06.01. Epiphanie

Erscheinung des Herrn

Erste Lesung

Jes 60,1-6

Auf, werde Licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir.
Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. Blick auf und schau umher: Sie alle versammeln sich und kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter trägt man auf den Armen herbei.
Du wirst es sehen, und du wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit. Denn der Reichtum des Meeres strömt dir zu, die Schätze der Völker kommen zu dir.
Zahllose Kamele bedecken dein Land, Dromedare aus Midian und Efa. Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.

Zweite Lesung

Eph 3,2-6

Ihr habt doch gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch verliehen hat. Durch eine Offenbarung wurde mir das Geheimnis mitgeteilt. Den Menschen früherer Generationen war es nicht bekannt; jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden: dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium.

Evangelium

Mt 2,1-12

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.
Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:
Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.
Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.
Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.
Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.
Epiphanie

Zur Entstehung des Festes

Das Wort Epiphanie meint "Erscheinung, Offenbarwerden" und steht in Zusammenhang mit dem römischen Kaiserkult. Durch sein prunkvolles Auftreten in der Öffentlichkeit wird die Macht und Würde des Herrschers offenbar. Im christlichen Sinn meint dieses Fest, dass die göttliche Würde Jesu Christi den Menschen offenbar wird. Wir können sagen, dass an diesem Fest, anders als beim Weihnachtsfest, das die Menschheit des Sohnes Gottes betont, hier seine Gottheit im Mittelpunkt steht. Besonders drei Ereignisse sind es, durch die die göttliche Würde Jesu offenbar wurde, und die sich als Inhalt des heutigen Festes herausgebildet haben:
Zunächst einmal stehen, insbesondere im westlichen Kulturkreis, die "Heiligen Drei Könige" im Mittelpunkt des Festes. Durch die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland wird die göttliche Würde des Kindes offenbar. Die Weisen sind dem Stern gefolgt, der sie zu dem neugeborenen König der Juden geführt hat, dem Messias, dem Sohn Gottes. Ihm bringen sie ihre Verehrung und ihre Gaben dar.
Ein weiteres Festgeheimnis ist die Taufe Jesu im Jordan. Mit ihr beginnt das öffentliche Wirken Jesu. Die Stimme des Vaters spricht aus dem Himmel:

Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. (Mt 3,17)

So offenbart der Vater der Welt die Göttlichkeit des Sohnes. Da die Taufe des Herrn als eigenes Fest am Sonntag nach Epiphanie gefeiert wird, tritt dieser Aspekt des Festes eher in den Hintergrund.
Das dritte Festgeheimnis ist die Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit in Kana. Nach dem Johannesevangelium ist dies das erste Wunder Jesu. Hier zeigt sich zum ersten Mal die Macht Jesu, Wunder zu tun und Johannes schreibt:

So tat Jesus sein erstes Zeichen und offenbarte seine Herrlichkeit. (Joh 2,11)

Epiphanie, das Hochfest der Erscheinung des Herrn, ist das ursprüngliche Fest der Geburt Christi im Osten, wo es spätestens ab dem 4. Jahrhundert allgemein verbreitet ist. Neben dem Osterfest ist Epiphanie eines der ältesten Feste der Christen und das erste Fest überhaupt, das auf ein festes Datum gelegt wurde (Ostern ist ja wegen seiner Abhängigkeit vom Mondkalender ein variables Fest). Ähnlich dem ebenfalls im 4. Jahrhundert entstandenen römischen Weihnachtsfest am 25.12., das auf den heidnischen Festtag des unbesiegbaren Sonnengottes (sol invictus) am Tag der Wintersonnenwende gelegt wurde, ist auch das östliche Fest der Epiphanie von einem heidnischen Festtag beeinflusst.
Die Ursprünge von Epiphanie liegen wahrscheinlich in Ägypten. Dort feierte man in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar die Geburt des Sonnengottes Aion aus der Jungfrau Kore und am 6. Januar schöpfte man in einem feierlichen Zeremoniell Wasser aus dem Nil. Zu diesem Fest gehörte auch die Vorstellung, dass an diesem Tag die Quellen des Nil Wein statt Wasser fließen lassen. Wasser und Taufe sind von Anfang an zentrale Themen von Epiphanie. Zuerst im Osten und bald darauf auch im Westen wurde das Fest nach Ostern zu einem wichtigen Tauftermin. Bis heute wird an diesem Tag das Dreikönigswasser geweiht.
Im Westen wurde die Feier der Ankunft der Weisen beim göttlichen Kind in Betlehem schließlich zum zentralen Inhalt des Festes, das man seit dem Mittelalter auch Dreikönigsfest nennt. Diese Entwicklung wurde vor allem durch die Übertragung der Gebeine der Heiligen Drei Könige in den Kölner Dom im Jahr 1164 beeinflusst. Aus den Magiern des Matthäusevangeliums wurden drei Könige, die man nun auch mit Namen kannte, Caspar, Melchior und Balthasar. Es entstanden das Brauchtum der Segnung der Wohnungen mit Dreikönigswasser und Weihrauch und die Sternsinger.

HEUTE wurde die Kirche dem himmlischen Bräutigam vermählt. Im Jordan wusch Christus sie rein von ihren Sünden. Die Weisen eilen mit Geschenken zur königlichen Hochzeit. Wasser wird in Wein gewandelt und erfreut die Gäste.

Diese Antiphon bringt die drei Geheimnisse von Epiphanie zum Ausdruck. Mit dem einleitenden „heute“ wird deutlich, dass wir mit diesem Fest nicht an vergangene Ereignisse erinnern, sondern dass immer wieder das geschieht, was wir feiern. Wir feiern das Fest unserer Erlösung, und was kann ein schöneres Fest sein, als eine Hochzeit? Wenn wir die Worte der oben zitierten Antiphon genau betrachten, so sehen wir, dass das Bild der Hochzeit in allen drei Aspekten aufscheint.
Die Taufe Jesu wird als Hochzeit des Herrn mit der Kirche betrachtet. Die Kirche ist die Braut, die der Herr gereinigt hat, um sich mit ihr in ihrer ganzen Würde und Pracht zu vermählen. Jeder, der in die Kirche eintritt, wird durch das Wasser der Taufe rein gewaschen. So wird in jedem Menschen das Bild Gottes wiederhergestellt, das durch die Sünde entstellt war. Gott krönt die menschliche Natur mit seiner Ehre, er hat sie selbst angenommen und so ihre Würde wiederhergestellt und noch strahlender vollendet. Die Würde Gottes ist der lebendige Mensch. Kein Bild kann dies schöner ausdrücken als das der Hochzeit, Gott verlangt nach unserer Schönheit.
Zu dieser Hochzeit eilen die Weisen aus dem Morgenland. Sie kommen, um das Fest unserer Erlösung mitzufeiern. Jesus vergleicht das Reich Gottes oft mit einem Festmahl, einem Hochzeitsmahl. Dieses Hochzeitsmahl ist mit der Geburt Jesu eröffnet. Ab sofort werden die Boten ausgesandt, um die Geladenen - das sind alle Menschen - zu rufen. Die Weisen hat der Stern gerufen. Sie haben alles verlassen und sind ihm gefolgt, bis sie das göttliche Kind fanden. Von nun an tun es ihnen unzählige Menschen gleich und folgen dem Ruf Gottes zum ewigen Hochzeitsmahl in seinem Reich.
Heute wird das Fest der Erlösung gefeiert. Das, was damals geschah, ist auch heute Wirklichkeit. Die schon vollendeten Heiligen warten auf uns, sie wollen dieses Fest nicht ohne uns feiern. Das Fest ist noch nicht vorbei, es fängt erst noch richtig an. Der Herr Jesus Christus ist in der Welt erschienen. Überall leuchten seine Zeichen. Seien wir weise und deuten wir sie richtig, damit auch wir den Weg zu ihm finden.

Im Tagesgebet der Messe des heutigen Festes beten wir:

Allherrschender Gott,
durch den Stern, dem die Weisen gefolgt sind,
hast du am heutigen Tag
den Heidenvölkern deinen Sohn geoffenbart.
Auch wir haben dich schon im Glauben erkannt.
Führe uns vom Glauben
zur unverhüllten Anschauung deiner Herrlichkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
unseren Bruder und Herrn. Amen.
Epiphanie

Epiphanie - Freude über das Licht

Auf, werde licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir. (Jes 60,1)
Surge illumniare Jerusalem! - Steh auf, Jerusalem, um zu leuchten.
Quia venit lumen tuum! - Denn dein Licht ist gekommen.

So lautet der Anfang von Jesaja 60,1 in der Vulgata. Auf, steht auf! So ruft der Prophet eindringlich der Stadt Jerusalem zu. Vorbei ist die Zeit des Wartens auf die Ankunft des Messias, vorbei die Zeit der Dunkelheit. Das Licht ist da. Gott ist erschienen und zu seinem Glanz ziehen alle Völker.
Wir dürfen uns die Worte des Propheten Jesaja auf der Zunge zergehen lassen, sie immer und immer wieder lesen. Sie sind eine unvergängliche Zusage an uns, dass das Licht mächtiger ist als die Finsternis und das Helle kraftvoller als die Schatten. Wir haben keinen Gott, der uns fesselt und niederdrückt, sondern einen Gott, der uns aufrichtet und unseren Blick zum Licht lenkt. Er hat sich selbst klein gemacht, um uns groß herauskommen zu lassen. Stauend dürfen wir das Geheimnis betrachten, das Gottes Liebe uns schenkt. Im Dunkeln geht ein Licht auf und in der Nacht leuchtet ein heller Stern.
Die biblische Tradition kennt die Vision einer Wallfahrt der Völker nach Jerusalem zum Berg Zion. Israel ist das von Gott als Hüter seiner Weisung auserwählte Volk. Wenn Israel diese Weisung treu bewahrt, werden alle Menschen über die Weisheit der Gebote Gottes staunen. Sie werden kommen, um diese Weisheit zu lernen und um den Gott anzubeten, der diese Weisung gegeben hat. So wird Gott seine Weisheit und Herrlichkeit der ganzen Welt offenbaren.
Bereits von König Salomo hören wir, dass die Königin von Saba und andere ferne Herrscher kamen, um Salomos Weisheit zu bestaunen. Die späteren Könige aber strebten nicht so zielstrebig nach der Weisheit, sondern taten oft, was Gott missfiel. Schließlich kam mit der Eroberung Jerusalems das Ende des Königtums in Israel. Nun tritt in der Prophetie immer mehr die Erwartung des Messias in den Vordergrund. Gott wird einen neuen Herrscher aus dem Haus Davids erwecken, der gerecht ist und nach Gottes Weisung das Volk regiert.
Wenn Matthäus uns in seinem Evangelium von den Weisen aus dem Morgenland berichtet, die gekommen sind, um das göttliche Kind anzubeten, so sieht er genau diese Vision des Propheten erfüllt. Jesus Christus ist der Messias, der lange ersehnte Herrscher aus dem Haus Davids. Mit ihm strahlt das Licht der Weisheit Gottes in die ganze Welt. Daher hat die Kirche diesen Text aus Jesaja auch zur Lesung am Hochfest Epiphanie gewählt. In den Bildern vom Zug der "Heiligen Drei Könige" wird lebendig, was Jesaja voraussah:

Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. Der Reichtum des Meeres strömt dir zu, die Schätze der Völker kommen zu dir. Zahllose Kamele bedecken dein Land, Dromedare aus Midian und Efa. Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn. (Jes 60,4-6)

So singt die Kirche auch in einer Antiphon zur Vesper:

Omnes de Saba venient aurum et thus deferentes.
Sie alle werden aus Saba alle kommen und Gold und Weihrauch bringen.

Doch Jerusalem muss diesen König in seiner Mitte erkennen. Es gilt aufzustehen, ihm entgegenzugehen, ihn heimzuholen und auf den Thron zu setzen. Nur so kann das Licht seiner Weisheit in die Welt strahlen. Gottes Weisheit kommt im Verborgenen. Gottes Wort kommt unscheinbar als ein kleines Kind in die Welt. Es werden nur wenige in Israel sein, die ihm glauben, ihn als Messias erkennen. Und doch geht das Licht von Jerusalem in die ganze Welt hinaus.
Schließen wir uns dem Zug der Weisen aus dem Morgenland an, ziehen wir hin zum göttlichen Kind, in dem Gottes Licht und Weisheit der Welt erschienen ist. Auch wenn der Weg manchmal beschwerlich ist und wir manchmal in die Irre gehen, wie die Weisen, die zunächst beim "falschen" König in Jerusalem angeklopft haben. Immer wieder leuchtet der Stern uns auf und zeigt uns den Weg.

Lasst auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Lasst uns laufen! Lasst uns vergessen, was hinter uns liegt. Es ist noch alles Zukunft. Es sind noch alle Möglichkeiten des Lebens offen, weil wir Gott noch finden, noch mehr finden können. Nichts ist vorbei und dem verloren, der Gott entgegenläuft, dessen kleinste Wirklichkeit größer ist als unsere kühnsten Illusionen, dem Gott, der die ewige Jugend ist, in deren Land keine Resignation wohnt.
Wir wandern durch die Wüsten. Herz, verzage nicht über den Anblick des Pilgerzuges der Menschheit, der Menschen, die gebückt unter der Last ihrer verschwiegenen Qual weiterziehen, immer weiter, scheinbar alle in die gleiche Ziellosigkeit. Verzage nicht: Der Stern ist da und leuchtet. Die heiligen Bücher sagen, wo der Erlöser zu finden ist. Die sehnsüchtige Unruhe treibt. Sag es selbst: Steht der Stern nicht still am Firmament deines Herzens? Er ist klein? Er ist fern? Aber er ist da. Er ist nur klein, weil du noch weit zu laufen hast! Er ist nur fern, weil deiner Großmut eine unendliche Reise zugetan wird.
Aber der Stern ist da! Auch die Sehnsucht nach Freiheit des inneren Menschen, nach Güte, nach Seligkeit, auch das Bedauern, ein schwacher, sündiger Mensch zu sein, ist ein Stern. Warum schiebst du selbst die Wolken vor den Stern? Die Wolken der Verdrossenheit, der Enttäuschung, der Bitterkeit darüber, versagt zu haben, die Wolken höhnischer oder resignierter Worte über die ausgeträumten Träume seliger Hoffnung? Gib die Wehr auf: Der Stern leuchtet! Ob du ihn zum Polarstern deiner Seefahrt machst oder nicht, er steht an deinem Himmel, und auch dein Trotz und deine Schwachheit löschen ihn nicht aus.
Warum sollen wir also nicht glauben und wandern? Warum sollten wir also nicht zum Stern am Firmament des Herzens aufblicken? Warum nicht dem Lichte nachgehen? Weil es Menschen wie die Schriftgelehrten in Jerusalem gibt, die den Weg nach Betlehem wissen und ihn nicht gehen? Weil es Könige wie Herodes gibt, denen solche Kunde vom Messias nur eine Störung ihrer politischen Pläne ist, Könige, die auch heute noch dem Kinde nach dem Leben trachten? Weil die meisten mit der verdrossenen Lebensklugheit ihrer engen Herzen zu Hause sitzen bleiben und solche abenteuerliche Reisen des Herzens für Kindereien halten? Lassen wir sie und folgen wir dem Stern des Herzens!
Wie soll ich laufen? Das Herz muss sich bewegen! ... Brich auf, mein Herz, und wandre! Es leuchtet der Stern. Viel kannst du nicht mitnehmen auf den Weg. Und viel geht dir unterwegs verloren. Lass es los. Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir. Er wird sie annehmen.
(Aus: Karl Rahner, Kleines Kirchenjahr)

Ich wünsche Ihnen die Kraft und den Mut, Ihren ganz persönlichen Weg der Sehnsucht zu gehen. Möge der Stern allezeit hell über Ihrem Leben leuchten.

Epiphanie

Siehe, es kamen Magier aus dem Orient

Die Heiligen Drei Könige sind seit alters her ein beliebtes Motiv in der christlichen Kunst. Schon früh haben sie die Menschen fasziniert. Nur Matthäus berichtet uns von ihnen – genauer gesagt von Sterndeutern aus dem Osten, von Weisen aus Babylonien und Persien. In diesen Hochkulturen hatte die Sterndeutung einen hohen Stellenwert. In Israel stand man solchen Praktiken eher ablehnend gegenüber. Doch gerade diese aus jüdischer Sicht schlimmsten aller Heiden sind es, die zuerst den Weg zum Messias finden. Sie sind aufgestanden, um den Licht zu folgen, während die Priester Israels fromm sitzen blieben, um ihre alten Traditionen zu hüten. In diese Dunkelheit des Herzens konnte das Licht nicht dringen, da diese nicht bereit waren, aufzusehen und ins Licht zu schauen.
Unübersehbar leuchtet der Stern, auch heute noch, er leuchtet gleich loderndem Feuer, wie es in einer Antiphon zum heutigen Fest heißt:

Dieser Stern leuchtet auf wie ein loderndes Feuer. Er zeigt Gott an, den König der Könige. Die Weisen sahen den Stern und brachten dem König ihre Gaben dar.

Über diese Gaben schreibt Gregor der Große:

Die Weisen bringen nun Gold, Weihrauch und Myrrhe dar. Gold gebührt nämlich dem König, Weihrauch wird beim Opfer für Gott verwendet, mit Myrrhe aber werden die Körper der Toten einbalsamiert. Den die Weisen anbeten, verkünden sie also auch mit geheimnisvollen Gaben: mit dem Gold als König, mit dem Weihrauch als Gott, mit der Myrrhe als Sterblichen.

Matthäus lässt sein Evangelium mit dem Stammbaum Jesu beginnen. Es ist ein königlicher Stammbaum, der zeigt, dass Jesus aus dem Geschlecht Davids stammt. Doch mit Herodes ist eine andere Dynastie an der Macht, ein Herrscherhaus ohne göttliche Legitimation, wie viele Juden damals meinten und weiterhin ihre Hoffnung auf einen neuen König aus dem erwählten Geschlecht Davids richteten.
Wir denken bei der Geburt Jesu an das Kind von Betlehem, an das Kind in der Krippe. Aber es gibt viele Darstellungen, die uns das Jesuskind anders zeigen. Auf dem Schoß seiner Mutter thronend, zeigt sich das Kind in seinen Gesten als König. Um diesem König zu huldigen, kommen die Weisen aus dem Morgenland, die nun selbst als Könige dargestellt werden. Als König und Herrscher ruft auch der Eröffnungsvers der Messe am Dreikönigstag Jesus Christus an:

Seht, gekommen ist der Herrscher, der Herr.
In seiner Hand ist die Macht und das Reich.

Epiphanie - Erscheinung des Herrn - wird das heutige Fest auch genannt. Erschienen ist Christus als Herrscher der Welt. Christus ist Herr und König, aber wir nennen ihn auch unseren Bruder. Er ist unser Bruder, indem er klein wird wie ein Kind und sich in seinem Leben und Wirken allen Menschen, besonders den Armen und Schwachen, den Verachteten und Ausgegrenzten zuwendet und allen Gottes Nähe zeigt.

Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. (Mt 2,10)

Der Weg der Magier hin zum Kind von Betlehem, er kann ein Sinnbild sein für unseren Lebensweg. Vielleicht erscheint manchen Menschen heute die Rede von Gottes Sohn, der der Welt machtvoll erschienen ist, als fremd und fern ihrer Realität. Aber können wir uns nicht wiederfinden in diesen suchenden Menschen, die der Sehnsucht ihres Herzens gefolgt sind, fernab aller ausgetretenen Pfade und Konventionen? Menschen, die aus der Bahn geworfen wurden und am Rande des Scheiterns waren, die aber ihrer Sehnsucht treu geblieben sind und so zum Ziel gefunden haben.
Es gibt Menschen, die nicht mehr an das Licht über ihrem Leben glauben. Resigniert schließen sie mit dem Leben ab, ohne Hoffnung, dass sich etwas zum Besseren wenden könnte. Sie sind so hart vom Leid getroffen, dass sie es selbst nicht schaffen, den Blick zum Licht zu erheben. Wie können wir ihnen die Freude des heutigen Tages vermitteln, die die Magier empfanden, als sie den Stern wieder sahen und die am Ende jeder Durststrecke des Lebens steht? Wie können wir die Hoffnung vermitteln, dass das Licht stark ist und nicht vom nächsten kleinen Windstoß wieder ausgelöscht wird?
Ich habe lange überlegt, wie man da einem Menschen Mut machen könnte und bin ich auf einen Text von Gregor von Nyssa gestoßen, einem Heiligen aus der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts, dessen Gedenktag wir wenige Tage nach Dreikönig feiern. Er sagt:

Nicht der Himmel ist nach dem Bild Gottes geschaffen worden, nicht der Mond, nicht die Sonne, nicht die Schönheit der Sterne, nichts anderes, was es in der Schöpfung gibt. Nur du bist Bild der Natur geworden, die allen Verstand übersteigt, Ebenbild unvergänglicher Schönheit, Abdruck wahrer Göttlichkeit, ein Sammelbecken des seligen Lebens, Abbild des wahren Lichtes ... nichts Seiendes ist so groß, dass es deiner Größe gleichkäme.

Hoffnungsworte. Ich bin nach Gottes Bild geschaffen und nichts und niemand kann mir diese Würde nehmen. Wir sind Abbild des wahren Lichtes, tragen das Licht in uns. Wir müssen nicht nach etwas suchen, das außerhalb von uns liegt. Wir müssen in uns unsere Kräfte und Fähigkeiten entdecken und auch die Schwächen, die uns oft daran hindern, unsere Stärken zu leben. Jeder Mensch hat in sich eine so unendlich große Würde, weil jede und jeder als Bild Gottes geschaffen ist. Wir sind es wert, im Licht zu sein und all das Schöne zu empfangen, das vom Licht kommt. Wir gehören nicht der Finsternis. Wir sind Kinder des Lichtes.
Wir dürfen voll Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft blicken, auch wenn wir sehen, dass an vielen Orten der Glaube zurückgeht und die Gläubigen angefeindet und verfolgt werden. Gottes Reich hat sein Zentrum nicht in dieser Welt, daher kann niemand seine Hauptstadt erobern und so das Reich vernichten. Niemand kann die Kommunikation und die Versorgungslinie zwischen dem Herrscher von Gottes Reich und seinen Getreuen unterbrechen. Gottes Macht ist überall auf dieser Erde gegenwärtig, an jedem Ort der Welt kann der Mensch mit Gott ins Gebet treten und überall kann Gott den Menschen mit seiner Gnade beschenken.
Bitten wir Gott um die Kraft, standhaft zu sein. Manchmal verlieren wir den Blick auf unser Ziel. Doch dann gibt es auch immer wieder jemanden, der uns zeigt, wo der Weg ist und Momente, in denen wir Kraft und Zuversicht spüren. Bitten wir um den Mut, den die Könige hatten, die den Weg ins Unbekannte gewagt haben, die durch alle Mühsale und Zweifel hindurch dem Stern gefolgt sind und bleiben wir stets in Verbindung mit Gott, der Mitte und dem Ziel unseres Lebens.