Die Heiligen

11.11. Martin v.Tours

Hl. Martin

Martin von Tours
um 316-397
Bischof

Hl. Martin

Martin von Tours gehört zu den beliebtesten Volksheiligen und sein Brauchtum ist bis heute lebendig geblieben. Wir kennen die Martinsumzüge mit Laternen, die nicht selten von einem Reiter mit rotem Mantel begleitet werden, der die berühmte Mantelteilung des hl. Martin nachspielt. Eine ausführliche Lebensbeschreibung des Heiligen liefert uns Sulpicius Severus, der Martin noch persönlich kennengelernt hat und sein Werk nur wenige Jahre nach dem Tod des Heiligen veröffentlicht hat. Die Zitate in diesem Text stammen, wenn nicht anders angegeben, aus diesem Werk. Im Prolog zur Vita des hl. Martin schreibt Sulpicius Severus:

Ich glaube, ein lohnendes Werk in Angriff zu nehmen, wenn ich das Leben des heiligen Mannes beschreibe, das andern zum Vorbild dienen soll. Die Leser sollen dadurch zu weiser Lebensführung, himmlischem Kriegsdienst und göttlichem Tugendstreben kräftig angespornt werden. ... So will ich damit beginnen, das Leben des hl. Martin zu erzählen, sein Leben vor seiner Erwählung zum Bischof, wie als Bischof zu beschreiben. Allerdings konnte ich nicht alle Einzelheiten aus seinem Leben in Erfahrung bringen; denn das, bei dem er allein Zeuge war, entzieht sich unserer Kenntnis; er suchte ja nie Menschenlob; und, wäre es auf ihn angekommen, er hätte alle seine Wunderwerke verborgen.

Martin wurde im Jahr 316 oder 317 in Sabaria, der Hauptstadt der römischen Provinz Pannonien, dem heutigen Szombathley in Ungarn geboren. Sein Name leitet sich vom heidnischen Kriegsgott Mars ab und bedeutet so viel wie dem Mars gehörend. Sein Vater war römischer Offizier und Martin musste im Alter von 15 Jahren ebenfalls in das Römische Heer eintreten. Es galt als Gesetz, dass die Söhne von Berufssoldaten ebenfalls Soldaten wurden. Martin kam zur berittenen kaiserlichen Garde, einer Art Elitetruppe, der er bis zu seinem Abschied aus der Armee im Jahr 356 angehörte.
Das 4. Jahrhundert, in dem Martin lebte, war eine Zeit tiefer Umbrüche. An seinem Beginn stehen die grausamen Christenverfolgungen, vor allem unter Kaiser Diokletian. Dann kommt mit Kaiser Konstantin der große Umschwung, das Christentum wird im Römischen Reich offiziell erlaubt. Schließlich werden die Christen von Staatsfeinden zu Trägern des Staates und das Christentum zur offiziellen Staatsreligion. Dieser Wandel vollzog sich nicht ohne innere Auseinandersetzungen innerhalb des Christentums. Die Bischöfe waren plötzlich ranghohen Staatsbeamten gleichgestellt und der Kaiser selbst nahm nun Einfluss auf Glaubensinhalte. Bei Auseinandersetzungen um Glaubensinhalte kämpfen nun die einzelnen Gruppen um die kaiserliche Gunst und es kommt zu ersten tiefen Glaubensspaltungen. Zudem war es nun opportun, Christ zu sein, die Bekehrungen nahmen zu, jedoch war es nicht immer einfach, den Glauben bei den Menschen zu vertiefen. Gegen diese Verflachung des Glaubens entwickelte sich das Mönchtum, das den Glauben auf eine tiefe asketische Weise lebte. Das Mönchtum entstand in Ägypten. Martin wird einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Ideale des Mönchtums im Abendland heimisch werden zu lassen.
Martin stammte aus einer heidnischen Familie, jedoch interessierte er sich schon als Kind für den christlichen Glauben. Sulpicius Severus schreibt dazu:

Schon früh sehnte sich der Knabe in seiner Kindesunschuld mehr darnach, Gott allein zu dienen. Zehn Jahre alt, flüchtete er gegen den Willen der Eltern in die Kirche und verlangte Aufnahme unter die Katechumenen. In ganz wunderbarer Weise war er dem Dienst Gottes ergeben, und als er zwölf Jahre alt war, sehnte er sich nach der Einöde. Er hätte seinen Herzenswunsch auch ausgeführt, hätte es ihm die Zartheit seines Alters nicht unmöglich gemacht. Doch beschäftigte er sich immerfort mit dem Kloster oder mit der Kirche und sann schon im Knabenalter über das nach, was er später in heiligem Eifer zur Ausführung brachte.

Im Alter von 15 Jahren reihte sich Martin unter die Taufbewerber und führte als Soldat ein Leben, das sich von dem der meisten seiner Kameraden unterschied:

Er hielt sich frei von den Lastern, in die sich die Soldatenwelt gewöhnlich verstricken lässt. Seine Güte gegen die Kameraden war groß, seine Liebe erstaunenswert, seine Geduld und Demut überstiegen alles Maß. Die Genügsamkeit braucht an ihm nicht gerühmt zu werden; sie war ihm in dem Maße eigen, dass man ihn schon damals eher für einen Mönch denn für einen Soldaten hätte halten können. Um dieser Eigenschaften willen hatte er sich die Herzen aller seiner Kameraden gewonnen, so dass sie ihn mit seltener Hochachtung verehrten. Obwohl er in Christus noch nicht wiedergeboren war, ließ sein edles Wirken doch darauf schließen, dass er vor der Taufe steht.

Im Winter des Jahres 334, Martin war damals 18 Jahre alt, war seine Truppe in der gallischen Stadt Amiens stationiert. Es heißt, dass Martin damals schon seinen ganzen persönlichen Besitz an die Armen verschenkt hatte. Er besaß nur noch das, was ihm vom Heer zur Verfügung gestellt wurde und nicht sein persönliches Eigentum war, Waffen, Ausrüstung und Soldatenmantel. In diesem Winter war die Kälte besonders stark und hatte schon viele Todesopfer unter den Armen gefordert. Da sieht Martin einen Bettler am Stadttor, der kurz vor dem Erfrieren ist. Was kann Martin für ihn tun? Er kann ihm nur einen Teil seines Mantels geben, was ihm eine dreitägige Haftstrafe für mutwillige Zerstörung von Militäreigentum einbringen wird.

Der arme Bettler flehte die Vorübergehenden um Erbarmen an. Aber alle gingen an dem Unglücklichen vorbei. Da erkannte der Mann voll des Geistes Gottes, dass jener für ihn vorbehalten sei, weil die andern kein Erbarmen übten. Doch was tun? Er trug nichts als den Soldatenmantel, den er umgeworfen hatte, alles Übrige hatte er ja für ähnliche Zwecke verwendet. Er zog also das Schwert, mit dem er umgürtet war, schnitt den Mantel mitten durch und gab die eine Hälfte dem Armen, die andere legte er sich selbst wieder um.
Da fingen manche der Umstehenden an zu lachen, weil er im halben Mantel ihnen verunstaltet vorkam. Viele aber, die mehr Einsicht besaßen, seufzten tief, dass sie es ihm nicht gleich getan und den Armen nicht bekleidet hatten, zumal sie bei ihrem Reichtum keine Blöße befürchten mussten.
In der folgenden Nacht nun erschien Christus mit jenem Mantelstück, womit der Heilige den Armen bekleidet hatte, dem Martin im Schlaf. Er wurde aufgefordert, den Herrn genau zu betrachten und das Gewand, das er verschenkt hatte, wiederzuerkennen. Dann hörte er Jesus laut zu der Engelschar, die ihn umgab, sagen: "Martin, obwohl erst Katechumene, hat mich mit diesem Mantel bekleidet." Eingedenk der Worte, die er einst gesprochen: "Was immer ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25, 40), erklärte der Herr, dass er im Armen das Gewand bekommen habe.

Kurz darauf ließ Martin sich taufen, blieb aber noch im Heer. Als Kaiser Julian im Jahr 356 persönlich vor seinem Heer erscheint, um jedem seiner Elitesoldaten ein Geschenk zu machen, bittet Martin um seine Entlassung.

Er sprach zum Kaiser: "Bis heute habe ich dir gedient; gestatte nun, dass ich jetzt Gott diene. Dein Geschenk mag in Empfang nehmen, wer in die Schlacht ziehen will. Ich bin ein Soldat Christi, es ist mir nicht erlaubt, zu kämpfen." Wutschnaubend ob dieser Rede, gab der Tyrann zur Antwort, er wolle sich nur aus Angst vor der Schlacht, die für den andern Tag zu erwarten war, nicht um seines Glaubens willen dem Kriegsdienst entziehen. Doch Martin blieb unerschrocken, ja der Versuch, ihn einzuschüchtern, machte ihn nur noch fester. So sprach er: "Will man meinen Entschluss der Feigheit und nicht der Glaubenstreue zuschreiben, dann bin ich bereit, mich morgen ohne Waffen vor die Schlachtreihe zu stellen und im Namen des Herrn Jesus mit dem Zeichen des Kreuzes, ohne Schild und Helm, furchtlos die feindlichen Reihen zu durchbrechen." Man ließ ihn also in Gewahrsam halten, damit er sein Wort wahr mache und sich waffenlos den Barbaren entgegenstelle. Am nächsten Tag aber schickten die Feinde Gesandte zu Friedensverhandlungen und ergaben sich mit Hab und Gut.

Martin begab sich nun in die Schule des Bischofs Hilarius von Poitiers, einem der gebildetsten Männer der damaligen Zeit, um sein geistliches Leben zu vertiefen. Er lehnte es jedoch ab, durch die Weihe eine geistliche Laufbahn einzuschlagen, weil er sich dessen für unwürdig hielt und ein Leben in der Einsamkeit führen wollte. Nach einiger Zeit beschloss Martin, in seine Heimat Pannonien zurückkehren, um dort den christlichen Glauben zu verkünden und seine Eltern wiederzusehen. Seine Mutter ließ sich daraufhin taufen. Die Reise nach Pannonien war abenteuerlich. In den Alpen wäre er beinahe von Räubern umgebracht worden.

Schon schwang einer von ihnen ein Beil, um mit wuchtigem Schlag sein Haupt zu treffen; doch ein anderer hielt den Todesstreich auf. Man band Martin die Hände auf den Rücken und übergab ihn einem zur Bewachung und Ausplünderung. Dieser führte ihn beiseite und erkundigte sich, wer er sei. Seine Antwort lautete, er sei Christ. Er fragte ihn dann, ob er Angst habe. Da erklärte Martin voll Festigkeit, er habe sich nie so sicher gefühlt. Er wisse ja, dass Gottes Barmherzigkeit vor allem in Heimsuchungen helfend nahe sei, über den Räuber müsse er sich mehr betrüben, da er seines Räuberhandwerkes wegen kein Anrecht auf die Barmherzigkeit Christi habe. Martin knüpfte daran ein Gespräch über das Evangelium an und verkündete dem Räuber das Wort Gottes. Kurzum, der Räuber wurde gläubig und gab Martin das Geleit und zeigte ihm den Weg.

Hl. Martin

In jener Zeit war die Lehre der Arianer, die Christus nur als Gott ähnlich aber nicht wesensgleich ansehen, weit verbreitet, und das rechtgläubige Christentum wurde verfolgt. Viele Bischöfe, unter ihnen auch Hilarius, wurden ins Exil geschickt. Auch Martin wurde für sein Eintreten für den rechten Glauben bestraft. Er musste Pannonien verlassen, konnte aber nicht mehr nach Gallien zurückkehren, woraufhin er kurze Zeit in Mailand blieb und sich dann auf eine Insel Nahe der Mittelmeerküste zurückzog. Als Hilarius aus dem Exil zurückkehren durfte, eilte Martin zu ihm nach Poitiers. Vor der Stadt baute Martin ein Kloster. Das christliche Mönchtum war erst kurze Zeit zuvor in der ägyptischen Wüste entstanden und Martin wurde nun zum ersten Mönch in Gallien. Schon damals wirkte er Wunder. Es wird von zwei Totenerweckungen berichtet. Martin hatte nun das lange ersehnte Leben in der Einsamkeit gefunden. Doch zehn Jahre später, im Jahr 371, sollte sich sein Leben noch einmal grundlegend verändern.

Damals wurde er auf den bischöflichen Stuhl von Tours verlangt. Allein es war kein Leichtes, ihn seinem Kloster zu entreißen. Rusticius, einer der Bürger, warf sich ihm daher bittend zu Füßen. Er gab vor, seine Frau sei krank. So vermochte er ihn zum Fortgehen zu bewegen. Scharen von Bürgern hatten sich unterwegs aufgestellt, und wie unter Ehrengeleit wurde Martin so zur Stadt geführt. Eine unglaublich große Menge hatte sich aus der Stadt wie auch aus den benachbarten Ortschaften zur Bischofswahl eingefunden. Ein Verlangen, ein Wunsch, eine Überzeugung beseelte sie alle: Martin verdiene am meisten die bischöfliche Würde und glücklich sei die Kirche, die einen solchen Oberhirten erhalte.
Doch einige Laien und besonders mehrere Bischöfe, die zur Einsetzung des Oberhirten herbeigerufen waren, widersetzten sich gewissenlos. Sie sagten, Martin sei eine verächtliche Persönlichkeit. Ein Mann von so unansehnlichem Äußeren, mit so armseligen Kleidern und ungepflegtem Haar, sei der bischöflichen Würde nicht wert. Das Volk aber bekundete gesünderen Sinn und lachte über ihre Torheit, denn während jene einen Tadel gegen den ruhmwürdigen Mann aussprechen wollten, verkündeten sie ja doch nur sein Lob. Sie konnten nichts anderes bewirken, als was das Volk nach dem Willen Gottes im Sinne hatte.

Eine andere Legende berichtet, dass Martin, als er vom Wunsch des Volkes, ihn zum Bischof zu machen, erfuhr, sich in einen nahen Stall versteckte. Die Gänse jedoch haben ihn durch ihr lautes Geschnatter verraten. Wie dem auch sei, weder die eigene Bescheidenheit des Heiligen, noch die Bedenken einiger verweltlichter Geistlicher konnten verhindern, dass Martin schließlich Bischof von Tours wurde. Auch als Bischof war Martin darauf bedacht, sein mönchisches Leben so getreu wie möglich weiterzuführen.

Nicht die geringste Änderung gegen früher ließ sich an ihm wahrnehmen. Dieselbe Demut wohnte in seinem Herzen, dieselbe Ärmlichkeit zeigte er in seiner Kleidung. Im Vollbesitz seiner Macht und Weihegnade war er der Stellung eines Bischofs durchaus gerecht, verlor aber dabei das Tugendstreben eines Mönches nicht aus dem Auge. Eine Zeitlang bewohnte er eine Zelle, die an die Kirche stieß, aber er konnte die Belästigung durch die häufigen Besuche nicht ertragen. Deshalb erbaute er sich etwa zwei Meilen außerhalb der Stadt ein kleines Kloster. Dieser Ort war so verborgen und abgelegen, dass es den Heiligen nicht nach der Einsamkeit der Wüste verlangte.
Auf der einen Seite war der Ort abgeschlossen von einer hohen und steilen Felswand. Die freibleibende Ebene umgrenzte die Loire mit einer kleinen Krümmung. Nur auf einem schmalen Weg konnte man dorthin gelangen. Martin hatte eine rohgezimmerte Zelle, ebenso auch viele seiner Brüder. Manche hatten den Fels des überhängenden Berges ausgehöhlt, und sich so eine Wohnstätte geschaffen. Es lebten dort etwa achtzig Mönche. Diese suchten sich nach dem Vorbild des heiligen Meisters zu bilden. Keiner besaß dort Eigentum, alles war Gemeingut. Keiner durfte etwas kaufen oder verkaufen, wie dies bei den Mönchen vielfach üblich ist. Handarbeit wurde nicht betrieben, das Bücherschreiben ausgenommen.

Das von Martin gegründete Kloster Marmoutier wurde zum Zentrum des jungen Mönchtums in Gallien. Martin selbst trug viel zur Verbreitung des Ideals mönchischen Lebens bei. Als Bischof unternahm er viele Reisen. Viele Wunder werden ihm zugeschrieben und der Bericht darüber füllt den größten Teil seiner Lebensbeschreibung.

Die Gnade der Krankenheilung besaß er in so hohem Grad, dass kaum ein Kranker zu ihm kam, ohne sofort die Gesundheit wiederzuerlangen. ... Keine Stunde, kein Augenblick verstrich, in dem er nicht betete oder sich der Lesung widmete. Doch wenn er auch las oder sonst mit einer Arbeit beschäftigt war, ließ sein Geist nie vom Gebet ab. Wie ein Schmied bei seiner Arbeit immer wieder den Hammer zu seiner Erleichterung auf den Amboss fallen lässt, so betete Martin ohne Unterbrechung, auch wenn er anscheinend etwas anderes tat. O wahrhaft glücklicher Mann, der kein Falsch kannte, der keinen verurteilte, keinen verdammte, niemand Böses mit Bösem vergalt!
Niemand hat ihn je zornig, aufgeregt, traurig, niemand lachen gesehen. Er blieb sich immer gleich. Wie von himmlischer Freude strahlte sein Angesicht. Er machte den Eindruck einer übermenschlichen Erscheinung. In seinem Mund war nichts anderes als Christus, in seinem Herzen wohnte nur Güte, nur Frieden, nur Erbarmen. Häufig weinte er über die Sünden seiner offenkundigen Widersacher, die ihn, den weltentrückten, stillen Mann, mit giftiger Schlangenzunge verwundeten.

Martin starb am 8. November 397 auf einer seiner Seelsorgereisen in Candes. Sein Leichnam wurde nach Tours überführt und dort am 11. November 397 beigesetzt. Sofort begann seine Verehrung als Heiliger. Bis heute wird er auf der ganzen Welt hoch verehrt, über 3500 Kirchen sind seinem Namen geweiht. Martin ist der erste Heilige, der nicht als Märtyrer gestorben ist, sondern die Heiligkeit durch ein entschiedenes Leben als Bekenner des Glaubens erworben hat. Sein Leben ist bis heute ein Vorbild.

Da erkannte Martin, von Gott erfüllt, dass der Arme, dem die anderen keine Barmherzigkeit schenkten, für ihn da sei.

Wie oft gehe ich durch die Straßen und sehe hilfsbedürftige Menschen. Freilich, man kann nicht allen helfen. Aber manchmal kommt das Bewusstsein, hier werde ich gebraucht, das muss ich machen. Und wie oft bin ich schon an einer solchen Situation vorübergegangen und habe gedacht, was, ich? Das kann doch nicht sein. Da ist sicher noch jemand anders da um zu helfen. Aber hinterher zeigt es sich, denn das Gewissen fragt nach: warum hast du deine Sache nicht gemacht? Und es bleibt ein Gefühl der Unzufriedenheit. Gerade in Situationen in denen wir uns besonders gut und toll zu fühlen scheinen, liebt es Gott, uns solche Prüfungen zu schicken.
Was Christus von uns will, sind keine großen Dinge, keine großen Programme, die wir entwerfen, bis ins Kleinste ausgefeilte Pläne. Das Wichtige sind die kleinen Dinge im Leben. Jeder kann hier handeln, dazu braucht man keine besonderen Begabungen, da kann keiner sagen, das ist zu schwer für mich.
Aber vielleicht gerade weil die kleinen Hilfen im Alltag so unscheinbar und einfach sind, erscheinen sie uns schwer. Sie erscheinen uns schwer, weil sie uns auf die Probe stellen. Wir müssen etwas von uns geben und wenn es nur etwas Zeit ist. Und gerade das passt oft nicht in unsere Pläne. Ja, wenn ich am Morgen wüsste, dass so gegen 15 Uhr einer eine kleine Hilfe von mir braucht, dann könnte ich das ja einplanen, dann ging es besser. Gerade aber die spontane Entscheidung, zu helfen, das Erkennen des "Für mich" in der Situation, das kennzeichnet Nachfolge.
Was wir irgendeinem und sei es dem geringsten Menschen getan haben, das haben wir Christus getan. Martin sieht Christus mit dem Mantel, den er dem Armen geschenkt hat, bekleidet. Warum sind wir so träge darin, Christus diese Freude zu machen? Wieviel könnten wir so Jesus schenken und ganz nebenbei noch so viele Menschen glücklich machen.

Guter Gott,
von dir und deinem Sohn Jesus wissen wir,
dass die Armen und Kranken
besondere Hilfe und Fürsorge brauchen.
Für den hl. Martin war das Teilen
eine Selbstverständlichkeit.
Deshalb bewundern und verehren wir ihn.
Er will auch uns Mut machen, zu teilen.
Auf seine Fürsprache hilf du uns dazu
durch Jesus, unseren Freund und Herrn.
Amen.