Christkönig
Das Christkönigsfest an sich gibt es in der Kirche noch keine 100 Jahre. 1925 führte Papst Pius XI. dieses Fest anlässlich der 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nizäa am letzten Sonntag im Oktober ein. Die Liturgiereform verlegte es auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr. Der Inhalt dieses Festes aber, das Königtum Jesu Christi, ist schon immer fest im Glauben der Kirche verwurzelt. Christus selbst bezeichnet sich als König, doch sein Königtum ist nicht von dieser Welt. Als er vor Pilatus steht fragt ihn dieser: "Also bist du doch ein König?" Und Jesus antwortet: "Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege." (Joh 18,36f.)
Als das Christentum im römischen Reich Staatsreligion wurde, entstanden viele große Kirchen im Baustil der Basilika. Basileus, das war der Herrscher des römischen Reiches und die Basilika ist die Königshalle. Die ersten großen Kirchen wurden also den Königshallen nachempfunden. Nur stand in der Apsis, dem halbrunden Abschluss des Gebäudes, nicht mehr der Thron des Kaisers, sondern der Altar und darüber befindet sich ein riesiges Mosaik, in dem Christus als Pantokrator, als Allherrscher, dargestellt wird. Nicht der Kaiser ist der oberste Herr des Reiches, sondern Christus ist Herr über die ganze Welt und jedes ihrer Reiche. So hat man dann später auch die Könige als von Gottes Gnaden bezeichnet, die gleichsam im Auftrag des einen Herrschers, Christus, ihre Herrschaft ausüben.
Sicher verbinden viele mit dem Begriff Gottesgnadentum wie auch mit dem Begriff König an sich gemischte Gefühle. Woran denken wir, wenn wir heute den Begriff König hören? An eine frühere, heute unzeitgemäße Herrschaftsform? An die Stories aus der Regenbogenpresse, in denen Details aus dem Leben der Mitglieder heute noch existierender Herrscherhäuser publikumswirksam vermarktet werden? An alte Zeiten, an den Glanz der Monarchien in den Ländern Europas? Oder an die Könige aus unseren Märchenbüchern? Vielleicht mag ja die Sehnsucht nach einem guten und gerechten König, der für eine gerechte Ordnung in seinem Land sorgt, in uns sein. Dieser steht oft aber die Angst vor einem Willkürherrscher und die Abneigung gegen den Prunk der Herrscherhäuser, der oft auf Kosten der Bevölkerung ging, gegenüber. Ideal und Wirklichkeit stimmen beim Königtum selten überein. Auch an den Königen der Geschichte, die wir die "Großen" nennen, lassen sich so manche Schattenseiten finden.
Vielleicht können wir einen Zugang zum Christkönigsfest finden, wenn wir in Christus den idealen König sehen, der ganz ohne Schattenseiten ist. Was wäre das Charakteristikum dieses Königs? Ich meine, er muss die Macht und die Güte in sich vereinen. Gerade die Verbindung von Macht und Güte zeichnet einen idealen Herrscher aus. Macht ohne Güte führt zu Willkür und Ungerechtigkeit, Güte ohne Macht aber kann das Gute nicht durchsetzen. Wir glauben, dass Gott allmächtig ist und dass er die vollkommene Liebe und Güte ist. Daher müsste es doch die Sehnsucht aller Menschen guten Willens sein, unter der Herrschaft dieses Gottes zu leben.
Absolute Macht und Güte begründen aber noch ein drittes, nämlich die Möglichkeit einer absoluten Wahrheit. Christus selbst bezeichnet als Ziel seines Königtums, für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Gott ist die absolute Wahrheit. Gott hat die Spuren dieser Wahrheit in seine Schöpfung gelegt und dem Menschen mit dem Verstand ein Werkzeug an die Hand gegeben, diese Wahrheit zu ergründen. Dass Gott die absolute Wahrheit ist, das ist die Bedingung der Möglichkeit jeder Wissenschaft. Die Welt ist nicht aus Zufall und Willkür entstanden, sondern hat als Schöpfer den allmächtigen und guten Gott, der in sie seine Ordnung gelegt hat. Wir glauben, dass Gott Vater alles durch Christus, den Sohn geschaffen hat. In Christus ist alles geschaffen und alles hat in ihm Bestand. Die ganze Schöpfung ist durch Christus. Dies ist der letzte Grund seines Herrscheranspruchs über die Welt.
Als vollkommen mächtig, gut, gerecht und wahr ist Christus auch der Garant für die Gerechtigkeit in dieser Welt. Als Allherrscher wird er oft mit dem Buch des Lebens in der Hand dargestellt, dem Buch, in dem bei Gott die Gerechten eingeschrieben sind.
Christus ein König?
Am letzten Sonntag im Kirchenjahr feiern wir das Christkönigsfest. Christus ein König - wie sollen wir das verstehen? War nicht sein Leben alles andere als königlich und sagt er nicht selbst über sich, dass der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen?
Das heutige Evangelium zeigt uns Jesus vor Pilatus, zeigt einen Angeklagten vor dem Repräsentanten des Römischen Kaisers, einen scheinbar machtlosen vor dem Vertreter der höchsten politischen Macht. Jesus Christus - ein König?
Als Jesus in Jerusalem einzog, riefen die Menschen: "Hosanna! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel." Das Volk sieht in Jesus den verheissenen Messias-König gemäß den Worten der Propheten: "Fürchte dich nicht, Tochter Zion. Siehe, dein König kommt, er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin."
Die offiziellen Vertreter der jüdischen Religion, die nicht an das Messias-Königtum Jesu Christi glaubten, klagten ihn beim römischen Statthalter als Aufrührer an. Wer sich König nennen lässt, der stellt den Machtanspruch des Kaisers in Frage. Doch beim Verhör stellt sich für Pilatus heraus, dass Jesus keineswegs plant, durch einen Aufruhr politische Macht an sich zu reißen. Und doch weist Jesus den Königstitel nicht von sich. "Du sagst es - ich bin ein König. - Aber mein Königtum ist nicht von dieser Welt."
Was ist das für ein Königtum, von dem Jesus spricht? Wir kennen mehrere sogenannter "Ich-bin-Worte" Jesu im Johannesevangelium (z.B. ich bin das Licht der Welt, ich bin das Brot des Lebens). Hier sagt Jesus aber nicht: Ich bin der König, sondern nur: "Du sagst es - ich bin ein König." Die Königsherrschaft Christi ist nicht auf irdischer Ebene zu sehen. Das Zeugnis Jesu gilt der Wahrheit. "Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme."
Jesus sammelt seine Gefolgsleute nicht mit Gewalt. Sein Wort setzt sich durch, weil die Menschen erkennen, dass es die Wahrheit ist, die allein alle ihre Fragen befriedigend beantwortet, dass es allein die Wahrheit ist, die frei macht und ein erfülltes Leben ermöglicht, dass es allein die Wahrheit ist, die nach diesem Leben hinüberführt in die ewige Glückseligkeit. Allein wenn wir in dieser Wahrheit stehen sind wir treue Gefolgsleute Jesus Christi unseres Herrn und Königs.