Die Heiligen

3.7. Thomas, Apostel

Lazarus

Joh 11,6-16

Als Jesus hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.
Die Jünger entgegneten ihm: Rabbi, eben noch wollten dich die Juden steinigen und du gehst wieder dorthin?
Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht; wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist. So sprach er. Dann sagte er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken.
Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden. Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf.
Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lazarus ist gestorben. Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen.
Da sagte Thomas, genannt Didymus (Zwilling), zu den anderen Jüngern: Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.

Der Weg

Joh 14,1-6

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.
Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?
Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Ostern

Joh 20,19-29

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Tiberias

Joh 21,1-14

In jener Zeit offenbarte Jesus sich den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.
Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.
Thomas

Thomas, Apostel

Thomas

Thomas - der unglaublich Gläubige

"Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes." Was haben dieser Satz und der Apostel Thomas miteinander zu tun? Ich meine sehr viel. Thomas ist bekannt geworden als der große Zweifler. Er war bei der Erscheinung des Auferstandenen vor den Aposteln nicht dabei, er glaubt ihren Schilderungen nicht und möchte von Jesus selbst die Bestätigung haben. Dies gewährt ihm Jesus und am Ende steht das Bekenntnis. "Mein Herr und mein Gott."
Ist Zweifeln gleichzusetzen, mit zurückblicken? Ich denke nicht. Nur der kann für das Reich Gottes pflügen, der von Gottes Gegenwart in dieser Welt überzeugt ist. Thomas, der dem Herrn schon so lange gefolgt ist, will durch seine Zweifel nicht etwa von diesem Weg umkehren, nein, er sucht vom Herrn die Bestätigung, dass dieser Weg der Richtige ist. Und das kann ihm kein Mensch sagen, sondern nur Christus allein. Als Christus sich ihm zeigt legt Thomas sein Bekenntnis ab und lebt von nun an aus der Kraft dieses seines Bekenntnisses "Mein Herr und mein Gott". Jesus, Du bist Gott, alles hat in Dir seinen Ursprung und sein Ziel. Dir schenke ich mein ganzes Leben. Nimm es an und laß mich Dir allzeit folgen.
Thomas war bis zu seiner Berufung als Jünger Fischer. Thomas wird in den Apostellisten aller vier Evangelien erwähnt, besonders aber bei Johannes (Joh 20, 24-29). Legenden, die auf den apokryphen Thomas-Akten beruhen, erzählen, dass Christus ihm erschien und ihn aufforderte, dem Boten des Königs Gundisar nach Indien zu folgen. Bei Gundisar angelangt, zeichnete Thomas diesem einen Palast und erhielt große Schätze zum Bau, verteilte diese aber während der Abwesenheit des Königs an die Armen, predigte und bekehrte Unzählige. Dem zurückgekehrten empörten König, der Thomas in den Kerker warf, erschien sein vor kurzem verstorbener Bruder; der erklärte ihm, Thomas habe für ihn im Jenseits den prächtigsten Palast errichtet, worauf Gundisar sich bekehrte und Thomas in fernere indische Gebiete ziehen ließ.
Thomas gilt als der Apostel Indiens und noch heute berufen sich die dortigen Thomas-Christen auf den Apostel Thomas als ihren ersten Glaubensboten.

Thomas

Vielleicht ist es so, dass Menschen, die eine tiefe Glaubenskrise erlebt haben, danach im Glauben noch fester stehen als zuvor, fester als mancher Mensch, für den der Glaube sein Leben lang mehr oder weniger eine Selbstverständlichkeit ist. Wir sehen es am Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Sohn, der seinen Irrweg bereut und zurückkehrt, tritt in ein innigeres Verhältnis zum Vater ein, als er es zuvor hatte und als es der Sohn, der immer beim Vater geblieben ist, hat.
Auch Thomas mag eine solche Krise erlebt haben. Freudig berichten ihm die anderen von der Erscheinung des Auferstandenen, er aber kann es nicht glauben, kann ihr Freude nicht teilen. Er fängt an zu zweifeln und fragt sich vielleicht, was ihm dieser Jesus, dem er bisher gefolgt ist, überhaupt noch bedeutet.
Doch dann ist dieser Jesus plötzlich wieder da, wie es die anderen ihm erzählt haben. Jesus weiß um seine Zweifel, er macht Thomas keinen Vorwurf, sondern gibt ihm die Möglichkeit, seine Zweifel los zu werden. Das mag Thomas im Innersten getroffen haben. Er erkennt, wie kleingläubig er gewesen ist. Er geht in sich, wie es auch der verlorene Sohn tut, bevor er zum Vater zurückkehrt.
Nun ist Thomas bereit zu dem tiefsten Bekenntnis, das ein Mensch zu geben fähig ist. In den Worten "Mein Herr und mein Gott" drückt er seine ganze Hingabe an Jesus aus. Jesus, mein ein und alles, du mein Leben, meine Freude, meine Hoffnung, du Sinn Kraft meines Lebens. Diese Reihe ließe sich noch lange fortsetzen. Hier kann nun jede und jeder für sich überlegen, was ihr oder ihm Jesus bedeutet. Es wäre schön, dies in einem kurzen Gebet aufzuschreiben.

Thomas

Thomas wollte den Auferstandenen mit eigenen Augen sehen. Er konnte nicht glauben, was ihm die anderen erzählten, dass Jesus plötzlich durch verschlossene Türen zu ihnen getreten sei. Vielleicht fühlte er sich auch ein wenig ausgegrenzt. Es gab da etwas, das ihn von den anderen trennte. Sie haben den Auferstandenen gesehen und er nicht.
Eine ganze Woche musste Thomas warten. Wie mag es ihm ergangen sein inmitten der anderen, die schon ganz voller Freude über die Auferstehung waren? Wir wissen aus eigener Erfahrung wie schwer das ist, wenn man in einer Gruppe ist und die anderen etwas teilen, an dem man selbst keinen Anteil hat.
Doch dann kommt Jesus wieder durch verschlossene Türen. Er steht vor den Jüngern und nun ist auch Thomas dabei. Jesus geht auf Thomas zu, holt ihn zurück in die Gemeinschaft, indem er ihm seine Zweifel nimmt und sich ihm als der Auferstandene zeigt.
Mein Herr und mein Gott. Thomas sieht und glaubt. Wie groß wird seine Freude darüber gewesen sein, dass auch er den auferstandenen Herrn sehen durfte.
Keiner braucht sich ausgegrenzt fühlen, das zeigt uns die Geschichte von Thomas. Es wird immer Menschen gehen, die auf dem Glaubensweg schon weiter sind und andere, die erst am Anfang stehen. Doch das soll uns nicht entmutigen. Jeder darf Schritt für Schritt diesen Weg gehen und wird so immer wieder Neues erfahren.

Thomas erzählt sein persönliches Ostern

Es ist schon ein Pech, so etwas verpasst zu haben. Da soll Jesus, der vor zwei Tagen ans Kreuz geschlagen worden war, zu den anderen gekommen sein. Ja genau der Jesus, von dem alle glaubten, ja mit eigenen Augen gesehen haben, dass er mausetot - wie man so sagt - ins Grab gelegt wurde. Aus, Ende, vorbei.
Irgendwie sind die anderen plötzlich so anders. Als ich vorhin aus dem Haus bin, da waren sie genau so niedergeschlagen und ratlos wie ich. Aber jetzt. Kein Vergleich. Sie sind voll Hoffnung und Freude. Jesus soll leben und bei ihnen sein. Ne, ich kann das nicht glauben. Freut euch nur, aber wenn Jesus wirklich lebt, dann muß er mir das schon selbst zeigen.
Eine ganze Woche ist nun schon vergangen. Unerträglich das ganze. Die anderen ganz aufgeregt. Und ich, mich hat man wohl vergessen, dabei bin ich genau wie die anderen die ganze Zeit mit Jesus unterwegs gewesen. Ich komm nicht mehr mit. Vielleicht sollte ich doch wieder zu meiner Arbeit zurück, als weiterhin bei diesen Leuten zu sein. Sie scheinen etwas zu haben, was mir fehlt.
Aber ich kann euch sagen: Auf Jesus ist Verlass. Da stand er doch plötzlich wieder da, genau so, wie ihn die anderen damals gesehen haben und ruft gleich mich her zu sich. Ich denke erst, jetzt sagt er zu mir, geh weg, du Zweifler, oder so. Aber nein, mir war, als wüßte er genau, was ich die ganze Woche über durchgemacht habe. Ganz liebevoll zeigt er mir seine Wunden, damit ich auch ja erkenne, dass er selbst es ist und kein Schwindel dahinter steckt.
Ich schäme mich schon was, fall vor ihm auf die Knie und sage nur: Jesus, mein Herr und mein Gott. Und plötzlich verändert sich mein ganzes Leben. Ich weiß nun, dass mein Leben einen Sinn hat. Jesus lebt und das ist die Frohe Botschaft, die ich zusammen mit den anderen in der Welt verkünden muß. Seid nicht mehr ängstlich, es ist jemand da, der immer bei euch ist und durch dessen Liebe ihr das Leben habt. Ich bin mir sicher, Jesus wird auch jedem von euch, genau wie mir, sein ganz persönliches Ostererlebnis schenken.

Mein Herr und mein Gott. Thomas sieht und glaubt. Wie groß war Freude darüber, dass auch er dich als den auferstandenen Herrn sehen durfte!
Herr, wir preisen dich für deine Auferstehung. Durch sie hast du die Welt mit Jubel erfüllt. Du hast den Tod bezwungen und das Leben neu geschaffen. Du hast das getan für uns. Du lebst, damit wir mit dir leben. Dir sei Preis und Ehre! Amen.

Mehr zum Apostel Thomas finden Sie am 2. Sonntag der Osterzeit.