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Herzlich willkommen!

Osterzeit

Christus ist wahrhaft auferstanden! Halleluja!

So rufen die Christen seit frühesten Zeiten. Es ist ein Ruf der Hoffnung und der Zuversicht. Wenn ich glaube, dass Jesus wirklich auferstanden ist, dann weiß ich: das Leben ist stärker als der Tod, die Freude stärker als das Leid, das Licht stärker als die Finsternis.
Jesus ist mitten unter uns, auch hier und heute. Er hat Leiden und Tod bezwungen. Nun kann keine Macht der Finsternis mehr denen schaden, die an Christus Jesus glauben. Der Auferstandene wird uns durch alle Bedrängnisse, Leiden und Schmerzen dieser Welt hindurchführen in die Freude, das Licht und das Leben seiner Auferstehung.
Dafür danken wir in den Gottesdiensten mit dem frohen Osterlob "Halleluja". Das ist hebräisch und bedeutet: "Lobet den Herrn!" Mit dem Ostergruß "Frohe Ostern" geben wir die Freude über die Auferstehung Jesu Christi weiter.
Herr, deine Auferstehung öffnet uns das Tor zum Leben. Hilf uns, uns zu bereiten für das Leben mit dir und glaubwürdige Zeugen deiner Liebe zu sein, einer Liebe, die stärker ist als der Tod. Amen.

Herr, wir preisen dich für deine Auferstehung. Durch sie hast du die Welt mit Jubel erfüllt. Du hast den Tod bezwungen und das Leben neu geschaffen. Du hast das getan für uns. Du lebst, damit wir mit dir leben. Dir sei Preis und Ehre! Amen.
Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. (Lk 24,34)

Mit diesem freudigen Ruf empfangen die Apostel in Jerusalem die beiden Jünger, die auf ihrem Weg nach Emmaus dem Auferstandenen begegnet sind, und voller Freude zurückgeeilt sind, um von dieser Erfahrung zu berichten.
Das Sonderbare ist nur, dass das Lukasevangelium nicht von einer persönlichen Begegnung zwischen Simon Petrus und dem Auferstandenen berichtet. Wir erfahren nur, dass Petrus nach der Entdeckung des leeren Grabes durch die Frauen dorthin gelaufen ist, und alles so vorgefunden hat, wie die Frauen es gesagt hatten. Nur Johannes berichtet von der persönlichen Begegnung zwischen Jesus und Petrus am See von Tiberias in Galiläa.
Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Apostel nach dem Tod Jesu aus Jerusalem nach Galiläa geflohen sind. Dort ist er Auferstandene ihnen erschienen und hat sie nach Jerusalem zurückgerufen, denn in Jerusalem sollte am Pfingsttag mit der Sendung des Heiligen Geistes die Kirche als das neue Volk Gottes entstehen. Lukas hält sich in seinem Evangelium und in der Apostelgeschichte streng an das Schema: Von Galiläa nach Jerusalem - von Jerusalem in die Welt. Jesus hat sein Wirken in Galiläa begonnen und in Jerusalem vollendet und von Jerusalem breitet sich nach dem Pfingsttag die Kirche aus in die ganze Welt. Eine Erscheinung in Galiläa passt nicht in dieses Schema. Zugleich kann Lukas aber auch nicht einfach die Tatsachen fälschen und die Erscheinung von Galiläa nach Jerusalem verlegen. Daher erwähnt er sie nur indirekt und berichtet dann ausführlich von der Erscheinung Jesu vor den Aposteln in Jerusalem, die wahrscheinlich nach der relativ schnellen Rückkehr der Apostel von Galiläa nach Jerusalem stattgefunden hat.

Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.

Wir können diesen Ausruf ergänzen: er ist wirklich dem Simon erschienen, den Frauen, allen voran Maria Magdalena und er erschien auch dem "Nachzügler" Thomas noch einmal extra, der wahrscheinlich erst nach den anderen Aposteln aus Galiläa zurückgekehrt ist. Eine etwas andere Reihenfolge nennt Paulus im Ersten Korintherbrief:

Osterzeit
Er erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. (1Kor 15,5-7)

Paulus spricht nicht von den Frauen, dafür von einer Erscheinung vor über 500 Gläubigen und einer weiteren Einzelerscheinung vor Jakobus, wobei hier nicht der Apostel Jakobus gemeint ist, sondern der Herrenbruder Jakobus, der in der Urgemeinde von Jerusalem eine bedeutende Stellung innehatte. Auch Paulus selbst hatte eine Begegnung mit dem Auferstandenen, die sein Leben entscheidend verändert hat.

Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.

Der Auferstandene begegnet Menschen, um ihren Glauben zu stärken und sie in seine besondere Nachfolge zu rufen. Nicht das leere Grab ist die Grundlage des christlichen Glaubens an die Auferstehung, sondern die Begegnung mit dem Auferstandenen selber. Ein leeres Grab gibt keine Sicherheit und kann viele Ursachen haben, der Leichnam könnte heimlich entfernt worden sein. Bei der Begegnung mit dem Auferstandenen aber sind sich alle sicher: das ist Jesus, das ist keine Täuschung, kein Geist. So wie der Auferstandene den einzelnen begegnet, kann es nur Jesus selbst sein.

Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.

Es gibt einen Unterschied zwischen den Erscheinungen vor Christi Himmelfahrt und denen danach. Vor seiner Himmelfahrt erscheint Jesus leiblich, greifbar. Nach seiner Himmelfahrt sind die Erscheinungen rein geistig. Paulus sieht ein Licht und hört eine Stimme, er fühlt sich persönlich angesprochen, seine Begleiter aber bekommen davon nichts mit.
So wie Paulus haben später viele Menschen Jesus erfahren. Er tritt in besonderer Weise in ihr Leben ein und sie wissen: es ist der Herr. Diese Begegnung gibt ihnen wie einst Petrus, Paulus und den ersten Jüngern die sichere Gewissheit: Jesus lebt. Der Glaube an den Auferstandenen stützt sich nicht nur auf das Zeugnis anderer, dieses Zeugnis bereitet den Glauben nur vor. Wirklich überzeugter Glaube erwächst erst aus der persönlichen Begegnung mit Jesus.
Solch eine persönliche Begegnung mit Jesus ist jedem Menschen möglich und sie geschieht immer wieder. Das erst macht christlichen Glauben aus. Christlich Leben heißt nicht, an überlieferten Verhaltensmustern und Traditionen festhalten, es heißt, das eigene Leben aus der persönlichen Begegnung heraus in Gemeinschaft mit anderen Gläubigen zu gestalten. Die Gemeinschaft ist wichtig, um die eigene Erfahrung kritisch zu prüfen und sie zu festigen. Diese kritische Prüfung soll und helfen, dass wir nicht eigene Hirngespinste für göttliche Offenbarungen halten. Wer Jesus wirklich begegnet ist, wird seinen Glauben in Einklang mit der kirchlichen Tradition leben. Aber um diesen Glauben wirklich verstehen und leben zu können, braucht es die persönliche Begegnung mit Jesus. Was das bedeutet, zeigt uns Paulus in einem Gebet. Beten wir diese Worte des Apostels im festen Vertrauen, dass der Herr auch jeden von uns erfahren lässt, dass er lebt und Leben schenkt.

Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden, indem ich seinem Tod gleich gestaltet werde. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen.
Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder und Schwestern, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus. (Phil 3,10-14)
Ostern

Offenbarung des Johannes

Ich, Johannes, euer Bruder und Gefährte in der Bedrängnis, in der Königsherrschaft und im standhaften Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus. (Offb 1,9)

Texte aus der Offenbarung des Johannes begleiten uns im Lesejahr C in der Osterzeit. Der Seher und Verfasser des letzten Buches der Heiligen Schrift macht eine ganz eigene Erfahrung des Auferstandenen. Er befindet sich auf der vor der Küste Kleinasiens gelegenen Insel Patmos. Dort erscheint ihm Christus und zeigt ihm in mehreren Visionen die verborgene Wahrheit der Weltgeschichte.
Die kirchliche Tradition geht davon aus, dass Johannes um das Jahr 95 während der Christenverfolgungen unter Kaiser Domitian nach Patmos verbannt wurde. Johannes hatte eine führende Funktion in der Leitung der Kirche Kleinasiens inne, die sich auch in den drei unter seinem Namen veröffentlichen Briefen des Neuen Testaments zeigt. Ob er mit dem Apostel und Evangelisten Johannes identisch ist, wird kontrovers diskutiert.
Vom Ort seiner Verbannung aus nimmt Johannes seine Verantwortung für die Gemeinden Kleinasiens wahr. Die Offenbarung beginnt mit Sendschreiben an die Gemeinden der sieben großen Städte dieser Region. Ihre Worte sind aber wie alle Bücher der Heiligen Schrift durch alle Zeiten hindurch bedeutsam. Sie sollen den Gläubigen Mut machen, denn nur im standhaften Ausharren ist das Heil zu finden. Und es lohnt sich, standhaft zu sein, weil Christus mächtiger ist als der scheinbar allmächtige römische Staat, der sich mit seinen Verfolgungen gegen die Christen wendet.
Wir verstehen die Bilder der Offenbarung leichter, wenn wir uns stets das Entsetzen der Christen über die Allmachtsphantasien der römischen Kaiser und ihrer treuen Anhänger vor Augen führen. Spätestens ab Nero hat die Macht der Kaiser immer wieder zu Größenwahn geführt. Endgültig vorbei sind die Zeiten der Römischen Republik, in der politische Themen noch kontrovers diskutiert werden durften. Nun zählt allein das Wort des Kaisers bis in den fernsten Winkel des Imperiums und wer in diesem Imperium lebt, hat die Götter Roms und vor allem auch den Kaiser als Gott zu ehren.
Diesen Schritt konnten die Christen nicht tun. Der Glaube an den einen Gott verbietet den Christen zu allen Zeiten, andere Götter zu verehren und anzubeten. Der Kaiserkult sollte aber gerade das einende Band des Reiches sein. Eine bloße Loyalität zu Kaiser und Staat genügte nicht mehr. Wer nicht vor dem Standbild des Kaisers niederfiel und opferte galt als Staatsfeind. Damit nahm sich der Staat etwas heraus, das ihm nicht zukam. Er verwandelte sich so vom schützenden Ordnungsgebilde zum gewalttätigen Tier, das mit seinen verschiedenen Erscheinungsweisen in den Krieg eintritt mit dem Reich Gottes, mit Christus und seinen Gläubigen.
Sicher waren auch viele Christen geblendet vom Glanz des Kaiserkultes. Die goldenen Standbilder des Kaisers und die große Zahl derer, die ihnen bei pompösen Feierlichkeiten Opfer darbrachten, zeugten von der Größe und Macht des Kaisers. Wenn wir den konkreten Vollzug des Kaiserkultes in Kleinasien erleben könnten, würden wir sicher die Bilder der Offenbarung besser verstehen. Johannes aber zeigt, dass Christus größer und mächtiger ist als der Kaiser, dass das Reich Gottes mächtiger ist als das Römische Imperium, dass Christus mächtiger ist als die Mächtigen zu allen Zeiten, mächtiger als Großkonzerne und Internetgiganten, mächtiger als die Medien und der Konsum, die sich uns heute als neue Götter präsentieren.
Damals wie heute kommt es darauf an, im Glauben an Jesus Christus sich jeder Macht entgegenzustellen, die Menschen bedroht und in ihrer Freiheit beraubt, die Menschen verblendet und manipuliert. Gerade heute, wo nahezu auf der ganzen Welt Angriffe auf Christen verdeckt oder offensichtlich an der Tagesordnung stehen, müssen wir aufwachen aus dem Schlaf der Sicherheit, in den uns die Jahrhunderte eines christlichen Abendlandes gewiegt haben. Auch bei uns muss Christsein heute wieder neu von einer gelebten Tradition zu einer gelebten Überzeugung werden.

Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune. Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch und schick es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus, nach Smyrna, nach Pergamon, nach Thyatira, nach Sardes, nach Philadelphia und nach Laodizea! (Offb 1,10-11)

Am Tag des Herrn, dem Sonntag - der damals noch kein Feiertag war! - wird Johannes von einer Stimme überrascht. Es ist der Tag, an dem sich die Gemeinde versammelt. Körperlich abwesend aber geistig anwesend feiert Johannes den Tag des Herrn zusammen mit den Gemeinden Kleinasiens. Er ist bei ihnen mit seinem Gebet. Doch noch wichtiger als seine geistige Anwesenheit ist die Gegenwart Christi inmitten der Gemeinden. Diese wird symbolisiert durch die Erscheinung des Menschensohnes inmitten von sieben Leuchtern.
Herrlicher als der Kaiser in all seiner Pracht, so erscheint Christus dem Johannes, eine glänzende Lichtgestalt, die aber dennoch das Aussehen eines Menschen hat. Und Christus ist anwesend inmitten seiner Kirche. Die sieben Leuchter stehen für die sieben Gemeinden Kleinasiens, wobei die Siebenzahl zugleich hinweist auf die Gesamtheit der Kirche. Christus ist gegenwärtig in seiner Kirche und ist zugleich der Herr der ganzen Welt, worauf die sieben Sterne in seiner Hand verweisen. Das Schwert aus seinem Mund ist Zeichen seines machtvollen Wortes, das die Kraft hat zu Richten und zu vergeben, den Satan in Schranken zu weisen und die Menschen zu heilen.

Ostern
Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt. (Offb 1,17-18)

Es ist immer ein Zeichen für die Ergriffenheit des Sehers, wenn dieser wie tot zu Boden fällt. So mächtig ist die Erscheinung, so mächtig der Erscheinende, dass der Mensch aus eigener Kraft nicht davor bestehen kann. Doch Christus richtet ihn auf und offenbart sich ihm: Er ist der Erste und der Letzte, Anfang und Ende der ganzen Welt, er umfasst alles, was ist, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er ist der Lebendige, dem der Tod nichts anhaben kann. Selbst der sich vergöttlichende Kaiser muss sterben, wodurch deutlich wird, dass auch er nur ein Mensch und kein Gott ist. Allein Christus hat den Tod überwunden und so seine Göttlichkeit offenbart.
Wir sollten die Auferstehung nicht als selbstverständlich hinnehmen. Wir sind es gewohnt, jedes Jahr Ostern zu feiern. Jesus ist auferstanden, diese Botschaft rüttelt viele nicht mehr auf und wir können sogar das Halleluja sitzend auf den Kirchenbänken singen so wie jedes andere Lied auch. Wir horchen nicht mehr auf, wenn jemand zu uns sagt: Christus ist wahrhaft auferstanden! Wir verstehen nicht mehr, was das bedeutet.
Die Auferstehung Christi hat die Welt verändert, wie ein Erdbeben, das die Oberfläche der ganzen Erde aufreißt. Tote können nun auferstehen, der Tod ist nicht mehr das Ende des Lebens. Dasein ist nicht mehr auf den Tod hin, sondern auf die Auferstehung. Es gilt so zu leben, dass wir die Auferstehung erlangen. Aber das allein wäre wieder zu moralisch gedacht. Es gilt so zu leben, als wären wir schon auferstanden. Wir leben nicht nach den Geboten, damit wir im Gericht bestehen, sondern wir leben nach Christi Weisung, weil wir schon jetzt mit ihm ein neues Leben haben. Wenn wir Christus nachfolgen, sind wir schon jetzt mit ihm auferstanden, leben schon jetzt als Kinder Gottes, wir leben als Auferstandene auf der Erde und der Tod ist nur noch ein Hinübergang in eine andere Daseinsweise und nicht mehr die Zäsur unseres Lebens.
Mit dem Auferstandenen leben, das hört sich utopisch an, aber es ist möglich, auch wenn es unser ganzes Leben lang eine Herausforderung bleibt. Versuchen wir uns immer neu vom Geheimnis der Auferstehung ergreifen zu lassen, bis es uns ganz durchdringt. Werden wir Christus immer ähnlicher in unserem Leben. Die Erscheinung des Auferstandenen ist für Johannes furchteinflößend, aber nur im ersten Moment. Wir brauchen diese Erfahrung, die uns aus unserem Alltag herausreißt. Wenn wir den Auferstandenen dann immer mehr erkennen, werden wir immer mehr eins mit seinem Licht.

Guter Hirte

Das Lamm erlöste die Schafe

Vor dem Thron und vor dem Lamm stand eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen, niemand konnte sie zählen und sie trugen Palmzweige in den Händen. (Offb 7,9)

Die Offenbarung des Johannes ist ein Buch des Trostes. Den Christen in der Bedrängnis will der Seher von Patmos deutlich machen, dass sie keine Not zu fürchten brauchen. Das Reich Christi und des Vaters triumphiert über alle Macht der irdischen Reiche, auch wenn deren Machthaber jetzt die Christen verfolgen.
Zur Zeit der Entstehung der Offenbarung des Johannes nahm der Kaiserkult im Römischen Reich ein immer größeres Ausmaß an. Um das Reich zu einigen, wurde die Verehrung, ja Anbetung des Kaisers von allen Bewohnern des Reiches gefordert. Wer dazu nicht bereit war, galt als Staatsfeind und Hochverräter, dem die Todesstrafe drohte. Wer Christ sein wollte, der konnte bei aller Loyalität zum Römischen Reich doch eben diese Anbetung des Kaisers nicht leisten. Wir wissen um die unzählbar große Zahl der Märtyrer, die deshalb für ihren Glauben in den Tod gegangen sind.
Anbetung gebührt allein Gott. Die einzig wahre Anbetung geschieht vor dem Thron Gottes und des Lammes.
Der Seher Johannes wurde in den Himmel entrückt vor Gottes Thron. Um den Thron herum stehen die Sitze von 24 Ältesten und in deren Mitte thront Jesus Christus als das Lamm Gottes. Der himmlische Chor singt das Lied des Lammes. Mit Palmzweigen wurde Christus schon bei seinem Einzug in Jerusalem als König verehrt. Diese Verehrung findet ihre Vollendung im Himmel.
Christus erscheint als ein blutendes, geschlachtetes Lamm mit sieben Hörnern und sieben Augen. Das Lamm steht für Friedfertigkeit und Reinheit, zugleich aber zeigen die sieben Hörner seine unbegrenzte Macht und die sieben Augen seinen Einfluss auf die ganze Welt. In diesem Lamm vereinen sich absolute Macht und absolute Gerechtigkeit. Das Lamm ist mächtig und doch geschlachtet, es wurde getötet, aber es lebt.
Dieses Bild erscheint uns sonderbar. Warum zeigt uns Johannes Christus nicht als Mensch, als Auferstandenen mit Wundmalen und Siegesfahne? Weil das Bild vom geschlachteten Lamm am eindrucksvollsten das Wesen Christi beschreiben kann. Sanft wie ein Lamm, zart und lieblich, zugleich ein Opfertier, wie es das Altes Testament beschreibt. Durch sein Blutopfer hat es die Sünden der Welt getilgt. Und doch ist Christus mächtig, nicht wie ein Opfertier, das sich seinem Schicksal fügen muss, sondern er hat sich selbst aktiv aus eigenem Willen als Opfer dargebracht. Er ist Sohn Gottes, daher lebt er, auch wenn er getötet wurde und zeigt mit seinen Hörnern und Augen seine Macht. Aber es ist eine demütige Macht, die nicht auf gewaltsame Herrschaft setzt, sondern die Herzen mit seiner Liebe regieren will.

Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben;
in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben.
Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil,
dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil.
(Adam Thebesius)

"Das Lamm erlöste die Schafe" - so heißt es in der Sequenz zum Osterfest und Johannes beschreibt in der Offenbarung auf ganz eigene Weise, wie das Lamm selbst zum Hirten wird.

Jesus
Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. (Offb 7,16-17)

Diese Welt ist für den Menschen kein Paradies. Krankheit und Not können allen widerfahren. Schon gleich an ihrem Beginn wird in der Bibel darüber nachgedacht, warum das so ist. Warum hat Gott die Erde nicht als Paradies erschaffen, in dem es allen Menschen gut geht? Die Antwort der Bibel lautet: wegen seiner Sünde wurde der Mensch aus dem Paradies vertrieben und muss im Schweiße seines Angesichts für seinen Lebensunterhalt sorgen. Die Frage nach dem "Warum?" wird gerade an religiöse Menschen immer wieder herangetragen. Warum lässt Gott das Leid zu? Warum treffen harte Schicksalsschläge auch gute und fromme Menschen?
Wir werden keine befriedigende Antwort auf diese Fragen finden. Die Antwort Gottes ist das geschlachtete Lamm der Offenbarung. In seinem Sohn Jesus Christus hat Gott selbst alle Mühsal und alles Leid der Welt auf sich genommen. Freiwillig hat er sich dem Tod ausgeliefert, um zu zeigen, dass Leid und Tod nicht das Letzte sind. Nach jedem Schmerz wartet eine neue Freude, nach jedem Tod wartet das Leben. Es bleibt uns nicht erspart, durch diese dunklen Mauern hindurch zu gehen, aber Gott geht mit uns diesen Weg und nach dem Dunkel kommt das Licht, oft bereits in diesem Leben, immer im neuen Leben bei Gott.
Das Bild der Offenbarung, das dem Leiden unter Hunger, Durst und Sonnenglut einen paradiesischen Garten gegenüberstellt, in dem es frisches Wasser und Schatten gibt, ist nicht nur eine Vertröstung auf das Jenseits. Freilich, Johannes schreibt die Offenbarung zunächst an Christen in der Bedrängnis, die jederzeit damit rechnen müssen, für ihren Glauben ins Gefängnis oder gar in den Tod zu gehen. Er macht ihnen Mut und zeigt, dass Gottes Macht größer ist als die Mächte, die gegen Gott und seine Getreuen kämpfen. Aber es wird ein Ende der Verfolgung geben. Gott vergisst seine Getreuen nicht und wer standhaft ausharrt, wird auf unerdenkliche Weise belohnt werden.
Blicken wir auf das Lamm, es ist geschlachtet, wie tot, aber doch ist es voller Leben. Dieses Lamm ist Christus, der Sieger über Leiden und Tod. Im Blick auf ihn finden wir Antwort auf all unsere Fragen, im Vertrauen auf ihn werden wir alles überwinden, er gibt uns Kraft im Leiden und Mut in der Verzweiflung, er stillt unseren Durst nach Leben und schenkt uns Schatten in der Glut der Versuchung.

Herr Jesus,
Lamm Gottes,
für uns geopfert,
du Sieger über den Tod,
in dir triumphiert das Leben,
du zeigst uns
den Sinn des Lebens.
Du guter Hirte,
dir will ich folgen,
rufe mich beim Namen
und lass mich deine Stimme erkennen.
Lass mich mit dir
ein Zeuge des Lebens sein
und zusammen mit dir
hineingehen zum ewigen Leben.
Amen.