen sie hören können. „Verkündet von den Dächern!“ sagt Jesus. Dies wird nicht einfach werden, denn nicht alle Menschen wollen von Jesus Christus hören. In allen Widerständen dürfen die Gläubigen aber auf Gottes Beistand vertrauen. Sie haben sich auf die richtige Seite gestellt, auf die Seite der Sieger, auf die Seite des Siegers über Leben und Tod. Den Gläubigen können zwar auf Erden Hindernisse in den Weg gestellt werden, sie können Bedrängnis und Tod erfahren, doch sie dürfen gewiß sein, dass der Weg in den Himmel für sie ohne Hindernisse frei steht und das ewige Leben ihnen bereitet ist. Sie sind in Gottes Hand geborgen, der sogar die Zahl der Haare jedes einzelnen Menschen kennt. Auf Erden brauchen sie sich daher vor nichts und niemandem zu fürchten und im Himmel ist ihnen ein Ehrenplatz sicher.

Um diese Stelle tiefer verstehen zu können, ist es notwendig, weiter auszuholen, ja, wir müssen bei den ersten Worten der Heiligen Schrift beginnen: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Himmel und Erde stehen für das Gesamt der Schöpfung. Nach christlichem Glauben besteht die Schöpfung aus einem sichtbaren und einem unsichtbaren Teil. Es gibt eine körperliche Welt und eine rein geistige Welt. Mit Himmel ist die für uns Menschen hier auf Erden unsichtbare, geistige Welt gemeint, das Reich der Engel, der himmlischen Heerscharen. Erde meint die gesamte körperliche, uns Menschen sichtbare Welt, die Erde und das Universum. All das hat Gott geschaffen und er hält alles in seiner Hand. Nichts geschieht ohne sein Wissen.

Der Mensch lebt in der körperlichen Welt, hat aber zugleich Anteil an der geistigen. Er hat einen Körper und eine Seele. Die Seele macht den Menschen dazu fähig, Gott zu erkennen. Zu Gott zu gelangen, indem er seinen Willen tut, ist das höchste Ziel des Menschen. Daher muß Gott für den Menschen vor allen anderen Dingen stehen.

Diese Beziehung ist gegenseitig. Auch für Gott steht der Mensch vor allem anderen. Jesus sagt uns im heutigen Evangelium, wie wertvoll wir für Gott sind. Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Ihr seid mehr Wert als viele Spatzen, mehr wert als alles auf der Welt. Dies hat uns Gott konkret darin gezeigt, dass er in Jesus Christus selbst auf diese Erde gekommen und Mensch geworden ist. Auch nach Christi Tod und Auferstehung bleibt Gott unter uns gegenwärtig.

Der Mensch hat nun schon hier auf Erden konkret Anteil am Himmel. Jesus Christus ist gekommen, um das Reich Gottes hier auf Erden aufzubauen. Matthäus schreibt statt Reich Gottes das Reich der Himmel. Der Himmel, jene für das Auge unsichtbare, geistige Welt, ist schon auf Erden gegenwärtig. So sagt auch Jesus: Das Reich Gottes ist mitten unter uns. Durch die Taufe werden die Menschen zu Kindern Gottes und somit zu Mitbürgern dieses Himmelreiches. Die Christen sind also sozusagen mit einem Fuß schon im Himmel, obwohl sie weiterhin hier auf Erden leben.

Nun sollte man meinen, dass alle Menschen danach streben, in dieses Himmelreich zu kommen, denn nur dort findet der Mensch das wahre Glück. Doch viele Menschen wollen lieber in der Sklaverei der Sünde bleiben, als zur Freiheit der Kinder Gottes gelangen. Wir wissen auch, dass es einen gibt, der die Menschen davon abbringen möchte, in das Himmelreich zu kommen. Der Satan stellt den Menschen das niedere Gut für das Erstrebenswerte dar und schafft er es zu allen Zeiten, Menschen auf seine Seite zu ziehen. Somit haben die Bürger des Himmelreiches immer mit Widerstand und Anfechtungen zu kämpfen.

Jesus weiß, dass christliches Leben hier auf Erden vielen Gefahren ausgesetzt ist. Die Gefahren lauern im Innern eines jeden Menschen und sie kommen von Außen. Jeder Mensch hat in seinem Innern mit seinen Schwächen zu kämpfen, mit seiner Bequemlichkeit, mit schlechten Gedanken, durch die der Versucher immer wieder die Gläubigen vom guten Weg abbringen möchte. Auch von Außen kommt Widerstand. Menschen verführen einander durch schlechtes Beispiel, aber auch durch offene Gewalt. Dies kann durch Worte geschehen, wie wir es oft auch bei uns erleben, wenn das Christentum bewußt in ein schlechtes Licht gerückt wird oder gar heilige Namen und Dinge öffentlich gelästert werden. An manchen Orten der Erde erleben wir es auch heute, dass Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt werden und körperlicher Gewalt ausgesetzt sind, ja ihres Glaubens an Jesus Christus wegen getötet werden.

All das weiß Jesus. Er hat den Haß der Menschen ja an seinem eigenen Leib erfahren. Jesus will uns Mut machen, und uns zeigen, dass wir uns vor all dem nicht zu fürchten brauchen. Gott hat alles unter Kontrolle und beschützt die Bewohner seines Reiches auf ganz besondere Weise. Zwar kann er nicht gegen die Freiheit des Menschen handeln, weil er selbst das so festgesetzt hat. Daher kann er die Gewalt gegen die Gläubigen nicht verhindern. Aber er hat die Macht, seine Treuen aus allen Gefahren zu retten. Gott sieht alles, was geschieht. Er ist in jeder Situation nahe.

Das ist der Trost, den uns dieses Evangelium gibt. Jeder Mensch ist wertvoll vor Gott. Jeder Mensch bedeutet Gott etwas und Gott hält jeden Menschen in seiner Hand geborgen. Wenn wir uns in unserem Leben auch oft fragen: Wo ist Gott? So dürfen wir dennoch nie verzweifeln. Gott ist immer nahe, auch wenn wir uns manchmal von ihm verlassen fühlen. Guter Gott, lass uns zu jeder Zeit deine helfende Nähe und Gegenwart erfahren!

Mt 10,37-42 - Bereitschaft zur Liebe

Das Evangelium dieses Sonntags ist sehr inhaltsreich. Zunächst geht es einmal um den Ernst der Nachfolge. Wer Vater, Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt als Christus ist seiner nicht würdig. Was kann mit diesem Wort gemeint sein? Will Jesus die Auflösung aller familiären Bande? Sicher nicht, denn an anderer Stelle kritisiert er das scheinheilige Verhalten, den für die Eltern bestimmten Lebensunterhalt dem Tempel zu opfern (vgl. Mk 7,9-13). Die Familie ist wichtig, Christus aber muß wichtiger sein.

Es ist hier genauso wie beim dreifachen Liebesgebot: „Als der Herr gefragt wurde, welches das erste und größte Gebot im Gesetze sei, erwiderte er: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüte und aus allen deinen Kräften.“ „Das“, fügte er hinzu, „ist das erste und größte Gebot.“ Und dann der merkwürdige Satz: „Das andere aber ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.“ Wirklich merkwürdig! Wenn das zuerst genannte Gebot „das erste und größte ist“ – wie kann dann ein zweites „ihm gleich“ sein? Was bedeutet das? Offenbar, daß die beiden Gebote, „Gott zu lieben mit allen Kräften“, und „den Nächsten, wie sich selbst“, die zunächst verschiedenen Inhalt zu haben scheinen, in Wahrheit eines sind. Nicht das Gleiche, aber eine Einheit. Gott lieben kann ich nur, wenn ich bereit bin, auch wirklich zu sein, was ich von Ihm her bin. Er hat mich aber geschaffen und gewollt als Einen, der in der Gemeinsamkeit steht. Seine Liebe meint mich in meinem Eigensten, aber stehend unter den anderen Menschen. So ist die Liebe, die er von mir fordert, ein Geheimnis der Einheit zwischen Ihm und mir, aber eben darin auch zwischen mir und den Anderen, zwischen Ihm und Allen. die Liebe ist ein Strom, der von Ihm kommt; zu mir, aber durch mich hindurch weiter zu allen Anderen. Es ist wie der Kreislauf des Blutes, der aus dem gleichen Herzen kommt, aber durch viele Glieder geht.“ (aus: Romano Guardini, Das Gebet des Herrn)

Wir sollen nicht uns selber finden und uns in unserem Beziehungsgeflecht einigeln, sondern wir sollen immer Raum für Christus schaffen. Er ist es, durch den menschliche Beziehungen erst gelingen können. Jeder Mensch hat seine Berufung von Gott. Wir müssen uns immer wieder öffnen für Gott und danach fragen, was er von uns will. Das ist das Kreuz, das jeder zu tragen hat. Doch schrecken wir davor nicht zurück. Jesus sagt selbst: „Ich werde euch Ruhe verschaffen ... mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.“ (Mt 11,28-30) Der zweite Teil des Evangeliums betrachtet das eben gesagte aus einer anderen Perspektive. Wenn einer Jesu JüngerIn ist und durch ihn oder sie die Liebe Christi zu den Menschen strömt, dann kommt durch einen solchen Menschen gleichsam Christus selbst zu uns. Daher das ungeheuerliche Wort Jesu zu seinen Jüngern: Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf und damit auch den Vater, der mich gesandt hat. Ja selbst, wer einem der Jünger Jesu nur einen kleinen Dienst erweist, indem er ihm beispielsweise einen Becher frischen Wassers gibt – jetzt in der heißen Sommerzeit können wir erahnen, daß auch dies eine große Wohltat sein kann – wird nicht um seinen Lohn kommen.

Auch in der Lesung aus dem Alten Testament hören wir ein Beispiel für den Lohn der Gastfreundschaft. Es wäre schön, wenn Sie sich die Zeit nehmen könnten, diesen Text in seiner ganzen Länge zu Hause nochmals nachzulesen (2Kön 4,8-37). Auch die Titelseite dieses Pfarrblättchens zeigt diese Begebenheit. Eine vornehme Frau aus der Stadt Schunem beherbergt den Propheten Elischa jedesmal, wenn er in diese Stadt kommt. Ihr größtes Leid ist es, daß sie keinen Sohn hat. Ihr Mann ist schon alt und es wäre eine Schande, wenn sie keinen männlichen Stammhalter in der Familie hätten. Doch Elischa betet für sie und tatsächlich wird der Familie ein Sohn geschenkt. Doch damit ist dieser Text noch nicht zu Ende. Das Kind wird krank und liegt im Sterben. Doch auch hier hilft das Gebet des Elischa. Der schon totgeglaubte Sohn lebt wieder.

Mt 11,25-30, 14. Sonntag im Jahreskreis A

„Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil Du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unwissenden aber offenbart hast.“

Das heutige Evangelium erinnert mich an einige Punkte in der Geschichte der Theologie. Da ist zunächst die große Wende im 12. Jahrhundert, als die „kniende“ zu einer „sitzenden“ Theologie wurde. Hatten bisher das Lehrmonopol die Mönche inne, die Theologie als Meditation der Heiligen Schrift und ihrer Auslegung durch die Kirchenlehrer betrieben, so treten ab dem 12. Jahrhundert mehr und mehr die Universitäten in den Vordergrund. Die Theologie wird zu einem System von Lehrsäten und an die Stelle der Meditation tritt die Disputation.

Auch mit dem II. Vatikanum gab es einen deutlichen Umbruch. Versuchten die großen Theologen der Zeit vor dem Konzil noch, Altes mit Neuem zu vereinen, hat man nach dem Konzil viel Altes über Bord geworfen. Viele meinten, den Glauben mit rein innerweltlichen Wissenschaften begründen zu können. Freilich können diese Wissenschaften im Rahmen ihrer Möglichkeiten der Theologie einen guten Dienst erweisen, letzlich übersteigt der Glaube aber die Möglichkeiten unserer Vernunft. Wir können uns dem Geheimnis Gottes nur annähern und müssen uns bewußt sein, daß Er stets größer ist als alles, was wir mit unserem Denken und unserer Erkenntnis erfassen können. Gott selbst ist es, der sich uns offenbart und sich zu erkennen gibt, wo unser Verstand an eine Grenze kommt. Das ist sein Geschenk und er gibt es den Kleinen, den Unwissenden. Auch große Denker können zu diesen Kleinen zählen, wenn sie in Demut erkennen, daß all ihre Worte nur Stückwerk sind. Und nur der kann wahrhaft Theologie betreiben, der Jesus nachfolgt.

Wir alle sind dazu aufgerufen, uns an das leichte Joch Jesu spannen zu lassen. Das Joch ermöglicht es dem Ochsen, seine Kraft für eine sinnvolle Arbeit in der Landwirtschaft umzusetzen. Unter dem Joch Christi können wir unsere Kraft für den Dienst am Herrn umsetzen, jeder dort wo Er ihn hingestellt hat. Wenn wir dieses Joch auf uns nehmen, kann unser Leben gelingen. Das Joch der Welt scheint uns oft zu erdrücken. Aber Jesus wird uns einst nicht fragen, welchen irdischen Ruhm wir erworben haben, wie hoch unser Bankkonto war oder was für große Intellektuelle wir gewesen sind, sondern er wird fragen: wieviel hast du geliebt.

Mt 13,1-23 - „... und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.“ 

Jesus verkündet den Menschen das Reich Gottes. Er ist der Sämann, der den Samen des Wortes Gottes aussät. Wir alle sind in den Dienst der Verkündigung gerufen, um diese Botschaft Jesu weiterzugeben. Wir wissen nicht, wo der Samen überall hinfällt. Wenn der Sämann das vorher wüßte, würde er den Samen ja nur auf den guten Boden werfen, von dem er für das wertvolle Saatgut auch reichen Ertrag erwarten kann. Alles andere wäre doch nur Verschwendung. „Der begreift das eh nicht, dem braucht man erst garnicht anfangen, was zu erklären,“ haben wir sicher schon einmal gedacht. Jesus denkt anders. Er nimmt das Risiko in Kauf, daß nicht jeder Samen auf guten Boden fällt und gibt jedem die gleiche Chance sein Wort zu hören. Daher dürfen wir uns auch nicht nur an die wenden, von denen wir meinen, daß sie gut genug sind, uns zuzuhören. Wir wissen vorher nie, was das Wort Gottes in dem anderen bewirkt. Erst mit der Zeit wird sich zeigen, welche Frucht es bringt.

So spricht Gott beim Propheten Jesaja: „Das Wort, das meinen Mund verläßt, kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.“ (Jes 55,11) Geben wir dem Wort Gottes Raum, um zu wirken. Jesus fordert uns auf, Frucht zu bringen. „Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes.“ (Röm 8,19) Die Gläubigen sind die Hoffnung für diese Welt. Wenn wir Frucht bringen, kann das Reich Gottes hier auf Erden wachsen. Unsere Frucht muß sich auch in unserem Leben zeigen. „Seht wie sie leben!“ Das ist das Zeugnis, an dem die Welt die Christen erkennt. Ein überzeugendes Leben ist das, was die Menschen für Christus begeistern kann und nur so können wir in unserer Gesellschaft die Kirche wieder lebendig werden lassen. Darauf wartet die Schöpfung – auch heute.

Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens,
daß ich liebe, wo man haßt;
daß ich verzeihe, wo man beleidigt;
daß ich verbinde, wo Streit ist;
daß ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
daß ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
daß ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
daß ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
daß ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, laß mich trachten,
nicht daß ich getröstet werde, sondern daß ich tröste;
nicht daß ich verstanden werde, sondern daß ich verstehe;
nicht, daß ich geliebt werde, sondern daß ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergißt, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Mt 13,24-43 - Vom Unkraut unter dem Weizen

„Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“

Beschenkenlassen von Gott. Oft wollen wir lieber alles selbst in die Hand nehmen und die großen Macher sein. Es braucht ohne Frage Menschen, die Verantwortung übernehmen. Wir sollen nicht die Hände in den Schoß legen, sondern unser Einsatz ist gefragt. Und doch müssen wir uns immer bewußt sein: Wir können nicht alles machen. An diesem Sonntag hören wir das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen. 

Herr, du hast doch guten Weizen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?“ So fragen die Knechte und wer von uns hat diese Frage nicht auch schon an Gott gestellt. Du hast doch eine gute Schöpfung gemacht, warum gibt es dann darin soviel Böses? Ja selbst im neuen Volk Gottes, der Kirche, gibt es viele, die trotzdem weiter Böses tun. Und wenn ich auf mich selbst blicke: trotz aller Bemühungen und aller guten Vorsätze falle ich doch immer wieder in Schuld und Sünde. „Sollen wir gehen und es ausreißen?“ Es gibt sicher einen gerechtfertigten heiligen Eifer, der die Kinder Gottes gegen das Böse verteidigen will, aber er darf nicht zu der Utopie werden, daß wir mit unserer Kraft Gottes Gerechtigkeit auf dieser Welt durchsetzen könnten. „Laßt beides wachsen bis zur Ernte“antwortet der Herr den Knechten. Fanatischer Eifer reißt mit den Bösen auch viele gute Menschen aus, weil unser Urteilsvermögen einfach begrenzt ist. Gott allein kommt es zu, zu richten, er allein besitzt unumschränkte Macht. Gerade aber weil Gott über allem steht und er allein Gott ist muß er seine Macht nicht immer wieder neu beweisen, denn es gibt niemand, der sie ihm ernsthaft streitig machen könnte. Das wird in der Lesung aus dem Buch der Weisheit deutlich.

„Deine Stärke ist die Grundlage Deiner Gerechtigkeit. Weil Du über Stärke verfügst, richtest Du in Milde und behandelst uns mit großer Nachsicht; denn die Macht steht Dir zur Verfügung, wann immer Du willst.“ Gott hat es nicht nötig, wie ein Tyrann, der immer um seine Herrschaft fürchten muß, alle sofort zu vernichten, die nur den Anschein erwecken, etwas gegen ihn zu haben. Er kann es sich erlauben, Nachsicht zu üben, weil ihm letzlich keiner schaden kann. Milde ist ein Ausdruck von Stärke, nicht von Schwäche, Gewalt und Fanatismus aber versuchen letztendlich nur, die eigene Schwäche zu verbergen. Jeder von uns hat seine Schwächen, aber auch seine Stärken. Es gilt, die eigen Stärken für das Reich Gottes einzusetzen, zugleich aber an der eigenen Schwachheit nicht zu verzweifeln. Denn sie führt uns immer wieder vor Augen, daß nicht wir es sind, auf die es ankommt, sondern Gott. Unser Tun ist nur dann wirklich sinnvoll, wenn Gott es ist, der durch uns wirkt. Und dies kann oft schwieriger sein, als eigenes Machen-Wollen. Denn wenn Gott durch uns wirken soll, müssen wir uns auf ihn einlassen, auf sein Wort hören. Und das können wir nur, wenn wir uns jeden Tag für Gott Zeit nehmen, wenn wir vor ihm zur Ruhe kommen. Und auch das ist letzlich ein Geschenk von ihm.

Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“
Gott will uns mit seiner Kraft beschenken. Dann werden wir erfahren, wie das Reich Gottes aus kleinen Anfängen, klein wie ein Senfkorn, aus der Schwäche von kleinen Menschen wie du und ich, wachsen kann über die ganze Erde. „Dann werden die Gerechten im Haus ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!“

Wie wird es sein, wenn wir einmal von Gott treten werden? Kein Mensch weiß das zu sagen. Wenn wir einmal vor Gott stehen werden, der die unendliche Liebe ist, wird sich zeigen, wer dem Blick dieser Liebe standhalten kann. Für den Menschen, der in seinem Leben die Liebe verachtet hat, wird dieser Blick wie verzehrendes Feuer sein. Wenn ein Mensch in seinem Leben wenigstes ein kleines Stück Liebe in seinem Herzen getragen hat, so wird der Blick der Liebe Gottes dieses kleine Stückchen Liebe in hellen Glanz versetzen. So wird der Mensch leuchten in Ewigkeit im Licht der unendlichen Liebe Gottes in unsagbarem Glück.

Mt 13,44-52 Vom Schatz und von der Perle

Im heutigen Evangelium (Mt 13,42-44) erzählt Jesus von zwei Männern. Der eine findet einen Schatz in einem Acker und verkauft alles, um den Acker zu kaufen und so der rechtmässige Besitzer des Schatzes zu sein. Der andere ist Kaufmann und gibt alles, was er hat, um die kostbarste Perle zu kaufen, die er je gesehen hat.

Beide stehen vor einem unabänderlichen Entweder-Oder. Entweder sie geben alles, was sie haben, um das Kostbarste zu besitzen, das ihnen wohl jemals in ihrem Leben begegnen wird, oder sie lassen alles beim alten und vertun die Chance ihres Lebens. Wenn es so eindeutig ist wie im Gleichnis, wofür man alles aufzugeben hat, scheint das recht einfach zu sein.

Wie aber ist es damit, wenn wir für Gott alles aufgeben sollen, was wir haben? Ist uns Gott wirklich so wertvoll? Was werden wir bekommen? Jesus sagt uns, dass uns Gott nicht mit leeren Händen stehen lassen wird, sondern das auf uns etwas wartet, das so kostbar ist, das es alle unsere bisherigen Vorstellungen übersteigt. Ist unser Vertrauen in Gott so groß, dass wir uns darauf einlassen?

Mt 14,13-21 - Gebt ihr ihnen zu essen!

Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren. Er sagte zu den Jüngern: Gebt ihr ihnen zu essen! Die Jünger antworteten: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Jesus sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt.

Gott ist ein menschenfreundlicher Gott. Er hat Mitleid mit den Menschen. Davon kündet schon der Prophet Jesaja in der ersten Lesung des heutigen Sonntags (Jes 55,1-3). Gott ruft seinem Volk zu: „Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Kauft Getreide, und eßt, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!“ Ganz umsonst gibt uns Gott, was wir zum Leben brauchen. Er ist nicht wie die Götter der anderen Völker, die von den Menschen mühselige Opfer fordern, die sich der Legende nach die Menschen erschaffen haben, damit sie für sie sorgen und ihnen Nahrung geben. Nein, Gott braucht nicht den Dienst der Menschen, um zu überleben. Er ist in sich vollkommen. Aus reiner Liebe hat er den Menschen geschaffen, nicht damit er von den Menschen etwas bekommt, sondern damit er selbst den Menschen beschenken kann. Das einzige, was Gott vom Menschen erwartet ist, dass er seinen Geboten folgt, Geboten, die den Menschen nicht fesseln wollen, sondern ihm im Gegenteil ein Leben in wahrer Freiheit ermöglichen.

Doch schon immer macht sich der Mensch lieber zum Sklaven, weil er nach einer falschen Freiheit sucht, einer vermeintlichen Freiheit, die ihn in immer größere Abhängigkeiten verstrickt. Anstatt umsonst von Gott das Lebensnotwendige anzunehmen, kauft er nutzlosen Tand zu einem teuren Preis, vielleicht sogar zum Preis seines eigenen Lebens. So bringt die Gier des Menschen ihm nicht ein mehr an Leben, sondern den Tod. So sehr hat sich der Mensch in den Tod verstrickt, dass er sich selbst nicht mehr aus der Macht des Todes befreien konnte. Da hat Gott seinen Sohn gesandt, damit der Mensch wieder frei sein konnte.

In Jesus Christus wird die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes deutlich sichtbar. Jesus selbst zeigt uns, wie Gott zu den Menschen ist. Jesus hat Mitleid mit den Menschen und heilt alle von ihren Krankheiten und Leiden. Wer sich ihm anschließt, der lebt wieder neu in der Freiheit der Kinder Gottes. Als Kinder Gottes sind wir gerufen, nun selbst durch unser Leben diese Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes in der Welt sichtbar werden zu lassen.

„Gebt ihr ihnen zu essen!“ So sagt Jesus zu seinen Jüngern, als sie ihm davon berichten, dass sie die Menschenmenge, die lange der Predigt Jesu gelauscht hat, nicht hungrig nach Hause schicken können. Was sollen sie ihnen zu essen geben? Damals die Jünger Jesu und auch wir heute sind erstaunt über die Worte Jesu. Wir haben doch so wenig. Nur fünf Brote und zwei Fische. Wie sollen damit fünftausend Männer und Frauen und Kinder satt werden?

Ich kann doch nicht allen Menschen helfen. Ich habe doch nicht die Zeit und die Kraft, für alle da zu sein. So viele Menschen sind heute krank, einsam. Es gibt viele, die niemanden haben, der ihnen zuhört, der sie tröstet. Es gibt so viele arme Menschen. Hunger und Krankheit quälen unzählige in den Ländern der Dritten Welt. Auch in unserem Land gibt es viel Elend, materieller und seelischer Art. Wo soll ich anfangen zu helfen? Oder soll ich es gleich bleiben lassen, wenn ich mit meinen geringen Mitteln doch kaum helfen kann?

„Gebt ihr ihnen zu essen!“ Obwohl es aussichtslos erscheint, auch nur einen kleinen Bruchteil der großen Menschenmenge satt zu machen, fangen die Jünger auf Jesu Geheiß an, das wenige, dass sie haben, unter die Menschen auszuteilen. Doch vorher geschieht noch etwas Entscheidendes. Jesus spricht den Lobpreis über die armseligen Gaben. Er sagt dem Vater Dank für das, was die Jünger haben. Dann wird ausgeteilt. Und plötzlich ist so viel da, dass alle satt werden und dass sogar noch vieles übrig bleibt.

Das soll auch uns Mut machen, dass wir mit dem wenigen, das wir haben, dennoch mehr helfen können, als wir es uns erträumen können. Sagen wir Gott zunächst einmal Dank für das, was wir schon von ihm bekommen haben, und wenn es uns noch so jämmerlich erscheint. Und dann versuchen wir, die nächste Gelegenheit, die sich bietet, zu nutzen, um davon zu schenken. Ein freundliches Wort, ein Lächeln, eine kleine Spende, ein Besuch ... Wenn wir es in Gottes Namen tun, werden wir merken, dass wir dadurch nichts verlieren, im Gegenteil. Am Ende werden wir entdecken, dass wir sogar noch reichen Gewinn gemacht haben.

Herr Jesus, was ich habe ist doch so wenig. Es reicht nicht aus, um allen Menschen zu helfen, um alle Menschen zu trösten, um alle satt zu machen. Herr, dennoch danke ich dir für das wenige, das Du mir geschenkt hast. Hilf mir anzufangen, dieses wenige unter die Menschen zu verteilen. Mehre Du das, was ich gebe, damit aus Deiner Fülle alle Menschen gesättigt werden und das Heil erfahren, das Du uns verheißen hast.

Mt 14,22-33 - Herr, wenn Du es bist ...

Das Evangelium des heutigen Sonntags (Mt 14,22-33) ist sehr anschaulich und spannend. Es knüpft zunächst direkt an das des vergangenen Sonntags an. Jesus hat die Menschenmenge gespeist und will nun noch die Menschen verabschieden. Er wird ihnen ein gutes Wort auf den Weg mitgeben und vor allem seinen Segen. Die Jünger sollen währenddessen schon einmal vorausfahren an das andere Ufer.

Als Jesus dann allein ist, geht er auf den Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Er braucht das vertraute Gespräch mit seinem Vater im Himmel. Deshalb wohl hat er die Jünger schon mal fortgeschickt, denn noch können sie nicht den Sinn dieses Gebetes verstehen. Erst später, wenn der Heilige Geist auf sie herabkommt, wird er sie in das vertraute Gebet des Sohnes an den Vater mit hineinnehmen.

Jesus ist in der Stille des Gebetes, doch die Jünger werden vom Wind auf dem See hin und her geworfen. Es ist uns Menschen nicht vergönnt, in der Ruhe des Gebets zu verharren. Immer wieder müssen wir uns im Trubel dieser Welt abmühen. Wir müssen uns den Aufgaben stellen, die das Leben in der Welt an uns herandrängt und das heißt auch, vielen Widrigkeiten standzuhalten.

Doch mitten in der Welt ist Jesus bei uns. Doch es wird uns oft so gehen, wie den Jüngern in dieser Stunde. Wie sie Jesus nicht erkannten, so erkennen auch wir ihn oft nicht. Ja die Jünger schrien sogar vor Angst, weil sie meinten, auf dem Wasser ein Gespenst zu sehen. Das ist ja auch gar nicht verwunderlich. Wie konnten sie damit rechnen, dass Jesus über das Wasser zu ihnen kommt. Wie mag das ausgesehen haben, eine Gestalt auf dem See, mitten in der Finsternis der Nacht.

Doch es ist Jesus. Er sagt ihnen: „Habt Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht.“ Aber das genügt den Jüngern nicht. Wie erst sollen wir Jesus erkennen, wenn ihn selbst die Jünger, die ihn leibhaft vor sich sehen, nicht erkennen? Petrus macht die Probe. „Herr, wenn du es bist, dann befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ Und Jesus sagt: „Komm!“ Doch schon bald verliert Petrus das Vertrauen in seinen Übermut. Wind, Wasser, Wellen, all das lässt ihn wanken und er geht unter. Doch nun erkennt er, dass es wirklich Jesus ist: Sofort streckt Jesus seine Hand aus, um ihn zu retten.

So können auch wir erkennen, auf wen wir unser Vertrauen setzen. Wir erkennen Jesus daran, dass er uns in keiner Situation untergehen lässt. Mögen uns auch noch so heftige Stürme beuteln und scheint die Not noch so groß zu sein und meinen wir darin zu versinken, Jesus wird uns seine Hand reichen, um uns zu retten.

Dann ist es an uns, die Größe des Herrn anzuerkennen und ihn anzubeten, so wie es Petrus getan hat: „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.“

Herr, wenn du es bist ...
Herr, hilf mir glauben, laß mich dir ganz vertrauen,
auch wenn es noch so stürmt, wenn ich noch so tief zu sinken scheine,
Herr, du bist bei mir, du nimmst mich an der Hand,
Herr, ich weiß, du rettest mich.
Denn du allein bist Gottes Sohn, Jesus Christus, der Retter der Welt.

Mt 15,21-28 – Alle? – Alle!

Das Evangelium des heutigen Tages ist für mich schon immer befremdlich. Es schildert die Begegnung Jesu mit einer heidnischen Frau, genau gesagt einer Kanaanäerin. Sie bittet Jesus um die Heilung ihrer Tochter, doch Jesus weist sie ab. „Nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel bin ich gesandt.“ Doch als sie ihn inständig und demütig anfleht „Herr, hilf mir!“ läßt sich Jesus doch dazu überreden, ihre Tochter zu heilen.

Zwei Aspekte möchte ich in diesem Evangelium beleuchten, der eine ist das Verhältnis Jesu zu den Heiden und der andere ist, wie Gott sich doch immer wieder umstimmen läßt, wenn es um das Heil des Menschen geht.

Das Volk Israel lebte inmitten einer heidnischen Umwelt. Durch die Befolgung der Gebote Gottes, die es beim Bundesschluß am Sinai erhalten hat, unterscheidet es sich von allen anderen Völkern. Israel war sich seines Erwähltseins bewußt. Nur Israel verehrte den wahren und einzigen Gott, gegenüber dem die Götter der anderen Völker nichts waren. Es war nicht so wie bei anderen Völkern, die zwar fremde Götter gelten ließen, deren eigene Götter sich aber durch ihren Sieg als überlegen und mächtiger auswiesen, nein, die anderen Götter waren für Israel nicht nur schwach, sondern es gab sie überhaupt nicht.

Immer wieder hat Israel darum gekämpft, die Vermischung mit dem Götzendienst der anderen Völker zu bekämpfen, doch die fremden Kulte mit ihren oft berauschenden Riten übten zu allen Zeiten ihre Anziehungskraft auf die Bewohner Israels aus. Die Fremdvölker stellten also nicht nur eine politische, sondern auch eine religiöse Gefahr dar. In Israel war man daher immer bemüht, deren Einfluß zurückzudrängen.

Israel selbst war nicht missionarisch. Der Glaube Israels wurde durch Geburt und nicht durch Bekehrung weitergegeben. Nur in begrenztem Maße war es Nichtjuden möglich, Juden zu werden. Dennoch klingt bei den Propheten immer wieder an, dass der Glaube Israels eine Bedeutung hat, die über das Volk Israel hinausgeht. Irgendwann einmal werden alle Völker zum Tempel des Gottes Israels pilgern und nach den Geboten des Gottes Israels leben. „Mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt.“ So heißt es beim Propheten Jesaja (56,7). Die anderen Völker sollten durch Israel das Heil erlangen. Wenn jeder Israelit sich ganz an die Gebote Gottes hält und vor allem auch den Sabbat genau beachtet, dann wird der Messias kommen und sein Friedensreich von Israel aus über die ganze Erde errichten.

Jesus ist dieser Messias. Wenn Israel sich durch ihn zu Gott bekehrt, wird dies das Heil der ganzen Welt bedeuten. Daher will Jesus zuerst Israel den Weg des Glaubens zeigen, damit das erwählte Volk seiner Erwählung gemäß lebt. Doch Israel erkennt den Messias nicht. Da Israel den Messias verwirft, geht Gott einen anderen Weg. Alle Menschen sollen nun von dem einen, einzigen und wahren Gott erfahren, sich bekehren und so das Heil erlangen.

Nun können wir verstehen, warum Jesus sich zunächst so abweisend der Frau gegenüber verhält. Doch obwohl Jesus es grundsätzlich ablehnt, Wunder und Heilungen auch an Heiden zu wirken, macht er doch Ausnahmen. Jesus kann die Bitte der heidnischen Frau, die ihn so innig anfleht, nicht zurückweisen. Für Gott gibt es nämlich einen höheren Grundsatz, der da lautet, dass alle Menschen das Heil erlangen sollen. "Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen."

So wie Jesus die heidnische Frau erhört, so wird er auch jeden von uns erhören, der ihn inständig bittet. In diesem Vertrauen dürfen wir uns immer an Jesus wenden. Gott will, dass alle Menschen gerettet werden, Gott will unser Heil. Aber er kann uns das Heil nicht ohne unseren Willen schenken. Bitten wir Gott inständig darum.

Mt 16,13-20, Die Kirche lieben

In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage die: Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den Jüngern, niemand zu sagen, dass er der Messias sei.

Wie ist das mit Jesus? Wie ist das mit der Kirche? Brauche ich die Kirche, um Jesus zu finden? Kann sich nicht jeder sein eigenes Bild von Jesus machen, jeder kann doch die Bibel lesen ...

Für wen halten die Leute den Menschensohn? Diese Frage hat bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Die Menschen damals haben Jesus mit einem der Propheten in Zusammenhang gebracht. Heute halten manche Jesus einfach für einen besonders guten Menschen, für einen besonders weisen Menschen, einen Religionsgründer, wie es sie auch in anderen Religionen gibt, wie zum Beispiel Buddha oder Mohamed. Oder Jesus wird zum Sozialreformer, zum Kämpfer für die Armen. Man könnte die Liste wohl unbegrenzt erweitern.

Jesus fragt seine Jünger: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Und Petrus antwortet: Du bist der Sohn Gottes. Jesus ist Gott und Gottes Sohn. Alle anderen Antworten, die in Jesus nur einen besonderen Menschen sehen, greifen zu kurz. Wer Jesus das Gottsein abspricht, wird ihm nicht gerecht. Was es aber bedeutet, dass Jesus Gott ist und Gottes Sohn, der auf Erden Mensch geworden ist, das ist ein Geheimnis, über das die Menschen zu allen Zeiten nachgedacht und auch gestritten haben.

Wenn man also eh nicht so genau weiß, was es mit diesem Jesus auf sich hat, der vor 2000 Jahren hier auf Erden gelebt haben soll, kann man dann nicht doch jedem sein eigenes Jesusbild machen lassen? Im heutigen Evangelium meine ich zu lesen, dass Jesus selbst es anders gewollt hat. Petrus hat im Namen aller Apostel das Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn Gottes abgelegt. Jesus antwortet ihm darauf: Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.

Die Offenbarung Gottes wird also nicht von jedem Menschen eigenmächtig ausgelegt, sondern Gott selbst bestellt Menschen, die in seinem Namen das sagen, was Gott gesagt haben will. So ist es Petrus, der im Namen aller und im Auftrag Gottes Zeugnis für Jesus ablegt. Und dann bringt Jesus noch die Kirche ins Spiel. Auf Petrus als den verlässlichen, von Gott eingesetzten Zeugen, baut Christus seine Kirche auf, die durch nichts erschüttert werden kann. So ist die Kirche der Garant für die wahrheitsgemäße Vermittlung der Offenbarung Gottes. Gott beruft in dieser seiner Kirche immer wieder Menschen, die in seinem Namen von der Wahrheit Zeugnis geben.

Da kann man wieder einwenden, dass die Kirche doch aus vielen fehlerhaften Menschen besteht und dass durch die Kirche auch schon so viel Unrecht geschehen ist. Ohne Zweifel, die Kirche besteht aus Menschen mit ihren Fehlern. Aber doch ist die Kirche mehr als die Menschen in ihr. Die Kirche ist die Braut Christi, die er sich angetraut hat. Daher liebt Christus die Kirche und führt sie durch alle Schwierigkeiten hindurch. Er beruft immer wieder Menschen, die die Fehler anderer wieder gut machen, so weit das eben möglich ist. Daher ist die Kirche als ganze heilig und kann auf Dauer nicht irren.

Jesus liebt seine Kirche. Er will, dass auch wir die Kirche lieben, dass wir zu ihr halten, trotz aller Fehler, die wir in ihr sehen. Jesus will, dass wir in Einheit stehen mit dem Nachfolger des Apostels Petrus, dem Papst in Rom. Wenn wir in Liebe mit der Kirche verbunden sind und auf sie hören, dann erfahren wir auch die Wahrheit darüber, wer Jesus Christus ist.

Mt 16,21-27 – Von Gott verführt

„Du, Herr, hast mich verführt und ich habe mich verführen lassen.“ Dieser Satz aus dem Propheten Jeremia (20,7 - siehe Bild) soll das Leitthema dieses Sonntags sein. Der Prophet Jeremia spricht diesen Satz, als er sich in der größten Not von allen Menschen verlassen fühlt und wegen seines Dienstes für Gott von den Menschen geschmäht wird. Was hat er mit dem heutigen Evangelium (Mt 16,21-27) zu tun?

Drei wichtige Dinge geschehen im heutigen Evangelium. Zunächst kündigt Jesus an, dass er nach Jerusalem gehen müsse, um dort zu leiden und zu sterben. Dem stellt sich sogleich Petrus entgegen und sagt: „Das soll Gott verhüten!“ Doch Jesus weist ihn, den er noch kurze Zeit vorher „in den Himmel gelobt“ hat, mit harten Worten zurecht: „Satan, geh mir aus den Augen!“ Dann richtet sich Jesus an alle Jünger und auch an uns:

„Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“

Diese Worte Jesu sind eindeutig und radikal. Wer Jesus nachfolgen will, muß bis zum äußersten bereit sein. Er riskiert dabei sogar sein Leben. Doch Jesus verlangt nicht mehr als das, was er selbst gelebt hat. Sein Weg auf Erden hat ihn ans Kreuz geführt.

Sicher denken wir auch wie Petrus: Das soll Gott verhüten. Das ist ja geradezu brutal, unmenschlich. Das kann Gott doch nicht verlangen. Wie Petrus damals, so sind auch wir oft noch nicht bereit für das, was Jesus von uns will. Wir hängen an dieser Welt, denken noch zu sehr in den Kategorien dieser Welt. Langes Leben, Gesundheit, Wohlergehen, das ist uns wichtig. Es kann doch auch so schön sein auf dieser Welt.

Doch alles Irdische ist vergänglich. Die schönsten Momente dauern nicht ewig. Man kann nichts festhalten auf dieser Welt. Was wirklich zählt ist zu leben, zu leben wie Gott es will. Doch was bedeutet dies? Es bedeutet nicht, dass jeder Christ wie ein Bettler leben soll. Auch der Christ muss sich in dieser Welt betätigen, ja er soll seine Fähigkeiten einsetzen, um am Aufbau der Gesellschaft mitzuwirken. Das steht außer Frage. Doch Gott will, dass diese Welt nicht das letzte Ziel für uns bleibt. Worauf es wirklich ankommt, ist bereit zu sein für das Reich Gottes. Das ist der Maßstab, nach dem unser Handeln gemessen wird.

Was aber befähigt den Menschen zu der Bereitschaft, Jesus nachzufolgen, für das Reich Gottes zu arbeiten und dann sogar, wenn es nötig ist, alles für Christus herzugeben? Es ist nichts anderes als das, was Jesus dazu bereit gemacht hat, für uns Menschen zu sterben: die Liebe.

Gott will uns verführen. Er will uns das ewige Leben „schmackhaft“ machen. Die Nachfolge Christi ist keine fade Angelegenheit, keine Sache für Menschen, die es sonst im Leben zu nichts gebracht haben. Die Nachfolge Christi ist eine Herausforderung, ein Liebesspiel der ganz besonderen Art für Menschen, die das Leben suchen. Gott will den Menschen für sich gewinnen. Der Mensch soll erkennen, dass er bei Gott mehr findet, als die Welt ihm zu bieten hat. Gott allein kann den Lebens- und Liebeshunger des Menschen stillen.

Gott hat aber Mühe damit, dies den Menschen verständlich zu machen. Für viele ist das, was sie konkret vor sich haben, viel wichtiger als ein Gott der sich doch so ganz im Verborgenen hält. Die Verführungen des Satans sind viel konkreter und sprechen den Menschen mehr an, als die zarten Verführungen Gottes.

Wenn ein Mensch sich aber einläßt auf das Werben Gottes, wenn er sich einläßt auf das Liebesabenteuer mit Gott, dann wird er erkennen, was Jesus uns heute sagen möchte. Für Petrus war es ein weiter Weg, bis er erkannt hat, was Jesus wirklich wollte, für jeden Menschen ist es ein weiter Weg, den Willen Gottes zu erkennen. Dieser Weg dauert ein ganzes Leben lang. Es ist ein Weg mit Höhen und Tiefen, wie sie jede Liebesbeziehung mit sich bringt. Am Anfang steht ein Ja zu Gott. Ja, Gott, ich will lernen zu leben, ich will lernen zu lieben. Gott verführe mich und führe mich auf diesem Weg.

Mt 18,15-20 – Heilsame Worte

Die Texte des heutigen Sonntags sind diesmal sehr alltagsbezogen. Der Prophet Ezechiel in der ersten Lesung und Jesus im Evangelium reden davon, was zu tun ist, wenn wir sehen, dass ein Mensch aus unserem Bekanntenkreis einen Fehler macht. Wenn ich darüber nachdenke, was normalerweise geschieht, ist es doch oft so, dass da erst einmal hinter dem Rücken des Betreffenden viel geredet wird. „Schaut den da an, was hat der denn wieder gemacht. Nein, unerhört so etwas.“ Jedem wird solches Reden bekannt sein und auch ich selbst ertappe mich manchmal dabei. Es ist wohl leichter, ÜBER jemanden zu reden, als MIT jemandem.

Aber genau das MIT-einander möchte Jesus. Wenn wir bei jemandem einen Fehler feststellen, sollen wir es erst einmal ihm selbst sagen. Manchmal merkt ja einer selbst nicht, was er für einen Blödsinn verzapft hat und ist dankbar für einen warnenden Hinweis. Dabei kommt es natürlich auch darauf an, wie man etwas sagt und um was es sich dabei genau handelt. Manche Menschen sind dankbar für solche Hinweise, andere nicht. Schwerere Vergehen müssen natürlich vor anderen Instanzen geahndet werden und gegebenenfalls zur Anzeige gebracht werden. Das ist auch klar. Mir geht es aber hier in erster Line darum, darauf hinzuweisen, dass es zur Pflicht eines Christen gehört, Fehler und Mißstände offen anzusprechen und nicht hinten herum zu reden. Ich weiß selbst, wie schwer das ist, und darum ist das Wort Jesu heute wieder ein Ansporn, daran arbeiten.

Einen passenden Text dazu habe ich bei Gregor dem Grossen gefunden: „Wer mehr, als gut ist, schweigt, soll bedenken, dass er, wenn er den Nächsten liebt wie sich selbst, durchaus nicht schweigen soll gegenüber einem Unrecht, das er an einem anderen zurecht mißbilligt. Das gesprochene Wort wird zum Medikament und leistet einen heilsamen Dienst. Diejenigen aber, die das heilende Wort zurückhalten und schweigen, verhalten sich gerade so wie Leute, die Krankheiten erkennen, aber sich heimlich dem Gebrauch der Heilmittel entziehen und so schließlich den Tod dadurch verursachen, weil sie die Heilmittel verweigern, die Heilung bringen konnten.“

Was Jesus wichtig ist, ist die Einheit unter den Menschen. Jesus sagt das schöne Wort:

„Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Dazu eine kurze Geschichte:

„Meister“, fragen die Jünger, „der Herr hat doch gesagt: Bittet, und ihr werdet empfangen!“ – warum erhalten wir so wenig im Gebet?“ Der Meister antwortet: „Der einzelne ist ein Abgrund, und wenn Gott die schönsten Gaben in den Abgrund wirft, so verschwinden sie, wir nehmen sie nicht wahr. Wir müssen ein Netz spannen, um Gottes Gaben aufzufangen. Es ist das Netz der Eintracht und der Liebe. Wenn wir einmütig um etwas bitten, wenn die Fäden des Netzes fest zwischen uns gespannt sind, dann werden wir erhalten.“

Herr, gib mir zur rechten Zeit einen Menschen, der mir die Wahrheit in Liebe sagt. 

Mt 20,1-16 – Was ist gerecht?

Gott ist gerecht, so sagt man und das ist auch so. Menschen aber haben immer wieder Probleme damit, zu beurteilen, was gerecht ist. Bedeutet Gerechtigkeit, dass jeder das gleiche bekommt?

Wir hören heute das schöne Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Zunächst sind sie wirklich alle gleich: Alle sind arbeitslos und müssen fürchten, dass sie dann, wenn sie keine Arbeit finden, am Abend kein Geld haben und ihre Familie nicht ernähren können. Alle leben mehr oder weniger von der Hand im Mund und verdienen jeden Tag nur so viel, dass es gerade reicht – wenn sie etwas verdienen.

Arbeit in Aussicht. Da kommt einer der Gutsbesitzer. Wen wird er mitnehmen? Die ersten, die angeworben werden, können sich glücklich schätzen, sie haben Arbeit. Die anderen müssen warten, auf den nächsten, der kommt – wenn denn einer kommt.

Es gibt viel zu tun im Weinberg. Die Arbeiter mühen sich ab, aber es braucht mehr Arbeiter, wenn der Weinberg am Abend in Ordnung sein soll. So wirbt der Gutsbesitzer immer wieder neue Arbeiter an, ja sogar eine Stunde vor Feierabend, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, holt er nochmal welche. Das kommt selten vor, zu so später Stunde noch Arbeit zu finden. Erleichtert machen sie sich an die Arbeit.

Der Lohn ist am Ende für alle gleich. Der Tageslohn für Tagelöhner ist immer gleich. Ein Denar. Nicht mehr und nicht weniger. Wer mehr verdienen würde, wäre überbezahlt, wer weniger verdienen würde, der könnte davon nicht leben.

Ist das gerecht? Könnte man nicht sagen, am einen Tag hat halt der eine Glück und verdient mehr, am anderen Tag der andere? Bezahlt wird nach Arbeitsleistung. Das wäre nach heutigen Maßstäben sicher gerecht. Jesus will aber mit dem Gleichnis keine Anleitung zum erfolgreichen Wirtschaften geben. Jesus spricht auch nicht von einem weiteren Tag, an dem die Arbeiter wieder ihr Glück versuchen könnten. Für einen Tagelöhner zählt immer nur der eine Tag.

Versuchen wir uns mal vom Geld zu lösen. Vielleicht können wir sagen, dass Jesus meint, dass jeder Mensch das bekommt, was er braucht, um glücklich zu sein? Jeder Mensch hat in seinem Leben die Möglichkeit, glücklich zu sein. Es gibt Höhen und Tiefen, mal bin ich bei den Ersten, mal bei den Letzten und denke, jetzt ist alles aus. Doch im letzten Moment kommt einer ... Das ist etwas, worauf wir bei Gott vertrauen dürfen, dass er uns nicht vergißt, dass er uns nicht stehen lässt mit unseren Sorgen und Nöten.

Es gibt nur einen Tag, es gibt nur ein Leben. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns aufnimmt in sein Reich, wenn wir für ihn gearbeitet haben, wenn wir ihn einfach als unseren Gott anerkannt haben und von ihm haben lieben lassen als seine Kinder.

Mt 21,28-32 – Ja oder Nein

Ja oder Nein. Immer wieder muss jeder sich im Leben entscheiden. Ein vielleicht zählt nicht, das wäre ein feiger Lückenbüßer, der die Lücke füllt, bis die Entscheidung unausweichlich ansteht. Entscheidungen fällen, Entscheidungen durchtragen, beides ist wichtig, zu dem stehen, was ich gesagt habe und vor allem: verlässlich sein, andere nicht täuschen, nicht heuchlerisch sein und sich nicht bei anderen einschmeicheln. All das steckt im heutigen Evangelium.

Es geht da um zwei Söhne. Zu jedem der beiden sagt der Vater: „Geh und arbeite heute im Weinberg!“ Der erste sagt. „Ja!“ aber dann geht er doch nicht hin. Der zweite hat erst mal keine Lust und sagt unumwunden dem Vater sein „Nein“ ins Gesicht. Aber dann reut es ihn, und er geht doch.

Jesus erzählt dieses Gleichnis den Hohenpriestern und Ältesten und will ihnen damit sagen: Ihr seid wie der erste Sohn, ihr steht an erster Stelle, wenn es um die Religion geht, aber nur um selber gut dazustehen und nicht weil es euch um Gott geht. Ihr tut oft nicht das, was Gott von euch will. Daher kommen Zöllner und Sünder eher in das Reich Gottes als ihr. Denn sie sagen zwar ganz unumwunden, dass sie mit der Religion nicht viel am Hut haben, aber innen drinnen können sie doch gute Menschen sein und das Gute tun, das Gott will.

Ich denke, jeder kennt das. Es gibt Menschen, die stellen sich gerne in den Vordergrund, die wollen allen klar machen, wie toll sie sind, was sie alles leisten, besonders auch, um so vor ihren Vorgesetzten gut dazustehen. Ja, mach ich, natürlich, ich bin doch immer für sie da ... Doch sie sind oft nur dann aktiv, wenn sie auch gesehen werden und ihnen die Anerkennung für eine Arbeit sicher ist. Die unscheinbarere Arbeit überlassen sie gern anderen. Schleimer nennt man solche Leute auch.

Dann gibt es andere, die stellen sich nicht in den Vordergrund. Aber gerade weil sie auch dort gute Arbeit leisten, wo es niemand sieht, halten sie den Betrieb am Laufen. Und doch gehen sie oft leer aus, wenn es um Dank und Anerkennung geht, weil die Menschen eben zu sehr auf das Äußere sehen und die Prahler eben einmal mehr auffallen als die stillen Treuen.

Bei Gott aber ist das nicht so. Er kennt das Herz des Menschen. Er weiß genau, aus welchen Beweggründen einer etwas tut, um nur selber gut dazustehen, oder weil es ihm wirklich um die Sache an sich geht. Bei Gott kann sich so keiner einschmeicheln. Er sieht, ob ein Mensch wirklich fromm ist, oder nur dann, wenn andere es sehen.

Ja oder Nein. Was wollen wir wirklich? Gehe ich in Gottes Weinberg zur Arbeit, weil es mir um Jesus und um die Menschen geht? Oder ist mir mein eigenes Ansehen wichtiger als alles andere? Die Entscheidung liegt ganz bei mir.

Mt 21,33-44 – Anvertraut

Wieder hören wir heute von Jesus ein Gleichnis, bei dem es um einen Weinberg geht. Sehr schön sehen wir die einzelnen Szenen des Gleichnisses von den Bösen Winzern im Codex Aureus abgebildet. Da ist zunächst der Besitzer des Weinbergs zu sehen, wie er seinen Weinberg Verwaltern anvertraut. Doch diese hintergehen ihren Herrn und wollen den Profit des Weinbergs für sich behalten. Die Diener, die der Herr schickt, um seinen Anteil zu erhalten, werden von der Verwaltern brutal ermordet. Selbst der einzige Sohn des Besitzers, der künftige Erbe, wird von ihnen getötet, in der Hoffnung, dass der Weinberg nun ihnen gehört. Doch Jesus sagt deutlich, dass sie mit ihrer Bosheit keinen Erfolg haben werden. Der Herr des Weinbergs ist stärker als sie und wird ihnen die gerechte Strafe zukommen lassen.

Das Gleichnis zeichnet ein Bild von dem, wozu Menschen in ihrer Gier fähig sind. Immer wieder neigen die Menschen dazu, mehr haben zu wollen, zusammenzuraffen, den eigenen Vorteil zu suchen auf Kosten der Schwächeren. Ja selbst Glaube und Kirche werden immer wieder von Heuchlern mißbraucht, um unter dem Schein der Frömmigkeit Profit zu machen.

Doch wir brauchen nicht nur auf die großen Delikte sehen. Dann hätte uns das Gleichnis ja vielleicht nicht viel zu sagen. Wenn wir es recht bedenken, ist doch alles, was wir haben, uns nur anvertraut. Die Erde hat Gott geschaffen und den Menschen übergeben. Der Mensch soll sie verantwortungsvoll nutzen. Vor allem soll er nicht vergessen, dem Schöpfer seinen Anteil zu geben.

Die Menschen früherer Zeiten haben Gott Opfer von den besten Erträgen der Erde gebracht. Wir wissen, dass Gott keine Nahrung von uns braucht. Was aber Gott von uns will ist, dass wir uns immer bewusst sind, dass alles, was wir haben, letztlich ein Geschenk von ihm ist. Er möchte, dass wir ihm dafür Ehre und Dank erweisen. Der Dank an Gott geht soweit, dass wir bereit sind, ihm alles wieder zu geben. Er wird es uns ja nicht nehmen, sondern uns noch viel mehr beschenken. Doch wir wollen festhalten, anstatt loszulassen und riskieren dadurch, alles zu verlieren.

In seinem Roman Las Casas vor Karl V. zeigt Reinhold Schneider, wie die Menschen zur Zeit der spanischen Eroberungen in Südamerika von der Gier nach Reichtümern so besessen waren, dass sie schier über Leichen gingen. Um die Schätze Westindiens auszuplündern, war ihnen jedes Mittel recht. Schlimm ist auch, dass dies alles unter dem Deckmantel der angeblichen Bekehrung der Indios geschah. Doch wie wollen die, die selbst den Glauben nur nach Schein und eigenem Gutdünken und nicht gemäß Gottes Willen haben, andere bekehren? Sehr tief geht daher das Wort Reinhold Schneiders am Ende seines Romans und ich meine, dass es für die Menschen aller Zeiten gilt und auch teilweise das trifft, was uns Jesus im heutigen Gleichnis sagen will:

„Daran liegt es ja nicht, dass wir die Welt mit dem Kreuze durchdringen; sondern es liegt alles daran, dass wir über unserer Mühe von ihm durchdrungen werden.“

Mt 22,1-10 - Und der Festsaal füllte sich mit Gästen ...

Man möchte doch meinen, dass die Ehre, bei einem König zu einem Festmahl eingeladen zu sein, jeden Menschen freut und dass die Teilnahme daran höchste Priorität hat. Doch im heutigen Gleichnis geschieht genau das Gegenteil. Alle eingeladenen Gäste lassen sich entschuldigen. Sie wollen nicht kommen. Ihre Alltagsarbeit ist ihnen wichtiger. Der eine geht auf seinen Acker, der andere in seinen Laden.

Wir kennen dies. So vieles ist zu erledigen, so kurz die freie Zeit, die bleibt. Jesus will ja auch nicht die Notwendigkeit der alltäglichen Arbeit anzweifeln. Aber für die Teilnahme am Festmahl eines Königs - dafür könnte der Alltag doch einige Zeit ruhen.

Ist die Heilige Messe am Sonntag für uns so etwas wie das Festmahl eines Königs? Oder ist sie nur eine lästige Pflicht, wo man halt hingeht, wenn man gerade mal Lust hat und nichts besseres vor hat? Oder verstehen wir ihre Bedeutung überhaupt nicht mehr, so dass man am besten einfach garnicht hingeht. Es sind ja eh nur komische Menschen dort. Um gut zu Leben brauche ich doch die Kirche nicht. Wir kennen diese Aussagen.

Mir tut es in der Seele weh, dass so viele Menschen nicht verstehen, welch große Gnade doch die Heilige Messe ist. An ihr teilnehmen zu dürfen, ist eine größere Ehre als die Einladung bei irgendeinem Prominenten. Sie ist ein Geschenk Gottes an uns, das uns Freude machen soll.

Die Bedeutung der Heiligen Messe werden wir nicht ergründen, wenn wir in ihr einen Event sehen, wenn wir immer erwarten, besonders angesprochen zu werden oder immer etwas neues geboten zu bekommen. So wichtig das Reden und Handeln des Priesters ist, wir müssen letztlich durch seine Person hindurch auf Christus blicken.

Wir werden die Bedeutung der Heiligen Messe auch nie ergründen, wenn wir nur auf die anderen Menschen sehen, die dort sind, wenngleich es natürlich schön ist, sich in der Kirche zuhause zu fühlen und Freunde und Bekannte dort zu sehen.
Die Heilige Messe werden wir nur dann anfangen zu verstehen, wenn wir in ihr die Begegnung mit Gott, mit Jesus Christus, suchen. Dies geschieht durch das Reden und Tun des Priesters, durch die Gemeinschaft der Gläubigen, aber ganz besonders auch durch das innere Gebet im Herzen jedes Menschen. Wir müssen unsere Gedanken, unser Herz, ganz auf Gott richten. Wir dürfen ihn Loben, wir dürfen sein Wort hören, ja wir dürfen ihn selbst sehen und empfangen im Geheimnis der Eucharistie. Wenn wir anfangen, uns in dieses Geheimnis zu vertiefen, wenn wir anfangen, mit Gott eins zu werden, dann wird jede Heilige Messe für uns zur Quelle und zum Höhepunkt unseres Lebens. Sie führt uns zur Mitte unseres Lebens und gibt uns neue Kraft für unseren Alltag, so dass wir das, was zu tun ist, noch besser tun können.

Wäre es angesichts der Tatsache, dass sich heute so viele vom Festmahl des Herrn entschuldigen, nicht an der Zeit, neue Menschen einzuladen, die sich bisher nicht dazugehörig fühlten? Wie schön wäre es zu erleben, dass sich unsere Kirchen wieder mit Menschen füllen. Bitten wir den Herrn darum und tun wir das unsere dazu. Gehen wir auf die Straßen hinaus und holen wir alle zusammen, die wir treffen.

Gebt Gott was Gott gehört – Mt 22,15-21

Immerfort empfange ich mich aus deiner Hand. Das ist meine Wahrheit und meine Freude. Immerfort blickt mich dein Auge an und ich lebe aus deinem Blick des Erbarmens, du mein Schöpfer und mein Heil. Lehre mich in der Stille deiner Gegenwart das Geheimnis verstehen, dass ich bin. Und dass ich bin durch dich und vor dir und für dich.                                                    (Romano Guardini)

Was hat dieser Spruch von Romano Guardini mit dem heutigen Evangelium zu tun? Wir hören heute, wie die Gegner versuchen, Jesus eine Falle zu stellen. „Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?“

Dazu muß man wissen, dass die römische Besatzungsmacht, die die Steuern einforderte, das Finanzmonopol hatte. Daher war die Steuermünze, der Denar, mit dem Bild des Kaiser versehen und trug eine Aufschrift, in der eben dieser Kaiser als göttlich bezeichnet wird. Für fromme Juden war das eine abgrundtiefe Gotteslästerung.

Das ist die Falle, in die sie meinten, Jesus gelockt zu haben. Würde er sagen, natürlich müßt ihr dem Kaiser Steuern zahlen, so hätten sie ihm vorwerfen können, dass er auf auf der Seite der Gotteslästerer steht, da er dem Anspruch des „göttlichen“ Kaisers zustimmt. Würde er aber sagen, nein, als wahre Juden müßt ihr euch gegen den Götzenkult des Kaisers stellen und dürft auch sein Geld nicht gebrauchen, dann hätten sie ihn bei den Römern wegen Aufruhrs anklagen können.

Doch Jesus geht wie immer mitten hindurch. Er will, dass sie sich den Denar genau ansehen. Da sind Bild und Aufschrift des Kaisers darauf. Also gehört das Geld dem Kaiser und er darf es zurecht als Steuer erheben. Mehr noch. Jesus beschämt zugleich seine Gegner, indem er ihnen zeigt, das das Geld nichts mit dem Glauben zu tun hat. Dem Kaiser Steuern zu zahlen ist eine rein irdische Pflicht. Worauf es aber im Leben ankommt ist etwas ganz anderes. Es kommt darauf an, Gott zu geben, was Gott gehört.

Wie es der Spruch von Romano Guardini schön zum Ausdruck bringt, gehören wir selbst ganz Gott, weil alles, was wir sind und haben, ein Geschenk Gottes ist. Daher liegt es an uns, dass wir uns selbst ihm ganz schenken, indem wir seinen Willen tun. Das ist natürlich etwas ganz anderes, als das oberflächliche hantieren mit Geld.

Angesichts der derzeitigen Finanzkrise sagte Papst Benedikt XVI.: Wir sehen nun, beim Zusammenbruch der großen Banken, dass das Geld verschwindet, dass es nichts ist. Wer nur auf die sichtbaren und fassbaren Dinge baut, auf den Erfolg, seine Karriere, sein Geld, der baut auf Sand. Dies alles wirkt so real, wird aber eines Tages verschwinden. Ein wahrer Realist ist daher, wer auf das Wort Gottes baut.

Genau das, will uns Jesus sagen. Seine Gegner schauen zu sehr auf das Äußere. Genau so, wie er ihre oft rein äußerliche Erfüllung der Gebote kritisiert, so kritisiert er nun ihren Umgang mit dem Geld. Weil ihr allein auf Äußerlichkeiten Wert legt, deshalb kann auch das Geld eine solche Macht über euch haben.

Wichtiger ist es, was im Menschen geschieht, das Innere muß sich nach außen hin Ausdruck verschaffen. Die Erfüllung der Gebote ist keine rein äußerliche Pflichterfüllung, sondern muß ein Herzensanliegen sein. Wenn die innere Haltung, auch dem Geld gegenüber, stimmt, wenn man es nicht vergöttlicht, sondern als notwendigen Gebrauchsgegenstand ansieht, dann stört auch der Gebrauch der gotteslästerlichen Kaisermünze nicht das Verhältnis zu dem einzig wahren Gott.
Denken wir darüber nach, in wie weit wir uns von Äußerlichkeiten bestimmen lassen und was konkret es sein könnte, das wir Gott geben können.

Mt 22,34-40 – Liebe! – Allerheiligen

Sie fragten Jesus: Welches Gebot ist das wichtigste? Jesus antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.

Gott muß im Leben immer an erster Stelle stehen. Wir sollen ganz für Gott da sein, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen Gedanken. Jesus will keine Halbheiten. Unser Leben soll ein ganzes und stimmig sein, und der Mittelpunkt, um den es sich dreht, ist Gott.

Nun ist es ja Gott selbst, der uns als Menschen geschaffen hat. Wenn unser Leben sich ganz um Gott dreht, dann ist es gerade nicht so, dass wir nicht mehr für diese Welt da wären, sondern gerade durch die Ausrichtung auf Gott können wir erst als richtige Menschen in der Welt leben.

Wenn wir Gott in unsere Beziehung mit hinein nehmen, wird er sie segnen und uns in den Krisen helfen. Wenn wir Gott mit an den Arbeitsplatz nehmen, wird er unsere Arbeit segnen und ihr Gelingen schenken. Freilich bleiben wir als Menschen immer auch anfällig für Leid und Not, aber auch dahin dürfen wir Gott mit hinein nehmen und wir dürfen vertrauen, dass Gott selbst Leid und Not nicht fern sind. Wenn wir Gott in unser Leben nehmen, werden wir ein Segen sein für unsere Mitmenschen, ja wir selbst werden gesegnet sein. Wenn wir mit uns selbst im Reinen sind und Gott in unserem Herzen tragen, dann geht die Liebe, die Gott uns schenkt, hinaus in die Welt.

In dieser Woche feiern wir das Hochfest Allerheiligen. Wie viele Heilige es gibt, weiß kein Mensch zu sagen. Jeder Mensch ist von Gott zur Heiligkeit berufen. Heiligkeit, das bedeutet auch, dass der Mensch in dieser dreifachen Liebe, zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst, lebt. Heiligkeit bedeutet, so zu leben, wie es dem Willen Gottes entspricht.

Die Heiligen, die wir in der Kirche an ihren Gedenktagen ehren, ragen in besonderer Weise aus dem Kreis der Menschen hervor. Bei ihnen hat die Kirche nach sorgfältiger Prüfung ihres Lebens festgestellt, dass sie uns als Vorbild dienen können, ja mehr noch, sie treten bei Gott für uns als Fürsprecher ein. Nehmen wir ihr Leben als Ermutigung, auch selbst auf dem Weg der Liebe voranzuschreiten.

Mt 25,1-13 - Die zehn Jungfrauen - Entscheidende Augenblicke

Es gibt Momente, die ein Leben verändern können, positiv und negativ. Zur rechten Zeit am rechten Ort, die richtige Entscheidung im richtigen Moment, das kann einen weiter bringen. Manchmal hat man es im Gefühl, dass etwas Entscheidendes passiert. Es gibt aber auch Momente, die vieles ins Negative wenden können, eine verpasste Chance, eine kurze Unaufmerksamkeit, durch die ein Unfall geschieht... Auch wenn wir es uns immer wieder vornehmen, wachsam zu sein und aufzupassen, kann uns doch eine unerwartete Situation überraschen und dann gilt es, richtig zu handeln.

Im heutigen Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Mt 25,1-13) erzählt uns Jesus von einem solchen entscheidenden Augenblick. Zehn Jungfrauen haben die ehrenvolle Aufgabe, dem Bräutigam mit ihren Lampen nach Hause zu leuchten. Das Problem dabei ist, dass niemand genau weiß, wann der Bräutigam kommt. Die eine Hälfte der Jungfrauen denkt sich, es wird schon werden und macht sich keine großen Gedanken um das, was da kommen mag. Sie rechnen nicht damit, dass der Bräutigam erst dann kommen könnte, wenn das Öl ihrer Lampen zur Neige gegangen ist. Ein fataler Fehler.

Vielleicht kennen wir das. Die Gewohnheit und eine gewisse Neigung zur Faulheit lassen uns gewisse Situationen ziemlich unbedarft angehen. Vielleicht hören wir noch eine innere Stimme, die uns zu mehr Wachsamkeit mahnt, aber dann denken wir doch: Das ist bisher immer gut gegangen, warum soll es jetzt anders sein. Und dann passiert doch etwas, das wir hätten vorhersehen und abwenden können, wenn wir etwas aufmerksamer gewesen wären.

Dumm gelaufen. Selbst wenn es oft dann doch einigermaßen glimpflich ausgehen kann, bleibt der Ärger, etwas falsch gemacht zu haben. Auch die fünf törichten Jungfrauen werden sich sehr geärgert haben, als sie vor der verschlossenen Tür des Hochzeitssaales gestanden haben.

Nehmen wir uns daher für unser Leben die klugen Jungfrauen zum Vorbild! Sie haben sich einen Vorrat an Öl mitgenommen. Wenn der Bräutigam nicht so spät gekommen wäre, dann wäre das überflüssig gewesen. Nun aber haben sie das einzig richtige getan. Sie haben vorausschauend gedacht und klug geplant. Wir dürfen uns im Leben nicht darauf verlassen, dass immer alles gut geht, wir müssen für jede Situation viele mögliche Ereignisse einplanen und uns so gut wie möglich darauf vorbereiten. Oft mag diese Sorgfalt überflüssig erscheinen. Irgendwann kommt aber sicher der Fall, wo sie berechtigt war. Dann wird sich zeigen, wer faul und nachlässig geplant hat und wer klug und umsichtig gewesen ist.

Es kommt darauf an, stets so gut wie möglich auf den entscheidenden Augenblick vorbereitet sein, in den alltäglichen Dingen des Lebens, aber auch wenn es darum geht, den Willen Gottes zu tun. Seid wachsam! Diese Mahnung Jesu sollten wir uns immer vor Augen halten.

Mt 25,14-30 - Talente

Talent ist im heutigen Gleichnis die Bezeichnung für eine ungeheuere Menge an Silbergeld. Ein reicher Mann teilt acht Talente an drei seiner Diener aus. Einer bekommt fünf, ein anderer zwei und einer nur eines. Er traut jedem zu, das Beste damit zu machen, die Menge entspricht den Fähigkeiten jedes einzelnen, so heißt es. Die beiden „talentiertesten“ wissen auch gut mit ihrem Schatz umzugehen und schaffen es, die Geldmenge zu verdoppeln. Nur der, der nur ein Talent erhalten hat, vergräbt es und läßt es ungenutzt. Als nun der reiche Mann zurück kommt, lobt der die beiden, während der dritte übelst verstoßen wird.

Was will uns Jesus damit sagen? Zunächst denken wir vielleicht, der Herr ist ja selber schuld, wenn er dem einen nur ein Talent gibt. Hätte er ihm mehr gegeben, dann hätte er auch mehr daraus gemacht. Aber stimmt diese Denkweise? Ein Talent ist eine ungeheuere Summe. Würden bei uns drei Leute Geld bekommen, einer fünf, einer zwei und einer „nur“ eine Million, so würden wir doch nicht sagen, dass eine Million zu wenig wäre, um etwas vernünftiges daraus zu machen.

Jeder bekommt nach seinen Fähigkeiten, alle drei haben etwas bekommen. Der Herr traut jedem zu, aus dem, was er hat, etwas zu machen. Das ist das tröstliche an diesem Evangelium. Ich denke, jeder Mensch, der in die Welt kommt, ist ein auf ungeheuere Weise beschenkter. Schon allein das Geschenk, leben zu dürfen, ist unbezahlbar. Doch ist es genau so eine Tatsache, dass das Leben schwer ist. Manche scheinen begünstigt, sind gesund, glücklich und vielleicht auch noch reich, andere sind krank, arm, depressiv ... Ist es da nicht ein Hohn zu sagen: Mach etwas aus deinem Leben?

Wir hören aber auch immer wieder, dass es Menschen gibt, die am Boden waren, im Leben am Ende, die aber wieder aufgestanden sind, die es geschafft haben, zu leben, dass selbst Menschen in schwerer Krankheit durch die Annahme ihres Leids im tiefsten Elend doch etwas vom Glück spüren durften. Das ist die Hoffnung, die uns Gott gibt. Gott will, dass wir bewußt leben. Gott will nicht, dass wir alles einfach so hinnehmen, wie es ist, dass wir im Alltagstrott erstarren. Das hieße das Talent vergraben. Soll alles bleiben wie es ist ohne jede Veränderung. Wie traurig ist es zu sehen, dass viele Menschen so leben.

Die Hoffnung aber besteht darin, dass bei Gott jeder Mensch etwas aus seinem Leben machen kann. Es muß nicht das Große sein. Freilich, manchen wurde viel gegeben und von ihnen wird auch viel erwartet. Aber auch der „einfache“ Mensch hat sein Talent bekommen. Schon wenn der dritte Diener das Geld auf die Bank gebracht hätte, wäre sein Herr damit zufrieden gewesen.

Gott verlangt von uns nichts Unmögliches, aber doch soviel, wie uns möglich ist.

Mt 25,31-46 - Weltenrichter Pantokrator 

Das Christkönigsfest an sich gibt es in der Kirche noch keine 100 Jahre. 1925 wurde es von Papst Pius XI. eingeführt. Dennoch ist der Inhalt dieses Festes, das Königtum Jesu Christi, schon immer fest im Glauben der Kirche verwurzelt. Christus selbst bezeichnet sich als König, doch sein Königtum ist nicht von dieser Welt. Als er vor Pilatus steht fragt ihn dieser: „Also bist du doch ein König?“ Und Jesus antwortet: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.“ (Joh 18,36f.)

Nachdem das Christentum im römischen Reich Staatsreligion wurde, entstanden viele große Kirchen im Baustil der Basilika. Basileus, das war der Herrscher des römischen Reiches und die Basilika ist die Königshalle. Die ersten großen Kirchen wurden also den Königshallen nachempfunden. Nur stand in der Apsis, dem halbrunden Abschluß des Gebäudes, nicht mehr der Thron des Kaisers, sondern der Altar und darüber befindet sich ein riesiges Mosaik, in dem Christus als Pantokrator, als Allherrscher, dargestellt wird. Nicht der Kaiser ist der oberste Herr des Reiches, sondern Christus ist Herr über die ganze Welt und jedes ihrer Reiche. So hat man dann später auch die Könige als von Gottes Gnaden bezeichnet, die gleichsam im Auftrag des einen Herrschers, Christus, ihre Herrschaft ausüben.

Sicher verbinden viele mit dem Begriff Gottesgnadentum wie auch mit dem Begriff König an sich gemischte Gefühle. Woran denken wir, wenn wir heute den Begriff König hören? An eine frühere, heute unzeitgemäße Herrschaftsform? An die Stories aus der Regenbogenpresse, in denen Details aus dem Leben der Mitglieder heute noch existierender Herrscherhäuser publikumswirksam vermarktet werden? An alte Zeiten, an den Glanz der Monarchien in den Ländern Europas? Oder an die Könige aus unseren Märchenbüchern? Vielleicht mag ja die Sehnsucht nach einem guten und gerechten König, der für eine gerechte Ordnung in seinem Land sorgt, in uns sein. Dieser steht oft aber die Angst vor einem Willkürherrscher und die Abneigung gegen den Prunk der Herrscherhäuser, der oft auf Kosten der Bevölkerung ging, gegenüber. Ideal und Wirklichkeit stimmen beim Königtum selten überein. Auch an den Königen der Geschichte, die wir die „Großen“ nennen, lassen sich so manche Schattenseiten finden.

Vielleicht können wir einen Zugang zum Christkönigsfest finden, wenn wir in Christus den idealen König sehen, der ganz ohne Schattenseiten ist. Was wäre das Charakteristikum dieses Königs? Ich meine, er muß die Macht und die Güte in sich vereinen. Gerade die Verbindung von Macht und Güte zeichnet einen idealen Herrscher aus. Macht ohne Güte führt zu Willkür und Ungerechtigkeit, Güte ohne Macht aber kann das Gute nicht durchsetzen. Wir glauben, dass Gott allmächtig ist und dass er die vollkommene Liebe und Güte ist. Daher müßte es doch die Sehnsucht aller Menschen guten Willens sein, unter der Herrschaft dieses Gottes zu leben.

Absolute Macht und Güte begründen aber noch ein drittes, nämlich die Möglichkeit einer absoluten Wahrheit. Christus selbst bezeichnet als Ziel seines Königtums, für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Gott ist die absolute Wahrheit. Gott hat die Spuren dieser Wahrheit in seine Schöpfung gelegt und dem Menschen mit dem Verstand ein Werkzeug an die Hand gegeben, diese Wahrheit zu ergründen. Dass Gott die absolute Wahrheit ist, das ist die Bedingung der Möglichkeit jeder Wissenschaft. Die Welt ist nicht aus Zufall und Willkür entstanden, sondern hat als Schöpfer den allmächtigen und guten Gott, der in sie seine Ordnung gelegt hat. Wir glauben, dass Gott Vater alles durch Christus, den Sohn geschaffen hat. In Christus ist alles geschaffen und alles hat in ihm Bestand. Die ganze Schöpfung ist durch Christus. Dies ist der letzte Grund seines Herrscheranspruchs über die Welt.

Als vollkommen mächtig, gut, gerecht und wahr ist Christus auch der Garant für die Gerechtigkeit in dieser Welt. Als Allherrscher wird er oft mit dem Buch des Lebens in der Hand dargestellt, dem Buch, in dem bei Gott die Gerechten eingeschrieben sind.

Heute hören wir das Evangelium vom Endgericht (Mt 25,31-46). Alle Menschen müssen vor das Gericht des Menschensohnes Jesus Christus treten. Was sind die Kriterien, nach denen Christus richtet, die Kriterien der absoluten Wahrheit? Jesus fragt danach, ob wir den Hungrigen zu essen, den Durstigen zu trinken, den Nackten Kleidung gegeben haben. Ob wir Fremde und Obdachlose aufgenommen und Kranke und Gefangene besucht haben. Denn alles, was wir für irgendeinen Menschen tun, das tun wir für Christus. Diese wenigen Sätze Jesu zeigen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Es ist sicher nicht das, was in unserer Gesellschaft, die sich doch als all so menschenfreundlich bezeichnet, das wichtigste ist. Ist es für uns wichtig?

Möge Gott uns helfen, dass wir voll Zuversicht vor das Gericht des vollkommen liebenden und guten Herrschers treten können.