Die Heiligen

1.11. Allerheiligen

Erste Lesung

Offb 7,2-4.9-14

Ich, Johannes, sah vom Osten her einen anderen Engel emporsteigen; er hatte das Siegel des lebendigen Gottes und rief den vier Engeln, denen die Macht gegeben war, dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen, mit lauter Stimme zu: Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu, bis wir den Knechten unseres Gottes das Siegel auf die Stirn gedrückt haben.
Und ich erfuhr die Zahl derer, die mit dem Siegel gekennzeichnet waren. Es waren hundertvierundvierzigtausend aus allen Stämmen der Söhne Israels, die das Siegel trugen.
Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen. Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm.
Und alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten und die vier Lebewesen. Sie warfen sich vor dem Thron nieder, beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.
Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das musst du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.

Zweite Lesung

1Joh 3,1-3

Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.
Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist.

Evangelium

Mt 5,1-12a

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Allerheiligen

Allerheiligen

Allerheiligen

Gelebter Glaube

Am 1. November feiert die Kirche das Fest Allerheiligen. Wer ist das, ein Heiliger? Gibt es das auch heute noch? Wie kann ich erfahren, ob jemand heilig ist?
Es gibt einerseits die Vorstellung, dass Heilige ganz besondere Menschen sind. Fromme Schriftsteller haben ihre Berichte über das Leben von Heiligen oft so gestaltet, dass sie bereits von Wundern in der Kindheit des Heiligen berichten. Der Heilige - ein Wunderkind? Das rückt den Heiligen in eine weite Ferne von uns und unserem Alltag.
Wenn man sich näher mit dem Leben der Heiligen beschäftigt erkennt man aber schnell, dass die meisten Heiligen bist zu einem gewissen Zeitpunkt ein ziemlich normales Leben geführt haben. Gewiss, oft ist ihre Kindheit geprägt von einer religiösen Erziehung, die vor allem durch die Mutter vermittelt wird, ein frühes Interesse an der Kirche, der Heiligen Messe, der Heiligen Schrift und anderen religiösen Büchern. Es gibt aber auch Heilige, die nicht in einem frommen Umfeld aufgewachsen sind.
Was die großen Heiligen kennzeichnet ist nicht so sehr, dass sie von Kindheit an schon besonders fromm waren, sondern dass sie irgendwann in ihrem Leben sich in ganz besonderer Weise für Jesus Christus entschieden haben. Sie haben seinen Ruf vernommen und sind ihm nachgefolgt, wie schon die Apostel und ersten Jünger. An diesem Punkt hat sich ihr Leben verändert. Oft haben sie ihr bisheriges Umfeld verlassen und sind auf die Suche gegangen nach dem Ort und die Art und Weise, den Ruf Jesu in ihrem Leben Wirklichkeit werden zu lassen.
Heiligkeit ist etwas, das wachsen muss, nicht nur bei den großen Heiligen. Jeder Mensch hat eine besondere Berufung, an jeden Mensch ergeht der Ruf Jesu. Für die meisten Menschen bedeutet dieser Ruf zur Heiligkeit, an dem Platz, an dem sie stehen, das, was sie tun, besonders gut und sorgfältig zu tun. Heiligkeit bedeutet hier, mich an Gott und seinem Willen zu orientieren, besonders an Jesu Gebot der Liebe und an den Worten der Bergpredigt, die wir heute im Evangelium hören. In diesem weiten Sinn ist jeder heilig, der seinen Glauben an Jesus Christus ernst nimmt und danach lebt.
Die Heiligen im engeren Sinn sind jene, die von der Kirche in besonderer Weise heiliggesprochen werden und dadurch auch liturgisch verehrt werden dürfen. Diese Heiligen hatten eine besondere Berufung in der Kirche, die über über ihren konkreten Ort hinausging. Ihr Wirken richtete sich an viele Menschen, sie haben Wunder gewirkt und waren, da sie den Willen Gottes in hervorragender Weise erfüllt haben, auch Vorbild für viele andere.

Im Glauben zählt das gelebte Leben. Doch das wirkliche Leben lernt man bei den Heiligen. Sie lehren, wie authentisch und überzeugend aus dem Glauben gelebt wird. Die Vielfalt im Glaubenszeugnis der Heiligen erklärt sich daraus, dass jeder von ihnen auf die ihm eigene Weise Christus nachzufolgen sucht, und zwar in Übereinstimmung mit dem, was er für sich und sein Leben als Ruf Gottes erkannt hat. (Michael Schneider)

Wenn wir von Heiligen reden, müssen wir immer an beide Arten der Heiligkeit denken, an die großen Heiligen, die eine besondere Berufung für die ganze Kirche hatten und an die einfachen Heiligen, die ihren Glauben an ihrem Platz im Alltag leben. An sie alle denken wir am heutigen Festtag und sie alle haben ihren Platz in der Kirche.

Gott hat es so eingerichtet, dass wir alle zu unserem Heil aufeinander angewiesen sind und alle miteinander nach dem gemeinsamen Heil streben müssen. (Thomas Merton)

Diese Worte geben einen Wesenskern des Christentums wieder, wie ihn auch der Apostel Paulus beschreibt:

Ihr aber seid der Leib Christi und jeder einzelne ist ein Glied an ihm. (1Kor 12,27)

Paulus vergleicht die Kirche mit einem Leib, sie ist der mystische Leib Christi. Christus ist das Haupt und jeder Gläubige wird durch die Taufe aufgenommen in diesen Leib und ein Glied an ihm. Anders gesagt heißt das, dass jeder durch die Taufe zu einem Heiligen wird. Doch es gilt, diese Heiligkeit zu bewahren und im Leben konkret werden zu lassen. Dabei sind alle aufeinander angewiesen, wie ein Leib, in dem jedes Glied seine Funktion hat.
Das heißt auch, dass das Leben und Tun eines jeden einzelnen Auswirkungen auf die ganze Gemeinschaft hat. Wenn einer sündigt, so trifft diese Sünde in gewisser Weise alle, auch wenn sie Verborgenen geschieht und scheinbar kein anderer Mensch dadurch zu Schaden kommt. Was aber für unsere schlechten Taten gilt, das gilt noch viel mehr für die guten. Jede noch so kleine gute Tat kann eine weltweite Wirkung haben. Ein Lächeln, von uns geschenkt, kann vielleicht um die ganze Welt von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, bis es dann irgendwann auch wieder bei uns selbst ankommt. So müssen wir als Christen uns stets unserer Verantwortung bewusst sein, die wir für die Kirche, aber auch für die ganze Welt haben.

Die Menschen haben keine Ahnung von der Macht eines einzigen Heiligen, denn die Heiligkeit ist stärker als die ganze Hölle. (Thomas Merton)

So kann ein Mensch, der seinen Glauben bewusst lebt, viele andere zum Guten führen, nicht nur durch sein Vorbild, sondern auch durch die Kraft seines Gebets und wie Wirkung seiner Taten. Und wenn es solche starken Heiligen gibt, brauchen auch die Schwachen nicht mutlos werden. Gott schafft immer einen Weg zur Heiligkeit, auch wenn ein Mensch gefallen ist. Jeder, der zu Gott umkehrt, darf den Weg mit ihm weitergehen. So sind die Heiligen auch ein Zeichen für Gottes Barmherzigkeit.

Gutes wirkt man nicht im Maße dessen, was man sagt und tut, sondern in dem, was man ist, entsprechend der Gnade, die unsere Taten begleitet, im Maße, als Jesus in uns lebt und unsere Handlungen des in uns und durch uns wirkenden Herrn sind. Um unserem Nächsten von Nutzen zu sein, müssen wir zuerst aus allen Kräften und ohne Unterlass an unserer eigenen Bekehrung arbeiten. (Charles des Foucauld)

So kann der Heilige mit der Kraft seines Glaubens die Schwachen stützen und ihnen helfen, dass auch sie zu neuer Kraft finden und der Leib der Kirche von seiner Krankheit wieder genesen kann.

Was geschieht nun, wenn ein Mensch völlig im göttlichen Leben, das in ihm ist, aufgeht? Diese Vollkommenheit erreichen nur jene Menschen, die wir Heilige nennen - oder vielmehr jene, die wahrhaft heilig sind und im Lichte Gottes leben. Denn jene, die nach menschlichen Begriffen auf Erden Heilige genannt werden, können ebenso gut Teufel sein, und ihr Licht könnte der Finsternis angehören.
Denn vor dem Licht Gottes sind wir Eulen. Es blendet uns, und sobald es uns trifft, sind wir im Dunkel. Oft sehen wir Menschen für Heilige an, die es nicht sind, und andere, die es keineswegs zu sein scheinen, sind es. Die größten Heiligen sind zuweilen die verborgensten - denken wir nur an die Muttergottes, den heiligen Josef.
Christus hat seine Kirche unter anderem zu dem Zweck eingesetzt, dass die Menschen einander zu ihm hinführen und dadurch sich selbst sowie die Mitmenschen heiligen. Auf diese Weise zieht uns Christus selbst durch die Tat unserer Mitmenschen an sich. (Thomas Merton)
Allerheiligen

Das Ziel

Wenn wir das Leben der Heiligen als gelebten Glauben kennzeichnen, müssen wir auch auf das Ziel blicken, das ihre Leben hat. Dieses Ziel stellt uns der Erste Johannesbrief vor Augen:

Jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. (1Joh 3,2)

Das Ziel der Heiligkeit ist nichts Geringeres als die Schau Gottes. Wir glauben, dass Gott die Fülle von allem Guten ist. Er ist die Liebe, die Weisheit, in ihm ist das Leben. Wer ihn schaut, sieht die Liebe, wer ihm nahe kommt, hat das Leben und alle Erkenntnis.
Durch die Liebe sind wir schon hier auf Erden mit Gott verbunden. Jeder Mensch ist von Gott gut geschaffen, ist Gottes geliebtes Kind und gleicht einem vollkommenen Kristall, der unheimlich wertvoll ist. Doch in der Dunkelheit kann selbst der vollkommenste Kristall seine Schönheit nicht entfalten. Er braucht das Licht, das ihn zum Leuchten bringt. Dieses Licht hat der Mensch nicht aus sich selbst, sondern es kommt von Gott. Wenn der Mensch sich von Gottes Licht, von seiner Gnade, seiner Liebe und Güte bestrahlen lässt, dann wird er in Licht verwandelt, das Licht Gottes strahlt durch ihn in die Welt. Das ist das Geheimnis der Heiligkeit, zu der jeder Mensch berufen ist.
Dieses Leuchten wird seine Vollendung finden im neuen Leben aller Heiligen bei Gott. Wir werden dann sehen, dass wir mit all unserem Streben nach Heiligkeit noch unendlich weit entfernt waren von Gottes Heiligkeit. Doch seine Gnade wird diesen Spalt überbrücken. Und da selbst der größte Heilige auf Erden noch so unendlich weit von Gott entfernt ist, wird es im Himmel keinen Unterschied mehr geben zwischen den großen und den kleinen Heiligen. Alle wird Gott zu sich führen und ihnen seine Nähe schenken und alle werden ihn sehen wie er ist. Im Angesicht Gottes wird es kein mehr und weniger, kein größer und kleiner geben. Gott bringt alle zum Staunen und das eine Ewigkeit lang. Er wird all unsere Sehnsucht in alle Ewigkeit erfüllen, wir werden in unfassbarem Glück leben und wir werden ein nie endender Lobpreis Gottes sein.

Allerheiligen
Preist unsern Gott, all seine Knechte und alle, die ihn fürchten, Kleine und Große! (Offb 19,5)
Himmlische Chöre preisen den Höchsten.
Engel und Menschen danken ihm ewig.

Sterbliche Wesen rief er zum Leben,
gab seine Gnade Sündern und Armen.

Heilige Freunde, Zeichen der Hoffnung,
Tod und Verderben habt ihr bestanden.

Ihr seid vollendet, lebt in der Freude.
Uns ruft von ferne eure Gemeinschaft.

Jenseits des Todes wartet das Leben,
das für uns alle Christus erwirkt hat.

Ihm sei die Ehre, der uns berufen,
ewig im Lichte vor ihm zu stehen. Amen.

Das Fest Allerheiligen ist der Festtag aller Heiligen, jener, die von der Kirche offiziell heiliggesprochen wurden und auch jener, deren Heiligkeit nicht der ganzen Kirche offenbar wurde, die mit ihrem Leben leuchten in dem kleinen Kreis der Menschen, die sie umgibt und um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott.
Sie alle sind uns Vorbild zum Leben. Wenn mich jemand fragt, was die Heiligen auszeichnet, so ist es ihre Einsicht und ihr Mut, das zu tun, was in der konkreten Situation ihrer Zeit und ihres Lebens notwendig war. Solche Menschen brauchen wir an jedem Ort und zu jeder Zeit. Nur die Heiligen können der Welt Frieden und Gerechtigkeit bringen, die wir so sehr ersehnen.

Gott wir danken dir für alle heiligen Menschen. Wir danken dir dafür, dass sie uns zeigen, wie wir unsere Aufgabe in der Welt erfüllen können.
Schenke uns immer wieder Phantasie und Mut durch deinem Heiligen Geist und stärke in uns das Gute, das du in uns hineingelegt hast.
Amen.
Allerheiligen

Der Heilige zwischen Himmel und Erde

An Allerheiligen begegnen uns immer wieder Texte aus der Offenbarung des Johannes, in den Lesungen und auch in den Antiphonen der Vesper. Die Offenbarung des Johannes beschreibt wie kein anderes Buch der Heiligen Schrift das Leben der Heiligen in dieser Welt. Es schildert nicht nur eine ferne Endzeit, ein kommendes jüngstes Gericht, sondern das Buch macht deutlich, was jetzt und hier geschieht.
Eine der beeindruckendsten Erkenntnisse, die wir aus der Betrachtung der Offenbarung des Johannes gewinnen können, ist die enge Verbindung zwischen Himmel und Erde, die Durchlässigkeit, die zwischen Diesseits und Jenseits besteht. Vielleicht ist keiner Epoche diese Durchlässigkeit so fremd geworden wie der unseren, und da selbst in der Kirche nur wenige von diesem Geheimnis reden, suchen viele die Verbindung mit dem Jenseits im esoterischen Bereich zu erfassen.
Der Mensch ist geprägt von der Sehnsucht nach einer jenseitigen Welt, deren Unendlichkeit die Enge des irdischen Daseins überwindet und deren Allmacht der menschlichen Schwachheit beisteht. Dass diese jenseitige Welt keine Fiktion des Menschen ist, wie uns die Vertreter eines Materialismus und Atheismus glauben machen wollen, zeigt uns die Offenbarung des Johannes, die uns einen Blick in diese jenseitige Welt werfen lässt.
Der Blick in die jenseitige Welt wird bezeichnenderweise mit einer Unzahl von Bildern vermittelt, deren Deutung die Menschen bis heute beschäftigt. So wird deutlich, dass jene andere Wirklichkeit zwar real existiert, aber nicht mit den Methoden unserer irdischen Welt wahrgenommen werden kann. Wenn wir auch ihr Wirken in dieser Welt erfahren können, so bleibt uns doch die Gestalt der jenseitigen Welt verborgen. Wir können sie nur mit Bildern der uns vertrauten Welt schildern. Dabei müssen wir uns stets bewusst sein, dass dies eben Bilder sind, die wir nicht als konkrete Aussagen ansehen dürfen.

Allerheiligen

Die jenseitige Welt ist in unserem Diesseits bereits verborgen gegenwärtig. Vielleicht wird dies nirgendwo sonst so deutlich, wie in einem orthodoxen Gottesdienst. Der prachtvoll bemalte Kirchenraum lässt uns einen Blick in den Himmel werfen (sicher mehr, als es unsere barocken Kirchen mit all den Engelchen vermögen). Durch die Ikonen werden die Szenen des Lebens Jesu gegenwärtig gesetzt und sie machen die reale Präsenz Jesu, Maria und der Heiligen unter uns deutlich. Die Gesänge sind ein Widerhall des ewigen Lobgesangs an Gottes Thron.
Zeugen der realen Existenz der jenseitigen Welt sind in ganz besonderer Weise die Heiligen, wobei ich hierunter alle Menschen verstehe, die durch ihr Beten einen festen Stand in dieser und in der jenseitigen Welt haben und in ihrer Liebe das Wirken Gottes erfahrbar machen. Durch die Wunder der Heiligen wird deutlich, wie Gott in unserer Welt zu wirken vermag.
Die Erfahrung des Wirkens Gottes in unserer Welt ist etwas grundlegend anderes als eine Projektion von Menschen, die nicht mit ihrem Leben zurechtzukommen scheinen. Es ist die Erfahrung einer Macht in unserem Leben, die uns bis an die Grenzen unserer Kräfte beanspruchen kann. Die Erfahrung der Heiligkeit bedeutet eine Auseinandersetzung mit allem, was dieser Heiligkeit entgegensteht, eine Auseinandersetzung, die zu einem Kampf bis aufs Blut führen kann.
Wenn wir die Offenbarung des Johannes lesen, so wird deutlich, dass einerseits dieser Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Heiligkeit und Sünde hier auf Erden in vollem Gang ist, dass er aber im Himmel bereits entschieden ist. Jesus Christus, das Lamm Gottes, hat durch seinen Tod und seine Auferstehung bereits auf ewig den Sieg über den Tod bewirkt. Dieser Sieg ist ein endgültiger und wer sich auf die Seite Jesu stellt, wird mit Gewissheit Anteil an diesem Sieg erhalten. Doch es gibt Kräfte, die uns von der Seite des Siegers wegziehen möchten und die uns auf perfide Weise den Untergang schmackhaft machen wollen, indem sie das Leben in Heiligkeit und die ewigen Freuden karikieren und stattdessen das Vergängliche als Erfüllung vorstellen.

Allerheiligen

Hier gilt es wachsam zu sein und die Geister zu prüfen und sich nicht vom Hass erfüllen zu lassen, sondern sich der Macht der Liebe anzuvertrauen. Es gilt zu erkennen, was vergänglich ist und was uns retten kann in die Ewigkeit. Die Rettung kommt vom Lamm Gottes und durch die Teilhabe an seinem Sieg. Der Weg dahin geschieht durch die Taufe. Nichts anderes meint es, wenn es heißt, dass die Heiligen ihre Gewänder im Blut des Lammes weiß gemacht haben. Das weiße Kleid ist Symbol der Taufe und das Blut des Lammes ist das Zeichen seines Todes am Kreuz. Durch die Taufe gehen wir mit Christus den Weg durch den Tod zum Leben. Die Taufe macht uns zu Kindern des Himmels. Durch die Taufe haben wir jetzt schon Anteil an der himmlischen Herrlichkeit. Im Gottesdienst stimmen wir schon hier auf Erden ein in den ewigen himmlischen Lobgesang.

Man braucht nicht leiblich gestorben zu sein, um in seiner Heimat, im Himmel zu leben, wo wir unser Bürgerrecht haben. (Hans Urs von Balthasar)

Wer um dieses Geheimnis weiß, wird sich mit allen Kräften mühen, wie ein Bürger des Himmels zu leben, so dass all sein Denken und Tun wohlgefällig ist in den Augen Gottes. Nicht aus Furcht vor der Strafe des ewigen Gerichtes, sondern im Wissen um die ewige Herrlichkeit. Die Liebe zu Jesus wird unsere Herzen zu ihm hinlenken. So werden wir zu Zeugen für Gott und seinen Sieg und den Triumph seiner ewigen Herrlichkeit.

Zeuge, martys, ist ein Grundwort der Apokalypse. Gemeint sind damit nicht nur jene, die ihr leibliches Blut für Christus vergossen haben, sondern alle, die ihr ganzes Dasein in blutigem Ernst in den Dienst des Lammes stellen. ... Prophet ist nicht der, welcher Zukünftiges anzusagen versteht, sondern das von Gott geschenkte Wort über Gott zu sagen weiß. (Hans Urs von Balthasar)

Jeder kann sich dafür entscheiden, in jene unzählbare Schar der Heiligen zu treten, die hier auf Erden Zeugnis geben von der Herrlichkeit Gottes und die einstimmen in den ewigen Lobgesang vor seinem Thron. Blicken wir auf die Zeugen, die uns vorangegangen sind und reihen wir uns ein in ihren Triumphzug, jeder mit den Gaben und Fähigkeiten, die Gott ihm geschenkt hat.

Allerheiligen
Hoch auf Sockeln erhoben
den Häuptern entrückt
mit leuchtendem Blick
verklärt gen Himmel - verzückt

So stehn sie und schauen
tagein und tagaus
auf alle die kommen
und gehen hinaus

Und stehst du vor ihnen
schaust fragend sie an
können sie Antwort dir geben
wie alles begann?

Willst einem Heilgen begegnen
und Antwort von ihm hörn
musst von dem Sockel ihn reißen
und seine Ruhe störn

Schaust du ihm dann ins Auge
wird wandeln sich sein Blick
vom verklärten Träumen
kehrt er ins Leben zurück

Willst du ihm begegnen
musst du mit ihm gehn
ihn aus der Kirche tragen
mit ihm im Leben stehn

Dann wird er dir zeigen
wie er einst gelebt
wird Weisung dir geben
die dich selbst erhebt

Er kennt ja das Leben
hat selbst geliebt und gelitten
mal wankenden Muts
mal mit tapferen Schritten

In Freuden und Nöten
wird er bei dir sein
deine Liebe dein Leiden
sie sind dann auch sein

Und kommst du dann wieder
in die Kirche hinein
siehst du über den Häuptern
die Freunde dein

Sie blicken nicht mehr
von ferne dich an
du bist einer von ihnen
der heilig sein kann.
Herr Jesus, lass uns unsere Verantwortung erkennen,
die wir für unsere Mitmenschen und die ganze Welt haben,
und schenke uns in deiner Gnade,
dass wir dein Licht in der Welt erstrahlen lassen.
Gott unser Vater,
die Heiligen haben ihr Ziel erreicht.
Sie sind bei dir. Wir sind noch unterwegs.
Wir bitten dich:
Lass alle Menschen dich als ihr Ziel erkennen.
Lass alle Menschen den Weg zu dir finden.
Lass alle Menschen, die Irrwege gehen, umkehren.
Lass uns deinen Willen erkennen und befolgen.
Lass uns Menschen sein, die es anderen leichter machen,
an dich zu glauben.
Lass uns Menschen begegnen, die für uns Wegweiser sind.
Lass uns erkennen, worin die Heiligen und besonders
unsere Namenspatrone uns Vorbild sein können.
Mach uns würdig, Herr,
unseren Mitmenschen überall zu dienen,
die in Armut und Hunger leben und sterben.
Gib ihnen durch unsere Hände heute ihr täglich Brot,
schenke ihnen durch unsere Liebe Frieden und Freude.
Amen.
(Mutter Teresa)