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Cyprian von Karthago

Corona, Cyprian und die Cyprianische Pest

Die Corona-Pandemie hat nun bereits seit Monaten drastische Auswirkungen auf unser Leben, unsere Gesellschaft und die Menschen in der ganzen Welt. Auch die Kirche bleibt davon nicht verschont und bis heute sind Gottesdienste nur unter bestimmten Einschränkungen möglich. Wenn auch bei uns die Zahl der Todesfälle aufgrund der Pandemie glücklicherweise relativ gering ist, dürfen wir doch das große Leid, das diese über die gesamte Menschheit bringt, nicht verharmlosen. Viele sind erkrankt, viele leiden unter den psychischen Folgen der Pandemie, viele haben starke materielle Einbußen erlitten.
Es ist das erste Mal seit vielen Jahrzehnten, dass eine Pandemie unsere Gesellschaft derart massiv beeinflusst. Zwar gab es in den letzten Jahren schon mehrere Seuchen wie Ebola oder die Vogelgrippe, aber keine davon hat zu solch massiven Einschränkungen für jeden einzelnen geführt, wie wir es jetzt durch Corona erleben. Diese Neuartigkeit führt auch dazu, dass viele die Existenz der Pandemie leugnen und gegen die Einschränkungen protestieren.
Ein Blick in die Geschichte zeigt uns aber, dass immer wieder Seuchen große Teile der Weltbevölkerung heimgesucht haben. Nur weil wir in den letzten Jahrzehnten in der glücklichen Lage waren, dass wir von solchen großen Ausbrüchen einer Seuche verschont geblieben sind, heißt das nicht, dass diese Gefahr für immer gebannt ist. Zwar können wir aufgrund unseres medizinischen Wissens Seuchen heute weit wirksamer entgegentreten als die Menschen früherer Zeiten, aber gefährlich bleiben sie trotzdem. Auch für die fortschrittlichste Medizin bedeutet es viel Arbeit, die immer neuen Formen von Viren zu entschlüsseln und Medikamente dagegen zu entwickeln.
Was uns von Menschen früherer Zeiten am meisten unterscheidet ist die Tatsache, dass wir heute wissen, welcher Erreger eine Seuche auslöst und wie er sich verbreitet. Mit unseren modernen Mikroskopen können wir uns ein Bild vom Feind machen. Jeder kennt heute das ungefähre Aussehen des Corona-Virus. Wir können uns über dessen Wirkungsweise informieren. Überall gibt es Informationen, wie wir uns vor einer Infektion schützen können.
Das war früher anders. Da kam eine Seuche aus heiterem Himmel über eine Stadt und breitete sich im ganzen Land oder gar auf dem gesamten Kontinent aus. Niemand wusste genau, was diese Krankheit verursacht, niemand wusste, wie man sich davor schützen kann. Niemand wusste von einer Inkubationszeit, bei der ein scheinbar gesunder Mensch die Krankheit bereits in sich trägt und weiterverbreitet. Daher wurden oft religiöse Erklärungen für eine Seuche gesucht. Zwar war der Tod in früheren Gesellschaften mit hoher Kindersterblichkeit und geringer Lebenserwartung weit mehr gegenwärtig als heute, aber wir können uns wohl nicht vorstellen, was es für die Menschen bedeutet hat, wenn beispielsweise durch die Pest über die Hälfte oder gar mehr als dreiviertel der Gesellschaft gestorben sind.
Ich möchte hier näher auf eine Seuche eingehen, die sich im 3. Jahrhundert im Römischen Reich verbreitet hat und die nach einem Heiligen benannt ist, die Cyprianische Pest. Sicher ist vielen der große Märtyrerbischof Cyprian von Karthago (um 200-258) bekannt. Als gebildeter junger Mann hat er sich zum Christentum bekehrt zu einer Zeit, als es noch gefährlich war, Christ zu sein. Aufgrund seiner Bildung wurde er bald zum Priester und schließlich zum Bischof seiner Heimatstadt Karthago geweiht. Viele seiner Schriften und Predigten sind uns bis heute überliefert und zeichnen das Bild eines Hirten, der sich intensiv um seine Gemeinde gekümmert hat. Als in den Jahren 250 und 257/58 große Verfolgungen über die Christen hereinbrachen, setzte er sich für die Freiheit der Christen ein. Besonders aber trat er dafür ein, dass Christen, die aus Furcht vor der Verfolgung im Jahr 250 dem Glauben abgeschworen hatten, wieder in die Gemeinde aufgenommen wurden. Er selbst ist in Kritik geraten, weil er sich damals aus Karthago an einen sicheren Ort im Umland zurückgezogen hat. Im Jahr 258 ab bewies er seine Standhaftigkeit, indem er dem Martyrium mutig ins Auge blickte.
Wir kennen Cyprian, aber mir war bisher auch nicht bekannt, dass eine große Pandemie, die etwa in der Zeit von 250-270 das gesamte Römische Reich in mehreren Wellen heimsuchte, nach ihm benannt ist. Die Cyprianische Pest trägt den Namen des Heiligen, weil dieser in seinem Buch "Über die Sterblichkeit" (De mortalitate) ausführlich auf diese Seuche eingeht. Es finden sich zu dieser Zeit über das gesamte Römische Reich verteilt Hinweise auf eine Seuche, an der viele Menschen gestorben sind. Da diese Zeugnisse aber allesamt von Nichtmedizinern stammen, fällt es bis heute schwer, den genauen Erreger dieser Seuche zu identifizieren. Kyle Harper trägt in seinem Buch "Fatum - Das Klima und der Untergang des Römischen Reiches" unseren Wissensstand über das damalige Geschehen zusammen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der desaströse Zustand des Römischen Reiches in der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts in engem Zusammenhang mit dieser Seuche zu sehen ist. In dieser Zeit wurde der Limes aufgegeben, Germanische Stämme drangen bis Gallien, Spanien und Rom vor, die Goten plünderten Athen, die Perser setzten den östlichen Provinzen stark zu. Es war das Ende der Glanzzeit des Römischen Imperiums im Westen und nur mit Mühe konnte es danach noch für mehrere Jahrzehnte bis zu seinem endgültigen Zusammenbruch bestehen bleiben.
Cyprian will in seinem Buch "Über die Sterblichkeit" den Menschen Sicherheit und Trost geben angesichts der verheerenden Seuche, die sowohl Christen als auch Heiden in gleichem Maße dahinrafft. Erstaunlich ist, dass er nicht wie es oft andere religiöse Autoren tun, die Seuche als eine Strafe Gottes sieht. In seiner Gemeinde in Karthago gibt es keine eklatanten Missstände, die hätten bestraft werden müssen, und die Seuche trifft Christen und Nichtchristen in gleichem Maß. Für ihn ist die Seuche etwas rein Weltliches, das die Christen ebenso trifft wie die Heiden, da beide, so lange sie in der Welt leben, an dem gleichen weltlichen Geschick Anteil haben.

Dass auch die Christen von der Seuche nicht verschont bleiben, darf nicht wundernehmen, denn nicht irdisches Glück ist das Ziel des Christentums. Hier auf Erden sind vielmehr die Gläubigen den gleichen Naturgesetzen, Leiden und Gefahren unterworfen wie diejenigen, die nicht glauben.

Nicht irdisches Wohlergehen ist der Lohn für die Bekehrung zum Christentum, sondern das Wohlgefallen, das der Mensch bei Gott findet. Dafür führt Cyprian die Bespiele der bekannten alttestamentlichen Dulder Hiob und Tobias an. In seiner Argumentation erwähnt Cyprian nahezu beiläufig, dass nicht nur die Seuche den Menschen damals zugesetzt hat, sondern dass es damals auch zu außergewöhnlicher Trockenheit und Ernteausfällen gekommen ist. Wissenschaftlich ist heute nachgewiesen, dass das sogenannte Römische Klimaoptimum, das im Mittelmeerraum lange Zeit für weit mehr Niederschläge gesorgt hat als heute, auch im Sommer, seinem Ende zugingt, und eine Zeit größerer Trockenheit im Mittelmeerraum und Nordafrika folgte.

Aber freilich, manche stoßen sich daran, dass die Macht der jetzt wütenden Krankheit ebenso wie die Heiden auch die Unsrigen ergreift, gerade als ob der Christ nur deshalb gläubig geworden wäre, um, von der Berührung der Übel verschont, in Glück die Welt und das zeitliche Leben zu genießen, und nicht vielmehr deshalb, um für die künftige Freude aufbewahrt zu werden, nachdem er hier alles Widrige erduldet hat.
Es stoßen sich manche daran, dass uns mit den anderen Menschen diese Sterblichkeit gemeinsam ist. Aber was hätten wir denn in dieser Welt mit den übrigen Menschen nicht gemeinsam, solange uns noch nach dem Gesetz der ersten Geburt dieses Fleisch gemeinsam bleibt? Solange wir hier in der Welt weilen, sind wir mit dem ganzen Menschengeschlecht durch die Gleichheit des Fleisches verbunden und nur dem Geiste nach getrennt. Bis also dieses Verwesliche die Unverweslichkeit annimmt und dieses Sterbliche die Unsterblichkeit empfängt und bis der Geist uns zu Gott dem Vater führt, solange sind uns all die Mängel, die dem Fleische anhaften, mit dem ganzen Menschengeschlecht gemeinsam.
So bleibt ja auch, wenn bei Misswuchs der Boden eine nur magere Ernte liefert, keiner vom Hunger verschont; so trifft, wenn eine Stadt bei einem feindlichen Einfall besetzt worden ist, das Los der Knechtschaft alle zugleich; und wenn ein heiterer Himmel den Regen fernhält, dann haben alle unter der gleichen Trockenheit zu leiden; und wenn das Schiff an einem Felsenriff zerschellt, so ist der Schiffbruch für alle Insassen ohne Ausnahme gemeinsam. Und so haben wir auch die Augenschmerzen, die Fieberanfälle und die allgemeine Gliederschwäche mit den anderen gemeinsam, solange wir in der Welt dieses Fleisch gemeinsam an uns tragen.

Die hier erwähnten Anzeichen der Seuche schildert Cyprian an einer späteren Stelle noch ausführlicher und zeigt uns die schrecklichen Auswirkungen, unter denen die Menschen zu leiden hatten. Zugleich betont er immer wieder, dass solche Leiden nicht im Widerspruch zur Hoffnung unseres Glaubens stehen, sondern dass sie vielmehr den Glauben stärken. Entscheidend ist nicht die Tatsache, ob jemand von der Seuche befallen oder verschont wird, sondern vielmehr ob jemand sie als Glaubender oder Ungläubiger erträgt. Das Leiden an der Seuche wird somit zu einem besonderen Glaubenszeugnis dieser besonderen Zeit.

Dass jetzt beständiger Durchfall die Körperkräfte verzehrt, dass das tief im Inneren lodernde Feuer immer weiter wütet und den wunden Schlund ergreift, dass fortwährendes Erbrechen die Eingeweide erschüttert, dass die Augen durch den Blutandrang sich entzünden, dass manchen die Füße oder irgendwelche anderen Körperteile von zerstörender Fäulnis ergriffen und abgefressen werden, dass infolge der schweren Schädigung des Körpers durch die eintretende Ermattung der Gang gelähmt, das Gehör abgestumpft oder die Sehkraft getrübt wird, all das dient nur dazu, den Glauben zu erweisen. Gegen so viele Anfälle der Verheerung und des Todes mit unerschütterlicher Geisteskraft zu kämpfen, welch großen Mut zeigt das!
Welche Erhabenheit verrät es, inmitten der Vernichtung des Menschengeschlechts aufrecht zu stehen, anstatt mit denen am Boden zu liegen, die keine Hoffnung auf Gott haben! Beglückwünschen dürfen wir uns vielmehr und es als Geschenk der Zeit begrüßen, wenn wir unseren Glauben standhaft zur Schau tragen, wenn wir durch das Erdulden von Leiden auf dem engen Weg Christi zu Christus eilen und so den Lohn dieses Weges und des Glaubens nach seinem Urteil finden.
Der Tod ist allerdings zu fürchten, aber nur für den, der nicht aus Wasser und Geist wiedergeboren, sondern den Flammen der Hölle verfallen ist. Den Tod möge fürchten, wer sich nicht auf Christi Kreuz und Leiden berufen kann. Den Tod möge fürchten, wer aus diesem nur zu einem zweiten Tod übergeht. Den Tod möge der fürchten, den bei seinem Scheiden von der Welt die ewige Flamme mit immerwährender Pein foltern wird. Den Tod möge fürchten, wer von einer längeren Frist wenigstens den Gewinn hat, dass seine Qual und sein Seufzen einstweilen noch aufgeschoben sind.
Mariä Himmelfahrt

Der Tod ist nicht zu fürchten! Diesen Trost gibt der Bischof seiner Gemeinde angesichts der Unausweichlichkeit vor den Folgen der Pandemie. Nicht der Tod ist zu fürchten, sondern die ewige Verdammnis, die der Tod für die Ungläubigen mit sich bringt. Das ist der Vorteil des Glaubens angesichts der gegenwärtigen Not und darum gilt es für die Gläubigen, angesichts der zu erduldenden Leiden nicht zu verzweifeln, sondern standhaft zu bleiben.
Doch Cyprian bleibt nicht allein bei dem Hinweis auf den Lohn Gottes nach dem Tod stehen, sondern sieht die Seuche auch als eine Chance für Nächstenliebe und Barmherzigkeit, ja sogar als eine Einübung für das, was den Christen damals als höchster Wert galt: das Martyrium.

Wie bedeutungsvoll, wie wichtig und wie notwendig ist sodann die Wirkung, dass diese Pest und Seuche, die so schrecklich und verderblich erscheint, die Gerechtigkeit jedes einzelnen erforscht und die Herzen des Menschengeschlechtes daraufhin prüft, ob die Gesunden den Kranken dienen, ob die Verwandten ihre Angehörigen innig lieben, ob die Herren sich ihrer leidenden Diener erbarmen, ob die Ärzte die um Hilfe flehenden Kranken nicht im Stich lassen, ob die Trotzigen ihr Ungestüm unterdrücken, ob die Habgierigen die stets unersättliche Glut ihrer Habsucht wenigstens in der Furcht vor dem Tod löschen, ob die Stolzen ihren Nacken beugen, ob die Ruchlosen ihre Keckheit mäßigen, ob die Reichen wenigstens jetzt bei dem Tod ihrer Lieben etwas hergeben und spenden, da sie doch ohne Erben dahingehen werden! Selbst wenn diese Sterblichkeit nichts weiter genützt hätte, so hat sie uns Christen und Dienern Gottes schon damit einen großen Dienst erwiesen, dass wir jetzt begonnen haben, mit Freuden nach dem Märtyrertum zu verlangen, indem wir lernen, uns vor dem Tod nicht zu fürchten. Nur Übungen sind das für uns, nicht Heimsuchungen, sie verleihen dem Herzen den Ruhm der Tapferkeit, und durch die Verachtung des Todes bereiten sie zur Märtyrerkrone vor.

Herr, dein Wille geschehe, diese Bitte aus dem Vater Unser erfüllt sich auch angesichts der Pandemie, wenn die Pläne der Menschen durchkreuzt werden, wenn viele einen vorzeitigen Tod erleiden und nicht mehr das ausführen können, was sie sich für ihr weiteres Leben vorgenommen haben. Die Pandemie führt dem Menschen seine Gebrechlichkeit vor Augen, damals wie heute.
Der tiefere Blick auf das Leben Cyprians und die Zeitumstände dieses Lebens kann ihn in besonderer Weise zu einem Gefährten unserer Zeit machen. Auch wenn uns Jahrhunderte von ihm trennen, haben unsere Zeiten einiges gemeinsam. Cyprian ist in einer Zeit aufgewachsen, als das römische Nordafrika einen Höhepunkt seiner kulturellen und wirtschaftlichen Blüte erlebte, die für viele Menschen Wohlstand und Sicherheit bedeutete. Die Natur schien dem Menschen wohlgesonnen und sorgte für einen geregelten Wechsel der Jahreszeiten.
Er musste dann aber erfahren, wir brüchig dieses weltliche Geschick war. Die letzten Jahre seines Lebens waren geprägt von einer Zeit der politischen Instabilität, wirtschaftlicher Notlagen, Dürren, Hungersnöten und nicht zuletzt einer Pandemie, die unzählige Menschen auf grausamste Weise dahinraffte. Viele glaubten damals an das Ende der Zeiten, und doch hat sich die Welt wieder erholt, eine neue Zeit brach an, Menschen bauten das Zerstörte wieder auf, das Klima wurde wieder freundlicher. Der Glaube Cyprians an Jesus Christus blieb unerschütterlich. Unser Heil ist nicht abhängig von irdischem Wohlergehen, sondern allein von unserem Glauben an den, der die Welt in seinen Händen hält in guten wie in schlechten Zeiten. Sein sind Anfang und Ende. Er ist das Ziel unseres Lebens.

Mariä Himmelfahrt

Das Leben triumphiert über den Tod, Christus ist erstanden, mit ihm haben auch die Gläubigen Teil an der Auferstehung. Diese Hoffnung hat den Heiligen Cyprian Kraft und Hoffnung gegeben angesichts der Pandemie, die in seiner Zeit ausgebrochen ist. Dieser Hoffnung geben auch wir Ausdruck, wenn wir das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel feiern.

Maria ist aufgenommen in den Himmel!
Die Engel freuen sich und lobpreisen den Herrn!

So singt die Kirche freudig am Fest Mariä Himmelfahrt. Der heutige Festtag ist von dieser Fröhlichkeit ganz durchströmt. In unseren Breiten liegt das Fest zudem mitten im Sommer, was ihm zusätzlich einen hellen, lichtdurchströmten Charakter verleiht.
Doch dass wir den heutigen Festtag feiern, ist nicht selbstverständlich. In der Heiligen Schrift wird die Gottesmutter zuletzt in Verbindung mit dem Gebet der Apostel vor dem Pfingstfest erwähnt. Über ihr weiteres Leben, ihren Tod und eine mögliche Aufnahme in den Himmel schweigt die Heilige Schrift. Diese Lücke wird durch verschiedene apokryphe Schriften gefüllt, die aber nicht den Anspruch erheben dürfen, von Gott geoffenbartes Wort zu sein.
Woher wissen wir dann von der Himmelfahrt Mariens und was gibt Papst Pius XII. das Recht, im Jahr 1950 per Dogma zu verkünden:

Es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, dass die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist. (DH 3903)

Die frühen Theologen waren sich darüber im Klaren, dass Maria das gleiche Schicksal erleiden musste wie alle Menschen. Sie musste sterben. Aber doch konnten sie sich nicht vorstellen, dass Jesus Christus seine Mutter im Grab zurückzulassen vermochte. Zudem war man sich bereits in frühen Zeiten sicher, dass Maria bei ihrem Sohn besondere Fürsprache für uns Menschen einlegte. Maria musste also nach ihrem Tod ihrem Sohn ganz nahe gekommen sein.

Die in Fürbitten unermüdliche Gottesmutter
und in der Hilfe unerschütterliche Hoffnung
konnten Tod und Grab nicht halten,
denn als Mutter des Lebens
hat sie zum Leben geführt
er, der einst ihren jungfräulichen Schoß
zur Wohnung genommen.

Die Ostkirche feiert seit dem 6. Jahrhundert das Fest der Entschlafung der Gottesmutter. Sie gedenkt damit nicht nur des Todes der Gottesmutter, sondern auch ihrer Neugeburt für den Himmel. Bereits im 7. und 8. Jahrhundert wird das Fest im Westen verbunden mit dem Gedenken an die Unverwestheit ihres Leides und ihre Aufnehme in den Himmel. Von hier ist es nur noch ein kurzer Schritt hin zu dem Glauben, dass nicht nur die Seele Mariens in den Himmel aufgenommen wurde, sondern auch ihr Leib.

Ein Gebet der Ostkirche zu diesem Fest bringt dies zum Ausdruck:

Der hochwürdige Chor der weisen Apostel wurde auf wunderbare Weise versammelt, um ruhmvoll deinen allreinen Leib zu beerdigen, hochgepriesene Gottesgebärerin. Auch die Scharen der Engel lobsangen mit ihnen, um deinen Hinübergang voll Ehrfurcht zu verherrlichen, den wir im Glauben feiern.
Unbefleckt war bei der Empfängnis deine Mutterschaft, ohne Verwesung war der Zustand des Todes bei deiner Entschlafung. Beide Wunder fließen in eins, o Gottesgebärerin.
Wie konnte diejenige, die keinen Mann erkannte, zur Nährerin eines Kindes werden und dabei jungfräulich bleiben? Wie konnte die Mutter Gottes einer Toten gleich einbalsamiert werden? Deshalb rufen wir dir mit dem Engel zu: "Gegrüßt seist du, Gnadenreiche!"

In einem uns besser vertrauten Lied zum heutigen Fest singen wir:

Maria aufgenommen ist, zu ihrem Sohne Jesus Christ, Halleluja!
Ihr Sohn der Tod und Grab besiegt, er lässt im Tod die Mutter nicht, Halleluja! (GL 522)
Mariä Himmelfahrt

Maria kommt in der Heilsgeschichte, in der Geschichte Gottes mit uns Menschen, eine bedeutende Rolle zu. Davon erfahren wir schon in den Evangelien. Die Kindheitserzählungen über Jesus zeigen uns, wie durch das "Ja" Mariens Gottes Wort Mensch werden konnte und sie geben Zeugnis vom tiefen Glauben Mariens.
Während der Jahre des öffentlichen Wirkens Jesu tritt Maria etwas in den Hintergrund, doch dann sehen wir sie wieder unter dem Kreuz und nach der Auferstehung Jesu im Kreis der Apostel beim Gebet um das Kommen des Heiligen Geistes.
Nach Pfingsten trennen sich die Wege der Apostel und die Heilige Schrift berichtet uns nichts mehr von Maria. Der Legende nach soll sie nach Jesu Tod noch 24 (nach einer anderen Legende 12) Jahre gelebt haben. Der Tradition nach gilt zum einen das Haus neben dem Abendmahlssaal auf dem Zionsberg in Jerusalem als Ort der Entschlafung Mariens, nach anderen Quellen soll Maria in der Stadt Ephesus gestorben sein.

Johannes von Damaskus beschreibt nach einem alten Bericht die Entschlafung der Gottesmutter:

In der Heiligen und von Gott inspirierten Schrift ist zwar das den Heimgang der heiligen Gottgebärerin Maria Betreffende nicht dargelegt, doch aus alter und zuverlässigster Überlieferung haben wir empfangen, dass zur Zeit ihrer glorreichen Entschlafung alle heiligen Apostel, die zur Rettung der Nationen den ganzen Erdkreis durchzogen, in einem einzigen Augenblick allesamt durch die Lüfte nach Jerusalem getragen wurden, und als sie bei ihr ankamen, göttlichen Hymnengesang der höheren Mächte vernahmen. Hierauf übergab sie in göttlichem und überhimmlischem Lichtglanz auf unaussprechliche Weise ihre heilige Seele in Gottes Hände. Ihr Leib aber, der Gott empfangen hatte, wurde unter dem Hymnengesang der Engel und der Apostel weggetragen und in einem Sarg in Getsemani niedergelegt, wo die Wache und der Hymnengesang der Engel drei Tage lang unaufhörlich weiterging.
Als nach dem dritten Tag der Engelgesang aufhörte, in der Gegenwart der Apostel, kam einer von ihnen, der abwesend gewesen war, nämlich Thomas, und wünschte den Leib, der Gott empfangen hatte, zu verehren, und so öffneten sie den Sarg. Doch ihren allbesungenen Leib vermochten sie darin nicht zu finden, sondern nur die Grabgewänder fanden sie darin liegen, von denen ein unaussprechlicher Wohlgeruch ausging und sie erfüllte. Danach schlossen sie den Sarg wieder. Überrascht von diesem wunderbaren Mysterium, gab es für sie nur einen einzigen Gedanken - dass derjenige, dem es gefallen hatte, in seiner eigenen Person in der Jungfrau Fleisch anzunehmen und Mensch zu werden und aus ihr geboren zu werden als inkarnierter Logos Gottes und Herr der Herrlichkeit, indem er ihre Jungfräulichkeit auch nach der Geburt unversehrt bewahrte, dass es demjenigen nach ihrem Hingang auch gefiel, ihren unbefleckten und makellosen Leib noch vor der allgemeinen und universellen Auferstehung mit der Unverweslichkeit zu ehren und zu entrücken.
Heilige Schrift

Philippus in Samarien (Apg 8)

Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündete dort Christus. (Apg 8,5)

Dieser Satz aus der Apostelgeschichte erscheint zunächst unscheinbar, aber es lohnt sich, länger bei ihm zu verweilen. Lukas hat zuvor berichtet vom Pfingstfest, von der Urgemeinde in Jerusalem, von der Verfolgung durch Saulus und den Tod des ersten Märtyrers Stephanus. Genau wie Stephanus gehört auch Philippus zu den sieben Diakonen (Apg 6,1-7), die von der Urgemeinde ausgewählt wurden. Philippus nahm unter ihnen den zweiten Platz nach Stephanus ein.
Während die Apostel in Jerusalem blieben, begleiteten die Diakone die durch die Verfolgung zerstreute Gemeinde. Samarien lag in direkter Nachbarschaft zu Judäa und war somit der nächstgelegene Fluchtpunkt für die Verfolgten. Vor allem hatten die Anführer der Juden dort keinen Einfluss, denn es galt als entwürdigend für einen Juden, mit den Samaritern zu verkehren und ihr Gebiet zu betreten. Auch in den Evangelien ist der Streit zwischen Juden und Samaritern ein Thema und Jesus lehrt seine Jünger, dass die Samariter ebenso Kinder Gottes sind wie die Juden. Die Begegnung mit der Samariterin am Jakobsbrunnen und das Gleichnis vom barmherzigen Samariter sind zwei Beispiele, wie Jesus die Ausgrenzung der Samariter durchbricht.
Jesus hat also bereits den Grund dafür gelegt, dass das Evangelium in Samarien verkündet werden kann. Die Bewohner Samariens sind die ersten Fremden, zu denen die junge Kirche kommt. Vielleicht erinnern sich manche von ihnen noch daran, wie Jesus durch ihr Gebiet gezogen ist und hören nun voller Staunen, was Philippus über diesen Wanderprediger erzählt, dass er in Jerusalem hingerichtet wurde, nach drei Tagen aber auferstanden ist.
Philippus verkündet Christus. Er verkündet das Wesentliche. Er spricht von der Person, auf die allein es im Christentum ankommt. Er spricht von Christus, von der Erlösung, die er durch seinen Tod und seine Auferstehung bewirkt hat, das neue Leben, das alle erwartet, die an ihn glauben. Und er macht das Reich Gottes erfahrbar, indem er ebenso wie Christus heilt und Dämonen austreibt.
Philippus tritt auf wie Christus. Er hat nichts anderes zu sagen, als das, was Jesus kurze Zeit davor gepredigt hat. Er tut, was Christus getan hat. In seinen Boten wird Christus erfahrbar und durch die Boten Christi erfährt jeder Gläubige das Wirken Christi selbst. So geht Glaube. Glaube bedeutet nichts anderes, als Christus erfahren. So ging Glaube damals und so geht Glaube heute.
Es ist eigentlich ganz einfach. In diesem einen Satz ist alles zusammengefasst. Er verkündet Christus. Christus lebt, Christus rettet, Christus heilt. Er ist auferstanden, in ihm ist das Leben. Als der Auferstandene ist er in seiner Kirche immer gegenwärtig. Sein Wirken bleibt allezeit erfahrbar. Das muss auch unsere Verkündigung heute sein. Nichts wissen, außer Christus, nichts tun, außer das, was Christus getan hat. Das ist alles und wenn wir so Christus die Ehre geben, wird sein Heil auch heute gegenwärtig und erfahrbar.

Jesus Heil! Jesus Leben! Jesus Hoffnung!
Herr, du schenkst uns Heil und Leben,
du bietest uns deine Freundschaft an.
Durch deine Gegenwart
schenkst du uns Freude in Fülle
und gibst uns Hoffnung.
Du hast uns in deiner Barmherzigkeit
befreit von Schuld und Sünde.
Durch die Taufe hast du uns
in deine Gemeinschaft gerufen.
Wir sind bereit, deine Zeugen zu sein.
Wir lassen uns senden im Vertrauen
auf deine Liebe und Barmherzigkeit
Stärke uns mit deinem Heiligen Geist!
Lass uns wahrhaft Liebende sein,
die dein Licht in der Welt leuchten lassen
und so ein Segen sind für andere,
damit dein Heil auch heute erfahrbar ist.
Amen.
Heilige Schrift

Paulus vor dem Areopag (Apg 17)

Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm. Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. (Apg 17,22-23)

Bei seiner 2. Missionsreise kommt Paulus auf seinem Weg durch Griechenland auch nach Athen. Diese Stadt hatte damals ihre politische Bedeutung verloren, die sie einst als mächtiger griechischer Stadtstaat gehabt hatte. Dennoch lebte ihr Ruhm als Stadt der Philosophen weiter und das Erbe der großen Philosophen wie Aristoteles, Platon und Epikur wurde hier weiter gepflegt. Doch trotz der differenzierten philosophischen Weltanschauung war auch der traditionelle Götterglaube in Athen fest verwurzelt und überall standen die Statuen dieser Götter. Griechische Bildhauerei war in der Antike berühmt, griechische Statuen besonders auch in Rom begehrt und noch heute können wir in vielen Museen solche antiken Statuen bewundern. Für Paulus aber waren sie keine wertvollen Kunstwerke, sondern erregten vor allem seinen Zorn. Wie viele Juden hatte er eine tiefe Verachtung gegenüber der heidnischen Vielgötterei.
Auch in Athen beginnt Paulus sogleich von seinem Glauben an Jesus Christus zu erzählen. Hier sind es aber nicht wie in vielen anderen Städten die Juden, mit denen er über die Auslegung der Heiligen Schriften und deren Deutung auf Jesus Christus hin diskutiert, sondern die Mitglieder der Philosophenschulen. Diese werden bald auf den fremden Wanderprediger aufmerksam und wollen mehr über seine Lehre erfahren. Sie laden Paulus ein, auf dem Areopag, dem altehrwürdigen Versammlungsort Athens, eine Rede zu halten.
Sicher war das damals eine besondere Ehre und es zeigt, dass Paulus als ernstzunehmender Diskussionspartner wahrgenommen wurde. Für Paulus war eine solche Rede aber weit schwieriger als die Predigt unter Juden und Gottesfürchtigen, bei denen er mit der Heiligen Schrift argumentieren konnte, die er in und auswendig kannte. Wahrscheinlich hatte Paulus in seiner Erziehung aber auch die Grundzüge griechischer Philosophie gelernt und genau dieses Wissen baut er nun geschickt in seine Rede ein.
Doch obwohl Paulus seine Rede mit einem Lob der Athener als besonders fromme Menschen beginnt und auf dem Höhepunkt seiner Rede sogar einen Philosophen wörtlich zitiert - was sicher bei seinen Zuhörern Eindruck machte - lehnen die meisten Athener seine Lehre ab. Zu stolz sind sie auf das Erbe ihrer großen Philosophen und zu fremdartig erscheint ihnen das, was Paulus sagt. Auferstehung passt in keines der philosophischen Konzepte und ein Erlöser aus dem unbedeutenden Judäa war auch nicht gerade attraktiv.
Es wäre ja auch ein Wunder gewesen, wenn sich die Schüler der Philosophen so schnell für den christlichen Glauben entschieden hätten. Die Auseinandersetzung mit der griechischen Philosophie prägt die ersten Jahrhunderte des Christentums. Und selbst als im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian die letzte Philosophenschule in Athen geschlossen wurde, lebte die Lehre der Philosophen noch weiter fort. Gerade Platon und Aristoteles spielen bis heute eine bedeutende Rolle in der Theologie.
Während die Götter Griechenlands verschwunden sind, besteht die Kunst philosophischen Denkens bis heute fort und es ist gut, wenn sich Philosophie und Theologie gegenseitig ergänzen, denn in beiden Wissenschaften geht es ja um das Wahre, Schöne und Gute und um die rechte Lebensweise. Der Erfolg des Paulus war zwar nicht direkt offensichtlich, nur wenige Anhänger findet er in Athen, aber er stößt eine Entwicklung an, die bis heute von großer Bedeutung ist.

Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, außerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen. (Apg 17,34)

In Bezug auf den hier genannten Dionysius kam es zu einer folgenschweren, bis in unsere Zeit hinein nachwirkenden Verwechslung. Der Legende zufolge soll dieser Dionysius der erste Bischof von Athen gewesen sein und dort um das Jahr 95 das Martyrium erlitten haben. Nach einer anderen Überlieferung aber kam Dionysius nach Rom und wurde dort von Papst Clemens nach Gallien entsandt. Er predigte in der Gegend von Paris, wurde der erste Bischof dieser Stadt, und erlitt dort das Martyrium. Er ist einer der großen Stadtpatrone von Paris und es nimmt nicht wunder, dass diese Version besonders durch den Abt Hilduin von St. Denis im 9. Jahrhundert verbreitet wurde, als die Stadt Paris und das damals noch vor seinen Toren gelegene Kloster St. Denis eine große Blüte erlebten. Als der umstrittene Theologe Abaelard im 12. Jahrhundert diese Legende vor den Mönchen von St. Denis offen kritisiert, jagen ihn diese aus der Stadt. Die Verwirrung wird aber komplett, als schließlich auch noch der der um das Jahr 500 unter dem Pseudonym Dionysius Areopagita schreibende Kirchschriftsteller, der uns ansonsten in seiner Person unbekannt ist, mit dem Paulusschüler Dionysius und erstem Bischof von Paris gleichgesetzt wurde.