Verschiedenes
Hier finden Sie verschiedene Betrachtungen, die an anderer Stelle keinen Platz hatten. Ich möchte auch auf meine weitere Homepage hinweisen:
Dort finden sich Texte über Psalmen und zu Hugo, Erzbischof von Rouen im 12. Jahrhundert.
Kurze Betrachtung - Mit allen Sinnen
Mit meinen Sinnen nehme ich die Welt um mich herum wahr. Ich will aufmerksam sein für das, was mir begegnet. Ich will nicht nur mit den äußeren Sinnen wahrnehmen, sondern tiefer gehen, um die verborgene Wirklichkeit in den Dingen zu sehen, um andere Menschen zu verstehen, und um dich, mein Gott, in allen Dingen zu erkennen.
Die Betrachtung "Mit allen Sinnen" finden Sie hier.
Schöpfung
Schöpfung (1) – Lob Gottes
Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. (Gen 1,31)
Die Schöpfung ist das Werk Gottes, er hat alles sehr gut gemacht. Die Schöpfung ist uns von Nutzen und wir können uns an ihr erfreuen. Besonders jetzt im Frühjahr, wenn nach den kahlen Wintermonaten wieder überall frisches Grün hervortreibt, erfahren wir, wie schön die Schöpfung ist. Für uns Christen ist die Schöpfung aber noch mehr. Sie trägt die Spuren Gottes in sich und ihre Schönheit weist uns hin auf den, der alles gut gemacht hat und der das Leben schenkt. Die ganze Schöpfung kündet Gottes Lob:
Lobet den Herrn, Sonne und Mond, lobt ihn all ihr leuchtenden Sterne!
Lobet den Herrn, ihr auf der Erde, ihr Berge und all ihr Hügel, ihr Pflanzen und ihr Tiere!
Lobet den Herrn, ihr jungen Männer und auch ihr Mädchen, ihr Alten mit den Jungen!
Der Psalm 148 ist der große Lobpsalm der Schöpfung. Himmel und Erde, Pflanzen, Tiere und Menschen vereinen sich zum Lobe Gottes. Alles hat er geschaffen und alles kündet von seiner Macht und Herrlichkeit. Schauen wir auf das frische Grün des Frühlings. Mit allen technischen Kräften wird es dem Menschen nie gelingen, so etwas zu produzieren. Alles Leben ist ein Geschenk Gottes. Herr, lass uns dieses Geschenk von Dir dankbar annehmen!
Schöpfung (2) – Geschenk Gottes
Gott, du lässt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde und Wein, der das Herz des Menschen erfreut. (Ps 104,14f)
Die Schöpfung liefert dem Menschen Nahrung. Der Mensch muß die Erde zwar bebauen, doch dass etwas wächst, ist allein Gottes Geschenk. Durch unsere technische Zivilisation haben wir vielerorts den Bezug zur Schöpfung verloren. Unser Leben wird bestimmt von technischen Geräten, die immer und überall einsatzbereit sind, wo die nötige Infrastruktur zur Verfügung steht. Wir meinen, dass uns alle Nahrungsmittel in unbegrenzter Fülle zur Verfügung stehen und dass wir jederzeit das haben können, was wir gerade möchten.
Wir vergessen nur allzu leicht, dass es zur gleichen Zeit in anderen Ländern Menschen gibt, die an Hunger sterben. Wir vergessen allzu leicht, dass es Gottes Geschenk ist, dass es Leben gibt in der Schöpfung, dass wir leben, dass in jedem Frühjahr neues Grün hervorsprießt und dass die Pflanzen wachsen und uns Nahrung geben.
Danke, Herr, für Deine Schöpfung. Danke, Herr, für die Gaben, die Du uns schenkst.
Schöpfung (3) – Eucharistie
Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde! (Ps 8,2)
Wir Christen achten die Schöpfung manchmal zu gering und vergessen leicht, dass Gott mit ihr in einer ganz engen Beziehung steht. Thomas von Aquin sagt: „Wie die Seele ganz in jedem Teil des Körpers ist, so ist auch der ganze Gott in allen Geschöpfen und in jedem einzelnen.“ Die Schöpfung trägt die Spuren Gottes, ihres Schöpfers, und der Mensch als besonderer Teil der Schöpfung ist sogar Bild Gottes. Gott ist der Schöpfung so nahe, dass er selbst in ihr Mensch geworden ist. Gott kann die Gaben der Schöpfung, Brot und Wein, in der Eucharistie in Christi Leib und Blut verwandeln und ist so unter uns gegenwärtig.
Die Eucharistie ist der Anfang der neuen Schöpfung, wenn Gott einst alles verwandeln wird und er selbst dann sein wird alles und in allem. Was wir jetzt nur verborgen sehen können, wird uns dann offenbar sein und Gott wird uns das unvorstellbare Glück seiner Gegenwart schenken.
Das Himmlische können wir mit unseren irdischen Kräften nicht erfassen und doch zeigt sich uns Gott hier auf Erden auf irdsiche Weise, damit wir ihn erkennen können. Es gibt keine Liturgie ohne Schöpfung. Wir bringen Gott Gaben der Schöpfung und er wandelt sie in seinen Leib und in sein Blut. Aus irdischen Steinen ist das Gotteshaus gebaut und doch weist es uns hin auf die himmlische Stadt, in der Gott uns eine Wohnung bereitet hat. Wir loben Gott mit unseren irdischen Stimmen und doch stimmen wir ein in den immerwährenden Lobgesang der himmlischen Scharen.
Guter Vater, Dein Name werde geheiligt, wie im Himmel so auf Erden!
Schöpfung (4) – Gläubiges Staunen
Gott, Du weiser Schöpfer, dankbar stehen wir vor all dem, was Du erschaffen hast. Lass uns staunen lernen darüber, wie wunderbar Du alles gemacht hast. Schenke uns Ehrfurcht, damit wir Dich als den Schöpfer ehren und all das, was du uns schenkst, mit Liebe pflegen.
Herr, lass uns in all Deinen staunenswerten Werken Dich erkennen. Du bist der Schöpfer und Erhalter von allem, was uns umgibt. In Deiner Liebe hast Du alles geschaffen und in Deiner Güte hast Du uns die Schöpfung anvertraut. Lass uns erkennen, dass wir Deine Kinder sind. Lass uns die Liebe erkennen, die Du bist und die Du uns, Deinen Geschöpfen, eingepflanzt hast.
Lass uns Dich allezeit Loben, in unserem Leben und Tun, in Deiner Schöpfung und vor allem in der Eucharistie, in der Du uns in einzigartiger Weise Deine Nähe und Liebe zeigst. Amen.
Die Zehn Gebote
Einführung
Die Zehn Gebote bilden bis heute die Grundlage für ein Leben nach dem Willen Gottes. Im Buch Exodus (Kapitel 19 und 20) erfahren wir, wie Gott dem Mose die Tafeln mit den Zehn Geboten übergeben hat. Neben Ex 20,1-17 sind die Zehn Gebote auch im Buch Deuteronomium 5,6-22 überliefert.
Die ersten drei Gebote bestimmen die Beziehung des Menschen zu Gott, die weiteren sieben Gebote regeln das Miteinander der Menschen. Vielleicht hat Jesus diese Zweiteilung im Blick, wenn er das ganze Gesetz zusammenfaßt in dem Hauptgebot der Liebe (Mk 12,30f):
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.
An einer anderen Stelle heißt es, dass die Liebe die Erfüllung des Gesetzes ist (Röm 13,10). Daher darf man die Zehn Gebote nicht als Regeln sehen, die uns einschränken, sondern als eine Wegweisung, die uns hinführt zur immer größeren Liebe und zu einem Mehr an Leben. Die Tage der Fastenzeit können ein Ansporn sein, wieder neu zu überlegen, wie ich die Zehn Gebote in meinem Leben umsetzen kann.
Vater, gib mir den Mut und die Demut, wahrhaftig deinen Willen zu suchen, indem ich dich und den Nächsten liebe.
Erstes Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
Gott will, dass wir ihm allein vertrauen und uns nicht an Mächte binden, die uns von ihm trennen. Warum verlangt Gott so eifersüchtig danach, der einzige Gott zu sein? Gott will das Gute für die Menschen. Gott hat etwas für sein Volk getan. Er hat es aus der Sklaverei in Ägypten befreit, das ist das entscheidende Ereignis in der Geschichte Israels. Für uns können wir heute sagen, dass Gott uns durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes das Leben neu geschenkt hat.
Gott will, dass es uns gut geht. Gott weiß, dass die Götzen der anderen Völker seinem Volk nur schaden. Das Volk Israel war von Völkern umgeben, die scheinbar mächtige Götter hatten. Doch diese können keine Rettung bringen, weil sie nur von Menschenhand gemachte Götterbilder sind. Durch die Hinwendung zu den fremden Göttern ist das Volk Israel oft in die Abhängigkeit anderer Völker geraten.
Gott will, dass wir frei sind. Auch heute gibt es Menschen, die sich in Gottesbilder begeben, die abhängig machen, die Ideologien folgen und gefangen sind von Süchten. Woran hänge ich mein Herz?
Herr, wende uns ab von den falschen Göttern, die wir lieben und anbeten, damit wir dich, den einen wahren Gott anbeten und lieben, dich, in dem die Sehnsucht unseres Herzens Erfüllung findet.
Zweites Gebot: Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
Nach biblischem Denken zeigt sich im Namen das Wesen einer Person. Der Name ist nicht einfach nur etwas, das man zufällig einmal bekommen hat und nun trägt, sondern er sagt immer etwas über einen Menschen aus. So zeigt sich auch im Gottesnamen das Wesen Gottes. Gott hat sich offenbart als der „Ich bin da“, der immer mit seinem Volk ist.
Die Juden sind dazu übergegangen, aus Ehrfurcht den Namen Gottes nicht mehr auszusprechen, um ihn ja nicht zu verunehren. Doch der Name Gottes wird nicht nur dadurch verunehrt, indem man ihn leichtfertig ausspricht, sondern auch, wenn man etwas Schlechtes im Namen Gottes tut. Bei Paulus heißt es: Euretwegen wird der Name Gottes unter den Völkern gelästert. (Röm 2,24) Paulus bezieht das auf Menschen, die vorgeben, sich ganz genau an die Gebote Gottes zu halten, dann aber doch immer wieder das tun, was gegen die Gebote verstößt.
Die Öffentlichkeit schaut ganz genau hin, wie sich die Christen verhalten, und ein Fehltritt eines Geistlichen wird schnell in der Presse breitgetreten. Schlimm ist es, wenn dem ein wirkliches Fehlverhalten zugrunde liegt. Doch auch auf uns schauen die Menschen, mit denen wir im Alltag zu tun haben. Leben wir so, dass wir mit unserem ganzen Leben Gott die Ehre geben?
Vater, mache uns zu glaubwürdigen Boten der Hoffnung, Vergebung und Liebe, die du jedem Menschen schenken willst, damit die Menschen erkennen, dass du wahrhaft in unserer Mitte gegenwärtig bist.
Drittes Gebot: Gedenke, dass du den Sabbat heiligst.
Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat – das hat Jesus den Pharisäern gesagt. Die jüdische Tradition hatte nämlich bis ins Kleinste festgelegt, was am Sabbat erlaubt und was verboten ist. Doch ist dadurch nicht eine Eingrenzung geschehen, die den wahren Sinn des Sabbatgebotes verstellt hat?
Heute legen wir das Sonntagsgebot eher zu weit aus. Freizeitaktivitäten und vieles andere lassen uns auch am Sonntag nicht wirklich zur Ruhe kommen. Doch das Leben des Menschen ist nicht allein dazu da, dass er durch Arbeit etwas produziert und dann wieder unbegrenzt konsumiert. Der Mensch ist in erster Linie dazu da, um Gott zu ehren. Es soll einen Tag geben, an dem der Mensch ganz frei ist, um dies zu tun.
Nehme ich mir Zeit für Gott? Wie eine Freundschaft nicht bestehen kann, wenn sich die Menschen nicht Zeit füreinander nehmen, so können wir auch nicht zu Gott in Beziehung bleiben, wenn wir uns keine Zeit für ihn nehmen. Wir verdanken uns und alles was wir haben Gott, der alles geschaffen hat. Wenn wir es mit ihm genießen, werden wir auch die Erholung finden, die wir sonst vielleicht erfolglos suchen.
Herr, lege dein Gesetz in uns hinein, dass wir dich lieben und suchen, dass wir Zeit mit dir verbringen, allein und miteinander, als Ausdruck der Freundschaft mit dir.
Viertes Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren.
Das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, steht an der Spitze der Gebote,
die das Miteinander der Menschen regeln. Es ist auch das einzige Gebot, dem eine Verheißung folgt: Damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.
Nicht nur von Kindern wird erwartet, dass sie ihre Eltern ehren. Das vierte Gebot richtet sich in erster Linie an Erwachsene. Die Sorge um die Eltern wird dann besonders akut, wenn diese nicht mehr selbst für sich sorgen können. Wer durch seine Fürsorge seinen Eltern auch im Alter noch ein schönes Leben ermöglicht, dem wird auch für sich selbst eine gute Zeit des Alters verheißen.
Heute wissen wir oft nicht mehr, wie wir den alten Menschen helfen sollen. Berufstätigkeit und andere Verpflichtungen scheinen oft keine Zeit mehr für die Sorge um die alten Menschen zu lassen. Da bleibt als Lösung oft nur der Platz in einem Heim.
Eine Gesellschaft ist nur dann menschlich, wenn nicht nur die produktiven Menschen in ihr einen Platz haben. Gerade die ganz jungen und die ganz alten Menschen bedürfen der Fürsorge. Trotz aller Verpflichtungen Zeit für diese Sorge zu finden ist eine Herausforderung. Wenn sie glückt, kann sie auch unser eigenes Leben bereichern.
Fünftes Gebot: Du sollst nicht morden.
Es ist erstaunlich, wie schnell ein Mensch das Leben eines anderen auslöschen kann. Immer wieder erschüttern uns Nachrichten von Mordfällen, Amokläufen und Attentaten. Bei Menschen, die solches tun, scheint die Ehrfurcht vor dem Leben verloren gegangen zu sein. Nahezu gewöhnt hat sich aber unsere Gesellschaft daran, dass dem noch ungeborenen Leben diese Ehrfurcht scheinbar nicht entgegengebracht werden muß. Doch das menschliche Leben ist ein schützenswertes Gut vom Zeitpunkt der Zeugung bis zum natürlichen Tod.
Denken wir aber auch daran, dass menschliches Leben nicht nur physisch ausgelöscht werden kann. Viele Menschen existieren im Bewußtsein der anderen nicht mehr, weil niemand mehr sie wahrnimmt. Haß und mangelnde Bereitschaft zur Vergebung töten die Beziehung zu einem anderen Menschen im Herzen ab.
So will uns das fünfte Gebot nicht nur vom Mord abhalten, sondern will uns auf die Würde des menschlichen Lebens an sich hinweisen. Es ruft uns dazu auf, so miteinander umzugehen, dass wir uns nicht gegenseitig hassen und quälen, sondern dass wir Leben und Mitmenschlichkeit fördern.
Sechstes und neuntes Gebot: Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.
Das sechste und das neunte Gebot werden oft zu einem zusammengefaßt. Jesus sagt ja selbst das deutliche Wort: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Das Gebot beinhaltet also mehr als nur die Warnung vor einem Seitensprung.
Die Familie ist die Grundlage unserer Gesellschaft. Um ein gemeinsames Leben in Liebe führen zu können, ist gegenseitige Treue nötig. Man kann den Schwierigkeiten einer Beziehung nicht dadurch entgehen, dass man meint, mit einem anderen Partner wäre alles viel besser. Damit aber zwei Menschen es überhaupt ein Leben lang miteinander aushalten, müssen sie prüfen, ob sie zueinander passen. Dabei dürfen nicht die sexuellen Aspekte im Vordergrund stehen. „Warten“ kann oft zu einem viel tieferen Kennenlernen des anderen führen.
Es wird der Kirche oft vorgeworfen, dass sie mit ihrer Sexualmoral die Menschen unterdrückt. Wenn man Sexualität nur als größtmögliche Befriedigung der Lust sieht, mag das stimmen. Wenn man aber nach einer Form der Sexualität sucht, die dem Leben dient und nicht allein der Befriedigung der eigenen Lust, so wird man in der Lehre der Kirche einen Weg hin zu größerer Freiheit und Erfüllung finden.
Lassen wir unser Denken also nicht von dem leiten, was uns die Medien tagtäglich an Bildern und Berichten zu diesem Thema liefern, sondern fragen wir uns, wie wir verantwortungsvoll mit der von Gott verliehenen Gabe der Sexualität umgehen können, auch wenn es oft schwer fällt. Möge Gott unsere Familien mit seinem Segen schützen.
Siebtes und zehntes Gebot: Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut.
Auch das siebte und zehnte Gebot werden oft zu einem zusammengefaßt. Das Stehlen fängt schon da an, wo ein Mensch voll Neid und Gier auf das schaut, was einem anderen gehört. Viele Menschen meinen, sich mit Statussymbolen überbieten zu müssen, hat einer etwas, müssen es alle haben. Die Werbung schürt noch dieses Verlangen. Doch diese Gier des Menschen wird nie gestillt. Solange es geht, wird mitgemacht, bis einer auf der Strecke bleibt oder das ganze System zusammen bricht.
Verzicht ist etwas Schweres, gerade wenn man wie heutzutage eigentlich alles haben kann und so vieles als für jeden erschwinglich angepriesen wird. Aber auch Menschen, die nur wenig haben können, klammern sich oft an vielen wertlosen Dingen fest.
Was brauche ich wirklich? Worauf kann ich verzichten, auch wenn es mir schwer fällt? Habe ich den Mut, aus den gesellschaftlichen Zwängen auszubrechen, die mir vorgeben wollen, was ich alles haben muß, um „dazuzugehören“? Bin ich bereit, den wahren Wert eines Menschen zu entdecken, der unabhängig ist von seinem Besitz?
Achtes Gebot: Du sollst kein falsches Zeugnis geben über deinen Nächsten.
Früher zählte das Wort noch mehr als heute. Vor Gericht wurde auf die Aussage von zwei Zeugen hin entschieden. Falsches Zeugnis konnte zu einer Verurteilung Unschuldiger führen. Heute haben wir ganz andere Beweismethoden, aber immer noch kann ein falsches Gerücht, das in die Welt gesetzt wird, eine Eigendynamik entwickeln, die großen Schaden anrichtet.
Jesus sagt: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen. (Mt 12,36) Es ist also nicht egal, was ich alles von mir gebe. Jedes Wort hat seine Wichtigkeit. Vor allem sollte ich darauf achten, dass ich mit meinen Worten nicht anderen schade oder sie verletze.
Auch hier fängt die Sünde nicht erst beim gesprochenen Wort an. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund, heißt es. Wenn ich schlecht über andere rede und über andere herziehe, so sollte ich mich fragen, welche Einstellung ich den Menschen gegenüber habe. Bemühen wir uns, das Gute im anderen zu sehen und gut über andere zu denken, damit kein böses Wort über unsere Lippen kommt, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht stärkt, und dem, der es hört, Nutzen bringt.
Vertrauen
Am 24.03.2009 brachte die Süddeutsche Zeitung auf der Titelseite einen Bericht über einen Mediziner, der über Jahre hinweg die frei erfundenen Ergebnisse angeblicher Studien publiziert hat. Er galt als Koryphäe, bis nun der Schwindel aufgeflogen ist. Interessant ist die Antwort eines Wissenschaftlers auf dieses Desaster: „Wissenschaft beruht auf Vertrauen“ sagt dieser und ein anderer wünscht auf Grund des Vertrauensbruchs, dass der Schuldige nun aus der Wissenschaftsszene verstoßen werde.
Es ist dies ein Beleg dafür, dass renommierte Wissenschaftler nicht mehr den absoluten Wahrheitsanspruch der Naturwissenschaften verfechten. Die Fortschritte der Naturwissenschaften beruhen darauf, dass Menschen auf Grund ihres Intellekts die Ergebnisse ihrer Studien richtig zu deuten wissen. Dabei bleibt aber offen, ob man bei den Untersuchungen schon bis zu einer endgültigen Klarheit durchgedrungen ist, nur einen momentanen Stand erreicht hat oder gar in die Irre gegangen ist. Manches läßt sich im Diskurs unter den Wissenschaftlern präzisieren, doch wenn es um Spezialgebiete geht, ist kaum ein anderer da, der das nötige Detailwissen besitzt, um die Ergebnisse seiner Kollegen zu verifizieren. Letztlich bleibt also nur das Vertrauen – das Vertrauen in den Intellekt des Menschen und in seine Glaubwürdigkeit.
Wenn wir nun fragen, was Glauben an Gott bedeutet, so ist dieser Glaube in seinem tiefsten Kern Vertrauen. Ich vertraue darauf, dass es einen Gott gibt, der diese Welt geschaffen hat und der dieser Welt bleibend nahe ist, so dass auch ich eine Beziehung zu ihm aufbauen kann, die mein Leben trägt. Um an diesen Gott zu glauben, muss ich erst einmal den Menschen vertrauen, die von diesem Gott erzählen und die von den Erfahrungen Zeugnis geben, die sie mit diesem Gott gemacht haben. Dann kann ich mich aufmachen, kann Schritte des Vertrauens auf diesen Gott hin wagen und meine eigenen Erfahrungen sammeln. Wenn ich mich ernsthaft auf den Weg mache, kann ich erfahren, wie die Beziehung zu Gott mich trägt und mein Leben bereichert.
Warum sollen die Erfahrungen mit Gott weniger wert sein, als die Ergebnisse, die Naturwissenschaftler aus ihren Experimenten ziehen? Die Erfahrungen mit Gott sind genau so real, wie es die Ergebnisse der Naturwissenschaften sind. Sie beziehen sich nur auf ein anderes „Forschungsobjekt“. Wenn ich die Natur erforsche, werde ich Auskunft auf die Gesetze der Natur bekommen. Wenn ich mich auf Gott hin ausrichte, werde ich Auskunft darüber erhalten, was hinter allem steht, was der Grund von allem ist, was der Sinn allen Lebens ist und wer es ist, der diese Welt und auch mein eigenes Leben trägt und im Dasein hält.
Die Wissenschaft ist ein harter Weg. Nicht alle Experimente glücken, mühevolle Kleinarbeit ist nötig. So ist auch der Weg mit Gott für den, der sich wirklich darauf einläßt, kein ruhiger Sonntagsspaziergang. Auch hier wird es Rückschläge und Hindernisse geben. Doch wie in der Wissenschaft Hindernisse die Forscher dazu anregen, noch intensiver zu arbeiten, um eine Lösung zu finden, so kann auch im Glauben aus der Überwindung von Hindernissen eine ganz neue Stufe des Vertrauens zu Gott erreicht werden, wenn man sich auf sie einläßt und nicht einfach alles hinschmeißt, sondern voller Vertrauen den Weg mit Gott weiter gehen möchte.
Wissenschaft sucht nach der Wahrheit der Dinge, sucht danach, wie die Dinge sind. Der Glaube sucht nach Gott und wir glauben, dass in Gott alle Wahrheit ist. Daher ist das Reden von Gott nicht der Beliebigkeit ausgesetzt. Der Mensch kann zwar Gott nie ganz ergründen, da wir aber glauben, dass Gott selbst von sich Zeugnis gegeben hat durch Jesus Christus und in der Heiligen Schrift, können wir beurteilen, was diesem Zeugnis Gottes entspricht und was ihm widerspricht. Auch glauben wir, dass Gott weiterhin in dieser Welt wirksam ist. Jesus Christus selbst hat eine Instanz eingesetzt, die sein Zeugnis von Gott vertrauensvoll bewahren soll. Das ist die Kirche. Ihre Aufgabe ist es, darüber zu entscheiden, welche Menschen in ihrem Zeugnis über Gott vertrauenswürdig sind.
Vielleicht lernen wir wieder zu unterscheiden, dass die Naturwissenschaften sich nur auf einen Teil der Wirklichkeit beziehen und sie daher keine Aussagen über die Wirklichkeit an sich treffen können. Sie können nur die sichtbare Welt erforschen. Zur Wirklichkeit gehört aber auch die unsichtbare Welt. Gerade heute merken wir wieder, was uns durch unsere Beschränkung auf das Materielle verlorengegangen ist. Der Mensch ist mehr als ein Klumpen, der hauptsächlich aus Wasser und einigen anderen Bauteilen zusammengesetzt ist. Daher braucht der Mensch zum Leben mehr als nur materielle Güter. Vertrauen wir darauf, dass Gott den wahren Hunger des Menschen stillen kann und machen wir uns auf, ihm zu begegnen.
Labyrinth
Das abgebildete Labyrinth stammt aus der Kathedrale von Chartres. Es ist das berühmteste aller in Kirchen zu findenden Labyrinthe. Wenn man es durchläuft, legt man 200 Meter zurück. Dieser Weg, den man teilweise kniend ging, war ein Ersatz für die Menschen, die sich nicht auf eine wirkliche Pilgerreise begeben konnten. Auch uns heute kann das Labyrinth als Symbol für unseren Lebensweg gelten. Unser Leben ist eine Pilgerschaft, das Ziel ist das Himmlische Jerusalem.
Stellen Sie sich in Gedanken an den Beginn des Labyrinths. Wir sind von Anfang an in Gottes Hand. „Herr, du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, mich barg an der Brust der Mutter. Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, vom Mutterleib an bist du mein Beschützer.“ (Ps 22,10f.)
Dann gilt es, unseren Weg mit Gott hier auf dieser Erde zu gehen. Unsere Wege sind nicht immer geradlinig, sind verschlungen wie die Wege des Labyrinths. Mal meinen wir, Gott ganz nahe zu sein, dann kommen wieder Zeiten, in denen Gott uns fern scheint, Zeiten des Glücks, Zeiten des Leidens. Bitten wir Gott allezeit, daß er uns den rechten Weg zeige, daß er uns führe. „Zeige mir Herr, deine Wege, lehre mich deine Pfade!“ (Ps 25,4) Dann wird Er uns antworten: „Ich zeige dir den Weg, den du wählen sollst. Ich will dir raten, über dir wacht mein Auge.“ (Ps 32,8)
Wir werden von Gott in unserem Leben reich beschenkt. „Du Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher, du hältst mein Los in deinen Händen, auf schönem Land fiel mir mein Anteil zu.“ (Ps 16,5f.) Danken wir Gott für alle seine Gaben, ohne die wir nicht leben könnten.
Von Gott geführt werden wir auch einst das Ziel unseres Lebens erreichen. „Ich aber, Herr, bleibe immer bei dir, du hältst mich an meiner Rechten. Du leitest mich nach deinem Ratschluß und nimmst mich am Ende auf in Herrlichkeit. Was habe ich im Himmel außer dir? Neben dir erfreut mich nichts auf der Erde.“ (Ps 73,23f.) Im Hause des Vaters gibt es viele Wohnungen. Selig, die dort wohnen und Gott allezeit loben.
Schwach – Sinn : Sünde, Stark – Mut: Vergebung
Schwach-Sinn: Sünde
Ps 51, 3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen.
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist! 
Über die Köpfe der Menschen hinwegreden, das ist sicherlich eine Gefahr, wenn es um das Thema Sünde geht. Im Vater Unser beten wir: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Was heißt Schuld und Sünde, was heißt, um Vergebung zu bitten, und was wird vorausgesetzt, damit wir sinnvoll bitten können?
„Schuld“ bedeutet Verfehlung gegen das, was verpflichtet. Also daß getan wird, was nicht getan werden darf; daß nicht geschieht, was geschehen soll. Schuldig werden kann man im weltlichen Sinne gegen das Gesetz des Staates, gegen das Sittengesetz. Für eine solche Schuld ist ein bestimmtes Strafmaß festgesetzt. Man kann aber ein solches Gesetz nicht um Vergebung bitten. Für den Glaubenden aber ist das, was im Gewissen bindet, nicht nur ein abstraktes Sittengesetz, sondern etwas Lebendiges von Gott her. Es ist das Heilig-Gute, das von Ihm her an unser Inneres drängt und getan werden will. Das Seinsollende, das Verpflichtende ist der Inhalt einer Liebesbeziehung zwischen Gott und mir. Sein Gebot ist die Weise, wie Er mich liebt. Der Mensch ist aber nicht für sich allein in der Welt. Daher heißt es im dreifachen Liebesgebot, daß der Mensch auch seinen Nächsten lieben soll, wie sich selbst. Die Sünde stört diese dreifache Liebe.
Schriftlesung: Gen 3,1-24
Das Wort Sünde hat die gleiche Wurzel wie absondern. Es bezeichnet in der christlichen Religion nicht nur die einzelne Übertretung eines Gebotes, sondern die Aufhebung der Gemeinschaft mit Gott. Der Mensch will sein Leben ganz allein in seine Hand nehmen und sich nicht mehr von Gott danach fragen lassen. Im Paradies war es die Versuchung, mehr zu sein, als einem zukommt. Der Mensch war mit der schönen Schöpfung, die Gott für ihn gemacht hat, nicht zufrieden. Er wollte sein wie Gott. Durch die Sünde wurde damals und wird auch heute immer noch das Verhältnis zu Gott, den Mitmenschen und zu uns selbst gestört.
Auf die Frage: „Wann ist ein Mensch in Ordnung? Wann ist er gut?“ haben verschiedene Menschen folgende Antworten gegeben:
· weil du Liebe und Wärme ausbreitest
· weil du zuverlässig bist
· weil du trösten und verzeihen kannst
· weil du Zeit für mich hast
· weil du treu bist
· weil du hilfsbereit, freundlich und verständnisvoll bist
· weil du anständig, ehrlich und tolerant bist
· weil du fröhlich bist und lachen kannst
· weil du zuhören und schweigen kannst, weil du nicht schwafelst
· weil ich mit dir durch dick und dünn gehen kann
· weil du mich ernst nimmst
· weil du teilen, dich mit-teilen kannst
· weil du so bist, wie du bist
· weil ich mich in deiner Gegenwart wohl und sicher fühle
· weil ich mit dir über alles reden kann
· weil ich dich mag.
Alle diese Aussagen berühren das Wesentliche unseres Christseins. Wenn ich einem Menschen begegne, auf den diese Aussagen zutreffen, kann ich ihm vertrauen. Vertraue ich auch Gott so, von dem die Bibel sagt, daß er gut ist?
· Habe ich Zeit für IHN?
· Fühle ich mich in SEINER Gegenwart wohl und sicher?
· Kann ich IHM zuhören?
· Teile ich mich IHM mit?
· Kann ich mit IHM reden?
· Bin ich IHM treu?
· Gebe ich Gott den ersten Platz in meinem Leben?
Nun noch die Frage, wie es mit der Liebe zu mir selber steht.
Es kann passieren, daß wir jemanden fragen, wie es ihr/ihm geht, und dabei eine Lawine von Klagen und Beschwerden auslösen, so daß wir am liebsten unter einem Vorwand verschwinden wür-den. Ich will nicht sagen, man solle niemand nach seinem Befinden fragen, auch nicht, daß man nicht jemandes Sorgen und Beschwerden anhören sollte. Aber dennoch glaube ich, wir klagen zuviel!
Warum ist es aber so leicht zu klagen und warum sind wir dafür so extrem anfällig? Klagen bedarf keines übermäßigen Glaubens, sondern lediglich des Mangels daran. Anstatt Menschen zu sein, die über das Gute reden, das Gott uns schenkt, sind wir Menschen geworden, die über ihre Leiden und Mißgeschicke buchführen. Beschwerde ist schon immer ein beständiges Problem des Volkes Gottes gewesen und hat immer Gottes deutliches Mißfallen erregt.
Wir sollten ein Volk von Höhen sein, anstatt ein Volk von Tiefen. Prüfungen und Schwierigkeiten sind etwas, das wir durchstehen. Wir sollten uns nicht in der Niederung des Zweifels heimisch machen sondern auf der Höhe der Zuversicht und des Glaubens. Von dort können wir das Panorama der Herrlichkeit Gottes vor uns ausgebreitet sehen. Dort ist der Ort, an dem wir über dem Weltlichen und Gewöhnlichen stehen, und uns vorbereiten können, vielfältige Gaben und Segen von Gott zu empfangen, weil unsere Herzen ihm zugewandt sind und wir uns weigern im Sumpf von Leid oder Fülle dieses vergänglichen Lebens steckenzubleiben. "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ (Ps 121, 1; siehe auch Phil 4, 4-9)
Klage nicht über dein Leben, sondern zähle deine Segnungen. Das nächste Mal, wenn dich jemand nach deinem Befinden fragt, bekenne einfach:
"Ich bin zu gesegnet, als daß ich klagen könnte."
Das setzt natürlich voraus, daß wir uns selbst annehmen können. Dabei kann es helfen, wenn wir realistisch auf unser Leben schauen und zugleich Gott zutrauen, daß er das in Ordnung bringt, was wir nicht fertig bringen.
Gebet: Ps 51
Trotz all unseres Bemühens machen wir die Erfahrung: »Ich bin nicht immer in Ordnung; ich bin nicht immer gut.«
Weil das so ist, und wir immer wieder vor Gott, den Menschen und an uns selbst schuldig werden, brauchen wir die Erfahrung, wieder angenommen und geliebt zu sein, brauchen wir die Verzeihung und Versöhnung mit Gott und den Menschen.
Unsere Sehnsucht nach geheilten Beziehungen, nach geheilten Wunden und Verletzungen läßt uns umkehren und rufen und beten:
· »Führe mich heraus aus dem Kerker, damit ich deinen Namen preise«;
· führe mich heraus aus dem Kerker meiner Gottferne, meiner Angst und meines Mißtrauens, meiner Ich-Bezogenheit, meines Eigensinns und meiner Eitelkeit, meines Stolzes und meiner Oberflächlichkeit, meiner Blindheit und meiner Sprachlosigkeit.
Aus meinem Kerker - aus meinen Fesseln - will der HERR mich befreien. ER will mit mir sein - auch dann, wenn ich nicht in Ordnung, nicht gut bin. ER will mich heilen; ER will mir seinen Trost, seine Barmherzigkeit und seine Liebe im Sakrament der Buße schenken.
Stark-Mut: Vergebung
Weisheit aus der Wüste:
Da gab es einen Mönch, der einen Novizen bei sich leben hatte. Als der Mönch sich einmal ärgerte, schmiß er den Novizen aus der Zelle. Aber der Novize setzte sich draußen hin und wartete. Als der Mönch die Tür öffnete, fand er ihn dort und tat vor ihm Buße indem er sagte: Du bist mein Vater, weil du in Demut und Geduld die Schwäche meiner Seele ertragen hast. Komm herein, du kannst der Alte und der Vater sein, ich der Junge und der Novize: durch deine gute Tat hast du mein Alter übertoffen.
Vergebung ist nicht immer so leicht wie es in diesem Beispiel scheint. Doch fragen wir uns selbst und wir werden sehen, auch in diesem Fall gehört viel dazu, daß Vergebung möglich wird. Vergebung spielt sich im selben Rahmen wie die Sünde ab, im Zusammenhang des dreifachen Liebesgebotes: die Liebe zu Gott, dem Nächsten und zu uns selbst. Ein Ungehorsam dagegen ist immer eine Sünde gegen die Liebe Gottes. Es gibt eine Weise, wie ich mir dieser Schuld in Liebe bewußt werden und in die Liebeslebendigkeit Gottes eingehen kann: die Reue. Die Reue ist die Liebe in der Schuld. In Reue kann ich bitten, daß Gott die Schuld vergebe. Vor der Bitte um Vergebung muß also die Einsicht in die eigene Schuld stehen.
Im Vater Unser sprechen wir die Bitte um Vergebung unserer Schuld. Sie ist dort die einzige Bitte, die an eine Bedingung geknüpft ist: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Alles hängt daran, daß der Schuldige auch wirklich in der Liebe sei; vielmehr daß er wieder in die Liebesverbundenheit hineingelange, aus der er durch seine Schuld herausgefallen war.
Dies ist nur dann möglich, wenn wir bereit sind, auch unseren Mitmenschen zu vergeben. Und das immer. Nichts anderes meint die Antwort Jesu auf die Frage des Petrus, wie oft er seinem Bruder vergeben solle. Es ist daher denke ich nicht übertrieben zu behaupten, daß das Nicht-Vergeben-Können eine der schärfsten Waffen des Bösen ist, uns vom Reich Gottes fernzuhalten. Wie oft erlebt man Menschen, die ihr ganzes Leben lang verbittert sind, weil sie nicht vergeben können. Daher ist es notwendig, das Vergeben zu lernen.
Schriftlesung: Mt 18,21-36
Schritte der Vergebung
Die jetzt aufgeführten Schritte lassen sich nicht abhaken wie eine Einkaufsliste. Sie sind auch nicht unbedingt bei jeder zugefügten Verletzung (oder was auch immer) erforderlich, und auch die Reihenfolge der Schritte kann abweichen. Andererseits ist es durchaus möglich, den einen oder anderen Schritt mehrmals zu gehen oder gar gehen zu müssen, während der oft langwierige Prozeß der Vergebung durchgearbeitet und verarbeitet wird. Es ist wie bei einer Treppe, die man Stufe für Stufe emporsteigt. Doch steigt man nicht nach "oben", zu Gott, sondern Gott geht Stufe für Stufe, Schritt für Schritt, mit uns mit!
1. Gott ganz ehrlich unsere Empfindungen mitteilen. Auch dann, wenn wir uns derer schämen und wir meinen, diese eigentlich nicht haben zu dürfen.
2. Ganz ehrlich vor uns selbst und vor Gott sein; zugeben, auch wenn es schwerfällt, daß man dem Betreffenden bisher nicht vergeben hat.
3. Ein Nichtvergebenwollen ist eine Weigerung gegen Gottes Gebot. Wenigstens den Wunsch nach Vergebenwollen aufkeimen lassen, Gott um Hilfe bitten, dann wird er auch die Verstockung in uns lösen (1. Joh. 1, 9).
Natürlich hat man in manchen Fällen Zorngefühle und Rachegelüste, das ist menschlich gesehen ganz natürlich. Aber man sollte es schaffen, dies vor Gott zu bekennen, denn sonst macht es einen innerlich kaputt und die Beziehung zu Gott ist getrübt (jedoch nicht zerstört!).
4. Dem anderen vergeben zu wollen, ist schließlich eine bewußte Entscheidung. Sie ist ein Wille und kein Gefühl. Vergebung kann ein sehr langer und harter Prozeß sein, und man muß wahrscheinlich auf den unterschiedlichen Stufen immer wieder neu zum Vergeben bereit sein. Man kann und darf Gott jederzeit bitten, die (negativen) Gefühle zu verändern.
5. Handele entgegen den Emotionen. Ein biblischer Schlüssel zur Überwindung von Zorn und Groll besteht darin, daß man entgegengesetzt zu seinen negativen Gefühlen handelt.
Man hat die Macht zu beschließen, einen Menschen, dem man vergibt, begleitend zum Vergebungsprozeß (oder gar erst danach) auf freundliche, nette Art und Weise zu behandeln. Es ist hart! Auch wenn man das innerlich absolut nicht will und sich alles dagegen sträubt - wenn man sich doch überwindet, handelt man wie Jesus.
Er hat mit Gnade und Vergebung reagiert, und er rät uns, es ihm gleichzutun. Schließlich kann man eines Tages, wenn die Vergebung stattgefunden hat, den anderen in Jesu Namen segnen - auch wenn dieser Gedanke wiederum geradezu unendlich weit entfernt zu sein scheint.
Vergebung bedeutet nicht, zu sagen, daß das, was der andere getan hat, in Ordnung ist. Die Sünde wird nicht entschuldigt. Das Schlimme, das geschehen ist, wird nicht kleingeredet. Vergebung erkennt die Schuld an, aber sie vergibt dem, der sich schuldig gemacht hat.
Es ist oft gar nicht möglich, das erlittene Unrecht zu vergessen. Es kann durchaus sein, dass bei der Erinnerung daran immer noch Schmerz/Trauer im Herzen hochsteigen. Doch mit der Vergebung übergibt man seine Gefühle von Zorn und Groll und auch den Wunsch nach Rache an Gott. Wahre Vergebung bedeutet letztlich, dass man dem Betreffenden Gutes wünschen kann, wenn man an das Geschehene denkt.
Vergebung und Versöhnung sind zweierlei. Vergebung ist eine persönliche Handlung dessen, dem Unrecht getan wurde; sie hängt weder von der Bitte um Vergebung noch von irgendeiner anderen Reaktion des Schuldigen ab.
Versöhnung dagegen ist ein gegenseitiger Akt. An ihm ist sowohl derjenige beteiligt, der das Unrecht begangen hat, als auch der, dem Unrecht geschehen ist. Wir sind dafür verantwortlich, alles zu tun, um die Beziehung wieder herzustellen, aber wir können den anderen nicht dazu zwingen. Es mag Situationen geben, wo wir ihn am besten "in Ruhe lassen" und nicht versuchen, uns aufzudrängen.
Diese wenigen Worte können vielleicht helfen, in Zukunft noch mehr zur Vergebung bereit zu sein. Denn unser ganzes Leben hängt davon ab. Selbst unzählige Gebete und Opfer können die Vergebung nicht ersetzen, vor allem Beten und Opfern sollen wir uns erst versöhnen: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.“ (Mt 5,23f)
Denken wir daran, wie sehr Gott uns liebt. Denken wird daran, wieviel er bereit ist, uns zu vergeben. Da müßte es für uns doch ein leichtes sein, unseren Mitmenschen das wenige zu vergeben, das sie uns schuldig sind. Geben wir dem Bösen keinen Raum und erinnern wir uns täglich im Vater Unser an diese unsere Pflicht. Denn Christsein heißt ja doch, immerfort aus der Schuld, der einen, großen, samt alledem, was sie an einzelner Schuld umschließt, zu Gott zu kommen, Ihn um Vergebung zu bitten und in dieser neuen Vergebung allmählich umgewandelt zu werden.