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Osterzeit

Fronleichnam - Das Opfer des Melchisedek

Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein heraus. (Gen 14,18)

Abram ist als Fremder in das Gelobte Land gekommen, mit seiner Frau Sara, mit Knechten und Mägden und einer stattlichen Anzahl Vieh. Mit seinen Herden zog er durch das Land, von dem Gott ihm gesagt hat, dass er es seinen Nachkommen zum Besitz geben wird - dabei hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal einen Sohn. Dann kommt es zu einem Krieg. Vier Großkönige ziehen gegen fünf Stadtkönige im südlichen Jordangraben in den Krieg, vernichten dabei auf ihrem Weg auch die im Ostjordanland ansässigen Völker und kehren siegreich zurück. Zu ihrer Beute gehört auch Abrahams Bruder Lot. Doch Abram schafft es, mit einer kleinen Streitmacht seiner Knechte, Lot aus den Händen der Großkönige zu befreien und dabei auch einiges von der Kriegsbeute für sich zu gewinnen. Schwer beladen kehrt er aus dem Norden des Gelobten Landes, wo er den Sieg errungen hat, an den Ort zurück, an dem er sich niedergelassen hat, den Eichen von Mamre in der Nähe von Hebron, südlich von Jerusalem.
Der Weg führt Abram an jenem Ort vorbei, der einmal die Königsstadt des Gelobten Landes sein wird und die Stadt des Tempels des Gottes Israels, der Abram seine Verheißungen gegeben hat. Hier kommt es zu einer denkwürdigen Begegnung. die zum Sinnbild geworden ist für die Geschichte Gottes mit seinem Volk, mit dem Volk des Alten Bundes aber auch dem des Neuen Bundes.

Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein heraus. Er war Priester des Höchsten Gottes. Er segnete Abram und sagte: Gesegnet sei Abram vom Höchsten Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde und gepriesen sei der Höchste Gott, der deine Feinde an dich ausgeliefert hat. Darauf gab ihm Abram den Zehnten von allem. (Gen 14,18-20)

Melchisedek ist König und Priester von Salem, womit Jerusalem gemeint ist. Die Verbindung von Königtum und Priestertum in einer Person ist nichts Ungewöhnliches im Alten Orient. Er wird vorgestellt als Priester des Höchsten Gottes. Bis jetzt ist im Buch Genesis der Eindruck entstanden, dass nur Abram den Glauben an den Höchsten Gott kannte. Bei den anderen Menschen war dieser Glaube verloren gegangen, sie wissen nicht mehr, woher sie stammen, haben sich andere Götter gemacht. Doch Abram hat die Offenbarung des Höchsten Gottes erhalten, des Gottes, der die Welt erschaffen hat und alles, was in ihr ist. Er wird von Gott in das Land gerufen, in dem er sich in besonderer Weise zeigt, das ihm gehört und das er Abraham und seinen Nachkommen schenken möchte, damit sie den Glauben an ihn darin bewahren.
Nun zeigt sich, dass es in diesem Land in Jerusalem einen König und Priester gibt, der wie Abram diesen Höchsten Gott kennt und die beiden großen Verehrer dieses einen Gottes begegnen einander. Melchisedek bringt Brot und Wein. Brot und Wein gehören zum Opfer, das dem Gott Israels dargebracht wird. Zwölf Brote liegen als Schaubrote auf dem Tisch des Herrn als Opfer für Gott und zur Nahrung für die Priester. Wein wird als Trankopfer für Gott ausgegossen. Brot und Wein gehören zur Feier des Pessach, Jesus feiert mit Brot und Wein das Letzte Abendmahl mit seinen Jüngern und fortan bleibt er selbst in Brot und Wein gegenwärtig, die in der Feier der Eucharistie in seinen Leib und sein Blut verwandelt werden.
Melchisedek segnet Abram und Abram gibt ihm den Zehnten von allem, was er hat. Später werden die Nachkommen Abrams an den Tempel den Zehnten geben. Abram selbst wird so zum Vorbild für diese Tradition, die die Ausübung des Gottesdienstes und den Unterhalt der Priester finanziert. Nun wird uns auch verständlich, was Psalm 110,4 meint, wenn es dort heißt: "Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks." Letztlich ist das Priestertum in Israel nicht erst durch Mose entstanden, sondern Gott hatte seit Urzeiten in Israel und an der Heiligen Stätte von Jerusalem seine Priester, wovon die Begegnung Abrams mit Melchisedek Zeugnis gibt.
Der Hebräerbrief beruft sich auf Melchisedek und das Zitat aus Psalm 110, um die priesterliche Würde Jesu aus der Schrift zu beweisen. Für fromme Juden galt Jesus nicht als Priester, sondern als Gotteslästerer, der sich eigenmächtig den Messias-Titel angeeignet hat. Die Christen versuchen aber von Anfang an zu beweisen, dass Jesus der ist, an dem sich das Wort der Schrift erfüllt.

So hat auch Christus sich nicht selbst die Würde verliehen, Hohepriester zu werden, sondern der zu ihm gesprochen hat: Mein Sohn bist du. Ich habe dich heute gezeugt, wie er auch an anderer Stelle sagt: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks. (Hebr 5,5-6)

In einem späteren Kapitel geht der Hebräerbrief nochmals ausführlich auf Melchisedek ein:

Melchisedek, König von Salem und Priester des höchsten Gottes; er, der dem Abraham, als dieser nach der Unterwerfung der Könige zurückkam, entgegenging und ihn segnete und welchem Abraham den Zehnten von allem gab; er, dessen Name König der Gerechtigkeit bedeutet und der auch König von Salem ist, das heißt König des Friedens; er, der vaterlos, mutterlos und ohne Stammbaum ist, ohne Anfang seiner Tage und ohne Ende seines Lebens, ähnlich geworden dem Sohn Gottes: Dieser Melchisedek bleibt Priester für immer. (Hebr 7,1-3)

In jener mystischen (oder doch historischen?) Figur des Melchisedek vereint sich die Verehrung des einen und höchsten Gottes vom Beginn der Schöpfung an über den Gottesdienst Israels im Tempel bis hin zur Feier der Heiligen Messe. Auch dort hat Melchisedek im Ersten Hochgebet seinen Platz. Dieses basiert auf dem alten römischen Messkanon, der für das 5. Jahrhundert bezeugt ist und noch in frühere Zeiten zurückreicht. Dort heißt es:

So bringen wir aus den Gaben, die du uns geschenkt hast, dir, dem erhabenen Gott, die reine, heilige und makellose Opfergabe dar: das Brot des Lebens und den Kelch des ewigen Heiles.
Blicke versöhnt darauf nieder und nimm sie an wie einst die Gaben deines gerechten Dieners Abel, wie das Opfer unseres Vaters Abraham, wie die heilige Gabe, das reine Opfer deines Hohenpriesters Melchisedek.

Bereits zu Urzeiten bestand das Opfer Melchisedeks aus Brot und Wein. Er tritt als Zeuge auf für den Höchsten Gott und zeigt uns, wie die Verehrung dieses Gottes vom ersten Menschen bis in unsere Zeit hinein reicht. Wenn wir den einen und höchsten Gott verehren, folgen wir nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten, nicht der Lehre irgendeines Religionsstifters, sondern wir folgen dem, was Gott von Anfang an im Menschen grundgelegt hat. In Jesus Christus ist dieser Gott selbst Mensch geworden und ist in den gewandelten Gaben von Brot und Wein gegenwärtig. Ihn wollen wir preisen und ehren wie im Anfang (der Schöpfung) so auch jetzt in allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Ostern

Offenbarung des Johannes

Ich, Johannes, euer Bruder und Gefährte in der Bedrängnis, in der Königsherrschaft und im standhaften Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus. (Offb 1,9)

Texte aus der Offenbarung des Johannes begleiten uns im Lesejahr C in der Osterzeit. Der Seher und Verfasser des letzten Buches der Heiligen Schrift macht eine ganz eigene Erfahrung des Auferstandenen. Er befindet sich auf der vor der Küste Kleinasiens gelegenen Insel Patmos. Dort erscheint ihm Christus und zeigt ihm in mehreren Visionen die verborgene Wahrheit der Weltgeschichte.
Die kirchliche Tradition geht davon aus, dass Johannes um das Jahr 95 während der Christenverfolgungen unter Kaiser Domitian nach Patmos verbannt wurde. Johannes hatte eine führende Funktion in der Leitung der Kirche Kleinasiens inne, die sich auch in den drei unter seinem Namen veröffentlichen Briefen des Neuen Testaments zeigt. Ob er mit dem Apostel und Evangelisten Johannes identisch ist, wird kontrovers diskutiert.
Vom Ort seiner Verbannung aus nimmt Johannes seine Verantwortung für die Gemeinden Kleinasiens wahr. Die Offenbarung beginnt mit Sendschreiben an die Gemeinden der sieben großen Städte dieser Region. Ihre Worte sind aber wie alle Bücher der Heiligen Schrift durch alle Zeiten hindurch bedeutsam. Sie sollen den Gläubigen Mut machen, denn nur im standhaften Ausharren ist das Heil zu finden. Und es lohnt sich, standhaft zu sein, weil Christus mächtiger ist als der scheinbar allmächtige römische Staat, der sich mit seinen Verfolgungen gegen die Christen wendet.
Wir verstehen die Bilder der Offenbarung leichter, wenn wir uns stets das Entsetzen der Christen über die Allmachtsphantasien der römischen Kaiser und ihrer treuen Anhänger vor Augen führen. Spätestens ab Nero hat die Macht der Kaiser immer wieder zu Größenwahn geführt. Endgültig vorbei sind die Zeiten der Römischen Republik, in der politische Themen noch kontrovers diskutiert werden durften. Nun zählt allein das Wort des Kaisers bis in den fernsten Winkel des Imperiums und wer in diesem Imperium lebt, hat die Götter Roms und vor allem auch den Kaiser als Gott zu ehren.
Diesen Schritt konnten die Christen nicht tun. Der Glaube an den einen Gott verbietet den Christen zu allen Zeiten, andere Götter zu verehren und anzubeten. Der Kaiserkult sollte aber gerade das einende Band des Reiches sein. Eine bloße Loyalität zu Kaiser und Staat genügte nicht mehr. Wer nicht vor dem Standbild des Kaisers niederfiel und opferte galt als Staatsfeind. Damit nahm sich der Staat etwas heraus, das ihm nicht zukam. Er verwandelte sich so vom schützenden Ordnungsgebilde zum gewalttätigen Tier, das mit seinen verschiedenen Erscheinungsweisen in den Krieg eintritt mit dem Reich Gottes, mit Christus und seinen Gläubigen.
Sicher waren auch viele Christen geblendet vom Glanz des Kaiserkultes. Die goldenen Standbilder des Kaisers und die große Zahl derer, die ihnen bei pompösen Feierlichkeiten Opfer darbrachten, zeugten von der Größe und Macht des Kaisers. Wenn wir den konkreten Vollzug des Kaiserkultes in Kleinasien erleben könnten, würden wir sicher die Bilder der Offenbarung besser verstehen. Johannes aber zeigt, dass Christus größer und mächtiger ist als der Kaiser, dass das Reich Gottes mächtiger ist als das Römische Imperium, dass Christus mächtiger ist als die Mächtigen zu allen Zeiten, mächtiger als Großkonzerne und Internetgiganten, mächtiger als die Medien und der Konsum, die sich uns heute als neue Götter präsentieren.
Damals wie heute kommt es darauf an, im Glauben an Jesus Christus sich jeder Macht entgegenzustellen, die Menschen bedroht und in ihrer Freiheit beraubt, die Menschen verblendet und manipuliert. Gerade heute, wo nahezu auf der ganzen Welt Angriffe auf Christen verdeckt oder offensichtlich an der Tagesordnung stehen, müssen wir aufwachen aus dem Schlaf der Sicherheit, in den uns die Jahrhunderte eines christlichen Abendlandes gewiegt haben. Auch bei uns muss Christsein heute wieder neu von einer gelebten Tradition zu einer gelebten Überzeugung werden.

Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune. Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch und schick es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus, nach Smyrna, nach Pergamon, nach Thyatira, nach Sardes, nach Philadelphia und nach Laodizea! (Offb 1,10-11)

Am Tag des Herrn, dem Sonntag - der damals noch kein Feiertag war! - wird Johannes von einer Stimme überrascht. Es ist der Tag, an dem sich die Gemeinde versammelt. Körperlich abwesend aber geistig anwesend feiert Johannes den Tag des Herrn zusammen mit den Gemeinden Kleinasiens. Er ist bei ihnen mit seinem Gebet. Doch noch wichtiger als seine geistige Anwesenheit ist die Gegenwart Christi inmitten der Gemeinden. Diese wird symbolisiert durch die Erscheinung des Menschensohnes inmitten von sieben Leuchtern.
Herrlicher als der Kaiser in all seiner Pracht, so erscheint Christus dem Johannes, eine glänzende Lichtgestalt, die aber dennoch das Aussehen eines Menschen hat. Und Christus ist anwesend inmitten seiner Kirche. Die sieben Leuchter stehen für die sieben Gemeinden Kleinasiens, wobei die Siebenzahl zugleich hinweist auf die Gesamtheit der Kirche. Christus ist gegenwärtig in seiner Kirche und ist zugleich der Herr der ganzen Welt, worauf die sieben Sterne in seiner Hand verweisen. Das Schwert aus seinem Mund ist Zeichen seines machtvollen Wortes, das die Kraft hat zu Richten und zu vergeben, den Satan in Schranken zu weisen und die Menschen zu heilen.

Ostern
Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt. (Offb 1,17-18)

Es ist immer ein Zeichen für die Ergriffenheit des Sehers, wenn dieser wie tot zu Boden fällt. So mächtig ist die Erscheinung, so mächtig der Erscheinende, dass der Mensch aus eigener Kraft nicht davor bestehen kann. Doch Christus richtet ihn auf und offenbart sich ihm: Er ist der Erste und der Letzte, Anfang und Ende der ganzen Welt, er umfasst alles, was ist, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er ist der Lebendige, dem der Tod nichts anhaben kann. Selbst der sich vergöttlichende Kaiser muss sterben, wodurch deutlich wird, dass auch er nur ein Mensch und kein Gott ist. Allein Christus hat den Tod überwunden und so seine Göttlichkeit offenbart.
Wir sollten die Auferstehung nicht als selbstverständlich hinnehmen. Wir sind es gewohnt, jedes Jahr Ostern zu feiern. Jesus ist auferstanden, diese Botschaft rüttelt viele nicht mehr auf und wir können sogar das Halleluja sitzend auf den Kirchenbänken singen so wie jedes andere Lied auch. Wir horchen nicht mehr auf, wenn jemand zu uns sagt: Christus ist wahrhaft auferstanden! Wir verstehen nicht mehr, was das bedeutet.
Die Auferstehung Christi hat die Welt verändert, wie ein Erdbeben, das die Oberfläche der ganzen Erde aufreißt. Tote können nun auferstehen, der Tod ist nicht mehr das Ende des Lebens. Dasein ist nicht mehr auf den Tod hin, sondern auf die Auferstehung. Es gilt so zu leben, dass wir die Auferstehung erlangen. Aber das allein wäre wieder zu moralisch gedacht. Es gilt so zu leben, als wären wir schon auferstanden. Wir leben nicht nach den Geboten, damit wir im Gericht bestehen, sondern wir leben nach Christi Weisung, weil wir schon jetzt mit ihm ein neues Leben haben. Wenn wir Christus nachfolgen, sind wir schon jetzt mit ihm auferstanden, leben schon jetzt als Kinder Gottes, wir leben als Auferstandene auf der Erde und der Tod ist nur noch ein Hinübergang in eine andere Daseinsweise und nicht mehr die Zäsur unseres Lebens.
Mit dem Auferstandenen leben, das hört sich utopisch an, aber es ist möglich, auch wenn es unser ganzes Leben lang eine Herausforderung bleibt. Versuchen wir uns immer neu vom Geheimnis der Auferstehung ergreifen zu lassen, bis es uns ganz durchdringt. Werden wir Christus immer ähnlicher in unserem Leben. Die Erscheinung des Auferstandenen ist für Johannes furchteinflößend, aber nur im ersten Moment. Wir brauchen diese Erfahrung, die uns aus unserem Alltag herausreißt. Wenn wir den Auferstandenen dann immer mehr erkennen, werden wir immer mehr eins mit seinem Licht.

Guter Hirte

Das Lamm erlöste die Schafe

Vor dem Thron und vor dem Lamm stand eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen, niemand konnte sie zählen und sie trugen Palmzweige in den Händen. (Offb 7,9)

Die Offenbarung des Johannes ist ein Buch des Trostes. Den Christen in der Bedrängnis will der Seher von Patmos deutlich machen, dass sie keine Not zu fürchten brauchen. Das Reich Christi und des Vaters triumphiert über alle Macht der irdischen Reiche, auch wenn deren Machthaber jetzt die Christen verfolgen.
Zur Zeit der Entstehung der Offenbarung des Johannes nahm der Kaiserkult im Römischen Reich ein immer größeres Ausmaß an. Um das Reich zu einigen, wurde die Verehrung, ja Anbetung des Kaisers von allen Bewohnern des Reiches gefordert. Wer dazu nicht bereit war, galt als Staatsfeind und Hochverräter, dem die Todesstrafe drohte. Wer Christ sein wollte, der konnte bei aller Loyalität zum Römischen Reich doch eben diese Anbetung des Kaisers nicht leisten. Wir wissen um die unzählbar große Zahl der Märtyrer, die deshalb für ihren Glauben in den Tod gegangen sind.
Anbetung gebührt allein Gott. Die einzig wahre Anbetung geschieht vor dem Thron Gottes und des Lammes.
Der Seher Johannes wurde in den Himmel entrückt vor Gottes Thron. Um den Thron herum stehen die Sitze von 24 Ältesten und in deren Mitte thront Jesus Christus als das Lamm Gottes. Der himmlische Chor singt das Lied des Lammes. Mit Palmzweigen wurde Christus schon bei seinem Einzug in Jerusalem als König verehrt. Diese Verehrung findet ihre Vollendung im Himmel.
Christus erscheint als ein blutendes, geschlachtetes Lamm mit sieben Hörnern und sieben Augen. Das Lamm steht für Friedfertigkeit und Reinheit, zugleich aber zeigen die sieben Hörner seine unbegrenzte Macht und die sieben Augen seinen Einfluss auf die ganze Welt. In diesem Lamm vereinen sich absolute Macht und absolute Gerechtigkeit. Das Lamm ist mächtig und doch geschlachtet, es wurde getötet, aber es lebt.
Dieses Bild erscheint uns sonderbar. Warum zeigt uns Johannes Christus nicht als Mensch, als Auferstandenen mit Wundmalen und Siegesfahne? Weil das Bild vom geschlachteten Lamm am eindrucksvollsten das Wesen Christi beschreiben kann. Sanft wie ein Lamm, zart und lieblich, zugleich ein Opfertier, wie es das Altes Testament beschreibt. Durch sein Blutopfer hat es die Sünden der Welt getilgt. Und doch ist Christus mächtig, nicht wie ein Opfertier, das sich seinem Schicksal fügen muss, sondern er hat sich selbst aktiv aus eigenem Willen als Opfer dargebracht. Er ist Sohn Gottes, daher lebt er, auch wenn er getötet wurde und zeigt mit seinen Hörnern und Augen seine Macht. Aber es ist eine demütige Macht, die nicht auf gewaltsame Herrschaft setzt, sondern die Herzen mit seiner Liebe regieren will.

Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben;
in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben.
Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil,
dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil.
(Adam Thebesius)

"Das Lamm erlöste die Schafe" - so heißt es in der Sequenz zum Osterfest und Johannes beschreibt in der Offenbarung auf ganz eigene Weise, wie das Lamm selbst zum Hirten wird.

Jesus
Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. (Offb 7,16-17)

Diese Welt ist für den Menschen kein Paradies. Krankheit und Not können allen widerfahren. Schon gleich an ihrem Beginn wird in der Bibel darüber nachgedacht, warum das so ist. Warum hat Gott die Erde nicht als Paradies erschaffen, in dem es allen Menschen gut geht? Die Antwort der Bibel lautet: wegen seiner Sünde wurde der Mensch aus dem Paradies vertrieben und muss im Schweiße seines Angesichts für seinen Lebensunterhalt sorgen. Die Frage nach dem "Warum?" wird gerade an religiöse Menschen immer wieder herangetragen. Warum lässt Gott das Leid zu? Warum treffen harte Schicksalsschläge auch gute und fromme Menschen?
Wir werden keine befriedigende Antwort auf diese Fragen finden. Die Antwort Gottes ist das geschlachtete Lamm der Offenbarung. In seinem Sohn Jesus Christus hat Gott selbst alle Mühsal und alles Leid der Welt auf sich genommen. Freiwillig hat er sich dem Tod ausgeliefert, um zu zeigen, dass Leid und Tod nicht das Letzte sind. Nach jedem Schmerz wartet eine neue Freude, nach jedem Tod wartet das Leben. Es bleibt uns nicht erspart, durch diese dunklen Mauern hindurch zu gehen, aber Gott geht mit uns diesen Weg und nach dem Dunkel kommt das Licht, oft bereits in diesem Leben, immer im neuen Leben bei Gott.
Das Bild der Offenbarung, das dem Leiden unter Hunger, Durst und Sonnenglut einen paradiesischen Garten gegenüberstellt, in dem es frisches Wasser und Schatten gibt, ist nicht nur eine Vertröstung auf das Jenseits. Freilich, Johannes schreibt die Offenbarung zunächst an Christen in der Bedrängnis, die jederzeit damit rechnen müssen, für ihren Glauben ins Gefängnis oder gar in den Tod zu gehen. Er macht ihnen Mut und zeigt, dass Gottes Macht größer ist als die Mächte, die gegen Gott und seine Getreuen kämpfen. Aber es wird ein Ende der Verfolgung geben. Gott vergisst seine Getreuen nicht und wer standhaft ausharrt, wird auf unerdenkliche Weise belohnt werden.
Blicken wir auf das Lamm, es ist geschlachtet, wie tot, aber doch ist es voller Leben. Dieses Lamm ist Christus, der Sieger über Leiden und Tod. Im Blick auf ihn finden wir Antwort auf all unsere Fragen, im Vertrauen auf ihn werden wir alles überwinden, er gibt uns Kraft im Leiden und Mut in der Verzweiflung, er stillt unseren Durst nach Leben und schenkt uns Schatten in der Glut der Versuchung.

Herr Jesus,
Lamm Gottes,
für uns geopfert,
du Sieger über den Tod,
in dir triumphiert das Leben,
du zeigst uns
den Sinn des Lebens.
Du guter Hirte,
dir will ich folgen,
rufe mich beim Namen
und lass mich deine Stimme erkennen.
Lass mich mit dir
ein Zeuge des Lebens sein
und zusammen mit dir
hineingehen zum ewigen Leben.
Amen.