Texte vom Ostersonntag bis zum 4. Sonntag der Osterzeit
Christus ist wahrhaft auferstanden!
Halleluja!
So rufen die Christen seit frühesten Zeiten. Es ist ein Ruf der Hoffnung und der Zuversicht. Wenn ich glaube, dass Jesus wirklich auferstanden ist, dann weiß ich: das Leben ist stärker als der Tod, die Freude stärker als das Leid, das Licht stärker als die Finsternis. 
Jesus ist mitten unter uns, auch hier und heute. Er hat Leiden und Tod bezwungen. Nun kann keine Macht der Finsternis mehr denen schaden, die an Christus Jesus glauben. Der Auferstandene wird uns durch alle Bedrängnisse, Leiden und Schmerzen dieser Welt hindurchführen in die Freude, das Licht und das Leben seiner Auferstehung.
Dafür danken wir in den Gottesdiensten mit dem frohen Osterlob „Halleluja“. Das ist hebräisch und bedeutet: „Lobet den Herrn!“ Mit dem Ostergruß „Frohe Ostern“ geben wir die Freude über die Auferstehung Jesu Christi weiter.
Herr, deine Auferstehung öffnet uns das Tor zum Leben. Hilf uns, uns zu bereiten für das Leben mit dir und glaubwürdige Zeugen deiner Liebe zu sein, einer Liebe, die stärker ist als der Tod. Amen.
Evangelium am Ostersonntag (Joh 20,1-9)
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.
Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.
Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.
Das leere Grab
Aufgeregte Frauen und ein leeres Grab, das ist das erste, was wir von Ostern hören. Während die Apostel ratlos beieinander saßen, haben die Frauen sehnsüchtig das Ende der Sabbatruhe abgewartet, um nach dem Grab Jesu zu sehen und dem Leichnam Jesu den letzten Liebesdienst zu erweisen.
Doch dann kam alles anders. Zwar hatte Jesus öfter davon gesprochen, dass er nach drei Tagen auferstehen werde, aber keiner konnte sich damals so recht vorstellen, was das bedeutet. Darum waren alle erst einmal überrascht, als sie das Grab Jesu leer fanden.
Doch für ein leeres Grab kann es viele Deutungen geben. Ein Zweifel wird auch offen in der Bibel formuliert: Die Jünger könnten heimlich den Leichnam Jesu geraubt haben, um so fälschlicherweise das Gerücht über seine Auferstehung in die Welt zu setzen. Vom kriminalistischen Gesichtspunkt her, hatte keiner von ihnen ein hieb- und stichfestes Alibi – sie saßen zusammen, hinter verschlossenen Türen und keiner hat sie sonst gesehen …
Johannes formuliert in seinem Evangelium das Entscheidende: Als der Lieblingsjünger Jesu das leere Grab betritt, heißt es: Er sah und glaubte. Das leere Grab gewinnt erst dann seine Bedeutung, wenn wir die Erklärung dafür nicht im rein menschlichen Bereich suchen, sondern an die Macht Gottes glauben, die Tote zum Leben erwecken kann.
Aber wie geht das, glauben? Machen wir uns nicht nur was vor oder folgen einem kollektiven Wahn? Nein, Glaube ist auch ganz persönlich erfahrbar. Zum leeren Grab kommen die nun folgenden Erscheinungen des Auferstandenen hinzu. Jesus begegnet als der Auferstandene vielen ganz persönlich, denken wir nur an Maria von Magdala, Thomas oder die Emmausjünger.
Auch heute können wir dem Auferstandenen begegnen. Er kommt in unser Leben und zeigt uns immer wieder, dass Leben mehr ist als das, was wir mit unseren Augen sehen und unseren Händen greifen können. Gott sendet in unser Leben immer wieder Strahlen jenes Lichtes, das am Ostermorgen aufgestrahlt ist.
Herr Jesus, lass uns das Licht des Ostermorgens immer wieder in unserem Leben erkennen. Lass uns an deine Gegenwart im hier und heute glauben und lass uns deine Nähe erfahren. Gib, dass die Freude des Ostermorgens unser ganzes Leben durchdringt und uns Licht ist auf unseren Wegen. Lass uns nie vergessen, dass du lebst, dass du beim Vater bist und auch bei uns. Amen.
Anders als erwartet (Mk 16,1-8)
In der Osternacht im Lesejahr B hören wir aus dem Markusevangelium von den Frauen, die sich am Ostermorgen auf den Weg machen zum Grab Jesu (Mk 16,1-7). Als endlich die Sabbatruhe vorüber ist, brechen sie in aller Frühe auf. Sie wollen mit ihrem Salböl dem Leichnam Jesu die letzte Ehre erweisen. Doch am Grab ist alles so sonderbar. Sie müssen erkennen, das alles anders läuft, als sie es erwartet hatten, dreimal.
Sie fragen sich: Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Er war so schwer, dass sie es selbst zu dritt nicht geschafft hätten. Doch als sie ans Grab kommen, sehen sie, dass der Stein bereits weggewälzt ist.
Oft meinen wir, in unserem Leben aus einer Situation keinen Ausweg zu finden. Vertrauen wir darauf, dass Gott uns eine Tür öffnen kann, eine Ausweg, den wir nicht erwartet hätten?
Die Frauen meinen, den Leichnam Jesu im Grab zu finden. Stattdessen sitzt da ein Engel. Die Frauen sind erschrocken. Was der Engel sagt, verstehen sie nicht. Der Gekreuzigte ist auferweckt worden! Was hat das zu bedeuten?
Oft fallen wir in unserem Leben in Hoffnungslosigkeit, treten immer wieder in dieselben schwarzen Löcher. Vertrauen wir darauf, dass Gott unsere Hoffnungslosigkeit in Hoffnung, unsere Finsternis in Licht, den Tod in Leben verwandeln kann?
Die Frauen wollten Jesus salben, wollten dem Toten die letzte Ehre erweisen, den Weg mit Jesus zu einem würdigen Abschluss bringen. Doch nun fängt dieser Weg mit Jesus ganz neu an: Los, sagt seinen Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.
Oft ist es so einfach, auf den gewohnten Wegen zu bleiben. Gerne lassen wir alles so, wie es ist. Etwas zu ändern ist doch so mühsam. Vertraue ich darauf, dass ich immer einen neuen Aufbruch wagen kann mit Gott, der mich hinführt zu einem Mehr an Leben, Freue und Glück? Bin ich bereit für das Neue in meinem Leben?
Der ursprüngliche Schluss des Markusevangeliums lässt offen, wie es weitergehen wird: Die Frauen flohen, weg vom Grab. Zittern und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie erzählten niemandem etwas davon. Sie fürchteten sich nämlich.
Warum lässt Markus sein Evangelium so enden? Die Frauen, die aus Furcht vom Grab flohen, können ja nicht das letzte Zeichen christlicher Hoffnung sein. Doch allein die Tatsache, dass Markus sein Evangelium geschrieben hat und dass es Leser gefunden hat zeigt, dass Flucht und Furcht nicht das letzte waren. Die Botschaft des Auferstandenen wurde weiter erzählt und viele, die sie gehört haben, haben sie im Glauben angenommen. Die Jünger sind dem Auferstandenen in Galiläa begegnet. In Galiläa hat der Weg begonnen, den Jesus mit den Seinen gegangen ist. In Galiläa beginnt nun ein neuer Weg mit Jesus, ein Weg, den alle Menschen zu allen Zeiten mit Jesus gehen können.
Der Leser des Evangeliums ist aufgefordert, seinen eigenen Weg mit Jesus zu gehen. Die Fortsetzung des Evangeliums ist die Glaubensgeschichte jedes einzelnen Menschen, die Geschichte der Begegnung und Freundschaft mit Jesus. Jeder Mensch ist dazu berufen, von Jesus Zeugnis zu geben. Der Auftrag des Engels an die Frauen ist an jeden Menschen gerichtet: Los geh und verkünde den Menschen von Jesus Christus. Der Glaubende ist dabei nicht allein, sondern er steht in der Gemeinschaft aller Glaubenden. Und Jesus, der Auferstandene, ist mit ihm.
Fürchtet euch nicht! (Mt 28,5.10)
Als man Jesus gekreuzigt hatte, saßen seine Jünger hinter verschlossenen Türen.
Fürchtet euch nicht!
Als die Frauen im leeren Grab die Engel sahen, erschraken sie.
Fürchtet euch nicht!
Als ihnen der Auferstandene begegnete, konnten sie es nicht fassen.
Fürchtet euch nicht!
Jesus lebt!
Fürchtet euch nicht!
Wenn wir sehen, dass heute viele nicht mehr an Jesus glauben,
Fürchtet euch nicht!
Wenn viele nicht mehr das Fest der Auferstehung feiern,
Fürchtet euch nicht!
Auch heute ist Jesus da, er lebt!
Fürchtet euch nicht!
Seid Zeugen der Frohen Botschaft.
Fürchtet euch nicht!
Maria von Magdala (Joh 20,1-18)
Eine der Frauen, die das leere Grab Jesu und die Engel dort gesehen haben, ist Maria von Magdala. Nach Maria, der Mutter Jesu, ist sie sicher
die bekannteste Frau aus dem Neuen Testament, ja vielleicht aus der gesamten Heiligen Schrift. Jesus hat sieben Dämonen aus ihr ausgetrieben, zusammen mit anderen Frauen war sie im Gefolge Jesu, sie stand unter dem Kreuz und war die erste Zeugin der Auferstehung Jesu, sie hat den Aposteln die Botschaft von der Auferstehung Jesu gebracht und wird deshalb sogar Apostolin der Apostel genannt. Maria von Magdala war Jesus sehr nahe, hat viele seiner Wunder miterlebt, viele seiner Reden gehört. Sehr innig ist ihre Begegnung mit Jesus am Ostermorgen.
Jesus hat gewiß eine besondere Anziehung auf Frauen ausgeübt – ich meine dies im geistig – geistlichen Sinn – und tut dies bis heute. Wir erleben es immer wieder, wie ganz besonders Frauen von Jesus begeistert sind und ihr Leben ganz in seinen Dienst stellen. Wir hören von Frauen im Gefolge Jesu. Die Rolle der Frau in der damaligen Gesellschaft brachte es mit sich, dass diese eher im Hintergrund waren. Aber ich glaube, sie waren doch immer ganz dabei. Oft lesen wir, dass die Apostel Jesus nicht verstanden haben. Von den Frauen lesen wir das nie. Wie es Frauen eigen ist, oft mehr mit dem Herzen zu sehen als die Männer, so waren sie vielleicht mehr dabei als die Apostel. Sie waren bei Jesus unter dem Kreuz, als die Männer sich versteckt hielten. Sie waren die ersten am Grab, als die Männer noch ganz verstört sich hinter verschlossenen Türen verbarrikadiert hatten.
Eine solche Frau war Maria von Magdala. Sie hat erkannt, dass es allein Jesus ist, der ihrem Leben einen Sinn geben kann. Bei der ersten Begegnung wird Jesus sie angesehen haben und sie gefragt haben: Frau, was willst Du von mir? Und sie wird ihm den tiefsten Wunsch ihres Herzens gesagt haben, dass sie leben möchte. Ein Leben in der wahren Freiheit der Kinder Gottes. Jesus hat ihr geschenkt, was sie in ihrem tiefsten Inneren ersehnte.
Nun ist Jesus gestorben. Maria von Magdala war mit Jesu Mutter und anderen Frauen unter dem Kreuz. Sie haben zugesehen, wie der Leichnam Jesu in ein Grab gelegt wurde. Am Sabbat müssen sie die vorgeschriebene Ruhe einhalten. Doch am Morgen des nächsten Tages hält sie nichts mehr. In aller Frühe, als die Männer noch schlafen, eilen die Frauen zum Grab. Sie entdecken den weggewälzten Stein, das leere Grab, den Engel, der ihnen von der Auferstehung Jesu verkündet. Voll Freude und Furcht eilen sie zu den Aposteln.
Maria von Magdala bleibt am Grab. Sie kann noch nicht verstehen, was geschehen ist. Mit Jesus hat sie den liebsten Menschen verloren, ja sie hat jemand verloren, der mehr ist als ein Mensch. Wie soll ihr Leben nun weitergehen? Ihren ganzen Schmerz läßt sie in ihren Tränen freien Lauf. Da kommt Jesus, doch sie erkennt ihn nicht an seinem Aussehen. Doch dann sagt er zu ihr: „Maria“ und plötzlich erkennt sie ihn.
Ist das nicht ein Bild für uns? Auch wir können Jesus nicht äußerlich erkennen. Wir sehen ihn verborgen, in der Eucharistie, im unseren Brüdern und Schwestern, aber wir erkennen ihn oft nicht. Wie können wir Jesus erkennen? Wenn wir seine Stimme in unserem Herzen hören. Die Stimme Jesu ist unverwechselbar. Maria von Magdala hat sie erkannt. Sie will Jesus fassen. Endlich ist er wieder da. Doch er lässt sich nicht fassen. Der Auferstandene ist nicht so da wie der irdische Jesus. Das muß Maria lernen. Das lehrt sie uns. Wir können Jesus sehen, wir können seine Stimme hören, aber wir können ihn nicht fassen. Aber gerade dadurch ist Jesus uns immer nahe, auch wenn wir ihn nicht sehen, nicht greifen können. Der Auferstandene ist allen Menschen nahe. Maria wird einige Zeit gebraucht haben, um das zu begreifen. Aber sie weiß jetzt: Jesus lebt. Ihre Trauer ist verschwunden. Sie hat mit dem Herzen gesehen: Jesus lebt! Die Sonne ist aufgegangen über Golgota. Das Leben hat den Tod besiegt. Das Leben, das Maria in Jesus gesucht hat, ist ihr nicht genommen. Es bleibt ihr. Jesus lebt, Maria weiß: sie lebt mit ihm. Wir alle Leben mit Christus, weil er uns durch seinen Tod und seine Auferstehung das Leben gebracht hat.
Neues Leben - unvergänglich
Wenn wir die Erfahrung von etwas Schönem machen, das uns Freude bereitet, dessen Nähe und Da-Sein uns das Gefühl von Geborgenheit und Zuversicht vermittelt, dann wollen wir dieses Schöne festhalten, bewahren, in den Alltag hinüber retten.
Wie kann das geschehen, wo doch hier auf Erden alles vergänglich und in Bewegung ist? Ein schöner Moment ist bald vorbei, dann holen uns oft die Sorgen wieder ein. Wir können Menschen, denen wir begegnen, nicht festhalten, Blumen welken und auf Sonnenschein folgt Regen.
Für die Jünger war die Zeit mit Jesus eine ganz besondere Erfahrung. In Jesus war Gott selbst unter ihnen gegenwärtig. Welches Glück, welche Zuversicht mag solche Nähe für sie bedeutet haben. So hätte es immer weiter gehen können. Doch dann stirbt Jesus plötzlich am Kreuz. Seine Gegner haben ihn aus dem Weg geräumt und das auf die grausamste und schändlichste Weise, die man sich vorstellen kann. Man legt seinen Leichnam ins Grab. Das Ende aller Hoffnung?
Alles vergeht, Blumen welken, auf Sonnenschein folgt Regen. Nichts bleibt bestehen, nicht einmal Gott kann den Menschen auf Erden bleibend seine Nähe schenken. Oder doch? Zunächst sind die Jünger verstört und ratlos. Sie wissen nicht, wie es jetzt weiter gehen soll. Ohne Jesus fehlt ihnen die Kraft zum Handeln. Gehören nun die Worte und Taten Jesu, Liebe und Heil, die er vermittelt hat, der Vergangenheit an? Bleiben sie uns nur in der Erinnerung und in schönen Erzählungen erhalten?
In der Stille des Grabes geschieht das Unerwartete. Unbemerkt von den Menschen wirkt Gott machtvoll und eindrücklich. Kein Mensch hat es beobachtet, wir können nicht sagen, wie es geschehen ist. Doch am Ostermorgen ist plötzlich alles neu. Als in aller Frühe die Frauen zum Grab kommen, um dem Leichnam Jesu die letzte Ehre zu erweisen, ist das Grab leer, der Stein am Eingang weggewälzt.
Jesus ist nicht mehr dort. Die Frauen, Petrus und der andere Jünger, der mit Petrus zum Grab läuft, sie alle sind verwundert, verstehen nicht. Maria von Magdala weint. Hat man Jesus gestohlen? Seinen Leichnam, das letzte, was von ihm blieb, auch noch weggeschafft? Da steht ein Mann und Maria meint, es sei der Gärtner: „Wenn du ihn weggeschafft hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast.“ Sie möchte Jesus noch ein letztes Mal sehen, ihre Trauer, ihren Schmerz hintragen vor seinen toten Leib. Das Ende beweinen dieser wundervollen Zeit.
„Maria“ – es ist nicht der Gärtner, Jesus selbst steht vor ihr. Auch wenn sein Leib verwandelt ist – so kann nur einer zu ihr sprechen. Bald erscheint Jesus auch den anderen, den Frauen, den Jüngern, die voller Angst und Mutlosigkeit hinter verschlossenen Türen sitzen.
Jesus lebt! Die Jünger brauchen lange, bis sie das verstehen. Jesus, der am Kreuze starb, er ist wieder da. Freilich anders als vorher. Aber so, wie er jetzt da ist, kann er ihnen niemals mehr genommen werden. Jesus bleibt unter uns Menschen gegenwärtig. Er vermag zu allen Zeiten den Menschen die Nähe Gottes zu schenken.
Ostern sagt uns, dass wir, wenn etwas bleiben soll, seine Verwandlung zulassen müssen. Wenn wir unsere Sehnsucht ganz Gott hinhalten, wenn wir selbst loslassen und uns ganz Gott schenken, dann kann er uns eine Erfüllung schenken, die bleibt. Wir selbst können das Bleibende nicht machen. Es ist immer ein Geschenk. So, wie der Vater den Sohn von den Toten auferweckt hat und ihn für immer bei uns sein lässt, so kann er uns auch schenken, dass das Schöne bewahrt wird, Menschen zeitlos miteinander verbunden werden.
Solche Erfahrungen des Alltags können uns einen neuen Blick schenken für das, was Ostern bedeutet. An Ostern zeigt uns Gott eindrücklich und machtvoll, dass er es vermag, alles, was dem Tod und der Vergänglichkeit ausgeliefert ist, hinüberzuführen zu Unvergänglichkeit und ewigem Leben. An Ostern gibt uns Gott seine unwiderrufliche Zusage, dass er selbst immer bei uns bleibt und uns seine Nähe und seine Liebe schenkt.
Für die Jünger Jesu ist nun eine neue Zeit angebrochen. Am Karfreitag haben sie sich noch ängstlich versteckt. Mit dem Tod Jesu am Kreuz hatten sie nicht gerechnet, auch wenn Jesus sie oft darauf hingewiesen hat. Zuerst meinten sie, nun wäre alles aus. Doch dann kommt Jesus als der Auferstandene wieder zu ihnen. Nun wissen sie: Sein Tod am Kreuz war nicht das Ende. Jesus lebt!
Doch es braucht lange, bis die Jünger wirklich verstanden haben, was das bedeutet. Immer wieder erscheint ihnen Jesus und mit jeder seiner Erscheinungen verstehen sie etwas mehr. Doch richtig verstehen werden sie das Geheimnis Jesu erst, wenn er ihnen an Pfingsten den Heiligen Geist sendet, wie er es verheißen hat. Dann bekommen sie die Kraft, furchtlos im Namen Jesu Christi aufzutreten und allen Menschen die frohe Botschaft in Wort und Tat zu verkünden.
Ostermontag
Emmaus (Lk 24,13-35)
Zwei Jünger machen sich auf den Weg. Wir wissen, wohin sie gehen, nach Emmaus. Was sie dort wollen, wissen wir nicht. Nur eines wird deutlich: sie haben es in Jerusalem nicht mehr ausgehalten. Sie sind resigniert nach den Ereignissen um Jesu Tod. „Wir hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde.“ Diese Hoffnung wurde enttäuscht. Dass Jesus von den Toten auferstanden ist, wissen sie noch nicht.
Wir können uns gut in den beiden Jüngern wiederfinden. Zweifeln nicht auch wir manchmal daran, dass Jesus wirklich unter uns gegenwärtig ist, dass er unser Leben leitet und immer für uns da ist? Gibt es nicht genug Momente in unserem Leben, wo wir denken: „Wir hatten gehofft, dass Jesus uns hilft ...“
Wie die beiden Jünger sind auch wir dann oft mit Blindheit geschlagen. Jesus tritt zu ihnen hinzu, geht mit ihnen, hört sich ihre Sorgen an, macht ihnen deutlich, dass sie nur die halbe Wirklichkeit sehen. „Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch zu glauben?“ Doch sie erkennen in dem Fremden, der bei ihnen ist und mit ihnen redet, Jesus nicht.
Erst als sie mit Jesus zu Tisch sitzen und er das Brot bricht, gehen ihnen die Augen auf und sie erkennen ihn. Doch da ist Jesus plötzlich verschwunden. Aber das stört die beiden nun nicht mehr. Sie haben erkannt und glauben, dass Jesus lebt, auch wenn sie ihn jetzt nicht mehr sehen. Sofort brechen sie auf, um diese frohe Botschaft den anderen in Jerusalem zu berichten.
Auch uns zeigt Jesus sich im Wort der Heiligen Schrift und in der Eucharistie. Wie die Emmausjünger können auch wir in diesen Zeichen Jesus erkennen. Dann brauchen wir nicht mehr seine leibliche Gegenwart. Im Glauben erkennen wir Jesus als den Auferstandenen verborgen mitten unter uns.
Emmaus - Jesus bleibt unter uns
Irgendwann am Ostertag sind zwei Jünger losgegangen, nach Emmaus. Warum? Wir wissen es nicht. Ihr einziges Thema: Jesus. Wie geht es weiter? Wir hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Nun ist er tot. Die Hoffnung auf den Falschen gesetzt? Enttäuschung macht sich breit – und Ratlosigkeit. War alles umsonst, wofür wir uns in den letzten Jahren angestrengt hatten? Zwar haben die Frauen etwas von einem leeren Grab erzählt, doch was bedeutet das? Ändert das etwas?
Gut, wenn man jemand zum Reden hat, wenn man seine Fragen mit anderen teilen kann. Doch all die Worte, sie nützen nichts. Der Fremde kann noch so viel aus der Schrift zitieren, über das, was mit Jesus geschehen mußte. Tatsache ist, er ist gestorben, egal, was die Schrift sagt. Mag dort stehen, was will, unsere Erfahrung ist eine andere.
Von Blindheit geschlagen, mit Zweifeln im Herzen, von Angst erfüllt. Sie erkennen Jesus nicht. Er ist bei ihnen, geht mit ihnen, redet ihnen zu, sie verstehen ihn nicht. Eigene Wege, eigene Gedanken, wir gehen nach Emmaus – und Jesus? – wir glauben, er ist tot. Aber ihr habt doch gesehen: Das Grab ist leer! Ach ja, ein leeres Grab, was hat das schon zu bedeuten...
Jesus hat seine Mühe mit uns Menschen. Wie schwer fällt es euch zu glauben, zu begreifen... Wie schwer fällt es euch zu glauben, dass Gott die Kraft hat, Tote zum Leben zu erwecken, zu glauben, dass der Sohn Gottes nicht im Grab bleibt, zu glauben, dass Gott euch so sehr liebt, dass er sein Leben für euch hingibt damit ihr durch seinen Tod und seine Auferstehung das Leben habt?
Der Fremde redet uns gut zu. Da könnten wir noch etwas zuhören. Bleib doch noch etwas bei uns, sonst sind wir wieder allein in unserem Schmerz. Liebster Jesus, wie schwer hast du an unserem Unglauben zu tragen. Den ganzen Weg hast du den beiden zugeredet und sie haben nichts verstanden. So viele Zeugnisse haben wir von dir und verstehen doch nichts. Herr, bleibe bei uns, es wird Abend, es wird dunkel, wir sehen nichts, kennen nicht den Weg. Unser Leben – was hat es für einen Sinn?
Brotbrechen, Eucharistie – und sie erkannten ihn. Jesus lebt und er ist da – mitten unter uns. Die Augen gehen auf, Licht in der Finsternis. Er ist es! Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete. Begreift ihr nun? Ja, Herr ich glaube dass du lebst und dass in dir das Leben ist!
Nichts hält die Jünger mehr. Auf nach Jerusalem! Wir haben den Herrn gesehen! Er lebt! Er ist bei uns, er ist immer bei uns, zu allen Zeiten, auch wenn wir ihn nicht sehen. Aus den Worten werden Taten. Jetzt brauchen wir niemand mehr, der uns zuredet, und den wir doch nicht verstehen. Wir glauben, dass Jesus lebt! Er gibt unserem Leben Sinn! Er leuchtet uns in der Dunkelheit und zeigt uns den Weg!
Zwei geh´n den Weg nach Emmaus,
einsam und betrübt,
und einer der geht mit.
Zwei wissen nicht mehr weiter,
wollen einfach weg,
und einer der geht mit.
Zwei reden ohne Hoffnung,
geh´n mit müdem Schritt,
und einer der geht mit.
Sie bitten ihn zu bleiben,
suchen bei ihm Trost,
und der Fremde bleibt.
Er bricht für sie das Brot,
nimmt sie ins Gebet,
da strahlen ihre Augen.
Ja, es ist der Herr,
er ist da, er lebt,
mitten unter ihnen.
Schnell eilen sie weiter,
nach Jerusalem zurück,
und einer der geht mit.
Nun sind sie voller Hoffnung,
sind nicht mehr betrübt,
der Herr ist da, er lebt!
Da gingen ihnen die Augen auf …
Wir kennen die Geschichte der Emmausjünger. Jesus geht den ganzen Weg mit ihnen, spricht mit ihnen, aber sie erkennen ihn nicht. Erst als er mit ihnen bei Tisch sitzt und das Brot bricht, heißt es: Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn.
Da gingen ihnen die Augen auf … Irgendwoher kennen wir doch diesen Ausdruck. Ja genau. Ganz am Anfang der Bibel, bei der Geschichte von Adam und Eva. Als sie die verbotene Frucht aßen, da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren.
Haben die beiden Stellen wirklich etwas miteinander zu tun? Ich denke ja. Im Menschen liegt eine Sehnsucht nach dem Unerreichbaren, nach dem Unendlichen, nach Gott. Adam und Eva wollten diese Sehnsucht stillen, aber nicht so, wie es Gottes Wille war. Sie wollten sich selbst etwas nehmen, das ihnen nicht zustand. Das Ergebnis war bedauerlich. Anstatt großer Erkenntnis sahen sie nur ihre eigene Armseligkeit, sie erkannten, dass sie nackt waren.
In Jesus Christus will Gott den Menschen das schenken, was sie bisher vergeblich zu erlangen suchten. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat Jesus Christus den Weg zu Gott neu aufgetan, nun steht der Weg offen in das bisher Unerreichbare, in das Paradies. Dies erkannten die Emmausjünger, als Jesus das Brot brach. Die Eucharistie ist das Erkennungszeichen, dass Jesus mitten unter uns ist und dass wir durch ihn zum Leben kommen.
Herr Jesus, lass auch unsere Herzen brennen und öffne unsere Augen, dass wir dich erkennen und mit dir zum Leben gelangen. Amen.
2. Sonntag der Osterzeit –
Jesus zeigt sich den Jüngern (Joh 20,19-31)
Am Sonntag nach Ostern hören wir in jedem Jahr aus dem Johannes-Evangelium, wie Jesus den Jüngern zum ersten Mal als der Auferstandene erscheint und wie Thomas, der bei der ersten Erscheinung nicht anwesend ist, sein ganz persönliches Ostern geschenkt bekommt.
Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.
Die Zweifel ernst nehmen
Wenn wir die Berichte der Evangelien über die Auferstehung Jesu lesen, so fällt uns eines auf: nie war es eine Selbstverständlichkeit, dass Jesus auferstanden ist. Am Anfang stehen immer Zweifel und Furcht. Erst allmählich weichen diese dem Glauben und der Freude.
Auch die Apostel glaubten nicht voreilig an die Auferstehung. Auch sie brauchten Zeit, damit ihr Glaube sich festigen konnte. Doch als sie dann überzeugt sind von der Wahrheit der Auferstehung, machen sie sich umso eifriger an das Werk der Verkündigung.
Sicher ist es das Wirken des Heiligen Geistes, das ihnen die Kraft gibt, den Auferstandenen zu bezeugen. Aber es ist auch Jesu Geduld, die sie das Verständnis der Wahrheit der Auferstehung lehrt.
Jesus geht auf die Zweifel der Jünger ein. Auf dem Weg nach Emmaus hört er sich lange ihr enttäuschtes Gespräch an. Erst dann öffnet er ihnen beim Brechen des Brotes die Augen. Thomas bekommt sein ganz persönliches Ostern. Davon hören wir morgen im Evangelium.
Herr Jesus, stärke auch unseren Glauben an deine Auferstehung. Lass uns immer mehr verstehen, was es bedeutet, dass du lebst. Durchdringe unser ganzes Leben mit der Freude über deine Auferstehung und lass daraus unsere Zuversicht wachsen, dass du immer bei uns bist. Amen.
Jesus und Thomas
Thomas wollte es mit eigenen Augen sehen. Er konnte nicht glauben, was ihm die anderen erzählten, dass Jesus plötzlich durch verschlossene Türen zu ihnen getreten sei. Vielleicht fühlte er sich auch ein wenig ausgegrenzt. Es gab da etwas, das ihn von den anderen trennte. Sie haben den Auferstandenen gesehen und er nicht.
Eine ganze Woche musste Thomas warten. Wie mag es ihm ergangen sein inmitten der anderen, die schon ganz voller Freude über die Auferstehung waren? Wir wissen aus eigener Erfahrung wie schwer das ist, wenn man in einer Gruppe ist und die anderen etwas teilen, an dem man selbst keinen Anteil hat.
Doch dann kommt Jesus wieder durch verschlossene Türen. Er steht vor den Jüngern und nun ist auch Thomas dabei. Jesus geht auf Thomas zu, holt ihn zurück in die Gemeinschaft, indem er ihm seine Zweifel nimmt und sich ihm als der Auferstandene zeigt.
Mein Herr und mein Gott. Thomas sieht und glaubt. Wie groß wird seine Freude darüber gewesen sein, dass auch er den auferstandenen Herrn sehen durfte.
Herr, wir preisen dich für deine Auferstehung. Durch sie hast du die Welt mit Jubel erfüllt. Du hast den Tod bezwungen und das Leben neu geschaffen. Du hast das getan für uns. Du lebst, damit wir mit dir leben. Dir sei Preis und Ehre! Amen.
Glauben zum Leben
Thomas hat sein persönliches Ostern bekommen. Aber wie ist das mit uns? Jesus ist ja nur bis zu seiner Himmelfahrt den Jüngern leibhaft erschienen.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Die Evangelien wollen uns das glaubhafte Zeugnis derer vermitteln, die den Herrn als den Auferstandenen gesehen haben. Es liegt nun an uns, ob wir dieses Zeugnis annehmen oder nicht.
Doch warum sollten wir an die Auferstehung glauben? Was hat das mit unserem Leben heute zu tun? „Damit ihr das Leben habt in seinem Namen“, antwortet der Evangelist Johannes auf diese Frage.
Damit wir das Leben haben, dafür ist Jesus gestorben und auferstanden. Wenn wir an Jesus glauben, dürfen wir Erfahrung neuen Lebens machen. Doch wie sieht dieses neue Leben aus? Ich meine, gerade das mach das Abenteuer des Glaubens aus. Jesus will mit jedem von uns den Weg des Lebens gehen, der Leben in Fülle bedeutet und das für jeden auf eine ganz persönliche Weise.
Keiner braucht sich ausgegrenzt fühlen, das zeigt uns die Geschichte von Thomas. Es wird immer Menschen gehen, die auf dem Glaubensweg schon weiter sind und andere, die erst am Anfang stehen. Doch das soll uns nicht entmutigen. Jeder darf Schritt für Schritt diesen Weg gehen und wird so immer wieder Neues erfahren.
Herr Jesus, gib uns den Mut, das Wagnis des Glaubens auf uns zu nehmen. Gib uns den Mut, den Weg des Glaubens mit Dir zu gehen, auch wenn wir nicht wissen, wohin dieser Weg führt. Gib uns den Mut, uns ganz Deiner Führung zu überlassen. Du gehst mit uns. Amen.
Zeugen sein
Heute ist es an uns, Zeugen für die Auferstehung Jesu zu sein. Wie sollte die Welt davon erfahren, wenn nicht von uns, die wir an Jesus glauben.
In der Zeit nach Ostern, oft am Weißen Sonntag, feiern wir in unseren Pfarrgemeinden das Fest der Erstkommunion. Gerade die Kinder brauchen das Zeugnis gelebten Glaubens. Sie müssen die Erfahrung machen, dass die Geschichten von Jesus nicht etwas aus ferner Zeit sind, sondern etwas, das auch uns heute angeht.
Dazu braucht es Menschen, die selbst die Erfahrung gemacht haben, dass Jesus lebt, dass er bei uns ist und uns das Leben schenkt.
Heute gibt es viele Angebote für Menschen, die das Leben auskosten möchten. „Ich will leben!“ Hört man viele sagen. Jesus und die Kirche werden da eher als Hindernis gesehen, als etwas, das das Leben einengt, anstatt als etwas, das zum Leben hilft.
Damit wir das Leben haben. Wie ist unser Leben als Christen? Gelingt es uns, Zeugnis davon zu geben, dass das Leben mit Jesus auf Dauer zu einem erfüllteren Leben verhilft, als es andere Angebote versprechen?
Herr Jesus, mache uns zu Zeugen deiner Auferstehung. Hilf uns, so zu leben, dass die Welt erkennen kann, dass in dir das Leben in Fülle ist. Schenke uns die Freude über deine Auferstehung und lass durch uns diese Freude in die Welt dringen. Amen.
Thomas (Joh 20,24-29)
Das leere Grab allein reicht nicht aus, um an die Auferstehung Jesu zu glauben. Das haben wir gesehen bei Maria von Magdala, den Emmaus-Jüngern und den Aposteln. Heute sehen wir es wieder beim Apostel Thomas. Alle haben sie die Frauen von der Botschaft der Engel am leeren Grab berichten hören. Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Jesus ist auferstanden, er ist nicht hier! Sie alle haben wohl das leere Grab gesehen. Aber die Ratlosigkeit blieb. Maria weinte, zwei gingen nach Emmaus, die Apostel schlossen sich ein. Jesus selbst muß kommen und sich als der Auferstandene zeigen, damit sie verstehen und glauben. Was erstaunlich ist: allen erscheint Jesus auf eine ganz eigene Weise. Alle erkennen Jesus zunächst nicht, doch dann offenbart er sich, oft in einer ganz persönlichen Form. Maria erkennt den Auferstandenen daran, dass er ihren Namen ausspricht. Die Emmaus-Jünger erkennen ihn am Brechen des Brotes. Auch Thomas bekommt seine ganz eigene Erscheinung des Auferstandenen. Er war nicht da, als Jesus den anderen erschienen ist. Obwohl sie alle von der Erscheinung des Auferstandenen berichten, glaubt er ihnen nicht. So unvorstellbar ist es für ihn, dass es so etwas wie eine Auferstehung gibt. Er glaubt nicht den Worten allein, er braucht Fakten, er braucht handgreifliche Beweise. „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“
Eine Woche nach dem Auferstehungstag sind die Apostel wieder beisammen und nun ist auch Thomas dabei. Sofort geht Jesus auf die Worte des Thomas ein. Komm ruhig her. „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Es steht nicht geschrieben, dass Thomas nun wirklich noch Jesus berühren mußte. Allein sein Bekenntnis ist aufgeschrieben: „Mein Herr und mein Gott!“ Ich denke, dass sich darin erneut zeigt, dass Jesus immer anders ist, als wir ihn uns vorstellen. Maria von Magdala konnte den Auferstandenen nicht festhalten, aber in ihrem Herzen hat sie verstanden, dass Jesus als der Auferstandene unsichtbar immer und überall bei ihr ist. Die Emmaus-Jünger haben Jesus in der Eucharistie erkannt. Obwohl er plötzlich weg war, haben sie verstanden: Er lebt, er ist immer mitten unter uns. Und nun Thomas. Er wollte die Wundmale des irdischen Jesus berühren. Nun zeigt der Auferstandene ihm die verklärten Wundmale seines Auferstehungsleibes. Um wie viel mehr muss das auf ihn gewirkt haben, als wenn er nur rein menschliche Wunden gesehen hätte.
Jesus erscheint diesen Menschen auf eine je eigene Weise. Was bedeutet das anderes, als dass er zu jedem Menschen eine ganz persönliche Beziehung haben möchte. Jesus will, dass alle Menschen in diese persönliche Beziehung zu ihm eintreten. Er weiß, wie er jedem einzelnen begegnen muß, um ihn in seinem Herzen anzusprechen. Der Auferstandene will nichts anderes, als sich allen Menschen zeigen, damit sie verstehen, dass er auferstanden ist und nun als der Auferstandene immer bei den Menschen bleibt, dass er als der Auferstandene immer und überall für jeden Menschen gegenwärtig ist. Diese Gegenwart Jesu erfahren wir, wenn wir in eine lebendige Beziehung mit Jesus eintreten. Jesus spricht jeden bei seinen Namen an, wie er Maria von Magdala angesprochen hat, Jesus zeigt sich jedem Menschen wie den Emmaus-Jüngern in der Eucharistie und gibt sich uns zur Speise. Er ist auch allen Menschen nahe im Leid, in Zweifeln und Fragen, so wie er sich Thomas in seinen Zweifeln mit seinen verklärten Wundmalen gezeigt hat.
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Wir können heute Jesu verklärten Leib nicht mehr sehen wie die Menschen in den Tagen nach seiner Auferstehung. Doch die Menschen dieser Tage haben uns nichts voraus. Nicht die Erscheinung des Auferstandenen hat ihnen geholfen, sondern dass sie in eine lebendige Beziehung mit dem Auferstandenen getreten sind. Dazu war die Erscheinung des Auferstandenen eine Hilfe. Auch wir bedürfen einer Hilfe im Glauben. Auch uns genügt nicht allein die Botschaft vom leeren Grab. Wir brauchen handgreifliche Beweise. Wir können erfahren, dass Jesus lebt, weil er auch uns in eine lebendige Beziehung zu ihm ruft. Wir müssen uns nur immer wieder bewusst sein, dass Jesus uns nicht auf eine rein menschliche Weise erscheint, aber doch auf eine Weise, die wir als Menschen erfahren können. Bitten wir Jesus, dass er uns Zeichen seiner Gegenwart schenkt. Haben wir das Verlangen danach, ihn zu sehen. Glauben wir seinem Wort. Vertrauen wir uns ihm an. Treten wir ein in die gläubige Beziehung zu ihm, dann werden wir seine Gegenwart und Nähe erfahren. Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben.
Thomas erzählt - ein ganz persönliches Ostern
Es ist schon ein Pech, so etwas verpaßt zu haben. Da soll Jesus, der vor zwei Tagen ans Kreuz geschlagen worden war, zu den anderen gekommen sein. Ja genau der Jesus, von dem alle glaubten, ja mit eigenen Augen gesehen haben, dass er mausetot – wie man so sagt – ins Grab gelegt wurde. Aus, Ende, vorbei.
Irgendwie sind die anderen plötzlich so anders. Als ich vorhin aus dem Haus bin, da waren sie genau so niedergeschlagen und ratlos wie ich. Aber jetzt. Kein Vergleich. Sie sind voll Hoffnung und Freude. Jesus soll leben und bei ihnen sein. Ne, ich kann das nicht glauben. Freut euch nur, aber wenn Jesus wirklich lebt, dann muß er mir das schon selbst zeigen.
Eine ganze Woche ist nun schon vergangen. Unerträglich das ganze. Die anderen ganz aufgeregt. Und ich, mich hat man wohl vergessen, dabei bin ich genau wie die anderen die ganze Zeit mit Jesus unterwegs gewesen. Ich komm nicht mehr mit. Vielleicht sollte ich doch wieder zu meiner Arbeit zurück, als weiterhin bei diesen Leuten zu sein. Sie scheinen etwas zu haben, was mir fehlt.
Aber ich kann euch sagen: Auf Jesus ist Verlaß. Da stand er doch plötzlich wieder da, genau so, wie ihn die anderen damals gesehen haben und ruft gleich mich her zu sich. Ich denke erst, jetzt sagt er zu mir, geh weg, du Zweifler, oder so. Aber nein, mir war, als wüßte er genau, was ich die ganze Woche über durchgemacht habe. Ganz liebevoll zeigt er mir seine Wunden, damit ich auch ja erkenne, dass er selbst es ist und kein Schwindel dahinter steckt.
Ich schäme mich schon was, fall vor ihm auf die Knie und sage nur: Jesus, mein Herr und mein Gott. Und plötzlich verändert sich mein ganzes Leben. Ich weiß nun, dass mein Leben einen Sinn hat. Jesus lebt und das ist die Frohe Botschaft, die ich zusammen mit den anderen in der Welt verkünden muß. Seid nicht mehr ängstlich, es ist jemand da, der immer bei euch ist und durch dessen Liebe ihr das Leben habt. Ich bin mir sicher, Jesus wird auch jedem von euch, genau wie mir, sein ganz persönliches Ostererlebnis schenken.
3. Sonntag der Osterzeit
Am See von Tiberias (Joh 21,1-19)
Im heutigen Evangelium (Joh 21,1-19) hören wir von der Erscheinung des Auferstandenen am See von Tiberias. Sieben Jünger, Petrus, Thomas, Natanael, Jakobus, Johannes und zwei ungenannte dürfen den Herrn sehen. Viele von uns waren sicher auch schon einmal in einer ähnlichen Situation, wie die Jünger zu Beginn des heutigen Evangeliums: ihnen fehlt die Perspektive für ihr Leben. Jesus ist gestorben und obwohl er sich ihnen schon als der Auferstandene gezeigt hat, wissen sie immer noch nicht so recht, was sie tun sollen. Warum daher nicht bei dem bleiben, was man gut kann: Fischen. Zumindest von Petrus, Jakobus und Johannes wissen wir sicher, dass sie vor ihrer Berufung Fischer gewesen sind. Da Fischer ja ein durchaus ehrenwerter Beruf ist, macht es auch keinerlei Komplikationen, ihn wieder auszuüben. Ihre Familien werden sich ja auch weiterhin dieser Arbeit gewidmet haben, so dass es am nötigen Arbeitszeug nicht mangelt. Ein Matthäus, der als Zöllner berufen wurde, hatte es da schon schwerer. Er konnte, wollte er weiterhin ein Jünger bleiben, nicht mehr seinen unehrenwerten Beruf ausüben. Doch von ihm soll heute auch nicht die Rede sein.
Plötzlich steht ein Mann am Ufer und ruft den Jüngern im Boot zu, ob sie nicht etwas zu essen hätten. Sie haben nichts. Vielleicht war es eben auch der Hunger, der sie wieder zu Fischern werden ließ. Sie haben noch nicht erkannt, dass der, der Jesus ganz nachfolgt, von anderer Speise lebt, wie Jesus einmal sagt: „Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt. – Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.“ (Joh 4,32-34) So wird sich auch hier im weiteren Verlauf zeigen, dass Jesus, obwohl er die Jünger nach etwas Essbarem fragt, doch ihrer Speise nicht bedarf, ja dass er selbst schon am Ufer eine Speise für die Jünger bereitet hat. Als sie an Land kommen, finden sie neben Jesus ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Es kommen einem auch die Worte Jesu aus der Bergpredigt in den Sinn: „Sorgt euch nicht darum, dass ihr etwas zu essen oder anzuziehen habt. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen.“ (Mt 6,31-33) Jesus will den Jüngern zeigen, dass sie sich nicht zu sorgen brauchen. Er kümmert sich um sie. Ihre Aufgabe ist es, sich von Jesus senden zu lassen und das Reich Gottes zu verkünden.
Doch eilen wir nicht zu schnell voran. Blicken wir nochmals auf die Jünger im Boot, wie sie plötzlich Jesus am Ufer sehen, ihn aber nicht erkennen. Sie haben nichts gefangen. Wie auch? Wir kennen eine ähnliche Begebenheit, vor ihrer Berufung, als die Jünger schon einmal nichts gefangen hatten, dann Jesus ihr Boot quasi als Predigtkanzel zur Verfügung gestellt hatten und Jesus sie dann nach seiner Rede noch einmal zum Fischen ausgesandt hat. (Lk 5,1-11) Damals waren ihre Netze so voll, dass sie zerrissen. Doch es sollte nach dem Willen des Herrn ihr letzter Fischfang auf dem Wasser gewesen sein. Von nun an sollten sie Menschenfischer sein. Und was machen sie nun? Sie fahren am Ende doch wieder aufs Wasser. Kein Wunder, dass sie erfolglos sind. Jesus muß ihnen erst wieder zeigen, was ihre eigentliche Aufgabe ist.
Doch Jesus weist sie auch diesmal an, ihr Netz nochmals auszuwerfen, und zwar auf der rechten Seite. 153 Fische fangen sie nun und diesmal zerreißt das Netz nicht. Dieser erfolgreiche Fang soll aber nicht zeigen, dass sie doch noch als Fischer taugen, sondern er steht symbolisch für den bevorstehender erfolgreichen Fang als Menschenfischer. 153 soll die Zahl der zur damaligen Zeit bekannten Völker sein, was dann soviel bedeutet, dass durch die Apostel allen Völkern das Evangelium verkündet wird. Man kann diese Zahl aber auch noch anders deuten. Nimmt man die Zahl Zehn als Symbol der Zehn Gebote des Alten Bundes und die Zahl Sieben als Symbol der Sieben Gaben des Heiligen Geistes im Neuen Bund, so kann man sagen, dass die Zahl 17 all unsere Kraft und unser Handeln vollständig umfasst, weil sie ausdrückt, dass wir als Christen die Gebote des Alten Bundes in der Kraft der Gaben des Heiligen Geistes leben. Die höchsten Tugenden, die alles umfassen, sind aber diese drei: Glaube, Hoffnung und Liebe. Dies zeigt sich in der Zahl 51 (17x3). Dies alles aber geschieht im Glauben an den dreifaltigen Gott, womit wir die Zahl 153 (51x3) erhalten.
Doch wenden wir uns nun wieder den Jüngern zu. Nach dem erfolgreichen Fischfang ist Johannes er erste, der Jesus erkennt. Er sagt es Petrus und dieser zögert nicht, ins Wasser zu springen und zu Jesus zu eilen. Es ist die Liebe, die ihn treibt. Die Liebe treibt uns hin zu dem Geliebten. Liebende Menschen möchten immer beisammen sein. Unsere größte Liebe aber soll dem Herrn gelten. Bei ihm zu sein soll das Höchste für uns sein. Was bedeutet dies für uns heute anderes, als dass wir Freude haben am Gebet, an der Feier der Heiligen Messe, am Lesen der Heiligen Schrift. Doch auch in unserem Alltag können wir immer bei Jesus sein, indem wir in allem, was wir tun, immer an ihn denken.
Diese Liebe des Petrus, die sich in seinem Sprung ins Wasser und seinem Hineilen zu Jesus zeigt, hinterfragt nun der Herr. „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Dreimal fragt Jesus ihn. Scheint im deutschen Text die Frage dreimal unverändert zu sein, so ist im griechischen Originaltext eine deutliche Veränderung erkennbar. Wir kennen im Deutschen nur ein Wort für Liebe, wir unterscheiden höchstens zwischen einem tiefen Lieben und einem schwächeren lieb haben. Vielleicht kann uns das hier weiterhelfen. Während Jesus Petrus die ersten beiden Male nach dieser tiefen Liebe fragt, kann Petrus immer nur antworten, dass er Jesus lieb hat. Beim dritten Mal geht Jesus auf diese Abschwächung des Petrus ein. Er fragt ihn einfach, ob er ihn lieb hat. Nun kommen Jesus und Petrus in ihren Worten überein. Jesus verlangt von uns nicht eine Liebe, die das menschliche Maß übersteigt. Jesus möchte, dass wir ihn gerade so lieben, wie es für uns möglich ist, aber er möchte, daß wir unser Bestes geben. Unsere größte Liebe soll dem Herrn gelten und wenn wir uns an ihm ausrichten, so kann unsere Liebe immer mehr wachsen. Dadurch finden wir immer näher zu Gott, der seinem Wesen nach die vollkommene Liebe ist. Unsere Liebe wird einst ihre Vollendung finden, wenn Gott uns aufnimmt in sein Reich, wo wir immer bei ihm sind und ihn schauen, wie er ist, wo wir seine vollkommene Liebe erkennen. Hier auf Erden gilt es für uns trotz unserer Unvollkommenheit ihm mit all unserer Kraft nachzufolgen und seine Zeugen zu sein – aus Liebe.
Es ist der Herr! (Joh 21,1-14)
Die Auferstehung ist schon einige Tage her, zweimal ist Jesus den Jüngern bereits erschienen, aber doch wissen die Apostel immer noch nicht, wie es weitergehen soll, sie kennen Jesus noch nicht wirklich als den Auferstandenen. Da hat Petrus die glanzvolle Idee: „Ich gehe fischen.“ Die anderen kommen mit, doch sie fangen nichts. Ihre Bestimmung ist es nicht, wieder Fischer zu sein.
Da steht Jesus am Ufer, aber nur einer erkennt ihn, es ist der Jünger, den Jesus liebte. "Es ist der Herr!" Jetzt geht alles ganz schnell. Er sagt es Petrus, der sofort in den See springt, um zu Jesus zu schwimmen. Auch die anderen sind voll Freude: Jesus ist da! Plötzlich sind die Netze voller Fische. Jesus bringt ihnen Freude und Hoffnung, er gibt ihrem Leben einen Sinn.
Die Jünger müssen noch einiges lernen, aber sie verstehen immer mehr, worauf es ankommt: Immer mit Jesus zu sein. Als er noch lebte, war das nicht schwer. Nun aber müssen sie lernen, dass er auch als der Auferstandene immer bei ihnen ist und dass sie immer bei ihm sein können, auch wenn sie ihn nicht sehen. Das ist schwieriger, denn nun ist es allein ihr Herz, in dem Jesus seinen Platz finden muss.
Es ist auch unsere Lebensaufgabe, Jesus in unserem Herzen einen Platz zu bereiten. Erst wenn wir gelernt haben, bei Jesus zu sein, können auch wir hinausgehen und den Auftrag Jesu erfüllen: „Gehet hin und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,19f) Von Jesus können wir Menschen nicht nur durch Worte überzeugen. Wir müssen sie in die Begegnung mit ihm einführen. Wir müssen den Menschen Jesus bringen, wir müssen den Menschen Wege zeigen, wie sie Jesus begegnen können. Das ist unser Auftrag und die Sendung, die Jesus uns gegeben hat. Das können wir nur, wenn wir selbst gläubig darauf vertrauen, dass Jesus immer bei uns ist, dass er es ist, der durch uns wirkt und der die Herzen der Menschen anrührt. Er hat ja gesagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“
Herr Jesus, öffne Du unsere Herzen, für Deine Gegenwart. Du bist die Wahrheit. Durch dich ist uns die
Wahrheit zum Weg geworden, den wir gehen können und der uns zum Leben führt. Ohne dich sind wir im Dunkel über die wesentlichen Fragen unseres Lebens. Ohne dich sind wir wie Schafe ohne Hirten. Du aber hast uns bei deiner Auffahrt in den Himmel nicht als Waisen zurückgelassen. Deinen Jüngern hast du nicht nur den Auftrag erteilt, die Menschen den rechten Weg zu lehren. Du hast ihnen für alle Zeiten den Heiligen Geist verheißen, der Generation um Generation in die ganze Wahrheit führt. Vom Heiligen Geist geleitet trägt die Gemeinschaft der Jünger – die Kirche – dein Wort durch die Zeiten. In ihr lebt dein Wort; in ihr bleibt es immer Gegenwart und öffnet Zukunft. Hilf uns, dass wir durch das Verkündigungswort der Kirche lernen, alles zu halten, was du geboten hast. Hilf uns, im Wort des Glaubens dich selber zu finden, dich kennen und lieben zu lernen. Hilf uns, Freunde der Wahrheit - deine Freunde, Freunde Gottes zu werden.
Am See (Joh 21,1-14)
Obwohl Jesus sich den Jüngern nun schon zwei Mal als der Auferstandene gezeigt hat, ist für sie immer noch nicht klar, wie es jetzt weitergeht. Petrus und einige andere Jünger gehen fischen. Sie arbeiten hart, die ganze Nacht, aber sie fangen nichts.
Kennen wir nicht auch die Nächte in unserem Leben, Tage, Wochen, in denen nichts gelingen mag, in denen wir uns einsam und verlassen vorkommen und fragen: Wie soll es weiter gehen?
Es wird Morgen, da steht jemand am Ufer, ruft ihnen zu, ermuntert sie, es noch einmal zu versuchen und nicht aufzugeben. Das Netz wird übervoll. Da erkennen sie ihn: „Es ist der Herr!“
Auch in unseren Nächten dürfen wir auf einen Morgen hoffen. Auch wenn es schwer fällt, es gilt, nicht aufzugeben. Irgendwann erkennen wir den Lichtstrahl in unserer Finsternis, einen Menschen, dem wir vertrauen können.
Jesus sorgt sich um die Jünger. Er fragt sie, ob sie etwas zu essen haben. Dabei hat er schon alles, was nötig ist, vorbereitet, ein Feuer, Fisch und Brot. Es ist alles da, und doch will Jesus, dass die Jünger auch selbst etwas beitragen. Aber auch ihr überreicher Fang ist ein Geschenk aus Gottes überfließender Gnade.
Erkennen wir, wie Jesus in unserem Leben für uns sorgt? Hören wir seine Stimme, die auch uns einlädt: „Kommt her und eßt!“ Wir können ausruhen bei Jesus. Er hat alles vorbereitet, um es uns zu schenken.
So selbstverständlich mit Jesus zusammen sein; mich von ihm versorgen zu lassen; einfach beieinander verweilen, keine Worte mehr nötig. Welch ein Glück!
Fleisch und Knochen (Lk 24,35-48)
Noch einmal hören wir heute im Evangelium von der Erscheinung des Auferstandenen. Wie die Apostel, so können wohl auch wir es nicht fassen, dass Jesus, wie er selbst sagt, mit Fleisch und Knochen vor ihnen steht. Ja sie müssen ihm sogar
etwas zu Essen geben, bevor sie begreifen: Das ist kein Geist, das ist nicht irgendeine Erscheinung von Jesus, sondern das ist Jesus selbst!
Wenn Menschen sterben, so sehen wir, wie ihr Leichnam in die Erde gelegt wird und wir wissen, dass er dort der Verwesung preisgegeben ist. Wir glauben aber auch daran, dass der Mensch mit Leib und Seele auferstehen wird. Im Himmel werden wir also nicht irgendwelche Lichtwesen sein, sondern wir werden auch dort einen Leib haben.
Der auferstandene Leib unterscheidet sich aber vom irdischen. Warum sonst hätten die Jünger bei all seinen Erscheinungen Jesus zunächst nicht erkannt? Dennoch hat der Auferstandene etwas, das die Jünger bei näherem Hinsehen erkennen lässt, dass es wirklich Jesus ist.
Jesus kam es zu, bis zu seiner Himmelfahrt hier auf Erden in seinem Auferstehungsleib zu erscheinen. Uns bleibt die sichere Hoffnung, dass auch wir einst zusammen mit Jesus als Auferstandene mit ihm leben werden. Dann werden auch wir Jesus wiedersehen, der uns jetzt auf Erden verborgen nahe ist. Von der Freude, die diese Hoffnung bewirkt, allen Menschen zu erzählen, ist der Auftrag Jesu an uns alle.
„Nie erkennen die Jünger Jesus bei seinen Erscheinungen sofort. Sie halten ihn für den Gärtner (Maria von Magdala), einen Fremden (Emmausjünger) oder einen Geist. Aber sobald eine vertraute Geste ins Spiel kommt - wenn er das Brot bricht, die Jünger auffordert, noch einmal die Netze auzuwerfen, sie mit ihrem Namen anspricht - , wissen seine Freunde, dass er hier bei ihnen ist. Hier rühren Abwesenheit und Anwesenheit aneinander. Den früheren Jesus gibt es nicht mehr. Sie können nicht mehr genau wie früher mit ihm zusammen sein. Der neue Jesus, der auferstandene Herr, ist da, vertraut und nah, näher denn je.“
Henri Nouwen
4. Sonntag der Osterzeit
Lesejahr A - Vertraut (Joh 10,1-10)
Im heutigen Evangelium gebraucht Jesus das Bildwort vom Hirten und den Schafen. Dieses Bild, dem ja in der Kirche eine ganz besondere Bedeutung zukommt, hat für viele einen eher negativen Beigeschmack. Sie sehen in der Herde der Schafe nur eine gleichförmige Masse, die blind ihrem Hirten folgt. Die Herde, das sind die, die selber nicht nachdenken und einfach hinterher laufen. Das widerspricht natürlich dem Verlangen vieler Menschen nach Unabhängigkeit und grenzenloser Freiheit. Doch ist es wirklich das, was Jesus meint, wenn er vom Hirten und der Herde spricht?
Uns Menschen heute ist ein Hirt mit seiner Herde bei weitem nicht mehr so vertraut, wie den Menschen zur Zeit Jesu. Würde man einen guten Hirten – und von solch einem spricht Jesus ja – fragen, was er von seinen Tieren hält, so wird er sie sicher nicht als eine dumme, blökende Masse bezeichnen. Der gute Hirt kennt jedes Tier aus der Herde. Er weiß, wieviel er jedem einzelnen zumuten kann. Er darf die Herde nie schneller und weiter führen, als es das schwächste Tier verkraftet. Er merkt sofort, wenn einem Tier etwas fehlt, er sucht das Verirrte. Er ist vertraut mit jedem einzelnen Tier der Herde. Er weiß, dass jedes Tier anders ist und schon allein deshalb ist die Herde für ihn mehr als eine gleichförmige Masse. Auch die Schafe folgen nicht blind jedem Hirten. Sie sind vielmehr mit ihrem Hirten vertraut. Sie kennen genau seine Stimme. Sie mußten sich erst an ihn gewöhnen. Nun, da sie ihn kennen, folgen sie ihm, weil sie wissen, dass er sie stets den richtigen Weg zu grünen Weiden und frischem Wasser führt. Schön bringt Jesus diese Vertrautheit zwischen Hirt und Herde zum Ausdruck, wenn er sagt: „Die Schafe hören auf die Stimme des Hirten. Er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen. Er geht ihnen voraus und sie folgen ihm, denn sie kennen seine Stimme. Vor einem Fremden aber werden sie fliehen, weil sie seine Stimme nicht kennen.“
Hirten im übertragenen Sinn sind alle Menschen, die irgendwie Verantwortung für andere haben, die andere Menschen führen. Um ein guter Hirte zu sein, ist dieses vertraute Verhältnis untereinander unerläßlich. Wer Menschen führt, muß die ihm Anvertrauten kennen, ihre Stärken und Schwächen, er muß wissen, wieviel er jedem zutrauen kann, wen er besonders fördern muß. Ein guter Hirte muß aber auch seine Herde zusammen halten können und dazu gehört eine gewisse Autorität. Wenn sich die Herde zerstreut, kann der Hirte nicht mehr für sie sorgen. Nur, wenn die Herde zusammen bleibt, hat er die Möglichkeit, sich auch um den einzelnen zu kümmern. Menschen, die andere führen, müssen um diese Gabe der liebevollen Strenge bitten und um die Vertrautheit mit den Menschen.
Wenn wir auf die Kirche blicken, so ist Jesus der oberste Hirte und die Menschen, die in der Kirche Verantwortung tragen, haben teil an diesem Hirtenamt Jesu Christi, der sich der Menschen bedient, um sein Werk auf Erden auszuführen. Wenn Menschen im Namen Jesu andere Menschen führen, dann ist es sehr wichtig, dass sie selbst mit Jesus vertraut sind. Wer in den Dienst Jesu tritt, muß seinen Meister kennen. Wir sollen ja die Menschen nicht in unserem Namen führen, sondern im Namen Jesu. Nur wer Jesus kennt, weiß auch, was sein Wille ist und wohin er die Menschen führen möchte.
Jesus sagt, dass er die Tür zu den Schafen ist. Der gute Hirte geht durch diese Tür zu den Schafen und führt die Schafe durch diese Tür hinaus auf die Weide. Alle anderen, die nicht durch diese Tür gehen und die die Schafe in ihrem eignen Namen führen wollen, sind Diebe und Räuber. Sie führen die Schafe, auf einen Weg, der in den Tod führt. Wir erleben es ja leider viel zu oft, dass Menschen sich von falschen Hirten verführen lassen. Jesus aber will, dass die Menschen das Leben haben und es in Fülle haben. Daher müssen wir uns immer wieder prüfen, wie vertraut wir mit Jesus sind, ob wir wirklich in seinem Namen zu den Menschen gehen, oder doch, wenn auch versteckt, in unserem eigenen Namen. Menschen zu Jesus führen, das ist die größte Aufgabe eines Menschen.
Wie schwierig es ist, Menschen zu führen, zeigt uns das Beispiel des Mose. Im Namen Gottes hat er die Israeliten aus Ägypten geführt, doch bald schon fangen sie an, gegen Gott und gegen ihn zu murren und Mose hat alle Mühe, sie zusammenzuhalten und weiterzuführen. Alle anderen Wege erscheinen besser als der, den sie gehen sollen. Als er dann auf den Berg Horeb steigt, um von Gott die Zehn Gebote zu empfangen, ist niemand da, der das Volk wirklich führen kann. Aaron, sein Stellvertreter, ist dem Volk zu Willen und läßt sich darauf ein, das goldene Kalb als Götzenbild herzustellen. Dafür tadelt ihn Mose scharf: „Was hat dir dieses Volk getan, dass du ihm eine so große Schuld aufgeladen hast?“ Denn Aaron hatte das Volk verwildern lassen. Der Hirte ist für seine Herde verantwortlich. Wenn der Hirte die Herde verwildern läßt, wenn er aus falscher Nachsicht schwach wird, dann macht er sich an der Herde schuldig und er muß dafür gerade stehen.
Auch die Menschen unserer Zeit brauchen Hirten, die sie führen. Sie brauchen Menschen, die sie zu Jesus führen, Menschen, die mit Jesus vertraut sind und die anderen Menschen Jesus zeigen können. Menschen, die die nötige Strenge haben, um selbst konsequent den Weg mit Jesus zu gehen und so auch anderen die Konsequenzen deutlich machen können, die mit dem Weg Jesu verbunden sind. Allein wer auf dem Weg der Gebote geht, kann zu den saftigen Weiden und den sprudelnden Bächen gelangen, zum Leben in Fülle, das Jesus uns schenken möchte. Doch so viele andere Wege sehen um vieles verlockender aus, doch sie führen am Ende in den Abgrund.
Herr, sende uns Menschen, die mit Deiner liebevollen Strenge andere zu führen vermögen, die sich um jeden einzelnen Menschen kümmern, die den Kranken helfen, den Verirrten nachgehen und den Sündern in Deinem Namen die Vergebung zusprechen. Menschen, die mit Dir vertraut sind und die auch das Vertrauen anderer Menschen verdienen. Herr Jesus, bewahre uns vor den falschen Wegen und führe uns Deinen Weg, der zum Leben in Fülle führt.
Lesejahr B - Der Gute Hirte (Joh 10,11-18)
An diesem Sonntag hören wir das Evangelium vom guten Hirten (Joh 10,11-18). Jesus spricht: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.“ Das Bild vom Hirten bedeutet zweierlei: Zum einen bietet der Hirte der Herde Schutz. Er weiß, was gut für seine Schafe ist, er setzt sich für sie ein, führt sie zu den saftigen Weideplätzen und behütet sie vor allen Gefahren. Zum anderen bedeutet es aber auch, daß die Schafe sich führen lassen. Im Vertrauen auf die Güte des Hirten dürfen sie sich ihm ganz anvertrauen und den vorgezeigten Weg gehen.
Christus hat sich uns als der gute Hirte gezeigt. Im Licht des Osterereignisses offenbart dieses Wort seine tiefe Wahrheit: Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Seinen. Christus hat uns durch seinen Tod und seine Auferstehung erlöst. Seither heißt Hirte sein: für andere leben, arbeiten, leiden: dem Leben dienen, der Wahrheit und der Einheit. Wir dürfen uns allezeit in den Händen Gottes geborgen wissen. Im Ersten Johannesbrief (3,1-2) lesen wir: „Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, daß wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ Gott liebt uns und wir sind seine Kinder. In Jesaja 49,15 heißt es: Kann denn eine Mutter ihr Kindlein vergessen? Und selbst wenn sie es vergäße, ich vergesse Dich nicht. Gottes Liebe übersteigt die größte Liebe die es unter Menschen geben kann. Er verlangt danach, uns allezeit mit seiner Liebe zu beschenken.
Wenn wir uns seiner Hirtensorge anvertrauen, können wir sicher sein, daß er es nicht zulassen wird, daß uns ein Unheil widerfährt, das über unsere Kraft hinausgeht. Wenn wir auch von den Leiden und Gebrechen dieser Welt nicht ganz verschont bleiben, wird Gott uns in seiner Liebe doch immer Trost und Hilfe zuteil werden lassen. Er kann auch heute unsere Leiden und Gebrechen heilen. In der Apostelgeschichte (4,8-12) hören wir vom Bekenntnis des Petrus nach einer Krankenheilung: Der Kranke wurde geheilt „im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.“ An solche Wunder dürfen wir auch heute glauben.
Vertrauen wir in allen Situationen unseres Lebens auf die Liebe, das Angenommensein von Gott. Diese Liebe schließt aber auch ein, daß wir bereit sind, auf Gottes Weg zu gehen. Als der gute Hirte zeigt er jedem von uns seinen Weg. Es gibt zu allen Zeiten viele schlechte Hirten, denen es nicht um die Herde, sondern nur um sich selbst geht. Wir kennen die vielen Verlockungen der heutigen Zeit, die uns ein Glück vorgaukeln, das doch nicht wirklich glücklich machen kann. Das wahre Glück ist nur bei Gott zu finden. Es liegt an uns, auf dem Weg Gottes zu bleiben, uns von ihm führen zu lassen und so unter dem Schutz des guten Hirten zu stehen, behütet vor allem Bösen durch seine Liebe.
Heute hören wir das Evangelium vom Guten Hirten. Für viele ist der Psalm 23 zu einem vertrauten Begleiter geworden, der genau dieses
Geheimnis der treuen Sorge Gottes um uns Menschen zum Ausdruck bringt, von der das Evangelium erzählt.
Der gute Hirte gibt sein Leben hin für die Schafe. Wir haben es an Ostern gefeiert, wie Jesus aus Liebe zu uns Menschen sein Leben hingegeben hat. Er hat als der gute Hirt gesehen, wie das Leben seiner Schafe, wie das Leben jedes Menschen, immer wieder bedroht wird vom Wolf, der die Macht der Sünde und des Bösen ist.
Um das Leben der Schafe zu retten, sah er keinen anderen Weg, als sich selbst dem Wolf auszuliefern. Dieses Sich-Ausliefern konnte aber nur Erfolg haben, weil Jesus Macht hat, die Macht, sein Leben hinzugeben, und die Macht, sein Leben wieder zu nehmen. So ist er dem Wolf, der Sünde und dem Bösen überlegen und kann so wirklich das Leben seiner Schafe für immer retten. Jesus hat in seiner Macht die Sünde und das Böse ein für alle Mal besiegt. Nun kann nichts und niemand mehr seinen Schafen schaden.
Vertrauen wir uns und unser ganzes Leben immer Jesus Christus an. Versuchen wir nicht, aus seiner Herde auszubrechen, auch wenn so viele Stimmen uns sagen, dass nur irgendwo da draußen die Freiheit zu finden sei. Jesus will uns mit seiner Sorge nicht einengen, sondern er will uns den Platz bereiten, an dem wir uns erst richtig entfalten können und wo wir wirklich frei sind. Vertrauen wir darauf.
Lesejahr C – Ich gebe ihnen ewiges Leben (Joh 10,27-30)
Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.
So spricht Jesus im Evangelium des Vierten Sonntags der Osterzeit als der gute Hirte. Das Bild von Jesus als dem
guten Hirten erfreut sich seit frühesten Zeiten größter Beliebtheit und ist vielleicht eine der ältesten Darstellungen, die Christen von Jesus gemacht haben. In den Katakomben von Rom finden wir über 140 mal dieses Bild. Einer der bekanntesten Psalmen ist der Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte ... Was fasziniert die Christen bis heute daran?
Eigentlich ist es nicht besonders erstrebenswert, ein Schaf zu sein. Schafe gehören zu den schutzlosesten Tieren überhaupt. Sie haben keine scharfen Zähne oder Klauen, sind weder besonders schnell, noch besonders stark. Daher können sie sich bei einer Bedrohung weder verteidigen noch weglaufen. Sie brauchen den Schutz eines Hirten, um überleben zu können.
Auch wir Menschen erfahren uns oft hilflos in dieser Welt, gerade wenn es darum geht, sich dem Bösen und dem Leid zu widersetzen. Auch dem Tod ist der Mensch hilflos ausgeliefert. Er braucht einen Erlöser, der ihn vor dem Bösen und dem Tod bewahrt.
Dieser Erlöser ist Jesus Christus. Er kam als Mensch zu uns auf die Erde. Er hat sich selbst ganz in die Hände des Bösen und des Todes übergeben, er nahm unsägliches Leid auf sich, als er am Kreuz starb. Jesus hat sein Leben hingegeben für die Schafe, hat den Tod auf sich genommen, damit wir das Leben haben.
Im Tod hat Christus den Tod besiegt. Weil Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, haben auch wir die Hoffnung, dass wir mit Christus durch den Tod zum Leben hinübergehen. Wir glauben Jesu Wort, das uns ewiges Leben verheißt.
Von uns selbst aus können wir dieses ewige Leben nicht erlangen. Dem Tod gegenüber sind wir hilflos wie die Schafe. Doch unser Hirte führt uns auf dem Weg zum Leben. Er ist uns voran gegangen. Wenn wir auf seine Stimme hören und ihm folgen, finden wir den Weg zum ewigen Leben.
Wie der gute Hirte kümmert sich Jesus um uns, dass wir auf dem Weg nicht verloren gehen. Gott kennt jeden einzelnen von uns. Für den guten Hirten ist nicht ein Schaf wie das andere. Er erkennt das Besondere eines jeden Schafes, jedes hat seinen ganz persönlichen Namen. Unter den Milliarden der Menschheit weiß Gott um jeden einzelnen. Jedem schenkt er ganz persönlich seine Zuwendung. Sein Herz sehnt sich danach, dass jeder Mensch auf die Stimme des guten Hirten hört. Gott will, dass alle eingehen zum ewigen Leben in seinem Reich.
Ist es dieser Glaube an Gottes liebende Sorge um uns, seine Verheißung von Leben in Fülle, die das Bild von Jesus als dem guten Hirten zu allen Zeiten so bedeutsam machen?
2. Sonntag der Osterzeit