Herrenfeste

Fronleichnam

1.Lesung A

Dtn 8,2f.14-16

Mose sprach zum Volk: Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich während der vierzig Jahre in der Wüste geführt hat, um dich gefügig zu machen und dich zu prüfen. Er wollte erkennen, wie du dich entscheiden würdest: ob du auf seine Gebote achtest oder nicht. Durch Hunger hat er dich gefügig gemacht und hat dich dann mit dem Manna gespeist, das du nicht kanntest und das auch deine Väter nicht kannten. Er wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern dass der Mensch von jedem Wort lebt, das aus dem Mund des Herrn hervorgeht.
Nimm dich in Acht, dass dein Herz nicht hochmütig wird und du den Herrn, deinen Gott, nicht vergisst, der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat; der dich durch die große und Furcht erregende Wüste geführt hat, durch Feuernattern und Skorpione, durch ausgedörrtes Land, wo es kein Wasser gab; der für dich Wasser aus dem Felsen der Steilwand hervorsprudeln ließ; der dich in der Wüste mit dem Manna speiste, das deine Väter noch nicht kannten.

1.Lesung B

Ex 24,3-8

In jenen Tagen kam Mose und übermittelte dem Volk alle Worte und Rechtsvorschriften des Herrn. Das ganze Volk antwortete einstimmig und sagte: Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir tun. Mose schrieb alle Worte des Herrn auf. Am nächsten Morgen stand er zeitig auf und errichtete am Fuß des Berges einen Altar und zwölf Steinmale für die zwölf Stämme Israels. Er schickte die jungen Männer Israels aus. Sie brachten Brandopfer dar und schlachteten junge Stiere als Heilsopfer für den Herrn. Mose nahm die Hälfte des Blutes und goss es in eine Schüssel, mit der anderen Hälfte besprengte er den Altar. Darauf nahm er die Urkunde des Bundes und verlas sie vor dem Volk. Sie antworteten: Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir tun; wir wollen gehorchen. Da nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Das ist das Blut des Bundes, den der Herr aufgrund all dieser Worte mit euch geschlossen hat.

1.Lesung C

Gen 14,18-20

In jenen Tagen brachte Melchisedek, der König von Salem, Brot und Wein heraus. Er war Priester des Höchsten Gottes. Er segnete Abram und sagte: Gesegnet sei Abram vom Höchsten Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, und gepriesen sei der Höchste Gott, der deine Feinde an dich ausgeliefert hat. Darauf gab ihm Abram den Zehnten von allem.

2.Lesung A

1Kor 10,16-17

Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.

2.Lesung B

Hebr 9,11-15

Christus ist gekommen als Hoherpriester der künftigen Güter; und durch das erhabenere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Welt ist, ist er ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen, nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut, und so hat er eine ewige Erlösung bewirkt. Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer Kuh die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, dass sie leiblich rein werden, wieviel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst kraft ewigen Geistes Gott als makelloses Opfer dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen. Und darum ist er der Mittler eines neuen Bundes; sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt, damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten.

2.Lesung C

1Kor 11,23-26

Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Evangelium A

Joh 6,51-58

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.
Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich Speise, und mein Blut ist wirklich Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

Evangelium B

Mk 14,12-26

Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm schlachtete, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten? Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm, bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann? Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles für uns vor! Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf. Während sie nun bei Tisch waren und aßen, sagte er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern, einer von denen, die zusammen mit mir essen. Da wurden sie traurig, und einer nach dem andern fragte ihn: Doch nicht etwa ich? Er sagte zu ihnen: Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes.
Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.

Evangelium C

Lk 9,11b-17

In jener Zeit redete Jesus zum Volk vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten. Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort.
Er antwortete: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für all diese Leute Essen kaufen. Es waren etwa fünftausend Männer. Er erwiderte seinen Jüngern: Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen. Die Jünger taten, was er ihnen sagte, und veranlassten, dass sich alle setzten.
Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Und alle aßen und wurden satt. Als man die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.
Fronleichnam

Hochfest des Leibes und Blutes Christi

Der deutsche Name des Festes "Fronleichnam" gibt die ursprüngliche lateinische Bezeichnung wieder: "Festum Ss. Corporis Christi" - Fest des Allerheiligsten Leibes Christi. Fron (oder vron) ist eine altdeutsche Bezeichnung für Herr und lichnam bedeutet lebendiger Leib, so dass das Fest Fronleichnam das Fest des Leibes des Herrn ist.
In der Neufassung des Messbuches nach dem 2. Vatikanum heißt es "Hochfest des Leibes und Blutes Christi". Damit soll deutlich werden, dass die Verehrung des Leibes Christi im Allerheiligsten Sakrament auch die Verehrung des Kostbaren Blutes Christi einschließt. Dieser Gedanke findet sich auch schon in den Texten zur Einführung des Festes, so dass diese Umbenennung durchaus dem ursprünglichen Sinn des Festes entspricht.

Die Visionen der heiligen Juliana von Lüttich

Große Heilige werden von der Kirche manchmal nicht mit offenen Armen empfangen, besonders dann nicht, wenn sie sich auf besondere Offenbarungen berufen. So war auch ein großer Teil des Lebens der heilige Juliana ein Leidensweg mit der Kirche. Doch ihre Standhaftigkeit und Gottverbundenheit haben der Kirche ein Geschenk gebracht, das sie bis heute in Ehren hält: das Fronleichnamsfest.
Der Beginn des 13. Jahrhunderts, die Zeit, in der Juliana lebte, war geprägt von einer tiefen eucharistischen Frömmigkeit. Besonders die Diözese Lüttich, die Heimat Julianas, zeigte sich zu jener Zeit als ein wirklicher "eucharistischer Abendmahlssaal" (Benedikt XVI.). Dort haben berühmte Theologen den hohen Wert der Eucharistie erläutert und es gab Gruppen von Frauen unter der Leitung frommer Priester, die sich für die eucharistische Anbetung und den würdigen Empfang der Kommunion einsetzten.
Im Alter von fünf Jahren zur Waisen geworden, wird Juliana in einem Frauenkloster erzogen, in das sie dann auch selbst eintritt. Besonders innig erfuhr sie die Gegenwart Christi in der Eucharistie, die für sie die Worte Jesu lebendig werden ließen:

Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20)

Mit sechzehn Jahren, im Jahr 1209, hatte sie ihre erste Vision, die sich dann mehrfach während der eucharistischen Anbetung wiederholte. Sie sah den Mond in seinem vollen Glanz, jedoch entstellt von einem dunklen, diagonal darüber verlaufenden Riss (oder dunklen Fleck). Lange wusste sie diese Vision nicht zu deuten und auch niemand, dem sie davon erzählte, hatte eine Erklärung dafür.
Erst nach langem Beten gab der Herr ihr Jahre später die Bedeutung dieser Erscheinung zu verstehen. Der Mond steht für das liturgische Kirchenjahr, das aber noch einen Schatten aufweist, weil ein eigenes Fest zu Ehren des allerheiligsten Sakraments des Altares im Zyklus des Kirchenjahres fehlt. Zwar ist der Gründonnerstag ein besonderer eucharistischer Tag, aber er steht schon im Österlichen Triduum, so dass die Verherrlichung der Eucharistie wegen des Gedenkens des Leidens und Sterbens Jesu Christi nicht in der vollen Freude möglich ist. Juliana sollte sich für ein eigenes Fest zu Ehren des allerheiligsten Sakraments des Altares einsetzen.
Wieder vergehen einige Jahre, bis Juliana den Mut findet, sich an den Bischof zu wenden. Mittlerweile hat sie zwei heiligmäßige Frauen als Freundinnen und Mitstreiterinnen gefunden, die sie zu diesem Schritt ermutigt haben. Sie alle verbindet eine tiefe Verehrung des Herrn in der Eucharistie, der Wunsch nach häufiger Kommunion und die stille Anbetung vor dem Allerheiligsten.
Zunächst bekommt Juliana viel Zustimmung von Seiten der Kirche. Bischof Robert von Thourotte, Priester und theologische Berater setzen sich für das Fronleichnamsfest ein, das erstmals 1246 in der Diözese Lüttich begangen wird. Nach dem Tod des Bischofs jedoch steht dessen Nachfolger diesem Fest ablehnend gegenüber. Schon vorher hat es an Kritikern nicht gefehlt, die sich gegen die Einführung eines neuen Festes ausgesprochen haben. Diese gewinnen nun die Oberhand, Juliana muss mit einigen Gefährtinnen aus Lüttich fliehen und verbringt die letzten zehn Jahre in verschiedenen Klöstern. Sie starb am Ostertag des Jahres 1258, während sie in einem letzten Aufschwung der Liebe den eucharistischen Herrn betrachtete, den sie immer geliebt, verehrt und angebetet hatte.

Fronleichnam

Einführung des Festes

Nach Julianas Tod setzte sich ihre Freundin und Verbündete Eva weiter mit aller Kraft für die Feier des Fronleichnamsfestes ein und gewann mit Jacques von Troyes, Archidiakon in Lüttich, einen eifrigen Unterstützer. Als dieser 1264 Papst wurde und den Namen Urban IV. annahm, setzte er das Fronleichnamsfest für die ganze Kirche als vorgeschriebenes Fest ein, das am Donnerstag der zweiten Woche nach Pfingsten (die Woche nach Pfingsten war durch die Pfingstoktav belegt) begangen werden sollte.
In der Einführungsbulle "Transiturus" spricht Papst Urban auch die mystischen Erfahrungen Julianas an und bestätigt damit deren Echtheit:

Auch wenn die Eucharistie täglich gefeiert wird, halten wir es für richtig, dass ihrer wenigstens einmal im Jahr feierlich und mit besonderer Verehrung gedacht wird. Die anderen Dinge, derer wir gedenken, erfassen wir mit dem Geist und mit dem Verstand, doch sie werden uns deswegen nicht real präsent. In diesem sakramentalen Andenken Christi jedoch ist Jesus Christus - wenn auch in anderer Form - in seiner Substanz gegenwärtig und mit uns. Denn während er zum Himmel auffuhr sagte er: "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,20).

Juliana wurde erst 1869 offiziell heiliggesprochen, die Seligsprechung Evas erfolgte 1902. Letztlich sind beide ganz hinter ihrer Berufung zurückgetreten. Das Fronleichnamsfest jedoch trat seinen Siegeszug in der Kirche an.
1264 feierte der Papst selbst in Orvieto das Fronleichnamsfest. Auf seine damalige Anordnung hin wird dort bis heute im Dom der Stadt das berühmte Korporale mit den Spuren des eucharistischen Wunders aufbewahrt, das im Jahr zuvor, 1263, in Bolsena erfolgt war. Ein Priester war, während er Brot und Wein konsekrierte, von starken Zweifeln über die reale Präsenz des Leibes und des Blutes Christi im Sakrament der Eucharistie ergriffen worden. Auf wunderbare Weise begannen einige Blutstropfen aus der konsekrierten Hostie zu fließen und bestätigten auf diese Weise, was der Glaube bekennt.
Die liturgischen Texte zum Fronleichnamsfest hat einer der größten Theologen der Geschichte, der heilige Thomas von Aquin, verfasst. Er begleitete zu jener Zeit den Papst und war mit ihm zusammen in Orvieto. Diese Texte, die bis heute in der Kirche verwendet werden, sind Meisterwerke, in denen sich Theologie und Dichtung vereinen. Sie bringen "die Saiten des Herzens zum Schwingen, um dem Allerheiligsten Sakrament Lob und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, während der Verstand, der voller Erstaunen in das Geheimnis eindringt, in der Eucharistie die lebendige und wahrhaftige Präsenz Jesu erkennt, seines Liebesopfers, das uns mit dem Vater versöhnt und uns das Heil schenkt." (Benedikt XVI.)
Nach dem Tod Urbans IV. ging die Verbreitung des Fronleichnamsfestes zunächst zurück und seine Feier blieb auf einige Gebiete Frankreichs, Deutschlands, Ungarns und Norditaliens beschränkt. Einige der folgenden Päpste kümmerten sich nicht weiter darum. Erst Papst Clemens V. und das Konzil von Vienne im Jahr 1311/12 und Papst Johannes XXII. im Jahr 1317 haben mit ihrem Einsatz die Feier des Fronleichnamsfestes schließlich in der Gesamtkirche fest verwurzelt. Von da an entwickelte sich das Fest auf wunderbare Weise und es erfreut sich bei den Christen immer noch großer Beliebtheit.

Fronleichnamsprozession

Wir finden bei den ersten Fronleichnamsfeiern 1246 und 1264 noch keinen Hinweis auf eine Prozession mit dem Allerheiligsten. In einem ersten Rundschreiben zu diesem Fest heißt es, die Gläubigen sollen sich "am Vortag durch Fasten, Gebet, Nachtwachen, Almosen und andere gute Werke vorbereiten, so dass sie am Fest selbst das süße Sakrament empfangen können, wenn sie bereit und bewährt sind und wenn Gott ihre Herzen berührt." Es wird also auf die Notwendigkeit eines würdigen Empfangs der Eucharistie hingewiesen.
Bereits in den Jahren 1274 und 1279 hören wir aber erstmals in Köln von einer Prozession am Fronleichnamstag. Im 14. Jahrhundert schließlich findet diese Form der Verehrung des Allerheiligsten eine begeisterte Aufnahme in den meisten Ländern. Dabei wurde die konsekrierte Hostie zunächst verhüllt, später dann sichtbar in der Monstranz mitgetragen, wie wir es bis heute kennen.
Traditionell kennt die Fronleichnamsprozession vier festlich geschmückte Altäre, an denen jeweils das Allerheiligste Sakrament während der Prozession besonders verehrt wird. Dabei wurden ursprünglich die Anfänge der vier Evangelien in die vier Himmelsrichtungen hinaus verkündet und Bittgebete gesprochen, gefolgt vom sakramentalen Segen.

Papst Johannes Paul II. schreibt in der Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia":

An vielen Orten findet die Anbetung des heiligsten Sakramentes täglich einen weiten Raum und wird so zu einer unerschöpflichen Quelle der Heiligkeit. Die andächtige Teilnahme der Gläubigen an der eucharistischen Prozession am Hochfest des Leibes und Blutes Christi ist eine Gnade des Herrn, welche die teilnehmenden Gläubigen jedes Jahr mit Freude erfüllt. Man könnte noch andere positive Zeichen des Glaubens und der Liebe zur Eucharistie erwähnen.

Eucharistische Frömmigkeit des Hl. Philipp Neri

Philipp Neri hatte eine besonders innige Beziehung zum allerheiligsten Sakrament. Ohne Eucharistie konnte er nicht leben: Es war für ihn selbstverständlich, täglich die Heilige Messe zu feiern.
Die Anbetung vor dem Allerheiligsten war für ihn nicht eine Andachtsform unter anderen, sondern sie war das Zentrum seines geistlichen Lebens. Aus der Eucharistie schöpfte er seine ganze Kraft, um den Armen und Kranken zu dienen und sie zu lieben.
Seine Verehrung des allerheiligsten Sakramentes ging sogar so weit, dass er während der Feier der Eucharistie regelmäßig in Ekstase geriet. Die letzten Jahre seines Lebens bekam er die päpstliche Erlaubnis, für sich alleine zelebrieren zu dürfen. Dies ermöglichte Philipp Neri, ungestört in inniger Anbetung zu verweilen und hielt auch Schaulustige fern, denn es sprach sich bald herum, dass er Philipp Neri dabei sogar ein Stück über dem Boden zu schweben begann. Auch einige Zeit nach der Messfeier war er immer noch in so tiefer Andacht versunken, dass er das Geschehen um sich herum nicht wahrnahm.
Seine letzte Heilige Messe feierte Philipp Neri am Fronleichnamstag des Jahres 1595. Als er kurz vor seinem Tod die Wegzehrung empfing sagte er:

Ich bin nicht würdig, ich bin niemals würdig gewesen; komm mein Liebster!
Fronleichnam

Das Geheimnis der Eucharistie

Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es:

Jesus Christus ist in der Eucharistie auf einzigartige und unvergleichliche Weise gegenwärtig: wirklich, tatsächlich und substanziell, mit seinem Leib und seinem Blut, mit seiner Seele und seiner Gottheit. In der Eucharistie ist also der ganze Christus, Gott und Mensch, auf sakramentale Weise gegenwärtig, das heißt unter den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein.

Schon von Anfang an ist dieses Geheimnis der Eucharistie aber auch zum Stein des Anstoßes geworden. Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben, murrt die Menge nach einer Rede Jesu. Auch heute ist vielen Menschen unverständlich, was Eucharistie eigentlich bedeutet und es ist schwer, dieses Geheimnis in wenigen Sätzen angemessen zu erklären.
Die Eucharistie ist die Vergegenwärtigung dessen, was Christus für unser Heil getan hat. Am Abend vor seinem Leiden feierte er mit seinen Jüngern sein letztes Mahl und zeigt ihnen, was sie in Zukunft zu seinem Gedächtnis tun sollen. Am Karfreitag geschieht dann, was Jesus seinen Jüngern angekündigt hat: Seinen Leib und sein Blut gibt er am Kreuz hin für das Leben der Welt. Nur in Christus sind Leben und Heil. Wir brauchen uns das Heil nicht selbst durch irgendwelche Utopien aufzubauen, die doch schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind. Nur weil Christus sich für uns hingegeben hat, ist für uns das Heil möglich. Christus hat sich ganz den Menschen ausgeliefert, in seiner grenzenlosen Liebe ist er für uns ans Kreuz gegangen. Doch er hat den Tod besiegt und ist nun als der Auferstandene mitten unter uns, daher ist das Kreuz nicht das Ende, sondern der Anfang neuen Lebens.
Christus will, dass wir diese seine Heilstat immer wieder neu vergegenwärtigen, er schenkt sich uns immer wieder neu, damit wir in ihm leben können. In jeder Eucharistiefeier wird Christus in Brot und Wein gegenwärtig. Welches Volk hätte Götter, die ihm so nah sind, wie unser Gott, sagen schon voll Freude die Israeliten im Alten Testament. Und für uns gilt diese Freude umso mehr. In welcher Religion gibt es einen Gott, der sich ganz in die Hände der Menschen gibt, der sich ganz ausliefert, der von Liebe zu den Menschen brennt?
Indem wir gläubig den Leib Christi essen, werden wir in seinen Leib verwandelt. Es ist nicht wie beim Essen von irdischer Nahrung. Diese wird durch die Verdauung zu Nährstoffen des Körpers verarbeitet und von unserem Körper aufgenommen. Bei der himmlischen Nahrung geschieht das Gegenteil. Durch sie werden wir verwandelt in den Leib Christi. Indem wir als Gemeinde an seinem Leib teilhaben, verwandelt Christus uns in seinen Leib, jeder einzelne wird so zu einem Glied des Leibes Christi. Durch die Eucharistie wird die Gemeinde aufgebaut, die Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens.
Doch die Gegenwart Christi in Brot und Wein ist nicht beschränkt auf die Zeit, in der die Gemeinde versammelt ist, sondern besteht weiter fort. Dies ist der Grund für die eucharistische Frömmigkeit. Das einmal gewandelte Brot bleibt Leib Christi. Daher können wir ihn in der Monstranz anschauen und verehren. Christus will so auch zu den Zeiten, in denen keine Hl. Messe gefeiert wird, leibhaft unter uns gegenwärtig bleiben. Wir können so mit ihm näher vertraut werden, indem jeder einzelne in Stille zu ihm kommen kann und ihn ansehen kann. Es ist wie bei Liebenden. Sie möchten immer Zeit zusammen verbringen und sich in ihrem Zusammensein nicht auf wenige Stunden im Jahr beschränken. So lädt Christus uns ein, immer wieder zu ihm zu kommen. Er blickt in Liebe auf uns und wir können ihn ansehen und ihn so immer besser kennenlernen. Diesen liebenden Blick Christi tragen wir an Fronleichnam durch unsere Straßen. Nicht, dass Christus sonst nicht sehen könnte, was in der Welt geschieht, er ist ja überall gegenwärtig. Aber doch ist diese leibhafte Gegenwart Christi doch noch einmal etwas ganz anderes als seine geistige.
Suchen wird daher oft seine Gegenwart auf, um uns von ihm verwandeln zu lassen. Leben wir als neue Menschen, wie wir sie durch die Taufe geworden sind. Lassen wir uns immer wieder erneuern durch die Feier und den Empfang der Eucharistie und durch die stille Anbetung vor dem Allerheiligsten.

Fronleichnam

Die Wandlung von Brot und Wein

Die Gaben, die wir in der Eucharistiefeier zum Altar bringen, sind einfach, Brot und Wein. Und doch sind sie Symbol für unser ganzes Leben. Brot ist die Nahrung unseres Alltags. Es ist lebensnotwendig. Wir bringen das an den Altar, was uns das Überleben in dieser Welt sichert. Wir bringen im Brot die Gaben der Schöpfung, die Gott uns zur Nahrung gegeben hat. Wir danken Gott, dass er unsere Bitte aus dem Vater Unser um das tägliche Brot erhört. Christus hat gerade Brot ausgewählt, um darin der Welt seine Gegenwart zu schenken. Er will uns damit zeigen, dass er für unser Leben noch wichtiger ist, als das tägliche Brot. Man hat daher die Brotbitte im Vater Unser auch als Bitte um die Eucharistie gedeutet. Ich denke, dass immer beides zusammengehört: die irdische Speise, ohne die wir nicht überleben können und die himmlische Speise, die uns Anteil gibt am Leben Gottes.
Wein ist die Gabe des Festes zu unserer Freude. Auch ihn bringen wir zum Altar. Brot und Wein zeigen, dass beides, die Mühen des Alltags, aber auch die Freuden des Festes zu unserem Leben gehören. In allem will Christus uns nahe sein, alles soll in ihm seinen Sinn und seine Erfüllung finden.
Unsere Gaben werden auf dem Altar verwandelt. Das Brot wird Christi Leib, der Wein wird Christi Blut. Christus tritt ein in unsere Existenz und wandelt unser Leben, damit er unser Leben wird. Die Gaben der Schöpfung werden verwandelt in Christi Leib und Blut. Dies ist möglich, weil Christus selbst Mensch geworden ist auf dieser Erde. Er, der Gott ist, wurde für uns Mensch. Gott hat die Welt nicht nur erschaffen, sondern selbst in ihr gelebt. Somit ist Schöpfung fähig, Göttliches anzunehmen.
Eine Welt, in der Gott Mensch geworden ist, kann nicht mehr so sein, wie vorher. Wenn Christus in einem menschlichen Leib auf der Erde leben konnte, was wundert es uns, dass er in der Gestalt des Brotes auch heute leibhaft gegenwärtig sein kann? Christus hat die Welt nicht verlassen, sondern bleibt auch nach seiner Himmelfahrt bei uns, und dies nun auf eine neue, universale Weise.
Bei der Kommunion empfangen wir die gewandelten Gaben, wir empfangen Christus selbst. Er geht ein in uns. Er ist die Speise für unser Leben, er ist die Nahrung, von der wir satt werden, die den Hunger unserer Seele stillt. "Jesus sagt: ,Nehmt und esst! Das ist mein Leib.' Nehmt, esst, empfangt mich selber, meinen Leib, meine Seele, meine Gottheit, mich ganz und gar. Nehmt und trinkt, das ist mein Blut, für euch für die Vergebung der Sünden vergossen." (Kardinal Schönborn)
Wir sprechen auch von der Kirche als Leib Christi. Diesen Leib eint und verbindet die Eucharistie. Wenn wir Eucharistie feiern und die Kommunion empfangen, werden wir immer mehr verwandelt in den Leib Christi. Doch ist das kein Automatismus. Paulus mahnt, dass der, der den Leib Christi empfängt, sich erst prüfen soll, ob er dessen würdig ist, damit diese Speise ihm nicht zum Gericht wird. Somit ist es unsere Aufgabe, unser Leben immer mehr dem Leben Christi anzugleichen, damit wir seiner würdig sind.
Die Eucharistie, das Brot des Lebens, essen wir aber nicht nur, wir beten sie auch an, weil sie nicht nur ein Zeichen für Jesus Christus ist, sondern weil Jesus Christus selbst in ihr gegenwärtig ist. Wir beten vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, tragen den Leib des Herrn an Fronleichnam durch die Straßen. Dabei zeigen wir der Welt glaubend was wir sind: Leib Christi. Glaubend dürfen wir darauf vertrauen, dass Jesus mit uns geht, dass er da ist, mitten unter uns, nicht nur in der Kirche, sondern auf allen Wegen unseres Lebens.
Jesus ist da, er ist immer bei mir, er ist meine Freude, mein Leben. Möge diese Erfahrung in mit immer lebendiger werden.

Fronleichnam

Anbetung

Gottheit tief verborgen, betend nah ich Dir!

So heißt es im Hymnus, den der heilige Thomas von Aquin im Jahre 1264 zur Feier des Fronleichnamsfestes geschrieben hat. Der lateinische Urtext beginnt mit dem Wort "adoro", ich bete an. Anbetung ist die Haltung, die wir dem Herrn im Allerheiligsten Altarsakrament entgegenbringen sollen. Was heißt Anbetung? Sie ist letztlich der Ausdruck davon, dass alles was wir sind und haben, von Gott kommt. Wir verdanken uns ihm ganz. Gott, der die vollkommene Liebe ist, hat aus dieser Liebe heraus die Welt erschaffen und in ihr den Menschen als sein Bild. Ziel des menschlichen Lebens ist so im Letzten, dass der Mensch auf diese Liebe wieder mit Liebe antwortet, indem er Gott als seinen Schöpfer ehrt und in Frieden lebt mit seinem Schöpfer und der Schöpfung.
Doch die Geschichte der Menschheit beginnt damit und ist voll davon, dass der Mensch nicht in dieser Liebe leben möchte. Jeder von uns erfährt es wohl tagtäglich an sich selbst, wie mühsam, ja scheinbar unmöglich es ist, in Liebe und Frieden zu leben. Auch Gott weiß um diese Schwäche des Menschen. Doch Gott möchte die freie Antwort des Menschen, Liebe bedarf ja gerade der Freiheit. "Als Gott sein edles Geschöpf, den Menschen, wiedergewinnen wollte, sagte er zu sich selbst: Zwinge ich ihn gegen seinen Willen, so habe ich einen Esel, keinen Menschen. Denn er wird keineswegs von selbst und aus freien Stücken zu mir kommen ... Soll ich Eseln mein Reich anvertrauen? Oder soll ich als Gott um Ochsen werben?" Schließlich wird Gott selber Mensch, damit dieser ihn mit derselben Liebe lieben kann, wie Gott ihn liebt.
Der Glaube daran, dass Gott selbst um unseretwillen Mensch geworden ist, macht es uns vielleicht nicht unbedingt leichter, in dieser Welt als liebende Menschen zu leben, aber er macht uns Hoffnung. Dieser Glaube zeigt uns, dass wir nicht allein es sind, die sich mühen müssen. Gott ist bei uns in allen Situationen unseres Lebens. Wenn wir zu verzweifeln drohen, kann er uns Kraft geben. Gläubig bekennen wir in der Eucharistie die bleibende Gegenwart des Herrn. Wir gedenken seiner Menschwerdung, seines Todes und seiner Auferstehung, all dessen, was Gott für uns getan hat.
Erfüllt von diesem Glauben gehen wir heute hinaus auf die Straßen um den Menschen Zeugnis zu geben von der Hoffnung, die uns erfüllt. Von der Hoffnung, dass es einen Gott gibt, der Liebe ist, dem es wirklich um den Menschen geht. Christus ist die Mitte unseres Lebens. All unser Tun und Denken soll auf ihn hin ausgerichtet sein und in ihm seinen Ursprung und sein Ziel haben. Er gibt uns die Kraft dazu, so zu leben.
Nachdem der Heilige Thomas von Aquin sein ganzes Leben lang gelehrte theologische Texte geschrieben hat, bekennt er am Ende seines Lebens, dass all dies nur dann Sinn macht, wenn es näher zu Gott führt. Denn das Ziel aller Theologie ist die Anbetung, das gläubige Bekenntnis, das der Apostel Thomas gesprochen hat: "Mein Herr und mein Gott". Hier auf Erden können wir das nur im Glauben erfassen und müssen in gläubigem Vertrauen darauf, dass die Liebe stärker ist, trotz aller Widerstände in uns und von außen uns um die Liebe mühen. Nach dem Tod erst kommt das Schauen. Dann werden wir auch das Geheimnis der Eucharistie erfassen, wenn wir teilnehmen am ewigen Hochzeitsmahl im Reiche Gottes, bei dem Christus sich selbst uns schenkt und wir in Liebe vollkommen eins werden mit ihm und untereinander.

Anbetung ist ein Austausch in Freundschaft, wo man oft miteinander spricht.
Von Herz zu Herz, ganz allein mit Gott, von dem wir wissen, dass er uns liebt.
(Teresa von Avila)
Fronleichnam

Lesejahr A - Brot des Lebens

Brot vom Himmel hast du ihnen gegeben,
das alle Erquickung in sich birgt.

So beten wir am Ende des Tantum Ergo, des Lobgesangs auf die Eucharistie, nach dem der sakramentale Segen folgt. Diese Worte erinnern uns an das Manna, welches dem Volk Israel während der Wüstenwanderung als Nahrung diente und das als Vorausbild der Eucharistie gilt. In der ersten Lesung hören wir davon:

Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich während der vierzig Jahre in der Wüste geführt hat. Durch Hunger hat er dich gefügig gemacht und hat dich dann mit dem Manna gespeist. Er wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was der Mund des Herrn spricht.
Wenn der Herr, dein Gott, dich in ein prächtiges Land führt, ein Land mit Bächen, Quellen und Grundwasser, das im Tal und am Berg hervorquillt und wenn du dort isst und satt wirst und den Herrn, deinen Gott, für das prächtige Land, das er dir gegeben hat, preist, dann nimm dich in acht und vergiss den Herrn, deinen Gott, nicht, missachte nicht seine Gebote, Rechtsvorschriften und Gesetze. (Dtn 8,2.3.8.10.11)

Die Lesung aus dem Buch Deuteronomium schildert die Situation des Volkes Israels unmittelbar vor dem Überschreiten des Jordan, dem langersehnten Einzug in das Gelobte Land nach den entbehrungsreichen Jahren der Wüstenwanderung.
Gott hat sein Volk durch diese Zeit geführt. Auch wenn es eine mühevolle Zeit war, es fehlte nie am Lebensnotwendigen, immer hat Gott dafür gesorgt, dass alles da war, auch wenn das Volk oft ungeduldig wurde und das Vertrauen auf Gottes Sorge schwand.
Nun im Gelobten Land wartet der Überfluss, es wird alles, worauf das Volk bisher verzichten musste, in Überfülle da sein. Überfluss aber macht leichtsinnig, er lässt vergessen, dass die Güter der Erde nicht selbstverständlich sind, sondern ein Geschenk, für das wir stets dankbar sein müssen.
Sattsein lässt den Hunger vergessen, nicht nur den Hunger nach Nahrung. Es macht uns bequem und nimmt uns die Sehnsucht, nach Höherem zu streben. Darum dürfen wir nie vergessen, die Erinnerung an den Hunger in uns wach zu halten, die Erinnerung an unsere Sehnsucht und an ein Ziel, für das es sich lohnt, einen entbehrungsreichen Weg zu gehen.
Der Weg des Glaubens ist auch ein solcher entbehrungsreicher Weg zu einem Ziel, dem höchsten Glück, das Gott uns ewig schenken möchte. Wer den Glauben ernst nimmt, muss bereit sein, Entbehrungen auf sich zu nehmen, wie das Volk in der Wüste, um so die Erfahrung machen zu können, das Gott für uns sorgt und uns beschenken möchte.
Für diesen Weg hat Gott uns eine besondere Nahrung geschenkt, die Eucharistie, das Brot vom Himmel, Jesu Leib im Zeichen des Brotes. Ihn empfangen wir, wenn wir in der Heiligen Messe gläubig zum Altar treten. Die Eucharistie ist eine Speise, die uns stets sättigt, aber nie satt sein lässt, die unseren Hunger nach dem Höchsten nährt, uns aber stets auch nach mehr verlangen lässt.
Heute am Fest Fronleichnam feiern wir dieses Brot, in dem unser Herr Jesus Christus sich uns selbst zur Speise gibt. Eucharistie, Brot des Lebens, Speise zum ewigen Leben. Brot der Sehnsucht nach Leben. Brot, das uns Kraft gibt, nach dem Höheren zu streben. Gläubig beten wir zugleich den Herrn an in diesem Sakrament. Ihn preisen wir mit dem Hymnus, den der Hl. Thomas von Aquin für diesen Festtag verfasst hat:

Fronleichnam
Preise, Zunge, das Geheimnis
dieses Leibs voll Herrlichkeit
und des unschätzbaren Blutes,
das, zum Heil der Welt geweiht,
Jesus Christus hat vergossen,
Herr der Völker aller Zeit.

In der Nacht beim Letzten Mahle
saß er in der Jünger Schar.
Als nach Vorschrift des Gesetzes
nun das Lamm genossen war,
gab mit eigner Hand den Seinen
er sich selbst zur Speise dar.

Und das Wort, das Fleisch geworden,
schafft durch Wort aus Brot und Wein
Fleisch und Blut zur Opferspeise,
sieht es auch der Sinn nicht ein.
Es genügt dem reinen Herzen,
was ihm sagt der Glaub' allein.

Lasst uns tiefgebeugt verehren
ein so großes Sakrament,
dieser Bund wird ewig währen
und der alte hat ein End'.
Unser Glaube soll uns lehren,
was das Auge nicht erkennt.

Aus dem "Pange lingua"
des hl. Thomas von Aquin.
Fronleichnam

Lesejahr C - Gebt ihr ihnen zu essen!

Im Lesejahr C hören wir an Fronleichnam von der Speisung der Fünftausend aus dem Lukasevangelium. Eine große Menschenmenge folgt Jesus und seinen Jüngern. Am Abend sind die Menschen müde und hungrig. Doch Jesus will sie so nicht nach Hause schicken. Nachdem er ihnen durch sein Wort geistige Nahrung gegeben hat, will er sie auch leiblich stärken.

Gebt ihr ihnen zu essen!

So sagt es Jesus deutlich zu seinen Jüngern, aber sie wissen nicht, wie sie Jesu Auftrag umsetzen sollen. Sie haben weder einen ausreichenden Vorrat an Lebensmitteln bei sich, noch genügend Geld, um für alle etwas zu kaufen. Doch Jesus zeigt ihnen, dass es auch anders geht. Aus dem kleinen Vorrat von fünf Broten und zwei Fischen macht er alle satt.
Jesus lässt durch die Jünger die Menschenmenge ordnen, so dass alle in kleinen Gruppen beieinander sitzen. Dann spricht er ein Dankgebet zum Vater und verteilt durch die Jünger das Essen. Obwohl ihnen nur wenig zur Verfügung steht, werden ihre Hände nicht leer und alle werden satt. Und plötzlich leuchtet Gottes Gemeinschaft mit den Menschen auf. Die Fülle wird zum Zeichen des messianischen Mahls am Ende der Zeiten.

Durch die Hände der Jünger gibt er das Brot. So ehrt er sie und lässt sie die Erinnerung an dieses Wunder besser bewahren. ... Für die Kranken tat er ein besonderes Wunder, hier aber tut er eines für alle, indem er auch die, die an keiner Krankheit leiden, speist. Darum heißt es: Und alle aßen und wurden satt. (Johannes Chrysostomus)

Die wunderbare Speisung der Volksmenge ist ein Vorausbild der Eucharistie. Die leibliche Sättigung der Menschenmenge durch Jesus weist auf ein tieferes Geheimnis hin. Jesus will ganz bei den Seinen sein und sie mit einer noch viel tieferen Gegenwart erfüllen, als er es durch sein Wort allein vermag. Jesus will sich selbst den Menschen schenken.
In Kapitel 22,14-23 wird Lukas vom letzten Abendmahl berichten. Jesus spricht dabei über Brot und Wein die Worte: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Das Brot als Grundnahrungsmittel des Lebens wird in gewandelter Form zur Speise ewigen Lebens. Brot und Wein werden zum realen Zeichen seiner Gegenwart in dieser Welt.
Jesus verbirgt sich in den Gestalten von Brot und Wein, die in der Feier der Eucharistie in sein Fleisch und Blut gewandelt wurden. Daher gebührt der Eucharistie auch Verehrung und Anbetung. Wenn wir aus dieser Speise leben, können wir heute tun, was Jesus damals seinen Jüngern aufgetragen hat: Gebt ihr ihnen zu essen.

Jesus hat sich selbst zum Brot des Lebens gemacht, um uns Leben zu geben.
Nacht und Tag ist er da. Wenn du wirklich in der Liebe wachsen willst,
kehre zurück zur Eucharistie, kehre zurück zur Anbetung. (Mutter Teresa)