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Texte über die Gottesmutter

Gedanken zum Rosenkranzgebet

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Rosenkranz

Der Rosenkranz

Die Rose ist eine der herrlichsten Blumen. Sie ist in vielen Kulturen seit ältesten Zeiten ein Symbol der Liebe und der Wertschätzung, aber auch des Schmerzes. Diese Pflanze, die so herrliche Blüten hervorbringt, besitzt zugleich spitze Dornen.
Das Christentum hat schon früh das Symbol der Rose mit Maria in Verbindung gebracht. Rosa mystica oder Rose ohne Dornen sind nur zwei Beispiele aus dem reichen Schatz der Marienmystik. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, warum man diese besondere Form der Perlenschnur, mit der wir zusammen mit Maria die Geheimnisse des Lebens Jesu betrachten, Rosenkranz genannt hat. Ähnliche Gebetsschnüre finden sich auch in anderen Religionen, doch weist das Kreuz an seinem Beginn den Rosenkranz als eine spezifisch christliche Gebetsschnur aus.
Mit Hilfe des Rosenkranzes betrachten wir mit Maria das Leben Jesu, denn "den Rosenkranz beten ist tatsächlich nichts anderes, als mit Maria das Antlitz Christi zu betrachten" (Papst Johannes Paul II.). Die ständige Wiederholung des "Gegrüßet seist du Maria" im Rosenkranz darf nicht verwechselt werden mit einem monotonen Herunterleiern eines Gebets. Das gleichbleibende Gebet soll vielmehr helfen, unseren Geist zu sammeln und hinzuführen auf das Wesentliche. Die Anrufung Mariens im mündlichen Beten soll uns hinführen zur tiefern Betrachtung der Geheimnisse des Lebens Jesu. So betont auch Papst Paul VI.: "Ohne Betrachtung ist der Rosenkranz ein Leib ohne Seele, und das Gebet läuft Gefahr, zu einer Wiederholung von mechanischen Formeln zu werden."
Stellen wir uns vor, wie die Betrachtung einer schönen Rosenblüte unser Herz erfreuen und unsere Sinne fesseln kann. So können uns die einzelnen Perlen wie Rosen erscheinen, in denen wir das Leben Jesu Christi betrachten. Dann kann dieses Gebet zu einem Ausdruck der Liebe werden, die nicht müde wird, sich der geliebten Person zuzuwenden und uns stets Neues an dem Geliebten erkennen lässt.

Die freudenreichen Geheimnisse
Jesus, den Du, O Jungfrau,
vom Heiligen Geist empfangen hast.
Jesus, den Du, O Jungfrau,
zu Elisabeth getragen hast.
Jesus, den Du, O Jungfrau,
(in Bethlehem) geboren hast.
Jesus, den Du, O Jungfrau,
im Tempel aufgeopfert hast.
Jesus, den Du, O Jungfrau,
im Tempel wiedergefunden hast.

Die lichtreichen Geheimnisse
Jesus, der von Johannes
getauft worden ist.
Jesus, der sich bei der Hochzeit
in Kana offenbart hat.
Jesus, der uns das Reich Gottes
verkündet hat.
Jesus, der auf dem Berg
verklärt worden ist.
Jesus, der uns die Eucharistie
geschenkt hat.

Die schmerzhaften Geheimnisse
Jesus, der für uns
Blut geschwitzt hat.
Jesus, der für uns
gegeißelt worden ist.
Jesus, der für uns
mit Dornen gekrönt worden ist.
Jesus, der für uns
das schwere Kreuz getragen hat.
Jesus, der für uns
gekreuzigt worden ist.

Die glorreichen Geheimnisse
Jesus, der von den Toten
auferstanden ist.
Jesus, der in den Himmel
aufgefahren ist.
Jesus, der uns den Heiligen Geist
gesandt hat.
Jesus, der Dich, O Jungfrau,
in den Himmel aufgenommen hat.
Jesus, der Dich, O Jungfrau,
im Himmel gekrönt hat.



Den Rosenkranz beten ist tatsächlich nichts anderes, als mit Maria das Antlitz Christi zu betrachten.
(Johannes Paul II.)

Der Rosenkranz ist ein Verweilen in der Lebenssphäre Mariens, deren Inhalt Christus ist.
(Romano Guardini)

Als biblisches Gebet, in dessen Mitte das Geheimnis der erlösenden Menschwerdung steht, ist der Rosenkranz ganz klar auf Christus hin ausgerichtet. Auch sein charakteristisches Element, die litaneiartige Wiederholung des "Gegrüßet seist du, Maria", wird zu einem unaufhörlichen Lobpreis Christi ...: Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!
(Paul VI.)

Entwicklung des Rosenkranzgebetes

Das Rosenkranzgebet ist in einem langen Entwicklungsprozess aus einer Reihe spiritueller Elemente entstanden. Eines der ursprünglichsten ist das Wiederholungsgebet, das schon im frühen Mönchtum gepflegt wurde. Es entsprang dem Wunsch nach immerwährendem Gebet. Paulus schreibt an die Gemeinde von Thessalonich: "Betet ohne Unterlass" (1 Thess 5,17). Vom Eremiten Paulus, der im 4. Jahrhundert in der ägyptischen Wüste lebte, wird überliefert, er habe täglich dreihundertmal das Vaterunser gebetet. Er zählte die Gebete mit kleinen Steinen. Durch solches Beten hofften die Mönche, zu einer ständigen Einheit mit Gott zu gelangen.
Der Wunsch, die Zeit durch das Gebet zu heiligen, führte zur Herausbildung des kirchlichen Stundengebetes, das im 6. Jahrhundert seine Form gefunden hat. Seinen längsten und wichtigsten Teil bilden die Psalmen. Die 150 biblischen Psalmen bekamen den Namen Psalter. Das Rosenkranzgebet entwickelte sich aus Anrufungen, die täglich 50 oder 150 mal (in Anlehnung an den Psalter) wiederholt wurden und es auch Laien ermöglichen sollten, ein regelmäßiges Gebet wie das Stundengebet der Geistlichen vollziehen zu können. Diese Anrufungen und auch die Reihung von 150 Vaterunser oder später auch 150 Ave Maria wurden bald neben der Psalmensammlung ebenso als Psalter bezeichnet.
Zum Abzählen dienten Schnüre mit Perlen oder Knoten. Die Einteilung in Zehnergesätze mit dem Vaterunser ist eine weitere Entwicklungsstufe. Wesentlicher als diese Unterteilung ist die Verbindung des Ave Maria mit Betrachtungen aus dem Leben Jesu. In der Kartause von Trier fügte Dominikus von Preußen (nach 1410) an das Wort "Jesus" des Ave Maria 50 kurze Sätze (clausulae) an, die an ein Geheimnis aus dem Leben Jesu oder seiner Mutter erinnerten. Damit war der heutige Rosenkranz gegeben.

Die Kraft des Gebetes

Im Gebet liegt eine Kraft, die wir Menschen nicht berechnen können. Wir wollen heute alles selber machen, wollen alles durch unsere Kraft erreichen. Wir planen alles bis in die kleinsten Kleinigkeiten - aber beten wir auch darum, dass Gott dem, was wir planen, ein gutes Gelingen gibt?
Durch das Gebet wird manchmal das Unmögliche möglich, kommt im Unheil eine unerwartete Wendung zum Guten. Aber das Gebet ist eben eines nicht: berechenbar. Wir können nie voraussagen, was unser Gebet bewirkt und umgekehrt können wir auch von keinem Ereignis sicher sagen, dass es auf Grund des Gebets eingetreten ist. Etwas, worum viel gebetet wird, kann doch mißlingen, ein kranker Mensch, für den gebetet wird, kann doch sterben. Aber irgendwie zeigt das Gebet, wenn auch verborgen, mit Sicherheit seine Wirkung.
Dem Rosenkranzgebet wohnt eine starke Kraft inne, sowohl wenn es in Gemeinschaft, als auch wenn es allein gebetet wird. Es ist schön, wenn man sich die Zeit nimmt, den ganzen Rosenkranz zu beten, doch bevor man das Gebet ganz unterlässt, ist es auch schon von großem Wert, jeden Tag nur eines seiner Gesätze zu beten. Neben der Betrachtung der Geheimnisse des Lebens Jesu dürfen wir in das Rosenkranzgebet auch alle unsere Sorgen und Anliegen legen und sie durch Maria zu Jesus bringen.

Das Rosenkranzfest

Zum Dank für den Sieg über die Türken bei Lepanto am 7. Oktober 1571, der dem Rosenkranzgebet zugeschrieben wurde, ordnete Pius V. (1566 - 1572) für den ersten Jahrestag des Sieges ein Marienfest an. Gregor XIII. hat 1573 allen Kirchen, die über einen Rosenkranzaltar verfügten, die Einrichtung eines Rosenkranzfestes am 1. Sonntag im Oktober gestattet. Das Fest wurde auf die ganze Kirche ausgedehnt, nachdem 1716 ein Sieg über die Türken in Peterwardein errungen worden war.
1913 legte Pius X. den Festtermin zurück auf den 7. Oktober. Im aktuellen Festkalender erscheint der Termin als "Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz". Ausgehend davon wurde der ganze Monat Oktober zu einem Marienmonat, der in besonderer Weise dem Rosenkranzgebet gewidmet ist.

Die Praxis des Rosenkranzgebetes

Am besten ist es, wenn man für das Rosenkranzgebet einen richtigen Rosenkranz zur Hand hat, wie man ihn beispielsweise an Wallfahrtsorten oder in Geschäften, die religiöse Artikel führen, kaufen kann. Man kann einen Priester bitten, den Rosenkranz zu segnen.
Die Grundgebete, also das "Vater Unser", das "Gegrüßet seist Du, Maria" und das "Ehre sei dem Vater" sollte man auswendig können, wenn nicht kann man sich auch die Texte dazu bereitlegen. Das besondere des Rosenkranzgebetes ist es, dass im Gegrüßet seist du Maria jeweils nach dem Wort "Jesus" ein Text, das sogenannte Geheimnis, eingefügt wird. Dazu später mehr.
Man beginnt das Rosenkranzgebet wie jedes Gebet mit dem Kreuzzeichen. Dann betet man an dem Kreuz des Rosenkranzes das Apostolische Glaubensbekenntnis und anschließend das Ehre sei dem Vater. Dadurch wird uns bewusst, dass der Rosenkranz nicht nur ein Mittel der privaten Frömmigkeit ist, sondern dass wir ihn zusammen mit der ganzen Kirche beten.
Nach dem Kreuz kommen noch vier Perlen, die außerhalb des großen Perlenkranzes liegen. Hier beten wir zuerst das Vater Unser und dann drei Gegrüßet seist Du Maria, bei denen wir jeweils einfügen:

- Jesus, der in uns den Glauben vermehre
- Jesus, der in uns die Hoffnung stärke
- Jesus, der in uns die Liebe entzünde

Anschließend beten wir das Ehre sei dem Vater.

Nun finden wir an dem Perlenkranz jeweils fünfmal eine einzelne Perle, der zehn Perlen folgen. Das sind die fünf Gesätze, aus denen der Rosenkranz besteht. Sie beginnen jeweils an der einzelnen Perle, bei der das Vater Unser gebetet wird, dann folgt zehnmal das Gegrüßet seist Du Maria und wir beenden das Gesätz mit dem Ehre sei dem Vater. Das Wort "Gesätz" hat nichts mit dem Wort Gesetz zu tun, sondern kommt von Satz. Ein Rosenkranzgesätz ist der verallgemeinernde Sammelbegriff für die einzelnen Sätze des Gebetes.
In jedem Gegrüßet seist Du Maria fügen wir hinter dem Wort Jesus ein Geheimnis ein. Unter einem Geheimnis verstehen wir meist etwas, das man für sich behalten soll, in das nur wenige eingeweiht sind. Hier hat das Wort aber noch eine andere Bedeutung. Wir sprechen von den Geheimnissen des Lebens Jesu. Das, was im Leben Jesu geschieht, macht uns den verborgenen Gott offenbar. Die Stationen des Lebens Jesu sind deshalb Geheimnisse, weil ihr Sinn tiefer geht, als es uns bei einer rein oberflächlichen Betrachtung erscheinen mag.
Wenn wir im Rosenkranzgebet die Geheimnisse des Lebens Jesu betrachten, so ist dies ein Weg, Jesus Christus immer tiefer zu verstehen. Wenn wir so an das Rosenkranzgebet herangehen, wird es für uns nicht ein monotones Herunterleiern von immer gleichen Worten sein. Gerade die ständige Wiederholung schafft einen Raum, in dem unser Geist in die Tiefe gehen kann. Er braucht sich nicht um die äußeren Worte zu kümmern, sondern kann sich ganz auf das Wesentliche konzentrieren. Zugleich aber hilft das Gerüst der immer gleichen Worte, dass der Geist nicht abschweift und die Gedanken um anderes kreisen lässt.
Jesus Christus wird uns immer ein Geheimnis bleiben, aber eines, dem wir immer tiefer auf die Spur kommen können. Wenn wir einen Menschen lieben, so ist es spannend, immer neue Seiten an ihm zu entdecken. Der Glaube ist ja nichts anderes als eine Liebesbeziehung. Das auf den ersten Blick recht langweilige Rosenkranzgebet kann uns

Manche wundern sich vielleicht: Der Rosenkranz ist doch ein Mariengebet, aber in den Texten darüber war mehr von Jesus die Rede als von Maria. Dies ist ein Zeichen der wahren Marienfrömmigkeit: Sie führt uns hin zu Jesus Christus. Maria will uns helfen, ihren Sohn immer tiefer zu erkennen.
Papst Johannes Paul II. schreibt dazu: "Tatsächlich ist der Rosenkranz, wenn auch von seinem marianischen Erscheinungsbild her charakterisiert, ein zutiefst christologisches Gebet. In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in sich die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft, für die er gleichsam eine Kurzfassung ist. In ihm erklingt das Gebet Marias, ihr unaufhörliches Magnificat durch das Werk der erlösenden Menschwerdung, die in ihrem jungfräulichen Schoß ihren Anfang nahm. Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens, um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen. In der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse schöpft der Gläubige Gnade in Fülle, die er gleichsam aus den Händen der Mutter des Erlösers selbst erhält."
Es gibt offiziell vier Rosenkranzzyklen, den freudenreichen, den lichtreichen, den schmerzhaften und den glorreichen Rosenkranz. Jeder enthält jeweils fünf Geheimnisse. Die einzelnen Geheimnisse finden Sie rechts. Im Folgenden möchte ich nach und nach eine kurze Meditation zu den einzelnen Geheimnissen des Rosenkranzes vorstellen.

Der lichtreiche Rosenkranz

Rosenkranz

Lange Zeit kannte die Kirche nur fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes. Zusammen mit den zehn Ave Maria bildeten sie den Psalter nach, der 150 Psalmen umfasst. Doch neben den Geheimnissen der Geburt und Kindheit Jesu und den Geheimnissen seines Leidens und seiner Auferstehung vermissten viele die Geheimnisse des Lebens Jesu beim Betrachten des Rosenkranzes.
Papst Johannes Paul II. hat in seinem Apostolischen Schreiben "Der Rosenkranz der Jungfrau Maria" (Rosarium Virginis Mariae) vom 16. Oktober 2002 die Geheimnisse des lichtreichen Rosenkranzes vorgestellt, die seither von vielen Betern auf der ganzen Welt in ihren Gebetsschatz aufgenommen wurden. Wenn wir, wie Johannes Paul II. sagt, im Rosenkranz die "Kurzfassung des Evangeliums" sehen, dürfen sie in unserem Beten nicht fehlen.
Der lichtreiche Rosenkranz beginnt mit der Taufe Jesu im Jordan. Es liegt eine lange Zeitspanne zwischen den Ereignissen der Kindheit Jesu, die wir im freudenreichen Rosenkranz betrachten, und dem, was nun geschieht. Bei den Geheimnissen des freudenreichen Rosenkranzes war Maria immer bei Jesus. Bei der Taufe im Jordan hören wir nichts von ihr. Maria hat ihren Sohn bis hierher begleitet. Jesus hat viel von seiner Mutter gelernt. Nun ist es der Vater im Himmel selbst, der zu Jesus spricht und seinen Sohn der Welt offenbar macht. Jesus folgt ganz dem Willen des Vaters. Maria aber tritt in den Hintergrund, und doch ist sie da und folgt den Wegen ihres Sohnes. Johannes Paul II. schreibt über die Beziehung der lichtreichen Geheimnisse zur Gottesmutter Maria:

"Die Präsenz Mariens bleibt in diesen Geheimnissen im Hintergrund mit Ausnahme der Hochzeit zu Kana. Die Evangelien deuten gelegentlich ihre Anwesenheit bei dieser oder jener Predigttätigkeit Jesu an. ... Die ihr in Kana zugefallene Aufgabe begleitet jedoch in gewisser Weise den ganzen Weg Jesu. Die Offenbarung, die bei der Taufe im Jordan direkt vom Vater ausgeht und in den Worten des Täufers widerhallt, liegt zu Kana auf ihren Lippen und wird zu der großen mütterlichen Ermahnung, die Maria an die Kirche aller Zeiten richtet: 'Was er euch sagt, das tut!' (Joh 2,5). Hier finden wir die Mahnung, die die Worte und Zeichen Jesu während seines ganzen öffentlichen Wirkens vorbereitet und somit den marianischen Hintergrund aller lichtreichen Geheimnisse bildet."

Maria zeigt uns den Weg zu Jesus. Papst Johannes Paul II. sagt:

"Das Gehen durch die Szenen des Rosenkranzes an der Seite Marias bedeutet, sich ,,in die Schule Mariens" zu begeben, um Christus zu erfassen und um in die Geheimnisse einzudringen, schließlich um seine Botschaft zu verstehen. ...
Während des geistlichen Vollzugs des Rosenkranzes, der - in Gemeinschaft mit Maria - auf der unaufhörlichen Betrachtung des Antlitzes Christi gründet, erreicht man dieses anspruchsvolle Ideal des Ähnlich Werdens mit ihm mittels eines Weges, den wir einen freundschaftlichen Besuch nennen könnten. Dieser versetzt uns ganz natürlich in das Leben Christi und erlaubt uns gleichsam, seine Empfindungen nachzuvollziehen. Der selige Bartolo Longo sagt dazu: 'Wie zwei Freunde, die sich öfters besuchen, sich in ihren Gewohnheiten anzugleichen pflegen, so können auch wir, die wir in familiärer Vertrautheit mit Jesus und der Jungfrau in der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse sprechen und gemeinsam ein und dasselbe Leben in der Kommunion vollziehen, ihnen gleich werden, soweit dies unsere Begrenztheit erlaubt: Von diesen höchsten Beispielen können wir das demütige, arme, verborgene, geduldige und vollkommene Leben erlernen'."

Herr Jesus, du warst auf Erden ganz dem Willen deines Vaters gehorsam. So hast du uns gezeigt, was es heißt, ganz nach Gottes Weisung zu leben. Öffne durch das Betrachten der Geheimnisse deines Lebens unsere Ohren und unser Herz, dass wir stets deinen Ruf vernehmen und gibt uns den Mut, nach deinem Wort zu leben.
Maria, du hast gesagt: Was er euch sagt, das tut. Zeige uns beim Beten des Rosenkranzes deinen Sohn und hilf uns dabei, seinen Willen zu erkennen und zu erfüllen. Amen.

Die fünf Geheimnisse des Lichtreichen Rosenkranzes

Rosenkranz
Jesus, der von Johannes getauft worden ist.
Jesus, der sich bei der Hochzeit zu Kana offenbart hat.
Jesus, der das Reich Gottes verkündet hat.
Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist.
Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat.

Jesus, der von Johannes getauft worden ist.

Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir? Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. (Mt 3,13-17)

Gehen wir in Gedanken mit Jesus an den Jordan. Wir sehen Johannes den Täufer mit langem, zerzaustem Haar in seinem einfachen Gewand. Wir hören seinen Ruf zur Umkehr, sehen, wie die Menschen betroffen sind von seinen Worten.
Kehrt um! Eindringlich erschallen diese Worte in der Wüste. Stimme des Rufers ... Auch ich muss immer wieder umkehren, mich immer neu hinkehren zu Gott. Doch wer kann mir helfen und befreit mich von meinen Sünden?
Da sehe ich Jesus. Als er wie alle anderen in das Wasser des Jordan steigt, um sich von Johannes taufen zu lassen, hält dieser plötzlich inne, es kommt zu einem längeren Gespräch zwischen den beiden. Mit der Menge schaue ich dem Ereignis gespannt zu.
Es ist ein Moment, der Gottes Gegenwart erfahrbar werden lässt. Dieser Jesus ist mehr als ein gewöhnlicher Mensch, der zur Taufe schreitet. Jesus ist Gottes Sohn, er ist das Lamm Gottes, das in den Jordan steigt, um die Sünde der Welt auf sich zu nehmen, um sie am Kreuz mit seinem Blut zu tilgen.

"Die Taufe im Jordan ist ganz besonders ein Geheimnis des Lichtes. Während Jesus Christus, der Unschuldige, der sich für uns zur ,,Sünde" macht, in die Wasser des Flusses hinabsteigt, öffnet sich der Himmel und der Vater proklamiert ihn als seinen geliebten Sohn. Der Geist lässt sich auf ihm nieder und überträgt ihm die erwartete Mission." (Johannes Paul II.)

Jesus, bei dir ist die Hoffnung auf Vergebung und Heil. Als Mensch bist du zu uns gekommen, um uns Menschen von der Last der Sünde zu befreien. Ich lobe dich und preise dich, meinen Herrn und Heiland. Amen.

Rosenkranz

Jesus, der sich bei der Hochzeit zu Kana offenbart hat.

Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm. Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn. Danach zog er mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern nach Kafarnaum hinab. Dort blieben sie einige Zeit. (Joh 2,3-12)

Begleiten wir Jesus in den Hochzeitssaal von Kana. Viele Gäste sind da, auch Maria. Es ist ein fröhliches Fest. Jesus ist unter Freunden.
Mit Jesus feiern. Ist Jesus auch bei meinen Festen "eingeladen"? Wer ist Jesus für mich? Einer, mit dem es sich feiern lässt, oder einer, der die Stimmung vermiest?

Jesus will mit uns feiern. Er verwandelt Wasser in Wein.
Die Menschen sollen fröhlich sein. Jesus will mit uns fröhlich sein.
Was er euch sagt, das tut. Maria zeigt uns, wie wir die wahre Freude finden. Sie ist es auch, die ihrem Sohn zeigt, was wir brauchen. Vertrauen wir uns ihrer mütterlichen Fürsprache an. Jesus hört gerne auf seine Mutter.

"Der Beginn der Zeichen Christi in Kana ist Geheimnis des Lichtes, wo er das Wasser in Wein verwandelt und auf die Fürsprache Marias hin, der ersten aller Glaubenden, das Herz der Jünger für den Glauben öffnet." (Johannes Paul II.)

Herr Jesus, komm, sei du in unserer Mitte, wenn wir feiern und fröhlich sind.
Herr Jesus, komm, sei du in unserer Mitte, wenn wir mit anderen zusammen sind.
Herr Jesus, lass uns Freude haben an den Geheimnissen deines Lebens und an deiner Lehre. Amen.

Jesus, der das Reich Gottes verkündet hat.

Rosenkranz
Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! (Mk 1,14f.)

Es war etwas Außergewöhnliches, das Jesus verkündet hat. Hinter seinen Worten steckte eine Kraft, das spürten die Menschen. Jesus redete mit göttlicher Vollmacht. Er bekräftigte die Wahrheit seiner Verkündigung durch die Wunder, die er tat. Seine Worte entfachten kein Strohfeuer in den Menschen, sondern entzündeten in ihnen das Feuer der Liebe. Niemand ließen seine Worte kalt. Manche waren nicht bereit, sie anzunehmen, und setzten alles daran, Jesus auszuschalten. Wer sich aber seinen Worten öffnete, dem erschlossen sie den Weg zum Heil.
Jesu Ruf gilt auch mir: Kehr um! - Folge mir nach! Auch ich kann seine Worte hören, kann miterleben, wie er den Menschen begegnet, wie er Ausgestoßene in seine Nähe holt, wie er Kranke heilt, wie er Traurige fröhlich macht.

"Geheimnis des Lichtes ist die Predigt, mit der Jesus das Kommen des Reiches Gottes ankündigt und zur Bekehrung aufruft, indem er denen die Sünden nachlässt, die sich ihm mit demütigem Vertrauen nähern. Dies ist der Beginn des Dienstes des Erbarmens, den er bis zum Ende der Welt auszuüben fortfährt, besonders durch das Sakrament der Versöhnung, das er seiner Kirche anvertraut hat." (Johannes Paul II.)

Herr Jesus, lass mich auf dein Wort hören.
Herr Jesus, gib mir den Mut zur Umkehr,
hilf mir das loszulassen, was mich hindert, dir zu folgen.
Schenke mir das Vertrauen und den Mut,
mich ganz in deine Arme fallen zu lassen.
Herr Jesus, rühre mein Herz an,
damit ich dein Wort annehmen und verstehen kann und deinem Ruf folge. Amen.

Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist.

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus.
Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst! (Mt 17,1-8)
Rosenkranz

Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne - mit diesen Worten versucht der Evangelist darzustellen, was menschliche Sprache nicht beschreiben kann. Göttlicher Glanz liegt auf Christi Antlitz. Die drei Apostel erfahren, dass hier einer vor ihnen steht, dessen Sein über das rein menschliche Sein weit hinausgeht.
Der göttliche Glanz auf dem menschlichen Antlitz des Gottessohnes ist der Welt zum ersten Mal bei seiner Geburt in Betlehem aufgestrahlt. Damals war es Maria, die das Antlitz ihres Sohnes voll staunender Liebe betrachten durfte. Niemand hat sich mehr der Betrachtung des Antlitzes Christi hingegeben wie sie. Immer war ihr liebender Blick auf ihren Sohn gerichtet, um das göttliche Geheimnis in ihm zu verstehen. Sie wachte über seine Kindheit, begleitete ihn auf seinem Weg und stand schließlich bei ihm unter dem Kreuz.

"Geheimnis des Lichtes schlechthin ist die Verklärung, die sich der Überlieferung nach auf dem Berg Tabor ereignet hat. Auf dem Antlitz Christi erstrahlt göttliche Glorie, während Gottvater ihn vor den verzückten Aposteln beglaubigt, damit sie auf ihn hören und sich darauf einstellen, mit ihm auch die schmerzvollen Augenblicke seiner Passion zu leben, um mit ihm zur Freude der Auferstehung und zu einem im Heiligen Geist verklärten Leben zu gelangen." (Johannes Paul II.)

Herr Jesus, du hast auch uns dazu berufen, dich immer mehr kennenzulernen, indem wir beständig sein Antlitz betrachten. Wir sehen dein Bild vor uns beim betrachtenden Gebet, im Nächsten, der uns begegnet, im Geheimnis der Eucharistie. Du willst uns immer tiefer mit deinem Bild vertraut machen. Hilf uns, dein Bild in unser Herz aufnehmen, damit wir immer mehr nach deinem Bild gestaltet werden.

Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat.

Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von neuem davon trinke im Reich meines Vaters. (Mt 26,26-29)

Der irdische Lebensweg Jesu geht seinem Ende entgegen. Vor seinem Leiden und seinem Tod hält Jesus, der so oft zusammen mit seinen Jüngern gegessen hat, ein letztes Mahl mit ihnen. Doch es ist mehr als ein Abschiedsmahl. Von nun an wird es so sein, dass Jesus stets bei der Feier dieses Mahles mitten unter seinen Jüngern anwesend sein wird. In den gewandelten Gestalten von Brot und Wein lässt er uns bis heute seine Gegenwart erfahren.

"Geheimnis des Lichtes ist schließlich die Einsetzung der Eucharistie, in der Christus sich mit seinem Leib und seinem Blut unter den Gestalten von Brot und Wein zur Speise gibt und so der Menschheit seine Liebe bis zur Vollendung erweist (Joh 13,1) und sich für das Heil derselben im Opfer darbringt." (Johannes Paul II.)
Rosenkranz

Teresa von Avila sagt:

"In jenem Brot haben wir Zugang zu ihm! Wenn ihr gerade den Herrn empfangen habt und ihn in eigener Person in euch habt, dann versucht, die Augen des Leibes zu schließen, die der Seele zu öffnen und in euer Herz zu blicken! Wenn ihr euch dies zur Gewohnheit macht, wird er nicht verhüllt bleiben und sich euch auf vielerlei Weise und in dem Maß, in dem ihr ihn zu sehen verlangt, zu erkennen geben. Bleibt nur gerne bei ihm! Versäumt eine so gute Gelegenheit wie die Stunde nach der heiligen Kommunion nicht, um euch mit ihm auszutauschen."

Herr Jesus Christus, deine Gläubigen ersehnen dich von ganzem Herzen. Halte stets in unseren Herzen die freudige Sehnsucht nach dir wach, dem höchsten und liebenswürdigstem Gut, welche nur du alleine stillen kannst. Amen.

Abschließen möchte ich die Betrachtungen zum lichtreichen Rosenkranz mit einem Gebet von Edith Stein, in dem das Verlangen nach einer lebendigen Begegnung mit Jesus Christus zum Ausdruck kommt:

Du senkst voll Liebe Deinen Blick in meinen
und neigst Dein Ohr zu meinen leisen Worten
und füllst mit Frieden tief das Herz.

Doch Deine Liebe findet kein Genügen
in diesem Austausch, der noch Trennung lässt.
Das Herz verlangt nach mehr.

Dein Leib durchdringt geheimnisvoll den meinen,
und Deine Seele eint sich mit der meinen:
Ich bin nicht mehr, was einst ich war.

Du kommst und gehst, doch bleibt zurück die Saat,
die Du gesät zu künftiger Herrlichkeit,
verborgen in dem Leib von Staub.