Texte zum Pfingstfest, zum Dreifaltigkeissonntag und zu Fronleichnam

Pfingsten 2011

Der Heilige Geist - Vollendung des Glaubens (Apg 8,5-17)

Im 8. Kapitel der Apostelgeschichte hören wir von einer interessanten Begebenheit. Philippus predigte in Samarien und viele Menschen kamen zum Glauben an Jesus Christus und viele Kranke wurden geheilt. Es herrschte große Freude in dieser Stadt heißt es.

Doch eines fehlte den Glaubenden dort noch: der Heilige Geist. „Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft.“ So schickten die Apostel aus Jerusalem Petrus und Johannes dorthin. Diese „beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist.“

Viele Menschen kommen zum Glauben und es geschehen Wunder. Wir würden das heute sicherlich schon als eine gelungene Mission bezeichnen. Wo kann man so etwas heute noch erleben? Und doch fehlt den neuen Glaubenden etwas ganz Entscheidendes: der Heilige Geist. Ohne ihn ist der Glaube noch nicht vollkommen.

Der Heilige Geist wirkt

Und bei mir? Wie sieht es bei mir aus mit dem Wirken des Heiligen Geistes?

Ich bin getauft auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. In der Firmung habe ich in ganz besonderer Weise das Siegel des Heiligen Geistes empfangen.

Der Heilige Geist wirkt in mir. Ich bin mit seinen Gaben beschenkt. Ich bin in die Welt gesandt, um entsprechend diesen Gaben Gottes Willen zu tun.

Ich aber fühle mich oft kraftlos, irre ab vom Weg des Glaubens, verliere mich in unnützen Dingen. Ich suche die Liebe und vergesse dabei, dass Gott die Liebe ist. Ich suche die Erfüllung meines Lebens und erkenne nicht, dass meine Erfüllung das ist, was Gott in mir grundgelegt hat.

Komm, Heiliger Geist,
komm und belebe mich neu!
Erfülle mich mit deiner Kraft,
führe mich den rechten Weg,
lass mich meine Bestimmung erkennen
und ein erfülltes Leben leben.
Führe mich zum Quell der Liebe
und lass mich aus dieser Kraft leben.
Lass mich so ein Bote der Liebe Gottes sein,
voll Kraft und Weisheit.
Amen.

Der Heilige Geist belebt (Ez 36,1-14) 

Von der belebenden Wirkung des Heiligen Geistes lesen wir beim Propheten Ezechiel (Ez 36,1-14):

„Die Hand des Herrn legte sich auf mich und der Herr brachte mich im Geist hinaus und versetzte mich mitten in die Ebene. Sie war voll von Gebeinen. Sie waren ganz ausgetrocknet. Er fragte mich: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich antwortete: Herr und Gott, das weißt nur du.

Da sagte er zu mir: Sprich als Prophet über diese Gebeine und sag zu ihnen: Ihr ausgetrockneten Gebeine, hört das Wort des Herrn! So spricht Gott, der Herr, zu diesen Gebeinen: Ich selbst bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Da sprach ich als Prophet, wie er mir befohlen hatte, und es kam Geist in sie. Sie wurden lebendig und standen auf.“

Es ist ein beeindruckendes Bild, wenn man sich diese Vision des Propheten konkret vorstellt. Unzählige ausgetrocknete Knochen werden plötzlich wieder zu lebendigen Menschen. Es ist ein Bild für die Macht Gottes und die belebende Kraft des Heiligen Geistes. Wenn Gott zu dem, was in diesem Bild gezeigt wird, fähig ist, was kann er dann erst an lebendigen Menschen wirken!

Das ist auch die Verheißung Gottes, die der Vision folgt:

„So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig.“

Gott hat die Macht des Todes vernichtet und schenkt uns in Jesus Christus Leben in Fülle. Die Bitte um diese Lebenskraft spricht schon die erste Strophe des bekannten Pfingsthymnus aus:

Komm, Heiliger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
nun hauch uns Gottes Odem ein.

Um das lebendige Wirken des Heiligen Geistes an uns zu erfahren, bedarf es keiner besonderen körperlichen Übungen. Wichtig ist das Gebet, alleine für sich und in Gemeinschaft. Die Apostelgeschichte zeigt uns dazu das Vorbild der Jünger Jesu:

Das Vorbild - Betende Gemeinde in Jerusalem (Apg 1,12-14)

„Als Jesus in den Himmel aufgefahren war, kehrten die Apostel vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben:

Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.“

Im Gebet bereiten sich die Apostel mit Maria und anderen Vertrauten auf die Sendung des Heiligen Geistes am Pfingstfest vor. Das Gebet schafft einen Raum, in dem Gott wirken kann. Wir brauchen diesen Raum für Gott auch in unserem Leben. In Gemeinschaft und auch allein beten wir darum, dass wir das Wirken des Heiligen Geistes an uns erfahren.

Das Pfingstereignis (Apg 2,1-11)

„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle an einem Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“

Gewaltig ist der Heilige Geist, er rührt an den Grundfesten unseres Lebens, wie ein Sturm, der hohe Bäume und feste Mauern zum Wanken bringt. Er wirbelt die feinschichtige Ordnung unseres Lebens durcheinander und will, dass wir uns neu ausrichten auf Gott hin.

Der Heilige Geist entreißt uns das, woran wir uns oft krampfhaft festhalten. Er macht uns offen für das Neue, für das, was nicht unserem Denken und Tun entspringt, sondern ganz von Gott kommt und das größer ist als alles, was wir je erdacht und erhofft haben.

Komm, Heiliger Geist, mach auch mein Leben neu! Weh mich hinfort, dass ich mich nicht an mich selber klammere, nicht an die alltäglichen Dinge, sondern mich allein fest mache in Gott.

Der Geist der Grenzen sprengt (Joel 3,1f)

Petrus beginnt seine Pfingstpredigt min einem Zitat aus dem Propheten Joel:

„Danach aber wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben und eure jungen Männer haben Visionen. Auch über Knechte und Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen.“

Die Bewohner Jerusalems brauchen sich nicht zu wundern, als sie die Apostel am Pfingsttag prophetisch reden hören. Bereits durch den Propheten Joel hat Gott angekündigt, dass er über alle Menschen den Heiligen Geist ausgießen wird.

Nun ist diese Verheißung in Erfüllung gegangen. Der Geist ist nicht mehr nur für wenige Auserwählte bestimmt, sondern alle sind auserwählt und dazu berufen, durch den Glauben an Jesus Christus das Heil zu erlangen und mit der Gabe des Heiligen Geistes erfüllt zu werden.

Söhne und Töchter, Alte und Junge, Arme und Reiche, der Geist macht keinen Unterschied zwischen Geschlecht, Alter, Bildung und sozialer Stellung. Alle können sein Wirken erfahren. Das ist eines der Wunder, die der Heilige Geist wirkt. Er durchbricht die Grenzen, die Menschen gegeneinander errichtet haben. Der Geist eint die Menschen durch sein Wirken.

Komm, Heiliger Geist,
durchbrich die Mauern,
die wir um uns errichtet haben.
Eine uns in der Liebe Gottes,
damit unsere Einheit Zeugnis sei
für deine Kraft und Liebe.
Amen.

Pfingsten 2010

Euer Wunsch sei vor allem: den Heiligen Geist zu besitzen und seine heiligen Gnadenwirkungen.

So sagt es der Heilige Franz von Assisi. Von diesem Wunsch getrieben beten wir täglich um Gottes Heiligen Geist. Die kirchliche Tradition lehrt uns die sieben Gaben des Heiligen Geistes, mit denen Gott jeden Menschen beschenken möchte:

Die erste Gabe des Heiligen Geistes ist die Weisheit. Der Heilige Geist, der Geist der Weisheit, belehrt unsere Herzen, damit wir den Willen Gottes erkennen und unser letztes Ziel immer vor Augen haben. Er lässt und die himmlischen Güter allen irdischen vorziehen und den Weg erkennen, der zum ewigen Leben führt.

Der Glaube an Gott gründet nicht auf irgendwelchen Fabeln und Wundergeschichten, sondern ist mit der Vernunft des Menschen einsehbar. Der Heilige Geist, der Geist des Verstandes, erleuchtet unseren Geist, damit wir die Geheimnisse des Heiles recht verstehen und unser Leben im Licht des Glaubens führen.

Der Heilige Geist, der Geist des Rates, steht uns bei in allen Schwierigkeiten und Zweifeln. Er hilft uns, die rechten Entscheidungen im Leben zu treffen, bewahrt uns vor Irrwegen und leitet uns sicher auf den rechten Pfad der Gebote Gottes.

Der Heilige Geist, der Geist der Stärke, lässt uns den als gut und richtig erkannten Willen Gottes auch in die Tat umsetzen. Er steht uns bei in den Versuchungen und Leiden des Lebens und hilft uns, alle Menschenfurcht abzulegen, damit wir den Glauben mutig bekennen, in der Trübsal geduldig ausharren und den Nachstellungen des Teufels standhaft widerstehen.

Der Mensch strebt danach, die Geheimnisse der Schöpfung zu ergründen. Glaube und Wissenschaft widersprechen sich nicht. Der Heilige Geist, der Geist der Wissenschaft, lehrt uns, in den Wunderwerken der Schöpfung die Allmacht, Weisheit und Liebe Gottes zu erkennen, damit wir in den Werken der Schöpfung den Schöpfer preisen.

Wir erfahren uns als Geschöpfe Gottes. Durch unser Leben sollen wir das Lob des Schöpfers verkünden. Der Heilige Geist, der Geist der Frömmigkeit, gibt uns die Gesinnung der Hingabe und des Vertrauens zu Gott und lässt uns Gott anbeten und preisen.

So soll unser ganzes Leben von Gottesfurcht durchdrungen sein. In allem erkennen wir den Gott der Liebe, vor dessen Angesicht wir unser Leben führen. Der Heilige Geist, der Geist der Furcht des Herrn, durchdringt unsere Herzen mit heiliger Ehrfurcht, die der Anfang der Weisheit ist.

Um diesen Geist mit seinen sieben Gaben beten wir. Wir tun dies zusammen mit Maria, die die Braut des Heiligen Geistes genannt wird. Wie ihr der Engel verheißen hat, empfing sie im Heiligen Geist den Sohn Gottes in ihrem Schoß. Nach dem Tod und der Auferstehung Jesu blieb sie im Kreis der Jünger und betete mit ihnen um die Herabkunft des Heiligen Geistes. Wir vertrauen uns ihrer Fürsprache an, dass der Heilige Geist, dem sie so innig verbunden war, auch auf uns herabkommt.

Komm, Heiliger Geist! Komm durchdringe mich mit deiner Kraft, beschenke mich mit deinen Gaben, zeige mir meine Stärken, die ich aus deiner Fülle erhalten habe. Gib mir den Mut, meine Fähigkeiten für andere einzusetzen, damit die Liebe mächtig werde und die Menschen dich erkennen.

Herr, Jesus Christus, sende Deinen Geist über die Erde. Lass ihn wohnen in den Herzen aller Völker, damit sie bewahrt bleiben mögen vor Verfall, Unheil und Krieg. Möge die Frau aller Völker, die selige Jungfrau Maria, die Braut des Heiligen Geistes, unsere Fürsprecherin sein. Amen.

Paraklet – Beistand

Johannes überliefert uns in seinem Evangelium den Titel Paraklet für den Heiligen Geist. Paraklet können wir übersetzen als Tröster und Beistand.

In der frühen Kirche haben die Menschen diesen Beistand des Heiligen Geistes ganz besonders in den Verfolgungen erfahren. Er war es, der ihnen zur rechten Zeit das rechte Wort eingegeben hat, um unerschütterlich den Glauben zu bekennen.

Auch wenn wir heute keine Verfolgungen zu fürchten brauchen, gehört in unserer Gesellschaft doch immer mehr Mut dazu, sich offen zum Glauben zu bekennen. Es ist nicht mehr selbstverständlich, ein Christ zu sein.

Komm, Heiliger Geist! Du unser Beistand! Hilf uns, das rechte Wort zur rechten Zeit zu sagen, und unseren Glauben an Jesus Christus offen zu bekennen.

Paraklet – Tröster

Paraklet bedeutet auch Tröster. In unserem Leben sind wir oft traurig, es läuft nicht so, wie wir es uns vorstellen, plötzlich und unerwartet kommen oft Leiden und Schicksalsschläge über uns. Wir sind oft nahe daran, zu verzweifeln.

Trost bedeutet, dass jemand Ja zu uns sagt, wenn wir um uns herum nur Nein hören, dass uns jemand eine Perspektive eröffnet, wo wir nur verschlossene Türen sehen, dass uns jemand Liebe schenkt, wo wir nur Ablehnung erfahren.

Wir können die tröstende Wirkung des Heiligen Geistes manchmal direkt in unserem Herzen erfahren, aber meist sind es Menschen, durch die der Heilige Geist an uns wirkt, Menschen, die sich von seiner Kraft erfüllen lassen und bereit sind, die Liebe, die sie selbst erfahren haben, weiterzuschenken.

Auch ich kann ein solcher Mensch sein. Es gibt Situationen, in denen ich des Trostes bedarf. Doch es folgen auch wieder schöne Tage, in denen ich dann selbst Tröster sein kann. Der Trost ist Gabe und Aufgabe, die der Heilige Geist uns Menschen mitteilt (vgl. 2Kor 1,3-4). Wenn wir fragen, wem wir den Trost des Heiligen Geistes schenken können, sollten wir die Augen weit öffnen. Vielleicht sind es gerade Momente und Menschen, die wir so nicht erwartet haben, bei denen es unsere Aufgabe ist, zu trösten.

Komm Heiliger Geist, du Geist des Trostes! Komm und tröste uns in all unserer Not und gib auch uns die Kraft, alle zu trösten, die in Not sind!

Himmlischer König, Tröster,
Geist der Wahrheit,
der du allgegenwärtig bist
und das Universum erfüllst,
Schatz der Gnaden,
der du das Leben spendest:
komm und wohne in uns,
reinige uns von allem, was schändlich ist
und rette unsere Seele,
o Gott der Güte.

Pfingsten 2009

Als Jesus noch auf Erden lebte, hat er den Jüngern für die Zeit nach seiner Auferstehung den Heiligen Geist als Tröster und Beistand angekündigt. Bei seiner Himmelfahrt wiederholt Jesus diese Verheißung: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“ (Apg 1,8)

Nach der Himmelfahrt Jesu kehren die Apostel nach Jerusalem zurück und versammeln sich dort, um gemeinsam um den Heiligen Geist zu beten. „Sie alle verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.“ (Apg 1,14)

Diesem Beispiel folgt die Kirche, wenn sie an den neun Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten in ganz besonderer Weise um den Heiligen Geist betet. Dieses Neun-Tage-Gebet (Novene) um den Heiligen Geist ist der Ursprung aller anderen Novenen, die fromme Menschen in ihren Anliegen und Nöten beten.

Diese Novene kann man begehen, indem man täglich den Hymnus „Komm Heiliger Geist – Veni Creator Spiritus“ betet. Dabei kann man bei den einzelnen Versen betrachtend verweilen oder auch zusätzlich eine Schriftstelle betrachten, in der Jesus von der Sendung des Heiligen Geistes spricht. Passend ist auch das Rosenkranzgesätzchen „Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat“.

Wir bitten darum, dass der Heilige Geist zu uns kommen möge, dass Jesus ihn uns senden möge und dass wir uns öffnen für sein Wirken. Der Heilige Geist lehrt uns den rechten Glauben, er zeigt uns, wie wir in unserem Leben den Willen Gottes erfüllen sollen und gibt uns die Kraft, dies auch zu tun.

Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

Sende aus deinen Geist, und alles wird neu geschaffen.

Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern.

Lasset uns beten. Gott, du hast die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes gelehrt. Gib, dass wir in diesem Geist erkennen, was recht ist, und allzeit seinen Trost und seine Hilfe erfahren. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Komm, Schöpfer Geist! – Veni Creator Spiritus!

Der Hymnus Veni Creator, im 9. Jahrhundert von Rhabanus Maurus verfaßt, ist eines der bedeutendsten Gebete zum Heiligen Geist. Die ersten beiden Strophen sollen hier näher betrachtet werden:

Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein,
besuch´ das Herz der Kinder dein,
erfülle du mit Gottes Gnad´
der deinen Herzen, die du schufst.

Diese etwas abgewandelte und sich näher am lateinischen Original anlehnende Übersetzung der ersten Strophe des Hymnus kann uns für ein tieferes Verstehen hilfreich sein. In Zeile zwei und vier kommt das Wort Herz vor. Dies meint die geistige Dimension des Menschen, die das rein Materielle übersteigt. Der Mensch ist nicht nur Körper. Wir merken es selbst, dass wir Gefühle haben, dass wir fähig sind zu lieben, dass wir fähig sind, mit Gott zu sprechen. Dies zeichnet den Menschen vor allen anderen Geschöpfen aus.
Gott selbst hat in den Menschen etwas hinein gelegt, das eine besondere Nähe zu Gott ermöglicht, das den Menschen fähig macht, mit Gott in Beziehung zu treten. Diese Dimension des Menschen ist auch die Tür, durch die der Heilige Geist Zugang zu uns hat. Doch wir müssen ihn einlassen. Als himmlischer Gast tritt er vor unsere Tür, um uns seinen Besuch abzustatten.

Wenn wir den Heiligen Geist in uns einlassen, so nehmen wir Gott selbst auf. Wenn uns der Heilige Geist mit himmlischer Gnade erfüllt, so bedeutet das nicht nur, dass er uns seine Gaben schenkt, sondern dass Gott selbst sich uns schenkt, dass er in uns Wohnung nimmt durch seinen Heiligen Geist. So sagt ja auch Paulus: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1Kor 3,16)

Komm Heiliger Geist, trete bei uns ein, erfülle du uns ganz und forme du unsere Herzen, dass wir ganz nach Gottes Willen leben, dass wir Gottes neue Schöpfung sind, dem Schöpfer zur Ehre.

Schöpfer Geist

Wie der Vater und der Sohn so wirkt auch der Heilige Geist am Werk der Schöpfung mit. Die Schöpfung ist das gemeinsame Werk des einen Gottes in drei Personen. Der Heilige Geist ist es, der alles zusammenhält und lebendig macht. Der Heilige Geist ist es, der die Menschen neu macht zu Kindern Gottes. Wenn wir den Heiligen Geist auf uns herabrufen, so bedeutet das, dass wir uns ganz dem Handeln Gottes überlassen, dass er uns neu macht, damit wir seinen Willen tun.

Hier ist uns Maria ein Vorbild. Sie sprach zu dem Engel: Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort. So hat sie sich ganz dem Wirken des Heiligen Geistes geöffnet. Die schöpferische Macht des Höchsten bildete den Leib Christi, als der Heilige Geist über die Jungfrau Maria kam.

In jedem von uns steckt die Sehnsucht nach diesem neuen Leben in Gott, zu dem uns der Heilige Geist führen möchte. Wir spüren dies in unserer Sehnsucht nach erfülltem Leben, einer Sehnsucht, die nur Gott stillen kann. Doch viele Menschen finden nicht den Weg zu diesem Leben, weil sie sich mit irgendwelchen Ersatzbefriedigungen abgeben. Manche geben resigniert die Suche auf, verkümmern in Eintönigkeit und Langeweile oder enden gar in der Sucht.

Leben beginnt, wenn wir unsere Augen öffnen für das Große, das Gott in jeden Menschen hinein gelegt hat, Leben beginnt, wenn wir den Heiligen Geist an uns wirken lassen. Dann können wir die Enge unserer Häuser und Städte durchbrechen. Wir entdecken eine Weite, die unendlichen Spielraum läßt für das Abenteuer des Lebens.

Komm, Heiliger Geist, komm und schaffe uns neu! Führe uns heraus aus Langeweile und Resignation, führe uns heraus aus der Enge unseres Alltags, führe uns in die Weite des Himmels, führe uns zum wahren Leben, für das Gott uns geschaffen hat!

„Der Heilige Geist ist das höchste Geschenk Gottes an den Menschen, das heißt, das höchste Zeugnis seiner Liebe zu uns, einer Liebe, die konkreten Ausdruck findet im Ja zum Leben, das Gott für jedes seiner Geschöpfe will. Dieses Ja zum Leben erreicht seine vollkommene Gestalt in Jesus von Nazareth und seinem Sieg über das Böse durch die Erlösung.“ (Papst Benedikt XVI.) Beten wir darum, dass wir in der Kraft des Heiligen Geistes zu Zeugen dieses Lebens werden.

Komm, o Heiliger Geist!
Komm, du Kraft Gottes und du Zärtlichkeit Gottes!
Komm, der du Bewegung und Ruhe gleichzeitig bist!
Erneuere unseren Mut,
erfülle unsere Einsamkeit in der Welt,
erschaffe in uns die Intimität mit Gott!
Wir sagen nicht mehr wie der Prophet:
Komm herbei aus den vier Winden,
als wüßten wir noch nicht, woher du kommst;
wir sagen:
Komm, o Geist, aus der durchbohrten Seite Christi am Kreuz!
Komm aus dem Mund des Auferstandenen!

Komm! Besuche! Erfülle!

Die ersten drei Verse des Hymnus Veni Creator enthalten jeweils eine Anrufung des Heiligen Geistes: Komm auf uns herab! Besuche uns! Erfülle uns!

Doch, so fragen wir uns vielleicht, haben wir als getaufte und gefirmte Menschen nicht bereits den Heiligen Geist empfangen? Warum müssen wir ihn immer wieder erneut herab rufen? Auch in der Apostelgeschichte lesen wir, dass der Heilige Geist immer wieder neu auf die Menschen herabkommt (vgl. Apg 4,31) und Paulus ruft selbst aktive Christen auf, sich vom Heiligen Geist erfüllen zu lassen (vgl. Eph 5,18).

Man kann dies so verstehen, dass es immer neue Stufen gibt, in denen der Heilige Geist uns tiefer in das Wirken Gottes einführt. Thomas von Aquin schreibt dazu:

„Es gibt eine unsichtbare Aussendung des Heiligen Geistes jedesmal, wenn sich ein Fortschritt in der Tugend oder ein Zunehmen der Gnade verwirklicht; wenn jemand zu einer neuen Beschäftigung schreitet, oder in einen neuen Stand der Gnade übergeht: zum Beispiel wenn er die Gabe erhält, Wunder zu wirken oder die Gabe der Prophetie, oder wenn er irgend etwas unternimmt, das beschwerlich ist und ihn stark beansprucht.“

Wir dürfen immer wieder um die Gabe des Heiligen Geistes bitten. Aber Vorsicht! Wir sollten dann auch bereit sein, ihn an uns wirken, ihn uns verändern zu lassen.

Der wesentliche Unterschied

Ohne den Heiligen Geist ist Gott fern,
Christus bleibt in der Vergangenheit,
das Evangelium ist toter Buchstabe,
die Kirche eine bloße Organisation,
die Hierarchie eine Herrschaft,
die Mission eine Propaganda,
der Gottesdienst eine Beschwörung,
das christliche Handeln eine Sklavenmoral.

Aber mit dem Heiligen Geist
ist der Kosmos erhöht und erfährt die Geburt des Reiches Gottes,
Christus ist gegenwärtig,
das Evangelium ist Lebenskraft,
die Kirche Zeichen der Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes,
die Hierarchie befreiender Dienst,
die Mission ein Pfingsten,
die Liturgie Gedenken und Vorausnahme,
das menschliche Handeln ist vergöttlicht.

Der Paraklet

Du wirst genannt der Paraklet
bist das Geschenk vom höchsten Gott
bist Lebensquell, Feuer und Lieb´,
der Seele geistlich´ Salbung du.

Der Herabrufung des Heiligen Geistes in der ersten Strophe folgt nun die Lobrede über den Geist. Er ist das Geschenk Gottes, in dem Gott selbst sich uns schenkt und in uns wohnt. Er ist lebendiges (frisches, also nicht abgestandenes) – lebenspendendes Wasser und Feuer zugleich, das Feuer, das uns reinigt und antreibt, das Wasser, das uns erfrischt und kräftigt. Er ist die Liebe Gottes, die alle eint. Seine geistliche Salbung gibt uns Anteil am dreifachen Amt Christi, sie macht uns zu Königen, Priestern und Propheten.

Ein besonderer Titel des Heiligen Geistes ist Paraklet. Das heißt übersetzt Beistand und Tröster. Vor seinem Tod verheißt Jesus seinen Jüngern den Beistand, der für immer bei ihnen bleibt (vgl. Joh 14,17), der für Christus Zeugnis ablegt (vgl. Joh 15,26) und die Jünger in die volle Wahrheit führt (vgl. Joh 16,13).

Der Heilige Geist macht, dass wir verstehen und uns verstanden wissen, dass wir getröstet sind und auf die Hilfe Gottes vertrauen. So werden wir zu Menschen, die hinaus gehen, um Zeugnis für Christus zu geben, er macht uns zu Menschen, die die Nöte anderer Menschen verstehen können und ihnen Trost und Hilfe schenken können.

„Durch unser eigenes Leid, durch unseren eigenen Schmerz, mehr noch: durch unsere eigenen Sünden belehrt, wird unser Sinn und unser Herz vorbereitet sein zu jeglichem Werk der Liebe denen gegenüber, die es nötig haben. Je nach unserer Fähigkeit werden wir Tröster nach dem Bild des Parakleten sein, und zwar in sämtlichen Bedeutungen dieses Wortes: Anwälte, Helfer, Trostbringer. Unsere Worte und unsere Ratschläge, unsere Art des Handelns, unsere Stimme, unser Blick, alles wird freundlich und beruhigend sein.“ (J.H. Newman)

Sequenz über den Heiligen Geist

Des Vaters und des Sohnes Liebe, / alles Guten heil´ge Quelle, / Geist du unser Paraklet.

Aus des dreieinen Gottes Tiefe / komm zu uns, du Strom der Liebe, / dring in unsre Herzen ein.

Dazu erscheine, süße Flamme, / harte Herzen zu umzüngeln, / treib´ die schädlich´ Kälte aus.

Du milder Südwind, uns durchwehe, / und in uns den Brand entfache / heil´ger Lieb´ von Gott geschenkt.

Durch dich seien wir dir vereinigt, / durch dich verbunden unter uns / durch der Liebe festes Band.

Amor patris et filii, / sacer fons totius boni, / Spiritus Paracletus.
De thesauris trinitatis / veni, torrens caritatis, / corda nostra viscere.
Huc emerge, dulcis flamma, / lambe corda indurata, / fuga frigus noxium.
Suavis auster, illabere, / perfla nos adustione, / amoris deifici.
Per te tibi uniamur, / per te nobis connectamur / caritatis foedere.

Geist des Friedens (Joh 20,19-23)

Zum Abschluß wollen wir noch über den Heiligen Geist als Friedensspender nachdenken. In der fünften Strophe des Hymnus heißt es: „Schenke uns bald deinen Frieden.“ Gut passt dazu das Evangelium vom Pfingstsonntag, in dem der Friedenswunsch des Auferstandenen und die Gabe des Heiligen Geistes durch die Worte Jesu „Empfangt den Heiligen Geist!“ eng verbunden sind.

Der Auferstandene tritt in die Mitte seiner Jünger und spricht zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Dieser Friedenswunsch durchzieht die Geschichte des Christentums. Wir gebrauchen zwar nicht mehr den alten jüdischen Gruß „Schalom“, der ein tiefer Friedenswunsch ist, aber doch begegnen wir ihm noch vielerorts. In der Heiligen Messe hat der Friedensgruß seinen festen Platz und die Messe endet mit dem Wort „Gehet hin in Frieden“.

Der Wunsch nach Frieden ist einer der tiefsten Wünsche des Menschen, ein Wunsch, der nur selten seine Erfüllung findet. Immer wieder gibt es Unfrieden, zwischen einzelnen Menschen, zwischen Völkern, Rassen und Religionen. Es ist sicher kein Zufall, dass die Taube sowohl Symbol für den Frieden, als auch für den Heiligen Geist ist.

Der Heilige Geist ist es, der uns den wahren Frieden schenkt, der allein von Gott kommen kann. Dieser Friede ist auf Erden immer durch die Sünde des Menschen gefährdet. Jesus schenkt seinen Jüngern des Heiligen Geist deshalb auch, um durch ihn den Menschen die Vergebung der Sünden zuzusprechen. Durch Umkehr und Vergebung wird der Unfriede der Sünde geheilt.

Den vollkommenen Frieden erwarten wir im Reich Gottes. Dann hört die Begierde, die die Menschen irreleitet und zum Bösen führt, auf und unsere wahre Sehnsucht findet ihre Erfüllung in der ewigen Freude und im Frieden bei Gott. 

Novene zum Heiligen Geist 2008

1. Tag – Freitag

Komm, Heiliger Geist, entzünde in uns das Feuer der göttlichen Liebe!

„Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Röm 5,5)

Gott ist in seinem Wesen Liebe. Er ist die höchste Liebe und kann nichts anderes tun, als lieben. Aus dieser Liebe heraus hat Gott die Welt und uns Menschen geschaffen und er möchte, dass wir seiner Liebe folgen. Unser Ziel ist es, Gott zu lieben und in Gott alles und unseren Nächsten wie uns selbst. Um dieses Ziel zu erkennen und es zu erfüllen, bedürfen wir des göttlichen Beistandes. Gott will uns ja helfen, wenn wir uns nur von ihm helfen lassen möchten. Es ist in ganz besonderer Weise der Heilige Geist, der die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgießt. Wir müssen den hohen Wert der göttlichen Liebe betrachten, damit wir feurig nach ihr verlangen und uns mit allen Mitteln darum bemühen, sie zu erlangen. Gott schenkt sie allen, die demütig darum bitten.

Die Kleine Therese schreibt: „Du fragst mich nach einem Mittel, um zur Vollkommenheit zu gelangen? Ich kenne nur eines, die Liebe.“ Der Weg der Liebe scheint der sicherste zu sein und zwar für Alle. Im Hohelied heißt es: „Stark wie der Tod ist die Liebe.“ „Die Liebe,“ so sagt sich der hl. Franz von Sales, „ist stark wie der Tod, um uns alles vergessen zu lassen, und herrlich wie die Auferstehung, um uns mit Glorie und Herrlichkeit zu umkleiden.“ Verehren wir darum mit heiligem Eifer den Heiligen Geist, der die Liebe in unsere Herzen ausgießt! Nach dem Beispiel der Apostel, die seiner Ankunft mit heiliger Sehnsucht entgegenharrten, wollen auch wir uns auf sein Kommen vorbereiten mit lebendigem Verlangen in Vereinigung mit Maria, der Mutter Jesu.

Komm, Heiliger Geist, entzünde in uns das Verlangen nach der göttlichen Liebe! Gieße die Sehnsucht nach der göttlichen Liebe in uns ein. Entzünde in uns dein Feuer, das alles verzehrt, was uns daran hindert, uns der göttlichen Liebe zu öffnen. Forme unsere Herzen zu Gefäßen, die bereit sind, die göttliche Liebe in sich aufzunehmen und sie weiterzuschenken in die ganze Welt.

2. Tag – Samstag

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Weisheit!

„Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit führen.“ (Joh 16,13)

Viel Wissen macht nicht weise. Weise ist, wer die Liebe hat. Gott ist die Liebe. Die Weisheit findet der, der die Liebe in Gott sucht. Die Liebe Gottes ist jener Schatz, von dem das Evangelium sagt, dass man alles verlassen muß, um ihn zu erlangen. „Sie ist ein unendlicher Schatz und wer ihn findet, wird der Freundschaft Gottes teilhaftig.“ (Weish 7,14) „O Mensch,“ sagt der heilige Augustinus, „warum suchst du Güter? Suche ein Gut, das alle Güter in sich schließt.“ Aber dieses eine Gut können wir nicht finden, wenn wir die irdischen Dinge nicht verlassen. Wer Gott findet, findet alles, was er sich nur wünschen kann. Das menschliche Herz strebt ohne Aufhören nach Gütern, die es beglücken können. Sucht es aber diese Güter bei den Geschöpfen, so wird es, was diese ihm auch bieten mögen, doch niemals zufrieden sein. Wenn unser Herz aber dahin gelangt, nichts anderes als Gott allein zu verlangen, so befriedigt der Herr alle unsere Wünsche.

Ein Fürst begegnete einst auf der Jagd im Wald einem Einsiedler und fragte ihn, was er in dieser Einöde suche. „Und was suchst denn du, mein Fürst?“ erwiderte der Einsiedler. „Ich mache Jagd auf wilde Tiere,“ antwortete jener. „Und ich,“ entgegnete der Einsiedler, „ich suche Gott selbst zu erjagen.“ Als man dem hl. Clemens Gold und Edelsteine anbot, wenn er Christus verleugne, rief der Heilige seufzend aus: „Wie ist es doch möglich, dass man Gott mit ein wenig Staub vergleichen kann!“ Selig ist derjenige, der erkennt, welch ein großer Schatz die Liebe Gottes ist und der ihn dann zu erlangen sucht. „Wenn das Haus brennt,“ sagt der heilige Franz von Sales, „so wirft man alles Gerät zum Fenster hinaus.“ Wenn unser Herz von Liebe zu Gott brennt, werden wir wie von selbst alles Nutzlose aus unserem Herzen werfen.

Bis jetzt habe ich nicht Dich gesucht, o mein Gott, sondern nur mich und die Befriedigung meiner Neigungen und auf diese Weise Dir, meinem höchsten Gut, den Rücken zugewandt. Doch Du, o mein Gott, bist voll Güte gegen jene, die Dich suchen. Geliebter Heiland, ich erkenne, welch großes Übel ich begangen habe, da ich Dich verlassen habe; ich bereue es von ganzem Herzen. Ich erkenne, welch ein unendlicher Schatz Du bist. Ich entsage allem und erwähle Dich zum einzigen Gegenstand meiner Liebe. O mein Gott, o meine Liebe, o mein Alles, ich liebe Dich, ich verlange, ich seufze nach Dir!

Heiliger Geist, komm und vernichte in mir durch das Feuer Deiner heiligen Liebe alle Neigungen, die nicht auf Gott gerichtet sind! Unterrichte mein Herz, damit ich lerne, die himmlischen Güter zu schätzen und zu lieben und sie allen irdischen Gütern vorzuziehen. Hilf mir, immer bereit zu sein, eher alle Ehren, Reichtümer und Freuden dieser Welt hinzugeben, als deine Gnade und das ewige Heil zu verlieren.

3. Tag – 7. Sonntag der Osterzeit

Komm, Heiliger Geist, du Geist des Verstandes!

„Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“ (Joh 17,3)

Für viele scheint die Erkenntnis Gottes unserem Verstand zu widersprechen. Glaube erscheint als etwas Irrationales, das nicht vom rationalen Verstand erfasst werden kann. Dabei ist die Erkenntnis Gottes genau so rational, wie etwa die Naturwissenschaften, nur dass sie sich mit anderen Methoden auf ein anderes Ziel richtet. In den Naturwissenschaften versuchen wir mit Hilfe von Instrumenten die Geheimnisse der irdischen Gesetzmäßigkeiten zu erforschen. In der Theologie versuchen wir, mit Hilfe der Offenbarung das Geheimnis Gottes zu erforschen. Die Natur als Schöpfung und die Offenbarung kommen beide von Gott. Beides können wir mit unserem Verstand erforschen. Dabei richten sich die Naturwissenschaften auf eine irdische, die Theologie auf eine überirdische Wirklichkeit, die aber beide real existieren.

Der Mensch ist von Gott so geschaffen, dass er mit seinem Verstand Gott erkennen kann. Jedoch besteht eines der größten Übel, das die Erbsünde in uns hervorgebracht hat, darin, dass unser Verstand durch die Leidenschaften verfinstert ist. Diese sind ein Dunst, ein Schleier, der uns hindert, die Wahrheit zu erkennen. Doch Gott selbst hat sich uns offenbart, hat uns gezeigt, wie wir ihn erkennen können. Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden und hat uns die Offenbarung in menschlichen Worten überliefert. Durch die Taufe wird im Verstand die Möglichkeit wieder hergestellt, zur Gotteserkenntnis zu gelangen, jedoch bleibt im Menschen der Hang zur Begierde zurück. Daher ist es für jeden Menschen eine Herausforderung, mit Gottes Hilfe die Begierden zu überwinden und ein Leben in Liebe zu führen, wie Gott es will. Die gottlose Begierde ist es ja, die das Gegenteil der Liebe ist und uns von Gott wegführt. Die Liebe aber führt uns hin zu Gott, der selbst in seinem Wesen Liebe ist. Ein christliches Leben nach den Geboten Gottes reinigt auch unseren Verstand und läßt ihn die Wahrheit tiefer erkennen.

Gott selbst führt unseren Verstand immer tiefer in seine Wahrheit ein, indem er uns seinen Heiligen Geist sendet. Der Heilige Geist, der ein „glückseliges Licht“ genannt wird, entflammt mit seinen göttlichen Strahlen nicht nur die Herzen zur Liebe, sondern er verscheucht auch die Finsternis unserer Seele und unseres Verstandes und läßt uns die Eitelkeit aller irdischen, sowie den Wert der ewigen Güter, klar erkennen. Der Mensch, der seine Seele durch sinnliche Begierden befleckt, versteht nur wenig von diesen Wahrheiten. Wer sich aber vom Heiligen Geist führen lässt, der erkennt Gott als den einzig wahren und Jesus Christus als den Sohn, den Gott uns gesandt hat. Im Heiligen Geist erkennt der Mensch, wie er zu leben hat, um ein glückliches Leben, um das ewige Leben zu erlangen, das allein in der Liebe sein kann.

Gott erkennen, heißt die Liebe erkennen. Die Liebe kann nur erkennen, wer auch die Liebe lebt. In der Erkenntnis Gottes müssen sich Verstand und Herz vereinigen, denn letzten Endes übersteigt die Liebe, was wir mit unserem Verstand erfassen können. Der Mensch kann die Liebe nie ganz erfassen, er kann auch Gott nie ganz erfassen. Die göttliche Liebe ist unerschöpflich, in ihrer Erkenntnis kommen wir nie an ein Ende, weil die Liebe immer neu, immer frisch, immer interessant ist. Wir können uns an Gott nie satt sehen. Mit Gott wird es uns nie langweilig und daher ist es die höchste Freude, mit ihm eine „ganze Ewigkeit“ zu verbringen.

Heiliger Geist, ich glaube, dass Du wahrer Gott bist, eins mit dem Vater und dem Sohn. Ich bete Dich an als den Urheber aller Erleuchtungen. Erleuchte mich, laß mich immer mehr die unendliche Liebe Gottes erkennen und verleihe mir die Gnade, von ganzem Herzen zu lieben. Erleuchte meine Seele, damit ich alle Geheimnisse des Heils und Gottes Offenbarungen recht erfasse, sie mit gläubigem Herzen annehme und ihnen gemäß lebe. Würdige mich, dereinst in ewigem Lichte Gott zu schauen und laß mich im Himmel dich mit dem Vater und dem Sohn vollkommen erkennen.

4. Tag – Montag

Komm, Heiliger Geist, du Geist des Rates!

„Wir wissen nicht worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können. Der Geist tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.“ (Röm 8,26f.)

Gott hat mit jedem Menschen einen ganz besonderen Plan. Jeder Mensch hat seinen Platz in der Welt. Niemand ist nutzlos. Doch es gilt, unseren Platz zu finden. Viele richten ihren Weg nur danach aus, was einfach und bequem ist, oder was Reichtum und Ansehen bringt und werden so nicht wirklich glücklich. Selbst wenn wir unseren Weg mit Gott gehen möchten, fällt es uns oft schwer, unseren Platz zu finden. Manchmal irren wir ziellos umher und kommen vom rechten Weg ab. Doch wir haben einen Beistand beim Vater. Es ist der Heilige Geist, der bei Gott für uns eintritt. Wir müssen nicht alles selber machen. Wir dürfen Gott vertrauen, dass er weiß, was gut für uns ist und es uns schenkt, wenn wir das wollen. Gott selbst erweckt in uns das Gebet, damit wir ihn um das bitten, was uns Not tut, und er es uns schenken kann. Wie gering erscheint doch all unser Gebet im Vergleich zu dem Gebet des Heiligen Geistes für uns bei Gott. Vertrauen wir uns daher ganz dem Heiligen Geist an. Erkennen wir, dass wir aus uns selbst nichts haben. Vertrauen wir darauf, dass Gott uns stets durch seinen Heiligen Geist führen wird und wir keine Angst zu haben brauchen.

Heiliger Geist, ich will nicht mehr mir selbst leben, sondern alle mir noch übrigen Lebenstage dazu verwenden, Gott zu gefallen und ihn zu lieben! Darum bitte ich Dich um die Gabe des Gebetes. Komme selbst in mein Herz und lehre mich so zu beten, wie Gott es will. Verleihe mir die Kraft, niemals aus Unlust das Gebet zu unterlassen. Gib mir den Geist des Gebetes, das heißt die Gnade, immer zu beten und Gott um das zu bitten, was ihm gefällt, so dass mein Wille ganz der Wille Gottes werde.

Heiliger Geist, du Geist des Rates, stehe mir bei in allen Nöten, Anliegen und Zweifeln. Aus der zärtlichen Liebe, mit der du mich liebst, erkenne ich, dass du mich selig, dass du mich vollkommen machen willst. Ja, ich will vollkommen werden, um Gott wohlzugefallen und um seine unendliche Güte immer inniger zu lieben. Ich liebe Dich, mein höchstes Gut, meine Liebe, mein Alles, und weil ich dich liebe, so schenke ich mich Dir ganz und ohne Vorbehalt. Laß mich stets das Richtige erkennen und wählen. Schenke mir die Gnade, deinen Eingebungen treu zu folgen, die Gebote genau zu beobachten und das ewige Leben zu erben.

5. Tag – Dienstag

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Stärke!

„Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.“ (Mt 10,19f.)

Der Heilige Geist gibt Mut und verleiht Stärke, er gibt Kraft zum unerschrockenen Bekenntnis zu Gott. Mehr noch, er gibt uns auch die Worte ein, die wir sprechen sollen, um für Christus Zeugnis zu geben. Wer sich zum Glauben bekennt, wird immer wieder in Auseinandersetzungen geraten. Gerade in unserer Gesellschaft ist es wieder in besonderer Weise nötig, fest im Glauben zu stehen und über den Glauben sprechen zu können. Viele Menschen sind dem Christentum gegenüber nicht nur indifferent, sondern sogar feindlich gesonnen. Wir dürfen als Christen den falschen Meinungsmachern nicht das Feld überlassen. Bitten wir um den Heiligen Geist, dass wir stets die richtigen Worte finden, um für unseren Glauben einzutreten.

Die Martyrer haben ihren Glauben bis in den Tod bezeugt. Von der hl. Luzia heißt es, dass sie vor Gericht unerschrocken, voll heiliger Freude, laut ihren Glauben bekannte. Darüber geriet der heidnische Richter in Wut und sprach: „Wenn es zum Geißeln kommt, dann werden dir die Worte schon vergehen.“ Doch Luzia erwiderte: „Wer Gott dem Herrn dient, ist um ein passendes Wort nicht verlegen. Denn Jesus hat gesagt: Seid nicht besorgt, wie oder was ihr vor Königen und Richtern reden sollt, in jener Stunde wird euch eingegeben, was ihr reden sollt; denn nicht ihr seid es, die da reden, sondern der Geist eures Vaters ist es, der in euch redet.“ Da fragte der Richter: „Wohnt denn der Heilige Geist in dir?“ Und Luzia antwortete: „Alle, die ein keusches und gottesfürchtiges Leben führen, sind Tempel des Heiligen Geistes (vgl. 1Kor 3,16).“

Wenn wir nach Gottes Willen leben, so sind wir Tempel des Heiligen Geistes. Betrachten wir dieses wunderbare Wort. Wir sind fähig, den Heiligen Geist in uns zu tragen und ihn durch uns in die Welt hinausstrahlen zu lassen. Bitten wir den Herrn, so zu leben, dass wir dieser Würde entsprechen. Bitten wir darum, dass der Heilige Geist uns in allen Entscheidungen unseres Lebens immer das Richtige eingibt und uns antreibt, es zu erfüllen.

Heiliger Geist, du Geist der Stärke, gib meinem Herzen Kraft und Standhaftigkeit. Stärke es in aller Verzagtheit und Not. Verleihe mir Kraft wider die Nachstellungen meiner Feinde, damit ich in keiner Versuchung unterliege. Lasse mich nie von dir, o Gott, getrennt werden.

6. Tag – Mittwoch

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Wissenschaft!

„Der Herr hat dem Menschen die Wissenschaft des Geistes erschaffen und hat sein Herz mit Einsicht erfüllt und ihm gezeigt, was böse und was gut ist.“ (Weish 17,7)

Wissenschaft und Frömmigkeit, die Wahrheit in Liebe verkünden – Wissenschaft und Glaube, beide gehören zusammen. Durch viele Jahrhunderte hindurch galt die Theologie als die erste Wissenschaft. In früheren Zeiten wäre es undenkbar gewesen, über die Schöpfung nachzudenken, ohne auch über den Schöpfer nachzudenken. Wenn wir daran glauben, dass die Welt von Gott geschaffen ist – und glauben heißt, dass wir es nicht nur als unsere persönliche Meinung annehmen, sondern dass wir davon überzeugt sind, dass es so ist – so hat alle Beschäftigung mit dem, was in der Welt geschieht, auch mit Gott zu tun. Viele der großen Wissenschaftler bis ins Hohe Mittelalter hinein werden bis heute als Heilige verehrt. Für Thomas von Aquin, einem der größten Wissenschaftler aller Zeiten, wäre Wissenschaft ohne Frömmigkeit undenkbar gewesen. All sein Nachdenken über Gott und seine Werke wußte er von Heiligen Geist geleitet.

Gott, der den Menschen geschaffen hat, hat dem Menschen auch den Verstand gegeben und will, dass er ihn in rechter Weise gebraucht. Gott hat dem Menschen die Welt übergeben hat, damit er in ihr lebt und sie für sich nutzt. Er hat dem Menschen auch die Fähigkeit gegeben, diese Welt zu verstehen, um sie sich nutzbar zu machen. Gott will, dass der Mensch seine Fähigkeiten entfaltet. Dazu gehört auch, dass er sich weiterentwickelt und durch neue Erfindungen sein Leben verbessert, dass er Wissenschaft betreibt und sein Wissen mehrt. Der Mensch muß sich aber auch immer fragen, ob neues Wissen und neue Entwicklungen auch wirklich einen Fortschritt bringen und vor allem, ob sie helfen, Leben zu fördern. Wenn menschliches Leben bei Gott so wertvoll ist, so muß der Mensch selbst auch darauf achten, den Wert des menschlichen Lebens zu schützen. Daher ist Forschung gut, wenn sie ein solches „Mehr“ an Leben für den Menschen bringt. Wenn aber Forschung dazu dient, am Leben des Menschen herumzuexperimentieren, wenn sie den Menschen zu einem bloßen Gegenstand der Wissenschaft macht, zu einem Ding, mit dem man beliebig umgehen kann, das man töten kann, wann man will und vielleicht auch produzieren kann, wann man will, so ist eine solche Wissenschaft nicht „im Sinne des Erfinders“ und wird dem Menschen zum Schaden gereichen. „Dass der Mensch jetzt nicht die Hand ausstreckt und auch vom Baum des Lebens nimmt!“ (Gen 3,22) Die Macht über das Leben hat Gott für sich zurückbehalten. Dies sollte der Mensch um seiner selbst willen akzeptieren.

Gott hat dem Menschen den Verstand gegeben, damit er sein Wissen mehrt und Leben fördert. Gott selbst ist es, der den Verstand des Menschen erleuchtet durch seinen Heiligen Geist. Bitten wir Gott um den Geist der Wissenschaft, damit er alles Denken und Forschen der Menschen leitet. Empfehlen wir dem Heiligen Geist all unser Studium, unser Denken und Forschen an, damit es uns näher hinführt zu Gott und uns hilft, die Lebensqualität für alle Menschen auf dieser Erde zu verbessern. Heiliger Geist, laß mich klar erkennen, wie ich Gott am besten dienen, seinen Ruhm und seine Ehre fördern und mein Heil finden kann. Leite meine Wißbegierde, damit ich nichts zu wissen und zu kennen wünsche, das mir schädlich oder unnütz ist.

7. Tag – Donnerstag

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Frömmigkeit!

„Die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.“ (Joh 4,23)

Der Heilige Geist ist es, der unser Beten leitet. Er gibt uns die Worte ein, wie wir beten sollen, er zeigt uns, worum wir Gott bitten sollen. Ihm wollen wir uns ganz überlassen, damit wir zum Tempel werden für ihn und damit unser Leben dem Vater wohlgefällig sei. „Ich lasse ihn mein Leben leiten. Ich warte und ich lasse mich tragen.“ So drückt Charles de Foucauld seine Bereitschaft für den Willen Gottes aus. Er betet:

„Mein Vater, ich überlasse mich dir; mach mit mir, was dir gefällt. Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir. Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an. Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt und an allen deinen Geschöpfen, so ersehne ich weiter nichts, mein Gott. In deine Hände lege ich meine Seele. Ich gebe sie dir, mein Gott, mit der ganzen Liebe meines Herzens, weil ich dich liebe und weil diese Liebe mich treibt, mich dir hinzugeben, mich in deine Hände zu legen, ohne Maß, mit einem grenzenlosen Vertrauen. Denn du bist mein Vater.“

Heiliger Geist, lenke du mein Denken und Tun, bereite mich zu deinem Tempel. Bis jetzt habe ich noch nichts für dich getan, während du doch so Großes für mich vollbracht hast! Heiliger Geist, erwärme du, was kalt ist, und entzünde in mir eine große Sehnsucht nach Gott. Du wolltest in der Gestalt feuriger Zungen erscheinen, daher will ich dir meine Zunge weihen, damit ich mit ihr Gott lobpreise und den Menschen seine machtvollen Taten und seine unendliche Barmherzigkeit verkünde. Ich liebe dich, mein höchstes Gut, ich liebe dich, o Gott der Liebe! Laß mich dich doch immer mehr und immerfort lieben!

Heiliger Geist, du Geist der Frömmigkeit, schenke meinem Herzen wahre Gottseligkeit und heilige Liebe zu Jesus Christus. Entzünde in mir den Eifer für die Ehre des Allerhöchsten und laß mich ganz deinem heiligen Dienst geweiht sein. Möge durch deine Gnade mein Leben ein immerwährendes Lob- und Dankgebet vor dem Herrn werden.

8. Tag – Freitag

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Gottesfurcht!

„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ (Lk 12,49)

Wir haben in den letzten Tagen um die Bereitschaft gebetet, den Heiligen Geist zu empfangen, haben darum gebetet, offen zu sein für sein Wirken, offen zu sein für das, was Gott mit uns tun will, bereit, uns ihm ganz zu schenken. Wir haben um die Sehnsucht gebetet, immer mehr nach seiner Liebe zu verlangen, dass Gott uns schenken möge, erfüllt vom Heiligen Geist, ganz von Liebe zu brennen, damit wir Gott über alles und in Gott alles lieben.

Die Liebe Gottes ist ein Feuer, das brennt und entflammt. Sie brennt sich ein in die Herzen der Menschen, die sie empfangen. Jesus Christus versichert uns, dass er gerade deshalb auf die Erde gekommen ist, um unsere Herzen mit diesem heiligen Feuer zu entflammen. Er wünscht nichts anderes, als dass dieses Feuer sich entzünde: „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu senden und was will ich anders, als dass es brenne?“

Deshalb wollte auch der Heilige Geist den Jüngern in der Gestalt feuriger Zungen erscheinen. Aus demselben Grund lehrt uns die heilige Kirche beten: „Wir bitten Dich o Herr, der Heilige Geist möge uns mit jenem Feuer entzünden, das unser Herr Jesus Christus auf die Erde gesandt hat, und das er in allen Herzen mächtig brennen sehen wollte.“ Dieses heilige Feuer entflammte die Heiligen dazu, große Dinge für Gott zu unternehmen, ihre Feinde zu lieben, nach Verachtung zu verlangen, allen Gütern dieser Welt zu entsagen, Marterqualen und sogar den Tod freudig zu erdulden. Wie wundervoll wäre es, wenn dieses Feuer auch in uns brennen würde. Wir würden erkennen, wie gering doch alle Annehmlichkeiten dieser Welt sind im Vergleich zu Gottes unendlicher Liebe. Wir würden erkennen, wie einfach doch das Leben ist, und dass nur wir selbst es sind, die es sich immer wieder schwer machen. Wir könnten die trennende Mauer überwinden, die zwischen uns und Gott steht.

Dies alles können wir nicht aus uns. Wir können es, wenn Gott es uns schenkt. Gott will es uns ja schenken, aber wir sind so verschlossen. Wir denken, wie schön das doch alles wäre, aber wenn es konkret daran geht, das eigene Leben so zu ändern, dass wir näher zu Gott kommen, dann erscheint uns plötzlich alles mögliche wichtiger, als diesen Schritt zu tun. Der Versucher will uns daran hindern und nur allzu leicht lassen wir ihn gewähren.

Heiliger Geist, du Geist der Gottesfurcht, komm in unsere Herzen, entfache in ihnen das Feuer göttlicher Liebe! Ziehe mich hin zu Dir, treibe mich an, mein Leben so zu ändern, dass es Gott wohlgefällig ist. Treibe mich an zu heiligem Eifer und Gebet. Durchdringe mein ganzes Wesen mit heiliger Furcht, damit ich Gott allzeit vor Augen habe und sorgfältig alles meide was ihm mißfallen könnte und allezeit bereit bin, das zu tun, was ihm gefällt. 

9. Tag – Samstag

Komm Heiliger Geist, du Geist des Sturmes, des Feuers und der Kraft!

„Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.“ (Apg 2,2f.)

Sind wir bereit, den Heiligen Geist zu empfangen? Der Heilige Geist kommt mit Kraft, aber doch braucht es unsere Bereitschaft, ihn einzulassen. Wenn er aber kommt, dann ist er kein schüchternes leises Seuseln, das nahezu unbemerkt daherschleicht. Nein. Er kommt wie ein heftiger Sturm, mit mächtigem Brausen. Wir lesen es im Pfingstbericht der Apostelgeschichte. Sein Getöse läßt die ganze Stadt vor dem Haus der Apostel zusammenlaufen. Wo der Geist weht, bleibt er nicht unbemerkt und wie das Brausen des Geistes nicht unbemerkt bleibt, so bleibt auch der nicht unbemerkt, der den Heiligen Geist empfangen hat.

Vielleicht fragen wir uns: Habe ich den Heiligen Geist? Und wenn ich ihn habe, wie sollen das die Leute merken? Wie soll ich verkünden? Wer so denkt, der kennt den Heiligen Geist noch nicht wirklich. Wer von Gott berufen ist, den treibt der Geist hin an seinen Platz und er bleibt nicht unerkannt. Die Jünger drängt es nach draußen, sie müssen die großen Taten Gottes verkünden und die Menschen strömen herbei, um sie zu hören.

Jesus sagt einmal zu Nikodemus: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ (Joh 3,8) Der Wind läßt sich nicht einfangen und der Heilige Geist läßt sich nicht vom Menschen zu etwas zwingen. Er ist immer Geschenk. Er ist Liebe und Liebe läßt sich ja bekanntlich auch nicht erzwingen. Wenn zwei Menschen sich lieben, so geschieht das ganz plötzlich. Plötzlich ist etwas da, was es vorher nicht gab, ganz unerwartet, unkalkulierbar. So kommt auch der Heilige Geist, ganz plötzlich, unkalkulierbar. Doch wenn er dann da ist, wissen wir: Er ist es.

Das Wirken des Geistes steht nicht in der Macht des Menschen. Der Mensch kann nur immer wieder Gott demütig um die Gabe des Heiligen Geistes bitten und offen sein für sein Wirken. Wenn der Heilige Geist aber kommt, so bleibt er nicht unbemerkt. Gewaltig, machtvoll, wie Sturm und Feuer, beeindruckend, großartig, unübertrefflich. Wie sehr wünschen wir uns, diese Kraft des Heiligen Geistes zu erfahren. Wie sehr brauchen wir auch in unserer Zeit den Heiligen Geist, brauchen wir Menschen, die sich von seiner Kraft treiben lassen, Menschen, die vom Feuer des Heiligen Geistes brennen und die mit ihrem Leben und ihrer Verkündigung auch andere entzünden können.

Komm, Heiliger Geist, du Geist des Sturmes und der Kraft! Durchwehe unsere Welt. Entzünde Menschen, entzünde mich mit der Flamme der göttlichen Liebe. Treibe mich in die Welt hinaus zu den Menschen, denen du dich kundtun willst, bring durch mich dein Feuer auf die Erde. Heiliger Geist, lass mich tapfer Gottes Taten tun in dieser Welt mit deiner Kraft.

Pfingsten 2008

Als der Pfingsttag gekommen war, sprachen alle in gleicher Weise: Halleluja

In der Apostelgeschichte wird uns das Pfingstereignis sehr lebendig geschildert. Machtvoll, kraftvoll, in Sturm und Feuerzungen kommt der Heilige Geist herab. Die Pfingstikone von der Herabkunft des Heiligen Geistes drückt das Pfingstereignis scheinbar so anders aus, kein Sturm, keine Feuerzungen, nur ganz schwache Strahlen, die auf jeden der zwölf Apostel und auf Maria niedergehen. Keine Volksmenge, keine „berauschte“ Predigt des Petrus, sondern Ruhe. Die Zwölf scheinen ruhig in trauter Runde sitzen zu bleiben.

Doch der Maler wollte auf eine andere Weise genau das ausdrücken, was an Pfingsten geschehen ist. Die Gaben des Geistes sind vielfältig, Bekenntnis zu Jesus Christus als den Herrn, Zeugnis vor den Machthabern, Vergebung des Sünden, ... Und über allem steht die Liebe, die der Heilige Geist uns schenkt. Wer die zwölf Apostel genau ansieht, der erkennt, dass jeder anders ist. Alle haben ein Buch oder eine Schriftrolle in der Hand und gestikulieren. Jeder der Zwölf hat auf seine Weise das Evangelium von Jesus Christus verkündet. Es war eben nicht nur Petrus, der am Pfingsttag vor die Menge trat. Alle waren, wie es auch sehr schön in der Antiphon heißt, am Pfingsttag zusammen und alle haben sie gesprochen. Alle Apostel haben in ihrem Leben ihren je besonderen Verkündigungsdienst geleistet, erfüllt vom Heiligen Geist. Alle haben sie den Glauben an Jesus Christus bezeugt, viele von ihnen bis in den Tod.

Die Apostel sind Individuen und doch sind sie eine Gemeinschaft. Ich denke, dass dies in dieser Ikone besonders schön zum Ausdruck kommt. Gott beruft die Menschen in ihrer Verschiedenheit. Jeder hat seine besonderen Gaben und der Heilige Geist läßt diese erkennen und hilft, sie zu leben und vervollkommnen. Jeder der Apostel ist ein Individuum, und doch sind sie eine Gemeinschaft, sie sitzen in trauter Runde beisammen, einmütig. Der Heilige Geist ist es, der sowohl die Originalität der Individuen fördert, als auch ihre Gemeinschaft stiftet.

Die Zwölf sind vereint im einen Geist zu dem einen Ziel: Jesus Christus in der Welt zu verkünden. Die Welt ist die Finsternis, die noch nicht vom Licht des Glaubens an Jesus Christus erleuchtet ist. Diese Welt ist symbolisch in Form der schwarzen Pforte in der Mitte unten dargestellt. Zur Erläuterung steht dort auch in griechischen Buchstaben geschrieben: „Ho Kosmos“. Ein König erscheint dort als Repräsentant aller Völker. In der Hand hält er ein Tuch mit zwölf Buchrollen. Das ist die Verkündigung der zwölf Apostel, die in die ganze Welt hinaus geht. Nur wenn jeder der Zwölf seinen ganz persönlichen Verkündigungsauftrag in Gemeinschaft mit den anderen erfüllt, kann die Welt das Licht der Wahrheit, das Licht des Lebens, das Licht Jesu Christi empfangen.

Jeder Christ ist gesendet. Jeder Christ ist Individuum, hat seine ganz persönlichen Gaben und seinen ganz persönlichen Auftrag. Es ist der Heilige Geist, der uns hilft, diesen zu erkennen und zu erfüllen. Allein können wir nichts tun. Der Heilige Geist macht uns auch nicht zu Einzelkämpfern, sondern führt uns zusammen in der Gemeinschaft der Glaubenden. Gemeinsam sind wir stark. Nur wenn jeder an seinem Platz und in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche im Heiligen Geist seine Aufgabe erfüllt, gelingt die Verkündigung des Evangeliums. Dazu treibt uns der Heilige Geist und danach verlangt die Welt. Auch heute. 

Pfingsten 2007

Was hat es mit Pfingsten eigentlich auf sich? An Pfingsten geht die 50-tägige Osterzeit zu Ende. Das Wort „Pfingsten“ kommt vom griechischen „pentecoste“ und bedeutet „der Fünfzigste“, nämlich „der 50. Tag nach Ostern“. Weißt du, was an Pfingsten gefeiert wird? Nein? Dann geht es dir wie den meisten Erwachsenen.

An Pfingsten feiern wir den „Geburtstag“ der Kirche. Das kam so:

Als Jesus gekreuzigt wurde, waren die Jünger zuerst sehr traurig und verloren jede Hoffnung. Doch nach Jesu Auferstehung an Ostern schöpf-ten sie neuen Mut. Eines Tages sagte Jesus zu ihnen, sie würden bald „mit dem Heiligen Geist" getauft werden. Danach fuhr er vor ihren Augen in den Himmel auf. Deswegen feiern wir übrigens 40 Tage nach Ostern Christi Himmelfahrt. Zehn Tage später kamen sie alle in Jerusalem zu-sammen, um das jüdische Erntedankfest Schawuot zu feiern – denn Jesus und die Jünger waren ja Juden. Die Bibel erzählt, was dann passiert ist:

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.

Das Pfingstfest soll uns wieder neu dazu ermuntern, täglich um den Hei-ligen Geist zu beten, dass er uns mit dem Feuer seiner Liebe entflamme und uns zu Zeugen Gottes mache.

Heiliger Geist, Du Geist der Liebe, gewähre uns ein neues Pfingsten in Deiner Kirche, hier an diesem Ort, in dieser Zeit. Bereite uns für die Gaben, die Du uns schenken möchtest.

Atme in mir, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges denke.
Treibe mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges tue.
Locke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges liebe.
Stärke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges hüte.
Hüte mich, du Heiliger Geist, daß ich das Heilige nimmer verliere. Amen.

Pfingsten 2006

Vor wenigen Tagen haben wir das Fest Christi Himmelfahrt gefeiert. Es scheint so, als habe Jesus mit seiner Himmelfahrt die Welt verlassen und sitzt nun zur Rechten des Vaters – weit weg von uns Menschen. Läßt er uns allein zurück und überläßt er die Welt und die Kirche ihrem Schicksal? An Pfingsten feiern wir, daß dem nicht so ist. Jesus selbst hat gesagt: „Es ist gut für euch, daß ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden; ... er wird euch in die volle Wahrheit führen.“ (Joh 16, 7.13)

Das irdische Leben Jesu ist zu Ende gegangen. Doch durch seine Auferstehung und Himmelfahrt kann Jesus auf ganz neue Weise bei uns sein. War sein irdisches Leben an den engen Umkreis des Landes Israel gebunden, so kann er nun überall und zu allen Zeiten jedem einzelnen Menschen nahe sein. Als Zeichen seiner Gegenwart hat er uns den Heiligen Geist gesandt. Durch seine Menschwerdung, sein Leben, seine Lehre, seinen Tod und seine Auferstehung hat Christus uns alles über Gott offenbart. Doch selbst die Apostel, die lange Zeit mit ihm beisammen waren, haben Christus nicht verstanden. Erst der Heilige Geist bewirkt dieses Verstehen. Erst am Pfingsttag wurde den Aposteln der ganze Gehalt der Botschaft Jesu offenbar. Der Heilige Geist ist es, der dieses Verstehen in jedem einzelnen Menschen auch heute bewirkt. Wenn wir gläubig in der Heiligen Schrift lesen, erschließt er uns den Willen Gottes und zeigt uns, was das Wort Gottes konkret für das Leben jedes einzelnen bedeutet. Die Heilige Schrift ist ja kein Buch, das von vergangenen Ereignissen berichtet, sondern sie will mir auch heute sagen, wer Gott ist und wie ich zu leben habe. Bitten wir den Heiligen Geist vor jedem Lesen in der Heiligen Schrift, das wir täglich tun sollten, um seinen Beistand.

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Vom Heiligen Geist erfüllt verkündeten die Apostel Gottes große Taten. Menschen von überall her konnten sie verstehen. Christus wollte, daß alle Gläubigen eins sind in der Gemeinschaft der Kirche. Bitten wir den Heiligen Geist ganz besonders darum, daß er die Kirche eine und aufbaue und daß sie die Taten Gottes auch in der heutigen Zeit so verkündet, daß alle Menschen guten Willens sie verstehen können. Bitten wir um dieses Feuer der Liebe das die Apostel erfüllt hat, daß es auch in der heutigen Zeit nicht an Menschen fehlt, die in Wort und Tat Zeugnis von Gott geben, bitten wir darum, daß wir selbst immer mehr zu diesen geisterfüllten Zeugen werden, jeder an der Stelle, wo Gott ihn hingestellt hat. Bitten wir darum, daß wir mit diesem Zeugnis auch heute die Herzen der Menschen treffen und so zu Mitarbeitern Gottes zum Heil der Welt werden.

Das Wort "Pfingsten" kommt von dem griechischen Wort "pentekóste", was auf deutsch "der fünfzigste Tag" bedeutet. Pfingsten wird nämlich 50 Tage (7x7+1, was der Zahlensymbolik nach Überfülle bedeutet) nach Ostern gefeiert. Pfingsten ist auch der Geburtstag der Kirche und das kam so: Die Jünger von Jesus hatten sich 50 Tage nach Ostern in Jerusalem versammelt, als der Heilige Geist - der Geist Gottes - in Gestalt von Feuer auf sie herabkam. Die Apostel konnten plötzlich in allen möglichen Sprachen reden und sie erzählten den Menschen von Jesus Christus. Diese Fähigkeit hatte ihnen der Heilige Geist gegeben. 

Texte zum Dreifaltigkeitssonntag

Dreifaltigkeit als Lebensform  

In der Spiritualität von Arnold Janssen, dem Gründer der Steyler-Missionare, hat die Verehrung der heiligsten Dreifaltigkeit einen ganz besonderen Stellenwert. Diese Verehrung bedeutet für ihn nicht nur die Anbetung des dreifaltigen Gottes, sondern stellt vielmehr eine Lebensform dar.

Wir glauben an den dreifaltigen Gott, das bedeutet ja, dass wir an einen Gott glauben, der zwar einer ist, der aber in dieser Einheit zugleich auch Beziehung ist. Gott schließt sich nicht als der vollkommen Eine, als ein sich selbst genügendes „Ich“ von allem anderen ab. In Gott ist von allem Anfang an die Bewegung von sich selbst weg zum anderen hin, ist schon immer auch das „Du“. Daher ist er offen für eine Beziehung zu seiner Schöpfung und somit auch zum Menschen.

Wir sind dazu berufen, mit Gott in Beziehung zu treten und das bedeutet, dass wir hinein genommen sind in die Beziehung, die schon immer in Gott selbst ist. Durch Jesus Christus, der unser Menschsein angenommen hat, treten wir ein in die Beziehung zum Vater im Heiligen Geist. „Je tiefer ein Mensch in Christus ruht, desto klarer schaut er ihn als die zweite göttliche Person, eins mit dem Vater und dem Heiligen Geist; denn der Blick auf den Gottmenschen Jesus Christus öffnet die Sicht auf die heiligste Dreifaltigkeit.“

Unsere Heimat ist bei Gott, in ihm sind wir geborgen und geliebt. Wer das erfahren hat, findet zu jener Gelassenheit, die ausstrahlen kann in diese Welt, denn er hat das Reich Gottes erfahren, das jetzt aus ihm strahlt. Er glaubt an die Liebe. Das ist sozusagen das Leben der Dreifaltigkeit in uns. Dieses Leben der Dreifaltigkeit drängt danach, zum Leben zwischen uns und andern zu werden.

Dreifaltigkeit bedeutet Beziehung und das meint immer auch ein Sich-Schenken. Wir können Gott nicht denken ohne diese Bewegung, die sich schenkt, die annimmt und verbindet. Somit kann ein Denken, das von der Dreifaltigkeit ausgeht, nur zu einer Leidenschaft für die anderen und zu einem Sein mit den anderen führen. „Unser Leben soll zu einer Antwort werden auf Seine Liebe und auf Seinen Heilswillen, der uns geoffenbart wurde durch Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, in dessen Geist wir Zugang zum Vater haben.“ So schreibt Arnold Janssen in seiner Ordensregel.

Somit hat der Glaube an den dreifaltigen Gott, der uns zunächst so unverständlich und vom Alltag abgehoben erscheinen mag, eine immens praktische Bedeutung. Glaube bedeutet Beziehung. Wir leben den Glauben, indem wir mit den Menschen um uns in eine Beziehung treten, die geprägt ist von der Liebe, die Gott schon immer in sich selbst ist und in die er uns hinein genommen hat.

Zu einer tieferen Durchdringung dessen, was Dreifaltigkeit bedeutet, möchte ich hier einen Text von Papst Benedikt XVI. aus dem Buch „Der Gott Jesu Christi“ zitieren:

„Wie oft haben wir schon gedankenlos das Kreuzzeichen gemacht und dabei den Namen des Dreieinigen Gottes angerufen? Von seinem ursprünglichen Sinn her ist dies jedes Mal Tauferneuerung, Aufnehmen der Worte, mit denen wir zu Christen gemacht wurden, und Aneignung dessen, was uns in der Taufe ohne unser Zutun und Nachdenken geschenkt wurde, in unser persönliches Leben hinein. Denn damals wurde über uns Wasser ausgegossen und dabei das Wort gesprochen: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Die Kirche macht den Menschen zum Christen, indem sie den Dreifaltigen Gott nennt. Sie drückt auf diese Weise seit ihren Ursprüngen aus, was sie für das eigentlich Entscheidende am Christsein ansieht: den Glauben an den Dreieinigen Gott.

Das enttäuscht uns. Es ist so weit weg von unserem Leben. Es ist so nutzlos und so unverständlich. Wenn schon Kurzformel, dann erwarten wir etwas Anziehendes, Aufregendes, etwas, dessen Wichtigkeit für den Menschen und sein Leben sich unmittelbar aufdrängt. Und doch kommt es eben auf dies an, was hier gesagt wird: Im Christentum geht es nicht zuerst um die Kirche oder um den Menschen, sondern um Gott. Seine eigentliche Orientierung geht nicht auf unsere Hoffnungen, Befürchtungen und Wünsche, sondern auf Gott, auf seine Hoheit und Macht. Der erste Satz christlichen Glaubens, die Grundorientierung christlicher Bekehrung lautet: Gott ist.

Gott ist – christlicher Glaube fügt hinzu: Gott ist als Vater, Sohn und Heiliger Geist – dreifaltig-eins. Ein verlegenes Schweigen umgibt in der Christenheit weithin diesen ihren Mittelpunkt. Hat die Kirche sich damit nicht zu weit vorgewagt? Sollten wir nicht lieber so Großes, so Unzugängliches in seiner Unzugänglichkeit belassen? Kann solches überhaupt etwas für uns bedeuten? Nun, gewiss, dieser Satz ist und bleibt Ausdruck der Andersheit Gottes, der unendlich größer ist als wir, all unser Denken und Sein überschreitet. Aber wenn er uns gar nichts zu sagen hätte, wäre sein Inhalt nicht offenbart worden. Ja, er konnte überhaupt nur in menschliche Sprache gefasst werden, weil er ein Stück weit in menschliches Leben und Denken eingedrungen war.

Was also heißt das? Beginnen wir an der Stelle, an der auch Gott begonnen hat. Er nennt sich Vater. Menschliche Vaterschaft darf eine Ahnung geben von dem, was er ist. Aber allein von Gott selbst her wissen wir, dass Vaterschaft verlässliche Güte ist, dass Gott allem Anschein zum Trotz nicht spielt mit der Welt, sondern sie zuverlässig liebt. Dazu musste Gott selber sich zeigen, die Bilder umstürzen und ein neues Maß aufrichten. Dies geschieht im Sohn, in Christus.

Im Gebet Jesu wird uns das Innere Gottes selbst sichtbar. Sein ganzes Leben ist betend hineingehalten in den Abgrund der Wahrheit und der Güte, der Gott ist. Erst von diesem Sohn her erfahren wir wirklich, was Vater ist. In seinem Gebet ist es aufgeleuchtet, und dieses Gebet gehört gründend zu ihm. Ein Jesus ohne das ständige Hineinversenktsein in den Vater, ohne die ständige innerste Kommunikation mit ihm, wäre ein völlig anderes Wesen als der Jesus der Bibel, der wirkliche Jesus der Geschichte. Er hat aus der Mitte des Gebets gelebt, von da aus Gott und die Welt und die Menschen verstanden. Mit den Augen Gottes die Welt anschauen und so leben: das heißt ihm nachfolgen. Von ihm her wird sichtbar, was es heißt, ganz aus dem Satz zu leben: Gott ist. Er hat dieser Mitte Sinn gegeben. Er zeigt, was sie ist.

Zum Vater gehört genauso das Sohnsagen wie zu Jesus das Vatersagen. Er wäre ohne diese Anrede ebenfalls nicht der gleiche. Jesus rührt nicht nur von außen an ihn, er gehört zum Gottsein Gottes, als Sohn. Bevor noch die Welt geschaffen wird, ist Gott schon Liebe von Vater und Sohn. Er kann deshalb unser Vater und Maß aller Vaterschaft werden, weil er seit ewig selbst Vater ist.

Glaube an den Dreieinigen Gott ist nichts anderes als Auslegung dessen, was im Gebet Jesu geschieht. In seinem Gebet leuchtet Dreieinigkeit auf. Aber wieso Dreieinigkeit, wird man jetzt fragen. Zweieinigkeit, das haben wir begriffen, das ist nach dem Gesagten einsichtig. Aber woher kommt plötzlich der Dritte?

Bloße Zweieinigkeit, darf man sagen, gibt es gar nicht, weil entweder das Gegenüber, die Zweiheit, verbleibt und dann keine wirkliche Einheit wird oder die beiden verschmelzen und so die Zweiheit zurückgenommen ist. Vater und Sohn werden nicht so eins, dass sie sich wieder ineinander auflösen. Sie bleiben gegenüber, denn die Liebe gründet im Gegenüber, das nicht aufgehoben wird. Wenn sie so jeder er selbst bleiben und sich nicht gegenseitig aufheben, dann kann ihr Einssein nicht in jedem Einzelnen für sich bestehen, sondern in der Fruchtbarkeit, in der jeder sich selber schenkt und jeder er selber ist. Sie sind eins dadurch, dass ihre Liebe fruchtbar ist, dass sie über sie hinausgeht. Im Dritten, in dem sie sich selbst verschenken, im Geschenk, sind sie je selbst und sind sie eins.

Der Name der dritten göttlichen Person ist ja – anders als „Vater“ und „Sohn“ – kein Ausdruck für etwas Spezifisches, sondern er benennt ja gerade das Gemeinsame Gottes überhaupt. Darin klingt aber nun doch das „Eigene“ der dritten Person auf: er ist das Gemeinsame, die Einheit von Vater und Sohn, Einheit in Person.

Wir wurden auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. Christwerden heißt von da aus: mit Christus Vater sagen und so Kind, Sohn Gottes werden, in der Einheit des Geistes, der uns selber sein lässt und uns gerade so einbezieht in die Einheit Gottes. Christsein heißt: aus dieser Mitte die Welt ansehen und von da aus frei werden, hoffend, entschieden und getrost.“

Drei in Liebe einer

Wie kann Gott in drei Personen einer sein? Irdisch können wir nur drei denken oder eins, eine Einheit in der Dreiheit scheint uns unmöglich. Auf Erden ist das auch unmöglich. An körperlichen Dingen haben wir entweder drei oder eines. Gott übersteigt die Welt und unser Denken, aber dennoch können wir ihn erkennen. Ich denke, dass es in ganz besonderer Weise die Liebe ist, die uns Einblick gibt in das Geheimnis Gottes. Auch die Liebe ist etwas, das unsere Welt und unser Denken übersteigt, sie ist nicht allein mit dem Verstand, mit der Ratio zu erklären und ist so in gewisser Weise irrational. 

Wir müssen immer wieder versuchen, aus unserem durch die Naturwissenschaften verengten Denken auszubrechen. Nur dann erschließt sich uns die ganze Wirklichkeit. Die Liebe ist naturwissenschaftlich nicht erklärbar. Dass zwei Menschen zusammen finden, dass sie – wie es auch die Heilige Schrift sagt – eins werden, ist mehr als die Folge irgendwelcher hormonellen Prozesse. Die Körper bleiben getrennt, aber die Seelen haben zusammen gefunden. Freilich ist beim Menschen diese Einheit stets unvollkommen und – leider – niemals vor Entzweiung sicher. 

In Gott aber sind der Vater, der Sohn und der Heilige Geist vollkommen und unzertrennlich eins in der Liebe. Da Gott nicht körperlich ist, bleiben auch keine getrennten Körper, die diese Einheit äußerlich nicht erkennen ließen. Weil Gott in seiner Liebe vollkommen ist, kann es bei ihm keine Trennung dieser Einheit geben.

Wenn wir sagen, dass der Vater den Sohn gezeugt hat, so wenden wir menschliche Begriffe auf Gott an. Wir dürfen uns diese Zeugung nicht irdisch vorstellen. Es soll dadurch nur eine Relation, eine Beziehung, ausgedrückt werden. Jeder Mensch hat einen Vater, von dem er abstammt. Die Zeugung durch diesen Vater macht das Sohnsein aus. So ist auch der Sohn Gottes deshalb Sohn, weil er vom Vater abstammt, auch wenn wir uns nicht vorstellen können, wie dies in der Ewigkeit geschieht.

Der Vater ist der Schöpfer von allem. Alles aber ist durch den Sohn geschaffen. Auf diese Weise hat der Sohn Gottes eine ganz besondere Beziehung zu dieser Welt, die sogar so eng ist, dass er selbst in ihr Mensch werden kann. Nicht der Vater ist Mensch geworden, sondern der Sohn. Der Ewige kommt in die Zeit und bleibt doch der ewige Gott. Es ist wohl unmöglich, das Verhältnis von Gott und Welt genau zu erklären, aber doch muß es viel enger sein, als wir es oft denken. Ewigkeit und Zeit sind keine Gegensätze. Obgleich sie grundlegend verschieden sind, besteht dennoch eine ständige Beziehung zwischen beiden. Gott ist seiner Schöpfung immer nahe. Der Sohn war nur für eine bestimmte Zeit in der Welt und hat das Werk der Erlösung ausgeführt, das Gott in seiner Liebe beschlossen hat. Er hat sich wieder zur Rechten des Vaters gesetzt, aber er hat für uns alle den Weg zum Himmel eröffnet.

Vom Vater hat der Sohn den Heiligen Geist in die Welt gesandt. Der Heilige Geist ist es, der das Werk des Sohnes auf Erden weiterführt und vollendet. Er ist es, der die Menschen in die Wahrheit einführt und sie den Weg zum Vater lehrt, den der Sohn für uns vorausgegangen ist. Der Heilige Geist ist das Band der Liebe, das alle eint. Gott ist in sich einer in der Liebe. Auch wir sind in diese Liebe gerufen. Wären Vater und Sohn als vollkommen Liebende allein, würden sie in Liebe verschmelzen und es bliebe kein Platz mehr für diese Welt. Der Heilige Geist ist es, der die Liebe Gottes offen hält für alle. Die Vollendung der Liebe (Consummatio Caritatis, vgl. Richard von St. Viktor) kann nur sein, wenn zwei Liebende sich in einem dritten lieben, den sie ebenso geliebt wissen wollen. Nur in der Dreiheit kann sich die vollkommene Liebe Gottes zeigen. Weil Vater und Sohn sich im Heiligen Geist lieben, bleibt der Raum der Liebe unendlich offen. Gott will uns alle in diese Liebe mit hineinnehmen. In diese Liebe zu gelangen, ist das Ziel unseres Lebens.

Liebe kann nur in Freiheit sein. Daher muß der Mensch auch in diese Liebe Gottes hineingelangen wollen. Das macht die Liebe so kompliziert, denn wir müssen uns in aller Freiheit ganz für sie entscheiden. Und scheinbar gäbe es so vieles, das erstrebenswerter ist als diese Liebe. Die Welt ist voll von Annehmlichkeiten und Genüssen. Aber diese bieten nur eine kurze Befriedigung, nur ein kurzes Glück. Die Liebe Gottes aber macht unendlich glücklich.

Herr und Gott, lass uns allzeit nach Deiner Liebe streben. Mach uns auf dieser Erde schon zu Liebenden und lass uns in der Ewigkeit vollkommen eins sein in der Liebe mit Dir und untereinander.

Sehnsucht

Nach dir sehnt sich mein Herz in der Nacht, ich sinne über dich nach, wenn ich wache. (Ps 63)

In der Nacht erwachen und plötzlich an den Menschen denken, den ich liebe, an meine große Liebe, die Frau, die ich verehre oder den Mann meiner Träume. Der Wunsch, beisammen zu sein, vielleicht auch die bange Frage, wo geht die Liebe hin, wird sie bleiben?

Sehn-Sucht: Von diesem Sehnen nach dem geliebten Menschen nicht mehr ablassen wollen, unabläsig an den geliebten Menschen denken wollen; und im Herzen entsteht ein Gefühl von Liebe.

Nach dir sehnt sich mein Herz in der Nacht, ich sinne über dich nach, wenn ich wache.

In der Nacht erwachen und plötzlich an Gott denken, den ich liebe, an Gott, der die Liebe ist, der mir nahe ist, überall und allezeit und dessen Liebe niemals endet, der mir aber doch verborgen ist.

Herr, mein Gott, mehre in mir die Sehnsucht nach dir, dass es meine allergrößte Freude ist, bei Tag und Nacht an dich zu denken. Laß mich deine Liebe und meine Liebe zu dir im Herzen spüren. Laß mich dich über alles und in dir alles und auch den geliebten Menschen lieben.

Texte zum Fronleichnamsfest

Spuren der Liebe

Die Gaben, die wir in der Eucharistiefeier zum Altar bringen, sind einfach, Brot und Wein. Und doch sind sie Symbol für unser ganzes Leben. Brot ist die Nahrung unseres Alltags. Es ist lebensnotwendig. Wein hingegen trinken wir an besonderen Festtagen. Er ist eine Gabe zu unserer Freude. So zeigen Brot und Wein, was notwendig ist in unserem Leben, die Mühen des Alltags, aber auch die Freuden des Festes. In allem will Gott uns nahe sein.

Diese Gaben werden auf dem Altar verwandelt. Das Brot wird Christi Leib, der Wein wird Christi Blut. Christus tritt ein in unsere Existenz und wandelt unser Leben, damit er unser Leben wird. Jesus will nicht nur eine Beigabe zu unserem Leben sein, keine Freizeitbeschäftigung, kein Hobby, sondern er will unser Leben selbst sein. Alltag und Fest, Freude und Mühe, in allem will er bei uns sein, alles soll in ihm für uns seinen Sinn und seine Erfüllung finden.

Bei der Kommunion empfangen wir die gewandelten Gaben. In ihnen empfangen wir Christus selbst. Er geht ein in uns. Er ist die Speise für unser Leben, er ist die Nahrung, von der wir satt werden, die den Hunger unserer Seele stillt, den wir mit keinem Geld der Welt befriedigen können. „Jesus sagt: ‚Nehmt und esst! Das ist mein Leib.’ Nehmt, esst, empfangt mich selber, meinen Leib, meine Seele, meine Gottheit, mich ganz und gar. Nehmt und trinkt, das ist mein Blut, für euch für die Vergebung der Sünden vergossen.“ (Kardinal Schönborn)

Die Eucharistie, das Brot des Lebens, essen wir nicht nur, wir beten sie auch an, weil sie nicht nur ein Zeichen für Jesus Christus ist, sondern weil Jesus Christus selbst in ihr gegenwärtig ist. Wir beten vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, tragen den Leib des Herrn an Fronleichnam durch die Strassen. Glaubend dürfen wir vertrauen, dass Jesus da ist, mitten unter uns, nicht nur in der Kirche, sondern auf allen Wegen unseres Lebens.

Er ist da, Jesus ist immer bei mir, er ist meine Freude, mein Leben. Möge diese Erfahrung in mit immer lebendiger werden.

Adoro  

„Gottheit tief verborgen, betend nah ich Dir“, so heißt es im Hymnus, den der Heilige Thomas von Aquin im Jahre 1264 zur Feier des Fronleichnamfestes geschrieben hat (GL 546). Der lateinische Urtext beginnt mit dem Wort „adoro“, ich bete an. Anbetung ist die Haltung, die wir dem Herrn im Allerheiligsten Altarsakrament entgegenbringen sollen. Was heißt Anbetung? Sie ist letztlich der Ausdruck davon, daß alles was wir sind und haben, von Gott kommt. Wir verdanken uns ihm ganz. Gott, der die vollkommene Liebe ist, hat aus dieser Liebe heraus die Welt erschaffen und in ihr den Menschen als sein Bild. Ziel des menschlichen Lebens ist so im Letzten, daß der Mensch auf diese Liebe wieder mit Liebe antwortet, indem er Gott als seinen Schöpfer ehrt und in Frieden lebt mit seinem Schöpfer und der Schöpfung.

Doch die Geschichte der Menschheit beginnt damit und ist voll davon, daß der Mensch nicht in dieser Liebe leben möchte. Jeder von uns erfährt es wohl tagtäglich an sich selbst, wie mühsam, ja scheinbar unmöglich es ist, in Liebe und Frieden zu leben. Auch Gott weiß um diese Schwäche des Menschen. Doch Gott möchte die freie Antwort des Menschen, Liebe bedarf ja gerade der Freiheit. „Als Gott sein edles Geschöpf, den Menschen, wiedergewinnen wollte, sagte er zu sich selbst: Zwinge ich ihn gegen seinen Willen, so habe ich einen Esel, keinen Menschen. Denn er wir keineswegs von selbst und aus freien Stücken zu mir kommen ... Soll ich Eseln mein Reich anvertrauen? Oder soll ich als Gott um Ochsen werben?“ Schließlich wird Gott selber Mensch, damit dieser ihn mit der selben Liebe lieben kann, wie Gott ihn liebt.

Der Glaube daran, daß Gott selbst um unseretwillen Mensch geworden ist, macht es uns vielleicht nicht unbedingt leichter, in dieser Welt als liebende Menschen zu leben, aber er macht uns Hoffnung. Dieser Glaube zeigt uns, daß wir nicht allein es sind, die sich mühen müssen. Gott ist bei uns in allen Situationen unseres Lebens. Wenn wir zu verzweifeln drohen, kann er uns Kraft geben. Gläubig bekennen wir in der Eucharistie die bleibende Gegenwart des Herrn. Wir gedenken seiner Menschwerdung, seines Todes und seiner Auferstehung, all dessen, was Gott für uns getan hat. Erfüllt von diesem Glauben gehen wir heute hinaus auf die Straßen um den Menschen Zeugnis zu geben von der Hoffnung, die uns erfüllt. Von der Hoffnung, daß es einen Gott gibt, der Liebe ist, dem es wirklich um den Menschen geht. Christus ist die Mitte unseres Lebens. All unser Tun und Denken soll auf ihn hin ausgerichtet sein und in ihm seinen Ursprung und sein Ziel haben. Er gibt uns die Kraft dazu, so zu leben.

Nachdem der Heilige Thomas von Aquin sein ganzes Leben lang gelehrte theologische Texte geschrieben hat, bekennt er am Ende seines Lebens, daß all dies nur dann Sinn macht, wenn es näher zu Gott führt. Denn das Ziel aller Theologie ist die Anbetung, das gläubige Bekenntnis, das der Apostel Thomas gesprochen hat: „Mein Herr und mein Gott“. Hier auf Erden können wir das nur im Glauben erfassen und müssen in gläubigem Vertrauen darauf, daß die Liebe stärker ist, trotz aller Widerstände in uns und von außen uns um die Liebe mühen. Nach dem Tod erst kommt das Schauen. Dann werden wir auch das Geheimnis der Eucharistie erfassen, wenn wir teilnehmen am ewigen Hochzeitsmahl im Reiche Gottes, bei dem Christus sich selbst uns schenkt und wir in Liebe vollkommen eins werden mit ihm und untereinander.

Fronleichnam B 2006

In diesen Tagen feiern wir das Fronleichnamsfest. Es ist der Tag im Jahr, an dem wir als katholische Kirche der Welt in ganz besonderer Weise zeigen, was wir sind und glauben, indem wir Christus im Allerheiligsten Sakrament des Altares durch die Straßen tragen. Was würden Sie antworten, wenn jemand Sie fragt, warum wir das tun? Die Eucharistie, die wir an diesem Tag besonders verherrlichen, ist Quelle und Höhepunkt allen christlichen Lebens. Doch was bedeutet das für mich? Wie kann man es erklären, daß die gewandelte Hostie wirklich der Leib Jesu Christi ist? Selbst bei so manchem Katholiken stößt dieser Glaube auf Unverständnis.

Die Hostie besteht zunächst einmal aus Brot. Wenn sie auch im Laufe der Geschichte ihre ganz besondere Form erhalten hat, so dürfen wir doch nicht vergessen, daß sie ein Stück Brot ist. Brot gilt als unsere Nahrungsgrundlage. So bringen wir mit den Hostien das an den Altar, was uns das Überleben in dieser Welt sichert. Wir bringen im Brot die Gaben der Schöpfung, die Gott uns zur Nahrung gegeben hat. Wir danken Gott, daß er unsere Bitte aus dem Vater Unser um das tägliche Brot erhört. Christus hat gerade Brot ausgewählt, um darin der Welt seine Gegenwart zu schenken. Er will uns damit zeigen, daß er für unser Leben noch wichtiger ist, als das tägliche Brot. Er will uns zeigen, daß das, was unser Leben ausmacht, mehr ist, als das Irdische. So hat man auch oft die Brotbitte im Vater Unser als Bitte um die Eucharistie gedeutet. Ich denke, daß immer beides zusammengehört: die irdische Speise, ohne die wir nicht überleben können und die himmlische Speise, die uns zeigt, daß es noch mehr gibt als das Irdische.

In der Eucharistiefeier wird Brot, wird Schöpfung, in den Leib Christi verwandelt. Dies ist möglich, weil Christus selbst Mensch geworden ist auf dieser Erde. Er, der Gott ist, wurde für uns Mensch. Gott hat die Welt nicht nur erschaffen, sondern selbst in ihr gelebt. Somit ist Schöpfung fähig, Göttliches aufzunehmen. Eine Welt, in der Gott Mensch geworden ist, kann nicht mehr so sein, wie vorher. Wenn Christus in einem menschlichen Leib auf der Erde leben konnte, was wundert es uns, daß er in der Gestalt des Brotes auch heute leibhaft gegenwärtig ist? Christus hat die Welt nicht verlassen, sondern bleibt auch nach seiner Himmelfahrt bei uns, und dies nun auf neue, auf universale Weise.

Wir reden von der Kirche als den Leib Christi. Die Einheit, zu der Christus uns berufen hat, ist so stark wie die der Glieder eines Leibes. Was diesen Leib eint und verbindet, ist die Eucharistie. Indem wir die Eucharistie feiern und essen, werden wir immer mehr verwandelt in den Leib Christi. Doch ist das kein Automatismus. Paulus mahnt, daß der, der den Leib Christi empfängt, sich erst prüfen soll, ob er dessen würdig ist, damit diese Speise ihm nicht zum Gericht wird. Somit ist es unsere Aufgabe, unser Leben immer mehr dem Leben Christi anzugleichen. Mühen wir uns mit Gottes Hilfe redlich darum. Dann können wir auch feierlich durch die Straßen ziehen und der Welt zeigen, was wir sind: Leib Christi.

Fronleichnam A 2005

Die Eucharistie – Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens

In dieser Woche feiern wir das Fronleichnamsfest Dieses Fest ist ganz bestimmt von der Verehrung Christi im allerheiligsten Altarsakrament. Wenn wir Christus durch unsere Straßen tragen, geben wir Zeugnis von der Hoffnung, die uns erfüllt.

Schon von Anfang an ist dieses Geheimnis der Eucharistie aber auch zum Stein des Anstoßes geworden. Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben, murrt die Menge nach einer Rede Jesu. Auch heute ist vielen Menschen unverständlich, was Eucharistie eigentlich bedeutet und es ist schwer, dieses Geheimnis in wenigen Sätzen angemessen zu erklären.

Die Eucharistie ist die Vergegenwärtigung dessen, was Christus für unser Heil getan hat. Am Abend vor seinem Leiden feierte er mit seinen Jüngern sein letztes Mahl und zeigt ihnen, was sie in Zukunft zu seinem Gedächtnis tun sollen. Am Karfreitag geschieht dann, was Jesus seinen Jüngern angekündigt hat: Seinen Leib und sein Blut gibt er am Kreuz hin für das Leben der Welt. Nur in Christus sind Leben und Heil. Wir brauchen uns das Heil nicht selbst durch irgendwelche Utopien aufzubauen, die doch schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind. Nur weil Christus sich für uns hingegeben hat, ist für uns das Heil möglich. Christus hat sich ganz den Menschen ausgeliefert, in seiner grenzenlosen Liebe ist er für uns ans Kreuz gegangen. Doch er hat den Tod besiegt und ist nun als der Auferstandene mitten unter uns, daher ist das Kreuz nicht das Ende, sondern der Anfang neuen Lebens.

Christus will, daß wir diese seine Heilstat immer wieder neu vergegenwärtigen, er schenkt sich uns immer wieder neu, damit wir in ihm leben können. In jeder Eucharistiefeier wird Christus in Brot und Wein gegenwärtig. Welches Volk hätte Götter, die ihm so nah sind, wie unser Gott, sagen schon voll Freude die Israeliten im Alten Testament. Und für uns gilt diese Freude um so mehr. In welcher Religion gibt es einen Gott, der sich ganz in die Hände der Menschen gibt, der sich ganz ausliefert, der von Liebe zu den Menschen brennt?

Indem wir gläubig den Leib Christi essen, werden wir in seinen Leib verwan-delt. Es ist nicht wie beim Essen von irdischer Nahrung. Diese wird durch die Verdauung zu Nährstoffen des Körpers verarbeitet und von unserem Körper aufgenommen. Bei der himmlischen Nahrung geschieht das Gegenteil. Durch sie werden wir verwandelt in den Leib Christi. Indem wir als Gemeinde an seinem Leib teilhaben, verwandelt Christus uns in seinen Leib, jeder einzelne wird so zu einem Glied des Leibes Christi. Durch die Eucharistie wird die Gemeinde aufgebaut, die Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens.

Doch die Gegenwart Christi in Brot und Wein ist nicht beschränkt auf die Zeit, in der die Geimeinde versammelt ist, sondern besteht weiter fort. Dies ist der Grund für die eucharistische Frömmigkeit. Das einmal gewandelte Brot bleibt Leib Christi. Daher können wir ihn in der Monstranz anschauen und verehren. Chrisus will so auch zu den Zeiten, in denen keine Hl. Messe gefeiert wird, leibhaft unter uns gegenwärtig bleiben. Wir können so mit ihm näher vertraut werden, indem jeder einzelne in Stille zu ihm kommen kann und ihn ansehen kann. Es ist wie bei Liebenden. Sie möchten immer Zeit zusammen verbringen und sich in ihrem Zusammensein nicht auf wenige Stunden im Jahr beschränken. So lädt Christus uns ein, immer wieder zu ihm zu kommen. Er blickt in Liebe auf uns und wir können ihn ansehen und ihn so immer besser kennenlernen. Diesen liebenden Blick Christi tragen wir an Fronleichnam durch unsere Straßen. Nicht, daß Christus sonst nicht sehen könnte, was in der Welt geschieht, er ist ja überall gegenwärtig. Aber doch ist diese leibhafte Gegenwart Christi doch nocheinmal etwas ganz anderes als seine geistige.

Suchen wird daher oft seine Gegenwart auf, um uns von ihm verwandeln zu lassen. Leben wir als neue Menschen, wie wir sie durch die Taufe geworden sind. Lassen wir uns immer wieder erneuern durch die Feier und den Empfang der Eucharistie und durch die stille Anbetung vor dem Allerheiligsten.

Zur Entstehung des Fronleichnamsfestes

Die Anregung zu diesem Fest entstammt einer Vision der heiligen Augustinernonne Juliana von Lüttich (+ 5.4.1258) und wurde im Bistum Lüttich 1246 eingeführt. Am 11. August 1264 erhob Papst Urban IV. (1261 - 1264), zuvor Erzdiakon in Lüttich, Fronleichnam als "Fest des Leibes Christi" (lat. festum corporis Christi, festum corpus domini) - im Deutschen mit dem Wort "vronlichnam" = Herrenleib wiedergegeben - zum allgemeinen kirchlichen Fest. 1311 wurde es unter Papst Clemens V. (1305 - 1314) auf dem Konzil von Vienne bestätigt und 1317 unter Papst Johannes XXII. endgültig weltweit angeordnet. 1264 fanden in Rom, Münster und Orvieto die ersten Fronleichnamsfeien statt, 1273 in Benediktbeuern, 1274 in Köln, 1276 in Osnabrück.