Die Liturgie des Weihnachtsfestes sieht drei Messformulare mit den zugehörigen Schrifttexten vor. Hinzu kommt eine Messe am Vorabend des Weihnachtstages. Bei dieser wird als Evangelium der Stammbaum Jesu Christi vorgetragen.
Die bekannteste Messe zum Weihnachtsfest ist sicher die in der Heiligen Nacht, in der wir aus dem Lukas-Evangelium von der Geburt Jesu in der Krippe zu Betlehem hören (Lk 2,1-14). Für den Morgen des 25.12. ist die sogenannte Hirtenmesse vorgesehen, in der als Fortsetzung des Evangeliums der Heiligen Nacht die Anbetung der Hirten vor dem Jesuskind gelesen wird (Lk 2,15-20). Der Einfachheit halber habe ich die Texte der beiden Evangelien hier auf dieser Seite zusammengefasst.
In der Festmesse am Weihnachtstag hören wir dann als Evangelium den berühmten Prolog aus dem Johannes-Evangelium.
Der große Gott wird ein kleines Kind im Stall von Betlehem
Königlich schildert Matthäus die Geburt Jesu Christi. In seinem Stammbaum zeigt er auf, dass Jesus aus dem Königshaus Israels, der Familie Davids, stammt. Doch Jesus ist mehr als ein König, denn seine Legitimation beruht nicht wie bei den anderen Königen auf menschlicher Zeugung, sondern seine Geburt ist auf wunderbare Weise durch Gott gewirkt. Wie es einem König gebührt, wurde seine Geburt vorhergesagt und durch Himmelszeichen bestätigt. Diese wussten die Weisen aus dem Morgenland zu deuten, die als erste kommen, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen.
Bei Lukas sind es nicht große Herren, die mit reichen Geschenken den Christus-König ehren, sondern einfache Hirten, die von ihren Herden zur nahe gelegenen schlichten Krippe eilen, in der Gott ganz klein und arm in diese Welt kommt. Nicht die Sterne weisen ihnen den Weg, sondern Engel, die von dem wunderbaren Ereignis künden, das sich da auf den Feldern von Betlehem ereignet hat.
Wir dürfen diese beiden Bilder nicht gegeneinander ausspielen und fragen, wer denn nun Recht hat. Die Kirche hat in diesen beiden Darstellungen des Weihnachtsfestes auch nie einen Widerspruch gesehen, sondern sie in zeitlicher Folge nacheinander angeordnet. Zuerst kommen in der Heiligen Nacht die Hirten an die Krippe und dann später treffen die Weisen aus dem Morgenland mit ihren Schätzen ein.
Doch die beiden Darstellungen ergänzen sich auch noch in anderer Hinsicht. Während Matthäus das Königliche an der Geburt Jesu herausstellt, weist Lukas besonders auf die Schlichtheit der Geburt Jesu hin. Lukas geht es in seinem Evangelium in besonderer Weise um die Armen, deren Gott sich annimmt. Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. So hat es Maria im Magnifikat gesungen und das wird Jesus in seinen Worten und Taten deutlich machen.
Christus ist ein König, er ist hoch und erhaben, wir verehren und preisen ihn als unseren Herrn und Heiland. Doch Christus kann sich auch ganz klein machen, so dass er auch dem letzten aller Menschen ein Bruder ist. Der über alles erhabene und allmächtige Gott kommt als ein kleines und hilfloses Kind zu uns auf die Erde.
Weihnachten zeigt uns die ganze Bandbreite des göttlichen Wesens. Wenn wir das kleine Kind in der Krippe sehen, sollen wir daran denken, wie groß und mächtig Gott ist und wenn uns Gottes Größe zu erdrücken scheint, dann dürfen wir an das Kind in der Krippe denken, in dem Gott uns nahe sein will. Wir dürfen uns freuen, dass Gott so groß ist, dass er auch so klein sein kann wie wir, ohne dass dies seine Größe verringern würde.
Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade!
Ehre dem höchsten und einzigen Gott
und Friede in unseren Herzen
weil Gott groß ist, auch wenn er klein scheint
und mächtig, wenn er in Schwachheit erscheint.
Darum brauchen wir Gottes Ehre
nicht mit den Waffen der Welt zu erkämpfen
sondern wir machen Gott groß
wenn wir uns niederbeugen zu den Armen und Schwachen
und Frieden schenken den Menschen in unserer Nähe.
Quem pastores laudavere - Das Lob der Hirten
Sie gehören zu jeder Weihnachtskrippe wie das Salz in die Suppe, in unterschiedlich großer Zahl, mit Schafen und Hunden stehen sie um den Stall und bestaunen, was dort geschehen ist:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren!
Über ihnen der Chor der Engel, der diese frohe Botschaft bringt und unablässig Gott zu Ehren singt:
Gloria! Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade!
Sie eilen hin, den Gott und Retter anzubeten, der als Kind geboren ist.
Hört, es singt und klingt mit Schalle:
Fürcht euch nicht, ihr Hirten alle.
Macht euch auf, geht hin zum Stalle:
Gott ward Mensch, des freut euch sehr.
Heutzutage sind uns Hirten wenig vertraut. Das Volk Israel aber war von seinem Ursprung her ein Hirten- und Nomadenvolk. Der Stammvater des Volkes zog mit seinen Herden durch das Land, dann siedelte sich das Volk in Ägypten an und kehrte Jahre später auf einem beschwerlichen Weg durch die Wüste in das Land Israel zurück und wurde sesshaft. Doch weiterhin bildeten großen Herden einen wichtigen Bestandteil der Lebensgrundlage.
Auch der König Israels schlechthin, König David, Urbild aller Könige und Vorbild für den Messias, war Hirte. Als Gott den Propheten Samuel beauftragte, einen neuen König über Israel zu salben, musste der junge David erst von den Herden nach Hause geholt werden.
Die Hirten weisen hin auf den Ursprung Israels. Aber noch mehr. Hirte sein ist auch eine wahrhaft göttliche Aufgabe. Im Alten Testament wird Gott oft als Hirte Israels bezeichnet und Jesus selbst nennt sich den guten Hirten. So wird die Fürsorge Gottes für sein Volk sichtbar. Die Hirtensorge Jesu geht bis zum Tod:
Der gute Hirte gibt sein Leben hin für die Schafe.
Schön drückt der bekannte Psalm 23 die Hirtensorge Gottes aus:
Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Er stillt mein Verlangen, er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
Das Bild vom göttlichen Hirten setzt voraus, dass sich das Volk auch von ihm leiten lässt. Allzu oft musste Israel die Erfahrung machen, dass es in die Irre ging, wenn es meinte, seinen eigenen Vorstellungen und nicht den Wegen Gottes folgen zu müssen. So zeigt sich, dass die Führung Gottes keine Fessel ist, sondern Wegweisung in eine erfüllte Freiheit.
Doch auch heute ist man nicht weiter als damals und meint, Freiheit sei dort zu finden, wo man keinerlei Weisung zu beachten hat. Einen Vorteil von einer solchen Einstellung haben allein die Wölfe, die immer fetter und zahlreicher werden von all den verirrten Schafen. Das lässt uns einstimmen in den Ruf des Psalmisten (Ps 80,2f):
Du Hirte Israels, höre, der du Josef weidest wie eine Herde!
Biete deine gewaltige Macht auf, und komm uns zu Hilfe!
Gott hat seine Macht aufgeboten und ist gekommen, um uns zu helfen. Seine Macht ist oft unscheinbar und menschlicher Logik widersprechend, aber doch ist sie mächtiger als alles auf der Welt. Fortan kämpfen die Mächtigen dieser Welt gegen dieses Kind. Schon Herodes trachtete ihm nach dem Leben. Nur die Kleinen erkennen in dem Kind den machtvollen Retter. Die Hirten sind die ersten von denen, die Gott gesehen haben, der sich ganz klein gemacht hat, uns Menschen gleich, um uns nicht in seiner Macht, sondern in seiner Schwäche zu sich zu rufen. Sie haben gesehen und geglaubt.
Niemand kann Weihnachten feiern,
ohne selbst wirklich arm zu sein.
Die Selbstgefälligen, Stolzen, diejenigen,
die alles haben und auf andere herabblicken,
alle, die Gott nicht brauchen,
sie werden Weihnachten nicht erleben.
Nur die Armen, die Hungrigen,
die jemanden brauchen, der für sie eintritt,
werden es bekommen.
Dies ist Gott, Emmanuel, der Gott-mit-uns.
Ohne Armut kann Gott uns nicht erfüllen.
Oscar Romero
Die Liturgie des Weihnachtsfestes sieht drei Messformulare mit den zugehörigen Schrifttexten vor. Hinzu kommt eine Messe am