Heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria

Auf dieser Seite finden sie Texte zur heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Nach einigen allgemeinen Betrachtungen folgen Texte zu den Marienfesten im Jahreslauf. 

Lauter Schönheit bist Du, Maria, und der Makel der Erbsünde haftet Dir nicht an.

Von Maria gibt es viele Bilder. Die Gottesmutter hat durch alle Jahrhunderte hindurch Künstler in ganz besonderer Weise inspiriert. Der Legende nach soll der Evangelist Lukas der erste gewesen sein, der ein Bild der Gottesmutter gemalt hat. Ich habe mich in diesen Tagen in dieses Bild von Maria verliebt, als ich es zu ersten Mal in dem Buch „Maria voll der Gnade“ von Papst Benedikt XVI. sah. Es wurde um das Jahr 1475 von Antonello da Messina gemalt. Es zeigt Maria als wunderschöne junge Frau, ganz wie es in der Antiphon heißt: Lauter Schönheit bist du, Maria!

Mir kamen auch die Worte Abaelards, des großen, aber auch sehr umstrittenen Theologen des 12. Jahrhunderts in den Sinn, die er über seine geliebte Heloise schreibt: „Quae cum per faciem non esset infima, per abundantiam litterarum erat suprema. – Sie war von ihrem Aussehen her nicht zu verachten, in ihrer ungeheueren Bildung aber übertraf sie alle anderen Frauen.“ Für mich ist dies das schönste Kompliment, das man einer Frau machen kann. Die wahre Schönheit kommt von innen heraus, aus der Bildung, aus dem Glauben. Auch die Schönheit Mariens geht tiefer, viel tiefer noch, als es Abaelard seiner Heloise zum Kompliment macht.

Der Makel der Erbsünde haftet dir nicht an, heißt es in der Antiphon. Die Schönheit Mariens kommt letztlich allein von Gott, weil er sie von Anfang an von der Erbsünde, mit der alle Menschen geboren werden, befreit hat. An ihr wirkte die Gnade der Taufe, die ja von der Erbsünde und jeder anderen Sünde befreit, schon vor Christus. Das macht Maria zur schönsten Frau der Welt, ja zum Bild des Menschen überhaupt, zum Bild des Menschen, wie Gott ihn am Anfang geschaffen hat, wunderschön und frei von aller Sünde.

Dann fragte ich mir aber, ob es recht ist, gerade dieses Bild von Maria so hoch zu schätzen. Maria will uns doch zu ihrem Sohn hinführen, hier aber ist nur sie allein zu sehen. Und doch ist Jesus schon da. Das Bild zeigt Maria im Augenblick der Verkündigung. Man muß sich den Engel vor Maria vorstellen, als er ihr die Botschaft bringt: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir!“ Daher auch die leicht erschrockene Handhaltung Mariens. Aber ihr Blick ist gefaßt und sicher. Aus voller Überzeugung wird sie das Ja sprechen zum Willen Gottes, den der Engel ihr kundtut: „Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.“ Maria ist auch deshalb das Bild des Menschen, weil sie so gelebt hat, wie Gott es vom Menschen will, bereit, den Willen Gottes zu tun: „Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“

So wird dieses Bild zu einem Bild vom Brennpunkt der Zeiten. Gott wird Mensch durch diese Frau, die schönste aller Frauen, die ihr Leben ganz Gott schenkt und so dem Sohn Gottes das Leben auf dieser Erde schenken kann. Die Menschwerdung Gottes geschieht ja nicht erst an Weihnachten, sondern schon zum Zeitpunkt der Verkündigung, denn wie jeder Mensch vom Zeitpunkt der Zeugung an wirklich Mensch ist, so ist auch Jesus Christus vom Zeitpunkt der Verkündigung an, als Gott auf wunderbare Weise an Maria gewirkt hat, wirklich Mensch. Die Hoffnung Israels hat sich erfüllt. Maria, die Frau aus Israel, die Repräsentantin des ganzen Volkes der Juden, erlaubt durch ihr Ja, Gott seinen Heilsplan an Israel und an allen Völkern dieser Welt zu verwirklichen. Der Ewige kommt in die Zeit, Gott wird Mensch. Der Messias Israels wird zum Heiland der Völker.

So zeigt uns Maria, was wahres Menschsein bedeutet. Frei von der Sünde sich ganz öffnen für den Willen Gottes. Gott wirken lassen, der mit uns einen Plan hat, der das Beste aus unserem Leben machen möchte, auch wenn wir es oft nicht verstehen. Wenn wir uns Maria anvertrauen und die Geheimnisse ihres Lebens betrachten, führt sie uns hin zu ihrem Sohn. Sie zeigt uns den Weg, wie wir ihm ähnlich werden und das Leben in Fülle erlangen. Maria nimmt uns auf in die Heilige Familie, in der wir in der vertrauten Freundschaft mit Jesus leben können. Bitten wir die Mutter, dass sie uns helfe, ihren Sohn zu finden. Bitten wir sie, dass sie uns Jesus zeige. Bitten wir sie um ihre Fürsprache, dass der Heilige Geist uns die Liebe eingieße zu Jesus Christus, zu Maria und zu allen Menschen. 

Haec est illa dulcis rosa

pulchra nimis et formosa

quae est nostra advocata

apud deum virgo grata

eam devote salutate

illa rogo inclinate

Ja sie ist´s, die edle Rose

die überaus Schöne, die Makellose,

die reinste Jungfrau.

Maria, auf deine Fürsprache bei Gott ich vertrau,

ich grüße dich von Herzen,

und bringe dir meine Bitten und Schmerzen.

Maria Weggefährtin

Gott hätte es nicht tun müssen, aber er wollte es so. Er wollte Mensch werden unter uns Menschen. Wo hat man das je gehört, dass ein Gott unter den Menschen wohnt? Nicht unnahbar und entrückt, sondern ganz nah bei den Menschen, greifbar, erfahrbar.

Gott wollte unter uns Menschen sein, weil er uns unendlich liebt. Er hat uns geschaffen und will Gemeinschaft haben mit uns. Er will, dass wir einst sein Angesicht schauen und bei ihm ewig glücklich und voller Freude sind.

Um unter uns zu sein, wollte Gott geboren werden wie ein Mensch. Von einer Frau, einer Mutter, die er sich auserwäht hat. Aber er wollte ihre freie Zustimmung. Gott, dem nichts unmöglich ist, nimmt das Wagnis auf sich, seine Pläne an schwache Menschen zu binden.

Maria hat Ja gesagt zu Gottes Plan. Sie hätte es nicht tun müssen, aber sie wollte es so. Sie liebte Gott und wusste, dass es das einzig wirklich Wichtige im Leben ist, den Willen Gottes zu tun.

Wie nahe war Gott Maria, viel näher, als er je einem Menschen sein kann. Maria trug Gottes Sohn in ihrem Leib. Sie sorgte für ihn und hat ihn erzogen. Ich finde es sehr interessant darüber nachzudenken, wie viel Jesus von seiner Mutter angenommen hat. Kinder erben ja viele Eigenschaften von ihren Eltern. Wenn sich Gott so ganz in den Lauf der Natur begeben hat, so dass sein Sohn als wahrer Gott auch wahrer Mensch wurde, so hat er sicher auch etwas von seiner Mutter geerbt.

Es gab sicher immer wieder Momente im Leben der Gottesmutter, in denen sie ganz besonders über dieses Wunder gestaunt hat, dass Gott so menschlich werden kann. Gott, der etwa die Augen oder die Form des Mundes von einer menschlichen Mutter hat, ihre Gesichtszüge trägt.

Ihr Kind, das Maria in ihren Armen trägt, das sie liebevoll umsorgt und liebkost, dieses Kind ist Gottes Sohn. Staunen wir mit Maria über dieses Wunder und bitten wird sie, dass sie uns hineinnimmt in die innige Beziehung zu ihrem Sohn.

Gott, unser Vater,
du hast Maria erwählt,
die Mutter deines Sohnes zu werden
und Jesus auf seinem Lebensweg zu begleiten.
Sie hat – wie kein anderer Mensch –
am Leben Jesu teilgenommen,
ist ihm bis zum letzen Augenblick seines Lebens gefolgt,
und unterm Kreuz
hat Jesus sie uns allen zur Mutter geschenkt.
Ja, wir dürfen uns in allen Phasen unseres Lebens
von Maria, unserer Mutter, begleitet wissen
und vertrauen,
dass sie uns mit ihrem guten Rat
auf unserem nächsten Schritt,
der uns zum Heile dient,
aufmerksam macht.
So danken wir dir, guter Vater,
für ihre Wegbegleitung
alle Tage unseres Lebens.
Amen.

(Gebet von Sr. Maria Gabriel Kessenich CJ)

Maria – Braut des Heiligen Geistes 

Wir nennen Maria Braut des Heiligen Geistes und sie trägt diesen Titel zurecht, wie sich an vielen Stationen ihres Lebens zeigt, in denen sich eine enge Verbindung zwischen ihr und der dritten göttlichen Person offenbart. Indem Maria bereit ist, ganz Gottes Willen zu gehorchen, lässt sie sich auch in allem vom Heiligen Geist führen. Er wirkt die Gnade Gottes in ihr und zeigt ihr den rechten Weg.

Durch das Wirken des Heiligen Geistes wurde Maria schon vom Beginn ihres Lebens an von der Erbsünde bewahrt. In seiner Gnade hat Gott sie herausgenommen aus der Verstrickung in das Böse, in die wir alle hineingeboren werden. Diese Gnade hat sich Maria ihr Leben lang bewahrt, indem sie nicht in die alte Sünde Evas zurückgefallen ist, sondern trotz aller Anfechtungen, die sie sicher erfahren musste, als neue Eva Gottes Willen gehorsam blieb und sich die Reinheit des Leibes und der Seele bewahrt hat.

Maria bewahrte ihren Leib als ein reines Gefäß für den Herrn. Als dann eines Tages der Engel bei ihr eintrat und ihr die Botschaft brachte, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen soll, konnte sie zunächst nicht verstehen, wie das geschehen kann, da sie noch mit keinem Mann zusammen gekommen ist. Der Engel antwortet ihr:

„Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1,35)

Gott selbst wirkt in Maria auf wunderbare und uns unerklärliche Weise das Wunder der Geburt des Sohnes Gottes in menschlichem Fleisch. Gottes Kraft ist der Heilige Geist, durch den dieses Geschehen Wirklichkeit wird. Maria darf hier das Wirken des Heiligen Geistes an sich erfahren wie kein anderer Mensch es je erfahren hat noch je erfahren wird. Fortan wird Maria eine ganz neue und innige Beziehung zum Heiligen Geist haben, die sie den Titel Braut des Heiligen Geistes zurecht tragen lässt.

Der Heilige Geist war es auch, der sie den Sohn Gottes in rechter Weise erziehen ließ. Er hat ihr gezeigt, welche Bedeutung ihr Kind für die Welt hat. Wenn es heißt, dass Maria all die geheimnisvollen Geschehnisse um ihren Sohn, von denen uns einige in den Kindheitsberichten der Evangelien überliefert sind und von denen es sicher unzählige weitere gegeben hat, in ihrem Herzen bewahrte, so können wir sicher sein, dass sie das Erlebte im Gebet mit dem Heiligen Geist besprochen hat und von ihm die Einsicht in diese Ereignisse bekommen hat. Auch in den schweren Stunden stand der Heilige Geist ihr bei und ließ sie nicht an der Sendung ihres Sohnes zweifeln. Sie gehört zu den wenigen, die unter dem Kreuz Jesu ausharrten.

Während des öffentlichen Wirkens Jesu hören wir wenig von seiner Mutter. Sie tritt ganz in den Hintergrund. Aber ist es nicht bezeichnend, dass wir sie nach Jesu Auferstehung mitten im Kreis der Jünger sehen und sie zusammen mit diesen im Gebet um den Heiligen Geist vereint ist? Die Apostel wussten um die besondere Erwähltheit Mariens und sie wussten, dass sie die Erfahrung des Gegenwart des Heiligen Geistes gemacht hat, wie bisher noch keiner von ihnen. Daher ist für sie die Hilfe und der Beistand Mariens wichtig in diesen Stunden vor Pfingsten.

Dann wird es still um Maria. Erst von ihrem Tod und ihrer Aufnahme in den Himmel erfahren wir wieder, wenn auch nur aus der Legende. In der Himmelfahrt Mariens erfüllt sich das, was sie in ihrem Leben gelebt hat. Sie darf nun ganz bei ihrem Sohn sein und ich denke wir gehen nicht fehl, wenn wir in der Himmelfahrt Mariens auch ihre himmlische Vermählung mit dem Heiligen Geist sehen. Diese Deutung lässt auch die bekannte Darstellung der Himmelfahrt Mariens von Egid Quirin Asam in der Klosterkirche von Rohr (Niederbayern) erkennen. Darüber finden wir die (im Original lateinische) Inschrift:

Komm du Taube, du einzige, empfange die drei Ehrenzeichen, denn du bist des Dreieinen Tochter, Braut und Mutter.

Die Darstellung zeigt uns diese Ehrenzeichen: Mit Krone und Szepter erheben Gott Vater und Sohn Maria zur Königin des Himmels. Der Heilige Geist aber kommt ihr in Gestalt einer Taube mit dem Brautring entgegen. Maria, die selbst nach der Liebessymbolik des Hohenliedes als Taube angesprochen wird, erhebt ihre Hand zum Himmel, so als ließe sie sich im nächsten Moment den Brautring des Heiligen Geistes anstecken.

Im gesamten Geschehen um die Geburt und das Leben des Gottessohnes steht der Heilige Geist im Mittelpunkt. Ist es nicht bezeichnend, dass in der oben genannten Inschrift der Heilige Geist als dritte göttliche Person in seiner Beziehung zu Maria an die zweite Stelle tritt? Erst durch seine enge Beziehung zu Maria und ihr Offensein für sein Wirken konnte geschehen, was geschehen ist. Erst als Maria, die Tochtes des Vaters, zur Braut des Heiligen Geistes wurde, konnte sie auch zur Mutter des Sohnes Gottes werden.

Die enge Beziehung Mariens zum Heiligen Geist ist der Schlüssel für das Verständnis ihres Lebens. Die Vollendung dieser Beziehung im Himmel lässt uns auf ihre wirkmächtige Fürsprache vertrauen. Beten wir mit Maria darum, dass auch wir das Wirken des Heiligen Geistes an uns erfahren dürfen und stets bereit sind, sein Wirken an uns zuzulassen.

Herr, Jesus Christus, sende jetzt Deinen Geist über die Erde. Lass den Heiligen Geist wohnen in den Herzen aller Völker, damit sie bewahrt bleiben mögen vor Verfall, Unheil und Krieg.

Möge die Frau aller Völker, die selige Jungfrau Maria, die Braut des Heiligen Geistes, unsere Fürsprecherin sein. Amen.
O Maria, Braut des Heiligen Geistes, deinem unbefleckten Herzen empfehlen wir die ganze Menschheit an. Zeige ihr den Weg zur Erkenntnis des einzigen und wahren Erlösers Jesus Christus! Bewahre sie vor allem Unheil, vor aller Sünde und ihren Folgen. Gib der ganzen Welt den Frieden in der Wahrheit, in der Gerechtigkeit, in der Freiheit und in der Liebe. Amen.

Die Mariendogmen

Die Verehrung Mariens ist schon von Anfang an tief im Christentum verwurzelt. Die Evangelien berichten von ihrem Glauben, der sie Ja sagen ließ zum Willen Gottes, dass durch sie der Erlöser der Welt geboren werden sollte. Wir sehen die besondere Verbindung, die Maria zum Heiligen Geist hat und die Apostelgeschichte berichtet davon, dass Maria vor dem Pfingstfest zusammen mit den Aposteln im Gebet um den Heiligen Geist versammelt ist.

Seit fast 2000 Jahren wird Maria von gläubigen Menschen verehrt, in Liedern besungen, in Bildern und Plastiken dargestellt. Freilich hat es auch mancherlei Übertreibungen, Entstellungen und Entgleisungen gegeben. Doch wen wundert es, dass die Liebe der Menschen bisweilen überschwänglich redet. Heute besteht eher die Gefahr, dass wir Maria aus unserem Leben und Beten verdrängen.

Eine gesunde Marienverehrung orientiert sich an der Heiligen Schrift und der Lehre und Tradition der Kirche, die im Neuen Testament verwurzelt ist. Wer die Mariendogmen der Kirche bedenkt, dem wird klar: Maria führt uns zu Christus, und: Maria erklärt uns die Kirche und den erlösten Menschen. Die beiden Dogmen über die Mutterschaft und die Jungfrauenschaft Mariens wollen das Geheimnis Christi verdeutlichen. Und die beiden Dogmen von der Unbefleckten Empfängnis und der Aufnahme Mariens sagen uns etwas über die Ankunft des erlösten Menschen.

Ein erstes großes Dokument für die Bedeutung, die Maria schon immer in der Kirche hat, ist das Konzil von Ephesus im Jahre 431. Dort wird der Titel „Gottesmutter“ für Maria feierlich bestätigt und setzt damit eine Welle der Marienverehrung in Gang. Das grundlegende Dogma sagt: Maria ist Gottes Mutter. So bezeugt es die Heilige Schrift: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden“ (Lk 1, 35). So beten wir es im Credo der Messe und im ältesten Mariengebet „Unter deinem Schutz und Schirm fliehen wir, heilige Gottesmutter“ (300). So bekannte es schon das Konzil von Nizäa (325).

Maria hat den Menschen Jesus geboren, der gleichzeitig der ewige Sohn Gottes war und ist. Maria ist Zeuge der Menschheit Jesu. Doch es geht nicht nur um die biologische Tatsache ihrer Mutterschaft, sondern mehr noch um ihre Mutterschaft im Glauben. Sie sagt dem Engel ihr gläubiges Fiat. „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1, 38), weil sie an Gottes Verheißungen glaubt. Und sie hat dieses Ja des Glaubens durchgehalten von der Krippe bis zum Kreuz. Darin ist sie uns Mutter im Glauben geworden. Gott hat die menschliche Existenz seines Sohnes an das gläubige Jawort dieser Frau aus dem jüdischen Volk gebunden. Nur im Glauben können wir erfassen, dass Jesus, Gottes eigener Sohn, Mensch geworden ist.

Das zweite Dogma bestätigt die Jungfrauschaft Mariens. „Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren aus Maria, der Jungfrau.“ So bekennen wir es im Credo der Messe. So bezeugt es das Neue Testament. So ist es gemeinsame Überzeugung der Christenheit, verkündet auf dem Konzil zu Konstantinopel 553. Der Engel sagt zu Josef im Traum: „Das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist“ (Mt 1,20).

Warum hält die Kirche an diesem uns heute schwierigen Bekenntnis fest? Weil uns das Bekenntnis zur jungfräulichen Geburt daran festhalten lässt, dass Jesu Ursprung in Gott, dem Vater, liegt. Maria ist somit Zeugin der Gottheit Jesu: Dieses Kind ist empfangen vom Heiligen Geist, allein geboren aus Gottes Gnadeninitiative. Die jungfräuliche Geburt Jesu aus Maria verweist uns auf Gottes Heilsinitiative für uns Menschen. Das Gottsein Jesu wird uns darin verbürgt.

Das dritte Dogma verkündete Papst Pius IX. 1854: „Die seligste Jungfrau Maria blieb im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jedem Fehl der Erbsünde bewahrt.“

Schon der Engel begrüßt Maria als „Begnadete“, und wir beten: Maria „voll der Gnade“, weil sie aufgrund der Erwählung Gottes bei ihm Gnade gefunden und weil sie sich im Glauben ganz auf Gottes Ruf eingelassen hat. Darin ist Maria Vorbild und Urbild jedes Erwählten, Glaubenden und Begnadeten. Das Ja des Glaubens hat Maria mit ihrer ganzen Existenz gesprochen. Dem Ja des Glaubens entspricht die Fülle der Erlösungsgnade, die Gott ihr von Anfang ihrer Existenz an schenkt, so dass sie von der Erbsünde und von jeder Sünde bewahrt blieb. Sie ist die Ganz-Heilige, weil ganz im Glauben an Gott hingegeben. So erfasst die Erlösungstat Christi am Kreuz Maria im voraus und von Anfang an. Maria ist Zeichen dafür, dass Gottes Gnade den Glaubenden ganz ergreifen will und erlöst.

Das vierte Dogma verkündete Papst Pius XII. 1950: „Es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, dass die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist.“

Wir bekennen im Credo die Auferstehung Jesu Christi und die Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Maria, die ganz Begnadete – so bezeugt unser Glaube – erhält Anteil an der Auferstehung Jesu und wird so zur Erfüllung unser aller Hoffnung. Und diese Hoffnung geht den ganzen Menschen an; mit Leib und Seele ist sie ganz bei Gott in seiner Herrlichkeit. In Maria wird deutlich, dass diese Hoffnung für uns alle fruchtbar wird und dass sie die Vollendung des ganzen Menschen einschließt. So ist Maria Urbild für die Hoffnung der Christen, „felix porta coeli“, „die glückselige Pforte des Himmels“.

Durch Maria zu Jesus. Die Mariendogmen der Kirche zeigen uns Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, und sie zeigen uns den erlösten Menschen, der ganz von Gottes Gnade in Christus kommt und ganz der Seligkeit der Auferstehung Christi teilhaft wird. Im Glauben ist Maria uns Mutter. Wir rufen sie um ihre Fürbitte an. So lehrt uns auch das Zweite Vatikanische Konzil (LG 62):

„Maria trägt in ihrer mütterlichen Liebe Sorge für die Schwestern und Brüder ihres Sohnes, die noch auf der Pilgerschaft sind und in Gefahr und Bedrängnissen weilen, bis sie zur seligen Heimat gelangen. Deshalb wird die selige Jungfrau in der Kirche unter dem Titel der Fürsprecherin, der Helferin, des Beistandes und der Mittlerin angerufen.“

Wir schauen auf die Mutter unseres Herrn. Sie zeigt uns ihren Sohn Jesus Christus, damit wir ihn mit unserer ganzen Existenz lieben, wie sie ihn geliebt hat, und ihm nachfolgen, wie sie sein Leben von der Krippe bis zum Kreuz begleitet hat. Maria zeigt uns, wie Gottes Gnade in uns wirken kann, wenn wir ein Leben aus dem Glauben führen, wie sie es getan hat, und zu welcher Hoffnung er uns befreit, wenn wir als Suchende und Sehnende und Hoffende unseren Weg zu Ende gehen. Wir rufen sie um ihre Hilfe an. Wir verehren sie als die von Gott in den Himmel aufgenommene Mutter Christi, Bild der Hoffnung für uns alle. Sie legt Fürsprache für uns ein bei Christus, ihrem Sohn.

Maria, die neue Eva

Die Geschichte Gottes mit Maria fängt schon an, bevor der Engel bei ihr eintrat, um ihr die Geburt Jesu zu verkünden. Wir können sie nur verstehen, wenn wir zunächst die Geschichte Gottes mit den Menschen überhaupt betrachten. Warum wurde Gott Mensch? Warum wollte Gott Mensch werden? Warum mußte Gott Mensch werden?

Mußte Gott Mensch werden? Ist das nicht eine unerhörte Formulierung? Gott ist allmächtig und völlig frei. Er muß doch rein gar nichts. Doch ich bleibe dabei: Gott mußte Mensch werden. Weil Gott allmächtig ist, geschieht mit Notwendigkeit das, was er will und all sein Tun ist Liebe. Weil der Allmächtige zugleich der unbegrenzt Liebende ist, ist Gott auch vollkommen gut. Deshalb mußte Gott Mensch werden, weil es eine notwendige Folge seiner Liebe zum Menschen ist.

Sicher wird es nicht ohne Kritik bleiben, aber wir können nur vom Menschen reden, wenn wir bei Adam und Eva beginnen. Natürlich will ich damit nicht sagen, dass wir in der Schilderung der ersten Kapitel des Buches Genesis eine Lebensbeschreibung von Adam und Eva vor uns haben. Doch selbst wenn jemand die Existenz eines ersten Menschenpaares, das durch Gottes Gnade über alle anderen irdischen Geschöpfe erhoben wurde, gänzlich leugnet, lohnt es sich, bei Adam und Eva zu beginnen. Man könnte sich darauf einigen, dass in Adam und Eva etwas Grundlegendes über den Menschen an sich ausgesagt wird. Auf jeden Fall müssen wir als gemeinsame Grundlage für unsere weiteren Überlegungen akzeptieren, dass Gott den Menschen, wie alles andere auch, geschaffen hat und Gott hat dem Menschen eine besondere Würde zukommen lassen, die darin besteht, dass er Bild Gottes ist.

Der Mensch ist mit Geist und Verstand begabt und hat so eine Vorrangstellung vor allen anderen Geschöpfen auf der Erde. Alle anderen Geschöpfe verkünden allein durch ihre Existenz das Lob des Schöpfers und sind geschaffen zur Freude und zum Nutzen des Menschen. Der Mensch aber ist durch den rechten Gebrauch seiner Gaben fähig, Gott zu erkennen, ihn zu loben, seinen Willen zu tun und dadurch glücklich zu werden. Doch dazu muß sich der Mensch in Freiheit entscheiden.

Der Mensch findet nur in Gott die Erfüllung seines Strebens nach Glück. Alles Irdische kann ihn nicht vollkommen und auf Dauer glücklich machen. Dennoch ist der Mensch ständig der Versuchung ausgesetzt, die Schöpfung mehr zu lieben als den Schöpfer, mehr nach seinem eigenen Willen zu handeln als nach dem Willen Gottes, mehr der Begierde zu folgen als der Liebe. Dieser Versuchung sind schon Adam und Eva erlegen. Obwohl sie noch in besonderer Nähe zu Gott lebten, konnte sie der Versucher dazu überreden, ein eindeutiges Gebot Gottes zu übertreten. Diese erste Sünde der Menschen, der erste freie, bewußte und willentliche Verstoß gegen ein Gebot Gottes, hatte sozusagen kosmische Auswirkungen. Die Sünde stand von nun an wie ein Keil zwischen Gott und seiner Schöpfung. Gott konnte seine Liebe nicht mehr unvermittelt schenken, weil der Mensch sich gegen sie gestellt hat.

Das ist in aller Kürze das, was die Erbsündenlehre besagt. Die Sünde herrscht seither über den Menschen, der Mensch steht schon mit der Geburt in einem allgemeinen Schuldzusammenhang, unabhängig davon, ob er selbst gesündigt hat. Auch ohne diese kirchliche Lehre wird man erkennen, dass jeder Mensch anfällig ist für die Sünde, jeder Mensch in eine sündige Umwelt hineingeboren wird und dadurch Anteil bekommt an einem Schuldzusammenhang, der durch die Sünde der Menschen entsteht. Der Mensch kann sich aus diesem Netz der Sünde nicht aus eigener Kraft befreien.

Gott aber liebt den Menschen und es ihm natürlich nicht gleichgültig, wenn die Menschheit in Sünde versinkt. Doch er will auch nicht gegen die Freiheit der Menschen handeln und einfach alles ändern. Nein, die Menschen müssen schon selbst das neue Leben, frei von den Fesseln der Sünde, wollen. Dann kann Gott dem Menschen das schenken, was er nicht von sich aus erreichen kann. Um den Menschen dieses neue Leben zu schenken, hat er beschlossen, in seinem Sohn selbst Mensch zu werden, doch für seinen Heilsplan bedarf Gott der Mitwirkung der Menschen. Gott hat die Welt auf vielfältige Weise für das Kommen seines Sohnes, der allen Menschen wieder neu den Zugang zum Heil und zum Leben in Gott bringen sollte, vorbereitet. Ich meine, dass man dazu auch die heidnische Philosophie rechnen darf, oder die Ausbreitung des Römerreiches, durch die erst eine so weiträumige Verkündigung des Glaubens möglich war.

In ganz besonderer Weise geschah diese Vorbereitung der Welt auf die Erlösung durch den Sohn Gottes in der Erwählung des Volkes der Juden. Die Juden wurden zum auserwählten Volk, durch das der Glaube an den einen Gott durch die Zeiten der Weltgeschichte getragen wurde. Immer tiefer erkannten die Juden das Geheimnis Gottes, durch Propheten und Weisheitslehrer sprach der Heilige Geist. Das Volk wurde vorbereitet auf ganz neue Erkenntnisse, wie beispielsweise die Auferstehung der Toten. Immer deutlicher wurde auch, dass die Erwählung Israels dem Heil der ganzen Welt dienen sollte, das auserwählte Volk als der Gottesknecht und das Licht für die Völker.

In diesem Volk wollte Gott, als die Vorbereitungszeit abgeschlossen war, selbst Mensch werden. Dazu brauchte er einen Menschen, der in ganz besonderer Weise bereit war, seinen Willen zu erfüllen und das in vollkommener Freiheit, ein Mensch, der sich nicht wie Adam und Eva von der Verführung des Teufels vom Gehorsam gegenüber Gott abbringen läßt. Es mußten aber gleiche Voraussetzungen gelten, wie bei Adam und Eva. Ein Mensch, der im Netz der Sünde gefangen war, konnte unmöglich ganz Ja zu Gott sagen. Dieses Netz der Sünde ist zwar eine Folge der freien Fehlentscheidung von Menschen, aber keine Folge einer persönlichen Entscheidung jedes einzelnen Menschen. Daher bedeutete es keinen Eingriff in die Freiheit des Menschen, dass Gott Maria von Anfang an von diesem Netz der Sünde, von der Erbsünde, befreit hat. Genau wie Eva stand Maria nun vor Gott, ein Mensch, wie Gott ihn in der Schöpfung gewollt hat, wunderschön und frei von Sünde. Wird Maria ihrer Berufung treu sein, oder wie Eva in Sünde fallen? Gott wollte es mit dem Menschen noch einmal ganz neu versuchen, wird das gelingen?

Maria ist Gott treu geblieben. Das zeichnet sie vor allen anderen Menschen aus. Sie hat der Schlange, deren Einflüsterungen Eva erlagen ist, den Kopf zertreten und somit jede Versuchung im Keim erstickt. Sie möge auch uns helfen in allen unseren Versuchungen. Wir können sagen, sie hätte es ja viel leichter gehabt als wir, weil Gott sie von der Erbsünde befreit hat. Aber das allein macht noch keinen Heiligen. Eva stand in direktem Kontakt zu Gott und hat gesündigt. Jeder Christ wird in der Taufe von der Erbsünde und jeder anderen Sünde befreit, steht nach der Taufe wie Maria ohne Sünde vor Gott. Doch wer von all diesen Menschen bleibt dem Willen Gottes sein Leben lang treu? Maria war ganz Mensch wie wir, hat sich aber ganz dem Willen Gottes ergeben. Sie kann mitfühlen mit uns und uns helfen auf unserem Weg mit Gott. Verstehen wir nun, was die Heiligkeit Marias bedeutet? Ihr Ja zu Gott hat den „zweiten Versuch“ Gottes mit den Menschen gelingen lassen. In Maria hat Gott einen Menschen gefunden, der ganz nach seinem Willen lebt. Ihr konnte er seinen Sohn anvertrauen. Somit ist Maria die neue Eva. Was Eva durch ihren Ungehorsam zusammen mit dem Ungehorsam ihres Mannes Adam für alle Menschen verloren hat, das hat Maria durch ihren Gehorsam wieder möglich gemacht. Gott konnte wieder direkt mit den Menschen in Beziehung treten. In Jesus Christus lebt Gott wieder mitten unter den Menschen. Wenn auch die Welt dann doch wieder den Sohn Gottes gekreuzigt hat, so hat doch Gott so für ewig sein Heil wirken können für alle Menschen.

Maria – Vorbild im Glauben

Durch ihren Glaubensgehorsam ist Maria Vorbild für uns alle. Sie steht in einer Linie mit Abraham, dem sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet wurde, der ganz dem Willen Gottes gehorsam, seine Heimat und sein Vaterhaus verlassen hat und dem Ruf Gottes ins Heilige Land gefolgt ist. Doch Maria überragt Abraham und alle Gerechten des Alten Bundes. Gott hat ihr noch viel mehr Gnaden gewährt als diesen allen. Sie durfte Gottes Sohn im Leib tragen und zur Welt bringen. Welch unergründliches Geheimnis.

Sich ganz auf Gott verlassen, ganz Ja sagen zu seinem Willen, das will Gott auch von uns. Wie schwer das ist, weiß ein jeder. So viele Verführungen gibt es in der Welt und es bleibt nicht aus, dass wir ihnen immer wieder erliegen. In all unseren Versuchungen dürfen wir aber vertrauensvoll auf Maria blicken. Sie hatte die Kraft, dem Bösen zu widersagen. Sie will auch uns helfen, wenn Versuchungen über uns kommen. Sie kann uns helfen, weil sie eine so innige Beziehung zu ihrem Sohn hat. Sie ist auch die Herrin über die Engel und kann uns Legionen von Engeln zu unserem Schutz schicken, wenn der Feind mit Arglist heranstürmt.

O Maria! Mutter Gottes, neue Eva! Du von Gott erwählte, Frau voll der Gnade, dem Willen Gottes ganz gehorsam. Hilf uns, dass auch wir dem Willen Gottes gehorsam sind. Hilf uns in allen Anfechtungen und gib uns die Kraft, den Verführungen des Bösen zu widersagen. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Mutter Gottes von der Immerwährenden Hilfe

Die Ikone von der Immerwährenden Hilfe gehört zum Typus der Passionsmadonnen. Sie wurde im 15. Jahrhundert von einem Kaufmann von der Insel Kreta nach Rom gebracht. Dort ist die Mutter Gottes erschienen und bat darum, das Bild in einer Kirche zwischen der Basilika Santa Maria Maggiore und der Lateranbasilika aufstellen zu lassen. Dort wurde sie hochverehrt, bis die Armee Napoleons, die Kirche vollkommen zerstörte. Das Bild wurde jedoch gerettet und Papst Pius IX. übergab es am 26. April 1866 den Redemptoristen, die über den Trümmern der alten Kirche die Kirche des Hl. Alphonsius errichtet hatten, mit den feierlichen Worten: „Macht sie bekannt! Macht, dass sie geliebt wird! Sie wird die Welt retten!“ Viele Wunder werden diesem berühmten Bild zugeschrieben, dessen Kopien heute in der ganzen Welt verbreitet sind.

Die Ikone zeigt die Mutter Gottes, die in ihren Händen das Jesuskind hält, das, erschrocken über die von den Erzengeln Michael und Gabriel präsentierten Leidenswerkzeuge seiner künftigen Passion, sich an ihrer Hand festhält. Maria drückt Jesus an ihr Herz, er schmiegt sich an sie und verliert vor Angst eine seiner Sandalen. Der Goldgrund des Bildes und die Art, wie die Engel die Leidenswerkzeuge präsentieren, weisen aber auch hin auf den Triumph Christi über Leiden und Tod. Der Mittelpunkt des Bildes ist da, wo sich die Hand der Mutter mit den Händen des Kindes berührt. Die rechte Hand Mariens nimmt den Sohn auf, wodurch auf sein Menschsein hingewiesen wird. Dieselbe Hand Mariens weist jedoch gleichzeitig hin auf den Sohn Gottes. Maria führt uns hin zum Erlöser, zu ihm, der selbst „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist. Sie ist unsere Hilfe und sie tritt für uns ein bei ihrem Sohn. Vertrauen wir uns ganz ihrer Fürsprache an.

Gute Mutter von der immerwährenden Hilfe, ein armer Sünder kniet vor dir und nimmt voll Vertrauen zu dir seine Zuflucht. Mutter der Barmherzigkeit, habe Mitleid mit mir! Ich höre, wie du von allen die Zuflucht und Hoffnung der Sünder genannt wirst. Sei also auch meine Zuflucht und Hoffnung! Hilf mir aus Liebe zu Jesus Christus! Reiche deine Hand einem armen Gefallenen, der sich dir empfiehlt und für immer deinem Dienste weiht. Dankbar preise ich den Herrn, daß er in seiner Erbarmung mir ein solches Vertrauen zu dir geschenkt hat. Es ist das sichere Unterpfand für mein ewiges Heil. Bisher bin ich in meiner Armseligkeit so oft gefallen, weil ich mich nicht an dich gewandt habe. Ich weiß, wenn du mir hilfst, werde ich standhaft bleiben. Ich weiß auch, du wirst mir helfen, wenn ich mich dir empfehle. Doch ich fürchte, wenn ich in Gefahr bin zu fallen, daß ich es unterlassen könnte, zu dir zu rufen. Darum bitte ich dich um die eine Gnade, so innig ich nur kann, flehe ich dich an: Hilf, daß ich bei den Anfechtungen der Hölle immer zu dir meine Zuflucht nehme und zu dir rufe: Maria, hilf mir! Mutter von der Immerwährenden Hilfe, laß nicht zu, daß ich meinen Gott verliere!

Gegrüßet seist du, Maria ...

Gute Mutter von der immerwährenden Hilfe, gib, daß ich jederzeit deinen mächtigen Namen anrufen kann, denn dein Name ist der Trost der Lebenden und die Rettung der Sterbenden. Maria, du reine, gütige Mutter, gib, daß dein Name von heute an der Atem meiner Seele wird! Große Königin, komm mir zu Hilfe, sooft ich zu dir rufe. In keiner Versuchung und keiner Not will ich es unterlassen, zu dir zu rufen, und immer wieder will ich rufen: Maria, Maria! Was für eine Tröstung und Freude ist es für mich, welches Vertrauen und welch zarte Liebe erwacht in meiner Seele, wenn ich dich nur nenne und an dich denke! Ich danke dem Herrn, daß er zu meinem Besten dir einen so schönen, liebenswürdigen und mächtigen Namen gegeben hat. Doch ich will dich nicht nur anrufen, aus Liebe will ich zu dir rufen, die Liebe soll mich daran erinnern, immer wieder zu dir zu rufen, du Mutter von der immerwährenden Hilfe!

Gegrüßet seist du, Maria, ...

Gute Mutter von der immerwährenden Hilfe, du bist die Ausspenderin aller Gnaden, die Gott uns Armseligen verleiht. Er hat dir solche Macht und solchen Reichtum und ein so gütiges Herz gegeben, damit du in unseren Nöten uns zu Hilfe kommst. Du bist die Fürsprecherin der ärmsten und verlassensten Sünder, wenn sie sich zu dir wenden. Hilf auch mir, ich empfehle mich dir. In deine Hand lege ich mein ewiges Heil, dir übergebe ich meine Seele. Nimm mich auf in die Zahl deiner treuesten Diener, birg mich unter deinen Schutzmantel. Wenn du mir hilfst, dann fürchte ich nichts. Hohe Königin, erflehe mir Vergebung meiner Sünden, Liebe zu Jesus, Beharrlichkeit bis ans Ende und die Gnade, stets zu dir zu rufen, du Mutter von der immerwährenden Hilfe.

Gegrüßet seist du, Maria ...

Maria – die auf Gott vertraut hat.

Auf Gott vertrauen, sich ganz auf ihn verlassen, das ist es, was Glaube bedeutet. Ein solcher Glaube gab Abraham den Mut, seine Heimat zu verlassen und in das verheißene Land zu ziehen, ein solcher Glaube gab den Heiligen zu allen Zeiten den Mut, in allen Verfolgungen stand zu halten und selbst ihr Leben für Gott hinzugeben. Einen solchen Glauben hatte auch Maria in ganz besonderer Weise. Durch ihr Ja zu den Worten des Engels gab sie ihr ganzes Leben Gott hin, wollte in allem seinen Willen tun. Weil sie ihren Weg mit Gott gegangen ist, kann sie auch uns Wegführerin sein auf dem Weg mit Gott. Gottesmutter Hodegetria – Wegführerin, so heißt auch diese Ikone. Am Ende des Marienmonats Mai wollen wir so Maria noch einmal um ihre ganz besondere Fürsprache bitten, damit auch wir unser Leben, im Vertrauen auf Gottes Führung, ganz nach dem Willen Gottes leben.

Wie ein solches Leben aussieht, davon hören wir im heutigen Evangelium (Mt 6,24-34). An erster Stelle steht die Entschiedenheit für Gott. „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“ Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch im Überfluss lebt und Schätze anhäuft. Leicht geschieht es, dass ein Mensch sein Herz ganz an den Reichtum hängt, dass er sich nur noch darum sorgt, wie er sein Geld beisammen halten und weiter vermehren kann. Ein solcher Mensch macht sich selbst kaputt, denn was nützt ihm letztlich all sein Reichtum, wenn er darüber Gott vergißt?

„Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, daß ihr etwas anzuziehen habt,“ so spricht Jesus im heutigen Evangelium. Wenn Jesus uns zur Sorglosigkeit gegenüber den irdischen Dingen aufruft, so meint er damit nicht, dass wir in bitterer Armut leben sollen. Christliches Leben bedeutet nicht, dass wir uns überhaupt nicht mehr mit den Angelegenheiten dieser Welt beschäftigen sollten. Das Leben ist wichtig und auch der Leib ist wichtig. Der Mensch braucht zum Leben eine funktionierende Gesellschaft, in der auch für die täglichen Bedürfnisse der Menschen gesorgt ist. Es ist Aufgabe der Christen, sich in diese Gesellschaft einzubringen. Christen sind keine weltfremden Menschen, die sich aus dem Leben zurückziehen. Jesus sagt ja nicht: „Lebt wie die Vögel, die weder säen, noch ernten, noch Vorräte in Scheunen sammeln.“ Jesus ruft bestimmt nicht dazu auf, dass wir alle Landwirtschaft aufgeben sollen und nur noch von dem leben sollen, was wild wächst. Würden wir Jesus so missverstehen, wären wir selbst Schuld am Niedergang der Menschheit. Jesus will uns damit vielmehr sagen: Schaut auf die Vögel, schaut auf die prächtigen Blumen. Die Vögel überleben, die Blumen wachsen immer wieder neu, obwohl sie selbst nichts dazu tun, das ist der Kreislauf der Natur, die von Gott so wunderbar geschaffen ist. Ihr Menschen aber habt Verstand und wisst euch die Natur nutzbar zu machen, durch Landwirtschaft und Handwerk. Vergesst aber dabei nicht, dass ihr von dem lebt, was Gott geschaffen hat. Ihr könnt nur ernten, wenn Gott der Saat immer wieder das Wachstum gibt. Ihn, den Schöpfer von allem, sollt ihr vor allem ehren. Seht alles als Geschenk Gottes an und gebraucht es mit euren Fähigkeiten in Dankbarkeit. Dann wird Gott euch immer alles Nötige zukommen lassen.

Vor allem dürfen wir nicht vergessen, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als Leben und Leib, als alles, was wir auf Erden haben können. Es kommt darauf an, dass der Mensch zu Gott findet, denn sonst ist sein ganzes Leben sinnlos. Der Glaube an Gott aber gibt dem Menschen die Gewissheit, dass er nicht vergebens hier auf Erden ist und dass sein Leben zu einem guten Ziel führen wird. Wichtiger als alle Sorge um den Lebensunterhalt ist unser Vertrauen auf Gott, unsere dankbare Antwort auf seine Liebe. Jesus will, dass wir ganz auf Gott vertrauen, dass wir ihm unser Leben schenken, wie auch immer das aussehen mag. „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen.“ Wir sind dazu aufgerufen, das Reich Gottes auf Erden sichtbar zu machen, indem wir den Willen Gottes tun und so leben, dass in unserem Leben und Tun Gott erkennbar wird.

Wenn auf Erden der Wille Gottes geschieht, hat der Mensch einen Teil des verlorenen Paradieses zurück gewonnen. Adam und Eva konnten sorglos leben im Einklang mit Gott und der Natur. Dieses sorglose Leben hat der Mensch durch die Sünde zerstört. Fortan muss er sich mühsam seinen Lebensunterhalt verdienen. Der in Christus erlöste Mensch kann aber mit einer neuen Sorglosigkeit an diese Mühen des Alltags gehen. Er weiß sich ganz in Gottes Hand. Er weiß, dass Gott seinem Tun Gelingen schenkt über seine eigenen Fähigkeiten hinaus.

Vertrauen wir auf Gott, von dem alles kommt, was wir sind und haben, geben wir ihm die Ehre und übergeben wir ihm unser Leben. Schauen wir dabei vor allem auf das Beispiel Marias. Sie hat sich ganz Gott anvertraut. Oft wusste sie nicht, wie ihr Weg, wie der Weg ihres Sohnes weitergeht. Doch sie ist nicht irre geworden an Gott, sie hat die Kreuzigung ihres Sohnes erlebt, aber auch seine Auferstehung. Vertrauen wir wie sie darauf, dass Gott uns in unserem Leben immer führt und uns das schenken wird, was wir brauchen.

Das Rosenkranzgebet

Rosenkranz, das ist der Name für ein Gebet und bezeichnet zugleich die Perlenschnur. Der Rosenkranz ist ein meditatives Gebet, die Perlen lassen gleichsam die Zeit durch die Hände gleiten. Das Rosenkranz-Gebet ist in einem langen Entwicklungsprozess aus einer Reihe spiritueller Elemente entstanden. Eines der ursprünglichsten ist das Wiederholungsgebet, das schon im frühen Mönchtum gepflegt wurde. Es entsprang dem Wunsch nach immerwährendem Gebet. Paulus schreibt an die Gemeinde von Thessalonich: „Betet ohne Unterlass" (1 Thess 5,17). Durch dieses Gebet hofften die Mönche, zu einer ständigen Einheit mit Gott zu gelangen. Vom Eremiten Paulus, der im 4.Jahrhundert in der nordafrikanischen Wüste lebte, wird überliefert, er habe täglich dreihundertmal das Vaterunser gebetet. Er zählte die Gebete mit kleinen Steinen.

Der Wunsch, die Zeit durch das Gebet zu heiligen, führte zur Herausbildung des kirchlichen Stundengebetes, das im 6. Jahrhundert seine Form gefunden hat. Seinen längsten und wichtigsten Teil bilden die Psalmen. Die 150 biblischen Psalmen bekamen den Namen Psalter. Dieser Name erhielt nach und nach eine neue Bedeutung. Er bezeichnete neben der Psalmensammlung aus der Bibel die Reihung von 150 Vaterunser, später auch 150 Ave Maria und weiter die Reihung von Gebetsreimen, die sich ebenfalls aus 150 Einheiten zusammensetzten. Die Unterscheidung in Zehnergesätze mit dem Vaterunser ist eine weitere Entwicklungsstufe. Wesentlicher als diese Unterteilung ist die Verbindung des Ave Maria mit Betrachtungen aus dem Leben Jesu. In der Kartause von Trier fügte Dominikus von Preußen (nach 1410) an das Wort „Jesus" des Ave Maria 50 kurze Sätze (clausulae) an, die an ein Geheimnis aus dem Leben Jesu oder seiner Mutter erinnerten. Damit war der heutige Rosenkranz gegeben.

Im Gebet liegt eine Kraft, die wir Menschen nicht berechnen können. Wir wollen heute alles selber machen, wollen alles durch unsere Kraft erreichen. Wir planen alles bis in die kleinsten Kleinigkeiten – und vergessen doch das Wesentliche. Natürlich sind genaue Planungen für unsere Unternehmungen – die kleinen und die großen – unerläßlich. Aber beten wir auch darum, dass Gott dem, was wir planen, ein gutes Gelingen gibt?

Durch das Gebet wird manchmal das Unmögliche möglich, kommt im Unheil eine unerwartete Wendung zum Guten. Aber das Gebet ist eben eines nicht: berechenbar. Wir können nie voraussagen, was unser Gebet bewirkt und umgekehrt können wir auch von keinem Ereignis sicher sagen, dass es auf Grund des Gebets eingetreten ist. Etwas, worum viel gebetet wird, kann doch mißlingen, ein kranker Mensch, für den gebetet wird, kann doch sterben. Aber irgendwie zeigt das Gebet, wenn auch verborgen, mit Sicherheit seine Wirkung.

Der Sieg über die Türken in der Seeschlacht von Lepanto am 7.10.1571 wurde dem Rosenkranzgebet zugeschrieben. Bald darauf wurde das Rosenkranzfest eingeführt, dass wir auch heute noch an diesem Tag feiern. Ausgehend davon wurde der ganze Monat Oktober zu einem Marienmonat, der in besonderer Weise dem Rosenkranzgebet gewidmet ist.

Mit Sicherheit wohnt dem Rosenkranzgebet eine starke Kraft inne, sowohl wenn es in Gemeinschaft, als auch wenn es allein gebetet wird. Es ist schön, wenn man sich die Zeit nimmt, den ganzen Rosenkranz zu beten, doch bevor man das Gebet ganz unterläßt, ist es auch schon von großem Wert, jeden Tag nur eines seiner Gesätze zu beten.

Es gibt verschiedene Arten, den Rosenkranz zu beten. Er eignet sich sehr gut als betrachtendes Gebet. Mit Maria schreiten wir gläubig-schauend durch die Geheimnisse des Lebens Jesu. Wir können in das Rosenkranzgebet auch alle unsere Sorgen und Anliegen legen und sie durch Maria zu Jesus bringen.

Am besten ist es, wenn man für das Rosenkranzgebet einen richtigen Rosenkranz zur Hand hat, wie man ihn beispielsweise an Wallfahrtsorten oder in Geschäften, die religiöse Artikel führen, kaufen kann. Man kann einen Priester bitten, den Rosenkranz zu segnen.

Die Grundgebete, also das „Vater Unser“, das „Gegrüßet seist Du, Maria“ und das „Ehre sei dem Vater“ sollte man auswendig können, wenn nicht kann man sich auch die Texte dazu bereitlegen. Das besondere des Rosenkranzgebetes ist es, dass im Gegrüßet seist du Maria jeweils nach dem Wort „Jesus“ ein Text, das sogenannte Geheimnis, eingefügt wird. Dazu später mehr.

Man beginnt das Rosenkranzgebet wie jedes Gebet mit dem Kreuzzeichen. Dann beten wir an dem Kreuz des Rosenkranzes das Apostolische Glaubensbekenntnis und anschließend das Ehre sei dem Vater. Dadurch wird uns bewusst, dass der Rosenkranz nicht nur ein Mittel der privaten Frömmigkeit ist, sondern dass wir ihn zusammen mit der ganzen Kirche beten.

Nach dem Kreuz kommen noch vier Perlen, die außerhalb des großen Perlenkranzes liegen. Hier beten wir zuerst das Vater Unser und dann drei Gegrüßet seist Du, Maria, bei denen wir jeweils einfügen:

- Jesus, der in uns den Glauben vermehre
- Jesus, der in uns die Hoffnung stärke
- Jesus, der in uns die Liebe entzünde

Anschließend beten wir das Ehre sei dem Vater.

Nun finden wir an dem Perlenkranz jeweils fünfmal eine einzelne Perle, der zehn Perlen folgen. Das sind die fünf Gesätze, aus denen der Rosenkranz besteht. Sie beginnen jeweils an der einzelnen Perle mit dem Vater Unser, dann folgt zehnmal das Gegrüßet seist Du, Maria und wir beenden das Gesätz mit dem Ehre sei dem Vater.

Warum „Rosenkranz“? Die Rose ist ein Symbol der Liebe. Unsere Gebete sind wie ein Kranz, geflochten aus Rosen, die wir zur Ehre der Gottesmutter darbringen, sie sind Ausdruck der Liebe, mit der wir uns Jesus und Maria zuwenden.

Was ist ein „Gesätz“? Das Wort hat nichts mit dem Wort Gesetz zu tun, sondern kommt von Satz: Ein Rosenkranzgesätz ist der verallgemeinernde Sammelbegriff für die einzelnen Sätze.

Warum „Geheimnis“? Unter einem Geheimnis verstehen wir meist etwas, das man für sich behalten soll, in das nur bestimmte eingeweiht werden. Hier hat das Wort aber noch eine andere Bedeutung. Wir sprechen von den Geheimnissen des Lebens Jesu. Das, was im Leben Jesu geschieht, macht uns den verborgenen Gott offenbar. Die Stationen des Lebens Jesu sind deshalb Geheimnisse, weil ihr Sinn tiefer geht, als es uns bei einer rein oberflächlichen Betrachtung erscheinen mag.

Wenn wir im Rosenkranzgebet die Geheimnisse des Lebens Jesu betrachten, so ist dies ein Weg, Jesus Christus immer tiefer zu verstehen. Wenn wir so an das Rosenkranzgebet herangehen, wird es für uns nicht ein dauerndes Herunterleiern immer der gleichen Worte sein. Gerade die ständige Wiederholung schafft einen Raum, in dem unser Geist in die Tiefe gehen kann. Er braucht sich nicht um die äußeren Worte kümmern, sondern kann sich ganz auf das Wesentliche konzentrieren. Zugleich aber hilft das Gerüst der immer gleichen Worte, dass der Geist nicht abschweift und die Gedanken um anderes kreisen lässt.

Jesus Christus wird uns immer ein Geheimnis bleiben, aber eines, dem wir immer tiefer auf die Spur kommen können. Wenn wir einen Menschen lieben, so ist es spannend, immer neue Seiten an ihm zu entdecken. Der Glaube ist ja nichts anderes als eine Liebesbeziehung. Das auf den ersten Blick recht langweilige Rosenkranzgebet kann uns helfen, ganz neue Seiten an Jesus Christus zu entdecken. Und das kann sehr spannend sein.

Manche wundern sich vielleicht: Der Rosenkranz ist doch ein Mariengebet, aber in den Texten darüber war mehr von Jesus die Rede als von Maria. Dies ist ein Zeichen der wahren Marienfrömmigkeit: Sie führt uns hin zu Jesus Christus. Maria will uns helfen, ihren Sohn immer tiefer zu erkennen.

Papst Johannes Paul II. schreibt dazu: „Tatsächlich ist der Rosenkranz, wenn auch von seinem marianischen Erscheinungsbild her charakterisiert, ein zutiefst christologisches Gebet. In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in sich die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft, für die er gleichsam eine Kurzfassung ist. In ihm erklingt das Gebet Marias, ihr unaufhörliches Magnificat durch das Werk der erlösenden Menschwerdung, die in ihrem jungfräulichen Schoß ihren Anfang nahm. Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens, um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen. In der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse schöpft der Gläubige Gnade in Fülle, die er gleichsam aus den Händen der Mutter des Erlösers selbst erhält.“

Es gibt offiziell vier Rosenkranzzyklen, den freudenreichen, den lichtreichen, den schmerzhaften und den glorreichen Rosenkranz. Jeder enthält jeweils fünf Geheimnisse. Diese sind im Einzelnen:

Die freudenreichen Geheimnisse
Jesus, den Du, O Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast.
Jesus, den Du, O Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast.
Jesus, den Du, O Jungfrau, (in Bethlehem) geboren hast.
Jesus, den Du, O Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast.
Jesus, den Du, O Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast.

Die lichtreichen Geheimnisse
Jesus, der von Johannes getauft worden ist.
Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat.
Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat.
Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist.
Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat.

Die schmerzhaften Geheimnisse
Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat.
Jesus, der für uns gegeißelt worden ist.
Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist.
Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat.
Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist.

Die glorreichen Geheimnisse
Jesus, der von den Toten auferstanden ist.
Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist.
Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat.
Jesus, der Dich, O Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat.
Jesus, der Dich, O Jungfrau, im Himmel gekrönt hat.

Marienfeste im Jahreskreis

01.01. Neujahr – Hochfest der Gottesmutter Maria

In der Kirche haben wir Neujahr eigentlich schon gefeiert, denn das Kirchenjahr beginnt mit dem 1. Advent. In der Liturgie feiern wir daher heute den Oktavtag von Weihnachten und das Hochfest der Gottesmutter Maria. Große Feste, wie Weihnachten, werden eine Woche lang gefeiert und den Abschluß dieser Woche bildet der Oktavtag. Diesen Tag, der zugleich der erste Tag des weltlichen Jahres ist, widmet die Kirche in ganz besonderer Weise Maria. Im Eröffnungsvers der Messe heißt es: Gruß dir, heilige Mutter, du hast den König geboren, der in Ewigkeit herrscht über Himmel und Erde.

Tun wir es der Kirche gleich. Vertrauen wir uns selbst an diesem Tag ganz der Gottesmutter an. Stellen wir das Neue Jahr unter ihren Schutz. Gott selbst hat Maria so sehr vertraut, daß er durch sie Mensch geworden ist. Auch wir dürfen Maria vertrauen. Sie führt uns hin zu ihrem Sohn Jesus Christus.

Heilige Maria, Mutter Gottes, Du hast der Welt das wahre Licht geschenkt, Jesus, Deinen Sohn - Gottes Sohn. Du hast dich ganz dem Ruf Gottes überantwortet und bist so zum Quell der Güte geworden, die aus ihm strömt. Zeige uns Jesus. Führe uns zum ihm. Lehre uns ihn kennen und ihn lieben, damit auch wir selbst wahrhaft Liebende und Quelle lebendigen Wassers werden können inmitten einer dürstenden Welt. Amen. (Papst Benedikt XVI.)

2.2.: Darstellung des Herrn – Mariä Lichtmeß (2008)

Das Evangelium des heutigen Tages (Lk 2,22-40) zeigt uns die Eltern Jesu, Maria und Joseph, als gesetzestreue Juden. In Erinnerung an den Exodus, den Auszug Israels aus Ägypten, als in der Nacht der Würgeengel alle Erstgeborenen der Ägypter erschlug, die Erstgeborenen Israels aber am Leben blieben, galt alle Erstgeburt Israels dem Herrn heilig (Ex 13,2). Jeder Erstgeborene mußte im Tempel vor Gott gebracht, „dargestellt“ werden und damit ausgelöst werden (Ex 2,12f.). Zudem galten bei den Juden im Zusammenhang mit der Geburt strenge Reinigungsvorschriften. Sieben Tage ist die Frau nach der Geburt unrein, dann folgt die Beschneidung des Kindes und die Frau soll noch weitere 33 Tage zu Hause bleiben. Danach, am 40. Tag nach der Geburt, muß ein Opfer dargebracht werden, ein einjähriges Schaf als Brandopfer und eine junge Taube oder Turteltaube als Sündopfer, oder, wenn die Mittel für ein Schaf nicht ausreichen, zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben (Lev 12). Auch Maria und Joseph bringen, obwohl Maria die ganz reine und makellose Jungfrau ist, das vorgeschriebene Opfer dar, zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben, was sie, wenn auch nicht als ärmlich, so doch als nicht sehr reiche Leute ausweist. Sehr schön finde ich die Antiphon dazu mit ihrer Melodie: Sie brachten für ihn dem Herrn zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben dar. Auch der Sohn Gottes wird im Tempel dargestellt und ausgelöst.

So läuft also zunächst alles ganz normal. Aber, wenn man die vorhergehende Kindheitsgeschichte betrachtet, mit der Geburt im Stall, den Engeln und Hirten und den Weisen aus dem Morgenland, so kann man sich vorstellen, dass es auch hier nicht beim Gewöhnlichen bleibt. Die Eltern Jesu tun ganz einfach das ihre, aber Gott selbst zeigt der Welt, das sein Sohn in die Welt gekommen ist. Vor dem öffentlichen Wirken Jesu bekommen das aber nur wenige mit, hier sind es Simeon und Anna, zwei fromme alte Menschen, die ihr Leben ganz Gott geweiht haben. Beide scheinen ihr ganzes Leben lang auf diesen einen Tag gewartet zu haben. Rembrandt hat diese Szene in einem seiner letzten Werke festgehalten.

Hypapante – Fest der Begegnung des Herrn – heißt dieser Festtag in der orthodoxen Kirche. Der Messias kommt in seinen Tempel und begegnet dem Gottesvolk des Alten Bundes, vertreten durch Simeon und Anna. Besonders die Begegnung mit Simeon wird im Lukas-Evangelium ausführlich geschildert. Dabei ist zunächst bemerkenswert zu beachten, wer die Begegnung bewirkt. Die Begegnung kommt nicht allein dadurch zustande, daß Simeon ständig im Tempel wartet. Nein, er scheint gar nicht zu wissen, wo genau er Christus begegnen wird. Er schafft aber die Voraussetzung dafür, ihm begegnen zu können: Er ist gerecht und gottesfürchtig und er wartet. Er ist offen in seinem Leben, offen für den Anruf Gottes, offen für den Geist Gottes. Der Heilige Geist ruht auf Simeon und der Heilige Geist hat ihm offenbart, dass er nicht sterben wird, bevor er Jesus Christus gesehen hat. Es ist auch der Heilige Geist, der dann selbst diese Begegnung zwischen Simeon und Jesus wirkt. Er führt Simeon in den Tempel und Simeon erkennt dort den, auf den er so lange gewartet hat. Seine Freude drückt er in seinem Lobgesang aus, der Eingang gefunden hat in das Nachtgebet der Kirche:

Nun läßt du Herr deinen Knecht, wie du gesagt hast in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen, dass du vor allen Völkern bereitet hast.
Ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Man merkt förmlich, wie Simeon all sein Sehnen erfüllt sieht. Nun kann er in Frieden sterben. Sein langes Leben ist nun auch ein erfülltes Leben. Er hat nicht vergebens auf Gott vertraut. Er darf Jesus, den Retter, leibhaftig in seine Arme schließen. Hautnah darf er den Heiland bei sich haben. Auf dem Bild von Rembrandt kann man sehen, wie er mit Jesus gleichsam das Licht hält. Christus ist das Licht, das in die Dunkelheit strahlt. Christus, das Licht für die Heiden. Immer wieder haben wir an Weihnachten davon gehört und immer wieder müssen wir uns bewußt machen, dass Christus unser Licht ist, dass er allein alle Dunkelheiten dieser Welt erhellen kann.

So ist Simeon auch ein Beispiel für uns, wenn wir Christus begegnen wollen. Er zeigt uns, dass es zunächst dieser grundsätzlichen Offenheit für Gott bedarf, die sich darin zeigt, dass wir gerecht und gottesfürchtig ein Leben nach Gottes Geboten führen. Wie Simeon sollen wir geduldig warten, sollen wir still werden vor Gott, offen im Gebet für seinen Anruf, für seinen Geist. Es ist der Heilige Geist, der uns dann die entscheidende Begegnung mit Gott schenkt und darum dürfen wir immer wieder neu bitten.

Christus ist das Licht, daher kommt wohl auch die Bezeichnung Mariä Lichtmeß im Volksmund. Schon seit frühen Zeiten wurden an diesem Tag die Kerzen gesegnet, die in früheren Zeiten die bedeutenden Lichtspender in der Nacht waren. Um zu zeigen, wie das Licht Gottes die Finsternis vertreibt, wird an diesem Tag eine feierliche Lichterprozession gehalten. Wenn wir auch Christus nicht hautnah wie Simeon in unsere Arme schließen können, so dürfen wir doch in der Feier dieses Tages symbolisch erfahren, was es für uns bedeutet, dass Christus das Licht ist.

Und doch fehlt bei aller Freude nicht die Ahnung des Schmerzes. Auch Simeon weiß schon, dass das Leben des Messias nicht rosig sein wird. Er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Seiner Mutter Maria wird ein Schwert durch die Seele dringen. Das Licht kommt in die Welt, aber die Menschen lieben die Finsternis oft mehr als das Licht. Doch lassen wir uns dadurch nicht entmutigen. Christus ist das Licht, das durch nichts und niemanden ausgelöscht werden kann. Keine Finsternis ist ihm zu finster, er leuchtet überall. Nehmen wir dieses Licht wie Simeon in unser Leben. Auch uns ist Christus ganz nahe, auch wir können zu Menschen des Lichtes werden. Führen wir, wie Simeon, ein Leben nach den Geboten Gottes, seinen wir gerecht und gottesfürchtig, öffnen wird uns für den Heiligen Geist durch unser Beten und Tun. Glauben wir fest daran, dass Christus in dieser Welt leuchtet und bitten wir immer wieder um sein Licht für uns und alle Menschen.

Gott, du bist das wahre Licht,
das die Welt mit seinem Glanz hell macht.
Erleuchte auch unsere Herzen,
damit alle, die heute mit brennenden Kerzen
in deinem heiligen Haus vor dich hintreten,
einst das ewige Licht deiner Herrlichkeit schauen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

2.2. Mariä Lichtmess (2009)

Darstellung des Herrn, Reinigung Mariens, Mariä Lichtmess, das heutige Fest hat viele Namen und ist fest im Brauchtum des Volkes verwurzelt. Ein Lichterfest im Februar. Bei Lichterfesten denken wir an den Advent, wenn jeden Sonntag ein weiteres Licht am Kranz entzündet wird und wir denken an Weihnachten mit seinen vielen Lichtern. Das heutige Lichtfest markiert traditionell das Ende der Weihnachtszeit, auch wenn bereits nach dem Fest der Taufe des Herrn die Zeit im Jahreskreis begonnen hat. So werden wir, die wir an den letzten Sonntagen schon dem erwachsenen Jesus auf seinem Weg gefolgt sind, noch einmal zurück in die Zeit seiner Kindheit versetzt.

Wie es dem Gesetz des Mose entspricht, bringen Maria und Joseph das Kind Jesus, wie jeden anderen Erstgeborenen in Israel, zum Tempel, um für ihn das vorgeschriebene Opfer darzubringen. Für nicht so wohlhabende Familien, zu denen auch Maria und Joseph zählen, sind als Opfer ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben vorgesehen. Neben der Auslösung des Erstgeborenen diente das Opfer auch der Reinigung der Mutter. Frauen galten nach der Geburt 40 Tage als unrein und mussten sich somit zu Hause aufhalten. Danach war das Reinigungsopfer darzubringen und die Frau durfte sich wieder ganz normal in der Öffentlichkeit bewegen.

Maria bedurfte dieser Reinigung nicht. Blieb sie doch vor, während und nach der Geburt reine Jungfrau. Dennoch erfüllt sie das, was zur damaligen Zeit üblich ist und stellt sich nicht über die anderen Menschen. In der Legenda Aurea, dem bedeutenden Heiligenbuch des Mittelalters, heisst es dazu: „Um deutlich zu machen, dass Maria rein und ohne Makel ist, ordnete die Kirche an, dass man an diesem Fest brennende Kerzen tragen soll. Diese sagen uns: Heilige Jungfrau, du bedarfst keiner Reinigung, du leuchtest und glänzt ganz und gar.“

Der Glanz der Kerzen soll uns den Glanz der Reinheit Mariens vor Augen führen. Auch wir sind berufen, in der Helle dieses Lichtes zu wandeln. Ist es doch die Unreinheit, die sich im Schatten der Dunkelheit verbirgt, Reinheit aber darf sich offen zeigen. So bittet auch die Kirche heute im Tagesgebet: Allmächtiger Gott, läutere unser Leben und Denken, damit wir mit reinem Herzen vor dein Antlitz treten.
Nehmen wir etwas von dem Licht des heutigen Tages mit in unser Leben. Es ist das Licht, das in der Krippe durch die Geburt des Gottessohnes aufgestrahlt ist. Dieses Licht leuchtet auf der Erde allezeit und kann nie mehr ausgelöscht werden. Dies darf uns Trost sein auch in schweren Zeiten. Bitten wir Gott, dass er uns die Gnade schenke, allezeit in diesem Licht zu leben.

Marienmonat Mai - Maria und Ostern  

Der Mai ist der Monat der Jungfrau Maria. Zu Beginn der Osterzeit sind wir noch ganz in die Betrachtung der Geheimnisse der Auferstehung versunken. Was mich etwas verwundert ist, dass von Maria keine besondere Begegnung mit ihrem auferstandenen Sohn berichtet wird.

Bei Johannes hören wir, wie Maria unter dem Kreuz steht. Das Leiden ihres Sohnes hat sie tief getroffen. Hätte sie dann nicht die Erste sein müssen, der Jesus als der Auferstandene erscheint? Vielleicht war Maria unter den Frauen, die am Ostermorgen zum Grab gingen. Vielleicht ist Jesus ihr ganz im Stillen erschienen. Wir hören von Maria erst wieder, als sie zusammen mit den Aposteln nach der Himmelfahrt Jesu versammelt ist, um den Heiligen Geist zu erbitten.

Freu dich du Himmelkönigin! So singen wir in einem bekannten Marienlied zur Osterzeit. Ja, Maria hat sich über die Auferstehung ihres Sohnes gefreut. Sie hat sich mit den Aposteln auf die Sendung des Heiligen Geistes vorbereitet. Sie ist Zeugin der Auferstehung Jesu und war selbst die erste, die die Auferstehung des Leibes und der Seele an sich erfahren durfte.

Heilige Maria, zeige uns Jesus, den Auferstandenen. Schenke uns die Freude über seine Auferstehung. Hilf uns, im Gebet mit Jesus verbunden zu sein, damit wir fähig sind, seine Zeugen zu sein. Amen.

Maria, du Königin des Friedens!
Wir verehren dich und huldigen dir
und möchten dir unsere aufrichtige Hingabe zu bezeigen.
Auf Dich schauen wir mit immer tieferer Sorge,
zu Dir kommen wir mit noch größerem Vertrauen
in dieser Zeit, die von nicht wenigen Unsicherheiten
und Befürchtungen gekennzeichnet ist,
aufgrund der gegenwärtigen und zukünftigen Geschicke unseres Planeten.
Zu dir, Erstlingsfrucht der von Christus erlösten Menschheit,
die von der Knechtschaft des Bösen und der Sünde endlich befreit ist,
erheben wir gemeinsam eine eindringliche und vertrauensvolle Bitte:
Höre den Schmerzensschrei der Opfer der Kriege
und der vielen Formen von Gewalt,
die die Erde mit Blut beflecken.
Vertreibe die Finsternis der Traurigkeit und der Vereinsamung,
des Hasses und der Rachsucht.
Öffne den Sinn und das Herz aller für die Zuversicht und Vergebung!
Mutter der Barmherzigkeit und Hoffnung,
erwirke für die Menschen des dritten Jahrtausends
das wertvolle Geschenk des Friedens:
Frieden in den Herzen und in den Familien,
in den Gemeinschaften und unter den Völkern;
Frieden besonders für jene Nationen,
in denen Tag für Tag weiter gekämpft und gestorben wird.
Gib, dass die Menschen aller Rassen und Kulturen
Jesus begegnen und Ihn aufnehmen,
der im Weihnachtsgeheimnis auf die Erde gekommen ist,
um uns »seinen« Frieden zu schenken.
Maria, Königin des Friedens,
schenke uns Christus, den wahren Frieden der Welt!
Amen.

Nach einem Gebet des Seligen Papstes Johannes Paul II.

02.07. Mariä Heimsuchung

„Maria aber brach auf in jenen Tagen und ging mit Eile weg in das Bergland in eine Stadt Judäas und trat ein in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.“

So kann man Lk 1,39 wörtlich übersetzen. Ich finde, so wird die Dynamik deutlicher, die in diesem Satz steckt. Im Originaltext ist zudem das erste Wort des Satzes „aufbrechend“, was im Deutschen nicht so wörtlich wiedergegeben werden kann. An erster Stelle steht der Aufbruch.

Dann heißt es, dass Maria weg geht, in Eile, wie besonders hervorgehoben wird. Sie geht ins Bergland. Da geht man ja eher langsam, aber Maria nicht. Schon ist sie im Haus des Zacharias, sie tritt ein und begrüßt Elisabeth und es kommt zur Begegnung der beiden Frauen.

Es geht alles sehr schnell. Maria weiß, wo sie hin will, sie weiß, was sie will. Sie hält sich unterwegs nicht auf. Irgendwie zeigt uns dieser eine Satz Maria als eine Frau, die anpackt, voller Entschiedenheit und mit Durchsetzungskraft. Das ist ein ganz anderes Bild, als es uns oft vermittelt wird. Es ist aber ein Bild das anspricht, besonders heute. 

Als Maria bei Elisabeth eintritt, spricht diese als Gruß an Maria die Worte, die wir bis heute im Ave Maria beten: Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Elisabeth preist Maria selig, weil sie geglaubt hat, was der Herr ihr durch den Engel sagen ließ. Diesen ihren Glauben besingt Maria nun im Magnificat. Sie dankt Gott, der Großes an ihr getan hat, doch nicht nur an ihr, sondern an allen die Gott fürchten.

Gott ist ein Gott, der die menschlichen Verhältnisse umkehrt, der die Mächtigen stürzt und die Niedrigen erhebt, der die Hungernden beschenkt und die Reichen leer ausgehen lässt. Vor allem aber ist er ein Gott des Erbarmens, der sich den Menschen in Liebe zuwendet. Dies wird die Welt in Jesus Christus erfahren.

16.07. Gedenktag Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel

Schon in frühchristlicher Zeit haben sich Einsiedler im Karmel-Gebirge niedergelassen. In dem im Nord-Westen des Heiligen Landes an der Mittelmeerküste gelegenen Gebirge gibt es unzählige Felsenhöhlen, in denen sich auch schon die alttestamentlichen Propheten Elija und Elischa aufgehalten haben.

Zur Zeit der Kreuzfahrer entstand dort im 12. Jahrhundert der Orden von Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, auch Karmeliterorden genannt, der bis heute besteht. Im 13. Jahrhundert mußte der Orden das Heilige Land verlassen und breitete sich in Europa aus.

Von Anfang an zeichnet den Orden eine besondere Verehrung der Muttergottes aus. Nach einer Überlieferung soll Maria dem Ordensgeneral Simon Stock (England) das „Skapulier“ übergeben haben. Das Skapulier (lat. Schulterkleid) ist ein körperbreiter Tuchstreifen, der nach vorn und hinten abfallend über der Kutte als Zeichen der besonderen Verbundenheit mit Maria getragen wird. In der Vision hat Maria allen eine besondere Verheißung zugesprochen, die diesen gläubig im Leben und im Sterben tragen.

Es entstand auch eine Laien-Bruderschaft, deren Mitglieder eine verkleinerte Form des Skapuliers unter der Alltagskleidung tragen und bestimmte Andachtsübungen verrichten und so an dieser Verheißung Mariens teilhaben.

Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts feierten die Karmeliten ein Fest Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel, das sie zugleich als Skapulierfest begingen. Benedikt XIII. dehnte das Fest 1726 auf die ganze Kirche aus.  

15.08.: Mariä Himmelfahrt

„Ihr Sohn der Tod und Grab besiegt, er läßt im Tod die Mutter nicht!“

So singen wir in einem Lied zu Mariä Himmelfahrt (GL 587). Die besondere Erwählung Mariens unter allen Menschen zeigt sich auch in ihrem Tod. Ihr wurde es als erste zuteil, ihrem Sohn in die Herrlichkeit des Himmels zu folgen. Die Apostel fanden nur noch das leere Grab Mariens, umgeben von lieblichem Rosenduft. Christus hat seine Mutter mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.

Wenn wir in den Evangelien auch oft eine gewisse Distanz Jesu zu seiner Mutter zu erkennen meinen, so kann diese doch keineswegs die Nähe zwischen Jesus und Maria verdecken. Die Menschwerdung Gottes bedeutet auch, dass er als Mensch eine Mutter hat, eine Mutter, die ihr Kind vom Tage der Empfängnis an mit ihrer Liebe und Fürsorge begleitet. Wie sehr war Jesus als Neugeborener bis in seine Kindheit hinein auf seine Mutter angewiesen. Wir sehen es heute, wo so viele Kinder ohne die nötige Zuwendung aufwachsen, wie viel Schaden der Mangel an mütterlicher Liebe einem Menschen zufügen kann. Auch hier hat sich Gott ganz auf Maria verlassen können.

Die Liebe einer Mutter endet ja nicht mit dem Erwachsensein des Kindes, nur muß die Mutter damit leben, dass das Kind nun seine eigenen Wege geht. Jesus hatte einen ganz besonderen Weg, den Willen seines Vaters im Himmel zu erfüllen. Für Maria war es sicher oft schmerzhaft zu sehen, wie ihr Sohn doch so anders war, aber sie ließ ihm in ihrer Liebe die Freiheit, weil auch sie in seinem Tun den Willen Gottes sah, auch wenn sie ihn nicht immer verstehen konnte.

Immer blieb Maria in Jesu Nähe. Auch unter dem Kreuz hielt sie aus. Sie blieb bei den Jüngern Jesu, bis sie diese Welt verlassen mußte um nun aber auf ewig bei ihrem Sohn zu sein.

Für uns ist Maria Mittlerin und Fürsprecherin. Ihre besondere Nähe zu ihrem Sohn teilt sie mit uns und bringt uns näher hin zu Jesus Christus. Ihr dürfen wir alle unsere Sorgen und Nöte anvertrauen.

Bernhard von Clairvaux, ein großer Verehrer Mariens im Mittelalter, dessen Gedenktag wir in dieser Woche am 20.8. feiern, hat einmal in einer Predigt gesagt:

„Verehrt in Maria die Reinheit ihres unversehrten Leibes, die Heiligkeit ihres Lebens; bewundert ihre fruchtbare Jungfräulichkeit, verehrt ihre göttliche Nachkommenschaft. Feiert in ihr diejenige, die Gnade fand, die Mittlerin des Heils, die durch die Jahrhunderte hindurch wirkt. Preist sie, die im Himmelreich mehr gepriesen wird als die Chöre der Engel.

Die Kirche lehrt, dass feierlich der Tag begangen werden soll, an dem die Jungfrau von dieser sündigen Welt genommen wurde, und der festlichen Jubel und höchste Freuden bis in den Himmel gebracht hat.“

Unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin,
versöhne und mit deinem Sohn,
empfiehl uns deinem Sohn,
stell uns vor deinen Sohn.
Weil du, Gebenedeite, Gnade gefunden hast,
weil du vor allen anderen auserkoren bist,
weil du uns die Barmherzigkeit geboren hast,
lege Fürbitte für uns ein!
Er wollte voll Huld durch dich
an unserer Schwachheit und Armseligkeit teilhaben,
er möge auch uns durch dich teilhaben lassen
an seiner Herrlichkeit und Seligkeit:
Jesus Christus, dein Sohn, unser Herr. Amen.

Bernhard von Clairvaux 

Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel 2010

Bei der Geburt bist Du Jungfrau geblieben;

bei Deinem Entschlafen

hast Du die Welt nicht verlassen, Gottesmutter.

Du wurdest ins Leben gebracht, Mutter des Lebens,

und durch Deine Fürbitten

befreist Du vom Tod unsere Seelen.

So heißt es in einem Gebet der Ostkirche zum heutigen Festtag. Wir glauben, dass Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist. Da sie nun ewig bei ihrem Sohn ist, dürfen wir darauf vertrauen, dass sie uns von ihm durch ihre Fürbitte die Gaben des ewigen Heils erwirkt. So lehrt uns das Zweite Vatikanische Konzil (LG 62):

Maria trägt in ihrer mütterlichen Liebe Sorge für die Schwestern und Brüder ihres Sohnes, die noch auf der Pilgerschaft sind und in Gefahr und Bedrängnissen weilen, bis sie zur seligen Heimat gelangen. Deshalb wird die selige Jungfrau in der Kirche unter dem Titel der Fürsprecherin, der Helferin, des Beistandes und der Mittlerin angerufen.

Von der Himmelfahrt Mariens erfahren wir nicht aus der Heiligen Schrift, doch wurde dieses Fest schon bald in der Kirche gefeiert und war zu Beginn des 6. Jahrhunderts in der ganzen Christenheit verbreitet. Der Legende nach soll Maria nach Jesu Tod noch 24 (nach einer anderen Legende 12) Jahre gelebt haben. Der Tradition nach gilt zum einen das Haus neben dem Abendmahlssaal auf dem Sionsberg in Jerusalem als Ort der Entschlafung Mariens, nach anderen Quellen soll Maria in der Stadt Ephesus gestorben sein.

Die Legende berichtet weiter, dass ein Engel Maria ihren Tod angekündigt hat. Auf wundersame Weise wurden die Apostel am Sterbebett Mariens versammelt. Drei Tage nach dem Tod Mariens wird der Sarkophag für den verspätet eintreffenden Apostel Thomas nochmals geöffnet, doch zum Erstaunen aller ist dieser leer. Christus hat Maria mit Leib und Seele zu sich in den Himmel aufgenommen.

Wenn auch die Legenden nicht als historische Tatsachenberichte gelesen werden dürfen, so bergen sie doch einen tieferen Gehalt, den es zu verstehen gilt. Gott hat Maria in besonderer Weise als Mutter seines Sohnes erwählt. Dies zeigt sich zum einen darin, dass Maria von ihrer Empfängnis an von jeder Sünde bewahrt blieb, dass sie durch ihr Fiat – Ja zur Gottesmutter wurde und nicht zuletzt auch darin, dass sie nach ihrem Tod mit Leib und Seele in den Himmel erhoben wurde.

Das Dogma von der Aufnahme Mariens in den Himmel, das Papst Pius XII. im Jahr 1950 verkündet hat, bestätigt nur das, was schon immer Glaube der Kirche ist. Weil Christus Maria vollkommen zu sich in den Himmel aufgenommen hat, dürfen wir Maria um ihre Fürsprache anrufen. Die innige Verehrung Mariens in den Kirchen von Ost und West und die vielfältige Hilfe, die Maria uns, ihren Kindern, allezeit gewährt, bezeugen, dass wir zu Recht an ihre Aufnahme in den Himmel glauben.

Unbefleckte Jungfrau, Mutter Gottes und Mutter der Menschen! Wir glauben, dass Du mit Seele und Leib glorreich in den Himmel aufgenommen worden bist, wo Du von allen Chören der Engel und allen Scharen der Heiligen feierlich zur Königin ausgerufen wurdest. Mit ihnen vereinen wir uns, um den Herrn zu loben und zu preisen.

Dein Blick, der in mütterlicher Zartheit Deinen Sohn auf Erden umsorgte, der im Himmel die Herrlichkeit Deines Sohnes auf ewig unverhüllt schauen darf, ist auch auf uns Menschen hier auf Erden gerichtet.

Wir kommen mit unseren Sehnsüchten und Bitten zu Dir, unserer Mutter. Läutere unsere Sinne, damit auch wir nach diesem Leben Gott schauen dürfen. Wir vertrauen darauf, dass Deine barmherzigen Augen auf unser Elend und unsere Ängste, auf unsere Kämpfe und unsere Schwächen niederschauen, dass Deine Lippen unserer Freude und unseren Siegen zulächeln werden.

Wir rufen Dich als unsere Mutter an, erwählen Dich als unsere Führerin, als Kraft und Trost unseres Lebens. Wir vertrauen darauf, dass Deine Augen, die geweint haben über die mit Jesu Blut getränkte Erde, sich auch den Leidenden dieser Welt zuwenden, die Krieg, Verfolgung und Unterdrückung ausgeliefert sind. Wir erwarten von Deinem himmlischen Licht und von Deinem milden Erbarmen Trost für alle Herzensängste und Hilfe für die leidgeprüfte Kirche.

Wir glauben, dass Du in der Herrlichkeit, wo Du mit der Sonne bekleidet und mit Sternen gekrönt herrschst, nach Jesus die Freude und Seligkeit aller Engel und aller Heiligen bist. Wir schauen in der Kraft des Glaubens an die künftige Auferstehung zu Dir auf, unserem Leben, unserer Süßigkeit, unserer Hoffnung. Ziehe uns an mit Deiner milden Stimme, um uns einst Jesus zu zeigen, die gebenedeite Frucht Deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

Amen.

Dem Duft Mariens folgen -

Mariä Himmelfahrt 2008

Maria ist in den Himmel aufgenommen! Die Engel freuen sich und lobend preisen sie den Herrn!

Im Duft deiner Salben eilen wir dahin. Die jungen Mädchen lieben dich über alles!

Schon immer waren die Texte des Hohenliedes bedeutsam für die Marienverehrung. Maria wird hier gesehen als eine wunderschöne Frau, die in Freundschaft lebt mit den Frauen in ihrer Umgebung. Sie ist unter ihnen etwas Besonderes, sticht aus ihnen heraus, aber nicht so, dass sie den Neid der anderen erregen würde, sondern so dass sich die anderen mit ihr zusammen freuen.

Maria ist die in besonderer Weise vom Herrn erwählte. Sie allein hat Gott zur Mutter seines Sohnes berufen. Eine ehrenvolle, aber auch sehr schwere Aufgabe. Das bedeutet vor allem auch, dass Maria dazu berufen ist, ein Leben zu führen, das Gottes würdig ist, ein Leben als ein Mensch, so wie Gott ihn haben wollte, ein reiner Mensch, der ganz nach dem Willen Gottes lebt, so wie es Gott in seiner Schöpfung geplant hat. Ein Mensch, der sich nicht verführen lässt von den Verlockungen des Bösen.

Maria hat, von der Gnade Gottes erfüllt und vom Heiligen Geist gestärkt, ein solches Leben als wahrer Mensch gelebt. In der Mühsal der Welt gefangen, hatte sie doch schon auf Erden Anteil am wahren Glück der Kinder Gottes, ein Glück, wie es ein Mensch auf Erden nur erlangen kann, wenn er nach dem Willen Gottes leben möchte.

Als Vollendung ihres Lebens hat es Maria als erster Mensch erlangt, mit Leib und Seele in den Himmel zu gelangen. Gott hat ja den Menschen mit Seele und Leib geschaffen. Gott wollte den Menschen nicht als reines Geistwesen wie den Engel. Daher hat auch der Leib für Gott seine Bedeutung. Auch den Leib will Gott in der Herrlichkeit des Himmels zur Vollendung führen.

Was Maria erlangt hat, ist auch unser Ziel. Wir sind dazu berufen, dem Beispiel Marias zu folgen und hier auf Erden ein Leben nach dem Willen Gottes zu führen. Kein abgehobenes, rein vergeistigtes Leben, sondern ein Leben als Mensch mit Leib und Seele, kein Leben der Flucht aus dieser Welt, sondern ein Leben in dieser Welt, ein Leben, das all das Gute sieht und sich an all dem Guten freut, das Gott in seine schöne Schöpfung gelegt hat. Aber auch ein Leben, das unterscheidet zwischen diesem Guten, das von Gott kommt, und dem, dem dieses Gutsein fehlt, das uns wegführt von Gott.

Gott will ja unser Glück. Gott will ja, dass wir uns freuen. Die zweite Antiphon zeichnet ein Bild, in dem die jungen Mädchen ihrem Vorbild nacheilen, duftend, in leichten Gewändern. Sie freuen sich mit der Erwählten an ihrer Erwählung, ohne Neid. Daher haben sie auch Anteil an dieser Freude. Ein unbeschwertes Leben.

Wir denken, jeder Mensch hat doch seine Probleme. Wir können nicht wie die Blumenkinder durchs Leben laufen. Aber vielleicht doch irgendwie. Wenn wir uns in all den Widrigkeiten des Lebens, in allen Schmerzen und Leiden ein frohes Herz bewahren. Gott will uns die Kraft geben, nicht am Leid zu zerbrechen. Er kann uns die Kraft schenken, uns trotz allem eine gewisse Fröhlichkeit und Unbeschwertheit zu bewahren.

Vertrauen wir uns auch immer wieder der Fürsprache Mariens an. Sie ist unsere Mutter im Himmel, die uns auch auf Erden nicht fern ist. Wir können den Duft ihrer Salben riechen, wir können hinter ihr laufen. Das schenkt uns Freude und gibt uns Trost. Hier haben wir schon jetzt Anteil an der ewigen Freude der Kinder Gottes. Maria ist mit Leib und Seele bei ihrem Sohn im Himmel. Dies zeigt uns: Der Himmel steht offen, der Himmel hat ein Herz für jeden Menschen.

22.08. Maria Königin

„Im Himmel ist sie Königin – und aller Welt ein Trösterin.“

So singen wir in dem Marienlied, das wir schon am Tag der Himmelfahrt Mariens betrachtet haben (GL 576). Wir glauben, dass Jesus Christus seine Mutter, nachdem er sie mit Leib und Seele zu sich in den Himmel aufgenommen hat, zur Königin des Himmels und der Erde gekrönt hat. Im Auftrag ihres Sohnes übt sie Barmherzigkeit an allen, die sich zu ihr wenden.

Der heilige Aloisius, ein besonderer Verehrer Mariens aus dem 16. Jahrhundert, betet:

Heilige Maria, du bist meine Königin. Deinem heiligen Schutz, deiner besonderen Sorge und deinem mütterlichen Herzen vertraue ich mich heute und täglich und für die Stunde meines Todes an, meinen Leib und meine Seele.

Alle Hoffnung und alle Freuden, alle Besorgnisse und alle Armseligkeiten, mein Leben und das Ende meines Lebens empfehle ich dir. Durch deine Fürsprache und deine Verdienste erlange mir die Gnade, in all meinen Gedanken, Worten und Werken deinen und deines göttlichen Sohnes Willen zu erfüllen.  

08.09. Mariä Geburt

Das Fest Mariä Geburt hat seine Geschichte im Zusammenhang mit dem Bau der Kirche für die heilige Anna am See Bethesda. Dieser Ort galt als Wohnort von Anna und Joachim und somit als Heimat von Maria. Das Fest wurde dann seit dem 6. Jahrhundert in der Ostkirche gefeiert, um 700 durch Papst Sergius I. in Rom eingeführt und breitete sich im 10./11. Jahrhundert in der ganzen katholischen Kirche aus.

Durch Gottes Gnade ist Maria uns als Mutter des Erlösers geschenkt worden. Und dadurch zugleich als Mutter aller, die an Christus glauben. Das ist der Glaube der Kirche. Unter dem Kreuze hat sie der Herr sterbend allen, die ihm in Liebe nahe und verbunden sind, zur Mutter gegeben, als er zu Johannes sagte: "Siehe, deine Mutter" (Joh 19,27). An ihrem Geburtsfest rechnen wir es uns als Ehre an, ihr zu danken, daß sie durch ihr Ja-Wort in die Pläne Gottes zur Erlösung der Menschheit eingewilligt hat. Als demütige Magd des Herrn war sie bereit, dem Anruf und Willen Gottes zu entsprechen. Und deshalb wurde sie von Gott so hoch erhoben, daß sie seinem Sohn zur lebendigen Wohnstatt werden durfte.

Im liturgischen Festkreis werden nur von ganz wenigen Heiligen die Geburtstage gefeiert: so vom hl. Johannes dem Täufer (24. Juni) und eben von der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria (8. September). Wenn die Kirche entgegen ihrer Gewohnheit - nämlich den Todestag eines Heiligen zu feiern - bei Maria auch deren Geburtstag begeht, dann tut sie es, weil sie davon zutiefst überzeugt ist, daß Maria heilig ist, das heißt ohne Erbsünde geboren wurde.

Maria hat Gott im Voraus erkannt als die Mutter seines Sohnes und er hat sie durch ihre Aufnahme mit Leib und Seele in den Himmel teilhaben lassen an Wesen und Gestalt seines Sohnes. Aber auch das müssen und dürfen wir frohen Herzens bekennen: Wer unter allen Menschen hätte Gott wiederum mehr geliebt als Maria? Sie ist nicht nur die "von Gott Geliebte", sondern auch die große Gottliebende. Möge sie uns darin Vorbild sein.

Maria wurde durch das Wirken der Gnade Gottes zum einzigartigen Tempel des Heiligen Geistes, zur liebenden Mutter des Sohnes und zur bevorzugten Tochter Gottes, des Vaters. Kein Geschöpf steht Gott näher als Maria. Und doch ist sie Mensch wie wir. Sie ist uns in den Nöten der Welt und des Lebens nahe, denn sie selber wurde vom Schwert des Schmerzes und des Leides nicht verschont (vgl. Lk 2,35) und sie weiß daher auch um jede irdische Not, die vor ihr hingetragen wird.

Mariä Geburt – Hoffnungszeichen

In der Liturgie der Kirche singen wir heute:

Deine Geburt, Jungfrau und Gottesgebärerin, hat der ganzen Welt Freude gebracht. Denn aus dir ging hervor die Sonne der Gerechtigkeit, Christus unser Gott.

Wenn ein Kind geboren wird, so ist das in der Regel ein freudiges Ereignis. Wir staunen immer wieder neu über das Wunder des Lebens, wie ein neuer Mensch im Schoß einer Frau heranwächst und dann hineintritt in diese Welt. Die Geburt ist immer ein Zeichen der Hoffnung, dass das Leben weitergeht auf dieser Erde.

Jeder Mensch hat seinen Platz auf dieser Erde, für jeden Menschen gibt es eine Aufgabe, jeder kann dort wo er steht, im Großen oder im Kleinen, etwas in dieser Welt verändern. Kein Mensch ist unnütz. Gott setzt in jeden Menschen die Hoffnung, dass er fähig ist, der Welt etwas Gutes zu geben.

In der Bibel lesen wir von Menschen, die Gott schon bei ihrer Geburt zu etwas Besonderem erwählt hat. So ist es bei den Stammvätern des Hauses Israel, bei Mose, beim Propheten Samuel und vielen anderen. Sie nehmen in ihrem Leben einen Platz ein, der die Geschichte der Menschheit entscheidend verändert und erfüllen eine Aufgabe, die ihnen allein zukommt.

So war es auch bei Maria. Wir glauben, dass Gott sie schon vor ihrer Geburt dazu erwählt hat, die Mutter seines Sohnes zu sein. Die Legende erzählt daher, was es Wunderbares mit der Geburt Mariens auf sich hatte, wie ihre Eltern, Joachim und Anna, nach so vielen Jahren vergeblichen Wartens endlich das ersehnte Kind geschenkt bekamen.

Gott setzt immer wieder seine Hoffnung auf Menschen, dass sie bereit sind, seinem Willen zu folgen. Er weiß, wie leicht Menschen verführbar sind und sich andere Ziele suchen und so Gottes Plan, der das Gute des Menschen will, am Eigensinn des Menschen scheitert, an der Freiheit, die Gott dem Menschen gegeben hat, damit er aus freien Stücken Ja sagt zu Gott, die aber auch die Möglichkeit des Nein in sich enthält.

Maria hat Ja gesagt. Ihr ganzes Leben hat sie Gott geweiht. Wir wissen nicht, ob sie schon als Kind um ihre besondere Erwählung wußte. Als dann aber der Engel zu ihr kam, da war sie bereit Ja zu sagen zum Plan Gottes, der sie zur Mutter seines Sohnes erwählt hatte.

Das ist die Freude der Menschheit bis zum heutigen Tag, dass Maria die Hoffnung, die Gott in sie gesetzt hat, nicht enttäuscht hat. So konnte Gottes Plan des Heils für uns Menschen gelingen.

Wir brauchen nicht denken, dass Gott sich nur wenige Menschen aussucht und die anderen dann machen können, was sie wollen. Freilich, es gibt immer wieder Menschen, durch die Gott auf ganz besondere Weise wirkt. Aber letztendlich glaube ich, dass Gott mit jedem von uns einen Plan hat. Jeder hat einen Platz auf dieser Welt, den nur er allein besetzen kann um dort – wenn auch nur im ganz Kleinen – den Menschen etwas von dem Licht zu bringen, mit dem Gott die Finsternis dieser Welt hell machen will. Blicken wir auf zu Maria und bitten sie, dass sie uns helfe, diesen unseren Platz zu finden.

12.9. Mariä Namen

Der Name Maria, der dem hebräischen Namen mirjam entspricht, ist weit verbreitet. Schon im Alten Testament finden wir ihn, die Evangelien erwähnen mehrere Frauen, die diesen Namen tragen und bis heute ist er sehr beliebt. Da ist es umso verwunderlicher, dass eigentlich niemand so genau weiß, was dieser Name bedeutet.

Manche deuten ihn als „die von Gott Geliebte“, aber auch als „Schöne“, „Herrin“. Der große Verehrer Mariens, Bernhard von Clairvaux, schreibt eine lange Auslegung über die Deutung des Namens Maria als „Stern des Meeres“.

Ein eigenes Fest des Namens Mariens gab es im 16. Jahrhundert in Spanien, 1683 breitete Papst Innozenz XI. es auf die ganze Christenheit aus, als Dank für den Sieg über die Türken bei Wien. 1970 wurde das Fest im römischen Kalender gestrichen, blieb aber als Eigenfest des deutschen Sprachgebietes bei uns erhalten.

15.09. Schmerzen Mariens

Am Tag nach Kreuzerhöhung feiern wir das Fest der Schmerzen Mariens. Als Mutter des Sohnes Gottes war das Leben für Maria nicht eitel Sonnenschein. Sie konnte lange nicht verstehen, was es mit ihrem Sohn auf sich hat. Schmerzhaft war es für die Mutter zu sehen, wie ihr Sohn doch so anders, so unerforschlich ist. Schon nach seiner Geburt wurde Maria von Simeon im Tempel der Schmerz vorhergesagt, den sie seinetwegen leiden müsse.

Den größten Schmerz leidet Maria, als sie unter dem Kreuz ihres Sohnes steht. Den sie geliebt hat, er ist tot und dazu die bange Frage: War alles umsonst? Hat sie vergebens all die Mühen durchlebt mit ihrem Sohn? Doch ihr Glaube war nicht vergebens. Als Christus von den Toten aufersteht, weiß sie, wofür sie all das gemacht hat.

Maria kennt das Leid, daher können wir zu ihr kommen mit all unseren Sorgen und Nöten. Sie trägt sie hin zu ihrem Sohn und schenkt uns Trost und Hilfe.

07.10. Unsere liebe Frau vom Rosenkranz (siehe auch oben unter Rosenkranz)

Zum Dank für den Sieg über die Türken bei Lepanto am 7. Oktober 1571, der dem Rosenkranzgebet zugeschrieben wurde, ordnete Pius V. (1566 - 1572) für den ersten Jahrestag des Sieges ein Marienfest an. Gregor XIII. hat 1573 allen Kirchen, die über einen Rosenkranzaltar verfügten, die Einrichtung eines Rosenkranzfestes am 1. Sonntag im Oktober gestattet. Das Fest wurde auf die ganze Kirche ausgedehnt, nachdem 1716 ein Sieg über die Türken in Peterwardein errungen worden war. 1913 legte Pius X. den Festtermin zurück auf den 7. Oktober. Im aktuellen Festkalender erscheint der Termin als Gedenktag "Unsere liebe Frau vom Rosenkranz".

Das Rosenkranzgebet entwickelte sich aus Anrufungen, die täglich 50 oder 150 mal (in Anlehnung an den Psalter) wiederholt wurden und es auch Laien ermöglichen sollten, ein regelmäßiges Gebet wie das Breviergebet der Geistlichen vollziehen zu können. Zum Abzählen dienten Schnüre mit Perlen oder Knoten. Im 13. Jahrhundert wurde diese Gebetsübung von einem Zisterziensermönch als 'Kranz geistlicher Rosen zu Ehren Marias' bezeichnet. Da die Rose Marias Blume ist und viele bildliche Darstellungen und Lieder das Motiv der Rose (und der Dornen) verwenden, war der Name Rosenkranz bald allgemein gebräuchlich. Das Rosenkranzgebet bringt uns mit Maria in enge Verbindung mit dem Leben, dem Leiden und der Herrlichkeit Jesu. Indem der Rosenkranz uns anhält, dies zu betrachten, deutet er unser Leben und hebt es in das Licht des Glaubens. Durch die Wiederholung schafft der Rosenkranz einen Zustand des Betens. Daher ist er eine wichtige Form für die Gemeinschaft und für den einzelnen.

Den Rosenkranz beten ist tatsächlich nichts anderes, als mit Maria das Antlitz Christi zu betrachten. (Johannes Paul II.)

Der Rosenkranz ist ein Verweilen in der Lebenssphäre Mariens, deren Inhalt Christus ist. (Romano Guardini)

Als biblisches Gebet, in dessen Mitte das Geheimnis der erlösenden Menschwerdung steht, ist der Rosenkranz ganz klar auf Christus hin ausgerichtet. Auch sein charakteristisches Element, die litaneiartige Wiederholung des "Gegrüßet seist du, Maria", wird zu einem unaufhörlichen Lobpreis Christi ...: Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! (Paul VI.)