Andreas war wie sein Bruder Simon Petrus von Beruf Fischer am See Genesaret und stammte aus Betsaida. Jesus hat ihn zusammen mit Petrus berufen. "Kommt her und folgt mir nach!" Die beiden haben alles stehen und liegen lassen und sind dem Ruf Jesu gefolgt. Dann ist Jesus im Haus des Petrus und Andreas eingekehrt.
Eine andere Version der Berufung erzählt das Johannesevangelium. Hier war Andreas zunächst ein Jünger Johannes des Täufers. Nach der Taufe Jesu hat Johannes seine Jünger auf den hingewiesen, der größer ist als er und dessen Bote er war: "Seht das Lamm Gottes!" Andreas ist zusammen mit einem anderen Jünger Jesus gefolgt und dann bei ihm geblieben. Dann hat er auch seinem Bruder Petrus von Jesus erzählt und ihn zu Jesus geführt.
Wir können heute nicht mehr beurteilen, welche der beiden Versionen wahr ist. Sicher ist, dass Andreas zu den ersten Jüngern Jesu gehört. Er war bei Jesus vom Beginn seines öffentlichen Wirkens an bis zu seinem Tod und seiner Auferstehung.
Andreas gehörte auch zu den vier Aposteln, mit denen Jesus auf dem Ölberg über die Endzeit spricht (Mk 13,3). Bei der wunderbaren Speisung einer Volksmenge ist es Andreas, der einen Jungen mit fünf Broten und zwei Fischen zu Jesus bringt. "Doch was ist das schon für so viele." Doch er darf erfahren, dass Jesus mit so wenigem über 5000 Menschen satt machen konnte (vgl. Joh 6,1-15). Noch einmal erfahren wir von ihm, dass er zusammen mit Philippus Jesus Bescheid gibt, als eine Gruppe griechischer Pilger mit ihm sprechen möchte (Joh 12,22).
Im Johannesevangelium hat Andreas somit eine wichtige Bedeutung. Er ist der Erstberufene, er hat ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Jesus und kann Menschen durch die Menge hindurch in Jesu Nähe bringen. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass die Gemeinden, für die Johannes zunächst sein Evangelium geschrieben hat, auf die Mission des Andreas zurück gehen. Die Gläubigen sehen in ihm einen besonderen Fürsprecher, der auch ihnen in ganz besonderer Weise Gehör bei Jesus verschaffen kann.
Wie die anderen Apostel ist Andreas nach der Himmelfahrt Jesu zusammen mit Maria in Jerusalem zu Gebet versammelt. Nach Pfingsten ist auch Andreas in die Welt gezogen, um von Jesus Zeugnis zu geben und den Menschen zu berichten, was er selbst mit diesem Jesus erlebt hat. Sein genaues Wirkungsfeld ist aus den verschiedenen Legenden nicht eindeutig zu erschließen. Als Wirkungsfelder werden genannt: Pontus und Bithynien südlich des Schwarzen Meeres, Kleinasien, Thrakien, Epirus und Achaia in Griechenland sowie die Donauländer. Spätere Überlieferungen nennen auch Kurdistan und Armenien als sein Missionsgebiet, auch die Kirche von Georgien gedenkt seiner Ankunft und Missionsarbeit in ihrem Land.
In mehreren Legenden kommt die besondere Hilfe des Andreas zur Erlangung der Keuschheit zum Ausdruck. So betet er inständig für einen siebzigjährigen, der von sich sagt, sein ganzes Leben in Unkeuschheit zugebracht zu haben. Das Gebet des Andreas befreit ihn von diesem Laster. Auch einen Bischof bewahrt er davor, der Versuchung, mit einer hübschen jungen Frau in Sünde zu fallen, nachzugeben.
Im Jahr 60 soll er in Patras in Achaia (Griechenland) das Martyrium erlitten haben. Als er dort missionierte, bekehrte sich auch die Frau des römischen Statthalters Egeas. Dieser wollte das nicht hinnehmen und Andreas dazu zwingen, den Göttern zu opfern. Doch Andreas legte ihn den Glauben an Jesus Christus dar. Besonders sprach er von der Heilsbedeutung des Kreuzes Christi. Doch für Egeas ist der Tod Jesu am Kreuz nichts als eine Schande.
Egeas droht nun Andreas, dass er ihn selbst kreuzigen lassen will, damit er erfahre, dass das Kreuz kein Mysterium sondern nur Pein und Folter ist. Doch Andreas antwortet standhaft:
"Wenn ich mich vor der Pein des Kreuzes fürchten würde, so würde ich nicht das Lob des Kreuzes verkündigen. Ich will aber, dass du das Mysterium des Kreuzes erkennst, damit du glaubst und gerettet wirst."Egeas lässt Andreas auspeitschen und mit Händen und Füßen an das Kreuz binden. Als Andreas das Kreuz sieht ruft er aus:
"Gegrüßet seist du, Kreuz, das du vom Leib unseres Herrn geweiht bist und von seinen Gliedern wie von Perlen geziert. Bevor Gott an dich stieg, warst du voll irdischen Schreckens, nun aber bist du voll göttlicher Liebe und gar willkommen. Darum komme ich sicher und fröhlich zu dir. Empfange auch du mich mit Freuden, denn ich bin ein Jünger dessen, der an dir gehangen hat."Zwei Tage hängt Andreas am Kreuz und predigt vielen Menschen. Viele bekehren sich, weil sie in Andreas den gerechten Diener Gottes erkennen. Vor seinem Tod hüllt ihn ein Lichtschein ein und Gott nimmt seinen Geist auf. Den Leib des Apostels aber lässt die Frau des Statthalters mit allen Ehren bestatten.