Unser gütiger Jesus, der uns mit seinem kostbaren Blut erkauft hat, verlangt mit unendlicher Sehnsucht danach, dass wir ihn lieben und so ewig selig werden; und er verlangt danach, uns selig zu sehen, auf dass wir ihn ewig lieben. Zielt doch seine Liebe nach unserem Heil, unser Heil aber nach seiner Liebe.
Über die Freundschaft schreibt Franz von Sales:
Liebe jeden mit echter, starker Nächstenliebe, Freundschaft dagegen schenke nur solchen, die mit dir Verbindung in wertvollen Dingen aufnehmen können. ... Wenn ihr einander die Liebe, die Frömmigkeit, die christliche Vollkommenheit vermittelt, wie wertvoll wird dann eure Freundschaft sein! Sie wird eine ausgezeichnete sein, weil sie von Gott kommt, weil sie auf Gott hinzielt, weil Gott ihr Band ist, weil sie ewig in Gott weiterleben wird. Wie schön ist es, auf Erden so zu lieben, wie man im Himmel lieben wird, und zu lernen, einander auf dieser Welt so herzlich verbunden zu sein, wie wir es in der anderen ewig sein werden.
Der Heilige Franz von Sales war Bischof von Genf/Annecy, Ordensgründer, Mystiker und Kirchenlehrer. Er ist bekannt als begnadeter Prediger und Schriftsteller. Sein Wirken fiel in die Zeit der Ausbreitung des Calvinismus in der Schweiz, weshalb er auch nicht in seiner Bischofsstadt Genf, die gänzlich Calvinistisch war, residieren durfte.
Als Bischof wollte Franz von Sales allen alles werden, um möglichst viele Menschen zu Christus zu führen. Als Seelsorger lag ihm besonders die Erziehung der Jugend und die Reform des Klerus am Herzen. Auch war er bestrebt, die Calvinisten vom katholischen Glauben zu überzeugen. Zwei lange Jahre hat Franz von Sales unermüdlich dafür gekämpft, im calvinistisch beherrschten Teil seiner Diözese, dem Chablais, die Menschen zum katholischen Glauben zurückzugewinnen und die katholische Liturgie, vor allem die Eucharistiefeier, wieder einzuführen. Am Heiligen Abend 1596 konnte er dabei erstmals einen wirklichen Erfolg verzeichnen. Franz von Sales konnte die Christmette in der Kirche St. Hippolyth in Thonon, der Hauptstatt des Chablais, auf einem einfachen, selbst gezimmerten Holzaltar feiern. Es war die erste heilige Messe in dieser Kirche seit Einführung des Calvinismus vor etwa 60 Jahren. Er selbst bezeichnete diese Messe als den Höhepunkt seines Lebens.
Als Bischof hatte er ein enormes Arbeitspensum zu bewältigen. Über seine Arbeitsmethode schreibt er: "Sei sorgfältig und gewissenhaft in allen Obliegenheiten. Gott hat sie dir anvertraut und will, dass du große Sorgfalt darauf verwendest. Vermeide aber dabei jede Ängstlichkeit und Aufregung, d.h. verrichte sie ohne Unruhe, ohne ängstliche Besorgnis oder hitzigen Eifer. Verrichte deine Arbeit niemals hastig, denn jede aufgeregte Hast trübt Vernunft und Urteil; damit hindert sie uns, eine Sache gut zu machen, auf die wir solch blinden Eifer verwenden."
All sein Tun begleitete eine tiefe Frömmigkeit. "Mit einem Wort, ich werde Gott am Morgen bitten, dass er mich würdig mache, den Tag zu verbringen, ohne ihn zu beleidigen."
Mit der Witwe Johanna Franziska von Chantal verband ihn eine lange und innige geistliche Freundschaft. Zusammen mit ihr gründete er 1610 den Orden der "Heimsuchung Mariens", die Salesianerinnen. Eine Anekdote zu dieser Freundschaft: Johanna Franziska von Chantal wurde am 23. Januar 1572 geboren. Offenbar war es ihr ein Anliegen, an diesem Tag von Franz von Sales einen Glückwunsch zu erhalten. 1617 hat er offenbar darauf vergessen und antwortet ihr in einem Brief mit folgenden Worten: "Meine sehr teure Tochter! Es hat mich gefreut, von Ihnen zu erfahren, dass heute Ihr Geburtstag ist, denn ich dachte nicht daran. Ijob (3,3) wünschte, der Tag seiner Geburt möge gestrichen werden; ich aber wünsche, dass der Tag, der die Geburt meiner sehr teuren Mutter gesehen hat, unter die glücklichen und in alle Ewigkeit gesegneten Tage gezählt werde. Doch sollen diese unsere Geburtstage uns demütigen, indem sie uns das Nichts sehen lassen, aus dem wir kommen, und sie sollen uns zugleich Mut geben, indem sie unser Augenmerk auf das Ziel richten, für das uns Gott einst in die Welt treten ließ."
Sein berühmtestes Werk ist die Philothea. Dort gibt der Heilige eine Anleitung zum christlichen Leben, besonders für Gläubige, die in der Welt leben, also keine Ordensleute sind. Dieses Büchlein hat auch heute nichts von seiner Aktualität verloren und sein jedem zur Lektüre empfohlen.