Texte zu Christi Himmelfahrt und zum 5.-7. Sonntag der Osterzeit
Christi Himmelfahrt
Ihr Männer von Galiläa, was schaut ihr zum Himmel empor? Dieser Jesus, der vor euch in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen. Halleluja! (Vgl. Apg 1,11)
Vierzig Tage lang ist Jesus nach seiner Auferstehung bei seinen Jüngern gewesen. Er hat ihnen noch einmal seine Worte ins Gedächtnis gerufen. Er hat sie gelehrt, was es heißt, dass er auferstanden ist und nun als der Auferstandene für immer bei ihnen bleibt. Nun sind sie gestärkt, „allein“ weiterzumachen. Aber sie bleiben nicht allein. Jesus bleibt immer in ihrer Mitte und er wird ihnen den Heiligen Geist senden. „Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, werde ich ihn zu euch senden.“ (Joh 16,7)
Es ist wunderbar zu sehen, wie Jesus für seine Jünger sorgt, wie er sich sorgt um die Kirche, wie er den Menschen Kraft gibt für ihren Weg, wie es immer weitergeht, auch wenn die Menschen zunächst nicht wissen, wie. Gott hat einen Plan. Das soll uns Mut machen, dass wir nicht verzagen, wenn es uns manchmal geht wie den Jüngern am Himmelfahrtstag, als sie noch lange in den Himmel schauten, dorthin, wo Jesus vor ihren Augen aufgefahren war und sich fragten: Wie geht es weiter? Es geht weiter. Wir sehen es. An Pfingsten geschah etwas für die Jünger ganz Unerwartetes. Gott macht mehr für uns, als wir uns vorstellen können, wenn wir nur bereit sind für ihn.
Denken wir daran, wenn wir in unserem Leben an einem Wendepunkt stehen, wenn wir einmal nicht wissen, wie es weitergehen soll, wenn wir auf unserem Weg kraft- und mutlos geworden sind. Jesus wird uns immer weiter führen. So wie Jesus durch den Tod hindurch vom Leben zum Leben gegangen ist, so bedeutet auch für uns nichts, was geschieht, das Ende. Jesus will, dass wir zum Leben in Fülle gelangen. So ist für uns jedes Hindernis auf unserem Weg nichts anderes als der Anstoß zu einem neuen Anfang, einem neuen Anfang mit Christus, der uns mehr Leben bringt.
Vertrauen wir darauf, dass Gott einen Plan hat. Egal, was geschieht, er verläßt niemals die, die ihm treu sind. Vertrauen wir ihm all unser neues Beginnen und unser Tun an. Schauen wir auf die Jünger, wie Jesus sie durch die Zeit seines Leidens und Todes geführt hat, wie er sie nach seiner Auferstehung bestärkt hat, wie sie dann bei seiner Himmelfahrt ganz seine irdische Seinsweise loslassen mußten und wie sie an Pfingsten ganz neu erfüllt wurden mit dem Feuer des Heiligen Geistes.
Bitten wir nur immer wieder um die Bereitschaft, den Willen Gottes zu erkennen und ihn zu tun. Es ist der Heilige Geist, der uns in den Willen Gottes einführt und uns hilft, ihn zu erfüllen. Beten wir besonders jetzt in den neun Tagen vor Pfingsten um seinen Beistand. Versammeln wir uns mit den Jüngern und mit Maria zum Gebet um den Heiligen Geist. Vertrauen wir darauf, dass es auch bei uns „weitergehen“ wird, dass Jesus uns nicht als Waisen zurückläßt. Er hat uns ja bei der Taufe und bei der Firmung seinen Heiligen Geist schon geschenkt. Beten wir darum, dass wir sein Wirken noch deutlicher spüren, seinen Weisungen besser folgen.
Christi Himmelfahrt 2010 – Eine neue Perspektive
Ein letztes Mal erscheint der Auferstandene den Jüngern. Jesus fasst dabei noch einmal den Kern seiner Botschaft zusammen. Sein Leiden, Sterben und Auferstehen, der Ruf zur Umkehr und die Vergebung der Sünden – davon sollen die Jünger Zeugnis geben. Jesus überträgt ihnen die Verantwortung für die Verkündigung des Evangeliums. An ihnen liegt es nun, ob die Menschen die befreiende Botschaft von der Erlösung durch Jesus Christus erfahren. Doch die Jünger bleiben nicht auf sich allein gestellt. Jesus verheißt ihnen Kraft und Beistand aus der Höhe. Dann entzieht sich Jesus ihren Blicken – endgültig bis zu seiner Wiederkehr am Ende der Tage.
Halten wir heute an Christi Himmelfahrt inne, um dieses Ereignis zu betrachten. In der Apostelgeschichte heißt es, dass die Jünger gar nicht mehr aufhören konnten, auf die Stelle zu blicken, an der sie Jesus zuletzt gesehen haben. Eine Wolke entzog ihn ihren Blicken. Sehr schön ist auf einer mittelalterlichen Buchmalerei zu sehen, wie aus der Wolke die Hand des Vaters den Sohn zu sich zurück in den Himmel holt.
Jesus ist nun ganz weg. Das scheint wie ein Schock gewesen zu sein, der die Jünger lähmte und ihre Blicke gefangen hielt. Sie haben noch nicht die Kraft des Heiligen Geistes erfahren, den Jesus ihnen senden wird.
Wir kennen sicher auch Situationen, in denen uns ein Ziel, das wir lange Zeit mit aller Kraft verfolgt haben, plötzlich aus den Augen entschwindet. Plötzlich zeigt sich uns ganz deutlich, dass wir etwas Erstrebtes nicht mehr erreichen können. Unser Tatendrang und unsere Energie sinken auf den Nullpunkt. Was nun? fragen wir uns bange.
Die Jünger werden aufgerüttelt durch zwei Engel. „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“
Die Jünger brauchen diesen Zuspruch. Auch wir brauchen in der Krise jemanden, der uns ein Zeichen gibt, wohin wir gehen können, jemanden, der uns Mut macht, der uns einen Weg aus der Krise zeigen kann hin zu einem neuen Ziel.
„Dann kehren sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.“ Plötzlich ist der Schock überwunden. Die Herzen der Jünger sind aufgegangen. Sie haben erfahren, dass das Entschwinden Jesu nicht das Ende war, sondern der Anbruch einer neuen Zeit, in der es gilt, die Freude und das Glück, das sie mit Jesus erfahren haben, als er noch unter ihnen lebte, weiterzugeben, damit alle Welt es hören kann.
Die Jünger haben eine neue Perspektive erfahren. Jesus ist zwar nicht mehr unter ihnen, er ist aber auch nicht in einen fernen Himmel entschwunden. Jesus lebt, er ist mitten unter uns!
Von der Liebe gedrängt, wie er in die Welt hinabgestiegen ist, steigt der wunderbar verherrlichte Sohn hinauf zum Vater, gezogen von dessen allmächtiger Liebe.
Das Zeichen der Erlösung, das Kreuz, das der Engel bei der Menschwerdung zu Maria gebracht hat, bringt der Erstgeborene von den Toten heim zum Vater als Zeichen seines Sieges. Das Evangelium, das Jesus in die Welt getragen hat und vor seiner Himmelfahrt den Aposteln übergab, tragen diese nun in ihrem Herzen. Den Jüngern voran vertraut seine Mutter, allen Glaubenden als Mutter hinterlassen, dem Wort Jesu: »Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen« (Joh 12,32). Sie lieben ihn, auch wenn sie ihn nicht mehr sehen, und beten voll Sehnsucht: »Amen. Komm, Herr Jesus!« (Offb 22,20)
Hans Urs von Balthasar
5.-7. Sonntag der Osterzeit
Lesejahr A
5. und 6. Sonntag der Osterzeit A - Joh 14,1-21
Bleibende Gemeinschaft mit Jesus Christus
Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.
Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin die gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?
Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!
Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.
Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.
Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet.
An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
Jesus nimmt Abschied von seinen Jüngern. Er weiß darum, dass seine Stunde unmittelbar bevorsteht. Von dieser Stunde ist im Evangelium immer wieder die Rede. Nach Johannes wusste Jesus, worauf hin sein Leben verlaufen wird. Alles, was Jesus tut, geschieht, um den Auftrag des Vaters zu erfüllen.
Jesus bereitet seine Jünger auf das vor, was nun kommt. Wenn er von ihnen geht, so bedeutet das nicht, dass er weg ist, sondern er wird auf eine ganz neue Weise bei den Jüngern sein. Er kehrt zum Vater zurück, geht wieder ein in das Sein Gottes selbst und hat somit Teil an der Gegenwartsmacht Gottes in der Welt.
Auch die Jünger haben Teil am Sein Gottes. Durch Tod und Auferstehung Jesu sind die Glaubenden hineingenommen in Jesu Leib. Sie haben Teil an einem Sein, das Himmel und Erde umschließt. So wird für sie das Leben auf dieser Erde schon ein Leben in Gottes Reich.
Die Teilhabe am Leib Jesu erfolgt durch die Taufe und findet ihren sichtbaren Ausdruck in der Eucharistie, in der wir mit Jesus Christus eins werden, indem wir seinen Leib und sein Blut empfangen. Doch nicht allein die äußeren Zeichen von Taufe und Eucharistie heiligen den Menschen, sondern der Mensch muss auch ein Leben nach Gottes Willen führen.
Wer an Jesus Anteil hat, hat ihn allein durch die Liebe. Niemand kann mit Gewalt die Teilhabe an Jesus Christus erzwingen. Allein die Liebe vermag die Vereinigung von Gott und Mensch. Liebe ist nie etwas Abstraktes, sondern sie zeigt sich in äußeren Zeichen. Wie wir Menschen unsere Liebe zeigen, indem wir für sie da sind und uns ihnen schenken, so zeigt sich unsere Liebe zu Jesus darin, dass wir an seinem Wort festhalten und seine Gebote erfüllen.
Damit ist nicht gemeint, dass wir uns akribisch an tausende von Vorschriften halten. Gemeint ist eine Grundeinstellung, die danach fragt, was Gottes Wille für mein Leben ist und die bereit ist, diesen Willen zu erfüllen, auch wenn dies einem Leben nach den Wünschen dieser Welt widerspricht.
Den Weg zu Gott können wir nur in der Teilhabe an Jesus Christus gehen, indem wir leben, wie er lebt, indem wir tun, was er tut. Jesus hat in seinem Leben das umgesetzt, was der Wille seines Vaters ist. Alles was Jesus getan hat, war das, was der Vater tun wollte für uns Menschen. Jesu Jünger sind dazu aufgefordert, es ihm gleich zu tun und auf Erden das zu tun, was Jesus tun will.
Jesus ist der Weg zum Vater. Indem wir Teil haben an Jesus, haben wir auch Teil am Vater. Wir sind niemals allein. Immer ist Jesus bei uns und mit ihm auch der Vater und der Heilige Geist, den er uns als bleibenden Beistand sendet. So haben wir hier auf Erden schon eine Heimat, in der wir uns sicher und geborgen fühlen dürfen. Hier auf Erden aber ist diese Gemeinschaft mit Gott noch nicht offenbar, sondern nur verborgen und im Glauben erfahrbar. Im Himmel aber werden wir sichtbar in Gottes Gegenwart leben.
Der „Himmel“, wo Jesus mit dem Vater wohnt, ist dann für uns kein fremder Ort mehr, sondern Heimat in ihrer ganzen Fülle. Dieser Ort ist uns sicher, weil Jesus uns dort einen Platz bereitet hat. Dann sind wir für immer mit ihm zusammen.
5. Sonntag der Osterzeit A 2008 – Jesus, mein Weg (Joh 14,1-12)
Mein Jesus, ich möchte dir dienen, und finde den Weg nicht. Ich möchte das Gute tun, und finde den Weg nicht. Ich möchte dich finden, und finde den Weg nicht. Ich möchte dich lieben, und finde den Weg nicht. Ich kenne dich doch nicht, mein Jesus, weil ich dich nicht suche. Ich suche dich, und ich finde dich nicht. Komm zu mir, mein Jesus. Ich werde dich niemals lieben, wenn du mir nicht hilfst, mein Jesus. Zerschneide meine Fesseln, wenn du mich haben willst. Jesus, sei mir Jesus.
Mein Jesus, ich möchte dir dienen, und finde den Weg nicht, möchte dich finden, und finde den Weg nicht, möchte dich lieben, und finde den Weg nicht. Ähnlich wie es Philipp Neri in diesem Gebet zum Ausdruck bringt, mag es auch den Jüngern ergangen sein, als Jesus zu ihnen davon sprach, dass er nun bald zum Vater gehen wird und dass auch sie ihm dahin folgen werden. Jesus bereitet für uns beim Vater eine Wohnung und wir kennen den Weg dorthin – so behauptet es zumindest Jesus. Doch wem liegt da nicht die Frage des Apostels Thomas auf der Zunge: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ Hilft die Antwort Jesu wirklich weiter? Er sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“
Gott kennt jeden einzelnen von uns, keinem ist er fern, doch wir sehen Gott oft nicht, erkennen seinen Willen nicht, irren ziellos umher. Ja, Herr, ich will dir dienen, aber wie? So vieles strömt auf uns ein, so viele Stimmen, so viele Wege. Auf welche Stimme soll ich hören? Welchen Weg soll ich gehen? Es ist schwer, unsere eigenen Wünsche vom Willen Gottes zu unterscheiden, es ist schwer, unter all den vielen Stimmen die Stimme Gottes zu hören, es ist schwer, dann auch wirklich das zu tun, was Gott von uns will. Diese Erfahrung hat jeder schon gemacht, der sich ernsthaft darum bemüht hat, den Willen Gottes zu tun.
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ Wenn wir den Weg mit Jesus gehen wollen, müssen wir unser Herz und unsere Sinne einüben, wir müssen lernen, seine Stimme von den anderen Stimmen zu unterscheiden. Jesus sagt: „Ihr kennt den Weg!“ Er traut uns zu, dass wir seine Stimme erkennen. Wie können wir das lernen?
Ich meine, dass wir den Weg, der Jesus ist und der zum Vater führt, dann finden, wenn wir immer auf Jesus schauen, wenn wir seine Worte in der Heiligen Schrift betrachten, wenn wir bei allen Entscheidungen fragen, was uns näher zu Jesus führt. Jesus wird uns selten ein ganz konkretes Wegzeichen schicken und doch wird es nie so sein, dass wir nicht erkennen können, wohin wir gehen sollen. Wir müssen immer wieder nach der richtigen Richtung suchen und wenn wir suchen, wird Jesus uns den Weg auch zeigen. Sicher werden wir manchmal verwirrt in die falsche Richtung laufen. Doch wir werden dann bald erkennen, dass uns dieser Weg nicht näher zu Jesus führt. Dann heißt es umkehren. Wir müssen auf jeden Fall immer den Mut haben, von einem falschen Weg umzukehren, wenn wir deutlich merken, dass er uns nicht näher zu Jesus führt, auch wenn noch so viel für diesen Weg zu sprechen scheint, auch wenn das Ziel noch so erstrebenswert erscheint. Das höchste Ziel kann ein falsches Ziel sein, wenn es nicht das ist, das Jesus von uns möchte.
Jesus will, dass wir zu ihm kommen in die Wohnungen, die er für uns beim Vater bereitet hat. Jesus will, dass wir das Leben in Fülle bei ihm haben. Nur wir sind oft so blind und taub, lassen uns verwirren und kommen so vom Weg ab. Herr, öffne du unsere Augen, unsere Ohren und unser Herz, dass wir deinen Weg sehen, dass wir deine Stimme hören, dass wir uns öffnen für die Liebe, die du uns schenken möchtest.
Jesus sagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Er sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“
Es gibt nur einen Weg zum Heil, und dieser Weg ist Jesus Christus. Doch was ist das für ein Weg? Hier sind wir denke ich an ein grundlegendes Missverständnis des Christentums gekommen. Wenn wir Menschen nach dem typisch Christlichen fragen, so denken sie meist zuerst an Gebote, und viele Menschen halten diese Gebote für eine Einschränkung der menschlichen Lebensqualität. Manche Gebote mögen ja ganz gut sein für ein geordnetes menschliches Zusammenleben, aber viele bleiben unverständlich, gerade wenn es z.B. um den sexuellen Bereich geht. Heute in unserer profitorientierten Gesellschaft, die den Menschen oft nur nach dem einteilt, was er leisten kann, steht auch der Einsatz der Kirche für den Schutz des menschlichen Lebens, jeden menschlichen Lebens, von der Zeugung bist zum natürlichen Tod, im Kreuzfeuer der Kritik. Christentum erscheint vielen nichts anderes als ein Bündel unzeitgemäßer Vorschriften, genau wie die Christen eben Menschen von gestern sind.
Dieser Kritik dürfen wir Christen nicht dadurch begegnen, dass wir uns auf eine Diskussion über unsere Werte und Gebote einlassen. Auf diesem Weg werden wir denke ich nur schwer Menschen zum Christentum bekehren. Wir müssen die Menschen mit der Grundlage vertraut machen, aus der heraus unsere Werte und Gebote erst Sinn machen. Dieser Grund des christlichen Glaubens ist Jesus Christus. Der christliche Glaube besteht also nicht in erster Linie aus dem Befolgen besonderer Gebote, sondern in der persönlichen Begegnung mit Jesus Christus. Nur der Mensch, der erfahren hat, wer dieser Jesus ist, der kann auch den Sinn unserer Gebote verstehen.
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Davon können wir Menschen aber nicht nur durch Worte überzeugen. Wir können dies anderen Menschen nur verständlich machen, wenn wir sie in die Begegnung mit Jesus Christus einführen. Es ist unser primärer Auftrag, die Menschen mit Jesus Christus bekannt zu machen, in dem das Leben in Fülle ist. Seine Gebote schränken die Menschen nicht ein, sondern ermöglichen erst dieses Leben in Fülle. Dies kann ein Mensch aber nur begreifen, wenn er mit Jesus in eine persönliche Beziehung getreten ist. Wir müssen den Menschen Jesus bringen, wir müssen den Menschen Wege zeigen, wie sie Jesus begegnen können. Das ist unser Auftrag und die Sendung, die Jesus uns gegeben hat. Menschliches Leben hat einen Wert, der über das hinaus geht, was der Mensch leisten kann, menschliches Leben hat einen Sinn, der darüber hinaus geht, produktiv zu sein. Menschliches Leben hat Sinn und Wert, weil Gott den Menschen geschaffen hat, weil Gott den Menschen liebt und weil der Mensch fähig ist, Gott zu lieben. Das Leben kommt dem Menschen nicht von sich aus zu, sondern ist ihm von Gott geschenkt. Alles Leben ist ein Geschenk Gottes. Der Mensch lebt als Geschöpf Gottes in der Schöpfung Gottes. Daher ist jegliche Verfügungsgewalt über das Leben dem Menschen entzogen. Der Mensch ist dazu aufgefordert, alles Leben so viel es ihm möglich ist, zu schützen.
6.Sonntag der Osterzeit A–Ich lebe und auch ihr werdet leben (Joh 14,15-21)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
Oft geschieht es, dass Menschen, die einen lieben Mensch verloren haben, selbst nicht mehr leben wollen, dass Menschen meinen, ihr Leben sei sinnlos geworden, wenn der Mensch nicht mehr da ist, den sie innig geliebt haben. Jesus kennt diese Angst der Menschen vor dem Verlust eines lieben Menschen. Wenn dieser Verlust auch schmerzhaft ist und schmerzhaft sein darf, so dürfen wir doch nie vergessen, dass wir schon jetzt Anteil haben am Leben und an der Auferstehung Jesu.
Jesus weiß, dass seine Jünger unsicher sein werden, wenn er sie verläßt. In den langen Abschiedsreden des Johannesevangeliums bereitet Jesus sie auf die Situation vor, dass er bald nicht mehr unter ihnen sein wird. Drei Jahre waren sie nun eine Glaubens- und Lebensgemeinschaft. Die Jünger haben so viele Stunden in der Nähe Jesu verbracht, konnten sich gleichsam wärmen am Glanz des göttlichen Lichtes. Nun kommt etwas Neues. Jesus geht zum Vater zurück. Die Jünger müssen allein zurecht kommen. Doch sie werden nicht allein sein, Jesus läßt sie nicht als Waisen zurück. Zwar wird die Welt Jesus nicht mehr sehen. Jesus ist nicht mehr in der Welt, wie er in ihr als Mensch gelebt hat. Doch er lebt weiterhin beim Vater sein göttliches Leben und so ist Jesus allen Menschen immer und überall nahe, allen, die ihn lieben und seine Gebote halten. Und er sendet den Heiligen Geist, der immer bei den Jüngern sein wird, der sie antreibt und bestärkt. Der Heilige Geist vermittelt den Jüngern weiterhin die Nähe und Wärme des göttlichen Lichtes, wie es Jesus bisher getan hat. Er gibt den Jüngern die Weisheit, die Wahrheit zu erkennen, er gibt ihnen die Kraft und den Mut, für den Glauben einzutreten, er zeigt ihnen, wie sie beten sollen und was sie tun sollen.
Ich lebe und auch ihr werdet leben. Der Glaube ist nicht das subjektive Fürwahrhalten bestimmter Inhalte durch einen einzelnen, sondern Glaube ist die Teilhabe an einer objektiven, das Irdische übersteigenden Wirklichkeit, die als solche real existiert und daher auch intersubjektiv vermittelbar ist. Wenn wir glauben, dass Jesus lebt, so ist das nicht nur ein persönlicher Trost für uns, etwas, das uns persönlich Halt gibt, sondern wir haben die Wahrheit erkannt, wir haben Teil an einer Wirklichkeit, die es eben wirklich gibt. Der Glaube vermittelt uns genau so Wirklichkeit wie die irdischen Sinne. Die Menschen, die nur das für wirklich ansehen, was in der Welt existiert und mit den irdischen Sinnen wahrnehmbar ist, können Jesus nicht mehr sehen. Aber sie nehmen eben nur die halbe Wirklichkeit wahr. Dass Jesus lebt ist genau so wirklich, wie beispielsweise meine Hand, die ich vor Augen sehe. Wenn wir an Jesus glauben, haben wir die ganze Wirklichkeit. Wir haben die Zuversicht, dass das Leben mehr ist, als wir mit unseren irdischen Sinnen wahrnehmen können. Daher macht auch der Verlust eines lieben Menschen hier auf Erden, so schmerzhaft er für uns auch ist und sein darf, doch unser Leben im Ganzen nicht sinnlos.
Ich lebe und auch ihr werdet leben. Wenn Jesus lebt und wir mit ihm leben, so ist unser Leben mehr als das, was sich auf Erden ereignet. Wir haben jetzt schon Anteil am ewigen Leben. Schon hier auf dieser Erde ist Jesus uns nahe und wenn wir einst in jene Welt gelangen, deren reale Existenz unseren irdischen Sinnen verborgen, dem Glauben aber offenbar ist, dann werden wir in seiner ganzen Fülle erkennen, was wir jetzt noch verborgen sehen.
Lesejahr B
5. Sonntag der Osterzeit B
3009 - Ich bin der wahr
e Weinstock (Joh 15,1-8)
Die Arbeit im Weinberg ist hart. Das wußten die Menschen zur Zeit Jesu, aber auch heute muß man nicht unbedingt aus einem Weinanbaugebiet oder gar aus einer Winzerfamilie stammen, um sich eine Vorstellung von dem machen zu können, wovon Jesus heute spricht.
Ständig ist der Winzer dabei, die Rebstöcke zu pflegen. Er achtet darauf, dass die Reben genug Sonne bekommen. Er prüft, welche Reben gut wachsen. Die dürren schneidet er weg, damit sie denen, die gut gedeihen, nicht unnötig Kraft wegnehmen. So geht es tagein, tagaus und der Lohn der Mühen wird eine reiche Ernte und ein edler Tropfen sein.
So müht sich Gott auch um uns. Er sitzt nicht irgendwo in der Ferne, unbeeindruckt von dem, was auf Erden geschieht. Gott ist vielmehr ganz mit dem Geschehen auf der Erde verbunden, auch wenn sein Wirken im Verborgenen geschieht.
Wie der Winzer im Weinberg um seine Reben, so kümmert sich Gott darum, dass die Menschen Frucht bringen. Die Kraftquelle für uns ist Jesus Christus. Indem wir mit Jesus verbunden sind durch die Taufe und ein Leben nach seinem Wort gehören wir schon zu den Reben, die nicht dürr sind und weggeschnitten werden müssen, sondern um deren Gedeihen Gott sich kümmert.
Jesus sagt uns ganz deutlich: Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Wir werden von Gott alles bekommen, was wir dazu brauchen, um in unserem Leben prächtig zu gedeihen und so für Gott Frucht zu bringen. Das ist eine Verheißung für alle, die nach dem Wort Jesu leben.
Ein guter Wein erfreut das Herz und ein solcher ist die Frucht der Mühen des Winzers. Wir sollen nach dem Willen Gottes ein solcher edler Tropfen werden, Menschen, die der Welt Freude bringen, die – wie es in einem Gebet heißt – lieben, wo man hasst, die verzeihen, wo man beleidigt, die Hoffnung wecken, wo Verzweiflung quält und ein Licht anzünden, wo Finsternis regiert.
Herr Jesus, lass mich zu einem solchen Menschen werden, damit die Sorge Deines Vaters um mich nicht vergebens ist. Lass mich allezeit auf Deine Hilfe vertrauen.
2006 - Ich bin der Weinstock (Joh 15,1-8)
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben,“ so spricht Jesus im heutigen Evangelium (Joh 15,1-8) zu uns. Stellen wir uns zunächst einmal dieses Bild vor Augen. Jesus gebraucht immer Beispiele, die den Menschen seiner Zeit vertraut waren. Auch uns sind Weinstöcke nicht fremd. Ein Weinstock hat viele Zweige, an denen der Winzer zur Zeit der Ernte viele reife Trauben erwartet. Wie bei allen Pflanzen kann die Frucht nur gedeihen, wenn sie über Zweige und Stamm mit der Wurzel verbunden ist. Jesus vergleicht uns mit Reben am Weinstock. Er ist die Wurzel und der Stamm, der die einzelnen Reben zusammenhält und mit Nahrung versorgt, sie am Leben erhält.
Wovon leben ich? Woraus ziehe ich die Kraft für mein Leben? Was läßt mich überleben und wovon kann ich wirklich leben? Um überleben zu können brauche ich Nahrung. Ich brauche so etwas wie Heimat, ein Dach über dem Kopf, Arbeit, mit der ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Das alles ermöglicht mein Überleben. Doch was gibt mir wahres Leben? Was erwarte ich vom Leben? Jeder Mensch strebt danach, glücklich zu sein. Doch viele suchen das Glück an der falschen Stelle, sie wollen angesehen, reich, mächtig sein. Es ist sicher gut, wenn man es im Leben zu etwas bringt und Erfolg hat, doch das genügt nicht, um wirklich glücklich zu sein. In meinem Leben brauche ich Freunde, die mit mir gehen und bei denen ich sein kann, wie ich bin. Aber selbst das ist noch nicht genug. Das wirkliche Glück ist nur in Gott zu finden. Er ist es, der allein die Grundlage für mein Leben bilden kann. In ihm können meine Freundschaften wachsen, er gibt meinem Arbeiten Sinn und Richtung, nur mit ihm ist mein Leben mehr als überleben, ist es Leben in Fülle.
Daher sollte es täglich unser erster Gedanke sein: wie kann ich heute diesen Tag, wie kann ich mein Leben mit Christus leben? Eine Freundschaft oder Partnerschaft zwischen Menschen kann nur gelingen, wenn jeder der beiden immer wieder dem anderen zeigt, daß er ihm etwas bedeutet, in Worten und Gesten, indem man sich Zeit füreinander nimmt.
Meine Beziehung mit Christus ist im Grunde genommen nichts anderes als eine Freundschaft, eine Liebesbeziehung. Um diese Beziehung mit ihm aufrecht zu erhalten, muß ich mir Zeit nehmen für ihn. Jeder muß selbst entscheiden, wieviel Zeit das im einzelnen ist, wichtig ist, daß es täglich wenigstens einige Minuten sind in denen ich versuche, im Gebet bei Jesus zu sein. Suchen wir diese Verbundenheit mit ihm. Am tiefsten werden wir sie finden, wenn wir sein Wort, die Hl. Schrift, betrachten und die Eucharistie feiern. Bleiben wir in ihm. Wir werden sehen, daß die Zeit, die ich mir für Christus nehme, keine verlorene Zeit ist. Wir werden sehen, daß wir dadurch Kraft finden werden für unseren Alltag, daß unsere Freundschaften und Begegnungen tiefer werden, daß unsere Arbeit besser gelingt. „Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.“ Versuchen wir es. Setzen wir täglich Zeichen der Freundschaft mit Jesus. Wir können darauf vertrauen, auch er wird uns dann zeigen, daß wir seine Freunde sind.
6. Sonntag der Osterzeit B - Liebe und Gebot (Joh 15,9-17)
Der heilige Augustinus hat das bekannte Wort geschrieben: „Liebe, und tu was du willst.“ Dieses Wort ist ein Schlüssel zum heutigen Evangelium. Jesus fordert uns auf, in seiner Liebe zu bleiben. Wie können wir in seiner Liebe bleiben? „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben.“
Ist das nicht ein Gegensatz zu Augustinus? Der sagt doch, dass man, wenn man liebt, tun kann, was man will und Jesus kommt da gleich mit den Geboten. Zudem soll dies alles noch Freude machen – sind die Gebote nicht der Freude-Killer schlechthin?
Das Gebot, das Jesus uns gibt, ist die Liebe. In ihr sind alle Gebote zusammen gefaßt. Das bedeutet auch, dass wahre Liebe und wahre Freude nicht durch absolute Freizügigkeit entstehen können. Freizügigkeit bringt höchstens Spaß – aber nicht für alle und nicht auf Dauer. Wenn sich Menschen aber an das Gebot der Liebe halten, ist dauerhafte Freude für alle möglich.
Liebe setzt Bindung voraus. Wer liebt, der erkennt, was der andere möchte und so wird er das tun, was dem Geliebten gefällt. Nur so ist Beziehung möglich unter den Menschen und zwischen den Menschen und Gott.
7. Sonntag der Osterzeit B
2009 - Bewahren (Joh 17,6-19)
Wir kennen das: Da gibt es eine Gruppe, die super läuft. Ihr Leiter versteht es, die Leute zusammen zu halten, internen Streit zu schlichten und dafür zu sorgen, dass alle an einem Strang ziehen. Dann wechselt der Leiter. Bis der neue akzeptiert ist, kommt es zu inneren Rangeleien und Machtkämpfen unter den Gruppenmitgliedern. Die Gruppe droht auseinander zu brechen, mache bleiben weg.
Eine ähnliche Situation mag Jesus im heutigen Evangelium vor Augen haben. Er sorgt sich darum, wie es mit seinen Jüngern weiter gehen wird, wenn er einmal nicht mehr da ist. Er weiß, dass die Jünger bedroht sein werden von inneren Streitigkeiten und von Anfeindungen von Außen. Jesus bittet daher den Vater für die Jünger um innere Einheit und um Schutz vor dem Bösen:
Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.
Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.
Die Jünger Jesu aller Zeiten leben in einer Welt, die ihnen oft nicht wohl gesonnen ist und die voller Versuchungen steckt. Wer sich an Jesus bindet, der bleibt zwar in der Welt, aber ist nicht mehr von dieser Welt. Die Gläubigen sind schon in dieser Welt durch Christus eins mit dem Vater im Himmel. Und doch brauchen wir immer wieder die Hilfe Gottes, der uns Kraft gibt und uns in diesem Leben als Glaubende bewahrt.
Bitten wir mit Jesus den Vater darum, dass er der Kirche und allen Gruppen in ihr innere Einheit schenke und dass er uns vor den Angriffen des Bösen bewahre, damit wir glaubhafte Zeugen der Liebe Gottes in dieser Welt sein können.
2006 - Bewahren (Joh 17,11-19)
Im Johannesevangelium (Joh 17, 11-19) betet Jesus zum Vater für seine Jünger, für uns alle. Darin heißt es unter anderem: Vater, ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst. Ich denke, das Schwerste am christlichen Leben ist es, im hier und heute so zu leben wie Gott es von uns will und der Versuchung zum Bösen zu widerstehen. Auf dem Titelbild ist Maria im Kreis der Apostel zu sehen, wie sie im Gebet verharren und den Heiligen Geist empfangen. Beten auch wir in dieser Zeit vor Pfingsten ganz besonders um den Heiligen Geist, daß er die Kirche und jeden einzelnen von uns mit seinen Gaben beschenkt.
Eine kleine Hilfe zum Leben im Alltag können die folgenden Worte geben, die aus der „Philothea“ des Hl. Franz von Sales stammen:
Jedermann weiß, daß man nichts schlechtes wünschen darf. Ich sage noch mehr: Wünsche dir auch nichts, was deiner Seele gefährlich ist. Wünsche dir keine fernliegenden Dinge; manche ermüden und zerstreuen damit ihr Herz ganz unnütz und setzten sich der Gefahr großer Unruhe aus. Die unnützen Wünsche nehmen überdies jenen den Raum, die ich jetzt haben soll: geduldig zu sein, alles auf mich zu nehmen und zu ertragen, mich willig zu fügen, in meinem Leben ruhig zu bleiben; denn das verlangt Gott jetzt von mir.
Statt unnützer Wünsche soll ich vielmehr den hegen, meine augenblicklichen Pflichten gut zu erfüllen. Ich möchte nicht einmal, daß man sich einen besseren Verstand oder ein besseres Urteil wünscht, denn diese Wünsche sind zwecklos; vielmehr sollte man wünschen, seinen Verstand oder sein Urteil, wie sie sind, zu pflegen. Ebenso soll man sich nicht sehnen nach Mitteln, Gott zu dienen, die man nicht hat, vielmehr jene gewissenhaft gebrauchen, die uns zur Verfügung stehen.
Sehne dich nur in dem Maß nach Kreuzen, als du jene gut tragen kannst, die dir bisher auferlegt wurden. Es ist ein Unfug, sich nach dem Martertod zu sehnen, wenn man nicht den Mut hat, eine Beleidigung zu ertragen. Der böse Feind flößt uns eine mächtige Sehnsucht nach fernen Dingen ein, die niemals geschehen werden, um unseren Geist von dem abzulenken, was wir jetzt zu tun haben oder was uns viel nutzen könnte, wenn es auch unscheinbar ist.
Ich sage nicht, daß man alle guten Wünsche fallen lassen, sondern daß man sie regeln soll. Die man jetzt nicht ausführen kann, soll man in einem Winkel des Herzens zurückstellen, bis ihre Zeit gekommen ist, und inzwischen jene ausführen, die reif und jetzt zeitgemäß sind. Das sage ich nicht nur für die geistlichen, sondern auch für alle irdischen Wünsche; sonst leben wir nur in Unruhe und Aufregung.
Lesejahr C
5. Sonntag - Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! (Joh 13,31-35)
Warum neu? Und warum Gebot? Sollte es nicht etwas Selbstverständliches für Menschen aller Zeiten sein, dass sie einander lieben und ist nicht das Leben viel schöner, wenn man liebt und Liebe erfährt? Warum fällt es den Menschen so schwer, einander zu lieben? Warum neigen Menschen eher dazu, aus Neid und um des eigenen Vorteils willen böse und schlecht zu anderen zu sein?
Vielleicht meinen wir, selbst etwas zu verlieren, wenn wir gut zu anderen sind und unsere Liebe schenken. Das Geschenk der Liebe kann auf den ersten Blick ein Geschenk sein, das nicht erwidert, sondern vielmehr ausgenutzt wird. Auf den zweiten Blick aber werden wir erkennen, dass wir vielleicht nicht unbedingt von den Menschen, denen wir unsere Liebe schenken, aber doch von irgendwo her auch selbst überreich beschenkt werden.
Liebt einander, wie ich euch geliebt habe! Jesus hat seine Liebe an uns Menschen verschwendet, ist aus Liebe zu uns Menschen am Kreuz gestorben, damit wir das Leben haben. Viele haben seine Liebe nicht erwidert. Aber doch ist die Botschaft von der Liebe Gottes zu uns Menschen bis heute lebendig geblieben.
Wenn wir uns selbst als von Gott geliebt und überreich beschenkt mit den Gaben seiner Liebe erfahren, kann uns das helfen, dass nicht Neid und Eifersucht über uns kommen, sondern dass wir immer mehr fähig werden, selbstlos unsere Liebe zu schenken. Wo Menschen dazu bereit sind, wird Gottes Liebe in dieser Welt sichtbar und keimt inmitten des grauen Betons unserer oft so egoistischen Konsumgesellschaft das zarte Grün der Hoffnung auf.
6. Sonntag der Osterzeit – Friede (Joh 14,23-29)
In den Texten aus der Offenbarung des Johannes hören wir vom Neuen Jerusalem, von der Stadt Gottes, die vom Himmel herab kommt und in der Gott unter den Menschen wohnt. Bei Gott zu wohnen ist unsere Hoffnung für ein Leben nach dem Tod.
Im heutigen Evangelium sagt Jesus:
Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
Das Wohnen Gottes unter uns Menschen bleibt also nicht allein einem zukünftigen Leben nach dem Tod vorbehalten. Gottes Wohnen unter den Menschen ist schon heute Wirklichkeit. Der Apostel Paulus schreibt in seinem seiner Briefe: „Wisst ihr denn nicht, dass ihr ein Tempel Gottes seid!“
Gott nimmt in uns Wohnung, wenn wir die Liebe leben, die uns Jesus in seinem Evangelium aufträgt. Wir sind dann nicht mehr allein auf uns gestellt. Wir werden geleitet von Gottes Heiligem Geist. Wir werden dann auch nicht mehr von Unruhe hin und her getrieben, sondern in unseren Herzen herrscht der Friede Christi.
Was das bedeutet, können wir uns vorstellen, wenn wir Menschen begegnen, die diesen Frieden ausstrahlen. In ihnen entdecken wir eine Ruhe und Besonnenheit und doch eine machtvolle Kraft, die über ihrem Leben liegt. Vor allem aber sind solche Menschen ein Zeichen der Liebe, die nur Gott in dieser Welt schenken kann.
Vom Handeln und vom Sein
Viele Menschen glauben, dass das, was sie tun, sie zu jemandem macht. Sie glauben, dass vom Handeln das Sein kommt, weil sie sich durch ihre Aktivitäten definieren. Jesus Christus hat uns eine andere Art zu leben gezeigt, eine Art, die in die entgegengesetzte Richtung geht. Zuerst einmal muss ich sein. Dann wird das Handeln aus meinem Sein kommen. Christus sagt es wieder und wieder: Ich bin der Sohn meines Vaters. Also werde ich auch so handeln. Als Moses Gott im brennenden Dornbusch fragte, wer er sei, antwortete er: „Ich BIN der „Ich BIN“.“
Wer bin ich? Was mich definiert, ist meine Beziehung zu Gott. Stellen wir uns das vor: Ich habe das Privileg, ein Kind Gottes zu sein! Gott hat mich so sehr geliebt, dass er mich als sein Kind angenommen hat! Dies ist aller Mühe wert. Das ist es, was ich wirklich bin, und ich sollte entsprechend handeln, wie Christus mich gelehrt hat.
Der Friede Christi kommt aus dem Betrachten darüber, wer ich bin. Wenn ich Gottes Wort betrachte, entdecke ich, dass ich Gottes Geschöpf bin. Plötzlich finde ich die Stärke, mich der Wirklichkeit zu stellen. Meine Würde kommt von dieser grundlegenden Wahrheit: Ich bin nach Gottes Bild geschaffen. Ich komme von Gott, und er lädt mich ein, zu ihm zurückzukommen und mit ihm in alle Ewigkeit glücklich zu sein.
Herr Jesus, oft geschieht es, dass ich mich allein auf mein Handeln konzentriere. Deshalb bin ich immer besorgt. Ich möchte sein wie du, Herr, und zunächst sehen, wer ich bin und mein Tun daraus folgen lassen. Dies wird mir Frieden bringen. Doch ich brauche deine Gnade. Hilf mir, als ein wahrer Sohn oder eine wahre Tochter Gottes zu leben.
7. Sonntag der Osterzeit – Alle sollen eins sein (Joh 17,20-26)
Eines der tiefsten Mysterien des christlichen Glaubens ist die Dreifaltigkeit. Gott hat sich uns offenbart als Vater, Sohn und Heiliger Geist und doch sind es keine drei Götter, sondern ein Gott. Die Theologie hat versucht, dieses Geheimnis zu erklären, indem sie die Unterscheidung von Person und Wesen formuliert hat. Gott existiert in drei Personen, die eines Wesens miteinander sind. Materiell können wir uns eine Person nur als ein selbständiges Individuum vorstellen. Uns ein rein geistiges Wesen vorzustellen, in dem drei Personen eins sind, ist uns nahezu unmöglich.
Im heutigen Evangelium sagt uns Jesus, was das Wesen Gottes ist, das diese Einheit bewirkt: Es ist die Liebe. Die drei göttlichen Personen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in vollkommener Liebe eins sind. Und wieder fällt es uns schwer, uns ein solches Wesen vorzustellen, das ganz aus Liebe besteht. Es kann uns helfen, dies zu verstehen, wenn wir Gottes Wirken an uns bedenken.
Gott behält diese Liebe nicht für sich, sondern will alle Menschen damit beschenken. Durch die Liebe entsteht Einheit. Sie ist das Band, das die Menschen untereinander und mit Gott verbindet. Es ist die Verheißung des heutigen Evangeliums, dass wir alle fähig sind, diese Liebe von Gott zu empfangen. Beten wir um diese Liebe, um die Einheit in der Liebe, die zu allen Zeiten die Menschen so sehr nötig haben. Es gibt so viele Spaltungen zwischen den Menschen, in den Familien, unter den Christen unter Völkern und Religionen.
Komm Heiliger Geist! Entzünde in uns das Feuer göttlicher Liebe, das allen Haß besiegt. Von dieser Liebe durchdrungen führe uns zur Einheit mit allen Menschen und mit Gott.
Zur Lesung aus der Offenbarung des Johannes, 4.-7. Sonntag der Osterzeit
Ad coenam agni providi
Im Vesper-Hymnus zur Osterzeit heißt es in der ersten Strophe: Zum Mahl des Lammes schreiten wir, mit weißen Kleidern angetan. Christus dem Sieger singen wir, der uns durchs Rote Meer geführt. Dies erinnert uns an die heutige Lesung (Offb 7,9-17), wo von den Gerechten in ihren weißen Gewändern die Rede ist. Doch der Text sagt uns noch mehr.
Der Glaube lebt im Heute. Wenn wir Ostern oder sonst ein Fest feiern, so feiern wir es nicht im gläubigen Gedenken an etwas längst Vergangenes, sondern was wir feiern, geschieht jetzt im Heute. Heute, in jeder Meßfeier erhalten wir schon Anteil am himmlischen Hochzeitsmahl. Die weißen Kleider erinnern an die Taufe, in der wir durch das Sakrament rein wurden von unseren Sünden und zu neuen Menschen für Christus wurden. Die weißen Kleider werden auch einst die Gerechten erhalten, die den Glauben in der Bedrängnis bewahrt haben. Dies ist unser Ziel.
Im Johannesevangelium (Joh 10,27-30) haben wir heute das Bild vom guten Hirten. Der uns führt ist Christus, der Herr. Wie Gott einst die Israeliten aus Ägypten sicher durchs Rote Meer geführt hat, so führt er die Menschen aller Zeiten, so führt er auch uns heute sicher durch die Bedräng-nisse dieser Welt. Er wird uns auch einst zur ewigen Freude führen.
Das ist die Antwort auf die Frage nach dem Leid. Wir können es in dieser Welt nicht ausschalten, aber es gibt einen, der mit uns den Weg durch Leid und Bedrängnis gegangen ist, Jesus Christus. Da er selbst gelitten hat, weiß er auch, was uns Not tut. Alle, die auf seine Stimme hören, werden niemals zugrunde gehen. Keine Macht kann uns aus Christi liebender Hand entreißen. Mögen die Stürme noch so stark toben, mag der Feind noch so gewaltig wüten, mag er uns schlagen mit noch so großen Schicksalsschlägen, es gibt einen, der uns die Kraft gibt, in allen Bedrängnissen auszu-harren. Er wird nicht zulassen, dass wir über unsere Kraft in Bedrängnis geführt werden, wenn auch vielleicht manchmal bis hart an die Grenze unserer Kraft.
Doch was für ein Lohn erwartet uns! Wenn Gott uns einst in sein Reich aufnimmt, dann kann uns nichts mehr schaden. In alle Ewigkeit werden wir von seiner Liebe umsorgt. Alles Leid ist vergangen, alle Tränen getrocknet. Verstehen wir das nicht falsch als bloße Vertröstung auf das Jenseits. Alles, was wir feiern, geschieht im Heute. Auch jetzt schon gewährt Gott uns Anteil an seinem Trost, wenn auch noch verborgen und unscheinbar. Doch vertrauen wir auf ihn, dass er uns niemals verläßt. Er, der gute Hirte, läßt seine Schafe nie im Stich. Er hat sich dem Feind entgegengeworfen, für seine Schafe ist er gestorben. Doch über ihn hat der Tod keine Macht, somit kann nichts und niemand ihn aus dem Weg räumen. In seiner Macht kann er immer für seine Schafe sorgen. Vertrauen wir uns stets seiner Sorge an und hören wir nicht auf die Stimme des Räubers, der uns aus der Herde unseres Herrn locken möchte um uns dann zu verschlingen. Bleiben wir beim Herrn. Bei ihm allein sind Glück und Freude – und die Erfüllung unserer Sehnsucht nach Liebe.
Das Neue Jerusalem (1)
In der heutigen Lesung aus der Offenbarung des Johannes (Offb 21,1-5) hören wir vom Wohnen Gottes unter den Menschen. Johannes sieht einen neuen Himmel und eine neue Erde, er sieht das neue Jerusalem von Gott her vom Himmel herabkommen. In ihm wird Gott mitten unter den Menschen wohnen und die Menschen von Trauer, Klage und Mühsal befreien. Ich denke, dass sich dies nicht nur auf die Zukunft bezieht, sondern dass dieses Wohnen Gottes inmitten der Menschen schon heute Gegenwart ist. Es ist für uns wichtig, immer wieder zu betrachten, wie nahe Gott uns eigentlich ist, auch wenn uns seine Gegenwart jetzt noch verborgen ist und wir ihn noch nicht sehen können, wie er ist. Dies macht es uns vielleicht auch leichter, Gott als die eigentliche Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen und all die irdischen Dinge als zweitrangig zu betrachten.
Schon im Judentum ist die Einwohnung Gottes in seiner Schöpfung, die Schekhina, von großer Bedeutung. Zunächst hat Mose beim Auszug aus Ägypten auf Anordnung Gottes das Bundeszelt errichtet, als Ort der Begegnung mit Gott. Als die Israeliten im Heiligen Land sesshaft wurden, entstanden mehrere Heiligtümer. Zentrale Bedeutung hat der Tempel in Jerusalem erlangt. Das Allerheiligste im Tem-pel war nun nach Sicht der Juden der Ort der Einwohnung Gottes in dieser Welt.
Mit Christus ist Gott selbst in diese Welt gekommen. Christus ist der Beginn von etwas ganz Neuem. Nun ist das Reich Gottes gekommen, die Endzeit ist angebrochen und wir warten auf die Wiederkunft Christi. Christus hat nach seinem Tod und seiner Auferstehung die Welt nicht einfach wieder verlassen, sondern hat uns den Heiligen Geist gesandt und uns die Sakramente geschenkt als Zeichen seiner Gegenwart. So bleibt Gott uns nahe in dieser Welt. Ganz besonders wird dies in der Eucharistie deutlich. In jeder Messfeier wird Gott auf dem Altar gegenwärtig, ja durch seine bleibende Präsenz in der Eucharistie wohnt Gott in jeder Kirche, im Tabernakel. In der Offenbarung heißt es: Seht das Zelt Gottes unter den Menschen. Hier steht im lateinischen Text das Wort tabernaculum. Wenn es auch viele Orte der Gegenwart Gottes in dieser Welt gibt, so ist doch seine Gegenwart in den Tabernakeln unserer Kirchen ein ganz besonderes Zeichen dieses Wohnen Gottes mit den Menschen in seiner Schöpfung. Es zeigt uns, dass die Verheissung der Offenbarung sich nicht nur auf die Zukunft bezieht, sondern jetzt schon Wirklichkeit ist.
Im heutigen Evangelium (Joh 13,31-35) spricht Christus vom neuen Gebot, das die Liebe ist. Liebe und Eucharistie gehören untrennbar zusammen. Gott ist die Liebe und wenn er sich zeigt, zeigt er sich als der liebende Gott. Das Wohnen Gottes in seiner Schöpfung wird auch da in ganz besonderer Weise Wirklichkeit, wo Menschen in Liebe vereint sind. Das ist da der Fall, wo die christliche Gemeinde zum Gottesdienst zusammenkommt. Aber auch überall dort, wo sich Men-schen im Alltag in Liebe begegnen. Durch unser christliches Dasein und Tun können wir überall Zeichen der Gegenwart Gottes setzen. Ein besonderer Ort der Gegenwart Gottes sollen auch unsere Familien sein. Die Familie ist die Keimzelle jeder christ-lichen Gemeinde, sie ist Kirche im Kleinen. In ihr geschieht in erster Linie die Unterweisung der Kinder im Glauben und das liebende Miteinander der Eheleute ist ein Bild für die Liebe Christi zu seiner Kirche.
Bitten wir Gott darum, dass er uns die Kraft und den Mut gebe, hier in dieser Welt Zeugen für seine Liebe, für sein Wohnen unter den Menschen zu sein. Beten wir auch darum, dass Gott uns in der künftigen Welt würdig mache ihn dann nicht mehr nur verborgen zu schauen, sondern so wie er ist.
Das Neue Jerusalem (2)
Die heutige Lesung (Offb 21,10-23) setzt die Schilderung des himmlischen Jerusalem vom letzten Sonntag fort. Mit dem Vergehen von Himmel und Erde öffnet sich der Raum für einen neuen Himmel und eine neue Erde, auf die sich von oben das himmlische Jerusalem herabsenkt. Stand am Beginn von allem der Garten Eden, endet jetzt die Heilsgeschichte in der Vision von der Gottesstadt. Jerusalem ist die reine Braut und alles an ihr zeugt von der Gegenwart Gottes. Da Gottes Herrlichkeit sie durchflutet, leuchtet sie wie ein Jaspis. Aus Jaspis sind auch ihre Mauern. Sie selbst besteht aus Gold, das wie die Märtyrer im Feuer geprüft und gereinigt wurde, Gold, nun rein wie Glas. Sie ist planmäßig angelegt als großes Quadrat, alle Maße basieren auf der Zahl 12. Länge, Breite und Höhe messen 12.000 Stadien und lassen als Idealraum einen gewaltigen Kubus entstehen. Die Stadt besitzt 12 Tore, durch die die 12 Stämme Israels einziehen können. Die Tore sind als Perlen gebaut, die nach antiker Überlieferung aus dem Tau des Himmels entstehen. Mit ihrem geheimnis-vollen Leuchten werden die Perlentore zum Spiegel der Erlösten, die gleichfalls von oben neu geboren und erleuchtet sind. Die 12 Grundsteine der Mauern bestehen aus Edelsteinen. Wie die Perlen sind sie Zeichen der vollendeten Schöpfung; der Materie, für die Gottes Licht transparent wurde. Die Namen der 12 Apostel stehen auf den Grundsteinen, da die Zeugen der Grund sind, auf dem die Gottesstadt erbaut wurde. Weil Gott alles in allem ist, braucht die Stadt keinen Tempel mehr. Gottes Herrlichkeit zeigt sich im Lamm, das die Stadt hell erleuchtet. Die Gestirne haben ausgedient. Christus ist jetzt wirklich das Licht der Welt. Die Engel über den 12 Toren versinnbildlichen die Geborgenheit, die Gottes Wohnung den Menschen schenkt. Jerusalem – Sehnsucht und Ziel aller Menschen.
Das Neue Jerusalem (3)
Die Lesungen der letzten Sonntage haben uns die Schilderung des himmlischen Jerusalem vor Augen geführt. Heute sagt Christus zu uns: „Siehe, ich komme bald, und mit mir bringe ich den Lohn, und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht. Selig, wer sein Gewand wäscht: Er hat Anteil am Baum des Lebens, und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können.“ (Offb 22,12.14) Das Ziel eines jeden Menschen ist es, in dieses Stadt, das himmlische Jerusalem, zu gelangen. Christus fordert die Reinheit als Bedingung für den Eintritt. Rein wird der Mensch in erster Linie durch die Taufe. In ihr schenkt Gott dem Menschen umsonst die Erlösung. Doch ist das Geschenk der Taufe Gabe und Aufgabe zugleich. Aus Liebe zu Christus ist der Mensch aufgefordert, in seinem Leben aus dieser Taufgnade heraus zu leben und sich so von dieser Welt zu unterscheiden. Schon in diesem Leben soll sichtbar werden, dass wir nun nicht mehr von dieser Welt sind, sondern dass unsere Heimat im Himmel ist.
Die Mönche des Mittelalters haben sich oft in die Betrachtung der Freuden und der Herrlichkeit des himmlischen Jerusalems versenkt um so Kraft zu finden für ihren entbehrungsvollen Alltag. Hier Auszüge aus dem Text eines unbekannten Mönches aus dem 12. Jahrhundert:
In den Höhen ist die Stadt Jerusalem errichtet. Gott hat sie erbaut. Einer ist das Fundament dieser Stadt: Gott. Einer ist ihr Begründer: er selbst, der Allerhöchste hat sie gegründet. Eines ist das Leben all ihrer Bewohner, eines ist das Licht derer, die da schauen, einer ist der Friede derer, die zur Ruhe gelangt sind, eines ist das Brot, von dem alle sich nähren, eine ist die Quelle, aus der sie alle trinken, in einem Glück ohne Ende. Und all dies ist Gott selbst, der alles in allem ist: Ehre, Herrlichkeit, Macht, Fülle, Friede und jegliches Gut. Ein einziger erfüllt alle.
O was können wir Gott geben für alles, was er uns schenkt? Wann werden wir von diesem sterblich-en Leibe befreit sein? Wann werden wir, in seinem Licht das Licht schauend, von der Überfülle des Hauses Gottes trunken sein? Wann wird Christus, unser Leben, erscheinen, wann werden wir mit ihm in der Herrlichkeit sein? Wann werden wir Gott den Herrn im Lande der Lebenden schauen, den gütigen Belohner, den Mann des Friedens und der Ruhe, den Tröster der Bedrängten, den Erstgeborenen von den Toten, die Freude der Auferstehung, ihn der zur Rechten Gottes sitzt, den der Vater bestätigt hat? Er ist Gottes Sohn, unter Tausenden erwählt. Hören wir auf ihn, eilen wir zu ihm, dürsten wir nach ihm! Mögen aus unseren Augen Tränen des Verlangens strömen, bis wir aus diesem Tal der Tränen geführt und in den Schoß Abrahams versetzt werden.
Wer gibt uns Flügel wie die der Taube, dass wir durch die Reiche dieser Welt fliegen und in das Innere des Himmels gelangen? Wer geleitet uns in die Stadt des großen Königs, damit wir das, was wir jetzt in Büchern lesen oder im Gleichnis und wie in einem Spiegel schauen, dann im Angesicht des gegenwärtigen Gottes schauen und jubeln?
Stadt Gottes! Wie herrliche Dinge hat man schon von dir erzählt! Du bist die Heimat derer, die sich freuen, in dir sind das Licht und das Leben für alle. Dein Grundstein ist ein einziger Stein, ein lebendiger Eckstein, einzigartig kostbar. Deine Tore glänzen von edlen Diamanten. Sie sind weit geöffnet. Deine Mauern sind aus kostbarem Gestein, deine Türme aus Perlen. Deine Plätze, Jerusalem, sind mit Edelsteinen und mit reinem Gold gepflastert, durchscheinendem Kristall gleich. In dir wird die Herrlichkeit geschaut, in dir das Lied der Freude gesungen, alle vernehmen den süßen Gesang des Himmels, seine Symphonie und seinen Chor und alle sprechen ein einziges Wort: Alleluja!
Lassen wir alle vergänglichen Dinge hinter uns! Unsere Augen mögen unaufhörlich zu den Freuden überströmen, die uns verheißen sind. Laßt uns über das glücklich sein, was sich bereits an den Gläubigen erfüllt hat, die gestern für Christus gekämpft haben und heute mit Christus herrschen. Laßt uns über das glücklich sein, was uns wahrhaftig gesagt wurde: Wir werden in das Land der Lebenden einziehen.
Zwar liegt die Erfüllung unserer Hoffnung in der Zukunft bei Gott, aber indem sie uns schon jetzt zu einem Leben auffordert, das Zeugnis gibt von dieser Hoffnung, bleibt die Ausrichtung auf das himmlische Jerusalem keine reine Vertröstung auf das Jenseits, sondern läßt diese kommende Welt schon verborgen Gegenwart werden. Dies wird deutlich, wenn die Christen so leben, wie es dem Beten Jesu entspricht: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ (Joh 17,20-26) Bitten wir Gott um diese Einheit der Gläubigen.
Weitere Texte zur Osterzeit
Ostern - Über unsere Vorstellungskraft hinaus
Irgendwie scheint die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi merkwürdig unsere Vorstellungskraft zu überfordern. Sie kann bei weitem nicht so unmittelbar in unser Gemüt eindringen wie die Botschaft von Weihnachten. Geburt gehört zu unserem Erfahrungsbereich, und sie trägt immer etwas von Hoffnung und Freude in sich. So kann die Geschichte von dem Gottessohn, der im Stall als Menschenkind geboren wurde, unmittelbar unser Herz ergreifen. Aber die Auferstehung liegt außerhalb unseres Erfahrungsraumes; wir kennen nur Leben, das Sterben ist.
Manche behelfen sich mit der Erklärung: „Christus ist für die edelste Sache der Menschheit gestorben.“ oder: „Die Sache Jesu geht weiter.“ Das sagt aber zu wenig, sagt etwas Falsches aus. Die Personen stünden so jeweils nur im Dienst der Sache. Die Person wäre nur ein Mittel und die Sache der Zweck. Nein, Jesus ist nicht für eine Sache gestorben und es ist nicht eine Sache die weitergeht. Christus ist vielmehr für jeden einzelnen Menschen gestorben. Es ist nicht die Sache auf die es ankommt, sondern die Person ist von Bedeutung. Der Auferstandene ist der Sieg der Person, die mehr ist als die Sachen, denn Gott ist Person und hat jeden einzelnen Menschen mit ewiger Liebe gerufen, damit er ewig sei und damit seine Liebe ewig sei.
Die Auferstehung Jesu Christi ist das Bekenntnis zum Vorrang der Liebe und des Lebens. Sein Blut fordert nicht Blut, sondern Versöhnung und Liebe, das Ende der Feindschaft und des Hasses. Seine Auferstehung ist die persongewordene Wahrheit des Satzes: Die Liebe ist stärker als der Tod. Deswegen ist es auch im Letzten unerheblich, wem eigentlich historisch die Schuld am Tode Jesu zufällt. Die Christenheit hat immer gewußt, daß dies keine Frage ist, weil das Blut Jesu Christi nicht nach Vergeltung, sondern vielmehr nach Vergebung, Versöhnung und Liebe ruft.
In den Osterberichten heißt es, daß die, die dem Auferstandenen begegnen, von Furcht aber auch von Freude ergriffen sind und sie kommen in Bewegung. Die Frauen laufen vom Grab zu den Aposteln. Jesus öffnet den Jüngern die Augen für das Verständnis der Schrift und sendet sie als seine Zeugen. Wer von dieser Botschaft getroffen ist, der muß sie weitersagen, weil es wichtig ist, daß sie weiterdringt, ehe es zu spät ist. Die Apostel haben gleichsam den Wettlauf durch die Welt angetreten, um noch in ihrer Generation bis an die Enden der bekannten Erde die Botschaft vom Sieg des Lebens, von der Auferstehung des Herrn zu tragen. Auch wir sollten uns von der Botschaft von der Auferstehung Jesu ins Herz treffen lassen, damit auch wir aufbrechen, sein Licht weiterzutragen, ehe es zu spät ist, ehe der Tod seine grausame Ernte hält; damit wir getroffen von der Freude des Ostertages selbst Evangelisten, Boten der Freude Jesu Christi werden.
Das ist der Tag, den der Herr gemacht!
Vor einigen Tagen ist mir eine sehr alte Oster-Predigt über einen Vers aus dem Hohelied begegnet, zu der ich mir einige Gedanken gemacht habe.
Du, den meine Seele liebt, sag mir: Wo weidest du die Herde? Wo lagerst du? So heißt es im Hohelied (1,7). Wer ist der, den meine Seele liebt? Es ist kein anderer als unser Herr Jesus Christus. Er ist der Bräutigam unserer Seele. All unsere Liebe gebührt zuerst ihm, denn nur in ihm können wir wahrhaft lieben. Doch wo finden wir den, den unsere Seele liebt? Er antwortet: Im Mittag.
Wie finden wir den Herrn im Mittag? Blicken wir hin auf den Karfreitag. Vom Mittag bis drei Uhr am Nachmittag herrscht Finsternis. Die Sonne verdunkelt sich. Die Schöpfung erfüllt ihre Pflicht und trauert um ihren Schöpfer, der am Kreuz hängt. Doch der Böse denkt, dass er nun die Macht errungen hat, dass er das Licht besiegt und Finsternis über die ganze Welt gebracht hat. Doch Gott siegt über die Finsternis. Ja Herr, die Finsternis ist für dich nicht finster, die Nacht leuchtet wie der Tag! (Ps 139,12) Doch wir finden den Herrn im Mittag am Kreuz. Gott, von der Finsternis verschlungen – das Licht, von der Finsternis besiegt?
Tod, wo ist dein Sieg? Über den Herrn des Lebens hat der Tod keine Macht, sondern der Tod hat sich seinen eigenen Untergang bereitet. Der Tod hat den Herrn des Lichtes und des Lebens zu sich geholt. So kann das Licht auch die letzte Finsternis erleuchten und mit Leben füllen. Christus steigt hinab in das Reich des Todes, doch der Tod kann ihn nicht halten. Er muß sein Reich räumen. Nun hat der Tod keine Macht mehr über den, der an Christus glaubt. Der Tod wird zum Durchgang vom Leben zum Leben.
Christus steht von den Toten auf. Er kommt zurück aus dem Reich des Todes. Die Finsternis konnte das Licht nicht besiegen. Das Licht erleuchtet auch die letzte Finsternis und bricht mit neuer Kraft hervor. Am Ostermorgen erstrahlt das Licht in vorher nie gekannter Fülle, ein Tag in vollem Licht, ohne Abend, ein dauernder Mittag. Du, den meine Seele liebt, wo finde ich dich? Wo weidest du die Herde? Wo lagerst du? Und Jesus antwortet: Im Mittag. Ich habe einen neuen Tag gemacht, einen Tag, der keinen Abend kennt. Jeder Mensch, wo immer er auch ist, findet mich im Licht dieses Tages. Das Licht des Auferstandenen leuchtet auf der ganzen Welt. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, kommt alle zu mir, Frauen und Männer, Alte und Junge. Kommt hervor aus der Finsternis, tretet ein in das Licht meines Tages! Ich bin es, der euch weidet, bei mir findet ihr Ruhe! Ja, Herr, laß uns immer bei dir sein.
Erstkommunion 2006
An diesem Sonntag feiern wir das Fest der Erstkommunion. Was bedeutet dieser Tag für die Kinder, was bedeutet er für uns als Gemeinde? Was bedeutet uns die Eucharistie?
Christus hat gesagt: Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Was bedeutet dieses Geheimnis? Indem wir an Christus teilhaben, werden wir alle in ihm zu einem Leib. Die Eucharistie verbindet uns alle untereinander und mit Christus. Was für eine innige Verbindung Christus mit jeder und jedem von uns eingehen möchte, das beschreibt eindrucksvoll Therese von Lisieux, wenn sie über den Tag ihrer Erstkommunion schreibt:
Oh! Wie wohltuend war der erste Kuß Jesu in meiner Seele! Es war ein Kuß der Liebe, ich fühlte mich geliebt, und auch ich sprach: Ich liebe dich und schenke mich dir für immer. Seit langem hatten sich Jesus und die arme kleine Therese angeblickt und verstanden. An diesem Tag aber war es nicht mehr ein Blick, sondern ein Aufgehen ineinander, sie waren nicht mehr zwei, Therese war verschwunden, wie der Wassertropfen im weiten Meer sich verliert. Jesus allein blieb. Er war der Herr und König.
Erstkommunion ist mehr als nur ein festlicher Tag. Es ist der Tag, an dem unsere Kinder zum ersten Mal in diese innige Beziehung mit Jesus treten dürfen. Seien wir uns immer bewußt, was die Eucharistie bedeutet, welche Liebe Gottes zu uns in ihr zum Ausdruck kommt. Christus schenkt sich uns ganz. Er will, daß auch wir ihm unser Leben schenken und dadurch ganz wir selbst werden. Er will, daß wir glücklich werden, weil er uns liebt.

