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Heilige Schrift

Dreifaltigkeitssonntag

Früh am Morgen stand Mose auf und ging auf den Sinai hinauf, wie es ihm der Herr aufgetragen hatte. Die beiden steinernen Tafeln nahm er mit. Der Herr aber stieg in der Wolke herab und stellte sich dort neben ihn hin. Er rief den Namen des Herrn aus. Der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Der Herr ist der Herr, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue. (Ex 34,4-6)

Gibt es Gott? Wie ist Gott? Wer ist Gott? Immer wieder stellen Menschen diese Fragen. Es mag Zeiten gegeben haben, in denen viele die Existenz Gottes als selbstverständlich angenommen haben und in denen die Mehrheit der Menschen das ihnen von Kindheit an vermittelte Gottesbild nicht hinterfragt habt. Aber doch beschäftigt nicht nur den Zweifler, sondern auch den gläubigen Menschen die Frage nach Gott.
Am Dreifaltigkeitssonntag präsentiert uns die Kirche eine Lesung aus dem Buch Exodus, die von einer ganz besonderen Gotteserfahrung des Mose spricht. Das Alte Testament kennt kein Gottesbild, ja es verbietet sogar aufs Schärfste, dass sich die Menschen ein Bild von Gott machen. Das war damals sehr ungewöhnlich, denn alle Völker rings um Israel machten sich Bilder und Statuen von ihren Göttern und verehrten sie. Es entspricht dem Wesen des Menschen, dass er alles greifbar und verständlich vor sich haben möchte.
Der Gott Israels aber will den Menschen auf eine andere Weise nahe sein. Er will nicht durch einen äußerlichen Kult verehrt werden, sondern er will im Herzen des gläubigen und gerechten Menschen wohnen. Gott ist nicht dem besonders nahe, der die reichsten Opfergaben bringt, sondern dem, der sich an die Gebote Gottes hält. Die Übermittlung der Zehn Gebote ist auch der Zusammenhang, in dem dieser Text steht.
Was war geschehen? Gott hat Israel durch Mose aus Ägypten geführt, sie sind lange durch die Wüste gezogen und nun schließt Gott mit dem Volk einen Bund, indem er ihm durch Mose seine Gebote übergibt. Aber während Mose lange Zeit auf dem Berg allein mit Gott ist, wird das Volk ungeduldig und macht sich ein goldenes Kalb, das fortan sein Gott sein soll. Es ist leichter für das Volk, ein goldenes Standbild zu verehren, als einen Gott, der im Verborgenen ist.
Als Mose vom Berg herab kommt sieht er das goldene Kalb und wie das Volk es mit kultischem Tanz verehrt. Voller Zorn zerschmettert er die Tafeln, auf die Gott selbst die Zehn Gebote geschrieben hat. Was wird nun geschehen? Wird Gott das Volk vernichten, weil es sich so schnell von ihm abgewandt hat? Nein, Gott ist geduldig. Mose zerstört das goldene Kalb und macht neue Tafeln aus Stein, mit denen er erneut zu Gott auf den Berg steigt, um die Zehn Gebote zu empfangen.
Obwohl das Alte Testament kein Bild von Gott kennt, schildert es ihn doch oft sehr menschlich. Er kann in Zorn geraten, dann aber von einem besonders frommen Menschen wie Mose oder einem Propheten wieder besänftigt werden. Wenn er erscheint, dann geschieht das oft in Verbindung mit Blitz und Donner, aber sein wahres Gesicht verbirgt sich im erfüllten Schweigen. Gott ist für den Menschen nicht fassbar. Er kann dem Menschen nahe kommen, aber doch kann niemand sein Gesicht sehen. Man merkt förmlich, wie schwer es den Verfassern fällt, das, was sich durch menschliche Worte nicht ausdrücken lässt, in Worte zu fassen.
Und dann wird Gott plötzlich doch sichtbar für den Menschen, er kommt als Mensch in diese Welt in seinem Sohn Jesus Christus. Doch damit nicht genug. Christus verheißt, dass nach seinem Weggang der Heilige Geist seine Stelle unter den Menschen einnehmen wird. Zu allen Zeiten haben die Menschen damit gerungen, was das für ein Gott ist, der als Vater im Himmel ist, der seinen Sohn auf die Erde sendet und der dann im Heiligen Geist unter den Menschen gegenwärtig bleibt. Und bei all dem sind es keine drei Götter, sondern Vater, Sohn und Geist sind der eine Gott.
Vielleicht ist es gerade die Angewohnheit des Menschen, alles greifbar und verstehbar machen zu wollen, die uns den Blick auf dieses Geheimnis verstellt. Die Konzilien der Alten Kirche haben versucht, das Unfassbare und Worte zu fassen, Worte, die oft aus langem Streit entstanden sind und wieder Streit und Spaltung verursacht haben, Worte, die bis heute gelten, aber bis heute oft unverstanden und vor allem erklärungsbedürftig sind. Gott will sich nicht in Bilder zwängen lassen, aber auch nicht in Worte.
Gibt es dann überhaupt eine Antwort auf die Frage des Menschen nach Gott? Ich glaube ja. Zu allen Zeiten ist Gott ein Gott der barmherzig, gnädig, langmütig und reich an Huld und Treue ist. Er will das Heil des Menschen. Als Gott des Heils hat er sich den Menschen des Alten Testaments gezeigt, als Heilsbringer ist Jesus Christus aufgetreten und dieses Heil wirkt der Heilige Geist in der Welt. Dieses Heil will Gott uns auch heute schenken. Daran erkennen wir Gott. Wenn wir nach Gott fragen, so müssen wir auch immer danach fragen, wo für uns das Heil sichtbar und erfahrbar wird. Und in diesem Heil erkennen wir den verborgenen Gott.

Heilige Schrift

Paulus vor dem Areopag (Apg 17)

Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm. Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. (Apg 17,22-23)

Bei seiner 2. Missionsreise kommt Paulus auf seinem Weg durch Griechenland auch nach Athen. Diese Stadt hatte damals ihre politische Bedeutung verloren, die sie einst als mächtiger griechischer Stadtstaat gehabt hatte. Dennoch lebte ihr Ruhm als Stadt der Philosophen weiter und das Erbe der großen Philosophen wie Aristoteles, Platon und Epikur wurde hier weiter gepflegt. Doch trotz der differenzierten philosophischen Weltanschauung war auch der traditionelle Götterglaube in Athen fest verwurzelt und überall standen die Statuen dieser Götter. Griechische Bildhauerei war in der Antike berühmt, griechische Statuen besonders auch in Rom begehrt und noch heute können wir in vielen Museen solche antiken Statuen bewundern. Für Paulus aber waren sie keine wertvollen Kunstwerke, sondern erregten vor allem seinen Zorn. Wie viele Juden hatte er eine tiefe Verachtung gegenüber der heidnischen Vielgötterei.
Auch in Athen beginnt Paulus sogleich von seinem Glauben an Jesus Christus zu erzählen. Hier sind es aber nicht wie in vielen anderen Städten die Juden, mit denen er über die Auslegung der Heiligen Schriften und deren Deutung auf Jesus Christus hin diskutiert, sondern die Mitglieder der Philosophenschulen. Diese werden bald auf den fremden Wanderprediger aufmerksam und wollen mehr über seine Lehre erfahren. Sie laden Paulus ein, auf dem Areopag, dem altehrwürdigen Versammlungsort Athens, eine Rede zu halten.
Sicher war das damals eine besondere Ehre und es zeigt, dass Paulus als ernstzunehmender Diskussionspartner wahrgenommen wurde. Für Paulus war eine solche Rede aber weit schwieriger als die Predigt unter Juden und Gottesfürchtigen, bei denen er mit der Heiligen Schrift argumentieren konnte, die er in und auswendig kannte. Wahrscheinlich hatte Paulus in seiner Erziehung aber auch die Grundzüge griechischer Philosophie gelernt und genau dieses Wissen baut er nun geschickt in seine Rede ein.
Doch obwohl Paulus seine Rede mit einem Lob der Athener als besonders fromme Menschen beginnt und auf dem Höhepunkt seiner Rede sogar einen Philosophen wörtlich zitiert - was sicher bei seinen Zuhörern Eindruck machte - lehnen die meisten Athener seine Lehre ab. Zu stolz sind sie auf das Erbe ihrer großen Philosophen und zu fremdartig erscheint ihnen das, was Paulus sagt. Auferstehung passt in keines der philosophischen Konzepte und ein Erlöser aus dem unbedeutenden Judäa war auch nicht gerade attraktiv.
Es wäre ja auch ein Wunder gewesen, wenn sich die Schüler der Philosophen so schnell für den christlichen Glauben entschieden hätten. Die Auseinandersetzung mit der griechischen Philosophie prägt die ersten Jahrhunderte des Christentums. Und selbst als im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian die letzte Philosophenschule in Athen geschlossen wurde, lebte die Lehre der Philosophen noch weiter fort. Gerade Platon und Aristoteles spielen bis heute eine bedeutende Rolle in der Theologie.
Während die Götter Griechenlands verschwunden sind, besteht die Kunst philosophischen Denkens bis heute fort und es ist gut, wenn sich Philosophie und Theologie gegenseitig ergänzen, denn in beiden Wissenschaften geht es ja um das Wahre, Schöne und Gute und um die rechte Lebensweise. Der Erfolg des Paulus war zwar nicht direkt offensichtlich, nur wenige Anhänger findet er in Athen, aber er stößt eine Entwicklung an, die bis heute von großer Bedeutung ist.

Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, außerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen. (Apg 17,34)

In Bezug auf den hier genannten Dionysius kam es zu einer folgenschweren, bis in unsere Zeit hinein nachwirkenden Verwechslung. Der Legende zufolge soll dieser Dionysius der erste Bischof von Athen gewesen sein und dort um das Jahr 95 das Martyrium erlitten haben. Nach einer anderen Überlieferung aber kam Dionysius nach Rom und wurde dort von Papst Clemens nach Gallien entsandt. Er predigte in der Gegend von Paris, wurde der erste Bischof dieser Stadt, und erlitt dort das Martyrium. Er ist einer der großen Stadtpatrone von Paris und es nimmt nicht wunder, dass diese Version besonders durch den Abt Hilduin von St. Denis im 9. Jahrhundert verbreitet wurde, als die Stadt Paris und das damals noch vor seinen Toren gelegene Kloster St. Denis eine große Blüte erlebten. Als der umstrittene Theologe Abaelard im 12. Jahrhundert diese Legende vor den Mönchen von St. Denis offen kritisiert, jagen ihn diese aus der Stadt. Die Verwirrung wird aber komplett, als schließlich auch noch der der um das Jahr 500 unter dem Pseudonym Dionysius Areopagita schreibende Kirchschriftsteller, der uns ansonsten in seiner Person unbekannt ist, mit dem Paulusschüler Dionysius und erstem Bischof von Paris gleichgesetzt wurde.

Heilige Schrift

Philippus in Samarien (Apg 8)

Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündete dort Christus. (Apg 8,5)

Dieser Satz aus der Apostelgeschichte erscheint zunächst unscheinbar, aber es lohnt sich, länger bei ihm zu verweilen. Lukas hat zuvor berichtet vom Pfingstfest, von der Urgemeinde in Jerusalem, von der Verfolgung durch Saulus und den Tod des ersten Märtyrers Stephanus. Genau wie Stephanus gehört auch Philippus zu den sieben Diakonen (Apg 6,1-7), die von der Urgemeinde ausgewählt wurden. Philippus nahm unter ihnen den zweiten Platz nach Stephanus ein.
Während die Apostel in Jerusalem blieben, begleiteten die Diakone die durch die Verfolgung zerstreute Gemeinde. Samarien lag in direkter Nachbarschaft zu Judäa und war somit der nächstgelegene Fluchtpunkt für die Verfolgten. Vor allem hatten die Anführer der Juden dort keinen Einfluss, denn es galt als entwürdigend für einen Juden, mit den Samaritern zu verkehren und ihr Gebiet zu betreten. Auch in den Evangelien ist der Streit zwischen Juden und Samaritern ein Thema und Jesus lehrt seine Jünger, dass die Samariter ebenso Kinder Gottes sind wie die Juden. Die Begegnung mit der Samariterin am Jakobsbrunnen und das Gleichnis vom barmherzigen Samariter sind zwei Beispiele, wie Jesus die Ausgrenzung der Samariter durchbricht.
Jesus hat also bereits den Grund dafür gelegt, dass das Evangelium in Samarien verkündet werden kann. Die Bewohner Samariens sind die ersten Fremden, zu denen die junge Kirche kommt. Vielleicht erinnern sich manche von ihnen noch daran, wie Jesus durch ihr Gebiet gezogen ist und hören nun voller Staunen, was Philippus über diesen Wanderprediger erzählt, dass er in Jerusalem hingerichtet wurde, nach drei Tagen aber auferstanden ist.
Philippus verkündet Christus. Er verkündet das Wesentliche. Er spricht von der Person, auf die allein es im Christentum ankommt. Er spricht von Christus, von der Erlösung, die er durch seinen Tod und seine Auferstehung bewirkt hat, das neue Leben, das alle erwartet, die an ihn glauben. Und er macht das Reich Gottes erfahrbar, indem er ebenso wie Christus heilt und Dämonen austreibt.
Philippus tritt auf wie Christus. Er hat nichts anderes zu sagen, als das, was Jesus kurze Zeit davor gepredigt hat. Er tut, was Christus getan hat. In seinen Boten wird Christus erfahrbar und durch die Boten Christi erfährt jeder Gläubige das Wirken Christi selbst. So geht Glaube. Glaube bedeutet nichts anderes, als Christus erfahren. So ging Glaube damals und so geht Glaube heute.
Es ist eigentlich ganz einfach. In diesem einen Satz ist alles zusammengefasst. Er verkündet Christus. Christus lebt, Christus rettet, Christus heilt. Er ist auferstanden, in ihm ist das Leben. Als der Auferstandene ist er in seiner Kirche immer gegenwärtig. Sein Wirken bleibt allezeit erfahrbar. Das muss auch unsere Verkündigung heute sein. Nichts wissen, außer Christus, nichts tun, außer das, was Christus getan hat. Das ist alles und wenn wir so Christus die Ehre geben, wird sein Heil auch heute gegenwärtig und erfahrbar.

Jesus Heil! Jesus Leben! Jesus Hoffnung!
Herr, du schenkst uns Heil und Leben,
du bietest uns deine Freundschaft an.
Durch deine Gegenwart
schenkst du uns Freude in Fülle
und gibst uns Hoffnung.
Du hast uns in deiner Barmherzigkeit
befreit von Schuld und Sünde.
Durch die Taufe hast du uns
in deine Gemeinschaft gerufen.
Wir sind bereit, deine Zeugen zu sein.
Wir lassen uns senden im Vertrauen
auf deine Liebe und Barmherzigkeit
Stärke uns mit deinem Heiligen Geist!
Lass uns wahrhaft Liebende sein,
die dein Licht in der Welt leuchten lassen
und so ein Segen sind für andere,
damit dein Heil auch heute erfahrbar ist.
Amen.