Texte zur Weihnachtszeit

Texte und Geschichten zum Weihnachtsfest

auf meiner Homepage

Vieles wurde schon über das Weihnachtsfest geschrieben und auch bei mir haben sich viele Texte zu diesem Fest angesammelt, so dass es nicht leicht ist, diese in eine für den Leser überschaubare Ordnung zu bringen. Über die Links der folgenden Liste gelangen Sie zu den einzelnen Weihnachtsseiten. Weiter unten auf dieser Seite finden Sie noch einige (überwiegend ältere) Texte zu Weihnachten. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!

Auf meiner Homepage finden Sie folgende Seiten zur Weihnachtszeit:

Texte zum Weihnachtsfest:

Weihnachten – Übersicht (diese Seite)

Weihnachten – Entwicklung und Deutung des Festes

Weihnachtsevangelium – Stammbaum und Geburt Jesu nach Matthäus

Weihnachtsevangelium – Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas

Weihnachtsevangelium – Der Johannesprolog: Das Wort ist Fleisch geworden

Geschichten zum Weihnachtsfest:

„Wo Weihnachten erfunden wurde“ – Eine kurze Geschichte zu Weihnachten

„Der Magier Chandan“ – Eine etwas andere Geschichte der Heiligen Drei Könige

Texte zu den Tagen der Weihnachtszeit:

26.12. Hl. Stephanus – Erster Märtyrer

27.12. Hl. Evangelist Johannes

28.12. Fest der Unschuldigen Kinder

Fest der Heiligen Familie

31.12. Hl. Papst Silvester I.

01.01. Hochfest der Gottesmutter – Oktavtag von Weihnachten, Neujahr

06.01. Epiphanie – Erscheinung des Herrn, Dreikönig  

Fest der Taufe des Herrn

02.02. Darstellung des Herrn

Weihnachten – ein kurzer Überblick zur Entstehung und Bedeutung dieses Festes

Weihnachtsevangelien

Weihnachten können wir unter verschiedenen Aspekten betrachten. Da sind zunächst die Berichte der Evangelisten über das Weihnachtsfest. Von der Geburt Jesu erfahren wir aus dem Matthäus- und dem Lukasevangelium, doch erzählen Matthäus und Lukas zwei unterschiedliche Weihnachtsgeschichten. Beide belegen, dass Jesus in Betlehem geboren wurde und später in Nazaret aufgewachsen ist. Nach Lukas mussten Maria und Josef von Nazaret nach Betlehem reisen, weil sich damals auf Befehl des Kaisers Augustus jeder Mann in seiner Heimatstadt eintragen lassen musste. Da Josef aus dem Haus und Geschlecht des Königs David stammte, war seine Heimatstadt Betlehem. Dort in Betlehem fanden Maria und Josef keine Herberge. Darum kam Jesus in einem Stall (oder einer Felsenhöhle) zur Welt und wurde in eine Krippe gelegt. Hirten von den umliegenden Feldern kamen, um das Kind zu sehen.

Matthäus berichtet nicht von Krippe und Hirten, statt dessen erzählt er von den Weisen aus dem Morgenland, die kamen, um dem Jesuskind zu huldigen. Durch sie wird König Herodes auf das Kind aufmerksam. Er sieht in dem neugeborenen „König der Juden“ einen potentiellen politischen Feind und lässt daher alle Kinder in Betlehem töten. Doch Maria und Josef sind mit dem Jesuskind bereits nach Ägypten geflohen. Nach ihrer Rückkehr aus Ägypten siedeln sie sich in Nazaret an.

Das Markus-Evangelium kennt keine Kindheitsgeschichte. Bei Johannes ersetzt der Prolog die Weihnachtsgeschichte. Er erzählt nicht von der Geburt Jesu, formuliert aber den entscheidenden Satz: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“

Weihnachtszeit

Die Weihnachtszeit umfasst mehrere Festtage. Am Sonntag nach Weihnachten feiern wir das Fest der Heiligen Familie, eine Woche nach Weihnachten, am 1. Januar, feiern wir das Hochfest der Gottesmutter, am 6. Januar ist Erscheinung des Herrn (auch Dreikönig genannt) und am Sonntag danach das Fest der Taufe des Herrn. Mit dem Fest der Taufe des Herrn endet die Weihnachtszeit und beginnt die Zeit im Jahreskreis. Das Fest der Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess) am 2. Februar bildete früher den Abschluss der Weihnachtszeit, gehört aber nach dem neuen kirchlichen Kalender nicht mehr zum Weihnachtsfestkreis.

Der 26. Dezember ist in Deutschland ein Feiertag und hat sich als 2. Weihnachtstag eingebürgert. Die Kirche feiert an diesem Tag aber das Fest der Heiligen Stephanus. Von ihm berichtet uns die Apostelgeschichte im 6. und 7. Kapitel. Stephanus gehört zu den ersten Christen in Jerusalem. Vor dem Hohen Rat hält er eine lange Rede, um den Juden zu beweisen, dass Jesus der erwartete Messias ist. Der Hohe Rat aber lässt ihn wegen Gotteslästerung zum Tod durch Steinigung verurteilen. Er ist der erste Christ, der wegen seines Glaubens hingerichtet wird, der erste Märtyrer der Kirche. Wenn wir sein Fest gleich am Tag nach Weihnachten feiern, so zeigt uns dies, dass Weihnachten mehr ist als ein schönes Fest. Der Glaube an Jesus Christus, der für uns Mensch geworden ist, soll uns zu neuen Menschen machen, die bereit sind, durch ihr Leben für diesen Jesus Zeugnis zu geben.

Entstehung des Weihnachtsfestes

Die ersten Christen kannten noch kein Weihnachtsfest. Für sie war Ostern das zentrale Fest und dieses ist es ja bis heute geblieben. Doch schon die Kindheitsgeschichten der Evangelien zeigen, dass auch die ersten Christen danach fragten, wie dieser Jesus geboren worden ist. Schon den ersten Christen war klar: der Tod und die Auferstehung Jesu Christi können uns nur dann das Heil bringen, wenn Gott wirklich Mensch geworden ist, wenn er nicht in einem Scheinleib oder wie ein Geist auf Erden gelebt hat, sondern wirklich Mensch war mit Fleisch und Blut. Ohne Weihnachten kann es kein Ostern geben, das wussten die Christen von Anfang an. Es hat aber einige Zeit gedauert, bis dies auch im Festkalender der Kirche seinen Ausdruck gefunden hat.

Der genaue Entstehung des Weihnachtsfestes lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Das Fest ist ab dem Jahr 354 für Rom belegt, wurde aber wahrscheinlich bereits ab dem Jahr 335/37 dort gefeiert. Von Rom breitet sich das Fest bis zum 6. Jahrhundert in der gesamten christlichen Welt aus. Auch die Herkunft der Festlegung auf den 25. Dezember ist nicht eindeutig geklärt. Nach dem heidnischen Kalender Roms feierte man an diesem Tag den Geburtstag des unbesiegten Sonnengottes (Sol invictus). Diese Feier orientierte sich am Naturgeschehen der Wintersonnenwende. Nun werden die Tage wieder spürbar länger. Indem dieser heidnische Festtag durch ein christliches Fest ersetzt wurde, brachte man den Sieg des Christentums über das Heidentum deutlich zum Ausdruck. Nicht ein heidnischer Gott verhilft der Sonne zu neuer Kraft, sondern Christus ist das Licht der Welt.

Weihnachtsbräuche

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich um das Weihnachtsfest ein umfangreiches Brauchtum entwickelt. Vielerorts wird an Weihnachten eine Krippe aufgestellt, in der das Weihnachtsgeschehen dargestellt wird. Dieser Brauch ist seit dem 8. Jahrhundert belegt. Der Hl. Franz von Assisi bedauerte, dass das Geschehen von Weihnachten zu wenig in die Herzen der Menschen eindringt. Er hatte daher eine Idee: Er wollte den Menschen das Geschehen von Weihnachten lebendig vor Augen führen und so auch ihre Herzen anrühren. Das geschah zum ersten Mal im Jahr 1223, als Franziskus mit seinen Brüdern und den Menschen aus dem Ort im italienischen Greccio das berühmte Weihnachtsfest mit einer lebendigen Krippenszene gefeiert hat. Auch Ochs und Esel, die heute in keiner Weihnachtskrippe fehlen, kamen durch den Hl. Franziskus in die Krippenszene hinein. Er hat damals gesagt: „Ich möchte mit meinen leiblichen Augen sehen, wie es war, in einer Krippe liegen und auf dem Heu schlafen, zwischen einem Ochsen und einem Esel.“ Ochs und Esel erinnern auch an das Wort des Propheten Jesaja: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn.“ (Jes 1,3)

Der heute so wichtige Weihnachtsbaum ist ab dem 16. Jahrhundert belegt. Auch das Schenken ist ein alter Brauch. Ursprünglich war es aber der Nikolaustag, an dem die Kinder Geschenke bekamen. Erst im Zuge der Reformation und ihrer Abschaffung der Heiligenfeste wurde der Brauch des Schenkens zunächst bei den evangelischen Christen auf das Weihnachtsfest gelegt, während die katholischen Kinder noch lange ihre Geschenke am Nikolaustag bekamen. Erst allmählich wurde auch bei Katholiken das Schenken auf das Weihnachtsfest verlegt, wie es heute bei uns üblich ist.

Das größte Geschenk, das wir an Weihnachten bekommen, ist das Kind in der Krippe. In ihm möchte uns Gott das Geschenk seiner Nähe machen und uns zeigen, wie lieb er uns hat. Vielleicht meinen wir oft, dass wir ihn nicht brauchen in unserem Leben. Aber wenn wir ehrlich sind, könnten wir ihn manchmal doch ganz gut brauchen, wenn er wirklich ein Gott ist, dem wir wichtig sind und auf den wir uns verlassen können. Und so ein Gott ist er ja, das hat er uns damals beim ersten Weihnachtsfest gezeigt.

Denken wir einfach an dieses Kind im Stall. Dieses Kind von Betlehem will uns auch heute beschenken. Wie damals bei den Hirten will es auch in unsere Herzen Freude bringen und Glück. Schließen wir einmal kurz die Augen und versuchen wir uns vorzusellen, wie uns das Kind aus der Krippe anlächelt und mit seinem liebevollen Blick ansieht, der zu mir sagt: Ich kenne dich, ich will dir helfen, ich will dir ganz nahe sein in deinem Leben, wohin du auch gehst, ich bin bei dir.

Die Weihnachtsikone

Dass Weihnachten mehr ist als ein sentimentales Familienfest wird auch deutlich, wenn wir einige Ausschnitte aus der Weihnachtsikone betrachten. Weihnachten ist ein weltgeschichtliches Ereignis von allerhöchster Bedeutung. An Weihnachten zeigt Gott seinen festen Entschluss, die Menschheit zu retten.

Das Jesuskind liegt neben Maria, ganz hilflos, in Windeln gewickelt. An seinem Geburtstag vereinigt sich Jesus so mit allen Armen und Geringen unserer Welt. Die Weihnachtsikone beschränkt sich aber nicht darauf, das bloße Ereignis der Geburt Jesu wiederzugeben, sondern geht einen Schritt weiter, indem sie auf das spätere irdische Schicksal Jesu aufmerksam macht. Sie weist hin auf Jesu Tod. Offensichtlich ähneln die Windeln des Kindes den Tüchern im Grab Jesu. Die tiefschwarze Krippe erinnert an die Hölle, den Wohnort der Gestorbenen nach der jüdischen Todesvorstellung. Diese wird Jesus bei seiner Auferstehung befreien und mit sich in den Himmel nehmen zu Gott, wo auch das Ziel unseres Lebens ist.

In der Weihnachtsikone liegt Maria, die Gottesgebärerin, immer in der Mitte. Durch die übertriebene Größe ihres Körpers wird ihre wichtige Rolle im Weihnachtsgeschehen hervorgehoben. Papst Benedikt XVI. formuliert es einmal so: „Maria ist das Geschenk der Menschen an Christus.“ In Maria hat Gott eine Mutter für seinen Sohn gefunden. Durch ihr Ja hat Maria sich ganz und vorbehaltlos dem Willen Gottes übergeben. Sie ist uns Vorbild und Helferin, dass auch wir im Glauben immer mehr nach Gottes Willen leben.

Der heilige Josef sitzt auf der Ikone etwas abseits, ganz in sich versunken. Vor ihm steht ein Mann, der als Hirte bekleidet ist. Dieser Hirte steht für den Teufel, der ihm böse Gedanken einflüstert. „So wie dein Stock keine Blätter tragen kann, so wie ein alter Mann nicht mehr Vater werden kann, so kann die Jungfrau nicht gebären.“ Wir alle kennen die Zweifel an der Jungfrauengeburt Mariens. Papst Benedikt XVI. schreibt dazu: „Es ist immer wieder das Gleiche. Immer wieder sagt uns der Versucher: Es gibt nur die sichtbare Welt und es gibt keine Menschwerdung Gottes und es gibt keine Geburt aus der Jungfrau. Dies ist die Absage daran, dass Gott uns kennt, dass er uns liebt, dass er fähig ist, in dieser Welt zu wirken.“

„Ehre sei Gott in der Höhe!“ so singen die Engel bei der Geburt Jesu. In dieses Lob stimmen die Hirten ein, die zur Krippe eilen um das Kind zu sehen und in ihm Gott anbeten. Zur Ehre Gottes kommen die Weisen aus dem Morgenland. Sie bringen dem Gottkönig ihre Geschenke. Nur wenn wir Gott die Ehre geben, kann auch der zweite Teil des Engellobs wahr werden: „Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“

Friede - Friede, das ist es, was wir von Weihnachten erhoffen. Friede liegt über dem Stall von Betlehem am Weihnachtsmorgen. Bei all dem Trubel in der Heiligen Nacht, dem Lob der Engel und dem Besuch der Hirten, ist nun Ruhe eingekehrt. Dieser Friede erinnert uns an den Frieden am Ostermorgen, als nach allem Leid der Herr aus dem Grab erstanden ist. Der Friede der Vollendung. Wenn wir wie die Weihnachtsikone den großen Bogen über das ganze Leben Jesu spannen, so sehen wir, dass der Friede, den Gott schenkt, immer da ist, an Weihnachten, an Ostern, jeden Tag unseres Lebens, an dem wir Gott in unser Leben lassen.

Nun aber, am Weihnachtsmorgen, ist für Maria und das Kind erst einmal Zeit, sich von den Strapazen etwas zu erholen. Maria und Josef werden aber auch viel nachgedacht haben über das, was diese Nacht der Geburt Jesu für sie bedeutet und sich die Frage gestellt haben: Wie geht es weiter. Wie geht es weiter mit ihrem Kind, das der Sohn Gottes ist. Trotz aller Sorgen werden sie aber auch die Zuversicht gespürt haben, dass Gott bei ihnen ist.

Auch vor uns liegt nun wieder ein neues Jahr, ein Jahr, in das wir zusammen mit Jesus gehen möchten, von dem wir aber genauso wie Maria und Josef nicht wissen, was uns in ihm alles begegnen wird. Bitten wir Maria und Josef um ihre Fürsprache, voll Glaube und Zuversicht mit Jesus in die Zukunft gehen zu können.

26.12. Heiliger Stephanus - Gott, ganz klein und ganz groß

Am Tag nach Weihnachten feiert die Kirche das Fest des Heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers, des ersten Menschen, der sein Leben für Jesus Christus hingegeben hat. „Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ So spricht Stephanus zu seinen Richtern kurz vor der Steinigung.

Indem die Kirche das Fest des Erzmärtyrers Stephanus am Tag nach Weihnachten feiert, lehrt sie uns, wieder diesen großen Bogen über dem ganzen Leben Jesu zu sehen. Den Menschensohn, den wir gestern ganz klein als Kind im Stall von Betlehem gefeiert haben, sieht Stephanus ganz groß in der Herrlichkeit des Himmels neben Gott Vater.

Gott kann sich ganz klein machen, um unter uns Menschen zu wohnen. Gott bleibt aber immer auch ganz groß, der ganz andere, den wir Menschen nicht begreifen können. So bleibt Gott immer Gott. Immer uns Menschen ganz nahe – und immer ganz fern in seiner Herrlichkeit. Das ist das Geheimnis Gottes, das nirgendwo deutlicher wird als an Weihnachten. Unser Gott allein ist würdig, dass wir unser Leben mit ihm wagen und wenn es sein muss auch für ihn hingeben, wie es der Heilige Stephanus getan hat. 

27.12.: Johannes der Evangelist 

Johannes ist der Lieblingsjünger Jesu. Beim Abendmahl lehnt er an Jesu Seite. Er steht mit Maria unter dem Kreuz. Jesus vertraut ihn seiner Mutter als Sohn an. Mit Petrus eilt er später zum Grab Jesu, ist als erster dort, geht aber erst nach Petrus hinein – er sieht und glaubt.

Mit Jesus vertraut sein, das ist es, was ich wünsche. Wie Johannes an der Seite Jesu liegen. Wie trostreich ist doch für viele dieser Gedanke. Wenn wir bereit sind, uns auf Jesus einzulassen, gewährt er auch uns diese Nähe.

In seinem Evangelium gibt uns Johannes auf ganz besondere Weise Zeugnis von diesem Jesus, mit dem er so eng verbunden ist. Glauben auch wir seinem Wort. Glauben wir der Liebe Gottes, die stärker ist als der Tod.

28.12.: Fest der Heiligen Familie (Lk 2,22-40)

Am ersten Sonntag nach Weihnachten feiern wir das Fest der Heiligen Familie. Dieses Jahr fällt es auf den 28.12. und verdrängt so das Fest der unschuldigen Kinder. Von der Heiligen Familie sind uns schöne Bilder in Erinnerung. Die Geburt Jesu im Stall, die Flucht nach Ägypten, die Darstellung Jesu im Tempel, von der wir im heutigen Evangelium hören, der zwölfjährige Jesus im Tempel.

Beim Fest der unschuldigen Kinder sehen wir das Morden der Soldaten des Herodes vor uns. Die Kinder Betlehems mußten sterben, weil die Weisen aus dem Morgenland Herodes getäuscht und ihn nicht zu Jesus geführt haben. Nun läßt er in seiner Wut alle Kinder in Jesu Alter töten – doch Jesus ist mit seiner Familie in Sicherheit in Ägypten.

Wir fragen uns: Warum? Warum müssen Unschuldige sterben? Warum hat Gott das nicht verhütet? Warum hat er nur Jesus gerettet und nicht alle anderen? Die Frage über allem: Warum gibt es das Leid? Die letzte Antwort werden wir nicht finden. Hier können wir nur sagen, dass die Freiheit, die Gott den Menschen gegeben hat, auch das grausame Wüten eines Tyrannen gewähren lassen muß.

Blicken wir auf die Heilige Familie, so erweisen sich die schönen Bilder beim zweiten Hinsehen doch auch als Bilder des Leids. Die Geburt Jesu im Stall war trotz Engel und Hirten eine sehr ungemütliche Angelegenheit. Die Flucht nach Ägypten hat Jesus zwar vor dem Tod durch Herodes bewahrt, war aber mit Sicherheit sehr mühsam. Wer würde heute mit einem Säugling zu Fuß mehrere Tage in unwirtlichem Gelände unterwegs sein? Heute im Evangelium hören wir aus dem Mund des greisen Simeon die Weissagung an Maria, dass ihr ein Schwert durch die Seele dringen wird. Der Schmerz der Mutter, die so vorbehaltlos Ja zu Gott gesagt hat über das Nein vieler Menschen zu Gott und Jesus Christus, Gottes und Marien Sohn. Und zuletzt werden sicher viele den Schmerz der Eltern Jesu mitfühlen können, als auf der Wallfahrt nach Jerusalem ihr zwölfjähriger Sohn plötzlich verschwunden war.

Die Heilige Familie hat es also von Anfang an nicht leicht gehabt. Lassen wir uns nicht täuschen von all den rührseligen Weihnachtsbildern. Gott war bereit, sich durch die Menschwerdung auch mitten in das Leid der Menschen hinein zu begeben, nicht erst am Karfreitag, sondern schon vom ersten Tag seines Lebens an.

Neujahr – Hochfest der Gottesmutter Maria

Große Feste haben eine Oktav, d.h. sie werden über acht Tage hinweg gefeiert und der achte Tag ist noch einmal ein besonderer Schlußtag dieses Festes. Heute ist der Oktavtag des Weihnachtsfestes. Heute ist zugleich der erste Tag unseres weltlichen Jahres. Die Kirche hat auf diesen Tag das Hochfest der Gottesmutter Maria gelegt. Damit soll die besondere Bedeutung Mariens herausgestellt werden. Stand an Weihnachten ihr Sohn mehr im Mittelpunkt, so wird nun die Mutter selbst in besonderer Weise gefeiert. Doch man kann die Mutter niemals ohne den Sohn feiern. Immer weist sie uns hin auf Jesus und zeigt uns den Weg zu ihm.

Auf diesen Weg mit Jesus will uns Maria auch im neuen Jahr wieder führen. Daher ist es gut, das neue Jahr mit einem Fest Mariens zu beginnen. Vertrauen wir uns ihr ganz an. Vertrauen wir auf ihre Fürsprache in allen unseren Nöten. Lassen wir uns von ihr ihren Sohn, den Sohn Gottes, unseren Herrn Jesus Christus zeigen.

Epiphanie oder die Heiligen Drei Könige

Heute führte der Stern die Weisen zum Kind in der Krippe, so beten wir heute im Abendgebet der Kirche. Heute, am 6. Januar 2009. Ja, so war es heute vor etwa 2000 Jahren. Lange her und zudem: eine schöne Geschichte, keiner glaubt doch heute mehr daran, dass das wirklich geschehen ist. Das hat sich doch der Evangelist Matthäus, von dem wir ja auch nicht wissen, ob es ihn wirklich gegeben hat, nur ausgedacht. Symbolisch ist das gemeint. Freilich, er wollte uns kein Märchen erzählen, sonst hätte er vielleicht geschrieben, dass diese Leute da mit einem Drachen angeflogen kamen und dann flugs weiter nach Köln geflogen sind, wo sie ja bekanntlich begraben sind. Aber Spaß beiseite. Ich glaube schon, dass es einen Evangelisten namens Matthäus gegeben hat und dass da vielleicht doch bei der Geburt Jesu irgend etwas geschehen ist, was so etwas wie der Besuch dieser Magier aus dem Osten gewesen ist.

Egal, ob wir an ihre geschichtliche Existenz glauben oder sie nur als ein Symbol ansehen, diese Magier aus dem Osten haben auch heute für uns eine Bedeutung. Wenn man sich heute in einem Büchergeschäft so umsieht, findet man viele Büchlein, die sich damit beschäftigen, wie der Mensch Sinn finden kann. Wenn Menschen heute überhaupt noch über ihr Leben nachdenken, dann tun sie dies meist unter dem Aspekt, wie sie sich selbst verwirklichen können, wie sie ihrem Leben einen Sinn geben können. Lebe deinen Traum. Finde deine Bestimmung und lebe sie. Das sind Schlagworte, die Menschen heute ansprechen. Früher hätten vielleicht viele gefragt: Wie kann ich das Heil finden? Wie erlange ich die Vergebung der Sünden? Wie finde ich einen gnädigen Gott?

Heute, in einer Zeit, in der es Sünde nicht mehr geben darf, fragt der Mensch eben nach dem Sinn seines, und bewußt seines eigenen Lebens. Dieser Sinn, davon geht man aus, ist für jeden Menschen ein anderer, weshalb auch jede Weltanschauung, solange sie sich an allgemein menschliche Regeln hält, als gleichwertig angesehen wird. Wir brauchen nicht darüber zu jammern, es gilt vielmehr, diese Entwicklung zu akzeptieren und vor allem, den Menschen mit neuen Antworten aus unserem alten Glauben auf ihrer Suche nach dem Sinn zu helfen. Denn wenn einer dem Leben des Menschen Sinn geben kann, dann ist das Jesus Christus.

Genau dies haben die Magier aus dem Osten erkannt. Ihre Aufgabe war es, die Sterne zu deuten, und sie haben dies in hervorragender Weise getan. Sie haben ihre Bestimmung gefunden und sie gelebt. Daher haben sie auch den Sinn gefunden, der hinter des Sternen für ihr Leben bereitlag. Sie gingen so in ihrer Bestimmung auf, dass sie alles, was sie daran hinderte, diese zu leben, verlassen haben und einzig dem Stern gefolgt sind, ohne genau zu wissen, wohin er sie führen wird. Sie haben einen Umweg gemacht, über den Königspalast des Herodes. Woher konnten sie wissen, dass der neue König nicht im Herrscherpalast der Hauptstadt, sondern im letzten Dorf des Landes in einer einfachen Krippe geboren wurde. Aber sie waren bereit zu lernen, haben ihre eigenen Vorstellungen revidiert und waren so bereit, sich auf etwas ganz Neues einzulassen – eine Eigenschaft, auf die es auch heute ankommt.

Viele Menschen, vielleicht mehr als wir gemeinhin glauben, machen sich heute auf den Weg, um den Sinn ihres Lebens zu finden. Nicht alle gehen dabei so professionell vor, wie die Magier damals. Manche lassen sich vor Irrlichtern verführen oder bleiben bei den Bildern ihrer eigenen Vorstellung hängen. Es liegt an uns Christen, ob wir diesen Menschen helfen, den richtigen Weg zu finden. Es liegt an uns, ob wir fähig sind, ihnen den zu zeigen, der Weg, Wahrheit und Leben ist und der dem Leben Sinn geben kann, Jesus Christus.

Doch auch Gott tut das Seine. Er hat dem Menschen die Antriebe und Fähigkeiten gegeben, den Sinn seines Lebens zu suchen und zu finden. Wie die Weisen die Stere vor Augen hatten und in sich die Fähigkeit, diese zu deuten, so hat jeder Mensch in sich die Fähigkeit, die Zeichen der Zeit zu deuten und sich aufzumachen auf seinen Weg. Es kommt nur darauf an, bereit zu sein zum Aufbruch und diesen zu wagen, wenn es an der Zeit ist. So kommen auch heute, auch an diesem 6. Januar 2009, viele Menschen hin zu Jesus Christus, der ihnen den Sinn ihres Lebens schenkt.

Taufe des Herrn (Mk 1,7-11)

Am heutigen Sonntag feiern wir das Fest der Taufe des Herrn. Dieses Fest steht als Angelpunkt zwischen Weihnachten und dem Jahreskreis. Es stellt die Verbindung her zwischen dem Jesus, der uns an Weihnachten unscheinbar als Kind begegnet ist und dem Jesus, der predigend und heilend im Land Israel umherzog. Mit der Taufe im Jordan ist die Zeit der Kindheit und Jugend Jesu abgeschlossen. Die wenigen Ereignisse, die wir aus seiner Kindheit kennen, haben wir in der Weihnachtszeit im Lichte seiner Geburt gefeiert. Nun tritt Jesus endgültig heraus aus dem Rahmen seiner Familie und seiner Heimatstadt. Mit dem Tag der Taufe Jesu beginnt sein öffentliches Wirken, über das uns die Evangelien ausführlich berichten.

Die Johannestaufe stellt etwas gänzlich Neues dar, das es so bisher noch nicht gegeben hat. Als der letzte Prophet Israels trifft Johannes die letzten Vorbereitungen für das Auftreten des Messias und darf als einziger der Propheten selbst den Messias sehen. Johannes weiß, dass seine Taufe nur etwas Vorläufiges ist, genau so wie er nur der Vorläufer, der Wegbereiter des Messias ist.

Wenn wir in einem ersten Sinn Taufe definieren wollen, so können wir sagen, dass sie im Gegensatz zu anderen rituellen Waschungen, die sich in vielen Religionen finden, einen einmaligen Vorgang darstellt, der das ganze Leben verändert. Sie ist Zeichen dafür, dass ein Mensch nun bereit ist, sein ganzes Leben, Denken und Tun auf Gott hin auszurichten. Leider ist diese Entschiedenheit der Taufe in unserer heutigen Zeit, in der Kinder getauft, aber nicht mehr im Glauben erzogen werden, etwas in Vergessenheit geraten. Ich bin aber der Hoffnung, dass die derzeitigen Entwicklungen dazu hinführen werden, dass der radikale Charakter der Taufe wieder deutlicher zu Tage tritt.

„Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.“ So heißt es in Markus 1,5. Das Sündenbekenntnis gehörte wesentlich zur Johannestaufe und macht deutlich, wie ernst die Menschen es mit ihrer Umkehr meinten. „In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.“ Jesus reiht sich ein in die Schar der Sünder, die zu Johannes kommen. Was bedeutet dies? Jesus als der Sohn Gottes bedurfte der Umkehr nicht. Sein ganzes Leben auf Erden lebt er in Gemeinschaft mit seinem Vater im Himmel. Zwar war er nicht frei von Versuchungen, aber er hat nie gesündigt. Warum taucht Jesus dann mit den Sündern ein in den Jordan?

Tod für die Sünde, Leben für die Gerechtigkeit, das ist eine Formel für die Taufe. Das Eintauchen in Wasser ist Symbol für den Tod, das fließende Wasser Symbol für die Reinigung von den Sünden. Der alte Mensch stirbt, wird rein gewaschen von den Sünden und taucht als neuer und reiner Mensch wieder aus dem Wasser auf.

Bei Jesus ist es anders. Er taucht in das Wasser, nicht um seine Sünden abzuwaschen, sondern um die Sünden all der anderen Menschen, die im Wasser der Taufe abgewaschen wurden, auf sich zu nehmen. In seiner Taufe heiligt Jesus alle Wasser dieser Welt. Er läßt die Wasser aller Zeiten über sich strömen und nimmt alle Sünden, die diese Wasser zu allen Zeiten von den Menschen waschen, auf sich. So wird Jesus zum Garant dafür, dass es bei Gott eine Vergebung der Sünden für uns Menschen gibt. In Jesus nimmt Gott selbst unsere Sünden auf sich. Gott trägt alle Last der Menschheit, um die Menschen von den Lasten, die sie sich selbst und einander aufgelegt haben, zu befreien.

Nun können wir verstehen, warum Jesus unser Erlöser genannt wird. In seiner Geburt hat Jesus das Werk der Erlösung begonnen. In der Taufe nimmt er alle Sünden der Menschen auf seine Schultern. Er wird sie sein ganzes Erdenleben hindurch tragen bis hin zu seinem Tod am Kreuz. In seiner Auferstehung wird er zeigen, dass die Sünde nicht das letzte Wort hat, sondern dass Gott im Tod seines Sohnes alle Sünden der Welt vernichtet hat und allen Menschen neues Leben schenken möchte. Die Auferstehung Jesu ist der Garant dafür, dass jeder Mensch, der sich im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit im Wasser taufen läßt, als neuer Mensch aus dem Wasser hervorgeht.

So ist die Taufe Jesu nicht ein Geschehen um seinetwillen, sondern ein Geschehen für uns. Dies wird auch deutlich in dem Zeichen, das mit der Taufe Jesu in Verbindung steht: Als Jesus „aus dem Wasser stieg, sah er, wie der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herab kam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Dieses Geschehen zeigt uns, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass Jesus mehr ist, als ein Mensch. Als der Sohn Gottes hat er die Macht, die Sünden hinwegzunehmen. So wird deutlich, dass Gott von Anfang an nur eines will für uns, nämlich unser Heil.

Weihnachten - Anfang unserer Erlösung

Für meine Weihnachtsbetrachtung möchte ich diesmal ein Bild nehmen, das so gar nicht zu den Weihnachtsbildern mit Jesuskind, Maria, Joseph, Stall, Krippe, Engeln, Stern und so fort zu passen scheint. Dennoch bringt es zutiefst zum Ausdruck, was Weihnachten bedeutet. Dazu sind aber einige Erklärungen notwendig.

Das Bild ist die bekannte Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rublev aus dem Jahr 1425. Auf ihr wird der dreifaltige Gott im Anklang an die Erzählung vom Besuch der drei Männer bei Abraham (Gen 18) in der Gestalt dreier Engel dargestellt. Die Gestalt in der Mitte ist Jesus Christus, links Gott Vater und rechts der Heilige Geist. Sie sitzen an einem Tisch, auf dem in einem Kelch das geschlachtete Lamm liegt. Betrachtet man die drei Personen, so sieht man sie zwar ruhend, aber dennoch in innigem Kontakt zueinander. Gott ist in sich Beziehung. Gott Vater wird nicht deshalb Vater genannt, weil er etwa männlich wäre, sondern weil er von Ewigkeit her den Sohn gezeugt hat, er ist Vater, weil er einen Sohn hat und diese Beziehung drückt die Sprache mit den Begriffen Vater und Sohn aus. Der Heilige Geist ist das Band der Liebe, das beide umschließt.

Die drei sind in ewiger Liebe verbunden. Man sieht sie in ein ewiges Gespräch vertieft. Dieses Gespräch hat die Erlösung des Menschen zum Inhalt. So wichtig ist der Mensch für Gott, daß die Erlösung des Menschen sein Thema ist. Gott selbst wird Mensch, um den Menschen zu retten. Wie zeigt sich nun dies in der Ikone?

Gott Vater erhebt leicht seine rechte Hand zu einem Segensgestus und blickt dabei auf den Sohn, so als würde er zu ihm sagen: Ich sende dich, bist du bereit zu gehen? Der Sohn blickt auf den Vater. Er zeigt mit zwei Fingern seiner rechten Hand auf das Lamm. Die beiden Finger symbolisieren die beiden Naturen, die in Christus vereint sind, die göttliche und die menschliche. Christus sagt Ja zum Auftrag des Vaters: Ich bin bereit als Gott die Menschheit anzunehmen und als Mensch unter den Menschen zu sein. Er ist sich auch bewußt, wohin dieser Auftrag führen wird. Im Kelch liegt das geschlachtete Lamm. Christus ist bereit, sein Leben hinzugeben für das Heil der Menschen.

Auf dieses Lamm blickt der Heilige Geist und er sagt gleichsam zu Christus: Ich werde mit dir gehen. Dabei deutet er mit seiner rechten Hand auf die rechteckige Öffnung im unteren Teil des Tisches. Das Viereck symbolisiert die Erde, nicht etwa weil man sich damals die Erde viereckig vorgestellt hätte, sondern weil die Zahl vier die Zahl der Erde ist (vgl. z.B. die vier Himmelsrichtungen), wie die Zahl drei die Zahl der Gottheit ist (und beides zusammen ergibt sieben, die Zahl der Vollkommenheit). Der Heilige Geist weist dem Sohn den Weg zu den Menschen und begleitet ihn, der Vater gibt dazu seinen Segen.

So kann die Erlösung des Menschen geschehen. Darüber unterhält sich Gott in der Ewigkeit und an Weihnachten wird dieses Geschehen konkret. Das Ja Mariens hat es Gott ermöglicht, in dieser Welt Mensch zu werden in Jesus Christus. An Weihnachten feiern wir die Geburt Gottes in der Welt.

Doch nicht die Geburt ist das zentrale Geschehen im Christentum, sie ist nur Voraussetzung für das, was noch kommt. Mit der Geburt Christi beginnt das konkrete Geschehen der Erlösung, das in Kreuz und Auferstehung seine Vollendung erfährt. Das geopferte Lamm, der Opfertod Christi zum Heil der Welt, ist schon immer in Gottes Plan mit eingeschlossen. Daher gehören Weihnachten und Ostern zutiefst zusammen. Die Romantik des Stalles darf nicht getrennt werden vom Leiden des Karfreitags und von der Herrlichkeit des Ostersonntags. Mit seiner Auferstehung hat Christus das Werk der Erlösung vollendet und kehrt wieder zum Vater heim, und doch bleibt er mitten unter uns gegenwärtig. Er verläßt uns nicht mehr und wir dürfen darauf vertrauen, daß er uns dereinst einen Platz schenken wird in seinem Reich.

So nah sind sich Himmel und Erde, daß Gott konkret zu uns kommen kann. Daher steht auch uns der Weg offen zu Gott, doch diesen Weg zu gehen ist nicht unser Verdienst, sondern allein das Geschenk seiner Gnade. Dennoch ist es an uns, so zu leben, daß wir uns der Gnade Gottes würdig erweisen. So wie Gott zu seiner Menschwerdung das Ja eines Menschen, das Ja Mariens, gebraucht hat, so braucht er für die Erlösung jedes Menschen auch das ganz persönliche Ja dieses Menschen. Das Weihnachtsfest soll uns daran erinnern, daß Christus Ja gesagt hat zum Willen des Vaters, obwohl er wußte, daß sein Weg durch Leiden und Tod führen wird. Weihnachten soll uns dazu ermuntern, auch unser Ja zu Gott zu erneuern. Wir dürfen darauf vertrauen, daß Gott uns nicht im Stich lassen wird. Auch uns begleitet der Beistand des Heiligen Geistes auf allen unseren Wegen. Auch wenn unser Weg mit Gott durch manche Leiden führen mag, dürfen wir doch auf die Auferstehung hoffen. Wie Christus ganz nah zu uns kam, so werden wir dann auch ganz nah bei ihm sein.

Jesus sehen

Mein Lieblings-Weihnachtslied ist „Ich steh an deiner Krippe hier“. Dort heißt es in der vierten Strophe: „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen. O daß mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, daß ich dich möchte fassen.

So richtig verinnerlich habe ich diesen Text am Weihnachtsfest des Jahres 2005. Am Heiligen Abend hatte ich Spätschicht und so fuhr ich mit meiner S-Bahn – ich war damals Lokführer – durch das Umland von Frankfurt am Main. Der Himmel war klar, die Nacht ruhig. Ich schaute auf die erleuchteten Häuser und dachte an die Menschen darin, wie sie wohl den Heiligen Abend verbringen. Und dann dachte ich auch an die Hirten damals. Auch sie waren in solch einer klaren, stillen Nacht gleichsam wie ich auf freiem Feld. Sie taten ihre Arbeit, hielten Nachtwache bei ihrer Herde, Alltag. Doch plötzlich geschah das Unerwartete. Plötzlich war die Nacht hell vom Glanz einer Schar von Engeln. Diese erzählten den Hirten von der Geburt des Erlösers. Sofort machten die Hirten sich auf, um das Kind zu sehen, um Jesus zu sehen. Was sahen sie? Maria und Josef und ein Kind in einer Krippe in einem Stall. Doch die Hirten müssen gemerkt haben, daß das kein gewöhnliches Kind ist. Sie müssen das besondere dieses Blickes gespürt haben, dieses göttlichen Blickes des göttlichen Kindes, dieses Blickes, der später auf den Kranken und Sündern ruhen wird und sie heil und gesund machen wird und ihnen vergeben wird. Voll Freude kehren die Hirten vom Stall zurück zu ihren Herden. Diese Nacht wird ihnen ihr Leben lang in Erinnerung bleiben. Wenn es ihnen wieder einmal dunkel wurde ums Herz, so haben sie sich sicher an jene Nacht erinnert und konnten etwas von jenem Licht spüren, vom Glanz des göttlichen Kindes, und ihnen ist wieder Licht geworden im Herzen. Auch ich durfte in jener Nacht etwas erfahren von jenem Blick Jesu, vom Segen der Weihnacht.

Jesus sehen, das ist auch uns heute gewährt. Ich möchte immer wieder betonen, daß Gott uns nahe ist, näher als wir es glauben. Wenn wir im Gebet sind, in der Heiligen Schrift lesen, die Heilige Messe mitfeiern, in Anbetung vor dem Allerheiligsten knien, aber auch in jedem Moment unseres Alltags ist Christus uns nahe. Wir können mit ihm sprechen. Wir sehen ihn im gewandelten Brot der Eucharistie. Aber auch in jedem Menschen kann uns Christus begegnen. Wir sollen jedem Menschen so begegnen, als würden wir in diesem Menschen Christus begegnen. Das ist gar nicht so einfach, es immer wieder neu zu versuchen ist ein Vorsatz, den wir immer haben sollten.

Jesus sehen. Heute sehen wir ihn verborgen. Aber unsere Hoffnung ist es, Jesus einmal zu sehen, wie er ist. Unser irdischer Leib ist in gewisser Weise blind für die jenseitige Welt Gottes, daher merken wir oft nicht, wie nahe Gott uns eigentlich ist. Und doch gibt es auch in diesem Leben Augenblicke, an denen wir diese Nähe Gottes spüren können, im Zusammensein mit einem geliebten Menschen, im innigen Gebet. Augenblicke der Ewigkeit, die Gott uns in seiner Gnade schenkt, wenn wir meinen, die Zeit bliebe stehen. Das ist uns ein Vorgeschmack auf jenen ewigen Augenblick, wenn wir in ewiger Glückseligkeit bei Gott sind. Dann werden wir für immer Gott schauen wie er ist und dieses Schauen wird uns ewige Freude sein. 

Ante luciferum genitus ...

Gezeugt vor dem Morgenstern und vor aller Zeit, ist der Herr, unser Heiland, heute der Welt erschienen.


Diese Antiphon aus dem Stundenbuch der Kirche möchte ich in diesem Jahr zum Leitgedanken für das Weihnachtsfest nehmen. Christus, der ewige Gott, wird heute Mensch. Was heißt das?

Im Credo bekennen wir den Glauben an den „einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“

Die Antiphon fasst gleichsam diese Sätze des Glaubensbekenntnisses zusammen. Der Vater hat in der Ewigkeit vor aller Zeit den Sohn gezeugt und aus beiden geht der Heilige Geist hervor. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind ein Gott, sie sind eines Wesens. Dieser eine Gott hat nach seinem Willen aus Liebe die Welt erschaffen. Der Vater erschafft die Welt durch sein Wort und dieses sein Wort ist der Sohn. So hat Christus schon seit der Erschaffung der Welt eine besondere Verbindung zu ihr. Dennoch wird es für uns Menschen immer unbegreiflich bleiben, wie der ewige Gott sich in die Zeit begeben kann, um ein Mensch zu werden wie wir. Der Sohn hat gleichsam auf sein Gottsein verzichtet, hat sich selbst entäußert. Das ist ein unergründliches Geheimnis der Liebe Gottes. Es zeigt uns, wie sehr Gott sich nach uns Menschen sehnt. Indem Gott selbst das Menschsein angenommen hat, konnte er die Menschen erlösen. In Christus hat uns Gott gezeigt, was das Ziel unseres Lebens ist. Diese Welt ist nicht das Letzte, das Heil ist nicht in dieser Welt zu finden. Diese Welt ist aber auch nicht etwas, das Gott gegenüber stehen würde. Wir glauben, dass diese Welt von Gott kommt und dass sie einmal in Gott ihre Vollendung finden wird.

Nun wird man sich vielleicht fragen, was diese Gedanken mit meinem Leben zu tun haben. Ich denke sehr viel. Wenn ich an einen Gott glaube, der es ernst meint mit dieser Welt, der die Welt so sehr liebt, dass er sich in sie hineinbegibt, und zwar nicht nur als Gott, sondern als ein Mensch wie wir, der ein hilfsbedürftiges Kind wird, allen Gefahren ausgesetzt, die jeden Menschen bedrohen, so weiß ich, daß ich niemals allein bin in dieser Welt. Gott ist der Welt so nahe, dass er jederzeit bei jedem Menschen ist, auch wenn wir das vielleicht oft nicht so konkret erfahren.

Gerade an Weihnachten wird deutlich, was in unserem Leben nicht stimmt. Je mehr der christliche Gehalt des Festes verloren geht, wird es in unserer Gesellschaft zu einem sentimentalen Familienfest, an dem all das an Harmonie nachgeholt werden soll, was das ganze Jahr über vernachlässigt wird. Das kann nicht funktionieren. Diese überzogenen Erwartungen an das Weihnachtsfest sind oft der Grund für dessen Scheitern. Medien und Kaufhäuser möchten in uns eine sentimentale Stimmung wachrufen, romantische Geschichten mit Happy End die Sehnsucht nach Idylle wecken. Doch es gibt in dieser Welt wenig wirkliche Geschichten mit einem sentimentalen Happy End. Unser Leben besteht in dem ständigen Bemühen darum, mit ihm zurecht zu kommen. Christliches Leben besteht in dem ständigem Mühen darum, ein Leben nach dem Willen Gottes zu führen. Nur, wenn wir uns das ganze Jahr über darum mühen, mit anderen Menschen in Liebe und in Frieden zu leben, kann Weihnachten für uns auch ein Fest der Liebe und des Friedens werden.

Doch nicht nur Medien und Kaufhäuser, auch die Kirche scheint in und ein Gefühl der Sentimentalität wachrufen zu wollen. Da ist die Krippe mit dem Jesuskind, Maria und Josef, Ochs und Esel, Hirten, Schafe und Engel. Die Mühsal der Herbergssuche scheint vergessen, der Stall bei Wind und Kälte scheint komfortabler zu sein als jedes Luxushotel. Wie war es wirklich, damals in Betlehem? Ob Maria wirklich so glücklich war, in der Kälte des Stalles unter Mühsal ihr Kind zu gebären, von dem ihr gesagt wurde, dass es der Erlöser der Welt sein sollte? Wird sie sich nicht im Stillen gefragt haben, was das denn für ein Gott sein soll, der unter solch ärmlichen Verhältnissen in diese Welt kommt?

Vielleicht können wir im Blick auf die Krippe verstehen, was uns die Antiphon und die Worte des Glaubensbekenntnisses für unser Leben sagen wollen. Wenn der allmächtige Gott solche Mühsal für uns auf sich nimmt und wirklich unter uns Menschen als Mensch lebt, so kann er mitfühlen mit all unserer Not, so ist er in jedem Schmerz unseres Lebens bei uns, auch wenn wir es nicht merken. Christus ist bleibend bei uns. Seine Menschwerdung ist nicht ein Ereignis, das etwa 2000 Jahre zurückliegt, sie ereignet sich auch heute. Wir feiern an Weihnachten nicht das Gedenken an ein fernes Geschehen. Wir feiern, was sich heute mitten unter uns ereignet, dass Gott auch heute Mensch wird für uns, dass er mitten unter uns ist in allen unseren Nöten und uns nicht verlässt. Wir feiern, dass er Mensch geworden ist zu unserem Heil, das wir auch heute erfahren.

Ehre sei Gott in der Höhe ...

In der Heiligen Nacht singen die Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.
Ehre sei Gott in der Höhe, das Gloria, der Lobgesang auf Gott, den wir an Sonn- und Festtagen in der Heiligen Messe singen. Was bedeutet es, Gott die Ehre zu geben?
Die Engel singen zur Ehre Gottes, die Hirten eilen zur Krippe und beten das Göttliche Kind an, die Weisen kommen aus dem Morgenland und bringen ihm ihre Gaben.
Lobpreis, Anbetung, Schenken, das sind drei wesentliche Dinge, wie wir Gott ehren können.
Doch was sollen wir Gott schenken? Jedes der Geschöpfe bringt sein Zeugnis der Dankbarkeit: die Engel ihr Lied und ihre Liebe, der Himmel den Stern, die Weisen ihre Gaben, die Hirten ihr Staunen und ihre Anbetung, die Erde die Höhle, die Wüste die Krippe. Wir Menschen aber bringen Gott eine Jungfrau und Mutter.
Die Menschheit hat Christus eine jungfräuliche Mutter geschenkt. Mit Maria soll sich jeder Mensch Gott schenken. Maria hat sich durch ihr Ja-Wort ganz Gott geschenkt. Das bedeutet für uns, daß Gott von uns Menschen nicht nur irgendetwas will, sondern uns ganz, unser ganzes Leben. Wenn wir Gott dieses Geschenk machen, werden wir aber zugleich von ihm mehr beschenkt, als wir es uns vorstellen können. Sind wir dazu bereit?

... und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.

Zu Weihnachten wird viel vom Frieden geredet, Friedensbotschaften gehen um die Welt, Weihnachten das Fest des Friedens. Diesen Frieden wünschen schon die Engel auf die Erde herab und es heißt, daß Christus geboren wurde zu einer Zeit, in der Friede herrschte auf der ganzen Erde.
Doch dieser irdische Friede ist vergänglich, daher muss er immer wieder angemahnt werden. Auch zur Zeit Jesu gab es Kriege ebenso wie heute überall auf der Welt. Friede bedeutet für manche nur, die Gegner so weit auszuschalten, daß sie nicht mehr gefährlich werden können. Die Großmächte wollen die Welt befrieden und schaffen so nur neue Konflikte. Meist steht hinter dem vermeintlichen Friedensplan nur der Griff nach mehr Macht. Wie es in der großen Politik ist, so ist es auch im Kleinen. Überall gibt es Menschen, die versuchen, ihre Macht durchzusetzen.
Kann es da noch Frieden geben? Die Menschen sehnen sich nach Frieden, doch sie können sich den Frieden nicht selbst geben, Gott allein ist es, der Frieden schaffen kann. Er steht über dem Machtgerangel der Menschen und ist mächtiger als alle Herrscher der Welt zusammen. Doch er kann auch ganz klein werden, ein hilfloses Kind.
Friede kann werden, wenn die Menschen nicht mehr versuchen, mit Gewalt ihre Wünsche zu verwirklichen, sondern wenn sie den Willen Gottes tun. Nur Menschen, in deren Leben Gott die entscheidende Rolle spielt, können Menschen des Friedens sein. Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens.

Nur Gott allein

Ich brauche ein Herz, das in zärtlicher Liebe brennt, das mir Halt gibt und nie zurückweicht und das meine Schwäche fast noch mehr liebt als meine Stärken und bei Tag und Nacht mich nicht lässt.
Aber da ich jedes Geschöpf sterblich fand, kann mir nur ein Gott helfen, der Mensch wird, mein Bruder wird und leiden kann.
(Therese von Lisieux)

Epiphanie 2008

HEUTE wurde die Kirche dem himmlischen Bräutigam vermählt. Im Jordan wusch Christus sie rein von ihren Sünden. Die Weisen eilen mit Geschenken zur königlichen Hochzeit. Wasser wird in Wein gewandelt und erfreut die Gäste.

Diese Antiophon zum Hochfest der Erscheinung des Herrn – bei uns auch Dreikönig genannt – hat es in sich. Viele bedeutende Feste haben eine sogenannte hodie – Antiphon, also eine Antiphon die im Lateinischen mit dem Wort hodie – heute beginnt. Das soll uns zeigen, daß das, was wir an diesem Tag feiern, nicht nur die Erinnerung an ein vergangenes Geschehen ist, sondern daß das, was damals geschehen ist, in der Feier dieser Ereignisses auch für uns heute Gegenwart wird.
Drei Feste sind es, die an diesem Tag in der Liturgie vereinigt werden und die uns deutlich machen, warum dieses Fest Epiphanie – Erscheinung des Herrn heißt. Das erste Ereignis ist die Taufe des Herrn, die wir auch am kommenden Sonntag feiern. Die Taufe Jesu steht am Anfang seines Wirkens. Die Stimme des Vaters vom Himmel und die Erscheinung des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube bezeugen Jesus als den Sohn Gottes. Von nun an zeigt Jesus sich öffentlich. Durch die Bildung einer Jüngergemeinde beginnt die Kirche, an Pfingsten mit der Geistsendung zeigt sich ihre eigentliche Gestalt. Die Taufe Jesu, der als sündenloser die Taufe der Umkehr auf sich nimmt, weist voraus auf das Kreuz, durch das Christus die Menschheit von ihren Sünden erlösen wird. Das ganze Leben und Wirken Jesu führt zu dieser Erlösungstat hin.
Das zweite Ereignis ist die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland, bei uns besser bekannt als die Heiligen Drei Könige. Doch da scheint etwas nicht zu stimmen. Sind sie denn nicht zur Krippe geeilt? Was soll das jetzt hier mit der Hochzeit? Mir kam dazu folgender Gedanke: Jesus vergleicht das Reich Gottes oft mit einem Festmahl, einem Hochzeitsmahl. Dieses Hochzeitsmahl ist gleichsam mit der Geburt Jesu eröffnet. Ab sofort werden die Boten ausgesandt, um die Geladenen – das sind alle Menschen – zu rufen. Die Weisen hat der Stern gerufen. Sie haben alles verlassen und sind ihm gefolgt, bis sie das göttliche Kind fanden. Von nun an tun es ihnen unzählige Menschen gleich und folgen dem Ruf Gottes zum ewigen Hochzeitsmahl in seinem Reich. Machen wir es auch wie sie. Der Herr Jesus Christus ist in der Welt erschienen. Überall leuchten seine Zeichen. Seien wir weise und deuten wir sie richtig, damit auch wir den Weg finden zu Jesus.
Noch ein drittes Ereignis steht heute auf dem Programm. Es ist die Hochzeit zu Kana, bei der Jesus Wasser in Wein gewandelt hat. Im Johannesevangelium ist dies das erste Wunder, das erste Zeichen Jesu, wie er es nennt. Jesus zeigt dadurch seine Herrlichkeit und seine Jünger glauben an ihn.
Die Stimme des Vaters, der leuchtende Stern, das in Wein gewandelte Wasser, drei Zeichen, durch die Christus sich der Welt offenbart hat. Menschen haben diese Zeichen gesehen und gedeutet und erkannt, daß Jesus wirklich der Sohn Gottes ist, der in die Welt gekommen ist, zu unserem Heil. Er ist es, der unserem Leben einen Sinn gibt, der uns das Heil schenkt, das wir uns nicht selbst machen können. Die Zeichen der Herrlichkeit Jesu gab es nicht nur in der Vergangenheit. Gott zeigt sich den Menschen zu allen Zeiten. Wenn wir aufmerksam und weise sind erkennen wir: Gott schenkt uns diese Zeichen auch HEUTE.

Weihnachten mit Elisabeth von Thüringen

Von der heiligen Elisabeth von Thüringen wird berichtet, dass sie in der Nacht ihres Todes, am 19.11.1231, zu den Freunden, die bei ihr waren, gegen Mitternacht sagte: „Lasst uns über den Heiland sprechen und über das Christkind, denn Mitternacht ist nahe, als das holde Jesuskind geboren wurde.“ In der Stunde ihres Sterbens tritt sie in die Stille der Heiligen Nacht ein, das Dunkel ihres Todes erleuchtet das Licht der Geburt Christi.

Elisabeth hat in tiefem Glauben die Geburt und das ganze Leben Jesu Christi ganz verinnerlicht. Die Stunden der Zeit waren für sie nicht mehr Phasen im Ablauf der Gestirne, sondern Stunden, die erzählen von der Geschichte der Liebe Gottes mit uns.

Die Hl. Elisabeth bat die Menschen, ganz stille zu werden angesichts der Geburt des Kindes. Das könnte zunächst fast spielerisch erscheinen: Das Kindlein will schlafen, man darf es nicht stören dabei. Aber dieses scheinbar Spielerische ist in Wirklichkeit Ausdruck einer Ehrfurcht, die allein den Weg zum Geheimnis öffnet. Die Stille ist der Raum dieses Kindes. Die Stille ist der Raum der Gottesgeburt. Nur wenn wir selbst in den Raum der Stille eintreten, kommen wir dorthin, wo Gottesgeburt ist.

Schön ist in diesem Zusammenhang das Lied „Ich steh an deiner Krippe hier“ (GL 141), wo es in der vierten Strophe heißt: „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen ...“

Versuchen wir in all dem weihnachtlichen Trubel etwas zu verweilen in der Betrachtung der Geburt Jesu zusammen mit seiner Mutter Maria, gehen wir zusammen mit den Hirten zu Jesus und beten ihn an. Nur in der wahren Stille können wir den Sinn schärfen für das Ewige, werden wir hörfähig für das, was Gott zu uns sagt. Dass Gott uns dabei helfe und wir immer mehr auf seine Stimme hören können, das wünsche ich uns allen zu diesem Weihnachtsfest und für das Neue Jahr.

Gedanken zu Neujahr

Die Weihnachtszeit geht zu Ende, ein neues Jahr hat begonnen. Haben Sie sich Gedanken darüber gemacht, wie Sie etwas von der Weihnachtsfreude, die Sie hoffentlich erfahren durften, mit in das neue Jahr nehmen können? Es ist ja nicht so, dass wir über die Menschwerdung Gottes nur an Weihnachten nachdenken sollen, sie soll unser ganzes Leben prägen. Gott, der als Kind in der Krippe mit seinen liebenden Augen auf die Hirten und die Weisen aus dem Orient geschaut und sie verwandelt hat, er wird später voll Liebe auf die Sünder blicken und sie verwandeln, er wird Menschen senden, diese Liebe Gottes zu verkünden und wenn wir die Augen unseres Herzens öffnen, wird er auch uns mit diesem Blick der Liebe ansehen und uns verwandeln.

Doch scheint uns Gott dafür nicht zu fern zu sein? Das ist er sicher nicht, aber dennoch kann Gott nur der begegnen, der sich aufmacht, der aus seinem Alltag wenigstens ein kleinwenig ausbricht und auf Gott zugeht. Er kann sicher sein, daß Gott ihm dann das Stück des Weges entgegenkommt, das ihm zu schwer erscheint. Nehmen wir uns die Heiligen Drei Könige zum Vorbild. Sie haben sich aufgemacht auf einen Weg, dessen Ziel sie nicht genau kannten. Aber sie wußten, sie werden einen König finden. Sie blieben trotz aller Anfechtungen ihrem Ziel treu. Und als sie ankommen und niederknien, tun sie nur, was sie eigentlich immer taten: Sie bringen das Gold ihrer Liebe, den Weihrauch ihrer Ehrfurcht und die Myrrhe ihrer Schmerzen vor das Antlitz des unsichtbar-sichtbaren Gottes.

„Laßt auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Laßt uns laufen! Laßt uns vergessen, was hinter uns liegt. Es ist noch alles Zukunft. Es sind noch alle Möglichkeiten des Lebens offen, weil wir Gott noch finden, noch mehr finden können. Nichts ist vorbei und dem verloren, der Gott entgegenläuft, dessen kleinste Wirklichkeit größer ist als unsere kühnsten Illusionen, dem Gott, der die ewige Jugend ist, in deren Land keine Resignation wohnt. Wir wandern durch die Wüsten. Herz, verzage nicht über den Anblick des Pilgerzuges der Menschheit, der Menschen, die gebückt unter der Last ihrer verschwiegenen Qual weiterziehen, immer weiter, scheinbar alle in die gleiche Ziellosigkeit. Verzage nicht: Der Stern ist da und leuchtet. Die heiligen Bücher sagen, wo der Erlöser zu finden ist. Die sehnsüchtige Unruhe treibt. Sag' selbst: Steht der Stern nicht still am Firmament deines Herzens? Er ist klein? Er ist fern? Aber er ist da. Er ist nur klein, weil du noch weit zu laufen hast! Er ist nur fern, weil deiner Großmut eine unendliche Reise zugetan wird. Aber der Stern ist da! Auch die Sehnsucht nach Freiheit des inneren Menschen, nach Güte, nach Seligkeit, auch das Bedauern, ein schwacher, sündiger Mensch zu sein, ist ein Stern. Warum schiebst du selbst die Wolken vor den Stern? Die Wolken der Verdrossenheit, der Enttäuschung, der Bitterkeit des Versagthabens, die Wolken höhnischer oder resignierter Worte über die ausgeträumten Träume seliger Hoffnung? Gib die Wehr auf: Der Stern leuchtet! Ob du ihn zum Polarstern deiner Seefahrt machst oder nicht, er steht an deinem Himmel, und auch dein Trotz und deine Schwachheit löschen ihn nicht aus. Warum sollen wir also nicht glauben und wandern? Warum sollten wir also nicht zum Stern am Firmament des Herzens aufblicken? Warum nicht dem Lichte nachgehen? Weil es Menschen wie die Schriftgelehrten in Jerusalem gibt, die den Weg nach Betlehem wissen und ihn nicht gehen? Weil es Könige wie Herodes gibt, denen solche Kunde vom Messias nur eine Störung ihrer politischen Pläne ist, Könige, die auch heute noch dem Kinde nach dem Leben trachten? Weil die meisten mit der verdrossenen Lebensklugheit ihrer engen Herzen zu Hause sitzen bleiben und solche abenteuerliche Reisen des Herzens für Kindereien halten? Lassen wir sie und folgen wir dem Stern des Herzens!

Wie soll ich laufen? Das Herz muß sich bewegen! Das betende, das verlangende, das schüchtern, aber ehrlich in guten Werken sich übende Herz, das läuft, das wandert Gott entgegen, das Herz, das glaubt und sich nicht verbittern läßt, das Herz, das die Torheit der Güte für gescheiter hält als die Schlauheit des Egoismus, das Herz, das an die Güte Gottes glaubt, das Herz, das seine Schuld sich von Gott liebend vergeben lassen will (o das ist schwerer zu tun, als ihr vielleicht meint), das sich von Gott überführen läßt seines geheimen Unglaubens und das sich darüber nicht wundert, sondern Gott die Ehre gibt und bekennt - ein solches Herz hat die abenteuerliche Reise der königlichen Herzen nach Gott angetreten.

Ein neues Jahr hat begonnen. Auch in diesem Jahr ziehen alle Wege vom Morgenland zum Abendland durch die Wüsten des Lebens endlos an Vergänglichkeit vorbei. Aber man kann auf ihnen die selige Reise der Pilgerschaft zum Absoluten machen, die Reise zu Gott. Brich auf, mein Herz, und wandre! Es leuchtet der Stern. Viel kannst du nicht mitnehmen auf den Weg. Und viel geht dir unterwegs verloren. Laß es fahren. Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir. Er wird sie annehmen.“

Zitat aus: Karl Rahner, Kleines Kirchenjahr