"Ein Leben ist verpfuscht und hohl, wenn sein innerster Raum nicht ein Tempel ist, in dem Gott, dem Herrn, gedient wird."Am 2. Februar, jährt sich der Todestag von P. Alfred Delp, von dem diese Worte stammen. Gleich nach dem Abitur trat Alfred Delp 1926 in den Jesuitenorden ein, 1937 wurde er zum Priester geweiht, wirkte als Arbeiterseelsorger, Journalist und Seelsorger.
Schon früh setzte sich Alfred Delp mit dem Nationalsozialismus auseinander. Seine kritischen Predigten wurden geschätzt; die Unvereinbarkeit von Christentum und Nationalsozialismus war ihm unverkennbar: "Wo Konflikt ist, muss gefochten werden, ohne Kompromiss und Feigheit". Delp setzte sich aktiv für verfolgte Juden ein.
1941 begegnete er in Berlin Helmuth James Graf von Moltke, der ihn für seinen "Kreisauer Kreis" gewann. Der "Kreisauer Kreis" stand im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, nach Graf von Stauffenbergs Attentat vom 20 Juli 1944 flog der Kreis auf, seine Mitglieder wurden verhaftet; Delp wurde am 28. Juli festgenommen und nach Berlin in die Strafanstalt Tegel gebracht. Dort wurde er schwer misshandelt und gefoltert. "Der Herrgott holt uns von allen Postamenten herunter" kritzelte er mit gebundenen Händen auf einen Zettel.
Im Januar 1945 begann vor dem Volksgerichtshof unter Roland Freisler der Prozess wegen Hochverrats, Alfred Delp wurde zum Tod verurteilt und im Gefängnis in Berlin-Plötzensee erhängt. Seine Asche wurde auf Feldern verstreut, die Veröffentlichung einer Todesanzeige verboten.
Bekannt sind die Worte von Alfred Delp über den "Rufenden in der Wüste". Jede Zeit braucht Johannesgestalten. Diese Mahnung bekommt eine unerhörte Brisanz, wenn man die Situation bedenkt, in die hinein Alfred Delp diese Worte geschrieben hat, im Angesicht des Todes. Sie haben bis heute nichts von ihrer Dringlichkeit verloren.
"Wohl einer Zeit, die ehrlich von sich meinen darf, sie sei keine Wüste. Wehe aber einer Zeit, in der die Stimmen der Rufenden in der Wüste verstummt sind, überschrien vom Tageslärm oder verboten oder untergegangen im Fortschrittstaumel oder gehemmt und leiser geworden aus Furcht und Feigheit. Die Verwüstung wird bald so schrechlich und allseitig geschehen, dass den Menschen das geschriebene Wort Wüste von selbst wieder einfällt. Ich glaube, wir wissen das. ...
Die Johannesgestalten dürfen keine Stunde im Bild des Lebens fehlen. Diese geprägten Menschen, vom Blitz der Sendung und Berufung getroffen. Ihr Herz ist ihnen voraus, und deswegen ist ihr Auge so hellsichtig und ihr Urteil so unbestechlich. Sie rufen nicht um des Rufens willen oder der Stimme wegen. Oder weil sie den Menschen die schönen Stunden der Erde neideten, da sie ja selbst ausgemeindet sind aus den kleinen trauten Kreisen des Vordergrundes. Sie haben den großen Trost, den nur der kennt, der die innersten und äußersten Grenzen des Daseins abgeschritten ist.
Sie rufen den Segen und das Heil. Sie rufen den Menschen vor seine letzte Chance, während sie schon den Boden beben spüren und das Gebälk knistern und die festesten Berge innerlich wanken sehen und die Sterne des Himmels sogar in Ungeborgenheit hängend schauen. Sie rufen den Menschen in die Möglichkeit, die wandernde Wüste, die ihn überfallen und verschütten wird, aufzufangen durch die größere Kraft des bekehrten Herzens. ...
Von diesen Gestalten hängt viel ab für unser Leben. Denn wie sollen wir hören, wenn keiner ruft und das Toben der wild gewordenen Zerstörung und Verblendung wirklich überbietet?
(aus: Alfred Delp, Im Angesicht des Todes)